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Altersgerechtes Wohnen – Chance oder Herausforderung für die Stadtentwicklung?

Darstellung am Beispiel der Stadt Potsdam

Masterarbeit 2012 104 Seiten

Raumwissenschaften, Stadt- und Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kartenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Hintergrund und Problemstellung
1.2 Fragestellungen
1.3 Aufbau und Methodik

2. Die Dimensionen des demografischen Wandels in Deutschland
2.1 Die wichtigsten demografischen Entwicklungen
2.2 Herausforderungen für die Stadtentwicklung durch demografische Rahmenbedingungen

3. Altersgerechtes Wohnen im Kontext der Stadtentwicklung
3.1 Der Begriff „Altersgerechtes Wohnen“
3.2 Rahmenbedingungen des Lebens und Wohnens im Alter
3.3 Aktualität des Themas „Wohnen im Alter“
3.4 Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung
3.4.1 Handlungsfeld Wohnen
a) Barrierefreiheit oder -armut
b) Ausstattung der Wohnung
c) Vielfältiges Wohnungsangebot
d) Bezahlbares Wohnen
3.4.2 Handlungsfeld altersbezogene Infrastruktur
a) Öffentlicher Raum und Verkehr (technische Infrastruktur)
b) Nahversorgung (soziale Infrastruktur)
c) Freizeit (kulturelle Infrastruktur)
3.4.3 Handlungsfeld Unterstützung und soziale Integration
a) Unterstützung zum Verbleib in der eigenen Wohnung
b) Unterstützungsorientierte Wohnformen
c) Soziale Integration
d) Beratung
3.5 Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern
3.6 Zwischenfazit

4. Fallbeispiel Potsdam
4.1 Strukturdaten
4.1.1 Bevölkerungsstruktur
4.2.2 Altersstruktur
4.2.3 Wohnsituation älterer Menschen
4.2 Untersuchungsergebnisse der Expertenbefragung zum Thema „Altersgerechtes Wohnen“ in der Landeshauptstadt Potsdam
4.2.1 Die Bedeutung des demografischen Wandels für Potsdam
4.2.2 Wahrnehmung des Begriffes „Altersgerechtes Wohnen“
4.2.3 Anforderungen für die Stadtentwicklung in Bezug auf das altersgerechte Wohnen
4.2.4 Aufgaben für die Gestaltung einer altersgerechten Stadt
4.2.5 Rahmenbedingungen für das altersgerechte Wohnen in Potsdam
4.2.6 Instrumente und Maßnahmen zum altersgerechten Wohnen in Potsdam
a) Wohnen
b) Infrastruktur
c) Unterstützung und soziale Netze
4.2.7 Potsdam – eine altersgerechte Stadt?
a) Wohnen
b) Infrastruktur
c) Unterstützung und soziale Netze
4.2.8 Zusammenarbeit mit internen und externen Partnern
4.2.9 Handlungsbedarf
4.2.10 Herausforderungen und Chancen des altersgerechten Wohnens für die Stadt
4.3 Zwischenfazit

5. Fazit

Leitfaden für Experteninterviews

Literatur- und Quellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 2.1: Bevölkerung in Deutschland nach Altersgruppen

Abbildung 2.2: Altersaufbau er Bevölkerung in Deutschland.

Abbildung 3.1: Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung

Abbildung 4.1: Bevölkerungsentwicklung in Potsdam 2003 bis 2007 und Prognose 2007 bis 2020

Abbildung 4.2: Veränderung der Bevölkerungszahl in Potsdam von 2007 bis 2020 nach Altersgruppen

Kartenverzeichnis

Karte 4.1: Stadtteile in Potsdam

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Hintergrund und Problemstellung

Eine Stadt ist der Ort des Zusammenlebens aller Generationen, die den Menschen in ihrer ursprünglichen sozialen Lebensform am meisten entspricht. Die Lebenszufriedenheit der Bewohner einer Gemeinschaft hängt insbesondere von der Qualität der Lebensbedingungen ab. Einige Faktoren spielen bei der Erhöhung dieser Qualität und damit des Wohlbefindens eine große Rolle, so z. B. die Wohnung und deren Umgebung, die Sicherheit in einem Wohngebiet, eine gute Verkehrsanbindung an Einkaufs- und Freizeitmöglichkeiten und an eine medizinische Versorgung.

Zur Zeit befindet sich Deutschland in einem Prozess der „demografischen Alterung“ (vgl. Kreuzer 2006: 11). So werden nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes im Jahre 2050 doppelt so viele 60jährige wie Neugeborene in Deutschland leben (vgl. Magazin für Infrastruktur und die neuen Länder 2008), d. h., dass im Gegensatz zu den sinkenden Geburtenraten die Anzahl der älteren Menschen steigt und damit auch ihre Bedeutung für die Stadtentwicklung.

Die Kommunen stehen vor großen Herausforderungen: Um die Attraktivität der Städte für die überwiegend ältere Bevölkerung aufrecht zu erhalten, muss eine Anpassung an deren Bedürfnisse wie z. B. an die ökonomische Situation und an den Gesundheitszustand stattfinden. Besonders der Wunsch nach einer selbständigen und selbstbestimmten Lebensführung dominiert die Ansprüche dieser Zielgruppe an Wohnung, an Wohnumfeld und an möglichst wohnungsnahe Dienstleistungen. Um solche und ähnliche Probleme bewältigen zu können, müssten vor allem Kommunen den oben erwähnten und anderen Rahmenbedingungen mehr Beachtung schenken.

Nicht nur der Aspekt des Wohnens, der u. a. die Anpassung des vorhandenen Wohnungsbestandes und den Bau neuer Wohnungen umfasst, steht dabei im Mittelpunkt, sondern auch weitere wichtige Handlungsfelder wie technische, soziale und kulturelle Infrastrukturen, eine gute medizinische Versorgung, der Ausbau von Unterstützungsangeboten und die Stärkung sozialer Netze. Das sind nur einige der Schwerpunkte, auf welche die Stadtentwicklung aufmerksamer werden muss. Das Thema „Altersgerechtes Wohnen“ gewinnt für die Stadtentwicklung an Bedeutung.

