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Karthago und die Barkiden

Wie war die Stadt aufgebaut und welchen Machtanspruch besaß Hamilkar Barkas in ihr?

Essay 2012 9 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Einleitung

Die Barkiden. War diese Familie wirklich so mächtig oder war es doch eher Karthago selbst, welches diese Macht ausstrahlte? In dem folgenden Essay möchte ich diese Fragestellung von allen Seiten beleuchten, um dann am Ende ein zufriedenstellendes Fazit ziehen zu können. Die Barkiden. Wie bin ich gerade auf dieses Thema für meine Seminararbeit gekommen? Um das Machtverständnis, aber auch den Machtanspruch von Hamilkar Barkas, einem der größten und glorreichsten Feldherrn und Staatsmänner der Geschichte, zu verstehen, muss man den Hintergrund seiner Person und auch seiner Familie genauer beleuchten. Wo kommt er her? Was prädestiniert gerade ihn dafür, Anführer der Karthager zu werden? Um diese Fragen beantworten zu können, habe ich mir für meine Seminararbeit überlegt, am Anfang Karthago selbst zu beschreiben. Wie ist diese Stadt gegliedert? Wie stand es um ihr militärisches Vermögen? Nachdem der Blick nun auf Karthago ruht, möchte ich auf die Familie der Barkiden, eine der wichtigsten Familien Karthagos der damaligen Zeit, zu sprechen kommen. An einem Mitglied dieser bedeutungsvollen Familie, namentlich Hamilkar, werde ich dann untersuchen, wie es um ihre Macht im alten Karthago stand. An dem Beispiel Hamilkar, Hannibals Vater, werde ich sein militärisches Vermögen, aber auch sein politisches Geschick herausstellen.

Vorweg möchte ich noch etwas zu der Quellenlage aus der damaligen Zeit sagen. Es war sehr schwer bis unmöglich für mich adäquate Quellen zu finden, welche zeitnah am Geschehen geschrieben wurden. Die einzigen mir bekannten Geschichtsschreiber der damaligen Zeit, Polybius und Livius, waren zudem auch noch politisch „gefärbt“. „ Alle anderen Primärquellen, wie Urkunden, Verträge, Sitzungsprotokolle des Rates in Karthago bzw. des Senats in Rom[1] sind leider im Verlauf der Geschichte verloren gegangen.

Nach diesem kurzen Exkurs über die Quellenlage möchte ich auch nun mit meiner Ausführung anfangen.

Karthago

Um die Geschichte und Verhaltensweise der barkidischen Familie besser zu verstehen, muss man das Umfeld in der damaligen Zeit genauer beleuchten. Aus diesem Grund werde ich am Anfang meines Essays genauer auf die Stadt Karthago eingehen. Hier sollen besonders die politischen und militärischen Verhältnisse im antiken Karthago hervorgehoben werden.

Anfangs möchte ich mich mit der Gründung Karthagos beschäftigen. Die Gründung, sowie die ersten Jahre dieser Stadt liegen im Dunkeln[2]. Die Quellenlage lässt es nicht zu, sich ein wissenschaftlich fundiertes Bild über diese Zeit zu machen. Es gibt aber verschiedenartige Gründungslegenden zur Entstehung Karthagos. In der Bekanntesten spielt die tyrische Königstochter Elissa die Hauptrolle. Diese muss, aufgrund von Erbfolgestreitigkeiten, aus ihrer Heimatstadt Tyros fliehen. Sie segelt, in Begleitung von mehreren Männern, an der Insel Zypern vorbei, wo sie eine gewisse Anzahl an Mädchen raubt um ihre Nachkommenschaft zu sichern, in Richtung Nordafrika. Dort angekommen, darf Elissa sich so viel Land kaufen wie sie mit einer Ochsenhaut bedecken könnte. Sie schneidet die Ochsenhaut in dünne Streifen und umrandet damit ihr Land. Durch diese List erhielt Elissa den Grund und Boden zur Neugründung der Stadt Byrsa[3]. Byrsa bedeutet übersetzt Ochsenhaut. Das dies alles nur Legende ist und nicht wissenschaftlich belegt werden kann, ist selbstverständlich. Die Stadt Byrsa hatte im Laufe der Anfangszeit verschiedenste Namen. So war sie „ in der Antike zwar auch unter den Namen Trsjs, Kaine Polis (Neu-Stadt), Kadmeia, Oinusa, Kakkabe, Afrike bekannt[4], aber keiner dieser Namen ist heutzutage so bekannt wie Karthago. Der Name Karthago bezieht sich auf das phönikische Kart Hadascht, was so viel wie „neue Hauptstadt“ bedeutet[5]. Das Gründungsdatum dieser „Neuen Hauptstadt“ ist nicht belegbar. Verschiedene Quellen gehen aber von dem Jahr 814 v.Chr. aus[6].

Karthagos Politik

Nach dem Einblick in die Gründung der Stadt, beschäftige ich mich nun mit der politischen Ordnung Karthagos. Karthago war in der antiken Zeit ein Stadtstaat, eine sogenannte „polis“. Das bedeutet, dass die Stadt sehr städtisch geprägt war, aber trotzdem einen hohen Anteil an landwirtschaftlichem Gebiet, der „chora“, besaß. Die Stadt selber war das politische und finanzielle Zentrum des Stadtstaates, sie besaß die Vormachtstellung in dem kleinen Reich. Diese Polisstruktur ist eine politische Ordnungsstruktur, welche im klassischen Altertum weit verbreitet war. Entwickelt wurde dieses System wahrscheinlich im alten Mesopotamien oder Indien[7]. Die genaue Verfassung, welche im alten Karthago bestand, ist nicht überliefert, beziehungsweise die Quellenlage ist auch hier wieder zu ungenau. Es ist aber überliefert, dass antike Denker Interesse an der karthagischen Verfassung hatten. Aristoteles lobt diese ausdrücklich und stellt sie auf eine Stufe mit der Verfassung von Sparta und Kreta. Er stellt hierbei den besonderen Mix der Verfassung, der sogenannten „constitutia mixta“[8], in den Vordergrund. Aristoteles sieht in der Volksversammlung demokratische, in den Pentarchien oligarchische und in der Wahl der Beamten aristokratische Elemente[9]. Aus diesen drei politischen Systemen bestand, nach dem antiken Staatstheoretiker Aristoteles, die Verfassung im antiken Karthago.

[...]


[1] Jakob Seibert: Hannibal – Feldherr und Staatsmann, Mainz 1997, S. 3.

[2] Gilbert und Colette Charles-Picard: Karthago Leben und Kultur, Stuttgart 1983, S. 18.

[3] Winfried Ellinger: Karthago Stadt der Punier, Römer, Christen, Stuttgart 1990, S. 33.

[4] Werner Huss: Geschichte der Karthager, München 1985, S. 39.

[5] Winfried Ellinger: Karthago Stadt der Punier, Römer, Christen, Stuttgart 1990, S. 33.

[6] Gilbert und Colette Charles-Picard: Karthago Leben und Kultur, Stuttgart 1983, S. 17.

[7] Ebd., S. 64 – 74.

[8] Winfried Ellinger: Karthago Stadt der Punier, Römer, Christen, Stuttgart 1990, S. 95.

[9] Ebd. S. 95 – 96.

Details

Seiten
9
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656268628
ISBN (Buch)
9783656269342
Dateigröße
460 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200772
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2,3
Schlagworte
Hannibal Karthago Hamilar Barkas Barkiden

Autor

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Titel: Karthago und die Barkiden