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Untersuchung der Intergruppengruppenbeziehung und -kommunikation zwischen Fußballvereinen und Ultragruppierungen

Ein Forschungsbericht

Hausarbeit 2011 56 Seiten

Medien / Kommunikation - Forschung und Studien

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Problemstellung: Konflikte zwischen Ultragruppierungen und VereinenDR
2.1 Die Ultrabewegung
2.2 Aktivitäten, Einstellungen und Zielsetzungen der Ultras
2.3 Fußballbezogene Medienberichterstattung
2.4 Forschungsfragen

3. Theoretischer Hintergrund mit Anwendungsbeispielen zur Ultra-Verein-IntergruppenbeziehungCP
3.1 Soziale Identität
3.2 Stereotype, Vorurteile und Stereotypisierung
3.3 Emotionalisierung

4. Stand der empirischen ForschungRB

5. Induktion der HypothesenRB

6. Methodisches DesignNW
6.1 Befragung
6.2 Quantitative Inhaltsanalyse
6.3 Bezug zu den Hypothesen
6.4 Einschränkungen

7. Erwartete Ergebnisse und FazitRB

8. Literaturverzeichnis

Anhang
I. Ultra-ManifestDR
II. FragebogenNW
III. CodebuchNW

1. Einleitung

Diese Projektarbeit ist innerhalb des Seminars „Intergruppenkommunikation“ an der Friedrich-Schiller-Universität Jena entstanden. Ausgehend von der Frage, welche Phänomene von Intergruppenbeziehungen in der Realität zu beobachten sind, kamen wir über faschistisch eingestellte Gruppierungen und deren Beziehung zu Fußballanhängern, zu der vermehrt medial genannten Gruppe der „Ultras“.

Gerade im Zusammenhang mit Gewaltausbrüchen rund um die Spieltage der deut- schen Fußball-Bundesligen taucht immer öfter der Begriff „Ultra“ in den Schlagzeilen deutscher Medienangebote auf. Ganz beispielhaft als Schlagzeile und als Ausgang unserer sozialpsychologischer Überlegungen lautete ein Artikel auf Stern.de (Bellstedt, 2011): „Ultras in der Fußball-Bundesliga - Wenn Fans zu Feinden werden“. Noch inte- ressanter für die weitere Betrachtung und die Analyse der Intergruppenbeziehung sind jedoch folgende Sätze der Unterschlagzeile (ebd.): „In Frankfurt hat ein Polizist zum Selbstschutz Gebrauch von seiner Schusswaffe gemacht. Eine Gruppe von Ultras hat- te ihn massiv bedroht. Gewalt und Provokation sind Teil der Ultra-Fankultur. Was neu ist: Die ‚Fans‘ greifen immer öfter auch den eigenen Verein an.“ In dieser Aussage steckt der Ursprung unserer Überlegungen. Zuvorderst ist zu klären was eine ‚Gruppe von Ultras‘, ist und inwiefern sie sich von ‚normalen‘ Fans oder auch von Hooligans unterscheidet. Im folgenden Kapitel wird diese Ultrabewegung dargestellt. Es wird ver- sucht deren Aktivitäten, Einstellungen und Zielsetzungen zu erörtern. Weiter werden in dem Kapitel die Probleme, bzw. Konflikte herausgestellt, die in der Kommunikation mit dem Verein, der eigentlich das zentrale Objekt einer unterstützenden Gruppierung wie der Ultras ist, auftreten. Das solche Probleme auftreten müssen, erschließt sich eben- falls aus der oben genannten Unterschlagzeile, wenn Bellstedt sc hreibt, dass diese „Fans“ immer öfter auch den eigenen Verein angreifen. Im zweiten Kapitel wird es s o- mit auch darum gehen, wie solche „Angriffe“ geäußert werden. Wie äußert diese Grup- pierung überhaupt ihre Ansichten und Forderungen? Wie antwortet der Vere in darauf? Es geht also um die kommunikationspsychologisch interessante Frage, wie die Kom- munikation zwischen diesen beiden Parteien stattfindet. Wie aus der genannten Schlagzeile zu entnehmen ist, konzentriert sich die indirekte Kommunikation, v.a. die medial vermittelte, auf die negativen Handlungen der Akteure. In dieser Arbeit soll es darum gehen, ob solche Darstellungen somit die Probleme oder Konflikte induzieren oder verschärfen. Und wenn ja, wie man dem entgegentreten kann. In Zeitungen sind ebenso interessante Äußerungen über Positivbeispiele der Kommunikationsmöglic h- keiten zu finden, wie folgende Zeilen in der FAZ:

