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Bullying: Mobbing in der Schule

Merkmale, Auswirkungen und Handlungsansätze

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 23 Seiten

Pädagogik - Pädagogische Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Bullying als Form aggressiven Verhaltens und Schülergewalt
2.1 Die Begriffe aggressives Verhalten, Gewalt und Bullying
2.2 Formen und Merkmale von Bullying

3 Täter/innen
3.1 Merkmale von Täter/innen
3.2 Auswirkungen des Bullying auf die Täter/innen

4 Opfer von Bullying
4.1 Merkmale von Bullying-Opfern
4.2 Auswirkungen des Bullying auf die Opfer

5 Bullying als gruppendynamisches Phänomen und Teufelskreis
5.1 Gruppenmechanismen und Gruppenrollen beim Bullying
5.2 Bullying als Teufelskreis und die Verantwortlichkeit von Lehrpersonen

6 Bullyingprävention und -intervention
6.1 Handlungsansätze in Schulen
6.2 Einbezug der Eltern

7 Schlussbemerkungen

8 Bibliographie

Darstellungsverzeichnis

Dar. 1 Formen von Bullying - Geschlechterunterschiede

Dar. 2 Bullying als Gruppenphänomen - Die Verteilung der Rollen im Bullyingprozess

Dar. 3 Teufelskreis des Bullying nach Olweus

1 Einleitung

Aggression und Gewalt an Schulen sind ein Dauerproblem (vgl. Busch & Todt 2010, S. 6; Seith 2009, S. 387f., Lodge & Frydenberg 2005, S. 329f.). Gewaltformen, die im schulischen Kontext auftreten, sind z.B. psychische, verbale, physische und sexuelle bzw. sexualisierte1 Gewalt (vgl. Seith ebd. 388, 390; vgl. auch Popp 2002). Eine spezielle und sehr schädigende Art der Schülergewalt, welche alle dieser Gewaltformen beinhalten kann und welche regelmäßig durchschnittlich in jeder Klasse ein bis zwei Kinder in der Rolle des Opfers betrifft, ist das sogenannte Bullying bzw. Mobbing unter Schüler/innen (vgl. Busch & Todt 2010, S. 6; vgl. Scheidthauer & Bull 2009; vgl. Scheidthauer, Hayer, Petermann & Jugert 2006).

Bullying (Schikanieren) ist eine Form von Schülergewalt, die sich durch aggressives, absichtlich schädigendes Verhalten einzelner oder mehrerer Schüler/Schülerinnen auszeichnet, welches sich gegen eine/n bestimmte/n Mitschüler/in richtet und wiederholt und über einen längeren Zeitraum stattfindet (Olweus 2004, S. 22; vgl. auch Busch & Todt 2010, S. 4 sowie Scheithauer & Bull 2009, S. 13 ). Dabei besteht ein „tatsächliches oder subjektiv erlebtes Kräfteungleichgewicht“ zwischen Täter/in(nen) und Opfer, welches sich aus verschiedenen Gründen (vgl. Kapitel 4 und 5) nicht gegen die Attacken wehren kann. Weil Bullying meist in einer stabilen Gruppe, z.B. einer festen Schulklasse, stattfindet, ist es für das Opfer schwierig oder unmöglich sich dem Täter/ der Tätergruppe zu entziehen, wenn das Opfer keine Hilfe von außen erhält (vgl. Olweus ebd. S. 22-23; vgl. Scheithauer & Bull 2009, S. 14).

Extremste Auswirkungen von Bullying haben sich durch Amokläufe an Schulen gezeigt: In einer Untersuchung von 37 Schießereien in amerikanischen Schulen zwischen 1974 und 2000 zeigte sich, dass 71 % der Täter selbst in der Schule von Bullying betroffen, gehänselt, bedroht oder attackiert worden waren (vgl. Secret Service & the U.S. Department of Education 2002; vgl. Lodge & Frydenberg 2005, S. 329). Der Einsatz bzw. die Entwicklung von Präventionsprogrammen gegen Schülergewalt ist besonders seit diesen schrecklichen Vorfällen zu verzeichnen (vgl. ebd.).

