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Interaktion und Kommunikation zwischen Frauen und Männern

Seminararbeit 2003 24 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Interaktion und Geschlecht

3. Mechanismen der Interaktion
3.1. Die Kategorie Geschlecht
3.2. Stereotypenbildung und Bewertung
3.3. Statusglaube und Erwartungen

4. Geschlecht und Arbeit
4.1. Statusglaube und Erwartungshaltungen im Arbeitskontext
4.2. Trennung von Arbeitssphären
4.3. Selbstzuschreibung und Fremdzuschreibung

5. Geschlechtsspezifisches Kommunikationsverhalten in Konversationen
5.1. Methode
5.2. Brüche und Überlappungen
5.3. Schweigen in Konversationen
5.4. Ergebnisse
5.5. Arbeitsteilung und geschlechtstypische Konversationsstrategien

6. Fazit

7. Literaturliste

1. EINLEITUNG

Die Ungleichheiten zwischen Mann und Frau treten in der Interaktion zwischen den Geschlechtern am Deutlichsten hervor. Ob bewusst oder unbewusst vermittelt - Geschlechtsstereotypisierungen und die dadurch entstehenden Benachteiligungen sind Teil der Interaktion und beeinflussen das kommunikative Handeln in bestimmten Situationen. Untersuchungsgegenstand dieser Arbeit ist die Frage: Gibt es typisch geschlechtsspezifische Formen der Interaktion und Kommunikation zwischen Mann und Frau?

Im zweiten Kapitel wird, anhand von Goffmans „Interaktion und Geschlecht“[1], ein Einblick in die Geschlechterbeziehungen in unserer Gesellschaft und ihre Manifestation auf globaler Ebene ermöglicht. In dem darauf folgenden Kapitel beschäftige ich mich mit Mechanismen der geschlechtsspezifischen Interaktion, wie Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Interaktionsprozessen entstehen und warum sie Bestand haben können. Außerdem untersuche ich, wie die Bewertung in Zusammenhang mit dem Geschlecht steht und in welcher Weise sie die Interaktion zwischen den Geschlechtern beeinflusst. Besonders im Erwerbsleben sind deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern und die Benachteiligung von Frauen bemerkbar, weshalb ich in dieser Arbeit des Öfteren darauf eingehen werde und - insbesondere im vierten Kapitel - Beispiele aus dem Erwerbsleben der Frauen heranziehe. Das fünfte Kapitel zeigt anhand diverser Studien zur Kommunikation zwischen den Geschlechtern auf, inwiefern sich das Konversationsverhalten von Frauen und Männern unterscheidet. Hier werden geschlechtstypische Verhaltens – und Sprecharten, sowie geschlechtsspezifische Strategien zur Gesprächsführung in Konversationen zwischen Männern und Frauen untersucht.

2. INTERAKTION UND GESCHLECHT

Frauen sind auch in westlichen Gesellschaften eine benachteiligte Gruppe. Sie werden, zum Beispiel in den Medien, idealisiert als zarte, reine und wertvolle Objekte.

In seinem 1994 erschienenen Buch „Interaktion und Geschlecht“ untersucht Erving Goffman die Anordnung der Geschlechter in sozialen Situationen. Damit meint er nicht nur das Verhältnis von Mann und Frau, sondern das „Arrangement“ der Geschlechter. Frauen und Männer „arrangieren“ sich, nach Goffman, so, dass die ihnen zugeschriebenen Eigenheiten zum Ausdruck kommen können. Der Unterschied der Geschlechter wird in Interaktionen erzeugt, aber auch von Institutionen geregelt. Institutionen, wie die Paarbeziehung, die Familie als Sozialisationsinstanz, der Arbeitsplatz mit seiner Segregation und dem ständigen Wettkampf regulieren Geschlechterdifferenzen

(Goffman 1994, S. 41).

„Ähnlich wie andere Rituale, so können auch die Darstellungen der Geschlechter fundamentale Merkmale der Sozialstruktur ikonisch reflektieren. Ebenso leicht aber können diese Ausdrucksweisen ein Gegengewicht zu fest verankerten Verhältnissen darstellen und für diese entschädigen“ (Goffman 1994, S. 41).