Die Vereine suchen zu wenig direkte Kommunikation. Was tun? In Hannover hat es zuletzt ein Beispiel gegeben, das die Fanexperten als einen Anfang sehen. Nach einer der vielen Niederlagen pfiffen die Fans die Mannschaft von Mirko Slomka aus. Die Fans und der Trai- ner setzten sich danach zusammen. Slomka sagte, dass er von Fans eigentlich erwarte, dass sie die Mannschaft in schwieriger Lage unterstützten - und versprach auf der anderen Seite, dass er alles dafür tue, dass die Spieler alles geben. Und er natürlich auch. Das nächste Spiel in Wolfsburg ging wieder daneben, aber die Fans feierten ihre Spieler trotz- dem. So könnte es gehen, sagen die Fanexperten. Ideal wäre es, wenn die Initiative vom Verein ausginge und man kontinuierlich im Gespräch sei. Bisher jedoch suchten die meisten Vereine noch immer zu wenig direkte Kommunikation - weil der Leidensdruck fehle und die Ultras ebenso instrumental als reiner Stimmungsfaktor im Stadion betrachtet würden.“ (Horeni, 2010)

Aus den Ausführungen in Kapitel 2 werden abschließend die dieser Projektarbeit zugrunde liegenden Forschungsfragen abgeleitet und dargelegt.

Im darauffolgenden Abschnitt soll es darum gehen die betrachtete Intergruppenbezie- hung mit relevanten Theorien der Sozial- und Kommunikations-psychologie und der Kommunikationswissenschaft zu verknüpfen. An dieser Stelle kann ebenfalls die Stern- Schlagzeile herangezogen werden, um einen höchst interessanten Aspekt weiter zu verfolgen: Mit der Aussage, dass sich die Gewalt der Fans immer öfter gegen den ei- genen Verein richtet, stellt sich die Frage, was ist in diesem Sinne ‚eigen‘? Mit der Theorie der sozialen Identität und der sozialen Kategorisierung wird versucht, das Ei- gene zu untersuchen. Als Anhänger eines Vereins hat man nicht nur eine empfundene soziale Identität, so kann man sich beispielsweise als Teil seines Berufsstandes, oder als Kind von seinen Eltern sehen. Inwieweit grenzen sich also Ultragruppenmitglieder nun hinsichtlich ihrer sozialen Identität von den („eigenen“) Vereinen ab und hat dies wiederum Auswirkungen auf die Kommunikation?

Im dritten Kapitel werden dazu die Grundlagen der Stereotypisierung und Emotionali- sierung beschrieben. Bezüglich der kommunikativen Austauschprozesse zwischen mehreren Parteien erscheint es immer sinnvoll zu untersuchen, welche sozial geteilten Meinungen (Stereotype) und welche emotionalen Bewertungen (Vorurteile) über die Mitglieder einer sozialen Gruppe vorhanden sind und welche Ursachen und Folgen sie haben können. Bezüglich der Kommunikation sollte ebenso untersucht werden, welche Auswirkungen dann zum Beispiel stereotypisierte Konstruktionen in der Medienbericht- erstattung haben.

Im Anschluss an die Darstellung dieser theoretischen Konzepte erfolgt in Kapitel vier ein kurzer Überblick über den Forschungsstand zu den dargelegten Theorien und Mo- dellen. Hinsichtlich der sozialen Identität, Stereotypisierung und Emotionalisierung werden relevante Studien aus verschiedenen Wissenschaftsrichtungen herangezogen. Diese sind zum Teil Grundlage der Überlegungen zum methodischen Design dieser Arbeit und Untersuchung, die im sechsten Kapitel dargelegt werden. Bevor die Metho- dik dieser Untersuchung zur Intergruppenkommunikation zwischen Vereinen und Ult- ragruppierungen dargestellt wird, muss jedoch eine Grundlage in Form von Hypothe- sen geschaffen werden. So werden im fünften Kapitel die zuvor dargelegten Problem- stellungen, Forschungsfragen und theoretischen Grund lagen miteinander verknüpft, um abschließend Hypothesen über die Kommunikationsprozesse zwischen Verein und Ultragruppen herzuleiten. Im sechsten Kapitel geht es dann schließlich um die metho- dische Operationalisierung, mit der unsere Hypothesen auf ihre Gültigkeit überprüft werden sollen.

Zum Abschluss wird ein Fazit gezogen, welches versucht, mögliche Ergebnisse zu prognostizieren. Ebenso wird angestrebt, zu klären, inwiefern Probleme bei der methodischen Operationalisierung auftreten können und inwieweit es wünschenswert wäre, solch eine Untersuchung durchzuführen und welche Anknüpfungspunkte zu weiteren Forschungen gegeben sind.

2. Problemstellung: Konflikte zwischen Ultragruppierungen und Vereinen

In diesem Abschnitt soll es darum gehen, die Ultrakultur an sich sowie die Medienberichterstattung darüber zu beschreiben, um im Anschluss daran adäquate Forschungsfragen als Ausgangspunkt unserer Betrachtungen formulieren zu können.