Im deutschen Schulalltag nimmt vor allem die psychische und verbale Gewalt - nicht nur beim Bullying - großen Raum ein, wobei die „Normalisierung“ dieser Gewaltformen in der Schule einen „besorgniserregenden“ Befund in deutschen Studien darstellt (vgl. Seith 2009, S. 388).

Welche Merkmale Bullying-Vorfälle und das soziale Umfeld auszeichnen, in dem sie stattfinden wie z.B. Erkenntnisse über Täter/in, Opfer und Gruppenkonstellationen und wie Handlungsansätze gegen Bullying und Gewalt an Schulen im Allgemeinen aussehen können, wird in der vorliegenden Arbeit eingehend thematisiert.

2 Bullying als Form aggressiven Verhaltens und als Schülergewalt

2.1 Die Begriffe aggressives Verhalten, Gewalt und Bullying

Bullying stellt eine Form aggressiven Verhaltens dar, bei dem ein/e Täter/in wiederholt Gewalt an einem bestimmten Opfer ausübt. Unter aggressivem Verhalten im Allgemeinen sind dabei Handlungen zu verstehen, „die Individuen oder Sachen aktiv und zielgerichtet Schaden zufügen, sie schwächen oder in Angst versetzen“ (Fürntratt 1974, S. 283, zitiert in Busch & Todt ebd., S. 1). Aggressives Verhalten gehört generell zur „normalen Verhaltensausstattung des Menschen“, wobei jedoch „extreme Aggressionen“ wie gewalttätiges Verhalten eine individuelle Entstehungsgeschichte haben (Busch & Todt 2010, S. 6). Wie Aggressionen geäußert und gelebt werden können, muss von Menschen im Rahmen der Erziehung bzw. Sozialisation erlernt werden.

Was unter dem Begriff Gewalt genau zu verstehen ist, ist „deutungsoffen und gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterworfen“ (Seith 2009, S. 381). Es kann z.B. zwischen psychischer, verbaler, physischer, sexueller und sexualisierter Gewalt unterschieden werden; bei Gewalt gegen Kinder und Jugendliche kann auch Vernachlässigung als eine Form von Gewalt betrachtet werden (vgl. ebd.). Eine vereinfachte Definition für Gewalt, die für Kinder und Jugendliche gut verständlich ist, kann z.B. lauten: „Gewalt ist alles, was man mit jemandem macht, was der oder die nicht will, also alles, was beleidigt und seelisch oder körperlich verletzt“ (AKJS 2006, S. 5).

Der Begriff Bullying (engl. Bully = brutaler Kerl), der in der Einleitung schon grundlegend definiert worden ist, bezieht sich explizit auf den schulischen Kontext und stellt eine Abgrenzung zum Begriff Mobbing im beruflichen Kontext dar (Scheithauer & Bull 2009, S. 13). Allerdings wird der Begriff Mobbing manchmal auch für diese Form der Schülergewalt verwendet (vgl. Scheidthauer et al. 2006; Jannan 2008, 2010; vgl. AJS 2006, 2010; vgl. AKJS 2006, 2009). Eine weitere Unterscheidung beim Begriff Bullying ist zwischen Schüler/innen und Lehrpersonen zu ziehen. Mit Bullying ist Gewalt unter Schüler/innen gemeint, während der Begriff Lehrer-Bullying explizit Situationen beschreibt, in denen ein oder mehrere Schüler/innen eine Lehrperson wiederholt schikanieren (Scheithauer & Bull 2009, S. 13).

