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The Depiction of Ireland in Martin McDonagh´s Plays

Hausarbeit (Hauptseminar) 2010 22 Seiten

Anglistik - Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Leenane Trilogie
2.1. Setting der Dramen
2.2. Verbindungen zwischen den drei Dramen
2.3.Darstellung Irlands in den Dramen
2.3.1.Katholizismus in der Leenane Trilogie
2.3.2.Darstellung der Irischen Landschaft und der Umgang mit Stereotypen
2.4. Verwendung von Sprache in der Leenane Trilogie
2.5. Gewalt und Humor in der Leenane Trilogie

3.In Bruges
3.1. Setting
3.2. Charaktere
3.3. Bildhaftigkeit in In Bruges
3.4. Irisches in McDonaghs Film
3.5. Gewalt und Humor in In Bruges

4.Zusammenfassung

5.Bibliographie

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Karte des Counties Galway mit Leenane

1. Einleitung

Diese Arbeit beschäftigt sich mit den Werken des irischen Autors Martin McDonagh, welcher außer Shakespeare der einzige Dramatiker ist, der es schaffte vier seiner Stücke gelichzeitig in Londonern Theater aufgeführt zu sehen (Grene 2006, 42). Der in London geborene und aufgewachsene McDonagh, Sohn zweier irischer Auswanderer, gab sein Debut als Dramatiker 1996 mit The Beauty Queen of Leenane im Druid Theatre in Galway und legte bereits ein Jahr später die Folgestücke A Skull in Connemara und The Lonesome West nach (Chambers und Jordan 2006, 2). Anhand dieser drei Werke, heute als die Leenane Trilogy bekannt, sowie McDonaghs Film In Bruges soll in dieser Abreit gezeigt werden auf welche Art und Weise Martin McDonagh das heutige Irland darstellt.

2. Leenane Trilogie

Die Leenane Trilogie umfasst die Werke The Beauty Queen of Leenane, A Skull in Connemara und The Lonesome West, welche miteinander verbunden sind und zeitlich aufeinander folgen. Alle drei Stücke sind im ländlichen West-Irland, in dem kleinen Ort Leenane, in der Provinz Galway etwa 60 Kilometer nordöstlich von Galway Stadt angesiedelt. Eine Karte der Region kann vereinfacht dargestellt in Abbildung 1 gesehen werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Karte des Counties Galway mit Leenane

(County Galway Guide 2007)

Das Setting im Westen Irlands erinnert an die peasasnt plays des frühen zwanzigsten Jahrhunderts und wurde von McDonagh ausgewählt da er, ähnlich wie Yeats, diese Gegend während seiner Sommerurlaube kennen lernte (Nowak 2010, 510). Der Grund für die Besuche dieser Region war die Tatsache, dass seine Mutter in Sligo und sein Vater in Galway geboren und aufgewachsen waren und somit in den Ferien ihre Heimat besuchten (Sierz 2001, 221 – 222).

2.1. Setting der Dramen

The Beauty Queen of Leenane[1] ist das erste Drama der Leenane Trilogy und legt wie bereits erwähnt das Setting für alle drei Stücke auf den Ort Leenane fest. Dieser Ort wird von einer stereotypischen Gemeinschaft aus Pfarrern, Emigranten die zu Besuch zu Hause sind, Junggesellen, Großmüttern, jungen Männern und heiratsfähigen Frauen bewohnt (Fitzpatrick 2006, 148). Auf den ersten Blick könnte der Zuschauer im Theater meinen, dass BQL in den 50er oder 60er Jahren spielt und ihn in ein Irland vergangener Tage bringt. Sowohl das ländliche Setting als auch Einzelheiten wie eine Kiste mit Torf zum Heizen oder die Bilder des ehemaligen US Präsidenten John F. Kennedy und seines Bruder Roberts lassen darauf schließen (Sierz 2001, 221). Auch die Fernsehserien die im Hintergrund laufen stammen eher aus dieser Zeit als aus der Gegenwart. So läuft beispielsweise in Szene zwei eine Folge der australischen Fernsehserie The Sullivans, welche in den späten 70ern gedreht und ausgestrahlt wurde. Diese Einzelheiten in den Dramen verwendet McDonagh um einen Realismus- Effekt zu erzielen und sein Werk möglichst authentisch wirken zu lassen (Bolten 2005, 114). Obwohl das genaue Jahr der Stücke nie genannt wird, gibt es während des Stückes klare Indikatoren für die tatsächliche Zeit. So erzählt Mag Ray in Szene zwei von einem Pfarrer, der ein Kind mit einer Amerikanerin hatte, was sich auf den Bischof von Galway, Eamonn Casey bezieht. Irische Zuschauer können diesen Bezug sicher herstellen, wobei beispielsweise Londoner Zuschauer wohl nicht den Namen des Bischofs, dennoch aber den Aktualitätsbezug herstellen können da dieser Zwischenfall in den Medien Publik gemacht wurde (Sierz 2001, 221).

