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Pflichtrotation des Abschlussprüfers

Seminararbeit 2011 21 Seiten

Pädagogik - Berufserziehung, Berufsbildung, Weiterbildung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers
2.1 Berufswürdiges Verhalten
2.2 Eigenverantwortlichkeit
2.3 Gewissenhaftigkeit
2.4 Hauptberuflichkeit
2.5 Objektivität

3 Interne Rotation
3.1 Vorteile der internen Rotation
3.1.1 Keine symbiotische Anpassung
3.1.2 Mandatsspezifische Kenntnisse bleiben erhalten
3.1.3 Neuer Sachverstand
3.1.4 Verringerte Gefahr der Betriebsblindheit
3.2 Nachteile der internen Rotation
3.2.1 Kein Garant für umfassende Objektivität und Urteilsfreiheit
3.2.2 Problematik der Erstprüfung
3.2.3 Unabhängigkeit liegt nicht bei dem einzelnen Prüfer

4 Externe Rotation
4.1 Vorteile der externen Rotation
4.1.1 Nachsichtige Prüfung
4.1.2 Neuer Sachverstand
4.1.3 Signalwirkung des Prüferwechsels
4.1.4 Verringerte Aufwendung fragwürdiger bzw. ordnungswidriger Bilanzierungsmethoden
4.1.5 Verstärkte Widerstandsfähigkeit des Abschlussprüfers
4.2 Nachteile der externen Rotation
4.2.1 Einschränkung der verfassungsrechtlich zugesicherten Freiheit der Prüferwahl
4.2.2 Kostensteigerungen auf Seiten des Abschlussprüfers
4.2.3 Kostensteigerungen auf Seiten des Unternehmens
4.2.4 Risiko einer Erstprüfung
4.2.5 Risiko des Nichtaufdeckens von Bilanzdelikten

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Gesetzes- und Regelwerksverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Problemstellung

Das Vertrauen in den Beruf des Abschlussprüfers sowie in seine Arbeit ist durch die zahlreiche Häufung von nationalen und internationalen Bilanzskandalen gesunken. Flowtex, Comroad, Bankgesellschaft Berlin und Phönix sind nur vier Beispiele von zahlreichen Bilanzskandalen in Deutschland.[1] Insbesondere ist anzunehmen, dass das nationale und internationale Vertrauen der Öffentlichkeit in Bezug auf die Unabhängigkeit der Abschlussprüfer bzw. der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften gesunken ist. Dies gibt Anlass zur Diskussion über verschiedene Maßnahmen, die der Sicherung und Stärkung einer unabhängigen Abschlussprüfung durch den entsprechenden Abschlussprüfer bzw. die entsprechende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft dienen sollen. Eine dieser diskutierten Maßnahmen ist die Pflichtrotation der Abschlussprüfer bzw. der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Diskussion wirft die Frage auf, ob und inwieweit es sinnvoll ist, in Bezug auf den Abschlussprüfer bzw. in Bezug auf die entsprechende Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zur Sicherung und Stärkung einer unabhängigen Abschlussprüfung zu rotieren. Um diese Frage zu erörtern, liegt der Fokus im Nachfolgenden auf den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und deren Abschlussprüfern. Neben den wichtigsten Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers werden wesentliche Vor- und Nachteile der internen bzw. externen Rotation und ihr Bezug zur Unabhängigkeit des Abschlussprüfers bzw. der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft näher erläutert.

2 Anforderungen an die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers

2.1 Berufswürdiges Verhalten

Beim berufswürdigen Verhalten ist der Abschlussprüfer[2] verpflichtet, „sich an die Standesregeln und an die einschlägigen gesetzlichen Vorschriften“[3] zu halten, die die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers implizieren. Zum berufswürdigen Verhalten gehören u. a. ebenso die Objektivität, Eigenverantwortlichkeit, Gewissenhaftigkeit und Verschwiegenheit. Das berufswürdige Verhalten beinhaltet auch die berufsrechtliche Verantwortlichkeit. Diese zerlegt sich in eine zivil-, straf- und berufsrechtliche Verantwortlichkeit, die dazu dienen soll, die Berufspflichten einzuhalten[4].

2.2 Eigenverantwortlichkeit

Die Eigenverantwortlichkeit setzt voraus, dass zwischen dem Abschlussprüfer und seinen Mitarbeitern sowie deren Urteilen keine Abhängigkeit be- bzw. entsteht[5]. Der Abschlussprüfer ist dazu verpflichtet, in eigener Verantwortung zu handeln und sich ein persönliches Urteil zu bilden, um seine Entscheidung selbst treffen zu können. Nach Weisungen von Dritten zu handeln, ist ihm untersagt,[6] da dies seiner Unabhängigkeit widersprechen würde.

