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Der systemtheoretische Ansatz und der Kontingenzansatz

Seminararbeit 2012 14 Seiten

Führung und Personal - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der systemtheoretische Ansatz
2.1 Allgemeine Systemtheorie und Kybernetik als Grundlage des systemtheoretischen Ansatzes
2.2 Grundzüge des systemtheoretischen Ansatzes
2.2.1 Die Unternehmung als System
2.2.2 Der Mensch im System Unternehmung
2.3 Bedeutung des systemtheoretischen Ansatzes für das praktische Personalmanagement

3. Der Kontingenzansatz
3.1 Grundzüge des Kontingenzansatzes
3.2 Bedeutung des Kontingenzansatzes für das praktische Personalmanagement

4. Zusammenfassung

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Zahlreiche theoretische Ansätze und Theorien beschäftigen sich mit der Unternehmung und deren einzelnen Funktionsbereichen als Untersuchungsgegenstand. In der Literatur werden jene zumeist in drei Basiskonzepte unterteilt: das ökonomische, das sozialwissenschaftliche und in das, welches die Betriebswirtschaftslehre als Führungslehre versteht.1

In vorliegender Arbeit sollen zwei Theorien des letztgenannten Konzepts vorgestellt und auf ihre Bedeutung für das praktische Personalmanagement untersucht werden. Hierbei handelt es sich zum einen um den systemtheoretischen Ansatz, wie er federführend von Hans Ulrich an der Hochschule St. Gallen formuliert worden ist, und um den Kontingenzansatz, auch bekannt als situativer Ansatz. Beide Theorien nehmen für sich in Anspruch konkrete Hilfestellungen für die praktische Unternehmensführung zu bieten. Doch können sie diesem auch gerecht werden? Und wie kann man deren Aussagekraft hinsichtlich des Personalmanagements bewertet?

Diese Fragen sollen auf den folgenden Seiten beantwortet werden. Zu diesem Zweck erfolgt eine getrennte Betrachtung der beiden Ansätze. Zuvorderst werden deren Grundzüge vorgestellt, bevor eine kritische Würdigung ihrer Aussagekraft und eine Einschätzung über deren Bedeutung für das praktische Personalmanagement erfolgen. Abschließend werden die wichtigsten Aussagen der Arbeit zusammengefasst und in kurzer Form dargestellt.

2. Der systemtheoretische Ansatz

Der systemtheoretische Ansatz geht auf das 1968 von Hans Ulrich veröffentlichte Werk „Die Unternehmung als produktives soziales System“2 zurück. Ulrich war der Meinung gewesen, dass die traditionelle Betriebswirtschaftslehre nur sehr eingeschränkt Lösungen für praktische Probleme der Unternehmungen bieten könne, da sie sich bei ihren Überlegungen fast ausschließlich der rein wirtschaftlichen Dimension bediente um Handlungsempfehlungen zu generieren. Als Reaktion auf diese Umstände entwickelte er am Institut für Betriebswirtschaft der Hochschule St. Gallen die Allgemeine Unternehmensführungslehre. Diese sollte ein Ordnungsgerüst darstellen, welches es der Praxis erlaubt, Sachverhalte zu lokalisieren, diese in einen Zusammenhang einzuordnen und angemessen handeln zu können. Dabei betrachtete er die Allgemeine Systemtheorie und die Kybernetik als Grundlagenwissenschaften für seine Überlegungen (vgl. MALIK, 2006, S. 23). Somit kann der systemtheoretische Ansatz als Anwendung und Weiterentwicklung von Systemtheorie und Kybernetik im Bezug auf Unternehmungen verstanden werden (vgl. RAHN, 2008, S. 125).

Aus diesem Grund sollen vor der eigentlichen Charakterisierung des systemtheoretischen Ansatzes im Folgenden die genannten Konzepte kurz dargestellt werden. Ulrich selbst war der Ansicht, dass ohne das Verstehen der Systemtheorie und die Kenntnis der Kybernetik der systemtheoretische Ansatz nicht nachvollzogen werden kann (vgl. ULRICH, 1995, S. 169).