Die Settings der beiden anderen Stücke unterschieden sich nicht besonders von BQL, obwohl die Geschichte in den beiden anderen Stücken nicht nur im Cottage der Hauptpersonen spielt. Ein Thema, das sich durch die komplette Trilogie zieht, ist das Vorhanden sein des Kruzifixes an der Wand, welches sich in den beiden weiteren Stücken ebenfalls wiederfindet (Pocock 2007, 62).

2.2. Verbindungen zwischen den drei Dramen

Da die drei Stücke in ihrem Setting nur wenig divergieren, ist es nicht erstaunlich zu sehen, dass diese untereinander verwoben sind und die Figuren der Geschichten sich des Öfteren auf Figuren und Geschehnisse aus den anderen Stücken beziehen. So tauchen die verschiedenen Charaktere immer wieder in den Erzählungen der vorangegangenen oder darauf folgenden Dramen auf. Auch sprechen Mag und Ray von Mairtin Hanlon, welcher in A Skull in Connemara[2] eine der Hauptfiguren ist. Auch werden in ebendiesem Stück Mag Folan oder Ray Dooley aus BQL angesprochen. Spekulation ist es überlassen, dass das Grab welches Mick und Mairtin in SC ausheben auch das Grab des Vaters von Coleman und Valene aus The Lonesome West[3] ist. In diesem Stück sind die Bezüge zu den anderen beiden Werken besonders stark, da hier die Figur des Father Welsh, welcher in den beiden Stücken davor jeweils des Öfteren erwähnt wurde, auftritt. Auch die Geschehnisse aus den beiden vorangegangenen Dramen sind maßgeblich für den Verlauf des Stückes verantwortlich. So ist es der Mord an Mag und der zumindest gerüchteweise stattgefundene Mord von Mick an seiner Frau, die damit zu den Depressionen des Father Welsh und damit seinem Selbstmord beitragen. Da die drei Dramen nicht zusammen sondern nacheinander veröffentlicht wurden kann man feststellen, dass BQL noch ein eigenständiges Drama war, wo hingegen die beiden anderen Werke wohl bewusst so gestaltet wurden.

2.3. Darstellung Irlands in den Dramen

In der irischen Literatur klassischerweise immer wieder behandelte Themen sind beispielsweise die Schönheit der irischen Landschaft, der in Irland vorherrschende Katholizismus, und somit Religion im Allgemeinen, wie auch das Thema der Auswanderung in die Vereinigten Staaten oder Australien. Desweiteren können Themen wie das Finden einer eigenen Identität und die Abtrennung von Großbritannien sowie die Darstellung irischer Lebensart erkannt werden. Das passsiert beispielsweise in Brian Friels Translations, in welchem der Konflikt mit den Briten, die irische Lebensweise des 19. Jahrhunderts und besonders die Sprache behandelt werden. Das Thema des Katholizismus kann exemplarisch an Hand der Kurzgeschichten Death of a Devotee von William Carleton oder in The Priest von Daniel Corkery gesehen werden.

