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Vergleichende Analyse der Segmentberichterstattung nach IAS 14 und IFRS 8

Eine empirische Untersuchung der DAX-Unternehmen

Bachelorarbeit 2012 81 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Unterschiede zwischen IAS 14 und IFRS
2.1 Bedeutung und Entwicklung der Segmentberichterstattung
2.2 Segmentdefinition und –abgrenzung
2.2.1 Anwendungsbereich
2.2.2 Abgrenzungskriterien
2.2.3 Identifizierung der Geschäftssegmente
2.2.4 Bestimmung der Berichtssegmente
2.3 Segmentangaben
2.3.1 Auszuweisende Segmentdaten
2.3.2 Überleitungsrechnung
2.3.3 Unternehmensweite Angaben
2.3.4 Verpflichtende Erläuterungen
2.3.4.1 Allgemeine Informationen
2.3.4.2 Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden
2.4 Kritische Würdigung

3. Empirische Untersuchung der DAX – Segmentberichte 18
3.1 Methodische Vorgehensweise
3.2 Analyse der Segmentberichte nach IAS 14 und IFRS
3.2.1 Stellung und Umfang der Segmentberichterstattung
3.2.2 Analyse der Segmentabgrenzung
3.2.2.1 Untersuchung der Geschäftssegmente
3.2.2.2 Ausgestaltung der berichtspflichtigen Segmente
3.2.3 Analyse der auszuweisenden Segmentangaben
3.2.3.1 Verpflichtend offenzulegende Segmentkennzahlen
3.2.3.2 Segmentergebnisgrößen
3.2.3.3 Überleitungsrechnungen
3.2.3.4 Unternehmensweite Angaben
3.2.3.5 Erläuterungen
3.2.4 Darstellung der freiwilligen Mehrpublizität
3.3 Ergebnis der Untersuchung

4. Analyse der Segmentberichtsqualität mittels Scoring-Modell
4.1 Design des Scoring-Modells
4.2 Messung der Qualität der Segmentberichterstattung nach IAS 14 und IFRS
4.2.1 Informationsgehalt der normierten Segmentberichterstattung
4.2.2 Freiwillige Zusatzangaben und formale Gestaltung
4.3 Vergleich der Segmentberichtsqualität

5. Schlussbetrachtung

Anhang

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Anhang 1: Vergleich IAS 14 und IFRS 8

Anhang 2: Informationsgehalt der normierten Segmentberichterstattung (IFRS 8) –

Punkteverteilung

Anhang 3: Informationsgehalt der normierten Segmentberichterstattung (IAS 14) –

Punkteverteilung

Anhang 4: Bewertung des Informationsgehalts in den Segmentberichten nach IFRS 8

Anhang 5: Bewertung des Informationsgehalts in den Segmentberichten nach IAS 14

Anhang 6: Freiwillige Mehrpublizität, formale Gestaltung (IFRS 8, IAS 14) –

Punkteverteilung…

Anhang 7: Bewertung der freiwilligen Mehrpublizität und formalen Gestaltung (IFRS 8)

Anhang 8: Bewertung der freiwilligen Mehrpublizität und formalen Gestaltung (IAS 14)

Anhang 9: Rangfolge Scoring-Modell (IFRS 8)

Anhang 10: Rangfolge Scoring-Modell (IAS 14)

Anhang 11: Veränderung der Segmentberichtsqualität nach der Umstellung

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Gesamtheit der zu analysierenden DAX-Unternehmen

Tab. 2: Analyse der Segmentabgrenzung

Tab. 3: Untersuchung der Anzahl berichtspflichtiger Segmente…

Tab. 4: Vergleich der Segmentanzahl im „sekundären“ Berichtsformat

Tab. 5: Analyse der Kernsegmentdaten…

Tab. 6: Vergleich weiterer Pflichtangaben in der Segmentberichterstattung

Tab. 7: Analyse weiterer Segmenterfolgsgrößen…

Tab. 8: Häufigkeit der Offenlegung von verschiedenen Segmentergebnisgrößen

Tab. 9: Überleitungsrechnungen

Tab. 10: Untersuchung der unternehmensweiten Angaben…

Tab. 11: Häufigkeit der Offenlegung geographischer Regionen…

Tab. 12: Analyse der Erläuterungspflichten in der Segmentberichterstattung

Tab. 13: Analyse der freiwilligen Mehrpublizität

Tab. 14: Design des Scoring-Modells

Tab. 15: Bewertung des Informationsgehalts der normierten Segmentberichterstattung

