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Soll die Türkei der europäischen Union beitreten?

Unterrichtsentwurf 2010 22 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Europäische Union

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Sachanalyse
1.1 Geschichtlicher Hintergrund
1.2 Die Kopenhagener Kriterien
1.3 Die Aufnahmefähigkeit der EU

2. Didaktische Analyse
2.1 Begründung der Lernaufgabe aus dem Lehrplan
2.2 Bedeutsamkeit des Unterrichtsinhalt
2.3 Didaktische Reduktion/ didaktische Transformation
2.4 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit

3. Analyse der Vorraussetzungen
3.1 Äußere Vorraussetzungen
3.2 Innere Vorraussetzungen

4.Lernziele
4.1 Richtziele
4.2 Grobziele
4.3 Feinziele

5.Methodische Überlegung
5.1 Artikulation
5.2 Differenzierung/ Individualisierung
5.3 Sozial- und Aktionsform
5.4 Medien und Materialien
5.5 Mögliche Schwierigkeiten
5.6 Unterrichtsprinzipien

6. Verlaufsübersicht

7. Literaturverzeichnis

1.Sachanalyse

1.1 Geschichtlicher Hintergrund

Die Vorgeschichte der Beitrittsverhandlungen beginnt 1959, als die Türkei den Antrag für ein Assoziierungsabkommen an die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, bestehend aus Deutschland, Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden, richtet. Zunächst wurde der Türkei eine Mitgliedschaft der EWG in Aussicht gestellt, die sich in drei Phasen entwickeln sollte und als vorläufiges Ziel für 1995 eine Zollunion ansah.

Seit dem so genannten Ankara Abkommen von 1963, bis zur Erklärung der Türkei als offiziellen Beitrittskandidaten 1999, kam es jedoch zu einigen Rückschlägen und Verzögerungen. So wurde zum Beispiel 1989, ein Beitrittsgesuch der Türkei von 1987 aufgrund der damaligen unbeständigen politischen und ökonomischen Situation, von der EG abgelehnt.

Am 01.Januar 1996 trat dann das europäische Wirtschaftsrecht in der Türkei in Kraft. Ein Jahr später, wird in Luxemburg entschieden, dass die Türkei für einen EU-Beitritt in Frage kommt. Der EU-Gipfel in Helsinki verkündet 1999 den Status der Türkei als offiziellen Beitrittskandidaten. Hierbei werden jedoch Bedingungen geknüpft, die von der EU regelmäßig in Fortschrittsberichten überprüft werden. Dazu gehört die Erfüllung der Kopenhagener Kriterien (vgl. Gremer/Hippler: 2004). Bis zu einem Beitritt wurden 10 bis 15 Jahre kalkuliert, in denen die Türkei, die ihr auferlegten Kopenhagener Kriterien erfüllen muss (vgl.spiegel.de).

1.2 Die Kopenhagener Kriterien

Der Europäische Rat legte in Kopenhagen fest, dass „die assoziierten Länder Mittel- und Osteuropas, die dies wünschen, Mitglieder der Europäischen Union werden können, […] sobald ein assoziiertes Land in der Lage ist, die Verpflichtungen der Mitgliedschaft zu übernehmen, indem es die wirtschaftlichen und politischen Voraussetzungen erfüllt” (European Commission: 2010).

Bei diesen definierten Kriterien spricht man von den Kopenhagener Kriterien. „Als Voraussetzung für die Mitgliedschaft muss der Beitrittskandidat eine institutionelle Stabilität als Garantie für demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, für die Wahrung der Menschenrechte sowie die Achtung und den Schutz von Minderheiten verwirklicht haben; sie erfordert ferner eine funktionsfähige Marktwirtschaft sowie die Fähigkeit, dem Wettbewerbsdruck und den Marktkräften innerhalb der Union standzuhalten. Die Mitgliedschaft setzt außerdem voraus, dass die einzelnen Beitrittskandidaten, die aus einer Mitgliedschaft erwachsenden Verpflichtungen übernehmen und sich auch die Ziele der politischen Union sowie der Wirtschafts- und Währungsunion zu eigen machen können“ (European Commission 2010). Spätestens bei Abschluss der Beitrittsverhandlungen müssen, die in drei Gruppen eingeteilten Kriterien, erfüllt sein. Es wird regelmäßig von der Europäischen Kommission überprüft, welche Fortschritte erreicht wurden.

