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Zwischen Aufklärung und Moderne

Die Inszenierung von Licht auf der Weltausstellung von 1889 in Paris

Seminararbeit 2009 24 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Die Inszenierung von Licht auf der Weltausstellung von 1889 in Paris
1. Vor der Weltausstellung
1. 1 Der Sonnenturm oder der Eiffelturm
1. 2 Während der Weltausstellung
1. 2.1 Der Eiffelturm
1. 2.2 Die beleuchteten Springbrunnen

III. Schlussbemerkung

Appendix
Literaturangaben
Abbildungen
Abbildungsverzeichnis

I. Einleitung

Nach den Jahren 1855, 1867 und 1878 fand 1889 die Weltausstellung (6. Mai - 31. Oktober) erneut in Paris statt.

Die Weltausstellung stand ganz im Zeichen der Jahrhundertfeier der Erstürmung der Bastille am 14. Juli 1789 und der damit verbundenen Auflösung des Feudalismus.[1]

Frankreich hatte sich nach dem Deutsch – Französischen Krieg von 1870/71 politisch und finanziell wieder erholt und seine Kolonien trugen u. a. dazu bei, sich neben England in die Rolle einer Weltmacht einzureihen. Dies führte im übrigen Europa zu Unsicherheiten und Bedrohungsängsten. Fast alle Länder drückten dies mit einer Nichtbeteiligung an der Weltausstellung aus.[2]

Seitens der Regierung sah man möglicherweise den erwarteten Erfolg der Weltausstellung dadurch gefährdet, dass ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Revolutionsjubiläum und der Ausstellung ersichtlich wird. Daher erwähnte man das hundertjährige Jubiläum der Französischen Revolution nur beiläufig und hielt bewusst politische Dinge heraus. Die offizielle Begründung der Regierung lautete, dass die Weltausstellung von 1889 in Paris (L´Exposition universelle de 1889 á Paris) ein Jahrhundert des Fortschritts vergegenwärtigen sollte.[3]

Das Besondere an der Weltausstellung war, und darin unterscheidet sie sich von den vorangegangenen, dass diese vor allem im Zeichen der Elektrizität stand.[4] Es war vor allem der Siegeszug der Elektrizität in den Bereichen der Industrie und des Beleuchtungswesens, der die Besucher beeindruckte.[5]

Durch die elektrischen Einrichtungen war es möglich, die Ausstellungstore bis spät in die Nacht offen zu lassen, das bisher bei noch keiner Ausstellung möglich gewesen war.[6]

Die vorliegende Arbeit richtet ihren Schwerpunkt auf diese Besonderheit der Weltausstellung. Sie geht der Frage nach, wie Licht auf dieser Weltausstellung inszeniert wurde, und wie sich Frankreich als Nation in Bezug darauf der Weltöffentlichkeit gegenüber präsentierte.

Anhand des Eiffelturmes („La Tour Eiffel“) und der beleuchteten Springbrunnen („Fontaines Lumineuses“), die zu den Lichtattraktionen der Weltausstellung zählten, werden die inszenierten Lichtspektakel mithilfe von Abbildungen und Augenzeugenberichten dokumentiert.

Im Hinblick auf die Inszenierung von Licht wird auch auf die Weltausstellung von 1900 in Paris und auf Nicolas Schöffers „kybernetischer Lichtturm von Paris“ verwiesen.

Grundlage für diese Arbeit ist das Buch „Architektur der Weltausstellungen“ von Wolfgang Friebe. Historische Aspekte der Weltausstellung werden sowohl in dem Werk von Friebe als auch in Winfried Kretschmers „Geschichte der Weltausstellungen“ besprochen. Die Inszenierung des Eiffelturmes in seiner architektonischen Vielfalt wird vor allem von Friebe aufgegriffen. Zur Unterstützung wurde Maja Svilars „Und es ward Licht“ herangezogen. Dadurch konnte differenziert auf die Lichtgestaltung und die Lichtquellen eingegangen werden. Charles von Büren beschreibt das Lichterspiel der Springbrunnen ebenso wie die Beleuchtung am Eiffelturm. Christian Beutlers „Weltausstellungen im 19. Jahrhundert“ diente als Ergänzung der Beschreibungen der Illuminationen.

Die Schlussbetrachtungen ergänzen beispielhaft die Dokumentationen, indem mit Nicolas Schöffers „Die Kybernetische Stadt“ das Licht nicht nur als Spektakel an sich, sondern auch der gesellschaftliche Bezug aufgegriffen wird.

II. Die Inszenierung von Licht auf der Weltausstellung von 1889 in Paris

1. Vor der Weltausstellung

1.1 Der Sonnenturm oder der Eiffelturm

Anfang der 1880er Jahre hatte der französische Ingenieur Sébillot die Idee von einem Sonnenturm („Tour Soleil“), welcher die Stadt Paris beleuchten sollte.