Tab. 16: Rangfolge der fünf besten Unternehmen (Informationsgehalt)

Tab. 17: Bewertung der freiwilligen Mehrpublizität und formalen Gestaltung

Tab. 18: Rangfolge der fünf besten Unternehmen (Mehrpublizität, Gestaltung)

Tab. 19: Vergleich der Segmentberichtsqualität

Tab. 20: Einteilung in die vier Qualitätskategorien

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die in den letzten Jahrzehnten zugenommenen Globalisierungstendenzen von europäischen kapitalmarktorientierten Unternehmen haben dazu geführt, dass die Konzernabschlüsse ab dem Geschäftsjahr 2005 nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) zu erstellen sind. Zu den Pflichtbestandteilen eines IFRS-Abschlusses zählt auch die Publikation eines Segmentberichts.

Die Segmentberichterstattung stellt vor allem für die Jahresabschlussadressaten einen wichtigen Teil der Jahres-/ Konzernabschlüsse dar, weil sie zu einem besseren Verständnis der aktuellen Ertrags- und Finanzlage eines Unternehmens beiträgt. Des Weiteren können heterogene Teileinheiten zutreffender eingeschätzt werden und zukünftige Erträge und Cashflows fundierter beurteilt werden. Weiterhin ermöglicht die Segmentberichterstattung den Abschlussadressaten eine erhöhte Vergleichbarkeit einzelner Unternehmensteilbereiche mit ähnlichen Bereichen anderer Unternehmen.

Aufgrund der zunehmenden Bedeutung der Segmentberichterstattung ist es das Ziel dieser Arbeit sich mit der Umstellung des International Accounting Standard (IAS) 14 auf den neuen Rechnungslegungsstandard IFRS 8 zu befassen und die praktische Umsetzung anhand von 18 DAX-Unternehmen empirisch zu analysieren. Des Weiteren wird das Ziel verfolgt zu bewerten, ob die Umstellung auf den Management Approach einen Mehrwert für die Jahresabschlussadressaten bietet.

In einem ersten Schritt werden die theoretischen Vorschriften zur Erstellung eines Segmentberichts nach IAS 14 und nach IFRS 8 verglichen, um die Unterschiede zwischen den beiden Rechnungslegungsstandards zu definieren. Es wird vor allem auf die Segmentdefinition und -abgrenzung sowie auf die verpflichtend auszuweisenden Segmentangaben eingegangen.

Des Weiteren wird eine kritische Würdigung in Bezug auf die Einführung des IFRS 8 vorgenommen, indem die Vor-und Nachteile des neuen Rechnungslegungsstandards für die betroffenen Unternehmen und die Jahresabschlussadressaten diskutiert werden.

Im Zentrum dieser Bachelorarbeit steht die empirische Analyse zur Segmentberichterstattung. Es werden die Segmentberichte nach IAS 14 und nach IFRS 8 von 18 DAX-Unternehmen untersucht, um zu überprüfen inwieweit die im Kapitel 2 vorgestellten Rechnungslegungsstandards in der Praxis umgesetzt werden. Im Zuge der Analyse wird vor allem auf die korrekte Anwendung der Rechnungslegungsstandards geachtet, um die einhergehenden Veränderungen der Segmentberichterstattung darstellen zu können.

In einem ersten Schritt werden die Stellung und der Umfang der Segmentberichterstattung verglichen. Anschließend wird die Segmentabgrenzung analysiert, indem die Ausgestaltung der Geschäfts- und Berichtssegmente untersucht wird. Des Weiteren wird die Publikation der verpflichtend auszuweisenden Segmentangaben überprüft, um die durch den Rechnungslegungswechsel auftretenden Veränderungen in den Segmentberichten festzustellen. Zudem wird die Publikation der freiwilligen Mehrpublizität verglichen, um zu analysieren, ob die Umstellung auf IFRS 8 mehr oder weniger freiwillige Zusatzangaben in den Segmentberichten generiert.

Abschließend werden die Ergebnisse der Untersuchung in einer Zusammenfassung beschrieben.