1.2 Fragestellungen

Diese Arbeit stellt die Situation des altersgerechten Wohnens in der Stadt Potsdam dar. Das Ziel der Untersuchung ist es am Beispiel der Stadt Potsdam zu verstehen, ob altersgerechtes Wohnen auf dem Hintergrund der steigenden Anforderungen infolge des demografischen Wandels eine Chance oder eine Herausforderung für die Stadtentwicklung ist, d. h., ob altersgerechte Maßnahmen eine Belastung für die Stadt darstellen oder ob sie einen Nutzen haben. Der Schwerpunkt wird insbesondere auf die Handlungsfelder „Wohnen“, „altersbezogene Infrastruktur“ und auf die „Unterstützung und soziale Integration“ gelegt.

Dabei stellen sich die Fragen: Inwieweit ist die Gruppe älterer Menschen eine Zielgruppe für die Stadtentwicklung? Hat die Stadt Potsdam das Problem der steigenden Anzahl älterer Menschen erkannt? Welche Anforderungen auf den hier genannten Handlungsfeldern hat Potsdam in Bezug auf das altersgerechte Wohnen zu bewältigen? Inwieweit sind die Rahmenbedingungen für das altersgerechte Wohnen in der Stadt Potsdam vorhanden? Welche Maßnahmen werden dabei ergriffen? Wird die Stadt den steigenden Aufgaben vor dem Hintergrund der hier genannten Handlungsfeldern gerecht? Wo liegen Probleme und wo gibt es Handlungsbedarf?

Um alle gestellten Ziele zu erreichen, bedarf es einer guten Kooperation sowie innerhalb der Verwaltung als auch mit anderen externen Partnern, deswegen wird der Frage der Zusammenarbeit auch Rechnung getragen. Wie verläuft diese Kooperation? Inwieweit sind die Betroffenen selbst in die Arbeit mit einbezogen? Im Laufe dieser Arbeit wird versucht, auf diese und andere Fragen eine Antwort zu finden.

1.3 Aufbau und Methodik

Der theoretische Teil der Arbeit bezieht sich auf die Auswertung wissenschaftlicher Literatur, aktueller wissenschaftlicher Studien und statistischer Daten. Für die Untersuchung in der Stadt Potsdam wurden Gespräche mit 9 Experten geführt. Bei den Gesprächspartnern handelt es sich um Vertreter und Vertreterinnen der städtischen Fachbereiche, des Seniorenbeirates und des kommunalen Wohnungsunternehmens PRO POTSDAM GmbH (bis 2006: GEWOBA, die Gemeinnützige Wohn- und Baugesellschaft mbH) (vgl. Stadtverwaltung Potsdam 2011). Allen Gesprächspartnern wurden aufgrund eines Leitfadens, bezüglich der drei untersuchten Themenbereiche „Wohnen“, „altersbezogene Infrastruktur“, „Unterstützung und soziale Netze“ Fragen gestellt. Die Experteninterviews wurden dann qualitativ ausgewertet. In Kapitel 2 werden zunächst Grundlagen zur Problematik des demographischen Wandels erläutert. Hierbei sollen kurz die wichtigsten demographischen Entwicklungen genannt und die Herausforderungen verdeutlicht werden, die sich durch demographische Rahmenbedingungen für die Stadtentwicklung ergeben. In Kapitel 3 folgt die Darstellung des altersgerechten Wohnens im Kontext der Stadtentwicklung. Dabei wird versucht, den Begriff „Altersgerechtes Wohnen“ zu definieren. Zudem sollen unter Berücksichtigung der Rahmenbedingungen des Wohnens im Alter die Aufgaben für eine altersgerechte Stadt entwickelt werden. Dabei soll der Akzent auf die drei obengenannten Handlungsfelder gelegt werden. Das Thema „Kooperation“ wird im Anschluss als wichtiger Bereich dargestellt, ohne den die Schaffung einer altersgerechten Stadt nicht möglich wäre. In Kapitel 4 werden zunächst die Strukturdaten der Stadt Potsdam präsentiert und anschließend die Ergebnisse der empirischen Untersuchung zum Thema „Altersgerechtes Wohnen“ vorgestellt. Im Fazit werden schließlich die wichtigsten Ergebnisse zusammengefasst.

2. Die Dimensionen des demografischen Wandels in Deutschland

Der demografische Wandel ist ein sehr aktuelles Thema, das in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen hat. Der Bevölkerungsrückgang, die Alterung der Gesellschaft, veränderte Haushaltsstrukturen sind Komponente dafür. Die zukünftige Bevölkerungsentwicklung wird häufig mit den Worten charakterisiert „weniger, grauer, bunter und vereinzelt.“ (Klemmer 2004: 12). Trotz, dass der demografische Wandel in Deutschland überwiegend als „Belastung der Gesellschaft“ (Naegele 2008: 17) bezeichnet wurde, sollte versucht, ihn zuerst als eine politische Gestaltungsaufgabe sehen und dabei auch als Chance begreifen (vgl. ebd.).

In dem folgenden Kapitel werden die wichtigsten demografischen Trends dargestellt und Herausforderungen für die Stadtentwicklung genannt.

2.1 Die wichtigsten demografischen Entwicklungen

Die sinkenden Bevölkerungszahlen und die Alterung der Gesellschaft gelten als Hauptkriterien des demografischen Wandels (vgl. Rüßler 2007: 27). Demografischer Wandel wird als eine Entwicklung gesehen, die im Kern „das Altern der Bevölkerung mit der Perspektive ihrer Schrumpfung bedeutet.“ (Tivig/Hetzke 2007: 4). Laut Statistiken und Prognosen nimmt die Bevölkerung Deutschlands ab. Dieser Rückgang, der im Jahre 2003 konstatiert wurde, wird sich sogar beschleunigen (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 13). Im Jahr 2040 werden im Vergleich zu 1993 in Deutschland circa 14 Mio. Menschen weniger leben (vgl. Dettling 2001: 119). Vor allem werden die Zahlen der jüngeren Bevölkerungsgruppen unter 40 Jahren von ca. 41 Mio. heute bis zum Jahr 2050 auf fast 27 Mio. sinken (vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 5).