Bullying-Vorfälle liegen z.B. vor, wenn ein oder mehrere Täter/innen bzw. Bullys immer wieder

- beleidigende, verletzende oder unangenehme Dinge zu eine/m Mitschüler/in sagen bzw. diese/n beschimpfen oder sich lustig machen;
- die/den Mitschüler/in nicht beachten bzw. „wie Luft“ behandeln, sie/ihn ausgrenzen und bei nichts mitmachen lassen;
- die/den Mitschüler/in schlagen, treten, schubsen, festhalten, bedrohen;
- Geld oder Spielzeug erpressen oder das Eigentum des/der Mitschüler/in beschädigen oder Sachen wegnehmen;
- in sexueller bzw. sexualisierter Weise beleidigen oder belästigen;
- Lügen oder Gerüchte über den/die Mitschüler/in verbreiten oder gemeine Bemerkungen über sie/ihn schreiben und versuchen ihr Opfer bei den Mitschüler/innen unbeliebt zu machen (vgl. Olweus 2004, S. 61ff.; vgl. Scheithauer, Hayer, Petermann & Jugert, 2006, S. 273; vgl. AKJS 2006, S. 4 und AKJS 2009, S. 4).

Bullying ist daher zu unterscheiden von Tobspielen und spielerischem Kräftemessen zwischen Gleichaltrigen bzw. gleich starken Parteien und der Zurückweisung durch Gleichaltrige (vgl. Olweus ebd.; vgl. Scheithauer & Bull 2009, S. 13).

2.2 Formen und Merkmale von Bullying

Scheithauer et al. (2006) unterscheiden drei verschiedene Formen von Bullying, nämlich physisches, verbales und relationales Bullying. Physisches Bullying umfasst körperliche Gewalttätigkeiten z.B. treten, schlagen, schubsen usw., während verbales Bullying verbale Angriffe, etwa durch Verspotten, Beleidigen, Beschimpfen, Lustig machen usw., beinhaltet. Der Begriff relationales bzw. beziehungsbezogenes Bullying meint das Manipulieren des sozialen Umfeldes einer Person, um deren sozialen Ruf/Status absichtlich zu schädigen, z.B. durch Nichtbeachtung, Ausgrenzung sowie Verleumdungen mithilfe von Gerüchten und Lügen.

In der Studie von Scheidthauer et al. (2006) mit 2086 Schüler/innen zweier deutscher Schulen in den Klassen fünf bis zehn - deren Ergebnisse mit Studien in anderen Ländern vergleichbar sind (vgl. Olweus 2004) - gaben 12,1% der Schüler/innen in einem Befragungsbogen an, dass sie mindestens einmal wöchentlich als Bully andere Mitschüler/innen schikanieren. 11,1% der Schüler/innen berichteten, dass sie mindestens einmal in der Woche Opfer von Bullying sind. Verbales und relationales Bullying finden dabei am häufigsten statt; insgesamt werden in Bullying-Situationen die verschiedenen Formen meist kombiniert angewendet (z.B. beleidigen und ausgrenzen als verbales und relationales Bullying und z.B. zusätzlich wegschubsen als physisches Bullying). Im Vergleich von Mädchen und Jungen überwiegen Jungen als Täter und Opfer bei physischem Bullying, während Mädchen eher verbales und indirektes, relationales Bullying ausüben und in diesen Formen des Bullying ebenfalls stark als Täterinnen und Opfer gleichermaßen vertreten sind (vgl. zu den geschlechtsspezifischen Befunden Darstellung 1, entnommen aus Scheidthauer et al. 2006, S. 267).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bullying ist insgesamt nicht nur in der Schule, sondern bereits im Kindergarten beobachtbar (vgl. Scheithauer & Bull 2009, S. 13). In der Schule tritt Bullying in allen Schulformen auf, wobei es Unterschiede in der Häufigkeit zwischen diesen und zwischen einzelnen Schulen derselben Schulform geben kann (vgl. ebd. S. 14). Die Anzahl der Bullys in der Schule erhöht sich stetig bis in die unteren Klassen der Sekundarstufe I. Physisches Bullying tritt dabei am häufigsten während der Pubertät in den Klassenstufen 7-9 auf und nimmt ab der 10. Klasse ab und wird durch weniger sichtbare Formen wie relationales/ beziehungsbezogenes Bullying abgelöst (vgl. ebd. S. 14; vgl. Olweus 2004, S. 26-31; vgl. Scheidthauer et al. 2006; vgl. Busch & Todt 2010, S. 5-6).