Im vierten Kapitel wird die Qualität der Segmentberichterstattung unter IAS 14 und IFRS 8 mittels Scoring-Modell bewertet und verglichen, um zu analysieren welche qualitativen Unterschiede mit dem Rechnungslegungswechsel einhergehen. Es werden die gleichen Segmentberichte nach IAS 14 und IFRS 8 und die gleichen Daten wie in Kapitel 3 verwendet. Als Fortsetzung der empirischen Analyse soll hier festgestellt werden, ob sich die Qualität der Segmentberichte mit dem Rechnungslegungswechsel verbessert oder verschlechtert hat. Hierbei wird zum einen die Qualität des Informationsgehalts bewertet und zum anderen werden die freiwillige Mehrpublizität und die formale Gestaltung in den Segmentberichten beurteilt.

In einem letzten Abschnitt werden die Qualitätsmessungen verglichen. Es wird unter anderem eine Rangfolge der untersuchten Unternehmen erstellt, um zu analysieren welche Segmentberichte den Anforderungen der Standards IAS 14 und IFRS 8 am besten entsprechen. Des Weiteren werden die Segmentberichte je nach ihrer Bewertung in verschiedene Qualitätskategorien eingeteilt.

Der letzte Teil dieser Arbeit umfasst eine Schlussbetrachtung, in der die wesentlichen Ergebnisse der empirischen Analyse und der Qualitätsmessung der Segmentberichterstattung nach IAS 14 und IFRS 8 zusammengefasst werden.

2. Unterschiede zwischen IAS 14 und IFRS 8

2.1 Bedeutung und Entwicklung der Segmentberichterstattung

In den Jahres-/ Konzernabschlüssen von diversifizierten und international agierenden Unternehmen werden häufig hoch aggregierte Informationen angegeben. Diese Tatsache führt zu einer unzureichenden Informationsgewährung über die zum Gesamtergebnis beitragenden Aktivitäten. In der Konsequenz ist es für die Jahresabschlussadressaten lediglich beschränkt möglich eine Aussage über die Unternehmensausrichtung zu treffen.

Die Segmentberichterstattung soll daher die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens darstellen[1] und erfüllt aus der Perspektive der Jahresabschlussadressaten drei zentrale Aufgaben.

Zum einen soll die Segmentberichterstattung eine ausführliche Betrachtung auf die Erfolgs-, Chancen- und Risikoquellen eines Unternehmens ermöglichen, damit die Abschlussadressaten detailliertere Rückschlüsse auf die wirtschaftliche Lage des betrachteten Konzerns ziehen können.

Des Weiteren ist es für die Abschlussadressaten wichtig die Unternehmensleitung auf ihre Wertorientierung hin zu überprüfen, welche zum Beispiel durch den Vergleich einzelner Segmente beurteilt werden kann. Zudem ermöglicht die Segmentberichterstattung die Analyse von operativen sowie strategischen Maßnahmen der Hauptentscheidungsträger eines Unternehmens, indem einzelne Segmente auf ihre Wertentwicklung hin untersucht werden können.

Die letzte Aufgabe der Segmentberichterstattung besteht darin eine zwischenbetriebliche Vergleichbarkeit von ähnlichen Segmenten unterschiedlicher Unternehmen zu ermöglichen, um die Segmente auf ihre Wettbewerbsfähigkeit hin vergleichen zu können. In der Konsequenz können die Abschlussadressaten die Segmentperformance und die Effektivität der Segmentallokation besser beurteilen.[2]

Am 30.11.2006 wurde der IFRS 8 Geschäftssegmente (Operating Segments) durch das International Accounting Standards Board (IASB) verabschiedet und ersetzt somit den bis Ende 2008 gültigen Rechnungslegungsstandard IAS 14 Segmentberichterstattung (Segment Reporting). Der neue Standard IFRS 8 ist erstmals für das Geschäftsjahr beginnend am 01.01.2009 oder danach anzuwenden (IFRS 8.35). Zudem ist eine frühzeitige Anwendung (Early Adopting) erlaubt. Im Rahmen des Konvergenzprojektes zwischen den Standardsettern IASB und dem Financial Accounting Standards Board ( FASB)[3] erfolgte eine Annäherung des neuen Standards an die United States Generally Accepted Accounting Principles (US-GAAP). Die Regelungen des Statement of Financial Accounting Standard SFAS 131 disclosures about Segments of an Enterprise and related information wurden nahezu wortgleich übernommen.