Die Zahl der Geburten wird bis unter das Reproduktionsniveau runtergehen (vgl. Tivig/Hetzke 2007: 4). Das Geburtendefizit wird sich von 162 000 im Jahr 2008 bis 580 000 im Jahr 2050 konstant erhöhen (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 14). Der Grund dafür ist, dass in Deutschland, wie in anderen Ländern Europas, die Bedeutung der Ehe und Familie sich sehr stark verändert hat (vgl. Tivig/Hetze 2007: 15). Die Familie gilt nicht mehr als Urform der sozialen Sicherung (vgl. ebd.). Späte, oft erste Elternschaft, aber auch freiwillige Kinderlosigkeit kommen heute im Leben oft vor (vgl. ebd.).

„Deutschland steht vor einer Entwicklung, für die es bisher keine historischen Vorbilder gab.“ (Kreuzer 2006: 32). „Deutsche werden immer älter.“ (FAZ.NET 2011). Das Altern der Bevölkerung zählt aber zu einem weltweiten Phänomen (vgl. Tivig/Hetzke 2007: 4). Der Begriff „alte Welten“ hat eine demografische Bedeutung (vgl. ebd.).

Der Hauptgrund der Zunahme der älteren Bevölkerung ist die steigende Lebenserwartung (vgl. Rüßler 2007: 28). Die Fortschritte in der medizinischen Versorgung, der Hygiene, der Ernährung, der Wohnsituation sowie die verbesserten Arbeitsbedingungen und der gestiegene materielle Wohlstand sind die Gründe dafür (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 30). Die Lebenserwartung in Deutschland beträgt inzwischen 83 Jahre für Frauen und 78 für Männer (vgl. ebd.: 8). Der Trend der Lebenserwartung wird nicht verzweifelt steigen (vgl. Tivig/Hetze 2007: 31). Kinder, die heute geboren werden, haben optimale Chancen, mehr als 100 Jahre alt zu werden (vgl. Bertelsmann Stiftung 2008: 8). Das Max-Planck-Institut sieht für 2050 eine durchschnittliche Lebenserwartung der deutschen Bevölkerung von 90 Jahren voraus (vgl. Poddig 2006). Schon heute gibt es in der Bundesrepublik über 10.000 90jährige Menschen. Tendenz steigend (vgl. Bertelsmann Stiftung 2008: 8)!

Heute sind 19% der Bevölkerung in Deutschland Kinder und junge Menschen unter 20 Jahren, 61% 20- bis unter 65jährigen und 20% 65jährige und Ältere (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 15). Wenn die Prognosen zutreffen, werden 2030 im Vergleich zum Jahr 2000 knapp acht Millionen 65jährige und ältere Menschen mehr in Deutschland leben, was dann mehr als ein Viertel der gesamten Bevölkerung ausmacht (vgl. Kreuzer 2006: 26). So wird im Jahr 2050 jeder zweite Einwohner Deutschlands über 50 Jahre und knapp jeder Dritte über 65 Jahre alt sein (vgl. Poddig 2006). Im Jahr 2060 werden doppelt so viele Menschen leben, die 70 Jahre alt sind, wie Kinder geboren werden (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 15). Abbildung 2.1 macht das deutlich.

Abbildung 2.1: Bevölkerung in Deutschland nach Altersgruppen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2009: 16

Die Alterung schlägt sich besonders stark in den Zahlen der über 80jährigen (Hochbetagten) nieder (vgl. Dettling 2001: 119). Die Zunahme der Hochbetagten wird sich in den kommenden Jahren deutlich verstärken (vgl. Jekel et al. 2010: 33; vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 5; vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 17). Neu wird sein, dass Hochaltrige (über 70) und Hochbetagte (über 80) Menschen zur unübersehbaren „Sozialfigur“ werden (vgl. Dettling 2001: 119). Im Jahr 2008 lebten circa 4 Millionen 80jährige und Ältere in Deutschland (vgl. ebd.). Im Jahr 2050 werden es aber über 10 Millionen sein (vgl. ebd.). Es wird erwartet, dass in fünfzig Jahren 14% der Bevölkerung, das heißt, jeder Siebente, 80 Jahre oder älter sein wird (vgl. Statistisches Bundesamt 2009).

Die sinkende Zahl der Geburten und das Altern der gegenwärtig stark besetzten mittleren Jahrgänge führen zu drastischen Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung (vgl. Statistisches Bundesamt 2009: 15). Diese Prozesse führen auf lange Zeit zu einer Umkehrung von der „klassischen“ Bevölkerungspyramide zu einer Form, die einer Urne gleicht (vgl. Kreuzer 2006: 32). Die Abbildung 2.2 verdeutlicht das.

Abbildung 2.2: Altersaufbau der Bevölkerung in Deutschland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Statistisches Bundesamt 2009: 15

2.2 Herausforderungen für die Stadtentwicklung durch demografische Rahmenbedingungen

Die demografischen Prozesse beeinflussen zunehmend die Stadtentwicklung. Im wirtschaftlichen Bereich beispielsweise wirken sie sich auf die Entwicklung der Anzahl und Größe von Haushalten (vgl. Höpflinger 2009: 21). Bei einem großen Bevölkerungsrückgang können Probleme auf dem Wohnungsmarkt entstehen, die aufgrund der sinkenden Nachfrage zum Preisverfall am Wohnungsmarkt und zu Wohnungsleerständen führen können (vgl. ebd.: 133). Kommunale Haushalte werden auch durch zurückgehende Einnahmen und zum Teil auch Ausgabensteigerungen beeinflusst (vgl. Zimmer-Hegmann 2011: 132). Die Wirkung der demografischen Entwicklungen wird auch in dem Bedarf nach neuen Wohnungen gesehen (vgl. Höpflinger 2009: 21). Wenig Geburten bedeuten eine geringere Nachfrage nach Familienwohnungen, und mehr ältere Menschen bedeuten mehr kleinere Ein- und Zwei-Personen-Haushalte und dadurch mehr Nachfrage nach kleineren Wohnungen (vgl. Krings-Heckermeier 2007: 16). Damit bedeutet das für die Stadtentwicklung und kommunale Wohnungswirtschaft, dass sie den Wohnraum neu an den Bedarf anpassen müssen oder neue Angebote schaffen müssen, die der Nachfrage gerecht werden.

