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Das Prinzip der ganzheitlichen Bildung bei Pestalozzi

Seminararbeit 2010 22 Seiten

Pädagogik - Reformpädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Historische Situation der damaligen Zeit

3 Kindheit und Jugend

4 Pädagogischen Stationen
4.1 Neuhof – Pestalozzi als Bauer und Armenerzieher
4.2 Stans – in den Wirren des Krieges
4.3 Burgdorf – vom Armenerzieher zum Schulmeister
4.4 Yverdon
4.5 Missmanagement und Abstieg des Instituts
4.6 Letzte Lebensjahre
4.6.1 Clindy – zurück zu den Wurzeln
4.6.2 Neuhof – Lebensabend

5 Pestalozzis Einfluss auf die Moderne
5.1 Werte-Erziehung
5.2 Berufsbildung
5.3 Schüler als Individuen

6 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Johann Heinrich Pestalozzi gilt als einer der prägendsten Pädagogen der vergangenen Jahrhunderte. Seine Ideen, Schriften und Methoden auf dem Gebiet der Pädagogik dienten als Wegbereiter der modernen Pädagogik wie wir sie heute kennen und lehren.

Pestalozzi war einer der ersten, der die Notwendigkeit sah, Bildung als Allgemeingut, unabhängig von Geschlecht, Nationalität und sozialem Rang innerhalb der Gesellschaft, einer breiten Basis zugänglich zu machen.

Seine Intention war jedoch nicht nur, Kindern ein Maß an Allgemein- und Berufsbildung zu vermitteln um sie fit für ihren späteren Lebensweg zu machen, sondern sie gleichzeitig für den Staat als pflicht- und verantwortungsvolle Bürger heranzuziehen.

Während seiner pädagogischen Stationen kam Pestalozzi häufig mit Kindern aus armen sozialen Schichten sowie Kriegswaisen in Kontakt, bedingt durch die wirtschaftliche und politisch instabile Lage der damaligen Zeit sowie aus eigener Überzeugung heraus. Diese Erfahrungen prägten ihn und so waren seine Theorien immer darauf bedacht, den Menschen als Ganzes zu betrachten, der nicht nur Bildung sondern auch Zuneigung benötigte. Durch diese Umstände fand Pestalozzi den Zugang zur Sozialpädagogik.

Pestalozzis Erfolg beruhte alles andere als auf Geradlinigkeit – sein häufiges Scheitern und Misserfolge in seinen Unternehmungen und seine persönliche Art und Weise damit umzugehen, „in Phasen von Depression nicht unterzugehen, nicht zu versinken, sondern in Reflexion nach vorne zu schauen“[1], zeigten die wahre Größe seines Charakters.

2 Historische Situation der damaligen Zeit

Pestalozzi lebte zur Zeit der Frühindustrialisierung sowie der französischen und helvetischen Revolution. Diese zogen schwerwiegende soziale als auch gesellschaftliche Veränderungen, sowohl in der damaligen Schweiz sowie in Europa nach sich.

Dem vorangegangen war eine Phase in der die Kluft zwischen Arm und Reich sich immer weiter öffnete, und der Landbevölkerung mit ihren eingeschränkten Möglichkeiten zur Beschäftigung allmählich die Existenzgrundlage entzogen wurde. Im krassen Gegensatz hierzu begann sich in den Städten erstmalig eine freie und unabhängige Kommerzialisierung, unabhängig von kirchlicher oder politischer Geldvergabe, zu entwickeln. Daraus entstanden Probleme wie Günstlingswirtschaft, Korruption und schwindender Patriotismus unter den Bürgern.

Aus diesen Erfahrungen heraus entwickelte Pestalozzi die Grundlagen für seine späteren Werke.

3 Kindheit und Jugend

Johann Heinrich Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren. Er wuchs in schwierigen Verhältnissen auf. Sein Vater war Chirurgus und verstarb 1751. Pestalozzis Mutter entschied sich trotz der finanziell sehr schwierigen Situation dagegen, zu Verwandten auf das Land zu ziehen und stattdessen wegen der guten Bildungsmöglichkeiten, in Zürich zu verbleiben. Pestalozzi äußerte sich später zu seiner schwierigen Kindheit wie folgt:[2]

"Meine Jugendjahre versagten mir alles, wodurch der Mensch die ersten Grundlagen einer bürgerlichen Brauchbarkeit legt. Ich war gehütet wie ein Schaf, das nicht außer den Stall darf. Ich kam nie zu den Knaben meines Alters auf die Gasse, kannte keines ihrer Spiele, keine ihrer Übungen, "[3]