Mit der Einführung dieses neuen Rechnungslegungsstandard gehen einige grundlegende Veränderungen für kapitalmarktorientierte Unternehmen einher. Die bedeutendste Neuerung ist die Implementierung des Management Approach welche einem „Paradigmenwechsel“[4] gleich kommt, da die Segmentberichterstattung nicht länger dem Risk and Reward Approach nach IAS 14 folgt. Die Segmente eines Unternehmens sind nun künftig nicht mehr nach einer chancen- und risikoorientierten Aufteilung zu differenzieren. Der neue Standard IFRS 8 verlangt hingegen, dass sich die Segmentierungskriterien und die Segmentabgrenzung an der internen Organisationsstruktur und der Finanzberichterstattung eines Unternehmens orientieren. Dadurch sollen aktuelle und potenzielle Investoren die Perspektive des Managements („ through the eyes of management “) einnehmen können.[5] Des Weiteren soll eine höhere Relevanz der entscheidungsnützlichen Informationen (Informationszweck)[6] für Shareholder gewährleistet werden.

Im Folgenden werden die entscheidenden Unterschiede zwischen den Rechnungslegungsstandards IFRS 8 und IAS 14 dargestellt. In einem ersten Schritt wird auf die Segmentdefinition und –abgrenzung eingegangen, indem unter anderem die Bestimmung der Geschäfts- und Berichtssegmente erläutert wird. Im Anschluss werden die Neuerungen bezüglich der Segmentangaben analysiert. Abschließend wird das Konzept des IFRS 8 kritisch gewürdigt.

2.2.1 Anwendungsbereich

Gemäß IFRS 8.2 sind Unternehmen, deren Wertpapiere an einem öffentlichen Markt gehandelt werden oder die die Emission von Schuld- oder Eigenkapitalinstrumenten vorbereiten, verpflichtet eine Segmentberichterstattung nach IFRS 8 zu erstellen. Deutsche Unternehmen deren Eigenkapital oder Darlehenssicherheiten öffentlich gehandelt werden, müssen ihren Einzelabschluss nach HGB erstellen, können jedoch zusätzlich zum Zweck der Vergleichbarkeit einen Einzelabschluss nach IFRS veröffentlichen. Ist ein Mutterunternehmen jedoch zur Publikation eines Segmentberichts nach IFRS 8 verpflichtet und veröffentlicht gleichzeitig einen Einzel- und Konzernabschluss, wie es gemäß der Transparenz-Richtlinie verlangt wird,[7] so sind die Segmentangaben lediglich im Konzernabschluss des Geschäftsberichts zu nennen (IFRS 8.4).

Für Unternehmen, die nicht verpflichtet sind einen Segmentbericht zu publizieren, besteht das Wahlrecht einer freiwilligen Segmentberichterstattung. Sollten die freiwilligen Angaben nicht den Anforderungen des IFRS 8 entsprechen, dürfen diese nicht als Segmentinformationen bezeichnet werden (IFRS 8.3).

Im Vergleich zu IAS 14 unterscheidet sich IFRS 8 lediglich geringfügig von seinem Vorgänger hinsichtlich des Anwendungsbereichs: Emittenten mit im Freiverkehr notierten Wertpapieren unterliegen folglich keiner disaggregierten Pflichtpublizität mehr, da es zu keiner Überwachung einer Behörde kommt.[8]

2.2.2 Abgrenzungskriterien

Durch die Anwendung des Management Approach sind die operativen Segmente nach der internen Berichts- und Organisationsstruktur eines Unternehmens gemäß IFRS 8 abzugrenzen. Somit werden die internen Steuerungs- und Berichtsgrößen in die externe Segmentberichterstattung übertragen.

IAS 14 fordert hingegen eine Segmentabgrenzung nach primären und sekundären Berichtsformaten (two tier segmentation). Der vorherrschende Ursprung und die Art der Risiken und Erträge eines Unternehmens bestimmt, ob dessen primäres Segmentberichtsformat Geschäftssegmente oder geografische Segmente sein werden.