Infolge des demografischen Wandels unterliegt auch die kommunale Infrastruktur einem großen Anpassungsdruck (vgl. Peter 2009: 35). Ob es um technische, soziale oder kulturelle Infrastrukturen handelt: Sie müssen neu gestaltet werden. Diese Anpassung wird nicht einfach sein, weil die Kommunen aufgrund sinkender finanzieller Spielräume darauf nur begrenzt reagieren können (vgl. Peter 2009: 35). Die Bedürfnisse einer wachsenden Gruppe von Alten und Hochbetagten werden mehr Mittel anfordern, als durch die sinkende Zahl an jungen Menschen eingespart werden (vgl. Tivig/Hetze 2007: 31). „Die Kosten der Infrastruktur pro Kopf der Bevölkerung werden also tendenziell steigen.“ (Zimmer-Hegmann 2011: 132).

Mit der zunehmenden Lebenserwartung steigt der Bedarf an Pflege (vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 6). Die Zahl der pflegebedürftigen alten Menschen wird sich vermutlich in Zukunft erhöhen (Rüßler 2007: 28). Das wird für die Kommunen eine große finanzielle Belastung sein. Die Stadtentwicklung wird vor die Herausforderung gestellt, die Versorgung und Unterstützung aller Bedürftigen zu gewährleisten und sicherzustellen.

Um für zukünftige An- und Herausforderungen der demografischer Veränderungen vorbereitet zu sein, werden überwiegend städtische Verwaltungen gefragt sein, mittel- und langfristige Strategien zu entwickeln (vgl. Eberherr et al. 2009: 12).

Der demografische Wandel darf aber nicht nur als Herausforderung betrachtet werden. Der Wandel bietet auch Möglichkeiten für die Neuausrichtung der Infrastruktur und der Versorgungsformen und damit auch neue Ansichten für die Menschen und für das Gemeinwesen (vgl. Wölter: 2008: 462). Die Folgen des demografischen Wandels sollten als Chance für die Gestaltung eines Anpassungsprozesses verstanden werden (vgl. LBV (B) 2006: 55).

3. Altersgerechtes Wohnen im Kontext der Stadtentwicklung

Wie im vorigen Kapitel dargestellt wurde, stehen die Städte vor großen Herausforderungen. Aufgrund der wachsenden Zahl älterer Menschen als Folge der demografischen Entwicklung gewinnt das Thema „Altersgerechtes Wohnen“ in den Städten an Bedeutung. Infolge der immer größer werdenden Herausforderungen müssen sich die Städte auf die Veränderungen einstellen. Wohnen muss z. B. neu organisiert werden, Infrastrukturen neu angepasst, neue Unterstützungsangebote geschaffen werden. Im folgenden Kapitel wird zuerst versucht, den Begriff „Altersgerechtes Wohnen“ zu definieren. Ferner wird ein Überblick über die wichtigsten Rahmenbedingungen des Lebens und Wohnens im Alter gegeben. Nachher wird die Aktualität des Themas durch einige Aktivitäten zu diesem Bereich verdeutlicht. Aufbauend auf die Rahmenbedingungen werden in Bezug auf die Handlungsfelder „Wohnen“, „altersbezogene Infrastruktur“, „Unterstützung und soziale Integration“ die Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung dargestellt.

3.1 Der Begriff „Altersgerechtes Wohnen“

In vielen Diskussionen der letzten Jahre zum Wohnen im Alter wurde die Forderung formuliert, dass Wohnungen und Wohnumgebung möglichst altersgerecht gebaut und gestaltet werden sollen (vgl. Höpflinger 2009: 143). Wenn man an das altersgerechte Wohnen denkt, stellt sich die Frage, was bedeutet eigentlich der Begriff „altersgerecht“. Kommt es vom Wort „alt“, oder sind vielleicht Menschen verschiedener Altersgruppen gemeint?

Es gibt keine eindeutige Antwort und Definition für „altersgerecht“. Es gibt aber unterschiedliche Ansätze, wie z. B. „Altengerecht heißt menschengerecht. D.h., Maßnahmen, die Älteren zugute kommen, sind auch für andere Bevölkerungsgruppen gut.“ (Tötzler/Loibl 2009: 653).

Beetz stellt die Begriffe „altengerecht“ und „altersgerecht“ in eine Reihe, indem er gleichzeitig über „altengerechte oder altersgerechte Wohnungen“ schreibt (Beetz et al. 2009: 131).

Nach Meinung von Real M.A. steht der Begriff „Alter(n)sgerechtes Wohnen“ in Verbindung mit der Altenpopulation, ihren Lebenssituationen, Bedürfnissen und auch Werten, bedeutet aber nicht gleichzeitig behindertengerechtes Wohnen (vgl. Real M.A. 1996: 72).

Nach Höpflinger wird beim Konzept einer „altersgerechten Wohnung“ erstens von deutlichen Unterschieden in den Wohnbedürfnissen von Jungen und Alten ausgegangen (vgl. Höpflinger 2009: 143), was heißt, dass alte und junge Menschen verschieden sind (vgl. ebd.). Zweitens bedeutet der Begriff „altersgerecht“ ein eindeutiges Bild vom Alter und ist bei den ersten funktionalen Defiziten gleichzeitig mit „behindertengerecht“ gleichbedeutend (vgl. ebd.: 134-144).

Aus der Forschungsliteratur ergibt sich, dass es für den Begriff „Altersgerechtes Wohnen“ keine klare Definition gibt. Die Tendenz geht aber eher in die Richtung, dass unter „altersgerecht“ die Zielgruppe älterer Menschen gemeint ist, und es Parallelen zwischen „altersgerecht“ und „altengerecht“ gibt. Somit bedeutet altersgerechtes Wohnen überwiegend Wohnen für Ältere.

In der Praxis wird mit dem Begriff „Altersgerechte Wohnungen“ eine große Bandbreite von Konzepten verbunden (vgl. Heinze et al. 1997: 56). Das können individuelle Anpassungsmaßnahmen im Bestand, unterschiedliche Standards und Fördervorschriften für den Neubau oder komplexe Modelle des betreuten Wohnens sein, die eine Vielzahl unterschiedlicher Wohnformen und Dienstleistungsangeboten bezeichnen kann (vgl. ebd.). Klassische Kriterien des altersgerechten Wohnens orientieren sich traditionell überwiegend an baulich-räumlichen und infrastrukturellen Ausstattungsmerkmalen (vgl. Peter 2009: 212). Unter altersgerechten Wohnalternativen werden vor allem barrierefreie Wohnungen gemeint, in denen Ältere auch bei eingeschränkter Bewegungsfähigkeit wohnen und im Bedarfsfall auch eine Hilfe in Form von Serviceangeboten bekommen können (vgl. ebd.: 71-72).