1.2.1 Politische Kriterien

Die zu erfüllenden politischen Kriterien von Kopenhagen beinhalten eine „institutionelle Stabilität als Garantie für demokratische und rechtsstaatliche Ordnung, für die Wahrung der Menschenrechte sowie die Achtung und den Schutz von Minderheiten“ (European Commission 2010). Diese Punkte sind Grundbedingungen zur Aufnahme der Beitrittsverhandlungen.

1.2.3 Wirtschaftliches Kriterium

Im wirtschaftlichen Kriterium der Kopenhagener Kriterien wurde festgelegt, dass jedes Land, welches der EU beitreten möchte, eine funktionierende und stabile Marktwirtschaft vorweisen muss. Außerdem soll dem Wettbewerbsdruck des Binnenmarktes der EU standgehalten werden können und die Öffnung der Märkte gegenüber dem Ausland gewährleistet sein (vgl. Schmidt/Schünemann 2009: 223).

1.2.4 Acquis- Kriterium

Die Acquis Kriterien besagen, dass das beitretende Land fähig sein muss, die Verpflichtungen, die als EU-Mitglied auf es zu kommen, zu erfüllen. Hierzu gehört die volle Übernahme der politischen Pflichten und die Teilnahme an einer Wirtschaftsgemeinschaft. Außerdem „Freiheit, Sicherheit und Recht“ laut des EU-Vertrages, sowie eine gemeinsame Außen und Sicherheitspolitik (europ.eu.de).

Der „gemeinschaftliche Besitzstand“ Acquis communautaire, umfasst das Primärrecht, das Sekundärrecht, Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes und des Gerichtes erster Instanz. Zudem beinhaltet er Erschließungen, Erklärungen und Rechtsakte der Gemeinsamen Außen- und Sicherheitspolitik, sowie die Zusammenarbeit im Bereich der Justiz und des Inneren. Obendrein impliziert er die Verträge und Abkommen, welche die EU mit anderen Staaten und Staatenbünden geschlossen hat. „Es geht darum, ungefähr 80.000 Seiten Rechtstexte der EU in nationales Recht umzusetzen“ (vgl. spiegel.de).

1.3 Die Aufnahmefähigkeit der EU

Das Kriterium der Aufnahmefähigkeit der EU gehört nicht direkt zu den Kopenhagener Kriterien. Es kann aber als weitere, unbedingt erfüllbare Bedingung zum Beitritt angesehen werden. „Die Fähigkeit der Union, neue Mitglieder aufzunehmen, dabei jedoch die Stoßkraft der europäischen Integration zu erhalten, stellt ebenfalls einen sowohl für die Union, als auch für die Beitrittskandidaten wichtigen Gesichtspunkt dar“ (Europäischer Rat 1993: 11). Die EU muss also fähig sein, ohne eine Beeinträchtigung der Handlungsfähigkeit und des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenhalts, ein neues Mitglied aufnehmen zu können. Des Weiteren muss die Aufnahme von der EU finanzierbar sein, die Identität der Union muss geachtet und von den Bürgern akzeptiert werden. Hierbei muss sie ihre „Dynamik und Reformfähigkeit“ bewahren (Bundesministerium der Finanzen). Diese Bedingung ist somit nicht vom Beitrittskandidaten Türkei zu erfüllen.

2. Didaktische Analyse

2.1 Begründung der Lernaufgabe aus dem Lehrplan

Das Thema lässt sich mit den Vorgaben im Kernlehrplan des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland- Pfalz des Faches Gemeinschaftskunde für die Jahrgangsstufe 11-13 begründen.