Wenn die Risiken und die Eigenkapitalverzinsung des Unternehmens hauptsächlich aus Unterschieden in den Produkten und Dienstleistungen beeinflusst werden, bilden die Geschäftssegmente das primäre Format mit den geographischen Segmenten als sekundärem Berichtsformat. Analog bilden die geographischen Segmente das primäre und die Geschäftssegmente das sekundäre Berichtsformat, wenn die Risiken und die Eigenkapitalverzinsung im Wesentlichen aus geographischen Regionen resultieren. Die interne Organisations- und Managementstruktur sowie das System der internen Finanzberichterstattung an die Geschäftsleitung bilden in der Regel die Basis für die Klassifizierung als primäres und sekundäres Berichtsformat (IAS 14.26-27).

Der wesentliche Unterschied zwischen IFRS 8 und IAS 14 bezüglich der Abgrenzung von Geschäftssegmenten (und nach IAS 14 geographischen Segmenten) ist demnach die Ablösung des Management Approach with a Risks and Rewards Safety Net durch den Management Approach.

IAS 14 fordert eine Segmentabgrenzung unter Berücksichtigung der Chancen und Risiken der Unternehmensteilbereiche. Es wird davon ausgegangen, dass die Segmente nach der internen Berichterstattung durch die Geschäftsleitung risikoorientiert strukturiert sind. In diesem Fall basiert die Segmentabgrenzung auf der intern angewendeten Berichtsstruktur und es besteht kein signifikanter Unterschied zum Management Approach nach IFRS 8. Sollte dies jedoch nicht der Fall sein, entspricht die externe Segmentberichterstattung nicht mehr der internen Berichterstattung auf Geschäftsleitungsebene, sondern orientiert sich an darunterliegenden Unternehmensebenen.[9] Es wird daher von einem Management Approach with a Risks and Rewards Safety Net und nicht von einem reinen Risk and Reward Approach gesprochen.

IFRS 8 hingegen folgt dem Management Approach. Es werden die Segmentangaben veröffentlicht, die die verantwortliche Unternehmensinstanz (chief operating decision maker) zur internen Entscheidungsfindung und Unternehmenssteuerung verwendet.[10]

2.2.3 Identifizierung der Geschäftssegmente

Gemäß IFRS 8.5 müssen Unternehmensbestandteile als Geschäftssegmente abgegrenzt werden, wenn

- seine Geschäftstätigkeiten zu Erträgen und Aufwendungen führen beziehungsweise führen können,
- sein Betriebsergebnis regelmäßig durch den chief operating decision maker (CODM) hinsichtlich der Ressourcenallokation und der Beurteilung seiner Ertragskraft überwacht wird und
- für den entsprechende finanzwirtschaftliche Informationen generiert werden.

Gemäß IAS 14 ist eine Segmentabgrenzung nach Geschäftsbereichen und geographischen Regionen erforderlich. Nach IAS 14.9 ist ein Geschäftssegment ein Unternehmensbestandteil, der ein oder mehrere ähnliche Produkte oder Dienstleistungen erstellt und Risiken ausgesetzt ist, sowie Erträge generiert.

Ein geographisches Segment ist eine Teilaktivität eines Unternehmens, das die Produkte oder Dienstleistungen innerhalb eines definierten wirtschaftlichen Umfeldes erbringt und das Risiken und Erträgen ausgesetzt ist.

Durch diese Definition sind nach IFRS 8 mehr Segmentierungskriterien möglich als nach IAS 14. Neben den Geschäfts- und geographischen Segmenten ist durch die Vorschriften des neuen Rechnungslegungsstandard beispielsweise die Segmentierung nach Konzernunternehmen oder Kundengruppen zulässig, sofern diese der internen Organisations- und Berichtsstruktur zugrunde liegt.[11]

Ein weiterer Teil der Segmentabgrenzung stellt die Möglichkeit der Zusammenfassung von Unternehmensteilen dar. Nach IFRS 8.12 können operative Segmente zu einem Geschäftssegment zusammengefasst werden, vorausgesetzt sie weisen vergleichbare wirtschaftliche Merkmale auf und sie sind hinsichtlich jedes der folgenden Aspekte gleichartig zu beurteilen:

- Art der Produkte und Dienstleistungen;
- Art der Produktionsprozesse;
- Kundengruppen;
- Distributionsarten; und
- falls erforderlich, das regulatorische Umfeld.

Nach IAS 14.34 müssen die gleichen Kriterien wie nach IFRS 8.12 erfüllt werden um Geschäftssegmente zusammenfassen zu können.