2.1 Die Ultrabewegung

Die Ultra-Bewegung ist eine recht junge Jugendsubkultur, die sich im Laufe der letzten Jahrzehnte entwickelt hat und sich bis heute in einem Zustand der konstanten Verän- derung befindet. Herausgebildet hat sie sich in Südeuropa im Laufe der 1960er Jahre (vgl. Hoffmann, 2008). Zu dieser Zeit formierten sich erstmals organisierte Unterstützer in den Rängen der Fußballstadien, deren Denkweisen eng an die damalige linksgeric h- tete Protestbewegung angelehnt waren (vgl. Pilz et al. 2006, S. 162). Im Jahre 1968 bildete sich mit der „Fossa Dei Lioni“ erstmalig eine organisierte Gruppierung heraus, die auch den Begriff „Ultra“ salonfähig machte und von nachfolgenden Gruppierungen aufgegriffen wurde (vgl. Pilz et al., 2006, S. 162). Neben der hier verwendeten Schreibweise kann der Begriff gleichfalls mit einem Gravis an letzter Stelle geschrieben werden („Ultrà“). Er bezeichnet extrem passionierte Fans oder Anhänger einer be-stimmten Mannschaft und soll auch eine sprachliche Abgrenzung von den kommerziell orientierten Fußballfans, den „Tifosi“, darstellen (Hoffmann, 2008).

Von Italien aus breiteten sich Ultragruppierungen innerhalb der folgenden 40 Jahre in Richtung Norden aus. Der Begriff wird überall in Europa benutzt aber stets geringfügig anders definiert. Man kann also nicht von „der Ultraszene“ sprechen; so sind die Ziele und Ansichten - teils sogar innerhalb bestimmter Gruppierungen - inhomogen (vgl. Pilz et al., 2006, S. 12). Dennoch verbinden die Ultras dieselben Zielsetzungen. Zu- meist werden die Teilnehmer dieser Bewegung als sehr emotional geprägte, aktiv am Geschehen teilnehmende und engagierte Fans verschiedener Sportarten definiert. So kann man sich das Phänomen „Ultra“ als eine Zusammensetzung unterschiedlicher Gruppen, Szenen und Bewegungen vorstellen, die europaweit unabhängig voneinan- der agieren. Dabei sei angemerkt, dass diese Gruppenerscheinungen auch innerhalb anderer Sportarten auftreten, zum Beispiel im Eishockey oder Basketball. Der Schwer- punkt dieser Facharbeit liegt auf der fußballbezogenen Ultra-Bewegung in Deutsch- land, die in der zweiten Hälfte der 90er Jahre entstanden ist und seitdem stetig wächst. Im Bereich des deutschen Profi-Fußballs, der sich von der ersten Bundesliga bis in die dritte Liga erstreckt, konnte man den „harten Kern“ der Szene im Jahre 2005 auf knapp 7000 Anhänger einschätzen (vgl. Pilz et al., 2006, S. 71). „Harter Kern“ deshalb, weil sich im Laufe der Jahre neue Ultra-Generationen gebildet haben und die Szene von zahlreichen „ultraorientierten Fußballfans“ ergänzt und unterstützt wird. Innerhalb der verschiedenen Gruppierungen besteht aufgrund unterschiedlicher Rahmenbedingun- gen eine große Heterogenität. Der Zugang zu einer Ultragruppierung ist somit einfach und nicht an bestimmte Bedingungen gebunden.

Gunter A. Pilz veröffentlichte im Jahre 2006 mit einem Team wissenschaftlicher Mitar- beiter in seiner Studie zum Thema „Die Wandlungen des Zuschauerverhaltens im Pro- fifußball“ eine Teilstudie mit dem Namen „Ultraszene in Deutschland“. Diese zeichnet ein detailliertes Bild, das ausgehend von einer umfangreichen quantitativen Fragebo- generhebung unter Szenemitgliedern entstanden ist. Die deutsche Ultrabewegung be- steht demzufolge durchschnittlich aus Menschen in einem Alter von 15 bis 25 Jahren und ist klar männerdominiert (vgl. Pilz et al., 2006, S. 77). Chauvinistische Verhältnisse herrschen innerhalb der Gruppierungen jedoch nur in den wenigsten Fällen. Frauen können sich dieser Bewegung ebenso anschließen wie Männer, nur sind sie weitaus seltener vorhanden. So sind nur in den wenigsten Kollektiven mehr als 20% weibliche Mitglieder zu finden (vgl. Pilz et al., 2006, S. 87). Obwohl die deutsche Ultraszene als organisierte Subkultur einen starken Kontrastpunkt zu den unorganisierten Fußballfans darstellt, sind die wenigsten Gruppierungen eingetragene Vereine. Sie organisieren sich über eigens aufgestellte Hierarchien und Führungsgremien. In diesen agieren zu-meist die engagiertesten Personen des Kollektivs (vgl. Pilz et al., 2006, S. 94).

Noch immer ist die Szene selbst an keinem direkten Ziel angekommen, wobei die Ultras selbst höchst unterschiedliche Ansichten über die Entwicklungen der letzten Jahre haben, wie sich in zahlreichen Interviews herausgestellt hat. Fest steht jedoch, dass sie gegenwärtig neben anderen Fan-Kulturen im Stadion koexistieren und bislang noch keine so weitreichende „Macht“ im Stadion innehaben wie die italienischen Vorbilder. Dennoch prägen die Ultras ohne Frage „die Ausdrucksformen der heute in den Stadien vorzufindenden Fankultur maßgeblich“ (Gabler, 2010, S. 95).