Eine neue Form des Bullying ist in den letzten Jahren durch die Nutzung von Kommunikationsmedien wie dem Internet und dem Handy zu den drei von Scheithauer et al. genannten Formen hinzugekommen (vgl. Scheithauer & Bull 2009, S. 14; vgl. AJS 2010). Beim sogenannten „Cyberbullying“ oder „Cybermobbing“ werden Opfer in Chatforen, sozialen Online-Netzwerken oder per SMS über Handys „vorsätzlich diffamiert, bedroht oder beleidigt“ (Scheidthauer & Bull ebd.). Beim „happy slapping“ werden einmalige Gewaltaktionen und auch regelmäßiges physisches Bullying mit der Handykamera gefilmt und an andere Jugendliche per MMS verschickt oder im Internet frei eingestellt (vgl. ebd.; vgl. auch Busch & Todt 2010, S. 1). „Cyberbullying“ wird von den Bullying-Opfern als besonders demütigend empfunden, weil die Viktimisierung vor einer breiten Masse an Zuschauern/Mitlesern durchgeführt bzw. diesen zugänglich gemacht wird. Diese Tatsache bedeutet für viele Opfer eine große psychische Schädigung und Belastung (vgl. Scheidthauer & Bull, ebd.; AJS 2010).

3 Täter/innen

3.1 Merkmale von Täter/innen

Schüler/innen, die als Bullys auftreten, zeigen laut Scheithauer & Bull (2009) häufig „psychosoziale Auffälligkeiten, die bereits für sich genommen einer Intervention bedürfen“ (S. 14). Generell stehen Gewalt und Bullying in Zusammenhang mit „Defiziten in emotionalen und sozialen Kompetenzen“, z.B. in der Perspektivenübernahme, in einem Mangel an Empathie und „unzureichend entwickelten sozialen Normen“ (ebd.; vgl. Olweus 2004, S. 44f.).

Kinder und Jugendliche, die andere schikanieren, weisen häufig ein aggressiv-dissoziales oder delinquentes Verhalten auf und streben nach Dominanz und Überlegenheit. Sie haben mit anderen wenig Mitgefühl und zeigen wenig helfendes Verhalten. Nach außen treten diese Schüler/innen eher selbstsicher, stark und mit guten verbalen Fähigkeiten auf. Tatsächlich haben sie aber ein negatives Selbstwertgefühl und leiden unter Beziehungsproblemen. Sie sind in der Klasse in der Regel durchschnittlich bis eher unterdurchschnittlich beliebt und haben eine geringe Bindung zur Schule und zum sozialen Schulumfeld (vgl. Olweus 2004 ebd.; vgl. Scheidthauer et al. 2006; vgl. auch Busch & Todt 2010, S. 4-5; vgl. Scheithauer & Bull 2009, S. 14).

Kinder und Jugendliche, die in ihrer Familie einen Mangel an Wärme, eine Laissez-faire- Haltung oder auch harte körperliche Strafen erleben, werden aufgrund der Art ihrer Erziehung eher zu Täter/innen (vgl. Olweus 2004, S. 48-49; vgl. Busch & Todt 2010, S. 5). Bullying kann u. a. eine Form instrumenteller Aggression darstellen, durch die der/die Täter/in „Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zuwendung, Macht oder materielle Vorteile“ (vgl. Olweus ebd., S 45; vgl. Busch & Todt ebd., S. 1) erhalten will. Parallel dazu versucht der/die Täterin möglicherweise eigene Schwächen, Angst- und Ohnmachtsgefühle durch Abwertung des Opfers zu kompensieren und/oder Unzufriedenheit in der Schule, Ärger und Wut, selbst erlebtes Unrecht (z.B. Gewalt in der Familie) sowie persönliche Motive wie Neid oder Fremdenfeindlichkeit durch Schikanieren des Opfers abzureagieren (vgl. AKJS 2009).