2.2.4 Bestimmung der Berichtssegmente

Wie nach IAS 14, sind auch nach IFRS 8 nicht alle Geschäftssegmente berichtspflichtig. Es besteht einerseits die Möglichkeit der Zusammenfassung von Segmenten (vgl. Abschnitt 2.2.3) und andererseits ergibt sich erst bei bestimmten quantitativen Schwellenwerten eine Berichtspflicht.

Des Weiteren werden in beiden Standards (IFRS 8.13 und IAS 14.35) folgende 10 %-Schwellenwerte genannt:

Ein Geschäftssegment (oder geographisches Segment) ist als berichtspflichtig zu klassifizieren, wenn

- seine Erlöse aus Verkäufen an externe Kunden und aus Transaktionen mit anderen Segmenten 10 % oder mehr der gesamten externen und internen Erlöse ausmachen oder
- sein Segmentergebnis (Gewinn oder Verlust) mehr als 10 % des zusammengefassten Ergebnisses aller Segmente ausmacht oder
- seine Vermögenswerte mehr als 10 % der gesamten Vermögenswerte aller Segmente ausmachen.

Es besteht jedoch ein Unterschied zwischen den beiden Standards hinsichtlich der Berichtspflicht von Segmenten, die einen Großteil ihrer Erlöse aus Transaktionen mit anderen Segmenten generieren (vertikal integrierte Segmente). Gemäß IAS 14 ist ein Unternehmen nicht dazu verpflichtet vertikal integrierte Segmente auszuweisen (IAS 14.39).[12] Demnach sind Segmente lediglich dann auf den 10 %-Schwellenwert zu überprüfen, wenn mehr als 50 % der Erlöse aus Verkäufen an Unternehmensdritte generiert werden (IAS 14.35). Der Standard empfiehlt jedoch vertikal integrierte Tätigkeiten unter den gesonderten Segmenten auszuweisen. Verzichtet ein Unternehmen auf eine separate Darstellung ist das verkaufende Segment mit dem kaufenden Segment zusammenzufassen, vorausgesetzt es handelt sich um eine angemessene Grundlage. Sollte diese Basis nicht gegeben sein, muss das vertikal integrierte Segment in der Überleitungsrechnung als „nicht zugeordneter Ausgleichsposten“ angegeben werden (IAS 14.41).

Gemäß IFRS 8.13 gilt die Berichtspflicht auch für solche Unternehmensteile, die mehr als 50 % ihrer Erträge aus Beziehungen zu anderen Segmenten erwirtschaften. Diese Unternehmensteile müssten somit als eigene operative Segmente ausgewiesen werden, wenn sie in der internen Finanz- und Berichterstattung eines Unternehmens abgegrenzt werden.

Des Weiteren müssen nach IFRS 8.16 alle verbleibenden operativen Segmente in ein Sammelsegment („alle sonstigen Segmente“) zusammengefasst werden. Die Herkunft der Umsatzerlöse, die in dieser Kategorie erfasst werden, ist zu beschreiben.

Nach beiden Rechnungslegungsvorschriften können im Fall, dass die gesamten externen Umsatzerlöse (der berichtspflichtigen Segmente) weniger als 75 % der Unternehmenserlöse ausmachen, weitere Unternehmensteile als berichtspflichtige Segmente ausgewiesen werden (auch wenn sie die Kriterien gemäß IFRS 8.13 beziehungsweise IAS 14.35 nicht erfüllen), bis mindestens 75 % der Umsatzerlöse des Unternehmens auf berichtspflichtige Segmente entfallen (IFRS 8.15 und IAS 14.37).

2.3 Segmentangaben

In diesem Teil der Arbeit werden die verpflichtend anzugebenden Segmentinformationen nach beiden Rechnungslegungsstandards verglichen. Des Weiteren werden die Unterschiede in den aufzuzeigenden Überleitungsrechnungen, den unternehmensweiten Angaben und den Erläuterungspflichten in der Segmentberichterstattung nach IFRS 8 und IAS 14 gegenübergestellt (vgl. Anhang 1).

