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Steigerung von Sachkompetenz und Schülermotivation im Anfangsunterricht Optik durch den Einsatz eines WebQuests

Examensarbeit 2012 29 Seiten

Physik - Didaktik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Bezug der Unterrichtseinheit zum gewählten Modul
1.3 Bezug zum Lehrplan und zu den Bildungsstandards
1.4 Bezug zu den allgemeinen und fachspezifischen Ausbildungs- standards
1.5 Leitfragen und Zielvorstellungen

2. Unterrichtspraxis
2.1 Bemerkungen zur Lerngruppe und den Lernvoraussetzungen
2.2 Didaktische und methodische Überlegungen
2.2.1 Eigenständiges Lernen
2.2.2 Vor- und Nachteile des Internets als Unterrichtsmedium
2.2.3 Gründe für den unterrichtlichen Einsatz eines WebQuests und die damit verbundenen Schwierigkeiten
2.2.4 Die Planung der Unterrichtseinheit
2.2.5 Die Konzeption des WebQuests „Reflexion und Absorption“
2.3 Überblick über die Arbeit am WebQuest innerhalb der Unterrichts- einheit
2.4Ausgewählte Aspekte des Unterrichtsgeschehens

3. Evaluation und Schlussfolgerungen
3.1 Evaluationsverfahren
3.2 Darstellung und Deutung der Ergebnisse
3.2.1 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse in Bezug auf Leitfrage I
3.2.2 Darstellung und Interpretation der Ergebnisse in Bezug auf Leitfrage II
3.3 Schlussfolgerungen im Hinblick auf die Zielvorstellungen und die Beantwortung der Leitfragen

4. Persönliches Fazit

5. Literaturverzeichnis

6. Anhang

1. Einleitung

Gegenstand der vorliegenden Hausarbeit zur Zweiten Staatsprüfung ist der Einsatz eines WebQuests im Anfangsunterricht Physik in der 7.Klasse. Durch die Methodenuntersuchung soll herausgefunden werden, ob sich ein WebQuest dazu eignet, häufiger zur Erschließung von Inhalten im theoretischen Teildes Unterrichts eingesetzt zu werden.

Zu Beginn der Hausarbeit wird der Auslöser für die Themenbildung geschildert: eine Unterrichtsbeobachtung, die ein Problem ersichtlich machte. Diese Problemstellung führte zur Formulierung der Zielsetzung für die Unterrichtseinheit. Es ergaben sich zwei Leitfragen, die zugleich die Untersuchungsschwerpunkte der Arbeit festlegten: (I) die nach dem Lernzuwachs durch das WebQuest und (II) die nach der Steigerung der Schülermotivation durch die Methode. Die Lösung für das zu Beginn der Hausarbeit geschilderte Problem und die Motivation für die Erhebung, werden durch Bezugnahme auf ein Wahlmodul im Fachbereich Physik, auf die Ausbildungsstandards sowie auf die fachspezifischen Ausbildungsstandards erläutert. Im Folgenden werden die Evaluierungsverfahren beschrieben, die Antworten auf die zwei Leitfragen liefern sollen. Der Praxisbezug besteht aus der Lerngruppenanalyse und der Vermittlung theoretischer Grundlagen. Hier wird daher auch die Konzeption des WebQuests dargestellt und seine Bedeutung für die Hausarbeit geschildert. Weiterhin werden in dem Bereich der Unterrichtsplanung didaktische und methodische Überlegungen begründet dargelegt und eine tabellarische Übersicht über das Unterrichtsvorhaben geliefert. Die Evaluation des Unterrichtsgeschehens, die zur Beantwortung der zwei Leitfragen führen soll, bildet gemeinsam mit deren Reflexion und den daraus entstehenden Schlussfolgerungen für den kommenden Unterricht den dritten Teil der Arbeit. Den Abschluss bildet ein persönliches Fazit.