Abgrenzungen von ä hnlich gesinnten Gruppierungen

In den 80er Jahren tat sich die Wissenschaft noch schwer mit einer eindeutigen Defini- tion von „Fußballfans“ im Allgemeinen (vgl. Kübert / Neumann, 1994, S. 22). Durch eindeutige Selbstkategorisierungen und auffällige Aktionen in den Fanblöcken machen die Ultras es der Wissenschaft einfach, klare Abgrenzungen zwischen dem „normalen“ Fußballfan und ihrer eigenen Kultur zu ziehen: Während ersterer den Sport wie eine Ware konsumiert, sieht sich der Ultra als bewussten Gegenpol dazu. Auch die gängige Unterscheidung eines in konsum-, fußball- und erlebnisorientierten Fußballfan wurde im Laufe der 90er Jahre zunehmend obsolet (vgl. Gabler, 2010, S. 77). Die Abgren- zung zu den Hooligans muss da schon differenzierter ausfallen, nicht zuletzt, da man aufgrund des augenscheinlich gleichen Dresscodes von Hooligans und Ultras auf Pa- rallelen in der Gesinnung schließen kann. Gunter A. Pilz kommt in den Ergebnissen seiner Studie zu dem festen Schluss, dass Ultras definitiv nicht mit Hooligans gleichz u- setzen seien (vgl. Pilz et al., 2006, S. 13). So wird eine klare Grenze zwischen der offen ausgetragenen Lust an Gewalt der Hooligans und des ritualisierten Auslebens von Konkurrenz bei den Ultras gezogen. Ultras geht es viel eher um „die Provokation, die Rivalität, die Selbstdarstellung und Abgrenzung zu anderen Fan- bzw. Ultragrup- pen“ (Pilz et al., 2006, S. 13) als um Vergnügen an Gewalt. Die Darstellung und das Nach-außen-Tragen sowohl der eigenen Identität als auch der Gruppenidentität stellen hier den größten Unterschied dar. Allerdings kann und darf man das Gewaltpotential der Ultra-Szene deswegen nicht gleich abstreiten. Wenn Gewalt von Ultras eingesetzt wird, kann diese eher als reaktiv und instrumentell umschrieben werden, wohingegen die Hooligans Gewalt als lustvolles Mittel zur Schaffung einer positiven Identität ans e- hen (vgl. Pilz et al., 2006, S. 13). So sind gewaltvolle Auseinandersetzungen der Ultras als ungeplant, emotional, fußballbezogen, und in Gruppen gegen bewusste Feindbilder zu bezeichnen, während Hooligans ein bewusstes Bedürfnis nach Gewalt unter Gleichgesinnten auf einer professionellen, beinahe wettkampfartigen Ebene außerhalb von Fußballspielen ausleben (vgl. Pilz et al., 2006, S. 215). Trotz dieser ungeschriebe-nen Regeln existieren dennoch Gruppenmitglieder, die dem Hooliganismus naheste- hen, da es keine festen Regeln für das „Ultra-Sein“ per se gibt. In den letzten Jahren hat sich somit eine neue Qualität von Fußballfan herausgebildet, der bereits in der wis- senschaftlichen Betrachtung Aufmerksamkeit erlangt hat. Pilz nennt diese Mischung aus Ultras und Hooligans schlicht Hooltras (vgl. Pilz et al., 2006, S. 217). Diese teilen die Lust an der offenen Gewalt mit den Hooligans und die Liebe sowie den uneinge- schränkten Support zum eigenen Verein mit den Ultras (vgl. ebd.). Obwohl die Hooltras derzeit lediglich einen kleinen Teil der Ultra-Szene ausmachen, erkennt man deutlich, wie schnell sich diese im Laufe von wenigen Jahren ändern kann.

2.2 Aktivitäten, Einstellungen und Zielsetzungen der Ultras

Die Zielsetzungen der Ultras artikulieren sich zunächst in einer nahezu bedingungslo- sen Unterstützung des jeweiligen Vereins. So sind Ultragruppierungen möglichst bei jedem Heimspiel und - noch viel wichtiger - bei jedem Auswärtsspiel „ihrer“ Mann- schaft anwesend. Dieser Support wird durch organisierte Aktionen deutlich gemacht. Verschiedenste Mittel wie Choreografien, bemalte Banner, Fahnen oder Wimpel, die nicht selten in wochenlangem Arbeitsaufwand nur für bestimmte Spiele hergestellt werden, stellen das Sprachrohr der Ultras dar. Vor einigen Jahren stand, analog zum italienischen Vorbild, noch das Abbrennen von bengalischen Feuern, Rauchbomben oder sonstiger Pyrotechnik im Vordergrund. Aufgrund negativer medialer Berichterstat- tung entwickelte sich jedoch ein bundesweites Verbot jeglicher pyrotechnischer Effek- te, das mit strengen Bestrafungen einherging. Somit spielt diese Art von Choreografie mittlerweile immer weniger eine Rolle, obwohl die Faszination für Pyrotechnik bei Ult- ras ungebrochen zu sein scheint (vgl. Pilz et al., 2006, S. 86). Neben dem Support des eigenen Vereins wird zugleich die Rivalität zu gegnerischen Vereinen ausgelebt. „Ein- zig und allein der erlebnisorientierte Support-Wille, die extreme Lust, den Verein bzw. die Mannschaft 90 Minuten lang im Dauereinsatz […] zu unterstützen“ bildet einen ge- meinsamen Nenner in allen europäischen Ultrakulturen (Pilz et al., 2006, S. 71). Kaum Relevanz erfahren dahingegen die Nationalmannschaften: Beinahe alle deutschen Ultragruppierungen sind lokalen Vereinen zuzuordnen, da die Ultras sehr stark mit „ih- rer“ Stadt und somit auch „ihrem“ Verein verwurzelt sind (vgl. Pilz et al., 2006, S. 15).

