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Der Prozess der Globalisierung

Die Entwicklung der Nahrungsmittelindustrie

von B.Sc. Veit Trübenbach (Autor)

Hausarbeit 2007 9 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Globalisierung, pol. Ökonomie

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Entstehung von Nahrungsmittelproduktion und Handel

3 Gesichter der Globalisierung

4 Zusammenfassung

Literatur

Abbildungen

Abb.1 Transportbeziehungen

Tabellen

Tab.1 Welthandelsanteil für Zweige des Ernährungsgewerbes

Tab.2 Außenhandel der BRD mit Erzeugnissen des Ernährungsgewerbes

1 Einleitung

Seit eh und je beschäftigte sich die Menschheit mit der Frage, wie sie satt wird. In vielen Ländern der Erde ist die Antwort darauf noch lang nicht gefunden, die Frage nach genügend Nahrungsmitteln wirft sich täglich neu auf. Anders in den als Industriestaaten bezeichneten Ländern. Kaum jemand muss sich hier noch Gedanken machen, wie er an sein Essen kommt, es ist vielmehr so, dass die Nahrungsaufnahme ein selbstverständliches und oft beiläufiges Geschehen ist, bedingt hauptsächlich dadurch, dass Lebensmittel immer, überall und in jeder Form angeboten werden (Mollenhauer 1995:2f.). Zum großen Teil für dieses Phänomen verantwortlich ist die so genannte Globalisierung, in welcher sich unsere Welt heutzutage befindet (Waters 2006).

Wie brisant und bedeutsam dieser Globalisierungsprozesses ist, soll im folgenden Text am Beispiel der Nahrungsmittelindustrie und ihrer Entwicklung verdeutlicht, diskutiert und anhand von Fallbeispielen erkennbar gemacht werden.

Dazu wird eingangs auf die Entstehung von Nahrungsproduktion und –handel Bezug genommen und werden weiterhin deren Entwicklungen als Exempel für die Globalisierung dargestellt.

2 Entstehung von Nahrungsmittelproduktion und Handel

Wie viele Bereiche des „wirtschaftlichen, kulturellen und politischen“ (Knox & Marston 2001:17) Geschehens ist auch die Nahrungsmittelindustrie erfasst worden von und involviert worden in die Globalisierung, welche Knox & Marston (2001:17) als „Zunahme weltweiter Verflechtungen infolge der globalen Reichweite und Wirksamkeit ökonomischer, ökologischer, politischer und kultureller Prozesse“ definieren. Technische Fortschritte und finanzielle Wandlungen im Transportwesen begünstigen eine besser funktionierende und mit geringeren Mühen erreichbare Überwindung der Entfernungen zwischen Produktionsstätten und Verkaufsstätten der Güter (Böge 1993:351) und damit eine enorme Vielfalt und Vorrätigkeit von Lebensmitteln. Dieser Wandel, der in der Branche Nahrungsmittel stattfand und immer noch stattfindet, ist geeignet, um allgemeine Merkmale und Wirkungen der Globalisierung zu demonstrieren. Um ihn erkennbar zu machen, ist zuallererst erforderlich, in die Anfänge des Nahrungsmittelgewerbes zu schauen.

Zu Beginn und für lange Zeit ihrer Evolution war die Menschheit auf das Jagen und Sammeln ihrer Nahrung ausgerichtet und auch angewiesen (Mollenhauer 1995:2, Oesterdiekhoff 2005:54). Dabei war jeder mehr der weniger für sich selbst zuständig, man teilte sich höchstens innerhalb einer Sippe oder Familie die Aufgaben der Nahrungsbeschaffung. Eine erste große Umwälzung in der Praxis dieses wilden und unregelmäßig erfolgreichen Sammelns und Jagens brachte „die Einführung der Landwirtschaft, von Pflanzenbau und Tierzucht“ (Oesterdiekhoff 2005:54) im Zeitalter „der Jungsteinzeit“ (Mollenhauer 1995:2). Die angewandten Verfahren der Feldbestellung blieben über Jahrtausende erhalten, abgesehen von kleinen Neuerungen und Änderungen von Zeit zu Zeit. Diese agrarische Lebensform breitete sich von ihren Ursprungsländern über weite Erdteile aus und führte so auch zum Entstehen des Tauschs und Handels mit Nahrungsmitteln, was den Menschen viele Vorteile brachte (Mollenhauer 1995:7-12). Bald entstanden große „Märkte und Messen, […] und der grenzüberschreitende Fernhandel [konnte] sich zum Welthandel ausweiten“ (Mollenhauer 1995:13)).

