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Königinnen des Films in Italien

Gina Lollobrigida - Sophia Loren - Anna Magnani - Giulietta Masina

Fachbuch 2012 73 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhalt

Vorwort Königinnen des Films in Italien

Gina Lollobrigida Die „Lollo“ - der Stern der 1950-er Jahre

Sophia Loren Der italienische Filmstar der 1960-er Jahre

Anna Magnani Die „Urmutter des italienischen Films“

Giulietta Masina Die italienische Charakterdarstellerin

Literatur

Bildquellen / Seite 61 Der Autor

Bücher von Ernst Probst

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Gina Lollobrigida im Jahre 1981

Vorwort Königinnen des Films in Italien

Königinnen des Films in Italien stellt der Wiesbadener Autor Ernst Probst in seinem gleichnamigen Taschenbuch in Wort und Bild vor. Die Kurzbiografien befassen sich mit Gina Lollobrigida, Sophia Loren, Anna Magnani und Giulietta Masina. Geschildert werden nicht nur die Höhen, sondern auch die Tiefen in der künstlerischen Karriere sowie im Privatleben dieser Stars auf der Kinoleinwand.

Gina Lollobrigida galt in ihrer Glanzzeit als „die schönste Frau der Welt“ und als „die Mona Lisa des 20. Jahrhunderts“. Sophia Loren strafte einen Freund Lügen, der meinte, sie habe eine zu lange Nase, einen zu großen Mund, viel zu breite Hüften und müsse sich „total umbauen lassen“, wenn sie eine ernsthafte Schauspielerin werden wolle. Anna Magnani, die „Urmutter des italienischen Films“, brachte auf der Kinoleinwand perfekt die Bitterkeit und den Humor der Nachkriegszeit ihres Heimatlandes zum Ausdruck. Giulietta Masina, eine der führenden Charakterdarstellerinnen Italiens, spielte die Hauptrolle ihres Lebens in dem Streifen „La Strada“, in dem sie als tragikomische Prostituierte Gelsonima die Zuschauer lachen und weinen ließ.

Biografien berühmter Frauen sind eine Spezialität von Ernst Probst. Unter seinen mehr als 200 Büchern, Taschenbüchern, Broschüren und E-Books befinden sich zahlreiche Titel, die sich mit „Superfrauen“ befassen.

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Gina Lollobrigida Die „Lollo“ - der Stern der 1950-er Jahre

italiens populärste Filmschauspielerin der 1950-er Jahre war Gina Lollobrigida, geborene Luigina Mercuri. In ihrer Glanzzeit galt die „Lollo“ als „die schönste Frau der Welt“. Man bezeichnete sie auch als „die Mona Lisa des 20. Jahrhunderts“. Ihr Stern verblasste in den 1960-er Jahren, als ihre Landsmännin und sieben Jahre jüngere Intimfeindin Sophia Loren ihr auf der Kinoleinwand und in den Medien immer mehr die Schau stahl.

Luigina Mercuri wurde am 4. Juli 1927 als zweitältestes von vier Mädchen des Möbelfabrikanten Giovanni Mercuri und seiner Ehefrau Guiseppina im Dorf Subiaco in den Abruzzen geboren. Sie selbst bezeichnete später 1932 als ihr Geburtsjahr, vermutlich weil sie sich fünf Jahre jünger machen wollte. Ihre Schwestern heißen Giuliana, Maria und Fernanda. Bereits als Dreijährige kürte man sie zum „schönsten Kleinkind Italiens“. 1935 feierte Luigina als kleiner Matrose mit einer Gruppe von Amateurschauspielern ihr Debüt auf der Theaterbühne. Außer einem schulfreien Tag hatte dieser Auftritt keine weiteren Folgen. Die Eltern ließen Luigina privat in Gesang, Tanz, Zeichnen und Sprachen unterrichten.