2.2 Bedeutsamkeit des Unterrichtsinhalt

2.2.1 Allgemein

Die Betrachtung der Geschichte, Gesellschaft und Politik unter dem Aspekt der zeitlichen Bedingtheit zusammen mit den gesellschaftliche Phänomenen und Prozessen unter dem Aspekt des Politischen, d.h. dem Aspekt der sozialen und staatlichen Verantwortlichkeit spielt in der modernen Gesellschaft eine wichtige Rolle. Da es nicht um eine beliebige, sondern um unsere Geschichte und Politik geht, muss inhaltlich der Zusammenhang der Europäischen Geschichte und Politik in ausgewählten Themen repräsentiert sein.

(Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung. Mainz:1998.)

2.2.2 Gegenwartbedeutung

Seit der Aufnahme der Beitrittsverhandlungen mit der Türkei am 3.Oktober 2003, wurden bereits 13 von 33 Kapiteln eröffnet. Eines der Kapitel wurde schon abgeschlossen und bei weiteren acht sind bereits Vergleichspunkte für die Eröffnungen der Verhandlungen festgesetzt. Dies verdeutlicht, dass die behandelten Punkte als Schlüssen

So lässt sich einerseits sagen, dass die untersuchten Kopenhagener Kriterien für die Türkei der Schlüssel zu Europa sein können. In Anbetracht dessen, dass alle Länder bei der Erfüllung der Kriterien das gleiche Recht haben, könnte man der Türkei beim Erreichen dieses Zieles, den Beitritt nicht mehr verwehren.

Andererseits stellen die Kopenhagener Kriterien in manchen Bereichen sehr hohe Hürden für die Türkei dar. Zudem muss die EU die möglichen Hindernisse der Aufnahmefähigkeit lösen.

2.2.3 Zukunftsbedeutung

Es ist abzuwarten, in welchem Maße die bereits abgeschlossenen Fortschritte der Türkei in der nahen Zukunft Europas fortgeführt werden und ob sich aktuelle Ereignisse, wie die Eurokrise, auf den möglich Beitritt auswirken. Des weiteren spielt die Umgestaltung Europas auf der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ebene eine Rolle.

2.2.4 Exemplarische Bedeutung

Die Beitrittsverhandlungen mit der Türkei stehen exemplarisch für den politischen Wandel in unserer Gesellschaft.

2.3 Didaktische Reduktion/ didaktische Transformation

2.3.1 Quantitative Reduktion

Ausgehend von der Sachanalyse aus Kapitel 1 geht die Unterrichtsstunde auf die Frage ein, ob die Türkei in die EU aufgenommen werden soll ?

2.3.2 Qualitative Reduktion

Der Stoff wird den Schülern durch den Einsatz verschiedener Arbeitsmethoden veranschaulicht.

2.4 Einbettung der Stunde in die Unterrichtseinheit

Die „Handlungsfeld Europa umfasst 12 Unterrichtsuntereinheiten von jeweils 60 Minuten.

Die beschrieben Stunde „Soll die Türkei in die EU aufgenommen werden ?“ ist die sechste Untereinheit zum Thema.

3. Analyse der Vorraussetzungen

3.1 Äußere Vorraussetzungen

Die geplante Unterrichtsstunde wird am Gymnasium Oberlinxweiler durchgeführt. Der ländlich gelegene Ort Oberlinxweiler gehört zum Landkreis St. Wendel. Das Einzugsgebiet der Schule erstreckt sich über die gesamte Kreisstadt St. Wendel und die angrenzenden Städte.

Zur Zeit besuchen 610 Schüler in 28 Klassen die Schule. Unterrichtet werden sie von insgesamt 54 Lehrkräften. Das vierstöckige Schulgebäude wurde 2005 komplett instand gesetzt und teilweise umgebaut. Die beschriebene Stunde, findet im Erdgeschoss der Schule statt. Der Raum ist ca. 42 Quadratmeter groß.

Auf der einen Seite befindet sich eine große Fensterfront mit Jalousien, auf der anderen Seite eine Schrankwand, sowie zwei Tische. Die Stühle und Tische der Schüler sind in U-Form angeordnet und in der Mitte des U’s befinden sich weitere vier Tische. Alle Schüler haben so eine optimale Sicht auf die Tafel, die im vorderen Bereich des Klassenraumes angebracht ist. Sie ist in alle Richtungen verschiebbar.

Das Lehrerpult befindet sich in der linken vorderen Ecke des Raumes.