Zudem kann Bullying auch als Form von „Aggression als Nervenkitzel oder Selbstzweck“ fungieren, wobei der „Lustgewinn aus Streit und/oder sadistischem Verhalten“ im Zentrum steht (Busch & Todt ebd.) und Langeweile bekämpft und „Abwechslung“ erreicht werden kann (vgl. AKJS 2009). Ein weiterer Grund für Bullying kann sein, dass der/die Täter/in selbst einmal Opfer von Bullying gewesen ist (vgl. ebd.), ein Befund, der wie erwähnt, auch auf die Mehrzahl der jugendlichen Amokläufer in Schulen zutrifft.

3.2 Auswirkungen des Bullying auf die Täter/innen

Sofern das Bullying nicht unterbunden und durch Mitschüler/innen weiter verstärkt wird (vgl. Kapitel 5), fühlt sich der/die Täter/in darin bestärkt, das Opfer weiterhin zu schikanieren und kann auf diese Weise zu der Überzeugung gelangen, dass Gewalt generell ein erlaubtes Mittel ist, um sich z.B. Anerkennung und Respekt zu verschaffen und Ärger abzureagieren. Desweiteren ist es im langfristigen Verlauf eines Bullyingprozesses möglich, dass der/die Täter/in auf Dauer die Abneigung der Mitschüler/innen auf sich zieht und auf diese Weise selbst zu einem Außenseiter in der Klasse wird (vgl. AKJS 2006, S. 3) Abseits der Gruppe ist es für den Bully noch weniger möglich die sozialen und kommunikativen Kompetenzen zu erlernen, die für das Gestalten von friedlichen, zwischenmenschlichen Beziehungen notwendig sind. Laut AKJS (2006) zeigen kriminologische Untersuchungen, „dass gewalttätige Übergriffe in der Schule einen Risikofaktor für späteres kriminelles Verhalten darstellen“ (S. 8; vgl. auch Smith, Cousins & Stewart 2005, S. 741). Weiterhin ist die Wahrscheinlichkeit, dass ehemalige Bullys als Erwachsene an Depressionen erkranken oder Suizidgefahr ausgesetzt sind signifikant höher als bei Schüler/innen, die an Bullying- Situationen unbeteiligt sind (vgl. Smith et al. 2005, ebd.). Zudem zeigen Studien, dass ehemalige Bullys in Partnerbeziehungen physisch und sozial aggressiver agieren und mehr Schwierigkeiten in sozialen Beziehungen im Allgemeinen und insgesamt in Bezug auf ihre mentale Gesundheit haben (vgl. ebd.). Diese Ergebnisse zeigen, dass Bullying nicht nur für das Opfer sehr schädlich ist, sondern dass auch die Person, die schikaniert, durch ihre sozialen Defizite erhebliche negative Auswirkungen im Verlauf ihres Lebens erfahren kann, wenn das Bullying nicht verhindert wird und nicht nur das Opfer, sondern auch der oder die Täter/in Hilfe erfahren.