1.1 Problemstellung

„Gucken wir schon wieder einen Film?“ oder „Können wir nicht im Internet danach suchen?“, sind die häufigsten Schülerfragen, die ich in meinem ersten Ausbildungsjahr gehört habe, wenn es darum ging, theoretische Inhalte außerhalb der Experimentierphasen zu vermitteln. Die Schüler[1] der heutigen Zeit sind es gewohnt, ihre Informationen aus dem Internet zu beziehen, weil sie dort immer verfügbar sind. Das Abspielen eines Films nimmt in seiner Bedeutung bei den Schülern dagegen zunehmend ab. Sie verbinden diese Art der Wissensvermittlung mit der „Beschäftigungstherapie“ vieler Vertretungsstunden. Wie aber begegnet man diesem Zwiespalt aus Überflutung der Informationen im „Wunschmedium“ Internet und der Notwendigkeit, auch theoretische Inhalte vermitteln zu müssen? Zu diesem Zweck habe ich die siebte Klasse, die auch Gegenstand dieser Hausarbeit ist, in einem vorherigen Themenbereich ein Referat eigenverantwortlich vorbereiten lassen. Neben dem klassischen Medium „Buch“ habe ich ihnen innerhalb meines Unterrichts auch die Möglichkeit der Internet-recherche angeboten. Es überrascht wenig, dass das Internet ohne Ausnahme als Medium genutzt wurde. Doch sowohl die Präsentationen als auch die anschließende Evaluation der Unterrichtseinheit ließen Eines deutlich zu Tage treten: Die Schüler sind mit der Informationsflut heillos überfordert, filtern dadurch teilweise die falschen oder unvollständige Ergebnisse heraus, die sich je nach Gruppe auch noch deutlich unterscheiden und verlieren mit zunehmender Zeit die Motivation, an ihrem Referat zu arbeiten. Die Schüler meldeten daher zurück, dass sie zwar gerne weiter mit dem Computer arbeiten würden, mit einer solchen „einfachen“ Recherche im Internet aber nicht zurechtkommen. Gleichzeitig zu dieser Unterrichtseinheit las ich einen Vortrag eines Professors für Chemie an der Universität Frankfurt am Main.[2] Dieser wies Statistiken auf, die angaben, dass im Physikunterricht 12,8% der Lehrkräfte den Computer mehrmals im Monat nutzen. Dieser Umstand machte mich neugierig, eine Möglichkeit des sinnvollen und kompetenzerweiternden Einsatzes des Computers beziehungsweise des Internets zu finden, um so dem Hauptmedium der Schüler gerecht zu werden und gleichzeitig einen Weg zu finden, meinen Unterricht in theoretischen Phasen motivierend und schülerzentriert zu gestalten. Wie im Weiteren beschreiben bot sich mir die Möglichkeit, eine solche Gelegenheit im Rahmen eines Wahlmoduls kennenzulernen.

1.2 Bezug der Unterrichtsreihe zum gewählten Modul

Diese Arbeit nimmt Bezug auf das Wahlmodul W-RS-PHY-0007 „WebQuests mit Homepagebaukästen – Onlinearrangements für den Physikunterricht in der Sek I“ vom 21.12.2011. Der Inhalt des Moduls umfasste neben den grundlegenden Fragen, was ein WebQuest überhaupt ist und wie es funktioniert, ebenfalls die Frage der geeigneten Einsatzformen und Möglichkeiten eines WebQuests. Bei der WebQuest-Methode handelt es sich um ein computer- und internetbasiertes didaktisches Modell, welches dazu dienen soll, in der Schule „ sinnvoll mit PC und Internet zu arbeiten“.[3] Entwickelt wurde die Grundidee des WebQuests 1995 von dem Amerikaner Bernie Dodge und dem Australier Tom March, welche „ von einer einfachen und transparenten didaktischen Struktur (...) [ausgehen], in deren Rahmen Unterrichtsaktivitäten geplant werden.[4].