Er tat sich wenig später mit dem französischen Architekten Bourdais zusammen und unterbreitete mit diesem den Vorschlag, einen 360 Meter hohen Sonnenturm (Abb. 1) auf dem Marsfeld in Paris errichten zu wollen. Allein die aus Granit und Eisen bestehende Säule sollte 300 Meter und der leuchtturmartige Aufsatz 60 Meter hoch sein.[7] Die Idee bestand darin, den Sonnenturm mit einer derartig starken Bogenlichtanlage auszustatten, damit das gesamte Pariser Stadtgebiet gleichmäßig beleuchtet werden kann.[8] Der dreieckige Sockel, höher als die Türme von Notre – Dame, war für ein Elektrizitätsmuseum vorgesehen.[9]

Die Ingenieure Koechlin und Nougier des Metallbauunternehmens G. Eiffel & Cie waren auch von der Idee eines hohen Turmes überzeugt. Eiffel lehnte zunächst die erste Skizze Koechlins ab und war wenig von der Idee des Turmes beeindruckt. Als sich Eiffel aber allmählich der (Aus-)Wirkung eines solchen Projektes bewusst wurde, übernahm er die Leitung und griff die Idee des Turmes wieder auf.[10]

Eiffel musste aber einsehen, dass der Sonnenturm Bourdais’ ein großer Konkurrent für die Errichtung seines Eiffelturmes (Abb. 2) auf dem Marsfeld („Champ de Mars“) (Abb. 4) war.

Man entschied sich wegen der enormen Lichtmengen zugunsten des unbeleuchteten Eiffelturmes, da man außerdem befürchtete, von der gewaltigen Lichtmenge geblendet zu werden.[11]

Außerdem hatte man weder das enorme Gewicht des Monuments, die erforderlichen Grundmauern, seine mangelnde Standfestigkeit, noch die enormen Kosten berücksichtigt.[12]

1.2 Während der Weltausstellung
1.2.1 Der Eiffelturm

Im Mittelpunkt der Weltausstellung stand das Marsfeld mit dem Eiffelturm, der sich weit über die Dächer von Paris erhob und auch von weitem zu sehen war (Abb. 9).[13]

Er lässt sich grob in verschieden hohe Plattformen unterteilen, denen unterschiedliche Funktionen zugewiesen wurden. Die erste Plattform des Eiffelturmes hatte eine Höhe von 57,63 Metern (65 Meter im Quadrat). Auf dieser befanden sich Restaurants sowie Verkaufs- und Souvenirstände. Die zweite Plattform war immerhin in einer Höhe von 115,73 Metern (30 Meter im Quadrat) angebracht, auf der sich ein kleines Büfett befand. Die Höhe der dritten Plattform betrug 276,13 Meter (16,5 Meter im Quadrat). Von dieser führte eine Wendeltreppe zu damaligen Laboratorien (vierte Plattform), die der Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich waren. Darüber befand sich der Leuchtturm. Auf der Kuppel des Leuchtturmes war außerdem noch eine kleine Terrasse von 1,40 Meter Durchmesser (Abb. 3).[14]

Ursprünglich hatte das Organisationskomitee in der Wettbewerbsausschreibung festgelegt, dass das zentrale Monument der Weltausstellung ein Denkmal für den ewigen Frieden werden sollte. Eiffel distanzierte sich jedoch von dieser Vorgabe und stilisierte den Eiffelturm zu einem Leuchtturm.[15]

Eiffel hatte für die Illumination des Eiffelturmes verschiedene Beleuchtungsmethoden eingesetzt. Dynamos im Fundament des Südpfeilers lieferten den Strom für das Lichtspektakel.

Die Treppen wurden durch Gaslampen erhellt und die mächtigen Rundbögen durch eine Konturbeleuchtung hervorgehoben.[16] Wie die Grafik von Paul-Louis-Joseph Roux (Abb. 7) verdeutlicht, ergab die Summe vieler Einzellichter, von weitem eine eindrucksvolle Betonung der Rundbögen. Schon früher, als man erhöhte Lichtmengen benötigte, erreichte man dies durch Aneinanderreihung vieler Einzellichter. Illuminationen wie das Feuerwerk, damals fester Bestandteil der höfischen Kultur des 17. und 18. Jahrhunderts, wurden (eben)so in Szene gesetzt.[17] Des Weiteren brannten auf mehreren Stockwerken Magnesiumfeuer, die den Eiffelturm und die ihn umgebenden Wolken in ein leuchtendes Rot verwandelten. Das den Eiffelturm nebulös verhüllende Rot, vielleicht bewusst übertrieben in J. Fichtenbergs Farblithographie dargestellt (Abb. 5), hat beinahe schon etwas Erhabenes, Dämonisches und Mystifizierendes. Etwas weniger dramatisch hingegen wirkt die Farblithographie von George Garen (Abb. 8), die aber sehr gut verdeutlicht, wie das rote Magnesiumfeuer in die Richtung des Himmels entweicht und den Nachthimmel erleuchtet. In Fichtenbergs Grafik (Abb. 5) sind die Kontraste stärker, bei Garen hingegen werden mehr Farbnuancen betont. Die Farben sind bei Letzterem zwar auch sehr kräftig, illustrieren aber insgesamt eher ein romantisches Bild der Festbeleuchtung auf der Weltausstellung.

