Lade Inhalt...

Mose im Kontext der Exodus-Überlieferung in Bibel und Bibelfilm am Beispiel der DreamWorks-Verfilmung „Der Prinz von Ägypten“

Ein Bibel-Film-Vergleich

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Figur Mose aus biblischer und filmischer Perspektive
2.1. Mose in der biblischen Überlieferung
2.2. Mose im Film „Der Prinz von Ägypten“
2.3. Vergleich von Bibel-Erzählung und Film
2.3.1 Von den Jugendjahren bis zur Heirat der Zippora
2.3.2 Die Berufungsszene
2.3.3 Rückkehr nach Ägypten
2.3.4 Erste Verhandlungen mit dem Pharao und die zehn ägyptischen Plagen
2.3.5 Die Rettung am Schilfmeer
2.3.6 Das Lied des Mose und das Miriamlied

3. Die Berufung des Mose und die Offenbarung des Gottesnamens
3.1. Die biblische Überlieferung
3.2. Darstellung der Mose-Berufung im Film
3.3. Vergleich von Bibel-Erzählung und Film

4. Kritik und Würdigung

5. Literaturverzeichnis
5.1. Primärquellen
5.2. Sekundärquellen
5.3. Internetrecherche

1. Einleitung

In der biblischen Gestalt des Mose - wie historisch sie auch immer zu bewerten sei - vereinen sich wichtige Traditionslinien, die es rechtfertigen, von Mose als der Zentralfigur des Alten Testaments zu sprechen. Er steht in der Tradition des Mittlers zwischen Gott und dem israelitischen Volk, verkündet als Prophet den Willen Gottes (Berufung und Verkündigung), ist Teil priesterlicher Traditionen, fungiert als Heerführer und Gesetzgeber (königliche Tradition), leistet Widerstand gegen Not und Unterdrückung, steht in der Tradition der Richter und ist zudem Stammesoberhaupt, indem er das Volk auf dem Weg in das gelobte Land führt und versorgt.[1] Er ist „die Verbindungsfigur in der weite Räume übergreifenden Ereignisfolge von der Bedrückung in Ägypten über den Aufenthalt am Sinai bis zur Wanderung ins Ostjordanland.“[2]

Eine so bedeutende, vielschichtige und religiös „aufgeladene“ Gestalt filmisch zu inszenieren ist eine gewagte Unternehmung. Und doch gibt es bereits mehrere dieser Verfilmungen und hinzuzufügen ist, dass „keine andere Figur der Bibel [...] so stark durch Filme vorgeprägt [ist] wie gerade Mose.“[3] Die vorliegende Arbeit soll sich nun mit einer dieser Verfilmungen eingehender beschäftigen, dem Animationsfilm „Der Prinz von Ägypten“ (1997/98 in den USA produziert).[4]

Der Film selbst wurde mit größtem Aufwand und neuester Animationstechnik hergestellt[5] und konnte aufgrund seiner geschickt komponierten Filmmusik sogar einen Oscar erringen (Titelsong „When you believe“, gesungen von Whitney Houston und Mariah Carey). Zusätz­liche Popularität erhofften sich die Produzenten durch den Einsatz berühmter Persönlichkeiten bei der Synchronisation des US-Originals. So enthält die Cast-Liste bspw. Namen wie Val Kilmer (als Moses), Sandra Bullock (als Miriam), Danny Glover (als Jethro), Michelle Pfeiffer (als Tzipporah), u.a.[6] Weitere Auszeichnungen waren ehedem 1998 zwei Critic's Choice Awards für den besten animierten Spielfilm und das beste Lied.[7]

Es bleibt neben all den technischen Details, der publikumswirksamen Besetzung und einigen Auszeichnungen die Frage, inwieweit der Film tatsächlich dem biblischen Stoff um Mose gerecht wird. Das er es will, ist anzunehmen, da im Vorspann folgender Text eingeblendet wird:

Dieser Film ist eine Adaption der Geschichte des Buches Exodus.

Obwohl wir uns künstlerische Freiheiten erlaubt haben glauben wir, dass dieser Film diese Geschichte im Wesentlichen wahrheitsgetreu wiedergibt, die für Millionen in aller Welt ein Grundpfeiler des Glaubens ist.