Das gesamte Modul war neben kurzen theoretischen Teilen zur Entwicklung der „WebQuest- Methode“ sehr praxisorientiert angelegt und bot mir die Möglichkeit, bereits selbst erste Erfahrungen im Aufbau und Umgang mit einem WebQuest zu sammeln. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse ließen sofort den Gedanken in mir reifen, diese Methode in meinen Unterricht einfließen lassen zu wollen und eine der Unterrichtseinheiten mit einem WebQuest zum Gegenstand meiner Hausarbeit zu machen, um die Eignung und Wirkung auf die Schüler genauer untersuchen zu können. Besonders reizvoll erschien mir die Möglichkeit, mithilfe eines WebQuests die Schüler gerade im theoretischen Teilen meines Unterrichts durch die „digitale“ Stationsarbeit in einem ihnen sehr vertrauten Medium, dem Internet, zu motivieren und ihnen zu mehr Eigenverantwortlichkeit zu verhelfen.

1.3 Bezug zum Lehrplan und zu den Bildungsstandards

Der Lehrplan (LP) für die SekundarstufeI der weiterführenden allgemeinbildendenSchulen des Landes Schleswig-Holstein sieht den Themenbereich 3 „Sehen und gesehen werden“ für die Klassenstufen 7 verbindlich vor[5]. Innerhalb dieses gesamten Themenbereiches ordnet sich der Teilbereich „Licht fällt auf Körper“ ein, dessen Schwerpunkt auf den Phänomenen Reflexion und Absorption liegt. „Die verschiedenen Phänomene sollen bevorzugt in einem einheitlichen Kontext behandelt werden. Empfohlen wird, Situationen im Zusammenhang mit der Sicherheit im Straßenverkehr auszuwählen.“[6]

Hier lassen sich auch die Unterrichtseinheit und das Thema des WebQuests problemlos einordnen. Hinsichtlich des fachlichen Beitrages zur Vermittlung von Kompetenzen werden im Lehrplan die vier Bereiche Sach-, Methoden-, Selbst- und Sozialkompetenz angeführt. Im Rahmen dieser Unterrichtseinheit finden, neben anderen, die folgenden Aspekte besondere Berücksichtigung: Die Schüler sollen durch die Arbeit mit dem WebQuest ihre Sachkompetenz auf dem Gebiet der Reflexion und Absorption ausbauen[7], indem sie sich an Beispielen aus dem Alltag Wissen über die Vorteile durch Reflexion bedingter Hilfsmittel bewusst werden und die Gefahren des Tragens dunkler Kleidung als Beispiel der Absorption erkennen(LP1) und so dazu befähigt werden, verantwortungsvoller und sicherer mit den Situationen des Straßenverkehrs umzugehen. Zudem erweitern die Schüler ihre Sozialkompetenz, indem sie in Teams arbeiten[8] (LP2) und dabei gemeinsame Absprachen bezüglich der Organisation des Arbeitsprozesses treffen. Hierzu gehört vor allem, den zeitlichen Rahmen und das Aufgabenpensum realistisch ein- bzw. aufzuteilen und als Einzelner Verantwortung für den Arbeitsprozess zu übernehmen.[9] (LP3) Neben der Erweiterung der Sach- und Sozialkompetenz ist gerade beim ersten Kontakt mit einem WebQuest die Förderung der Methodenkompetenz zu nennen. Die Schüler bauen dabei ihr Methodenspektrum um eine weitere Möglichkeit des Arbeitens im Physikunterricht aus, indem sie das bekannte Arbeiten am „Lernbuffet“ auf die Arbeit mit dem WebQuest übertragen. (LP4)

Auf Grund des engen Rahmens dieser Hausarbeit liegt der Schwerpunkt, der sich auch in den Leitfragen widerspiegelt, vor allem auf der Bewertung der Sachkompetenzerweiterung im Zusammenhang mit der Methode. Dennoch soll auf die weiteren beschriebenen Kompetenzen ebenfalls kurz eingegangen werden.