3.2 Rahmenbedingungen des Lebens und Wohnens im Alter

Im vorigen Kapitel wurde dargestellt, dass unter dem altersgerechten Wohnen die Gruppe der älteren Menschen verstanden wird. Um die Bedürfnisse älterer Menschen zu ermitteln, ist es wichtig, diese Bedürfnisse zu kennen. Somit wird im folgenden Kapitel auf die Rahmenbedingungen des Lebens und Wohnens im Alter näher eingegangen.

Das Alter – Altersbilder und Differenzierungen

Wenn man an das Alter denkt, stellt sich die Frage. Wann fängt Alter an? Manchmal zählt man sich schon mit 30 Jahren zu den Alten. Oder bedeutet der Einstieg ins Rentenalter, dass man alt geworden ist? So ist es schwierig oder sogar auch gefährlich, die Gruppe der alten Menschen allgemein zu charakterisieren (vgl. Kreuzer 2005: 5).

Es gibt keinen zeitlich festgelegten Beginn des Alters (vgl. Brückmüller, 1999: 204). „Man ist so alt, wie man sich fühlt.“ (McManama 1999: 189). Es handelt sich eher um einen Prozess der Alterung, der persönlichkeitsorientiert von verschiedenen individuellen, sowie soziokulturellen Faktoren abhängt (vgl. Brückmüller 1999: 204).

Der Eintritt in die „Lebensphase Alter“ wird meisten mit dem seit über 100 Jahren sozialpolitisch geregelten Übergang in den Ruhestand nach Beendigung des Erwerbslebens verbunden (vgl. Peter 2009: 89). Die Ergebnisse einer österreichischen Studie von Gerhard Majce (1992, 2000) haben ergeben, dass der Begriff „Älterer Mensch“ durchschnittlich den über 56jährigen zugeschrieben wird (vgl. Eberherr et al. 2009: 28).

Es gibt auch unterschiedliche Ansätze hinsichtlich der Klassifizierung von Altersgruppen: Nach Vorschlägen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wird in der zweiten Lebenshälfte zwischen älteren Menschen (60- bis 75jährige), alten Menschen (75- bis 90jährigen), sehr Alten oder Hochbetagten (über 90jährigen) und schließlich Langlebigen (über 100jährigen) unterschieden. Aufgrund der sozialen, kulturellen und individuellen Differenzierungen des Alterns haben solche Altersbegrenzungen eher Orientierungswichtigkeit (vgl. Eberherr et al.: 29). Die gerontologische Forschung versucht ältere Menschen anders einzuteilen, indem sie zwischen den 55- bis 75jährigen jungen Alten und den über 75jährigen alten Alten unterscheidet (vgl. ebd.).

Inzwischen hat sich eine Zweiteilung des Lebensabschnitts Alter in die „jungen Alten“ oder „neue Alte“, und die „alten Alten“ oder auch „Hochbetagten“ entwickelt. Mit den „jungen Alten“ sind dabei meistens die Menschen in den ersten zehn bis fünfzehn Jahren nach der Berufsaufgabe gemeint. Die Gruppe der „alten Alten“ in der „vierten Lebensphase“ gewinnt hinsichtlich der zunehmenden Hilfs- und Pflegebedürftigkeit zunehmend an Bedeutung (vgl. Kreuzer 2006: 38).

„ ,Alter ist nicht gleich Alter', und die Alternsprozesse von Menschen sind vielfältig und mehrdimensional.“ (Höpflinger 2009: 16). In der Regel wird das Alter oder das Altern als „Auslaufmodell“ betrachtet, denen negative Vorzeichen des Nicht-mehr-Könnens, des Abschiedes, der Pflegebedürftigkeit, des Endes zugeschrieben werden (vgl. Brückmüller 1999: 203). Aber die oft noch herrschende Meinung, dass das Alter mit weniger Leistungsvermögen, gravierenden Mobilitätseinschränkungen, mit Krankheitszunahme oder Vitalitätsverlust verbunden wird, ist heute nicht mehr aktuell (vgl. Bertelsmann Stiftung 2008: 8). Die älteren Menschen von heute sind nicht die älteren von früher. Alt heißt heute nicht unbedingt krank und abhängig. Ältere Menschen sind heute viel aktiver, mobiler, viel gesünder als früher. Sie haben einen höheren Lebensstandard, höhere Ansprüche. Sie wollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben. Allein die lange Dauer der Lebensphase Alter bewirkt eine ansteigende Ausdifferenzierung (vgl. Kreuzer 2006: 37).

Aktuelle Ergebnisse der empirischen Sozialforschung beweisen, dass sich die Alten der Nachkriegsgeneration, die „Neuen Alten“, in ihren Werthaltungen, Lebensführung und Lebensstil offenbar von den heutigen Senioren unterscheiden (vgl. Poddig 2006). Die Bedürfnisse und Verhaltensweisen alter Menschen hängen in starkem Maße von ihren bisherigen Lebenserfahrungen ab (vgl. Kreuzer 2006: 37).

Körperliche Einschränkungen und Gesundheit

Gesundheit und Wohlbefinden sind wichtige Aspekte für die Lebensqualität und Aktivitätspotentiale im Alter, die wesentlich über die Zufriedenheit älterer Menschen entscheiden (vgl. Beetz et al. 2009: 112).

„Das Alter hat viele Gesichter.“ (Dettling 2001: 121). Es gibt auf der einen Seite Ältere, die viele Krankheiten haben oder pflegebedürftig sind. Und auf der anderen Seite gibt es Ältere, die zwar schon älter aber „noch jung“ sind. Das biologische und das soziale Alter triften auseinander (vgl. ebd.).