Die biblische Geschichte des Moses steht im Buche Exodus geschrieben.[8]

Im Rahmen dieser Hausarbeit will ich folglich den Versuch unternehmen, der inhaltlichen Gestaltung des Filmes genauer auf den Grund zu gehen und dies in Beziehung zu den in der Bibel geschilderten Erzählstrukturen zu setzen. Abschließend möchte ich ein eigenes Fazit formulieren, dass in diesem Zusammenhang natürlich nur eingeschränkt gelten kann, da ich nicht alle relevanten Aspekte im Detail abhandeln kann und zudem medienwissenschaftliche sowie religionspädagogische Erwägungen außer Acht lassen muss.

2. Die Figur Mose aus biblischer und filmischer Perspektive

2.1. Mose in der biblischen Überlieferung

Im Buch Exodus wird aus einer Familiengeschichte, nämlich der der Nachkommen Abrahams, eine Nationalgeschichte, die des Volkes Israel. Denn in einer Zeit, in der die Israeliten unter der harten Sklavenarbeit in Ägypten zu leiden haben „schickt“ ihnen Gott in der Gestalt des Mose ihren Befreier und Retter. An ihm wird Gottes Macht und Wesen offenbar, durch seine Erwählung wird letztlich auch das Volk Israel erwählt - zum Gottesvolk. Moses wird mithin zum Religionsstifter und zur zentralen Figur des Judentums. In den Büchern Exodus bis Deuteronomium wird sein Lebensweg von Geburt bis Tod nachgezeichnet und mit der Geschichte des Volkes Israels verstrickt.

Das Buch Exodus knüpft inhaltlich grob an die Genesis-Erzählung an. Joseph gibt dort seinen in Ägypten lebenden Brüdern eine letzte Zusage vor seinem Tod: „[...] Ich muß sterben. Gott wird sich euer annehmen, er wird euch aus diesem Land heraus- und in jenes Land hinaufführen, das er Abraham, Isaak und Jakob mit einem Eid zugesichert hat.“ (Gen 24). Den Beginn des Exodus-Buches bildet die Auflistung der Nachkommen Jakobs in Ägypten und deren Anwachsen zu einem Volk („[...] Seht nur, das Volk der Israeliten ist größer und stärker als wir.“ Ex 1, 9). Diese starke Vermehrung der Israeliten soll auf Geheiß des Pharaos durch das Töten der männlichen Neugeborenen reguliert werden (Ex 1,16 und 1,22).

Mose ist Kind levitischer Eltern (Ex 2,1). Seine Mutter kann ihn drei Monate verstecken, setzt ihn dann jedoch am Nilufer in einem Binsenkästchen aus (Ex 2,2 f.). Daraufhin wird er von der Pharaonentochter gefunden, die entscheidet, ihn als eigenen Sohn anzunehmen (Ex 2,10). Sie gibt ihm den Namen Mose. Entscheidend ist zudem die Rolle von Moses Schwester. Sie beobachtet den Weg des Binsenkästchens vom Ufer aus und kann der Pharaonentochter die eigene Mutter als Amme vermitteln (Ex 2,7 ff.).

Über das Heranwachsen des Mose werden keine Angaben gemacht. Jedoch veranlasst ihn der Mord an einem ägyptischen Aufseher aus Solidarität mit den Israeliten schließlich dazu, nach Midian zu flüchten (Ex 2,11-15). In Midian wird ihm Zippora, eine der sieben Töchter des Priesters (zunächst Reguël, dann Jitro genannt) zur Frau gegeben (Ex 2,21).

Die Berufung des Mose wird explizit in den Kontext der versklavten Israeliten gestellt, die mit ihrem Hilferuf Gott erreichen können. „Gott hörte ihr Stöhnen, und Gott gedachte seines Bundes mit Abraham, Isaak und Jakob.“ (Ex 2,24). Die Berufung selbst geschieht am Gottesberg Horeb: „Dort erschien ihm der Engel des Herrn in einer Flamme, die aus einem Dornbusch emporschlug. Er schaute hin: Da brannte der Dornbusch und verbrannte doch nicht.“ (Ex 3,2). Als Mose näher herantritt, ruft ihm Gott aus dem Dornbusch zu und beruft ihn zum Führer der Israeliten. Mose erkennt in Gott den Gott der Vorväter und zeigt große Ehrfurcht (Ex 2,6). Allerdings wehrt er sich zunächst gegen seine Erwählung. Mit zwei Zeichen (Stab wird zur Schlange, Hand mit weißem Aussatz) soll er die Ägypter überzeugen (Ex 4,1-8). Aaron, sein levitischer Bruder soll ihm zur Seite gestellt werden („und er wird für dich zum Volk reden. Er wird für dich der Mund sein, und du wirst für ihn Gott sein.“ Ex 4, 16). Zudem soll Mose seinen Stab mitnehmen, um damit Zeichen zu tun. Die Ankündigungen Gottes zu den Konsequenzen für die Ägypter, falls der König sich nicht überzeugen lässt, sind gnadenlos (weitere Ausführungen zur Berufungsszene in gesondertem Kapitel).