Neben dem Lehrplanbezug sollte Unterricht immer auch unter Berücksichtigung der fachspezifischen Bildungsstandards geplant werden, die sich in folgende vier Bereiche gliedern: Fachwissen, Erkenntnisgewinnung, Kommunikation und Bewertung. Bei der Arbeit am WebQuest „Reflexion und Absorption“ liegen die Schwerpunkte auf den Kompetenzbereichen Fachwissen (F) und Kommunikation (K). Die Schüler verfügen bereits über ein strukturiertes Basiswissen und geben im Laufe der Einheit einfache Gesetzmäßigkeiten, z.B. das Reflexionsgesetz, wieder (F2). Um die an sie gestellten Aufgaben zu lösen, wenden die Schüler diese Kenntnisse zur Lösung der dargestellten Probleme/Aufgaben an (F3). Während der gesamten Arbeit tauschen sich die Schüler in ihren Teams über die physikalischen Erkenntnisse der vorangegangenen Stunden aus und bedienen sich dabei zunehmend der Bildungssprache, im Idealfall der Fachsprache (K1). Am Ende jeder Aufgabe dokumentieren die Schüler ihre Ergebnisse (K5) und präsentieren am Ende des Arbeitsprozesses eine Aufgabe adressatengerecht der Gesamtgruppe (K6).

1.4 Bezug zu den allgemeinen und fachspezifischen Ausbildungsstandards

Den Orientierungsrahmen für Hausarbeiten bilden die allgemeinen und fachspezifischen Ausbildungsstandards.[10] Durch die Hausarbeit werden eine Vielzahl von allgemeinen Ausbildungsstandards (A) aus allen fünf Bereichen und fachspezifischen Ausbildungsstandards (FA) abgedeckt.

So wurde der Unterricht im Kontext einer Unterrichtseinheit „Licht fällt auf Körper“ (A I.2) unter Berücksichtigung des Lehrplans Physik (A I.1/FA 2)[11] mittelfristig geplant und nach gründlicher Recherche sachlich und fachlich korrekt durchgeführt. (AI.3/FA 3). Die Einheit wurde durch eingebundene Hilfen und verschiedenartige Medien (A I.11) innerhalb des WebQuests den verschiedenen Voraussetzungen und Kompetenzen der Schüler gerecht und so entwickelt, dass jeder Schüler gemäß seiner Fähigkeiten in der Lage war, die gestellten Aufgaben zu bearbeiten (A I.7). Die Selbstständigkeit der Schüler wird durch die schüleraktivierende Unterrichtsform des WebQuests und durch die Lern- und Arbeitsstrategie bei der Vorbereitung der Präsentation gefördert (A I.5). Während des gesamten Unterrichts und durch die Möglichkeit des Email-Kontakts auch darüber hinaus, stand ich den Schüler bezüglich ihres Aufgaben- und Zeitmanagements beratend zur Seite. (A III.23). Darüber hinaus sendeten die Schüler mir ihre Ergebnisse zu den einzelnen Aufgaben zu, wodurch ich sofort erkennen konnte, ob es Verständnisschwierigkeiten und Fehlvorstellungen zu unterrichtsrelevanten physikalischen Eigenschaften von Reflexion und Absorption gab (FA 11). Sie trugen dabei die Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess (A V.30) und bearbeiteten die an sie gestellten Aufgaben in Partnerarbeit (A V.31). Durch das für die Schüler aus dem Physikunterricht bekannte Helfersystem gewährleiste ich spezifische Handlungsoptionen zur Gestaltung der Lernumgebung mit hoher Schülerselbstständigkeit. (FA 10). Mit einer fachspezifischen Lernstandsanalyse zu Beginn und am Ende der Unterrichtseinheit, Lehrerbeobachtungen während der Einheit und einer Präsentation ausgewählter Aufgaben durch die Schüler zum Abschluss der Arbeit wurde die Kompetenzentwicklung der Schüler mit verschiedenen Verfahren dokumentiert (A I.8). Die Bewertungskriterien für die Präsentation wurden auf der Website transparent dargestellt (A I.12) und von den Schüler und der Lehrkraft kritisch reflektiert (A I.14). Aus den Ergebnissen der Kompetenzentwicklung und dem Feedback zur Methode lassen sich Rückschlüsse auf Konsequenzen zu dieser Unterrichtseinheit und dem weiteren Arbeiten mit dieser Methode ziehen. (A IV.25).