3.2 Innere Vorraussetzungen

Der Grundkurs setzt sich aus 6 Mädchen und 14 Jungen zusammen. Der Ausländeranteil liegt bei knapp 40%. Bei den ausländischen Schülern und Schülerinnen existieren keine auffallenden Kommunikations- und Artikulationsprobleme.

Aus den vorhergehenden Unterrichtsstunden weist der Kurs schon hinreichende Kenntnisse auf, sowohl über Entstehung, Entwicklung als auch über die Konstitution der Europäischen Gemeinschaft. Bereits in den vorherigen Stunden wurden die Kopenhagener Kriterien von den Schülern selbstständig erarbeitet und in Anwendung gebracht.

Die in dieser Stunde anwendete Methode ist dem aufgeschlossenen Kurs bereits sehr gut bekannt. Bisher konnte ich mit dieser Methode auch gute Erfahrungen in der teamfähigen Gruppe machen.

Alle Schüler dieses Grundkursees stehen in dem Fach Gemeinschaftskunde in etwa auf dem selben Wissensstand. Bis jetzt konnte ich noch keine größeren Wissenslücken feststellen. Im allgemeinen zeigt der Kurs ein sehr großes Interesse an den behandelten Themen.

4.Lernziele

4.1 Richtziele

Die Schüler/innen sollen am Ende der Unterrichtseinheit

- Konzepte für eine gesamteuropäische Entwicklung kennen und bewerten
- europäische Versuche zur Sicherung des Friedens im 20. Jahrhundert kennen
- Entwicklung und Stand der westeuropäischen Einigung kennen
- Perspektiven, Möglichkeiten und Risiken einer gesamteuropäischen Entwicklung diskutieren und beurteilen
- erkennen, dass Schritte in Richtung auf eine Umgestaltung Europas machtpolitische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Dimensionen haben
- erörtern, wie die Entwicklung ökonomischer und politischer Strukturen in Osteuropa im Interesse gesamteuropäischer Stabilität unterstützt werden kann
- Einsicht in die in Europa vorhandenen Konfliktpotentiale nach Ende des Ost-West-Konfliktes gewinnen
- erörtern, welche der vorhandenen Strukturen neue Aufgaben bekommen bzw. welche neuen Strukturen entwickelt werden müssen

(Quelle: Ministerium für Bildung 1998: 28f.)

4.2 Grobziele

Die Schülerinnen und Schüler sollen in dieser Unterrichtsstunde

- Arbeitsweisen erwerben, die sie dazu befähigen, ihre zuvor gewonnenen Einstellungen auf der Grundlage neuer Erfahrungen und Einsichten zu prüfen und umzuformen.
- die Türkei als Beispiel für wechselseitige Beziehungen innerhalb der EU ansehen.
- erarbeiten und bewerten in welchem Maße die Türkei die Richtlinien für einen EU-Beitritt erfüllt.

4.3 Feinziele

Die Schüler sollen

- zur Frage nach dem türkischen EU-Beitritt spontan ihre Meinung äußern können.
- im Stationengespräch Informationen sammeln und einzelne Fragen in der Gruppe diskutieren.
- Pro- und Kontrapunkte in der Gruppe schriftlich erarbeiten und in einer Diskussion einbringen und werten können.
- persönlich über die Problemfrage reflektieren und ein Urteil abgeben.
- die Notwendigkeit der Aufnahmebedingungen für einen EU-Beitritt erkennen und sich dazu äußern können.

5.Methodische Überlegung

5.1 Artikulation

5.1.1 Struktur der Stunde

Die beschriebene Stunde ist in folgende Phasen unterteilt:

- 1. Phase der Problembegegnung: Anstoß
- 2. Phase der Problemlösung: Problemeinsicht, Fragen
- 3. Phase der Durchführung: Lösungseinsicht, Erkenntnis
- 4. Phase des Übens: Bestätigung, Bereitstellung

( Helmut Seel: 1969)

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Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656270553
ISBN (Buch)
9783656271024
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200994
Institution / Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1,7
Schlagworte
soll türkei union
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Titel: Soll die Türkei der europäischen Union beitreten?