Insgesamt legen Ultras also viel Wert darauf, dass ihre Stimme gehört wird. Diese Art der Aufmerksamkeitserregung fängt bereits bei den Namensgebungen der Gruppierungen an: So ziehen sie mit Namen wie Inferno, Attacke, Chaoten oder Psy- chopathen vermehrt Aufmerksamkeit auf sich und erstellen schon auf passive Weise ein bestimmtes Bild beim Betrachter. Ebenso vollzieht es sich auf interpersonaler Ebe-ne: Der typische Ultra legt hohen Wert auf sein äußeres Erscheinungsbild und die da- mit verbundene Wirkung. Aus diesem Grund werden von den Gruppierungen zahlrei- che Kleidungsstücke, Choreographien oder ähnliche Symbole, die für eine deutliche Abgrenzung stehen, entwickelt und teilweise über die Homepages vermarktet (vgl. Pilz et al., 2006, S. 12). Diese Produkte, die nicht selten einen immensen Zeit- und Arbeits- aufwand in Anspruch nehmen, werden während der Spiele deutlich nach außen getra- gen. Umfrageergebnisse ergaben zudem, dass an diesen Zielsetzungen nicht nur am Wochenende, sondern auch unter der Woche gearbeitet wird (vgl. Pilz et al., 2006, S. 74). Die Identität der Ultras beschränkt sich also auf den gesamten Alltag, „die Schule, der Beruf, die Freundin oder die Familie muss sich dann dem Fußball unterordnen“ (ebd.). Diese Einstellung der Ultras ist somit als identitätsstiftend zu bezeichnen und äußert sich gleichzeitig in der bewussten Abgrenzung von öffentlichen, kommerzorientierten Fanclubs (vgl. Sommerey, 2010, S. 63). Neben der Zuneigung ihres Vereins widmen sich die Ultras jedoch auch den Protest und der Demonstration, indem mit bestimmten Aktionen Missstände aufgezeigt werden (vgl. Pilz et al., 2006, S. 106 ff.). Besonders betrifft dies vereinspolitische Belange.

Politisierung

Zu Beginn sind die Gedankengänge der Ultragruppierungen sozialistischen und links- orientierten Idealen Italiens entsprungen, bis sich in den 1980er Jahren besonders in osteuropäischen Ländern auch rechtsgerichtete Gruppierungen herausgebildet haben (vgl. Hoffmann, 2008). Gegenwärtig spielt Parteipolitik innerhalb der Gruppierungen theoretisch keine Rolle - es wird zumeist keine klare politische Richtung kundgetan oder als Voraussetzung für den Beitritt einer Gruppierung bestimmt (vgl. Sommerey, 2010, S. 97). Ausnahmen bestätigen jedoch die Regel, was nicht selten dazu führt, dass Ultras von Massenmedien zu Unrecht in bestimmte politische Lager gesteckt werden.