Nach dem Abschluss der Elementar- und Lateinschule 1765 begann Pestalozzi sein Studium am Collegium Carolinum, das zur damaligen Zeit für die schweizerische Aufklärung bestimmend war. Zunächst begann er ein Studium der Theologie, wandte sich dann jedoch der Jurisprudenz zu. Während des Studiums kam er mit verschiedenen führenden Personen der Schweizer Aufklärung in Kontakt, unter anderem mit Johann Jacob Bodmer (1698 – 1783). Während seiner regelmäßigen Treffen mit Bodmer und gleichgesinnten Studenten und dem Studium alter und neuer Philosophen, wurde Pestalozzi die Ungleichverteilung zwischen Arm und Reich sowie die Ungerechtigkeit zwischen der Land- und Stadtbevölkerung vor Augen geführt.[4]

Diese Erfahrungen sollten prägenden Einfluss auf Pestalozzis zukünftiges Handeln haben. Nachdem er auch das Studium der Jurisprudenz abbrach, begann er 1767 eine landwirtschaftliche Lehre auf dem Musterhof von Tschiffeli in Kirchberg, welche er 1768 ebenfalls abbrach.[5]

Er machte sich daran, ein geeignetes Landgut nahe Zürich zu finden, was seinen bisherigen Kenntnissen entsprach, mit dem Ziel zu heiraten und sich als Landwirt niederzulassen. 1769 heiratete er Anna Schulthess. 1770 kam ihr einziges Kind Hans-Jakob (1770 – 1801) zur Welt. Dieser kam geistig zurückgeblieben auf die Welt, konnte mit 11 Jahren weder lesen noch schreiben und zeigte in späteren Jahren Anzeichen von Epilepsie.

Er erlag am 15. August 1801 seiner Krankheit. Für Pestalozzi war dies ein schwerer persönlicher Schock, für den er zeitlebens die Verantwortung bei sich selbst suchte und auf falsche Erziehung seinerseits zurückführte.[6]

4 Pädagogischen Stationen

4.1 Neuhof – Pestalozzi als Bauer und Armenerzieher

1770 ursprünglich als landwirtschaftlicher Betrieb in Birr, nahe Zürich, gegründete, wandelte sich Neuhof im Laufe der Zeit in eine Armenerziehungsanstalt, bis Pestalozzi die Anstalt wegen Geldmangel und Schulden 1779 schließen musste.

Pestalozzis Versuche mit fortschrittlichen landwirtschaftlichen Methoden die Nachteile des Neuhofs zu überkommen, da dieser nur bedingt als landwirtschaftlicher Betrieb geeignet war, scheiterten nicht zuletzt an den Missernten von 1771/1772, die ganz Europa in Hungersnöte stürzten.

1773 wandelte Pestalozzi seinen landwirtschaftlichen Betrieb in eine Armenerziehungsanstalt. Anstoß waren die persönlichen Eindrücke hunderter bettelnder, verarmter und verwahrloster Kinder die Ihm während seiner Zeit in Birr begegneten.

Seine Absicht war, den Kindern entsprechende Kenntnisse in der Landwirtschaft und in der Herstellung von Webwaren zu vermitteln, und ihnen eine Allgemeinbildung zukommen zu lassen. Im Anschluss an ihre Ausbildung sollten die Kinder auf dem Neuhof verweilen und ihre Ausbildungskosten durch die Produktion von Webwaren erarbeiten.[7]

Zu diesem Zweck erweiterte er Neuhof um zwei weitere Gebäude, unter anderem eine Fabrikstube sowie ein Kinderhaus. Zwischenzeitlich hatte Pestalozzi bis zu 37 Kinder auf Neuhof untergebracht. Um eine angemessene praxisbezogene Ausbildung zu ermöglichen, stellte Pestalozzi Mägde für den landwirtschaftlichen Bereich, sowie gelernte Spinnerinnen und Webermeister an. Während der Arbeit unterrichtete er die Kinder in Mathematik sowie Lesen.[8]

[...]


[1] Hebenstreit, S.: Johann Heinrich Pestalozzi, Leben und Schriften, 1996, S. 46.

[2] vgl. Tröhler, D.: Johann Heinrich Pestalozzi, 2002, S. 25f.

[3] Pestalozzi J. H., Gehrig H., Hager F.-P., Weber K.: Sämtliche Werke, Kritische Ausgabe, Bd.29, Nachtrag, 1997, S. 104.

[4] vgl. Tröhler, D.: Johann Heinrich Pestalozzi, 2002, S. 26.

[5] vgl. Hebenstreit, S.: Johann Heinrich Pestalozzi, Leben und Schriften, 1996, S. 23.

[6] dto., S. 25.

[7] vgl. Hebenstreit, S.: Johann Heinrich Pestalozzi, Leben und Schriften, 1996, S. 26.

[8] vgl. Brühlmeier, A., Pestalozzi als Armenerzieher: http://www.heinrich-pestalozzi.de/de/dokumentation/biographie/neuhofjahre/pestalozzi_als_armenerzieher/index.htm, 12.12.2010.

Details

Seiten
22
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656266983
ISBN (Buch)
9783656267768
Dateigröße
480 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200578
Institution / Hochschule
Universität Augsburg – Arbeitslehre
Note
2,0
Schlagworte
Pestalozzi Biographie ganzheitliche Bildung Pädagogik

Autor

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