Alterung bedeutet nicht unbedingt körperliche Hinfälligkeit, Hilflosigkeit oder Krankheit (vgl. Kreuzer 2006: 48). Durch die moderne Medizin hat sich der Gesundheitszustand älter Menschen verändert (vgl. McManama 1999: 188) und verbessert. Hohes Alter führt aber unvermeidlich zu einer Abnahme körperlicher Leistungsfähigkeit (vgl. Kreuzer 2006: 48). Nach einer Befragung der Generation der über 50jährigen in Leipzig, die vom Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation der Fachhochschule Erfurt (ISP) durchgeführt wurde, nehmen Einschränkungen bei der Ausführung täglicher Aktivitäten mit dem Alter zu. Probleme treten insbesondere beim Zurücklegen längerer Strecken (35,5 % der Befragten) sowie dem Steigen von Treppen (23,5 %) auf (vgl. ISP 2010).

Mit dem zunehmenden Alter steigt auch die Zahl pflegebedürftiger Menschen. Gemessen an dem Pflegeanteil steigt die Pflegebedürftigkeit besonders bei den über 85jährigen (Hochbetagten) (vgl. Tivig/Hetze 2007: 111). Ab dem Jahr 2030 ist ein großer Anstieg des Pflegebedarfes zu erwarten (vgl. Bertelsmann Stiftung 2005).

Mobilität

Mobilität ist heute ein Begriff für Lebensqualität und Freiheit. Gerade im Alter hat Mobilität eine sehr große Bedeutung. Die Mobilität verschiebt sich mit dem zunehmenden Alter (vgl. Tötzer/Loibl: 618). Ältere Menschen sind oft zu Fuß mobil oder sie sind vielleicht wergen der Pflegebedürftigkeit auf Hilfsmittel wie Rollatoren oder einen Rollstuhl angewiesen. Deswegen spielen bei älteren Menschen kurze Wege eine große Rolle.

Verkehrsmobilität (wie Rad, Bus oder öffentlicher Nahverkehr (ÖPNV)) im Alter wird heute sehr positiv eingeschätzt (vgl. Höpflinger 2009: 101). Es wird immer wichtiger, größere Entfernungen zu überwinden, weil Wohnen, Einkaufen, Freizeit und Arbeit räumlich oft getrennt sind (vgl. ebd.). „Sekundärfunktionen“ der Mobilität, wie gesellschaftliche Teilhabe, persönliche Kontakte auf den Wegen sind nicht unterschätzen (vgl. Kreuzer 2006: 59).

Ökonomische Situation

Ältere Menschen unterscheiden sich in ihrer ökonomischen Situation sehr voneinander. Sie unterscheiden sich bei älteren Menschen aus unterschiedlichen sozialen Lebensbedingungen je nach Höhe der Rente und des Vermögens (vgl. Höpflinger 2009: 16). Einerseits gibt es die gutsituierten „neuen Alten“ oder „jungen Alten“, Konsumentinnen und Konsumenten aus den kommerzialisierten Bereichen, die unter dem Begriff „Silver Generation“ in der Presse zu sehen und hören sind. Das ist eine Bevölkerungsgruppe, die als wichtiger Marktfaktor entdeckt wurde (vgl. Buchen/S. Maier 2008: 14). „Noch nie zuvor haben so viele ältere Menschen über so viele Ressourcen verfügt wie heute.“ (Dettling 2001: 119).

Es gibt aber auch die andere Gruppe der älteren Menschen, die an der Armutsgrenze leben und kein Geld haben, um sich schönes Leben und teure Reise leisten zu können und immer zusehen müssen, dass ihre Rente bis zur nächsten Mietzahlung reicht.

Die Unterschiede in den Einkommen der sozialen Schichten werden laut zahlreichen Prognosen weiter steigen (vgl. Eberherr et al. 2009: 16). Daraus entsteht eine zunehmend bipolare Nachfragestruktur (vgl. ebd.).

Ansprüche an die Wohnung und das Wohnumfeld

Die Rolle der Wohnung ist sehr wichtig für das Wohlbefinden der Menschen. „Die Wohnung ist Ausdruck der persönlichen Identität.“ (vgl. Kreuzer 2009) Sie ist Ort, an dem durch soziale Kontakte Aktivitäten stattfinden (vgl. ebd.). Vor allem für ältere Menschen sind ihre Wohnung und ihr Wohnumfeld sehr wichtig. „Die Wohnung, das Haus und die nähere Nachbarschaft werden zu den wichtigsten räumlich-sozialen Kontexten.“ (Peter 2009: 85). Laut unterschiedlichen Umfragen ist das Wohnen in den „eigenen vier Wänden“ immer noch die beliebteste Wohnform für Senioren (vgl. KfW Bankengruppe 2009: 7). Ältere Menschen verbleiben so lange wie möglich in derselben Wohnung. Der Anlass dafür kann die vertraute Nachbarschaft sein oder zu hohe Mietkosten für die neue Wohnung (vgl. Höpflinger 2009: 95). Es wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass mit dem zunehmenden Alter die Umzugsbereitschaft sinkt, „einen alten Baum verpflanzt man nicht.“ (Kreuzer 2006: 63; Peter 2009: 75).

Aufgrund der sehr starken Differenzierung Älterer sind die Bedürfnisse und Ansprüche an Wohnen, Wohnumfeld und Mobilität sehr vielfältig und müssen differenziert betrachtet werden (vgl. Tötzer/Loibl 2009: 613). Die alten Menschen, die den Zweiten Weltkrieg und die Nachkriegszeit erlebt haben und die damit verbundenen Einschränkungen erfuhren, haben vielleicht nicht so hohe Ansprüche, als zum Beispiel die jüngeren Alten, die als junge Erwachsene die Fortschritte des Wirtschaftswunders genießen konnten (vgl. Kreuzer 2005: 23).

Die Wohnbedürfnisse der älteren Menschen stehen sehr stark mit ihrer körperlichen und geistigen Fitness im Zusammenhang (vgl. Tötzer/Loibl 2009: 613). Dabei steht an erster Stelle der Wunsch nach sicherem und selbstständigem Wohnen.

Das Einkommen spielt bei Wohnmöglichkeiten eine besondere Rolle. Preissicherheit, ein selbstbestimmtes Wohnen in vertrauter Nachbarschaft und Sicherheit bei zunehmender Hilfebedürftigkeit durch Betreuungsleistungen und Serviceangebote sind hohe Werte, die mit steigendem Alter mehr an Bedeutung gewinnen (vgl. Heinze et al. 1997: 1).