Technisch ebenso eindrucksvoll wurde Licht auf der Turmspitze des Eiffelturmes inszeniert. Über der dritten Plattform waren zwei bewegliche Scheinwerfer (Abb. 11) vom System Maugin (Abb. 10) montiert. Diese waren mit Spiegelreflektoren und Bogenlampen (Abb. 12) versehen und konnten sich nicht nur um ihre eigene Achse drehen, sondern auch auf Schienen laufend um die Plattform bewegen. Das gebündelte Licht hatte eine Reichweite von bis zu 11 Kilometern.[18] Dieses ist auffällig in den Grafiken von Fichtenberg (Abb. 5) und Garen (Abb. 8) betont worden und hebt gleichzeitig hervor, welche Möglichkeiten die technischen Neuerungen boten. Die Inszenierung von Licht durch Technik war eine Vorankündigung auf das moderne

20. Jahrhundert und außerdem von Fortschrittsoptimismus durchdrungen.

Gerade auf dem Gebiet der industriellen Produktion war der Fortschritt unaufhaltsam. So erforderten beispielsweise die Fabrikhallen hinsichtlich der Elektrizität eine rasante Weiterentwicklung. Dadurch, dass man auch nachts arbeitete, nahm die Dauer der künstlichen Beleuchtung zu, so dass spezielle Anforderungen an die Lichtquellen gestellt werden mussten.[19]

[...]


[1] Vgl. Friebe, Wolfgang:Architektur der Weltausstellungen.1851 bis 1970. Stuttgart 1983, S. 88.

[2] Nur die Schweiz wurde als offiziell teilnehmender Staat registriert. (Vgl. ebd., S. 88)

[3] Vgl. Kretschmer, Winfried: Geschichte der Weltausstellungen. Frankfurt am Main [u.a.]1999,

S. 121.

[4] Vgl. Friebe 1983, S.128.

[5] Vgl. ebd., S. 89.

[6] Vgl. Büren 1988, S. 83ff.

[7] Vgl. Friebe 1983, S. 124.

[8] Vgl. Svilar, Maja:Und es ward Licht. Zur Kulturgeschichte des Lichts. Bern [u.a.]1983, S. 241.

[9] Musée d'Orsay (09.01.2010): Kommentierte Werke. Architektur. [online] URL: http://www.musee- orsay.fr/de/kollektionen/kommentierte-werke/architektur/commentaire_id/monumentalerleuchtturm- 18059.html?tx_commentaire_pi1[pidLi]=850&tx_commentaire_pi1[from]=849&cHash=a7178ca319 [Stand 2006].

[10] Vgl. Friebe 1983, S. 124.

[11] Vgl. Svilar 1983, S. 241.

[12] Vgl. http://www.musee-orsay.fr/de/kollektionen/kommentierte- werke/architektur/fcommentaire_id/monumentaler- leuchtturm18059.html?tx_commentaire_pi1[pidLi]=850&tx_commentaire_pi1[from]=849&cHash=a 7178ca319.

[13] Vgl. Friebe 1983, S. 91.

[14] Vgl. Friebe 1983, S. 96 ff.

[15] Auch die die Brüder Edmond und Jules de Goncourt beschrieben den Eiffelturm in einer Tagebuchaufzeichnung vom 6. Mai 1889 als einen Leuchtturm. (Vgl. http://www.expo2000.de/expo2000/geschichte/detail.php?wa_id=6&lang=2&s_typ=14)

[16] Vgl. Büren, Charles von. La tour de 300 mètres (Der 300-Meter-Turm).Konstruiert nach den Plänen des Monsieur Gustave Eiffel in Paris. Dokumente zur Geschichte des Eisenbaus sowie zu Planung und Bau des Eiffelturms.Zürich 1988, S. 65.

[17] Vgl. Svilar 1983, S. 244.

[18] Vgl. Büren 1988, S. 65.

[19] Vgl. Svilar 1983, S. 245.

Details

Seiten
24
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656266280
ISBN (Buch)
9783656266709
Dateigröße
3.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200546
Institution / Hochschule
Technische Universität Berlin
Note
1,0
Schlagworte
Aufklärung Moderne Weltausstellung 1889 Paris Licht

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