1.5 Leitfragen und Zielvorstellungen

Der Konzeption dieser Hausarbeit liegen folgende Leitfragen zu Grunde:

Leitfrage I

Inwiefern ist der Einsatz eines WebQuests im Physikunterricht für Schüler

geeignet, um Sachkompetenz zu erwerben?

Leitfrage II

Inwiefern lässt sich durch den Einsatz eines WebQuests die Motivation der Schüler, sich eigenständig ein Thema zu erarbeiten, verstärken und erhalten?

(I) Das Ziel der Unterrichtseinheit liegt zum einen im Erwerb von physikalischem Fachwissen in Bezug auf Reflexion und Absorption und der daraus folgenden Eignung eines WebQuests für den Physikunterricht. Der Untersuchungsgegenstand zur ersten Leitfrage ist somit die Sachkompetenz der Lernenden, wenngleich verschiedene weitere Kompetenzen mit dieser Unterrichtseinheit ebenfalls geschult werden. Die Evaluation der Sachkompetenzerweiterung erfolgt durch eine Wissensstandserhebung zu Beginn und am Ende der WebQuest-Arbeit. Zusätzlich steht eine Ergebnispräsentation einer ausgewählten Aufgabe als Gradmesser bereit. Neben der Evaluation der Sachkompetenzerweiterung soll auch die Bewusstheit der Schüler für diese Erweiterung beleuchtet werden. Dazu erhielten die Schüler direkt im Anschluss an den Prä- und Posttest einen Selbsteinschätzungsbogen, in dem sie ihr Wissen bezüglich der gestellten Fragen einschätzen sollten.

Ich erwarte, dass sich die Sachkompetenz der Schüler in diesen Bereichen des Themen-gebiets Reflexion und Absorption erheblich verbessert und die Schüler ihren Lernzuwachs am Ende der WebQuest-Arbeit selbst einschätzen können. Ein Wissensfundament wird insoweit vorhanden sein, wie die Schüler sich bereits im Vorwege des WebQuests mit den Grundzügen des Reflexionsgesetzes und dem Phänomen Absorption in ausgewählten Experimenten befasst haben. Ich erwarte jedoch nicht, dass die Schüler am Ende der Arbeit mit dem WebQuest ein vollständigesWissen um die Reflexion und Absorption haben, da es sich um den Anfangsunterricht Physik handelt und ich den Fokus dieser beiden Themenbereiche daher auf die Verkehrssicherheit gelegt habe. Andere Bereiche zur Anwendung der Reflexion habe ich bewusst ausgegrenzt.

(II) Ziel der Unterrichtseinheit liegt zum anderen auf der Untersuchung, inwiefern sich die Motivation der Schüler durch den Einsatz eines WebQuests verstärken lässt, sich ein Themaselbstständig zu erarbeiten und welche Schlussfolgerungen sich daraus für die Lernprozesse der Schüler ergeben. Untersuchungsgegenstand ist somit das Motivationspotenzial eines WebQuests. Zum Zwecke der Evaluation der Schülermotivation werden die Rückmeldung per Zielscheibe[12] nach jeder zweiten Stunde und ein Rückmeldebogen am Ende der WebQuest-Arbeit eingesetzt. Flankiert wird die Evaluation durch Lehrerbeobachtungen.

Ich erwarte, dass sich die Motivation der Schüler durch die Arbeit mit dem WebQuest erkennbar verstärken und über die gesamte Arbeitsphase erhalten lässt. Darüber hinausgehe ich davon aus, dass sich die gesteigerte Motivation in der Teamarbeit, den Arbeitsergebnissen und den Präsentationen erkennbar niederschlägt.

2. Unterrichtspraxis

Für die Konzeption dieser computer- und internetbasierten Unterrichtseinheit galt es, im Vorfeld einige Faktoren zu beachten. Insbesondere die gegebenen Voraussetzungen in der Lerngruppe und der Lernumgebung mussten in der Planung berücksichtigt werden. Diese Einflussgrößen sollen im Folgenden daher zunächst näher erläutert werden, bevor dann die Planung des Unterrichts und schließlich ausgewählte Aspekte des Unterrichtsgeschehens vorgestellt werden.