2.3.1 Auszuweisende Segmentdaten

Angabepflichten nach IFRS 8

Nach dem Grundprinzip des IFRS 8 hat ein Unternehmen Informationen anzugeben, anhand derer es den Abschlussadressaten möglich ist die Art und die finanziellen Auswirkungen der vom Unternehmen ausgeübten Geschäftstätigkeiten sowie das wirtschaftliche Umfeld zu beurteilen (IFRS 8.1 in Verbindung mit IFRS 8.20). Infolgedessen sind für jede Periode, für die eine Gewinn- und Verlustrechnung erstellt wurde, folgende Angaben zu nennen (IFRS 8.21):

- Allgemeine Informationen (IFRS 8.22),
- Informationen über das Segmentergebnis, die Segmentvermögenswerte und die Segmentschulden (IFRS 8.23-27) und
- es sind Überleitungsrechnungen zu erstellen (IFRS 8.28).

Durch die Anwendung des Management Approach sind nach IFRS 8.23 viele bedingte jedoch lediglich eine unbedingte Berichtspflicht vorgesehen.[13] Ein Unternehmen hat Angaben zum Segmentergebnis für jedes berichtspflichtige Segment vorzulegen.

Für diese verpflichtend auszuweisende Angabe existiert nach IFRS 8 keine Definition, da die Unternehmen diejenige Größe ausweisen sollen welche sie in ihrer internen Steuerung und Berichterstattung verwenden. In der Konsequenz sind beispielsweise Kennzahlen wie das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Earnings before interest and taxes), das Ergebnis vor Steuern (Earnings before taxes), das Periodenergebnis und viele andere erlaubt.

Vor den Anpassungen des IASB (Annual Improvements Project 2008-2009)[14] hatten die Unternehmen auch das Segmentvermögen verpflichtend auszuweisen. Es wurde jedoch beschlossen, dass das Segmentvermögen und die Segmentschulden lediglich dann unbedingt zu nennen sind, falls sie regelmäßig an den Hauptentscheidungsträger berichtet werden. Sollte dies der Fall sein, müssen folgende Angaben genannt werden, sofern die Beträge in die Bewertung des Segmentvermögens einbezogen werden oder wenn sie regelmäßig von der verantwortlichen Unternehmensinstanz überprüft werden (IFRS 8.24):

- Buchwerte von at-Equity -konsolidierten Beteiligungen und
- Segmentinvestitionen in langfristige Vermögenswerte (außer Finanzinstrumente, latente Steueransprüche, Leistungen nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses und Rechte aus Versicherungsverträgen).

Des Weiteren müssen Unternehmen folgende Angaben zu jedem berichtspflichtigen Segment ausweisen, wenn die Beträge in die Bewertung des Segmentergebnisses einbezogen werden oder wenn sie regelmäßig von der verantwortlichen Unternehmensinstanz überprüft werden (IFRS 8.23):

- intersegmentäre Umsatzerlöse,
- Zinserträge und –aufwendungen,
- planmäßige Abschreibungen und Amortisationen,
- wesentliche Ertrags- und Aufwandsposten (gemäß IAS 1.86),
- Anteil des Unternehmens am Periodenergebnis von assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden,
- Ertragsteuern und
- wesentliche zahlungsunwirksame Posten (außer Abschreibungen).

Angabepflichten nach IAS 14

Im Gegensatz zu IFRS 8 sieht IAS 14 mehr unbedingte Berichtspflichten vor. Für das primäre Berichtsformat müssen Unternehmen folgende Angaben ausweisen (IAS 14.50 – 66):

- Externe Umsatzerlöse,
- intersegmentäre Umsatzerlöse,
- Segmentergebnis,
- Segmentvermögen,
- Segmentschulden,
- Segmentinvestitionen in langfristige Vermögenswerte,
- planmäßige Abschreibungen und Amortisationen,
- wesentliche zahlungsunwirksame Posten (außer Abschreibungen),
- Anteil des Unternehmens am Periodenergebnis von assoziierten Unternehmen und Gemeinschaftsunternehmen, die nach der Equity-Methode bilanziert werden und
- Buchwerte von at-Equity -konsolidierten Beteiligungen.

Nach IAS 14.63 muss ein Unternehmen keine Angaben zu den planmäßigen Abschreibungen und den wesentlichen zahlungsunwirksamen Posten publizieren, sofern Informationen zu den Segment-Cashflows nach IAS 7 offengelegt werden.