Mit dieser Aussage distanziert sich Goffman von der Vorstellung des „Doing Gender“, wie sie von West und Zimmerman formuliert wird.[2] Sie gehen von der fortwährenden Konstruktion der Geschlechtlichkeit aus und vertreten – im Sinne der Ethnomethodologie - die Ansicht, dass der Geschlechtsunterschied eine andauernde Leistung von Handelnden ist. Im Unterschied dazu erkennt Goffman die Rolle von Institutionen und die Rolle anthropologischer Rahmenbedingungen an. Er bestreitet keineswegs, dass biologische Differenzen zwischen den Geschlechtern existieren, fragt jedoch, warum sich durch die technischen Möglichkeiten moderner Gesellschaften, welche fähig sind zum Beispiel ethnische Körperunterschiede, Bildungsunterschiede etc. zu kompensieren, sich die im Vergleich dazu geringen Differenzen zwischen den Geschlechtern vergrößern anstatt sich zu verringern und warum Geschlecht als ein Prototyp der Einteilung der Gesellschaft behandelt wird. Goffman sieht unsere Gesellschaft als technisch in der Lage, dem biologischen Geschlechtsunterschied seine immense Bedeutung zu entziehen. Problematisch ist jedoch, dass die Geschlechtsordnung in Institutionen der Sozialisation, wie Familie und Schule, der Religion, der Politik, der Medien und des Arbeitsmarktes tief verankert ist und in diesen Bereichen immer wieder mit ihren Attributen reproduziert wird. Die Aufteilung der Gesellschaft nach Geschlecht bietet einen einfachen Mechanismus zur Herstellung von sozialer Ordnung. Jedem Menschen wird aufgrund seines Geschlechts ein „Plan“ vorgegeben, nach welchem er sich richten kann und muss, um sein Leben zu gestalten. Die Geschlechtsidentität eines Menschen entwickelt sich, nach Goffman, aus der Übernahme der Glaubensvorstellungen, die mit dem jeweiligen Geschlecht in Verbindung stehen. Diese Glaubensvorstellungen geben ein Muster von Verhaltensweisen für die unterschiedlichsten Situationen des Lebens vor.

„Die Geschlechtsbeziehungen sind so definiert, dass Männer die Bedürfnisse der Frauen erfüllen und sie wie Kinder lieben sollen; Frauen haben das Recht, ja es wird von ihnen erwartet, Emotionalität zu zeigen, während die Männer stoisch alleine zu stehen haben“ (Goffman 1994, S. 43).

Eine der institutionellen Reflexionen, in welchen die Anordnung der Geschlechter hervorsticht, zeigt sich an Arbeitsplätzen. Frauen wird der Zugang zu bestimmten Arbeitsplätzen erschwert und sie finden sich häufig in Bereichen, welche der häuslichen Arbeit ähneln, wieder. Insbesondere der Dienstleistungssektor wird von weiblichen Arbeitskräften dominiert. Dort nehmen sie meist Positionen ein, die denen der Männer unterlegen sind und in welchen sie Befehle und Anweisungen von männlichen Vorgesetzten erhalten. Goffman vergleicht dieses Verhältnis zwischen Mann und Frau mit dem Eltern – Kind Verhältnis, oder „dem der Sekretärin zu ihrem ‚onkelhaften’ Vorgesetzten“ (Goffman 1994, S. 44).

Außerdem betont er die Tatsache, dass viele Frauen, welche in öffentlichen Berufen tätig sind, aufgrund ihrer Attraktivität und des jugendlichen Aussehens eingestellt werden und somit als eine Art Aushängeschild fungieren. Auch die von Männern dominierten Bereiche sind deshalb mit einigen attraktiven Frauen besetzt, damit die Männer ihre Identität festigen können, indem sie Rituale der Höflichkeit und des Hofmachens an den Tag legen (Goffman 1994, S. 45). Die Unterscheidung der Geschlechter ist eine allgegenwärtige Erscheinung, denn die von uns allen verinnerlichten Differenzierungsmerkmale und Konventionen prägen das tägliche Miteinander. So bevorzugen Männer typischerweise kleinere Frauen (und vice versa) und auch das Alter spielt bei der Partnerwahl eine wichtige Rolle. Durch solche Selektionen werden Unterschiede geschaffen, welche bald als natürlich gelten. Jede Interaktionssituation, auch das Gespräch, kann in unserer von Männern dominierten Gesellschaft zur Darstellung des Geschlechts und der Geschlechtsidentität benutzt werden.