2.1 Bemerkungen zur Lerngruppe und den Lernvoraussetzungen

Seit Beginn des Schuljahres 20112/2012 unterrichte ich die Schüler der Klasse 7c eigenverantwortlich im Fach Physik. Seit Beginn dieses Schuljahres unterrichte ich die Gruppe eigenverantwortlich zwei Wochenstunden im Fach Physik. Bei der Lerngruppe handelt es sich um eine siebte Gemeinschaftsschulklasse mit insgesamt 29Schülern in der Aufteilung 16 Jungen und 13 Mädchen. Ich habe sie als eine motivierte, lebhafte und in ihrer Leistungsfähigkeit sehr heterogene Klasse kennengelernt. Dies zeigt sich insbesondere in den Phasen des Physikunterrichts, in denen theoretische Inhalte behandelt und von den Schüler bearbeitet werden sollen.Das Vorgehen in Einzelarbeit bringt einige Schüler an ihre Grenzen und führt zu einer deutlich abfallenden Motivationskurve. Andere Schüler hingegen nutzen diese Phasen des Unterrichts, um „abzuschalten“ oder sich auszuruhen. Daher werden die Schüler im Physikunterricht im vergangenen halben Jahr zunehmend mit wechselnden, eigenverantwortlichen Arbeitsformen vertraut gemacht. Im Falle der Hausarbeitseinheit wurde das kooperative Arbeiten in Teams bestehenden aus jeweils zwei Schülern gewählt. Die Schüler sind im kooperativen Arbeiten in Teams geübt und mit den dazugehörigen Regeln, zum Beispiel dem Hilfesystem, zwar vertraut, haben im Physikunterricht bisher aber noch nicht mit einem WebQuest gearbeitet. Die Unterrichtsmethode soll nun eingesetzt und geschult werden, um so das selbstorganisierte Arbeiten in Gruppen zu trainieren, die Motivation der Schüler in diesem theoretischen Bereich der Unterrichtseinheit zu steigern und um zunehmend mehr Aufgaben in die Verantwortung der Schüler zu übertragen. Insgesamt haben die Schüler in den bisherigen Stunden dieser Unterrichtseinheit ein gutes soziales Miteinander gezeigt, was zu einer sehr angenehmen Lernatmosphäre führt.

Die Schüler dieser Klasse sind aus Freizeit und Unterricht soweit mit den Medien Computer und Internet vertraut, dass sie problemlos mit einem WebQuest arbeiten können. Einige von ihnen haben in diesem Schuljahr einen speziellen Wahlpflichtkurs „Mediengestaltung“ belegt. Diese Schüler verfügen über ausreichende Kenntnisse in speziellen Zeichen- und Bildbearbeitungsprogramme („Paint Shop Pro“[13] ) und vertiefende Kenntnisse im Erstellen von Präsentationen mit den handelsüblichen Programmen.

Zusätzlich zu den Voraussetzungen in der Lerngruppe mussten die in der Schule zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten berücksichtigt werden. Glücklicherweise verfügt meine Ausbildungsschule über einen gerade neu ausgerüsteten PC-Raum mit 15 Computern, die alle über einen Internetanschluss und die notwendigen Programme zum Dokumentieren der Arbeitsergebnisse verfügen. Die nötigen Voraussetzungen für eine solche Unterrichts-reihe waren also gegeben.

2.2 Didaktische und methodische Überlegungen

2.2.1 Eigenständiges Lernen

Auf Grund der bisher durchgeführten Einheiten in dieser Klasse, war es mir sehr wichtig, die Selbstständigkeit der Schüler noch stärker zu fördern, um die Schüler schrittweise zu mehr Eigenverantwortung im Unterricht zu führen und so die Lernmotivation zu steigern.