McDonagh hingegen stellt ein Irland dar, in dem jedwede alten Werte und Autoritäten wie, Kirche, Polizei und Familie, nichts mehr gelten oder gar existieren. Er begründet sein fiktionales Irland weniger auf historischen Tatsachen als auf Filmen von Quentin Tarantino, britischen Sitcoms oder Amerikanischen Seifenopern. (Castleberry 2007, 44). Besonders gut kann dies an der Darstellung von Father Welsh, der verwendeten Sprache, dem exzessiven Trinkverhalten der meisten Figuren und der vorherrschenden Gewalttätigkeit erkannt werden.

2.3.1. Katholizismus in der Leenane Trilogie

Wie schon angesprochen, findet der Zuschauer zu Beginn jedes Stückes ein Kruzifix an der Wand hängen, welches die besondere Beziehung der Figuren zur Religion in den Stücken ansprechen soll (Pocock 2007, 62). Obwohl McDonagh kein gläubiger Katholik ist, zeigt seine Art zu schreiben dennoch einen starken Einfluss und ein bestimmtes Wissen von Katholizismus (Pocock 2007, 62). In seinen Werken werden immer wieder christliche Werte als Auslöser für humoristische Momente verwendet. So sagt beispielweise Valene Conor in LW, dass es Sünde sei, dass Coleman ihrem Vater in den Kopf geschossen hat. Wenig später aber sagt er, dass das Verbrennen von Plastikfiguren der heiligen Maria gegen Gott persönlich ist (Pocock 2007, 62). Diese direkt aufeinander folgenden Aussagen, in denen Religion dann als wichtig angesehen wird, wenn es um die eigenen Interessen geht, verdeutlichen in humoristische Weise die Auslegung der Religion und provozieren Gelächter im Publikum.

Besonders gut geeignet um die Beziehung der Figuren zur Religion darzustellen, ist Father Welsh, welche in den beiden ersten Dramen lediglich erwähnt wird und im dritten Teil der Trilogie schließlich zu einer Hauptfigur wird. So zieht sich ein ‚Running Gag‘ durch alle drei Dramen in welchem immer wieder der Name des Pfarrers falsch genannt und korrigiert wird.

„ Ray: Oul Father Welsh – Walsh – has a car he´s selling , but I´d look like a poof buying a car of a preist.

Mag: I don´t like Father Walsh – Welsh – at all.”

(McDonagh 1998, 15)

Selbiges findet sich sogar in LW wenn Father Welsh anwesend ist und die Figuren ihn direkt ansprechen.

„ Valene: Feck off and sling your sermons at Maureen Folan and Mick Dowd, so, if it´s nice attitudes you´re after, Walsh.” (McDonagh 1998, 174)

Ob dies nun aus Absicht geschieht oder, da die Figuren sich tatsächlich nicht an den richtigen Namen erinnern können, lässt Platz für Spekulationen. Allerdings stellen beide Fälle kein positives Bild des Klerikers dar. Sollten sich die Figuren den Namen des Pfarrers tatsächlich nicht merken können zeigt es die allgemeine Gleichgültigkeit der Figuren gegenüber anderen und der Kirche. Wenn die Figuren dies aber absichtlich machen, zeigt es nicht nur die schwindende Stellung der Kirche, sondern auch, dass sie die Person des Father Welsh absichtlich verhöhnen.

Letzteres ist die wahrscheinlichere Antwort da Father Welsh von den anderen Figuren der Stücke auch immer wieder beleidigt, verspottet oder negativ dargestellt wird. So wird ihm unter anderem Alkoholismus und Gewalttätigkeit vorgeworfen. Dies findet zum Einen durch Aussagen wie “A bent child with no paint could paint you as an alcoholic“ (McDonagh 1998, 171) oder “He punched Mairtin Hanlon in the head once, and for no reason” statt. Zum Anderen geschieht dies auch durch die Regieanweisungen wie Beispielsweise in Szene eins in LW als Father Welsh beschrieben wird, wie er „somewhat drunkenly to the door“ (McDonagh 1998, 183) geht.