Soziale Netze

Soziale Netzwerke stellen die zentrale Basis des gesellschaftlichen Lebens dar. Netzwerke sind für Menschen oft bedeutender als Maßnahmen (vgl. Dettling 2001: 150). Mit zunehmendem Alter nimmt die Rolle sozialer Netzwerke zu. Ältere Menschen sind mit verschiedenen Netzwerken verbunden. Sie knüpfen in den Netzwerken Kontakte und erhalten emotionale Unterstützung oder leisten Hilfe für andere Menschen. Sie können Unterstützung in Form von praktischen Hilfeleistungen bekommen, wie z. B. zum Ausgleich der körperlichen Einschränkungen, zur Unterstützung bei technischen Fragen, Reparaturen oder Verwaltungsangelegenheiten (Kreuzer 2006: 43). Damit tragen Netzwerke zur persönlich empfundenen Lebensqualität der Menschen bei (vgl. BMFSFJ 1998: 186ff.; vgl. Kreuzer 2006: 43) und machen das selbstständige Leben im Alter möglich oder erleichtern es (vgl. ebd.).

Die Rolle der Familie als wichtigste Unterstützung verliert an Bedeutung, weswegen sie oft durch alternative Unterstützungsformen ersetzt werden. Das können einmal Bekannte, Freunde oder Nachbarn sein. Das kann aber auch durch professionelle und kostenpflichtige Dienstleistungen passieren (vgl. Kreuzer 2006: 47). Solche außerfamiliären Netzwerke werden zukünftig eine größere Rolle spielen (vgl. ebd.). Der Wunsch nach Gemeinschaft mit gegenseitiger Unterstützung und Hilfeleistung steht bei älteren Menschen häufig im Vordergrund (vgl. ebd.)

3.3 Aktualität des Themas „Wohnen im Alter“

Das Thema „Wohnen im Alter“ hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen (vgl. Höpflinger 2009: 5). Sowie auf der Bundes- als auch auf der Regionalebene wurden zahlreiche Expertenkommissionen, Tagungen und Konferenzen durchgeführt, Projekte initiiert und umgesetzt, Berichte verfasst und Hefte erarbeitet. Viele Betroffene, nicht nur die Fachöffentlichkeit, zeigen ihr Interesse.

Der zweite Altenbericht der Bundesregierung vom Jahr 1998 beschäftigt sich mit dem Thema „Wohnen im Alter“. Parallel hat das BMFSFJ in den Jahren von 1998 bis 2001 das Modellprogramm „Selbstbestimmt wohnen im Alter“ veröffentlicht (vgl. Kreuzer/Scholz (a) 2008: 71). Dabei wurden unterschiedliche Wege des zukünftigen Wohnens älterer Menschen erarbeitet, getestet und einer breiten Öffentlichkeit präsentiert (vgl. BMFSFJ 1999).

Das andere Modellprogramm, das von 2007 bis 2010 im Auftrag des BMFSFJ durchgeführt wurde, heißt „Neues Wohnen – Beratung und Kooperation für mehr Lebensqualität im Alter“. Sieben praxisorientierte Projekte haben das Ziel, niederschwellige Beratung und Hilfe im Stadtteil zu stärken, durch neue Partnerschaften, etwa mit dem Handwerk, die Qualität des Wohnens zu verbessern und eine Kultur des Zusammenwirkens von Alt und Jung auch beim Wohnen zu entwickeln (vgl. KDA 2011; Kreuzer/Scholz (a) 2008: 76).

Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) beschäftigt sich mit dem Thema der altersgerechten Anpassung des Wohnungsbestandes und sieht darin eine wichtige Aufgabe. In den 20 Modellvorhaben sollen die KFW-Programme „Altersgerecht Umbauen“ und „Investitionsoffensive Infrastruktur“ umgesetzt werden. Neben den Wohngebäuden, die altersgerecht umgebaut werden, wird die Aufmerksamkeit auch dem Wohnumfeld und der Infrastruktur geschenkt. Die rechtzeitige und dauerhafte Verbesserung der Wohn- und Lebensbedingungen für Ältere steht im Vordergrund. Ziel der Anpassungsstrategien ist es, die Teilhabe älterer und mobilitätseingeschränkter Menschen am gesellschaftlichen Leben zu sichern und ihnen möglichst lange ein selbstständiges Leben im gewohnten Wohnumfeld zu ermöglichen. Bei den Maßnahmen werden z. B. Schwerpunkte bei dem Einbau von Aufzügen, Anpassungen im Sanitärbereich, Veränderungen von Türen und Wohnungszuschnitten sowie Anpassungen im Wohnumfeld gesetzt (vgl. BBSR (2) 2011).

Die Bertelsmann Stiftung hat von 2002 bis 2005 gemeinsam mit dem KDA das Projekt „Leben und Wohnen im Alter“ initiiert. Dabei wurde die in Deutschland vorhandene Wohnvielfalt älterer Menschen klassifiziert (vgl. Kremer-Preiß/Stolarz 2003: 10; vgl. Rüßler 2007: 52). Das Projekt hat geholfen, andere Möglichkeiten zur traditionellen Heimunterbringung herauszufinden, zu entwickeln und bekannt zu machen (vgl. KDA 2011).

Der deutsche Verband für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung hat im Dezember 2008 in Kooperation mit dem Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung die Expertenkommission „Wohnen im Alter“ eingesetzt. Die Aufgabe der Kommission ist es, der älter werdenden Bevölkerung ein möglichst langes, selbstbestimmtes und zufriedenes Leben in den eigenen vier Wänden möglich zu machen (vgl. DV 2011).

Auf der Regionalebene hat z. B. das Landesamt für Bauen und Verkehr des Landes Brandenburg (LBV) den Bericht „Wohnen im Alter – Teil C – Wohnangebote und Projekte für Senioren im Land Brandenburg – Praxisbeispiele 2009“ geschrieben, in dem Angebote für Senioren in den Ständen des Landes Brandenburg aufgelistet wurden.