Ultras unterstreichen die „Macho-Kultur“ des Fußballs durch Ideale wie Stärke, Macht und Männlichkeit sowie dem Äußern homophober und sexistischer Sprüche während der Fußballspiele. Allerdings sehen sie diese Art der Diskriminierung nicht als ein wirk- liches Problem an - ganz im Gegensatz zu rassistischen, fremdenfeindlichen oder rechtsextremen Statements und Parolen, die von beinahe allen Gruppierungen tabui- siert werden (vgl. Pilz et al., 2006, S. 103). Viel wichtiger als Parteipolitik, die auf radi- kaler Ebene in den meisten Fällen unerwünscht ist, sind den Ultras die Belange der Vereinspolitik, eine Mitbestimmung auf ebendieser Ebene und „das Aufdecken und Ändern von vermeintlichen Missständen im heutigen ‚Wirtschaftsprodukt: Fußball‘“ (Pilzet al., 2006, S. 213). Die Gruppierungen „reagieren wie ein Seismograf auf vereins -und ligapolitische[r] Ebene“ (Pilz et al., 2006, S. 13) und versuchen ihre Forderungen auch vehement kundzutun und durchzusetzen. Dabei kann es sich um Belange wie bestimmte Spielertransfers, aber auch um den Stadionumbau gemäß offizieller Ver- bandsrichtlinien handeln. Größtenteils fordern die Ultras mehr Demokratie und Mitbe- stimmung in Zeiten von Repression und Stigmatisierung, die in Form von präventiven Durchsuchungen, Videoüberwachung, Datenspeicherung und vielem mehr abläuft (vgl. Gabler, 2010, S. 77 f.). Einige Themen sind zudem von solch einer hohen Relevanz, dass sich mehrere konkurrierende Ultragruppierungen zusammenschließen, um ge- meinsam zu demonstrieren (vgl. Sommerey, 2010, S. 95 f.). Geht es also um die rei- nen Zielsetzungen und Einstellungen, kann auf den weitläufig bekannten Ultra-Spruch „Getrennt in den Farben, vereint in der Sache” zurückgegriffen werden. Die Freund- Feind-Mentalität überträgt sich für die Anhänger der Gruppierungen auf einen weiten Bereich, der nicht nur die Liebe zur eigenen bzw. den Hass auf die gegnerische Mann- schaft abdeckt. So teilen auch augenscheinlich verfeindete Gruppierungen gemeinsa- me Feindbilder, die sich zum Großteil in der Polizei, den Fußballverbänden und den Medien manifestieren (vgl. Pilz et al., 2006, S. 14). Die Wut der Ultras konzentriert sich also zum Großteil auf diejenigen Personen, Institutionen und Organisationen, die den Ultras Freiräume entziehen und sie in ihrem Handeln einengen. Diese gebündelte ne- gative Energie ist ein fester Bestandteil der Ultrakultur und hilft, die Identität der Grup- pen aufrecht zu erhalten.

Intergruppenbeziehungen zwischen Ultras, Vereinen und dem DFB

Wie bereits geschildert, sind die Ultragruppierungen zum Großteil unpolitisch einge- stellt. Sie verbannten zwar den Fremdenhass im Laufe der Zeit, aber Ausbrüche ein- zelner lassen die Szene stets gewaltbereit erscheinen (vgl. Bossaller, 2010), was sich auch weit über die politischen Ansichten erstreckt. Somit sind auch die Vereine selbst eher skeptisch gegenüber den Gruppierungen eingestellt. Dies verstärkte sich in den letzten Jahrzehnten zusehends und sorgte 1993 für eine Einführung des bundesweiten Stadionverbots, das 1998 vom DFB weiter verschärft wurde und in einer Musterstadi- onordnung gipfelte, die von allen Vereinen einzuhalten war (vgl. Gabler, 2010, S. 107). Ursprünglich aufgrund der Eindämmung von Rechtsextremismus im Stadion ausgeru- fen, kann dieses Verbot mittlerweile beliebig ausgeweitet werden, um auch anderweiti- ge Aggressoren und Unruhestifter auszuschließen. Dieses scheinbar willkürliche Druckmittel sowie die Intransparenz in dessen Durchführung von Seiten des Vereins werden von Ultras scharf kritisiert (vgl. Gabler, 2010, S. 108). Dennoch bleibt den Ver- einen aus Befürchtung negativer Presse und hoher Geldstrafen nur selten eine Mög-lichkeit, diese Reglementierungen zu umgehen, was eine weitgehende Spaltung von Fans und Verein nach sich gezogen hat. Auf der anderen Seite versuchen Ultras mit ihren Aktionen diese immer größer werdende Kluft zu schließen und somit eine neue Dimension von Nähe herzustellen. Viele Gruppierungen greifen dafür auf ein Ultra- Manifest1 zurück, das von der Homepage des AS Roma übernommen und ins Deut- sche übersetzt wurde. Da diese Sätze einen höchst universellen Charakter besitzen, findet man dieses Manifest auf zahlreichen Homepages deutscher Ultragruppierungen wieder. In diesem heißt es unter anderem, dass Ultras sich zusammenschließen sol- len, um gegen die Kommerzialisierung und Vermarktung des Fußballs, die von den Vereinen, Funktionären und den Medien vorangetrieben wird, anzukämpfen.

Massenmedien als Feindbilder der Ultras

Die Darstellung der Ultras als „Problemfans“ von offizieller Seite des Vereins wird von den Medien oftmals aufgegriffen und unverändert wiedergegeben. Diese unsachge- mäße mediale Berichterstattung kann gleichsam auch ein erhöhtes Problempotential innerhalb der Ultrabewegung mit sich ziehen. Einseitige und schlichtweg falsche Nach- richten tun dabei ihr Übriges, um die Wut der Ultragruppierungen aufzuheizen. So wur- de in der Saison 2002/2003 gegen willkürliche und undifferenzierte Berichterstattung demonstriert, die in einer Kampagne gipfelte, welche den Fernsehsendern in einer symbolischen Erklärung untersagte, die Bilder aus der Fankurve zu verwenden (vgl. Sommerey, 2010, S. 70).