Ebenfalls interessant sind bereits die erwähnten offenen Beleidigungen die Father Welsh, besonders in LW, über sich ergehen lassen muss. Als Valene Coleman wegen der geschmolzenen Heiligenfiguren mit seiner Schrotflinte bedroht und Father Welsh ihn davon abhalten will seinen Bruder deswegen zu erschießen sagt Valene zu Father Welsh

“Inanimate objects? Me figures of the saints? And you call yoursel´a priest? No wonder you´re the laughing stock of the Catholic Church in Ireland. And that takes some doing, boy.” (McDonagh 1998, 204 - 205)

Obwohl Father Welsh über die drei Stücke immer wieder Objekt von Häme und Spott ist, wird aber nur selten über ihn gesprochen, ohne dass ihn eine der Figuren auch verteidigt und seinen positiven Charakter darstellt (Pocock 2007, 65). So gibt Ray Dooley, nachdem er berichtet hat, dass Father Welsh Mairtin Hanlon aus keinem ersichtlichen Grund geschlagen hat, zu, dass dies „out of character for Father Welsh.“ (McDonagh 1998, 15) war und er ergänzt weiter, dass „Father Welsh seldom uses violence, same as most young priests“ (McDonagh 1998, 15).

Ähnlich wie James Joyce und George Moore kreiert McDonagh einen “complex and sometimes sympathetic priest character[s]“ (Pocock 2007, 62), der jedoch nicht in der Tradition der Darstellung von Pfarrern in der irischen Literatur steht. Waren Pfarrer in der irischen Literatur immer die herausragenden Charaktere, welche soziale Prinzipien und Moral verkörperten, tut Father Welsh dies nicht (Pocock 2007, 70). Er wird vielmehr als mittelmäßiger Mensch dargestellt und charakterisiert. Dies geschieht durch Valene und Coleman, nachdem sich Father Welsh aus Verzweiflung über seine Unfähigkeit seine Gemeinde zu führen selbst getötet hat, als diese sagen

„Valene: He wasn´t a great fella, but he wasn´t a bad fella.

Coleman: Aye . (Pause) He was a middling fella.

Valene: He was a middling fella.” (McDonagh 1998, 257)

Zusammengefasst kann also festgestellt werden, dass die Kirche meist als Auslöser für humoristische Momente dient. Martin Mc Donagh selbst sagt “the majority of jokes are anti –Catholic. And the portrayal of the priest is pro” (Pocock 2007, 70).

2.3.2. Darstellung der Irischen Landschaft und der Umgang mit Stereotypen

Auswanderung spielt in den Dramen von McDonagh hauptsächlich indirekt eine Rolle. Lediglich in BQL wird explizit angesprochen, dass Pato Dooley nach Boston auswandert. Implizit ist das Thema jedoch bereits in den Regieanweisungen zu Beginn des Stücks vertreten. So hängen, wie bereits erwähnt in BQL Bilder der Kennedybrüder im Wohnzimmer. Auch in den anderen beiden Teilen der Trilogie findet dieses Thema seinen Platz. Da bekanntermaßen alle Stücke miteinander verbunden sind und sich die Figuren immer wieder auf die Geschehnisse in den anderen Stücken beziehen, wird die Auswanderung von Patos auch in SC angesprochen. In Szene vier sagt Mary “Off to Boston for his brother´s wedding he is” (McDonagh 1998, 150). Auch werden in den Stücken immer wieder US-Amerikanische und Australische Fernsehserien angesprochen oder laufen im Hintergrund. So schaut Mag Folan in Szene zwei als Ray eintritt gerade die australische Serie The Sullivans (McDonagh 1998, 12). Abgesehen vom Thema der Auswanderung spielt McDonagh auch mit Vorurteilen und Stereotypen über Irland und die Iren selbst.

[...]


[1] The Beauty Queen of Leenane wird im weiteren Verlauf der Arbeit mit BQL abgekürzt.

[2] A Skull in Connemara wird im weiteren Verlauf der Arbeit mit SC abgekürzt.

[3] The Lonesome West wird im weiteren Verlauf der Arbeit mit LW abgekürzt.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656270102
ISBN (Buch)
9783656271260
Dateigröße
808 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200878
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Anglistik
Note
1,3
Schlagworte
Ireland Martin McDonagh In Bruges Leenane Drama Trilogie Irland

Autor

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