„Die rituellen Darstellungen spiegeln eine Politik der Geschlechter wieder, die dem Mann Züge der Kompetenz und selbst der kompetenten Frau Züge der Hilfsbedürftigkeit verleiht. Deswegen sieht Goffman die moderne Gesellschaft als durch und durch patriarchalisch an“ (Goffman 1994, S. 46).

Im folgenden Kapitel soll untersucht werden, wie Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern in Interaktionsprozessen entstehen und warum sie bestehen können. Außerdem beschäftige ich mich mit der Frage, wie die Bewertung in Zusammenhang mit dem Geschlecht steht und in welcher Weise sie die Interaktion zwischen den Geschlechtern beeinflusst. Es sollen Mechanismen der Interaktion aufgedeckt werden, welche Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern unterstützen.

3. MECHANISMEN IN DER INTERAKTION

3.1. Die Kategorie Geschlecht

Geschlecht, regionale Herkunft, Alter, Schichtzugehörigkeit, Beruf und Bildung sind nur wenige der Statuscharakteristika unserer Gesellschaft. Geschlecht als Kategorie ist tief verankert in den kulturellen Regeln der Interaktionsorganisation. Um interagieren zu können, braucht man eine Idee darüber, wer man selbst und wer der andere ist. Man muss mindestens eine Dimension der Kategorisierung finden. Ähnlichkeiten und Unterschiede fallen zuerst auf, und somit ist das Geschlecht eine offensichtliche Kategorie. Geschlecht ist stabil und hat nur zwei Ausprägungen. Noch bevor es in Interaktionen zum Gespräch kommt, spielt das Äußere eine wichtige Rolle bei der Kategorisierung. Anhand von Merkmalen, wie Kleidung, Haaren, Schmuck etc., können wir andere als männlich oder weiblich klassifizieren. Die Verwendung von Geschlecht als Kategorisierungsmerkmal ist daher plausibel, jedoch keineswegs die damit in Verbindung stehende Bewertung.

3.2. Stereotypenbildung und Bewertung

„Wir werden über die Welt bereits unterrichtet, bevor wir sie sehen. Wir stellen uns die meisten Dinge vor, bevor wir unsere Erfahrungen damit machen. Und diese vorgefassten Meinungen beherrschen aufs Stärkste den ganzen Vorgang der Wahrnehmung, es sei denn, die Erziehung habe sie uns in aller Deutlichkeit bewusst gemacht“ (Ernst 1999, S. 47).

Vor und während einer Interaktion läuft ein Prozess der Typisierung ab. Akteure werden automatisch in Kategorien eingeteilt. Diesen Vorgang nennt Ridgeway „sex – categorisation“ (Ridgeway 1997, S. 220). Es entstehen Probleme in der Interaktion, wenn dem Gegenüber kein eindeutiges Geschlecht zugeordnet werden kann. An die Kategorisierung sind immer auch geschlechtsspezifische Stereotype geknüpft, welche Bewertungen beinhalten. Die Stereotype beschreiben, welches Verhalten man von Menschen erwarten kann, die in eine bestimmten Kategorie eingestuft sind. Sie filtern Vertrautes und Fremdartiges aus den auf uns einstürzenden Bildern heraus. Der Stereotypenbegriff bezieht sich auf die dem Wahrnehmungsprozess vorausgehenden Schematisierungen. Die Stereotype werden mit den daran hängenden Bewertungen dem Gegenüber aufgestülpt. Dadurch werden die Ergebnisse der Interaktion, die Bewertung des Handelns und der Leistung des anderen vor dem Hintergrund des Geschlechts betrachtet. Selbst wenn eine Person eine geschlechtsneutrale Tätigkeit ausführt, wirkt die Stereotypisierung wieder zurück auf die Handlung. Handlung wird sozusagen „genderisiert“. Im Vordergrund steht hier nicht die geleistete Arbeit, sondern das Geschlecht. So kann es sein, dass zwei Menschen, welche die gleiche Arbeit verrichten, aufgrund ihres Geschlechts unterschiedlich bewertet werden.