Die Familie Mercuri verließ 1944 Subiaco, nachdem ihr Haus und ihre kleine Fabrik bei Kriegsende zerstört worden waren, und fand zunächst in Todi und 1945 in Rom eine neue Heimat. In der italienischen Hauptstadt war der Vater arbeitslos, und die Familie lebte unter bescheidenen Verhältnissen. Damals zeichnete Luigina für ein paar Lire Karikaturen und Porträts von amerikanischen Soldaten, während ihre Schwestern Giuliana und Maria als Platzanweiserinnen in einem Kino arbeiteten.

1946 besserte sich die finanzielle Lage der Familie Mercuri, die nun in ein Apartment in der Via Montebello einzog. Dank eines Stipendiums konnte Luigina an der römischen Kunsthochschule „Liceo artistico“ Bildhauerei und Malerei studieren und sich nebenbei als Opernsängerin ausbilden lassen.

Eines Tages fragte der Regisseur Stefano Canzio die attraktive Luigina auf der Straße, ob sie in einem Film mitspielen wolle, und diese willigte ein. 1946 spielte Luigina in den Streifen „Aquila Nera“ („Schwarzer Adler“), „Lucia di Lammermoor“ und 1947 in „L’elisir d’amore“ kleine Statistenrollen. Der italienische Produzent Mario Costa (1910-1995) engagierte sie 1947 für den Film „Follie per l’opera“ („Der Opernrausch“). Vom 3. Mai bis 5. Oktober 1947 sah man Luigina unter dem Pseudonym „Diana Loris“ in 22 Episoden des Fotoromans „In fondo al cuore“ im Magazin „Mio Sogno“. Im Sommer jenes Jahres erreichte sie bei der

Wahl der „Miss Roma“ den zweiten und bei der Wahl der „Miss Italia“ den dritten Platz. „Miss Italia“ wurde Lucia Bosé, die später mehr als 50 Filme drehte. 1948 trat die „Lollo“ in dem Film „I pagliacci“ („Bajazzo“) unter der Regie von Mario Costa auf.

Guiseppina Mercuri riet ihrer Tochter Luigina einmal: „Kind, wenn du jemals heiratest, dann gibt es nur zwei Männer: einen Arzt oder einen Anwalt, dann bist du versorgt“. Ihre Tochter beherzigte diesen gutgemeinten Ratschlag: Am 4. Januar 1949 heiratete Gina im Wintersportort Terminillo den emigrierten jugoslawischen Arzt Dr. Milko Skofic, der bald darauf seine Praxis schloss und seine Frau jahrelang als Manager betreute.

Der erste entscheidende künstlerische Erfolg für Gina Lollobrigida - so ihr Künstlername - stellte sich mit dem Film „Campane e martello“ („Sturmglocken“, 1949) ein. Danach lehnte sie ein Angebot der „J. A. RankFilm“ in Großbritannien ab. 1950 folgten die Streifen „Cuori senza frontiere“ („Herzen kennen keine Grenzen“ und „Miss Italia“.

Der amerikanische Filmregisseur und Milliardär Howard Hughes (1905-1976) war von Gina Lollobrigidas Streifen „Miss Italia“ beeindruckt und lud sie nach Hollywood ein. Auf Anraten ihres Mannes ging die Schauspielerin nach Amerika, fühlte sich aber in der Atmosphäre von Hollywood nicht wohl. Hughes bot der „Lollo“ einen Langzeitvertrag an und drängte sie zur Scheidung von ihrem Mann Milko Skofic, worauf sie verärgert nach Italien zurückkehrte. Der Aufstieg der „Lollo“ zur „Gina nazionale“ und zum Weltruhm begann mit dem Film „Fanfan la Tulipe“ („Fanfan der Husar“, 1952) an der Seite des französischen Schauspielers Gérard Philipe (1922-1959) und mit dem Streifen „Les Belles de nuit“ („Die Schönen der Nacht“, 1952). Danach weigerte sie sich, in „La signora senza camelie“ („Die Dame ohne Kamelie“, 1953) zu spielen.