2.3 Gewissenhaftigkeit

Der Abschlussprüfer hat die Pflicht, die Aufgaben, die ihm übertragen wurden, gewissenhaft auszuführen. Dies erfordert eine genaue Durchführung der Aufgaben unter Beachtung aller Umstände. Insbesondere die allgemeinen sowie die besonderen Grundsätze der Berufsausübung sind dabei vom Abschlussprüfer einzuhalten, denn dieser unterliegt bei all seinen Tätigkeiten gesetzlichen Vorschriften.[7]

2.4 Hauptberuflichkeit

Der Abschlussprüfer hat auf jede Tätigkeit zu verzichten, die seine Berufspflichten oder seine Berufswürde in irgendeiner Art und Weise gefährden könnten. Solche Tätigkeiten sind mit dem Beruf des Abschlussprüfers unvereinbar, da sie der geforderten Unabhängigkeit schaden könnten.[8]

2.5 Objektivität

Um die Unabhängigkeit zu wahren, soll der Abschlussprüfer „frei von Einflüssen, Bindungen [in persönlicher, finanzieller oder geschäftlicher Form[9] (Anm. d. Verf.)] und Rücksichten […] sein, die seine Unabhängigkeit und Unbefangenheit beeinträchtigen könnten“[10] und somit seine Objektivität gefährden würden. Der Abschlussprüfer hat sich „bei seiner Tätigkeit jeglicher Bevorzugung zu enthalten und jeden gleich zu behandeln“[11]. Der Grundsatz der Objektivität impliziert neben der Urteilsfreiheit somit ebenso die Unparteilichkeit durch „die objektive, freie Beurteilung aller wesentlichen Tatbestände nach sachlichen Gesichtspunkten“[12] und der Gleichbehandlung. Zur Beurteilung nach sachlichen Gesichtspunkten ist vor allem die Urteilsfähigkeit notwendig. Diese setzt voraus, dass der Abschlussprüfer über die entsprechenden theoretischen Kenntnisse sowie die praktischen Erfahrungen verfügt, um den Prüfungsgegenstand objektiv und angemessen beurteilen zu können[13]. Der Abschlussprüfer ist „dann objektiv, wenn er sein Urteil unabhängig von allen Einflüssen, die sein Urteil verfälschen können, fällt […] und die Öffentlichkeit von seiner Unabhängigkeit überzeugen kann“[14].

3 Interne Rotation

Auf die Diskussion um die Rotationspflicht hat der Gesetzgeber mit dem Erlass von § 319a Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 HGB reagiert. Der Paragraph sieht vor, dass ein Wirtschaftsprüfer von der Abschlussprüfung eines kapitalmarktorientierten Unternehmens im Sinne des § 264d HGB ausgeschlossen ist, wenn er „für die Abschlussprüfung bei dem Unternehmen bereits in sieben oder mehr Fällen verantwortlich war; dies gilt nicht, wenn seit seiner letzten Beteiligung an der Prüfung des Jahresabschlusses zwei oder mehr Jahre vergangen sind“[15]. Dieser Paragraph bezieht sich explizit auf die interne Rotation und betrifft „den Bestätigungsvermerk unterzeichnende[n] Prüfungsleiter“[16]. Das europäische Parlament hat im Jahr 2006 mit dem Erlass der Richtlinie 2006/43/EG (Abschlussprüferrichtlinie) ebenfalls zur internen Rotation verpflichtet.[17] Somit besteht die gesetzliche Pflicht, den Abschlussprüfer unter den angegebenen Bedingungen zu wechseln.

3.1 Vorteile der internen Rotation

3.1.1 Keine symbiotische Anpassung

Durch den regelmäßigen Wechsel des Abschlussprüfers entfällt eine symbiotische Anpassung an die Gegebenheiten des zu prüfenden Unternehmens automatisch. Ein Grund hierfür ist, dass der nächste Prüfer die Schwächen seines Vorgängers mit großer Wahrscheinlichkeit aufdecken würde.[18] Die symbiotische Anpassung kann in Form von geschäftlichen, finanziellen oder persönlichen Beziehungen erfolgen. Solange keine symbiotische Anpassung vorliegt, ist der Abschlussprüfer in Bezug auf das zu prüfende Unternehmen unabhängig.

3.1.2 Mandatsspezifische Kenntnisse bleiben erhalten

Durch die interne Rotation ist der Austausch des den Bestätigungsvermerks unterzeichnenden Prüfungsleiters, nicht aber der Austausch des übrigen Prüfungsteams vorgeschrieben. „Da das übrige Prüfungsteam seine Tätigkeit hingegen weiterhin einschränkungslos fortführen darf, bleibt das mandatsspezifische Know-How erhalten“.[19] Dies könnte der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers jedoch schaden, da er sich in ein bestehendes Prüfungsteam eingliedert und vermutlich nur einen geringen Einfluss auf das Prüfgeschehen ausüben kann.