In der eingangs erwähnten Studie von Pilz gab über die Hälfte der Befragten an, dass es Ultraszenen gäbe, die sich mit der Hooligankultur überlappen (vgl. 2006, S. 127). So ist es schwierig, die Ultras „von außen“ auch einwandfrei als solche zu identifizieren und vorurteilsfrei darüber zu berichten. Zum besseren Verständnis wird deshalb auf beinahe jeder Homepage von Ultragruppierungen die Philosophie der jeweiligen Grup- pe hinzugefügt, die zum Großteil starke Parallelen mit dem grundsätzlichen Manifest aufweist. So wie sich die Ultras also gegen mediale Berichterstattung auflehnen, so nutzen sie die Massenmedien gleichfalls als Plattform, um dem mündigen Bürger eine differenzierte Darstellung ihrerseits darzulegen. Inwiefern die Ultraszene nun genau von der deutschen Medienlandschaft eingeschätzt wird, soll im nächsten Abschnitt diskutiert werden.

2.3 Fußballbezogene Medienberichterstattung

Zweifelsohne ist der Fußballsport eine wichtige Einnahmequelle für die Sendeanstal- ten. In diesem Zusammenhang muss besonderer Wert auf eine objektive Berichterstat- tung gelegt werden, um über einen längeren Zeitraum hohe journalistische Qualität aufrechterhalten zu können. Schwierig wird dies, wenn man auf die Bedürfnisse fuß- ballsehender Menschen blickt. So wollen diese nicht nur die reinen Ergebnisse erfah- ren, sondern auch unterhalten werden. Der Wert von Sportberichters tattungen ver- kommt somit zu einer schmalen und schwer differenzierbaren Schnittmenge aus Infor- mation und Unterhaltung, die immer wieder neu ausgelotet werden muss.

Nicht selten ist für den Zuschauer ein gewisser Identitätsgrad gegeben. So schlussfol- gerten bereits Kübert et al. Mitte der Neunziger Jahre über das Zuschauerverhalten: „[H]ier kämpfen seine Favoriten, ja: seine Stellvertreter um Medaillen, Prämien, um Anerkennung und wohl auch um Nationalprestige“ (Kübert et al., 1994, S. 14). Doch geht es nicht nur um eine nationale, sondern im hohen Maße auch um eine gemein- same Identität auf lokalpatriotischer Ebene, die über die Medien hergestellt werden kann. Diese identitätsstiftenden Maßnahmen werden im Zuge der Medienberichterstat- tung oftmals unbewusst eingeleitet, so dass durch Regie- und Schnittanweisungen sowie Kommentare von Sportreportern stets ein höchst subjektives Bild vom Fußball- spiel gezeichnet wird. Der Zuschauer ist somit „auf die Erzählung des Fernsehens an- gewiesen und der selektive Charakter der Erzählung prägt das Bild des Spiels“ (Fried- rich / Stiehler, 2006, S. 186). Eine nähere Betrachtung der Medienberichterstattung erscheint somit als notwendig, um eventuell verzerrte Bilder aufzudecken. Bisher gibt es nur sehr wenige Studien, die sich auf eine detaillierte Inhaltsanalyse der Medienbe- richterstattung über Ultras eingelassen hat. Vielmehr wird der allgemeine inszenatori- sche Charakter der Sportberichterstattung in den Mittelpunkt gerückt und der Unterhal- tungswert der Sendungen im Allgemeinen analysiert. So stellten Studien heraus, dass der Fokus der Sendeanstalten in Zeiten von „Infotainment“ vermehrt auf Ästhetik und Dramaturgie gelegt wird (vgl. Friedrich / Stiehler, 2006, S. 187).

Blickt man auf ultra-bezogene Berichterstattungen, wird deutlich, dass die Thematik oftmals unreflektiert behandelt wird. Die Medien leisten sich hierbei viele Oberflächlic h- keiten wie eine Gleichsetzung italienischer und deutscher Ultras oder eine fehlende Differenzierung des Hooliganismus von der Ultrakultur (vgl. Pilz et al., 2006, S. 63). Häufig werden die positiven Verhaltensweisen „nicht oder kaum gesehen, die negati- ven verallgemeinert und zum Teil aufgebauscht“ (ebd.). Ein weiteres Erkennungs- merkmal der Ultras sind die oftmals lokalpatriotischen Ansichten, die durch auffällige Fahnen, Plakate, etc. nach außen getragen werden. Dies macht es den Medien leicht,sie voreilig rechtspolitischen Lagern zuzuordnen. Emotionalisierung ist dabei ein weite-rer wichtiger Faktor, der sich bei der Berichterstattung über Ultras finden kann. So wer- den durch bewusst eingestreute und aufgenommene Bilder bestimmte Gefühle im R e- zipienten hervorgerufen. Diese können von der Regie unterschiedlich starke Revelanzzuschreibungen erhalten, also je nach Zielsetzung auf- oder abgewertet wer- den.

Da all das letzten Endes auch einen Einfluss auf die Politik im allgemeinen sowie die Vereinspolitik im engeren Ausmaß hat, erscheint eine detaillierte Inhaltsanalyse der Medienberichterstattung im Jahre 2011 unabdingbar, um das von den Medien ge- zeichnete Bild mit der realen Selbstwahrnehmung der Ultras abgleichen zu können und somit ein differenziertes Bild zu erhalten. Dabei ist zu bemerken, dass sich die Bericht- erstattung der öffentlich-rechtlichen Sender nicht so stark von den Privatsendern unter- scheidet, wie es zu vermuten wäre - die Sportsendungen beider Sender („ran“ und „Sportschau“) neigen gleichermaßen zur „Infotainisierung“ (vgl. Friedrich / Stiehler, 2006, S. 198 ff).