In „Beat the Devil“ („Schach dem Teufel“, 1953) stand Gina Lollobrigida neben Humphrey Bogart (1899-1957) vor der Kamera. Zusammen mit Erroll Flynn (19091959) sah man sie in „Il Maestro di Don Giovanni“ („Gekreuzte Klingen“, 1953). Nach „Pane, amore e gelosia“ („Liebe, Brot und Phantasie“, 1953) und „La Romana“ („Die freudlose Straße“, 1954) galt sie als bestbezahlte Schauspielerin in Europa. Ganz genau auf „Lollo“ passte der Filmtitel „La Donna più bella del mondo“ („Die schönste Frau der Welt“, 1955). Darin sang sie eine Arie aus der Oper „Tosca“, wovon sogar Maria Callas (1923-1977), eine der besten Opernsängerinnen im italienischen Fach, begeistert war. Wegen ihrer dunklen Augen, ihres sinnlichen Mundes und ihrer aufregenden Figur war die „Lollo“ damals ein Schönheitsideal und der Prototyp einer „Sexbombe“.

Als schöne Zigeunerin Esmeralda sah man Gina Lollobrigida neben Anthony Quinn (1915-2001) in dem Film „Notre Dame de Paris“ („Der Glöckner von Notre Dame“, 1956). Im Monumentalfilm „Solomon and Sheba“ („Salomon und die Königin von Saba“, 1959) mimte sie neben Yul Brunner (1920 -1985) als König Salomon die legendäre Königin von Saba. Mitte der 1950-er Jahre empfing man Gina Lollobrigida bereits am britischen Königshof in London und im „Weißen Haus“ in Washington. Ab dieser Zeit stand sie auch für amerikanische und britische Filme vor der Kamera.

Zwischen 1947 und 1990 war Gina Lollobrigida in mehr als 60 Kinofilmen zu sehen. In Hollywood zahlte man ihr angeblich allein für Zigaretten täglich 500 US-Dollar. Mit ihrem Auftritt in „Monsignor Cupido“ („Die Puppen“, 1965) erregte die „Lollo“ den Unwillen des Vatikan. Der Grund: Sie spielte mit nacktem Bauchnabel eine Frau, die einen Priesterschüler verführte. Damals begeisterte sie immer noch das Publikum, geriet aber zunehmend in den Schatten von Sophia Loren.

1968 trennte sich Gina Lollobrigida von ihrem Ehemann Milko Skofic, dem sie 1957 den Sohn Milko geboren hatte.

Anfang der 1970-er Jahre begann Gina Lollobrigida als Fotografin zu arbeiten. Von ihr ließen sich im Laufe der Zeit Fidel Castro, Tito (1892-1980), Henry Kissinger, Paul Newman, Robert Redford, Indira Gandhi (19171984), Christiaan Barnard, (1922-2001), Ronald Reagan (1911-2004), Salvador Dalí (1904-1989) und die deutsche Fußballnationalelf ablichten. Außerdem publizierte sie Bildbände über Italien („Italia mia“, 1973) und die Philippinen („Le Filippine“), drehte einen Fernsehfilm über Fidel Castro, der 1974 gesendet wurde, und war als Modefotografin für die Zeitschrift „Vogue“ tätig.

Ein Wiedersehen mit Gina Lollobrigida auf der Kinoleinwand gab es in „Him, Her, Male and Female“ (1984) und „The Bocce Showdown“ (1990). Bald darauf beklagte sie sich darüber, es gäbe für sie keine interessanten Rollen mehr.

Gina Lollobrigida erhielt viermal den „Bambi“ des Burda-Verlages als beliebteste ausländische Filmschauspielerin und zahlreiche ausländische Auszeichnungen. 1961 verlieh man ihr den „Golden Globe“, und 1985 nahm sie aus der Hand des französischen Kulturministers Jack Lang das „Offizierskreuz für Kunst und Wissenschaft“ entgegen.

Auf der „Berlinale“ in Berlin sorgte Gina Lollobrigida 1986 für Aufsehen. Als Jurypräsidentin distanzierte sie sich öffentlich von dem deutschen Festivalbeitrag „Stammheim“, der mit dem „Goldenen Bär“ ausgezeichnet wurde.