Die Angabepflichten im sekundären Berichtsformat reduzieren sich hingegen auf die externen Umsatzerlöse, das Segmentvermögen sowie die Segmentinvestitionen in langfristige Vermögenswerte, sofern die 10 % Wesentlichkeitsgrenze überschritten wird (IAS 14.69a-c und 14.70a-c).[15]

2.3.2 Überleitungsrechnung

Damit die Abschlussadressaten die Segmentangaben in Bezug auf die konsolidierten Werte des Konzernabschlusses nachvollziehen können, müssen Unternehmen die Segmentdaten auf die Daten des Konzernabschlusses überleiten.[16] IFRS 8.28 fordert daher eine Überleitung für folgende Segmentbeträge:

- Umsatzerlöse,
- Ergebnisgröße,
- Vermögenswerte,
- Verbindlichkeiten und
- andere wesentliche Beträge.

Nach IAS 14.67 sind die gleichen Überleitungsrechnungen wie nach IFRS 8.28 zu erstellen. Es ist jedoch festzustellen, dass die Überleitungsrechnungen für die Adressaten eines Segmentberichts nach IAS 14 von geringerer Bedeutung sind als für Adressaten eines IFRS 8-Berichts, da sie nicht die Unterschiedsbeträge zwischen internem Berichtssystem und (Konzern-) Abschluss erläutern. Die Überleitungsrechnungen nach IAS 14 sind lediglich erforderlich um eine unvollständige Segmentallokation zu erklären.[17]

2.3.3 Unternehmensweite Angaben

Auch wenn ein Unternehmen nur über ein Berichtssegment verfügt, müssen unternehmensweite Angaben (entity wide disclosures) gemäß IFRS 8.31-34 gemacht werden, wenn sie nicht bereits ein Bestandteil des berichtspflichtigen Segments darstellen. An dieser Stelle wurde das Konzept des Management Approach durch das IASB bewusst durchbrochen, um ein Minimum an zwischenbetrieblicher Vergleichbarkeit zu gewährleisten.[18]

Zum einen besteht die Pflicht Angaben über externe Segmenterträge nach Produkten und Dienstleistungen zu nennen. Zum anderen müssen Segmenterträge mit externen Kunden sowie das langfristige Segmentvermögen nach geographischen Regionen ausgewiesen werden. Bei dieser Angabe ist zu erläutern auf welcher Grundlage die externen Umsatzerlöse den einzelnen Ländern zugewiesen werden können (IFRS 8.33). Hierbei wird zwischen dem Ursprungslandprinzip (Sitz des Unternehmens) und dem Bestimmungslandprinzip (Sitz der Kunden) unterschieden.

[...]


[1] Vgl. IASB (2001), S.21 f.

[2] Vgl. Grottke/ Krammer (2008), S. 670 f.

[3] Vgl. FASB/ IASB (2006), S. 1 ff.

[4] Vgl. Fink/ Ulbrich (2007b), S. 981.

[5] Vgl. IASB (2006), S. 1 f.

[6] Vgl. Haaker/ Paarz (2005), S. 194.

[7] Vgl. Krakuhn et al. (2008), S. 289.

[8] Vgl. Schellhorn/ Hartmann (2009), S. 129.

[9] Vgl. Müller/ Peskes (2006), S. 819 f.

[10] Vgl. Haller/ Permanschlager (2002), S. 1412.

[11] Vgl. Trapp/ Wolz (2008), S. 87 f.

[12] Vgl. Nardmann (2003), S. 1948 f.

[13] Vgl. Fink/ Ulbrich (2007a), S. 4.

[14] Vgl. Deloitte (2011): http://www.iasplus.com/agenda/annualimprovements2008.htm#improve.

[15] Vgl. Anhang 1: Vergleich IAS 14 und IFRS 8, S. 60.

[16] Vgl. Langguth/ Engelmann (2005), S. 626.

[17] Vgl. Blase et al. (2010), S. 152.

[18] Vgl. Baetge/ Haenelt (2008), S. 46.

Details

Seiten
81
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656290056
ISBN (Buch)
9783656290223
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201117
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,3
Schlagworte
IFRS 8 IAS 14 empirisch DAX Segmentberichterstattung Segmentbericht Scoring-Modell Internationale Rechnungslegung Unternehmen Finance and Accounting Vergleichende Analyse Rechnungswesen Segmentdefinition Segmentabgrenzung Überleitungsrechnung Management Approach Segmentkennzahlen Mehrpublizität Geschäftssegmente Bilanzierungsmethoden Bewertungsmethoden Berichtssegmente Qualitätsmessung

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Titel: Vergleichende Analyse der Segmentberichterstattung nach IAS 14 und IFRS 8