Es folgt die Rückkehr nach Ägypten (Ex 4,18-31). Mose macht sich - ermutigt von seinem Schwiegervater Jitro - mit Zippora und seinem Sohn auf den Weg, erhält weitere göttliche Weisungen zur Begegnung mit dem Pharao und wird von Gott mit dem Tod bedroht, worauf Zippora den Sohn beschneidet (Erzählung vom Blutbräutigam in Ex 4,24-26). Am Gottesberg trifft Mose auf Aaron - sie gehen nun gemeinsam. Ihre Schilderungen und Zeichen über­zeugen das israelitische Volk: „Da glaubte das Volk, und als sie hörten, dass der Herr sich der Israeliten angenommen und ihr Elend gesehen habe, verneigten sie sich und warfen sich vor ihm nieder.“ (Ex 4, 31).

Es folgen erste erfolglose Verhandlungen mit dem Pharao (5,1-19). Der Pharao erhöht im Gegenzug das Arbeitssoll der frondienstleistenden Israeliten. Sie beginnen zu zweifeln. Moses Klage (5,20 ff.) wird durch eine erneute (?) Gottesrede beantwortet. Darin erinnert Jahwe an seine Verheißung und sagt nochmals seinen Beistand zu. Als Mose und Aaron in Ex 7,10 vor den Pharao treten, wirft Letzterer seinen Stab hin und lässt ihn zur Schlange werden. Die Zauberer des Pharao beweisen jedoch ebendies mit ihrer Zauberkunst, sodass das Herz des Pharaos verhärtet bleibt.

Es folgen die zehn Plagen, durch die der Pharao umgestimmt werden soll (Verwandlung des Nilwassers zu Blut, 7,14-25; Froschplage, 7,26-8,11; Stechmückenplage, 8,12-15; Ungezie­fer­plage, 8,16-28; Seuchenbefall ägyptischer Tiere, 9,1-7; Blasen und Geschwüre, 9,8-12; Hagel und Gewitter, 9,13-35; Heuschreckenplage, 10,12-20; Finsternis, 10,21-29; Tötung aller Erstgeborenen, 12,29 f.). Es kommt zur Begründung des Paschafestes.

Der Auszug aus Ägypten wird von Gott geführt und begleitet (Wolken- und Feuersäule, 13,21 f.). Als dem Pharao jedoch der Wegzug der Fronpflichtigen gemeldet wird, ändert dieser seine Meinung und entsendet hunderte Streitwagen zur Jagd auf die Israeliten (14,9). Die erschrockenen Israeliten zweifeln an ihrer Rettung - Mose muss sie beruhigen: „Fürchtet euch nicht! Bleibt stehen, und schaut zu, wie der Herr euch heute rettet. Wie ihr die Ägypter heute seht, so seht ihr sie niemals wieder.“ (14,13). Es folgen die Teilung des Meeres durch Mose und der rettende Durchzug der Israeliten durch das Schilfmeer, begleitet vom Engel Gottes und der Wolkensäule (14,19). Die Ägypter kommen nur schwer voran und versinken schließlich in den zurückflutenden Wassermassen. Die ägyptischen Verfolger sind restlos vernichtet (14,28).

Mit einem Loblied des Mose (15,1-19) und dem Reigen der Frauen, angeführt durch Miriam mit der Pauke (15,20 f.) endet zunächst der eigentliche Auszug aus Ägypten.

Für die Israeliten beginnen nun die beschwerlichen Jahre der Wüstenwanderung. Wesentliche Motive sind die des Aufbegehrens gegen Mose im Angesicht vieler Gefahren und der schwelende Unglaube bzw. Zweifel des israelitischen Volkes. Die Situationen werden durch das Eingreifen Gottes wundersam gewendet, sodass aus jeder Gefährdung gleichsam Bewahrung wird (Wasserwunder von Mara, 15,22-27; Wachteln und Manna, 16,1-36; Wasserwunder von Massa und Meriba, 17,1-7; Sieg über Amalek in Refidim, 17,8-16). Mose setzt auf Anraten seines Schwiegervaters Jitro Richter ein, die ihm bei der Rechtsprechung in leichten Fällen entlasten sollen.