Es ist hieraus ersichtlich, dass schon damals eine Nachfrage nach fremden, exotischen Nahrungsmitteln bestand, wodurch sich der Handel umso mehr herausbilden konnte. Jedoch weißt Mollenhauer (1995:13f.) auch darauf hin, dass der Transport von Nahrung schon immer beschränkt wurde: die Schwierigkeit, Lebensmittel frisch zu halten, tat sich auf. Wie er auch betont, ist dieses Problem erst heute nahezu überwunden. Durch Erfindungen und die Entwicklung neuer Technologien zur Zeit der so genannten Industrialisierung (Dampfschifffahrt, Eisenbahn, Gefrierverfahren, Kühlschiffe…) gab es grundlegende Verbesserungen in zeitlichem und räumlichem Umfang des Handels und der Transportmöglichkeiten, was letztlich hauptsächlich zur eigentlichen Globalisierung der Nahrungsmittel führte (Kaller-Dietrich 2004:o.S.), einhergehend mit „Strukturwandlungen in der Wirtschaft und der Gesellschaft“ (Böge 1993:351). Dass Wandlungen in Wirtschaft und Kultur/Gesellschaft sich gegenseitig bedingen und damit ein wesentliches Merkmal des Globalisierungsprozesses darstellen, zeigt auch Lagendijk (2003:511) auf: „The economy represents a cultural process, but culture, in turn, is influenced by the evolution of economic practices and concepts, including the advances of economic science”. Die angesprochenen Neuerungen durch die Industrialisierung im neunzehnten Jahrhundert bis in unsere Zeit stellen nach Mollenhauer (1995:2f.) und Oesterdiekhoff (2005:54) die zweite große Revolution dar, die Nahrungsmittelhandel und –herstellung erfuhren. Die moderne Ernährungsindustrie war geboren (Mollenhauer 1995:3), krempelte die „Konsumgewohnheiten der Bevölkerung“ (Böge 1993:351) um, „neue Nahrungsmittel aus dem Handel ersetzten die regionale Kost und revolutionierten den Alltag von Menschen überall auf der Welt“ (Kaller-Dietrich 2004:o.S.).

3 Gesichter der Globalisierung

Genau das rief nach Kaller-Dietrich (2004:o.S.) ein heutzutage fast jedem bekanntes Phänomen hervor: Man kennt von den Speisen, die auf dem eigenen Teller liegen, nur noch im seltenen Falle die Herkunft. Wenn doch, dann ist man nicht selten mit den Namen ferner Länder konfrontiert, genannt seien hier als Beispiele nur Peru (Tee, Kaffee), Neuseeland (Kiwis), Spanien (Tomaten, Erdbeeren, Weine) oder Norwegen (Fischprodukte). Dieser Welthandel hat enorme Ausmaße, Länder haben mitunter große Anteile an Produktion und Handel spezieller Güter, wie Tabelle 1 verdeutlicht. Die Staaten der Erde importieren und exportieren extreme Mengen an Produkten, auch Deutschland ist in diesem Prozess fest verwurzelt (Tab. 2). Kaffee zum Beispiel stellt sogar „eines der wichtigsten Agrargüter im globalen Süd-Nord-Handel“(Wörner 2005:28) dar, da er zum größten Teil von Menschen auf der Nordhalbkugel verbraucht, jedoch nur in südlichen Ländern angebaut wird (Wörner 2005:28). Doch nicht nur der Handel der fertigen Produkte, sondern vor allem auch die Herstellung von Lebensmitteln und ihrer Verpackungen zeigt enorme nationale und internationale Verflechtungen, wie Böge (1993:351-357) zum Ausdruck bringt. Abbildung 1 stellt dies an dem Beispiel eines in Süddeutschland hergestellten Joghurts unter Beweis, dessen Komponenten aus vielen Teilen Deutschlands und den Nachbarländern angeliefert werden. Auch Nuhn (1999:1) spricht von einem „komplexe[n] Produktionssystem“, von einer „Kette von der Rohstoffgewinnung über die Be- und Verarbeitung, den Handel und die Distribution bis hin zum Konsumenten“, Neiberger (1999:98) nennt die „Auflösung der traditionellen Standortmuster von Industrie und Handel“. Die Herstellung von Fruchtsäften beispielsweise wurde „um 1955“ noch durch „regionale Produktionsketten bestimmt“ (Berthold 1999:6), nach und nach aber durch überregionale und sogar internationale ersetzt. So ist zum Beispiel bei Säften aus Zitrusfrüchten „Brasilien der weltweite Hauptlieferant“ des in den Keltereien verwendeten Obstes, für Apfelsaft sind es „Deutschland, […] Frankreich und Italien“(Berthold 1999:9). Obst wird also aus bestimmten Ländern bezogen, in anderen weiterverarbeitet und in wieder anderen konsumiert, was, wie schon dargestellt, nicht immer so war (Berthold 1999:5-9). Ein ideales Beispiel, um die Umstrukturierung der Produktions-Handels-Konsum-Beziehung in der Lebensmittelindustrie und damit den Globalisierungsprozess zu veranschaulichen (Neiberger 1999:83). Ein Beispiel von vielen Möglichen.

[...]

Details

Seiten
9
Jahr
2007
ISBN (eBook)
9783656266341
ISBN (Buch)
9783656267409
Dateigröße
969 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200498
Institution / Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena – Geographie
Note
2,3
Schlagworte
Globalisierung Nahrungsmittelindustrie Handel Transportbeziehungen Welthandel Ernährungsgewerbe Außenhandel Joghurt Rohstoffkette McDonaldisierung Produktion Verflechtungen

Autor

  • B.Sc. Veit Trübenbach (Autor)

    5 Titel veröffentlicht

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