Eine weitere Maßnahme ist ein Projekt für selbstbestimmtes Wohnen des Fördervereins „Akademie 2. Lebenshälfte im Land Brandenburg e. V.“ Am 3. November 2009 wurde das neue Internetportal www.wohnen-im-alter-in-brandengurg.de gestartet. Das Projekt wurde vom Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft (MIL) und von den Ministerien für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie sowie für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz gefördert. Auf dem Portal kann man Informationen Rund um das Thema „Wohnen im Alter“ finden. (http://www.wohnen-im-alter-in-brandengurg.de)

3.4 Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung

Das Thema „Wohnen im Alter“ bekommt in Städten eine große Bedeutung. Aufgrund der zunehmenden Zahl älterer Menschen, die unterschiedliche ökonomische Situationen, verschiedene Interessen und Bedürfnisse haben, steigen die Anforderungen an die Städte. Die Zukunft des Alter(n)s steht bei kommunalen Gestaltungsaufgaben im Mittelpunkt (vgl. Rüßler 2007: 9). Somit soll die Stadtentwicklung sehr aktiv werden, um die neuen Aufgaben zu bewältigen.

Manche Kommunen sehen in der Ansiedlung älterer Bevölkerung, vor allem an der Grenze zum Rentenalter, eine Entwicklungschance. In den USA z. B. ist das schon seit langer Zeit ein florierender Markt. Unter Beachtung sozialer Statuseigenschaften und Lebensstile werden überwiegend gezielt altersidentische Gemeinschaften entwickelt (vgl. Kocka et al. 2009: 69-70).

Die selbständige Lebensführung gehört zu den Hauptbedürfnissen des Wohnens im Alter (vgl. Peter 2009: 71), was auch das Ziel einer altersgerechten Stadtentwicklung sein soll (vgl. Gädker/Sinning 2010: 81). Das kann am besten durch eine integrierte Betrachtung des Wohnens erreicht werden, die neben der Wohnung auch das Wohnumfeld, wohnungsnahe Infrastruktureinrichtungen und Dienstleistungen sowie soziale Netze und Nachbarschaften berücksichtigt (vgl. ebd.). Bei einer solchen integrierten Betrachtung des Wohnens ist die Rede von einer altersgerechten Stadt, die den Bedürfnissen älterer Generationen angepasst werden soll.

Als übergeordnetes Ziel einer altersgerechten Stadt kann die Sicherung und Verbesserung der Lebensqualität der städtischen Bevölkerung benannt werden, was vor allem bedeutet, dass die Beteiligung älterer Menschen am gesellschaftlichen Leben gewährleistet wird (vgl. Eberherr et al. 2009: 102). Um die Lebensqualität älterer Menschen in der Stadt zu verbessern, soll die Stadtentwicklung mit geeigneten Maßnahmen und Angeboten auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der verschiedenen Zielgruppen älterer Menschen reagieren. Für die Kommunen in Deutschland ist die Entwicklung örtlicher Handlungskonzepte für den Bereich Wohnen im Alter und die Einordnung in der gesamtstädtischen Planung zu empfehlen (vgl. Wölter 2008: 478).

Die Kommunen sind nicht die Einzigen, die für die Gestaltung einer bedarfsgerechten Wohn- und Infrastruktur Verantwortung tragen, aber sie spielen dabei die wichtigste Rolle, weil sie am nächsten an den Menschen sind (vgl. BMFSFJ 2008: 6). Beim Thema „Wohnen im Alter“ kommt den Wohnungsunternehmen auch eine große Bedeutung zu. Stadtentwicklung und Wohnungsmarkt sind eng miteinander verbunden (vgl. BBSR (1) 2011; vgl. LBV (B) 2006: 54). Städte und Wohnungswirtschaft, die ältere Generation als Zielgruppe haben, müssen versuchen, die Entwicklung durch geeignete Maßnahmen bzw. Angebote zu befördern (vgl. IfS 2006: 5).

Im Folgenden werden in Bezug auf die Themenbereiche „Wohnen“, „altersbezogene Infrastruktur“, „Unterstützung und soziale Netze“ die Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung konkreter dargestellt. Die Abbildung 3.1 stellt systematisch die Handlungsbereiche einer altersgerechten Stadtentwicklung dar.

Abbildung 3.1: Aufgaben einer altersgerechten Stadtentwicklung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: eigene Darstellung in Anlehnung an Kreuzer 2010: 70

3.4.1 Handlungsfeld Wohnen

Wohnen ist ein Grundbedürfnis für alle Menschen. Mit dem zunehmenden Alter nimmt die Bedeutung der Wohnung zu: „Alltag im Alter heißt vor allem Wohnalltag.“ (Saup 1993: 90; Kreuzer/Scholz 2010: 69). Die Wohnung ist gerade im Alter Wahrzeichen für die eigene Kompetenz der selbstständigen Lebensführung (vgl. Kreuzer/Scholz 2010: 69). Sie ist auch privater Rückzugsraum, die Schutz und Intimität bietet und Ort für alltägliche Dinge wie Hausarbeit oder Körperpflege ist (vgl. Saup 1993: 90-108; Kreuzer/Scholz 2010: 69). Sie ist der Ort, in dem soziale Kontakte gepflegt werden können (vgl. Kreuzer 2006: 75).

Die meisten älteren Menschen leben in ihren eigenen, „normalen“ Wohnungen in ihrem gewohnten Wohnumfeld und haben den Wunsch, dort auch zu bleiben. Mehr als 90 Prozent der älteren Menschen in Deutschland leben in „normalen“ Wohnungen (vgl. BMFSFJ 2008: 11). Bei der Bevölkerungsbefragung in deutschen Städten, die von dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) im Jahr 2007 durchgeführt wurde, haben mehr als 60% der Befragten aus ostdeutschen Städten berichtet, dass viele ältere Menschen im Wohngebiet leben (vgl. BBR 2008: 36). „Normale“ Wohnungen werden auch zukünftig die überwiegende Wohnform älterer Menschen bleiben (vgl. Birgit Ottensmeier 2006).

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Details

Seiten
104
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656389163
ISBN (Buch)
9783656389446
Dateigröße
1 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200227
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Geographie
Note
2,6
Schlagworte
Stadtentwicklung Alter altersgerecht Wohnen Potsdam

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Titel: Altersgerechtes Wohnen – Chance oder Herausforderung für die Stadtentwicklung?