Einen geeigneten Ansatz hierfür stellt das Konzept des eigenständigen Lernens von Beck dar. Demnach sollen Schüler durch ihre Lernumgebung dazu ermuntert werden, „sich selbst verschiedener Informationsquellen zu bedienen, eigene Ziele zu setzen und Lösungen zu finden, Aktivitäten selbst zu planen, Entscheidungen zu fällen und zu lernen, die eigenen Lernerfahrungen erfolgreich auszuwerten.“[14] Doch dies kann nur durch eine schülergerechte didaktische Aufbereitung der eingesetzten Medien erreicht werden. Aus diesem Grund sollen nun zunächst das Internet in seiner Funktion als Unterrichtsmedium und die Gründe für den Einsatz eines WebQuests näher betrachtet werden, bevor die Überlegungen zur Planung der Unterrichtsreihe vorgestellt werden.

2.2.2 Vor- und Nachteile des Internets als Unterrichtsmedium

Bereits zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres habe ich in der 7c eine computer- und internetbasierte Unterrichtsreihe durchgeführt. Ähnlich wie in der hier betrachteten Unterrichtseinheit sollten die Schüler in Gruppen eine Präsentation zu ausgewählten Themen anfertigen. Auffällig war hier, dass ein erheblicher Teil der Klasse stark auf die Hilfe der Lehrkraft zurückgriff oder bei der Internetrecherche orientierungsarm unzählige Seiten aufrief, ohne diese wirklich intensiv durchzuarbeiten. Einige Schüler hielten sich zudem, entgegen der angekündigten Regeln zur Arbeit im PC-Raum, auf nicht themenrelevanten Seiten auf und nutzten die eigenverantwortliche Arbeitszeit immer wieder für Freizeitaktivitäten. Die Ergebnisse dieser Unterrichtsreihe waren entsprechend, was selbst die Schüler in der anschließenden Rückmeldung angaben. Die zuvor vereinbarten Kriterien für Präsentationen wurden nur von wenigen erfüllt. Dennoch wurde deutlich, dass die Schüler grundsätzlich gerne mit PC und Internet arbeiten. Auf die Aussage, dass es ihnen gefallen habe, in Physik einmal anders, also mit dem PC, zu arbeiten, gaben19 von 24 befragten Schülern an, dass das zutrifft.

Die Interessen und Vorlieben der Schüler in den Unterricht mit einfließen zu lassen, ist grundsätzlich ein wichtiger Schritt auf dem Weg, ihnen mehr Eigenverantwortung für ihr Lernen anzutragen. Der Einsatz neuer Medien, insbesondere von Computer und Internet, erfreut sich zudem als Facette der Methodenvielfalt durchaus großer Beliebtheit.[15]

Doch bevor das Internet Einzug in die Unterrichtsplanung findet, sollten grundsätzlich, wie bei allen anderen Medien auch, Vor- und Nachteile dieses Mediumsbetrachtet werden, damit didaktische und methodische Fehlerquellen von vornherein minimiert werden können.

Zu den Vorteilen der Internetnutzung im Unterricht gehört zweifelsohne die Tatsache, dass hier eine nahezu unendliche Vielfalt aktueller Informationen bereitsteht. Besonders für Themenbereiche, die von Aktualität und Themenvielfalt leben, ist das Internet den gängigen Schulbüchern durch seinen Informationsgehalt, seinen Gegenwartsbezug, seine motivationsfördernde Wirklichkeitsnähe und die berufliche Relevanz des Internets für das spätere Leben der Lernenden[16] überlegen.[17] Hier ist auch vorteilhaft, dass das Unterrichtsmaterial in digitalisierter Form vorliegt und deswegen schnell weiterverarbeitet werden kann.

Doch schon aus diesen Vorzügen ergeben sich auch Nachteile bzw. Risiken für den Umgang mit dem Internet in der Schule. Die Informationsflut der verfügbaren Daten kann eine Überforderung bedeuten, zudem können Schüler mit unerwünschten, zum Teil jugendgefährdenden Inhalten konfrontiert werden. Außerdem darf nicht außer Acht gelassen werden, dass nicht alle Quellen, die im Internet zur Verfügung stehen, fachlich und sachlich korrekte Informationen enthalten. Vorstellbar wäre zudem, dass der Erwerb von Internetkompetenzen stärker im Mittelpunkt steht, als der der angestrebten Sachkompetenz.[18]