3.1.3 Neuer Sachverstand

Neben dem erhaltenen mandatsspezifischen Sachverstand wird durch den neu bestellten Abschlussprüfer neuer Sachverstand in den Prüfungsvorgang eingebracht. Der neue Abschlussprüfer kann häufig auf die Arbeitspapiere seines Vorgängers zurückgreifen. Dies erleichtert ihm die Einarbeitung in das neue Mandat und er ist schneller in der Lage, die Besonderheiten dieses Mandats zu erkennen und seinen Sachverstand angemessen einzubringen. Dadurch wird ebenfalls gesichert, dass mandatsspezifische Kenntnisse und das Verständnis für die Unternehmensstrukturen des zu prüfenden Unternehmens nicht verloren gehen.[20] Allerdings ist fraglich, ob der vorherige Abschlussprüfer unabhängig war und inwieweit der neu bestellte Abschlussprüfer seine Unabhängigkeit wahren kann, wenn er auf die Arbeitspapiere seines Vorgängers zurückgreift.

3.1.4 Verringerte Gefahr der Betriebsblindheit

Kritiker sehen die Gefahr, dass „die Entwicklung eines Vertrauensverhältnisses zwischen Unternehmensleitung und Abschlussprüfer“[21], die sich durch eine langjährige Zusammenarbeit zwischen ihnen ergibt, die Betriebsblindheit des Abschlussprüfers hervorrufen könnte. Dieser Gefahr kann durch die interne Rotation vorgebeugt werden, da ein Vertrauensverhältnis sich über maximal sieben Jahre aufbauen kann und die Wahrscheinlichkeit der Betriebsblindheit somit sinkt. Durch das Vermeiden der Betriebslindheit wird die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers gestärkt.

3.2 Nachteile der internen Rotation

3.2.1 Kein Garant für umfassende Objektivität und Urteilsfreiheit

Bei der Prüfung größerer Unternehmen kann das Prüfungsteam mit bis zu hundert Personen agieren. Die interne Rotation schreibt jedoch nur den Austausch des Abschlussprüfers vor, der auch den Bestätigungsvermerk unterzeichnet. Der Großteil des Prüfungsteams bleibt somit erhalten. Der Wechsel des den Bestätigungsvermerks unterzeichnenden Prüfers muss nicht bedeuten, dass der Prüfer aus dem Prüfungsteam ausscheidet. Es ist denkbar, dass ein anderer Prüfer, der dem Prüfungsteam angehört, stattdessen den Bestätigungsvermerk unterzeichnet, sodass die personelle Ausstattung des Prüfungsteams erhalten bleibt.[22] Dadurch besteht die Gefahr einer routinierten Arbeitsweise, Betriebsblindheit und symbiotischer Anpassung. Bei einem kleineren Prüfungsteam kann die Beeinträchtigung der Objektivität bzw. der Urteilsfreiheit „aus den wachsenden zwischenmenschlichen Beziehungen, während einer längeren Zusammenarbeit zwischen Mandanten und Prüfer“[23] resultieren. In beiden Fällen garantiert die interne Rotation weder die Objektivität noch die Urteilsfreiheit der Abschlussprüfung und somit auch nicht die Unabhängigkeit des Abschlussprüfers

[...]


[1] Vgl. DIE ZEIT 03.11.2005 Nr.45.

[2] Ein Abschlussprüfer prüft die Jahresabschlüsse von Unternehmen und Konzernen.

[3] Buchner (1985), S. 186.

[4] Vgl. Buchner (1985), S. 199.

[5] Vgl. Slamanig (2007), S. 13, basierend u. a. auf Naumann (2006).

[6] Vgl. Jehle (2006), S. 19, basierend auf Marten (2006), S. 225.

[7] Vgl. Buchner (1985), S.181 f.

[8] Vgl. Buchner (1985), S. 186 f.

[9] Vgl. HGB § 319 Abs. 2.

[10] Slamanig (2007), S. 12, basierend auf Naumann (2006), S. 68 f.

[11] Buchner (1985), S. 163.

[12] Buchner (1985), S. 181.

[13] Vgl. Leffson (1988), S.66–88.

[14] Peemöller/Hofmann (2005), S. 196.

[15] HBG § 319a Abs. 1 Satz 1 Nr. 4.

[16] Kremer (2007), S. 173.

[17] Vgl. Richtlinie 2006/43/EG.

[18] Vgl. Schuster (2004), S. 220.

[19] Kremer (2007), S. 173.

[20] Vgl. Averbeck (2009), S. 8.

[21] Marten (1994), S. 48, basierend u. a. auf Knief (1976), S.130.

[22] Vgl. Kitschler (2005), S.121.

[23] Marten (1994), S. 48, basierend u. a. auf Dürhammer (1971), S. 65.

Details

Seiten
21
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656267065
ISBN (Buch)
9783656268956
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200450
Institution / Hochschule
Universität Siegen
Note
2,0
Schlagworte
pflichtrotation abschlussprüfers

Autor

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