2.1 Allgemeine Systemtheorie und Kybernetik als Grundlage des systemtheoretischen Ansatzes

Der systemtheoretische Ansatz greift zur Charakterisierung der Unternehmung auf die Vorstellungen und Denkweisen der Allgemeinen Systemtheorie zurück (vgl. ULRICH, 1995, S. 170). Bei dieser handelt es sich um ein transdisziplinäres Forschungsprogramm, welches eine für alle biologischen, sozialen und mechanischen Systeme geltende formale Theorie zu entwickeln bestrebt ist (vgl. RAHN, 2008, S. 123). Hierfür bedient sich die Allgemeine Systemtheorie verschiedener empirischer Wissenschaften. Ihr um viele Stufen abstrakterer und inhaltsloserer Charakter im Vergleich zu anderen Lehren erlaubt es ihr Denkvorstellungen und Denkweisen zu entwickelt, welche in vielen Disziplinen Anwendung finden können, so auch in den Wirtschaftswissenschaften. Ulrich bezeichnet sie deshalb als eine Metawissenschaft (vgl. ULRICH, 1995, S. 169). Die Grundlage aller systemtheoretischen Überlegungen ist die Annahme, dass Systeme, welche Art auch immer, sich aus einzelnen Elementen zusammensetzen. Diese kleinsten Einheiten können sowohl zu anderen Elementen innerhalb, als auch außerhalb des eigenen Systems Beziehungen unterhalten, welche zumeist von dauerhafter Natur sind, und das System als Ganzes maßgeblich beeinflussen. Daraus resultierend werden Systeme als umweltoffen bezeichnet. Ferner geht die Allgemeine Systemtheorie davon aus, dass es Prinzipien gibt, welche allgemein auf Systeme, unabhängig von deren Struktur oder Zusammensetzung, anwendbar sind (vgl. HOPFENBECK, 2000, S. 53).

Die Kybernetik bildet den zweiten Grundpfeiler des systemtheoretischen Ansatzes. Bei dieser handelt es sich um eine Wissenschaft, welche ursprünglich dafür konzipiert war, grundlegende Strukturen und Funktionen von Regelmodellen innerhalb technischer und biologischer Systeme zu untersuchen. Mithilfe von Soll-Ist-Vergleichen, Abweichungsanalysen und Feedbackschleifen soll nach einer Störung des Gleichgewichtszustandes dieser wieder hergestellt werde (vgl. BARDMANN, 2011, S. 378). Ausgangspunkt für die systemtheoretischen Überlegungen ist hierbei die Biokybernetik, welche zum Inhalt hat, Lenkungsphänomene und die Kontrolle von Zuständen in natürlichen Systemen zu erfassen und diese zu erklären (vgl. ULRICH, 1995, S. 169).

2.2 Grundzüge des systemtheoretischen Ansatzes

Basierend auf der Allgemeinen Systemtheorie und der Kybernetik ist der systemtheoretische Ansatz eine Annäherung der Betriebswirtschaftslehre an die angelsächsische Managementlehre (vgl. HOPFENBECK, 2000, S. 41). Hans Ulrich bezeichnet ihn als eine anwendungsorientierte Wissenschaft, welche für praktisch handelnde Menschen Handlungsanleitungen entwickeln möchte. Dem St. Gallener Konzept, von Ulrich selbst als systemorientierte Unternehmensführungslehre bezeichnet, schreibt er folgende Charakteristika zu (vgl. ULRICH, 1995, S. 170):

Die vielfältige Ganzheit der Unternehmung stellt den Objektbereich des Ansatzes dar, welcher mittels Vorstellungen und Denkweisen aus der Allgemeinen Systemtheorie beschrieben wird.

Der Problembereich ist die Führung der Unternehmung. Hier wird zur Charakterisierung auf die Annahmen der Kybernetik bezüglich Gestaltung, Lenkung und Entwicklung zurückgegriffen. Der systemtheoretische Ansatz ist eine anwendungsorientierte Wissenschaft, welche neben dem bloßen Lenken auch die Gestaltung und Weiterentwicklung von Unternehmungen berücksichtigt.

2.2.1 Die Unternehmung als System

Der systemtheoretische Ansatz versteht die Unternehmung als ein von Menschen geschaffenes, in die Gesellschaft eingegliedertes System, welches den Zweck hat menschliche Ziele zu erfüllen. Seine Offenheit, sprich die Interaktionsfähigkeit mit Elementen und Systemen außerhalb der eigenen Grenzen, verlangt zum vollständigen Verständnis einer Unternehmung die Einbeziehung der Umwelt in die ganzheitliche Betrachtung (vgl. ULRICH, 1995, S. 173). Im Inneren äußerst komplex und oftmals nicht komplett überschaubar unterliegt das System stetigen Veränderungsprozessen. Als sozio-technisches System bestehen die Elemente einer Unternehmung sowohl aus Menschen als auch aus Sachmitteln, welche im Sinne der betrieblichen Leistungserstellung zielorientiert zusammenwirken (vgl. KIRSCHTEN, 2008, S. 16).

[...]


1 Vgl. hierzu u.a.: Hopfenbeck, W., Allgemeine Betriebswirtschafts- und Managementlehre. Das Unternehmen im Spannungsfeld zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Interessen, Landsberg / Lech, 2000 sowie Wollenberg, K. (Hrsg.), Taschenbuch der Betriebswirtschaft, München, 2004.

2 Vgl.: Ulrich, H., Die Unternehmung als produktives soziales System, Bern, 1970.

Details

Seiten
14
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656279044
ISBN (Buch)
9783656280590
Dateigröße
402 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v201084
Institution / Hochschule
AKAD-Fachhochschule Pinneberg (ehem. Rendsburg)
Note
1,3
Schlagworte
ansatz kontingenzansatz

Autor

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Titel: Der systemtheoretische Ansatz und der Kontingenzansatz