Im Kontext der Erwerbstätigkeit kommt den Geschlechtsstereotype eine herausragende Bedeutung zu, wenn Akteure unterschiedlichen Geschlechts aufeinandertreffen und wenn das Geschlecht im sozialen Kontext oder Zweck der Interaktion eine Rolle spielt. Der Einzelne und die Gesellschaft benutzen Stereotype, welche das Verhalten stützen und steuern. Durch das Handeln werden diese ständig erneuert und reproduziert. Geschlecht beeinflusst hintergründig das Verhalten der Akteure, während vordergründig andere situationsbedingte Faktoren eine wichtigere Rolle spielen.

3.3. Statusglaube und Erwartungen

Ein weiteres Phänomen, welches Stereotype untermauert und Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern vorantreibt, sind die „gender status beliefs“ (Ridgeway 1997, S. 222) . Darunter versteht man den weitverbreiteten und kulturellen Glauben, dass ein Geschlecht dem anderen überlegen ist. Der Status, der Männern und Frauen aufgrund ihres Geschlechts zugeschrieben wird, existiert nur in den Köpfen der Menschen. In unserer Gesellschaft gibt es zum Beispiel den Glauben, dass Männer in den naturwissenschaftlichen, praktischen und technischen Bereichen des Lebens begabter sind als Frauen. Frauen hingegen werden Fähigkeiten wie, soziales Engagement und große Fürsorglichkeit zugeschrieben. Außerdem gibt es immer noch Menschen, welche der Auffassung sind, dass die Charakterzüge des Mannes wertvoller sind als die der Frau. Männer werden daher als kompetenter eingestuft, ihr Status in unserer Gesellschaft ist höher als der von Frauen und sie besitzen somit auch mehr Macht. Auch der Zugang zum öffentlichen Raum ist für Frauen eingeschränkt. Idealbilder von Männlichkeit und Weiblichkeit und die damit verbundenen normativen Vorstellungen werden uns seit frühester Kindheit eingeprägt. Soziale Rollen von Männern und Frauen sind deutlich ausdifferenziert. Die „gender status beliefs“ beeinflussen das individuelle Handeln und die Beurteilung anderer bei Männern ebenso wie bei Frauen.

4. GESCHLECHT UND ARBEIT

4.1. Statusglaube und Erwartungshaltungen im Arbeitskontext

Betrachtet man die Auswirkungen der „gender status beliefs“ und die darin implizierten Erwartungshaltungen von Männern und Frauen im Arbeitskontext, sind weitere Ungleichheiten offensichtlich. Frauen sind in der informellen Statushierarchie von Macht und Prestige niedriger angesiedelt als Männer mit den gleichen Vorraussetzungen. Männer gelten als wertvoller, kompetenter und auch respektwürdiger als Frauen. Dies ist unter anderem in den unterschiedlichen subkulturellen Regeln der Interaktion begründet, welche Jungen und Mädchen während der Kindheit vermittelt werden. Frauen haben in Interaktionen mit Männern keine Nachteile durch geringere Bildung oder divergierende Interessen, sondern durch die Tatsache, dass sie einen geringeren Statuswert als Männer besitzen. Dieser Glaube wirkt sich in der Interaktion auf das Verhalten und die Reaktion der Akteure aus und bestätigt dadurch immer wieder die Macht – und Prestigeordnung unserer Gesellschaft.

Bei gleichen Voraussetzungen und hervorragenden Merkmalen erwarten Männer und auch Frauen automatisch mehr Kompetenz vom Mann. Dieses Verhalten führt zu „self fulfilling prophecies“, denn gerade diese Erwartungen an Frauen und Männer sind es, die das Selbstvertrauen, die Durchsetzungsfähigkeit, die Beurteilung der Kompetenz des anderen und somit auch dessen Handeln und den Einfluss auf die jeweilige Situation bestimmen (Ridgeway 1997, S. 224).

„Self – fulfilling prophecy is one of those descriptive terms that are so apt that they not only come initially into common use to describe the phenomena for which they were originally coined but go on to have a life of their own, losing touch with the original context and joining the common paralance to mean whatever they seem to mean“ (Schelling 1978, S. 115).