1990 lernte Gina Lollobrigida bei Giacomo Manzù die Bildhauerei. Bald schuf bald eigene Kunstwerke wie die riesige Plastik „Fliegende Putte“, die 1992 bei der Weltausstellung in Sevilla im italienischen Pavillon gezeigt wurde und negative Schlagzeilen machte.

Politiker meinten, diese Plastik habe auf einer renommierten Schau nichts zu suchen. 1994 erschien ihr Bildband „Wonder of Innocence“.

Die künstlerische Laufbahn von Gina Lollobrigida erfuhr 1997 durch die Aufnahme in die 1563 gegründete Kunstakademie von Florenz ihre Krönung. Zu ihrem 70. Geburtstag wurde sie 1997 in die Enzyklopädie berühmter Italiener aufgenommen. Ihre Popularität ging ihr eher auf die Nerven: „Diejenigen, die mir gratulieren wollen, sind so zahlreich, dass ich am liebsten verschwände“, sagte sie.

Im Mai 1999 wurde bekannt, Gina Lollobrigida wolle für das EU-Parlament kandidieren. Mit der neu gegründeten Partei „Die Demokraten“ mit Romano Prodi an der Spitze wollte sie sich verstärkt für die soziale Gerechtigkeit der Frauen und Kinder in Europa einsetzen. Doch sie bekam zu wenig Wählerstimmen. Sogar in ihrem Geburtsort Subiaco mit etwa 5.000 Wahlberechtigen erhielt sie nur 164 Stimmen.

2002 verlieh man Gina Lollobrigida anlässlich ihres 75. Geburtstages die Ehrenbürgerwürde der italienischen Stadt Jesolo. Außerdem wurden 1,5 Kilometer Lidostrand nach ihr benannt. An ihrem 80. Geburtstag feierte und ehrte man sie 2007 erneut weltweit.

Vom gegenwärtigen Kino hält Gina Lollobrigida nicht viel. Sie erkärte: „Heute brauchen die Regisseure reichlich Blut, Special Effects und Gewalt. Ich bevorzuge es, die alten Filme im Fernsehen zu sehen als neue im Kino.“

Filme von Gina Lollobrigida

(Auswahl):

1951: Wunder einer Stimme - Enrico Caruso (Enrico Caruso: Leggenda di una Voce)

1951: Achtung! Banditi!

1952: Fanfan, der Husar (Fanfan la Tulipe)

1952: Die Schönen der Nacht (Les Belles de nuit) 1953: Liebe, Brot und Phantasie (Pane, amore e fantasia)

1953: Schach dem Teufel (Beat the Devil)

1954: Liebe, Brot und Eifersucht (Pane, amore e gelosia)

1955: Die schönste Frau der Welt (La donna più bella del mondo)

1956: Trapez (Trapeze)

1956: Der Glöckner von Notre Dame (Notre Dame de Paris)

1958: Anna von Brooklyn (Anna di Brooklyn)

1959: Salomon und die Königin von Saba (Solomon and Sheba)

1959: Wo der heiße Wind weht (La legge)

1959: Wenn das Blut kocht (Never So Few)

1961: Happy-End im September (Come September) 1962: Kaiserliche Venus (Venere imperiale)

1963: Die Strohpuppe (Woman of Straw)

1965: Fremde Bettgesellen (Strange Bedfellows) 1966: Hotel Paradiso

1966: Die italienische Geliebte (Les Sultans) 1967: Buona Sera, Mrs. Campbell 1971: Matalo (Bad Man’s River)

1972: Pinocchio (Le avventure di Pinocchio) (Fernseh-Miniserie)

1995: 101 Nacht - Die Träume des M. Cinema (Les cent et une nuits de Simon Cinéma)

1997: XXL

Quelle: Wikipedia

Zitat von Gina Lollobrigida

Frauen geben Fehler leichter zu als Männer, deshalb sieht es so aus, als machten sie mehr.

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Details

Seiten
73
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656273219
ISBN (Buch)
9783656274308
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200558
Note
Schlagworte
Anna Magnani Film Filmstars Filmschauspielerinnen Frauenbiografien Biografien

Autor

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