4 Opfer von Bullying

4.1 Merkmale von Bullying-Opfern

Bullys wählen als Opfer für ihre Schikanen bestimmte Mitschüler/innen aus, die ihnen in irgendeiner Weise unterlegen sind und bei denen ein Kräfteungleichgewicht zum Vorteil des Bullys besteht. Meist sind Opfer Kinder und Jugendliche, die in der Klasse isoliert sind, z.B. weil sie von Mitschüler/innen als Außenseiter/in, Streber/in, Neue/r in der Klasse betrachtet werden. Der/die Täter/in wählt sein Opfer mit der Erwartung aus, dass dieser oder diese bei Angriffen keinen oder nur geringen sozialen Rückhalt von der Gruppe erhalten wird (vgl. Olweus 2004, S. 42 f.; vgl. Scheidthauer & Bull 2009, S. 14; vgl. Busch & Todt 2010, S. 5; vgl. AKJS 2009, S. 5-6). Ursächlich sind also grundsätzlich die Gruppenkonstellation und das Gruppenklima, durch welches der Status der einzelnen Mitschüler/innen beeinflusst und bewertet wird. Im Prinzip kann folglich jede Person Opfer von Bullying werden (vgl. AJS 2009).

Studienergebnisse zeigen, welche Merkmale stärker dazu führen können Opfer einer Bullying-Situation zu werden. So zeichnen sich viele Opfer dadurch aus, dass sie sich eher unsicher verhalten, sich bei Angriffen zurückziehen und/oder weinen. Möglicherweise haben diese Kinder oder Jugendliche in der Familie ein Konflikt vermeidendes oder überanpassendes Verhalten gelernt, sind eher ängstlich oder empfindsam und still. Sie verfügen unter Umständen über ein geringes Selbstwertgefühl; es kann aber auch sein, dass dieses erst durch den Bullyingprozess selbst beschädigt wird (vgl. Olweus 2004, S. 44f.; vgl. Scheidthauer & Bull 2009, S. 14; vgl. Busch & Todt 2010, S. 5; vgl. AKJS 2009, S. 5-6; vgl. AJS 2009).

Die Auswahl des Opfers durch den/die Täter/in und der Status des Opfers in der Klasse kann (zusätzlich) darin begründet liegen, dass das betreffende Kind bzw. der/die Jugendliche körperlich schwächer ist, sich verbal nicht gut ausdrücken bzw. wehren kann und/oder äußerliche oder persönlichkeitsbezogene Merkmale aufweist, die sich von denen der Klassenkameraden unterscheiden. Diese können sich z.B. darin zeigen, dass das Opfer eine andere Hautfarbe, eine Behinderung oder Übergewicht hat oder „andere“, z.B. kulturell bedingte, „abweichende“ bzw. als „unmodisch“ betrachtete Kleidung trägt. Andersherum kann das Opfer auch etwas besitzen oder tun, das Sozialneid bei den Mitschüler/innen hervorruft, z.B. wenn er/sie teure Kleidung trägt, ein aufwändiges Hobby oder neue technische Geräte hat (vgl. ebd). Wie Olweus (2004) betont, spielen Äußerlichkeiten allerdings nur eine nebensächliche Rolle; entscheidend sei das generelle Kräfteungleichwicht zwischen Opfer und Bully(s) (vgl. S. 40).

Desweiteren können Kinder und Jugendliche Opfer von Bullying werden, wenn sie selbst, ähnlich wie der Bully, erregbar, aggressiv und wenig anpassungsbereit sind und durch ihr Verhalten Angriffe provozieren.

[...]


1 Sexualisierte Gewalt unterscheidet sich von sexueller Gewalt in der Hinsicht, dass Sexualität an sich nicht Beweggrund für die Ausübung der Gewalt ist, sondern funktionalisiert wird, z.B. um Macht auszuüben (vgl. Bundesverband Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe (2009); vgl. auch Rentmeister et al. online unter http://www.spass-oder-gewalt.de/index.html#anfang).

Details

Seiten
23
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656268680
ISBN (Buch)
9783656271444
Dateigröße
643 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200750
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – School of Education
Note
1,0
Schlagworte
Bullying Mobbing Schule Täter Opfer Gewalt Olweus Jannan Prävention Kreislauf soziale Kompetenzen

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