Es ist keineswegs die Prophezeiung, die zu ihrer eigenen Erfüllung führt, sondern die Erwartungshaltungen, welche daran geknüpft sind. Diese leiten durch eine Fülle von Ereignissen und kurzen oder langen Interaktionen zu einem Ergebnis, welches die Erwartungen bestätigt. Bestimmte Erwartungen haben einen solchen Charakter, dass sie ein Verhalten bewirken, welches dazu führt, dass sie bestätigt werden. „Produzierte Geschlechterglaubensvorstellungen tragen als sich selbst erfüllende Prophezeiungen weiter zur Geschlechtertypisierung bei“ und erhalten das durchgängige und ideologisierte System der Relevanz von Geschlecht (Goffman 1994, S. 166).

Im Erwerbsleben bedeutet dies, dass die in der Interaktion hervortretenden geschlechtsspezifischen Auffassungen, Typisierungsprozesse und Erwartungshaltungen wiederum geschlechtstypische Verhaltensweisen erzeugen, welche Frauen benachteiligen. Verhält sich eine Frau unsicher, da sie zu geringe Erwartungen an sich selbst stellt, so wirkt sich dies auch auf ihre Interaktionspartner aus. Unsicherheiten und Selbstzweifel treten in direkter Interaktion deutlich hervor. Sie prägen den Eindruck und die Reaktion des Anderen. Schwächen, welche aus einem geringen Statusgefühl und der ständigen Herabwertung der Arbeit durch Andere resultieren, können sich zum Nachteil für die Frau auswirken, wenn sie diese offen zeigt. Je höher die Erwartungen an die eigene Arbeit und je stärker das Selbstwertgefühl sind, desto mehr ist man geneigt seine Einstellung zu verteidigen, eigene Vorschläge in Diskussionen einzubringen und weniger auf die Meinung Anderer einzugehen. Sind die Erwartungen, die man an sich selbst stellt niedrig, so ist man unsicher im Vertreten der eigenen Ideen, und stimmt schneller den Entscheidungen anderer zu. Dies bedeutet, dass der Akteur, an welchen höhere Erwartungen gestellt werden, mehr Möglichkeiten erhält sich einzubringen, sich auch tatsächlich kreativer in Diskussionen einbringt, eine positive Rückmeldung von Anderen für seine Beiträge erhält und somit Gruppenentscheidungen mehr beeinflussen kann. Er gewinnt an Macht und Prestige. Das sichere Auftreten in Interaktionen ist wichtig. Verbales und non - verbales Verhalten, welches den Eindruck von Kompetenz vermittelt, wird oft auch als Kompetenz gewertet. Männer sind dadurch in unserer Gesellschaft meist im Vorteil gegenüber Frauen. Außerdem schafft der Statusglaube Erwartungen für Belohnungen (Lohn, Lob, etc.), welche den Status der Person und das erwartete Handeln reflektieren. Das führt dazu, dass Männer gegenüber Frauen mit gleichen Qualifikation bevorzugt werden. Ein Mann wird automatisch als qualifizierter, kompetenter und effektiver Arbeiter eingestuft und hat somit auch Anspruch auf einen höheren Lohn. Eine Frau hat oft schon bei der Bewerbung um einen Arbeitsplatz geringere Chancen, da sie als weniger qualifiziert, weniger kompetent und effektiv in der Arbeit gilt. Dementsprechend kann es sein, dass auch der ihr zustehende Lohn geringer ausfällt (Ridgeway 1997, S. 229).

[...]


[1] Goffman, Erving (1994): Interaktion und Geschlecht. Campus Verlag, Frankfurt.

[2] West, Candace und Don H. Zimmerman (1975): Sex Roles, Interruptions and Silences in Conversation.

In: Thorne, Barrie und Nancy Henley (1975): Language and Sex – Difference and Dominance.

Rowley, MA.. S. 105 – 129.

Details

Seiten
24
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638240512
ISBN (Buch)
9783638778060
Dateigröße
494 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v20055
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Soziologie
Note
2
Schlagworte
Interaktion Kommunikation Frauen Männern Seminar Soziale Milieus Lebensstile

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Titel: Interaktion und Kommunikation zwischen Frauen und Männern