2.2.3 Gründe für den unterrichtlichen Einsatz eines WebQuestsund die damit verbundenen Schwierigkeiten

Klare Vorteile der WebQuest-Methode liegen darin, dass sie trotz einer gewissen vorgegebenen Struktur in hohem Maße die Aktivität und Eigenverantwortung der Schüler fördert. In diesem Zusammenhang ist auch die veränderte Lehrerrolle während der WebQuest-Arbeit von Bedeutung: Denn mehr Eigenverantwortung für die Schüler zu erreichen, verlangt auch, dass die Lehrkraft aus ihrer Rolle des „Wissensvermittlers“ heraustritt. Dies kann (und soll) während der Arbeit mit einem WebQuest sehr gut umgesetzt werden, da ein erheblicher Teil der für die Lehrkraft anfallenden Arbeit im Vorweg geleistet wird, sodass die Lehrkraft den Schülern während ihrer eigenständigen Arbeit mit dem WebQuest als Berater zur Verfügung stehen kann. Die Schüler erwerben ihr Wissen selbstständig über die bereitgestellten Informationen des WebQuests. „ Die Rolle des Lehrenden entwickelt sich weg von der des Wissensvermittlers hin zum Coach bzw. Lernbegleiter. Der Lehrende steht nicht mehr im Zentrum der Wissensvermittlung, sondern der Lernende .“[19]

[...]


[1] Im Folgenden werden auf Grund der besseren Lesbarkeit die geschlechtsneutrale Form „Schüler“ oder alternativ der Begriff „Lernende“ verwendet.

[2] Bader, Prof. Dr. Hans Joachim, Silke Weiß. Ansätze zur Verbesserung der Medienkompetenz von Chemielehrkräften. Universität Frankfurt/Main. 2007

[3] vgl. www.webquests.de

[4] vgl.: Moser, Heinz: Abenteuer Internet – Lernen mit WebQuests. 2000, S.7

[5] vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes SH: Lehrplan Physik für die Sekundarstufe1

der weiterführenden Schulen Hauptschule, Realschule, Gymnasium, (1997) , S. 51

[6] ebd. S.52

[7] ebd. S.17

[8] ebd. S.18

[9] ebd. S.18

[10] IQSH:Der Vorbereitungsdienst in Schleswig-HolsteinAusbildung, Prüfung. (2011) S.5 ff. und IQSH: Grundlagen zur Ausbildung. Ausbildungsstandards. Ergänzungen für Fächer und Fachrichtungen, Themen der Module. Erprobungsfassung, Kronshagen (2004) S.35

[11] vgl. Lehrplan Physik S.52

[12] siehe Thüringer Institut für Lehrerfortbildung, Lehrplanentwicklung und Medien (ThILLM). http://www.eqs.ef.th.schule.de/pages/vorhab_eval/lehren_lernen/pdf/6_lehren_lernen.PDF

[13] Bei den „Paint Shop Pro“ – Produkten handelt es sich um Programme der Firma Corel Cooperation.Siehe http://www.corel.com/corel/product/index.jsp?storeKey=de&pid=prod4130078&trkid=DESEMGglDI#tab1

[14] Beck zitiert nach Moser, Heinz: Abenteuer Internet – Lernen mit WebQuests. Auer Verlag GmbH, (2000), S. 45

[15] Moser (2000), S. 9

[16] Vgl. Koch, Hartmut / Neckel, Hartmut: Unterrichten mit Internet & Co. Methodenhandbuch für die Sekundarstufe I und II. (2001), S.32

[17] Vgl. Computer + Unterricht. WEBQUEST Abenteuer, Heft 67, (2007), S.6

[18] vgl. Koch, Hartmut / Neckel, Hartmut (2001), S.46f

[19] Gerber, S. www.webQuests.de

Details

Seiten
29
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656267324
ISBN (Buch)
9783656267669
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200640
Institution / Hochschule
Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein
Note
1
Schlagworte
steigerung sachkompetenz schülermotivation anfangsunterricht optik einsatz webquests

Autor

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Titel: Steigerung von Sachkompetenz und Schülermotivation  im Anfangsunterricht Optik  durch den Einsatz eines WebQuests