2.4 Forschungsfragen

Aufgrund der bisher ungenauen wissenschaftlichen Betrachtung verschiedener Aspekte haben sich für uns zwei Forschungsfragen herausgebildet:

- Wie findet Kommunikation zwischen Vereinen und Ultragruppierungen statt?

Neben einer Zuneigungs- und Provokationskultur stellen die Ultras auch eine Demonstrations- und Protestkultur dar (vgl. Pilz et al., 2006, S. 13). Viele Anhänger dieser Bewegung sehen sich somit als „Sprachrohr“ der Fans, wie sie es auf ihren Homepages mitteilen und nicht selten sind es die Gruppierungen selbst, die eine größere identitätsstiftende Funktion besitzen als die alleinige Liebe zum Verein. So finden innerhalb und außerhalb des Stadions oftmals öffentlichkeitswirksame Demonstrationen von Seiten der Ultras statt. Wie erreichen diese Ansichten nun die Vereine, wie werden Sie aufgenommen? Als interessant erscheint dabei der Fakt, dass bisher oftmals lediglich die Forderungen und Ansichten der Ultras betrachtet worden sind, nicht jedoch die Konsequenzen und Ergebnisse von offizieller Seite.

- Inwiefern beeinflusst die mediale Berichterstattung die Kommunikation zwi-

schen Vereinen und Ultras?

Wie bereits erwähnt existieren in der derzeitigen wissenschaftlichen Literatur keine oder nur wenige Befunde, die die mediale Berichterstattung der Ultras untersuchen. Mit der Darstellung als „Chaoten“ oder „Wahnsinnige“ müssen sich die Ultras immer wie-der auseinandersetzen (vgl. Sommerey, 2010, S. 70). Dies kann verheerende Auswir- kungen haben, die in ihren Konsequenzen stark von der eigentlichen Ultra-Philosophie abweichen. So kann es beispielsweise zu der Entstehung eines Andorra-Effekts kom- men. Dieser Begriff aus der Sozialpsychologie besagt, dass sich Menschen oder Gruppen auf die Beurteilungen der Gesellschaft einstellen und entsprechend dieser handeln.

3. Theoretischer Hintergrund mit Anwendungsbeispielen zur Ultra-Verein-Intergruppenbeziehung

Um eine hinreichende Klärung der eben angeführten Forschungsfragen gewährleisten zu können, wird die Theorie der sozialen Identität, die Stereotypisierung, Stereotype und Vorurteile sowie die Emotionalisierung herangezogen. Im Folgenden wird eine nähere Erläuterung über deren theoretischen Hintergrund gegeben, zusätzlich werden diese zur Verdeutlichung an Beispielen zur Ultra-Verein-Intergruppenbeziehung erklärt.

3.1 Soziale Identität

Die soziale Identität in der Sozialpsychologie meint nach Simon und Trötschel „[…] die Erweiterung des psychologischen Selbst-Verständnisses durch Aufnahme von Perso- nen, mit denen man eine Gruppenmitgliedschaft teilt […], in die eigene Selbst- Definition mit entsprechenden emotionalen, kognitiven, motivationalen und verhaltens- bezogenen Konsequenzen“ (2006, S.685). Das Konzept der sozialen Identität wird in der Literatur auch als Schlüssel für das Verständnis von Intra- und Intergruppenbezie- hungen der Sozialpsychologie angesehen und beruht auf vier zentralen Grundannah- men. Frindte (2001) beschreibt diese als Basissätze der sozialen Identität:

- 1. Annahmen über das soziale Kategorisieren : Individuen kategorisieren ihre soziale Welt (Menschen, Objekte und Ereignisse), um die Komplexität der W irklichkeit herabzusetzen (vgl. Frindte, 2001, S.132).
- 2. Annahmen über die soziale Identität: Individuen identifizieren sich selbst mit sozialen Kategorien, die Gesamtheit der sozialen Selbstzuordnungen ist die so- ziale Identität. Jedes Individuum ist bestrebt, eine positive soziale Identität zu haben (vgl. ebd.).
- 3. Annahmen über den sozialen Vergleich: Um eine positive soziale Identität zu entwickeln, braucht man eine positive Beziehung zu seinen relevanten Bezugs-

[...]


1 Eine deutsche Übersetzung dieses Manifests befindet sich im Anhang auf Seite 42.

Details

Seiten
56
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656279921
ISBN (Buch)
9783656280279
Dateigröße
601 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201215
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Institut für Kommunikationswissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Intergruppenkommunikation Fussball Ultra Konflikte Soziale Identität Stereotypisierung Emotionalisierung

Autor

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Titel: Untersuchung der Intergruppengruppenbeziehung und -kommunikation zwischen Fußballvereinen und Ultragruppierungen