Beim Weiterzug erreichen die Israeliten den Berg Sinai. Hier konstituiert sich das besondere Verhältnis zwischen Gott und Israel, das als »Bund« bezeichnet werden wird. Mit dunklen Wolken und gewaltigem Hörnerschall, Donner und Blitz, Erdbeben und Feuer erscheint Gott auf dem Berg Sinai (19,16-19). Einzig Mose darf sich ihm nähern (in Begleitung Aarons - siehe 19, 24). Er empfängt die Zehn Gebote (Dekalog) und das sog. Bundesbuch (ab Kapitel 21). In Kapitel 24 folgt nach zahlreichen Rechtsvorschriften der Bundesschluss, indem sich das Volk zu den Gesetzen verpflichtet und Mose durch Blutbesprengung den geschlossenen Bund besiegelt: „Da nahm Mose das Blut, besprengte damit das Volk und sagte: Das ist das Blut des Bundes, den der Herr aufgrund all dieser Worte mit euch geschlossen hat.“ (24, 8).

Zudem werden Mose die von Gott geschriebenen Steintafeln übergeben, als er in Begleitung von Josua hinaufsteigt (24,13). Die Gotteserscheinung ist für die Israeliten am Fuß des Berges „wie verzehrendes Feuer“ sichtbar (24,17). Mose bleibt 40 Tage und Nächte auf dem Sinai.

Es folgen wiederum gesetzliche Texte (Kultgesetz; Ex 25-31). Sie enthalten Weisungen zur Gestaltung des Heiligtums, zum Bau der Bundeslade, sowie priesterliche Vorschriften.

In Ungewissheit über Moses Verbleib wird ab Ex 32,1 die Anfertigung eines Goldenen Kalbs geschildert, an der Aaron als Ausführender maßgeblich beteiligt ist. Gottes Zorn wird durch eine Fürbitte des Mose (Ex 32,11 ff.) besänftigt. Mose jedoch zerschmettert die beiden Steintafeln, als er das Lager erreicht und stellt Aaron zur Rede (Ex 32,21). Auch das Götzenbild wird von Mose zerstört. Die Schuldigen werden durch die Leviten erschlagen (Ex 32,27 f.). Mose vermittelt nun erneut zwischen Israel und Gott. In einem Zelt (Offenbarungszelt, Ex 33,7) kommt er mit Gott ins Gespräch: „Der Herr und Mose redeten miteinander Auge in Auge, wie Menschen miteinander reden.“ (Ex 33,11). Während Gott das israelitische Volk nicht mehr begleiten will, bittet Mose vehement um dessen Mitziehen. Durch das Ablegen allen Schmuckes wird Gott besänftigt. Die Erneuerung des Bundes kommt zustande, indem Moses Bitte, Gottes Herrlichkeit sehen zu dürfen (Ex 33,18) erfüllt wird (Ex 34,4 ff.) und ihm gleichermaßen die erneuerten Gesetzestafeln übergeben werden.

Nun gehen dem Kultgesetz (Ex 35-40) noch einige kultische Anweisungen voraus, bezeichnet als kultischer Dekalog (Ex 34,10-26). Am Ende des Buches Exodus wird schließlich die Aufrichtung und Einweihung des Heiligtums überliefert (Ex 40,1-38).

[...]


[1] Vgl. Augustin, M./Kegler, J. 1987, S. 45

[2] Schmidt, W. H. 1989, S. 10

[3] Hasenberg, P. IN: Zahner, W. (Hrsg.) 1996, S. 9

[4] „The Prince of Egypt“ wurde unter dem Produzententeam Penney Finkelman Cox, Sandra Rabins und Jeffrey Katzenberg produziert. Die Filmmusik schufen Hans Zimmer und Stephan Schwartz.

[5] Vgl. http://www.dreamworksanimation.com/ (Stand: 4.7.12)

[6] Vgl. ebd.

[7] Vgl. http://movies.nytimes.com/movie/174226/The-Prince-of-Egypt/details (Stand: 4.7.12)

[8] DreamWorks 1998: „Der Prinz von Ägypten“ (00:00:25)

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656264033
ISBN (Buch)
9783656266075
Dateigröße
573 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200230
Institution / Hochschule
Universität Erfurt – Evangelische Religion
Note
2,0
Schlagworte
mose kontext exodus-überlieferung bibel bibelfilm beispiel dreamworks-verfilmung prinz ägypten bibel-film-vergleich

Autor

Zurück

Titel: Mose im Kontext der Exodus-Überlieferung in Bibel und Bibelfilm am Beispiel der DreamWorks-Verfilmung „Der Prinz von Ägypten“