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Gedichtvergleich "Dem aufgehenden Vollmonde" (Goethe) und "Mondnacht" (von Eichendorff)

Referat / Aufsatz (Schule) 2003 3 Seiten

Didaktik - Deutsch - Literatur, Werke

Leseprobe

3. Schularbeit, 11.3. 2003

Vergleiche das Gedicht „Dem aufgehenden Vollmonde“ von Johann Wolfgang von Goethe mit der „Mondnacht“ Joseph von Eichendorffs und analysiere die formalen, sprachlichen und inhaltlichen Merkmale.

Gedichtvergleich

Mit dem Gedicht „Dem aufgehenden Vollmonde“ von Johann Wolfgang von Goethe und „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff stehen sich zwei Gedichte gegenüber, die, obwohl sie aus verschiedenen Literaturepochen, die sich aber schon sehr ähnlich sind, stammen, nämlich aus der Klassik bzw. Sturm-und-Drang-Zeit (Goethe) und aus der Romantik (Eichendorff), dennoch unzählige formale als auch sprachliche und inhaltliche Gemeinsamkeiten aufweisen.

Die Epoche „Romantik“ lässt sich festlegen auf den Zeitraum von 1795-1830. Sie beginnt parallel zur Klassik und beschäftigt sich mit deren Vorstellungen. Die Romantik versteht sich selbst aber auf keinen Fall als „Gegenströmung“; sondern vielmehr als Ergänzung; Gefühle werden zum Beurteilungsinstrument. Als Erster erwähnt der Dichter Novalis das Nomen „Romantik“. Für ihn bedeutet es soviel wie die „Lehre vom Roman“: Heutzutage verbinden wir damit häufig Sentimentalität, das Vorherrschen des Gefühls, Naturverbundenheit, aber auch Weltfremdheit und Lebensuntüchtigkeit. Darüber hinaus bezeichne dieser Begriff bestimmte Naturlandschaften, Ruinen und Spuk. Für die lebensfrohen Romantiker ist das Erfahren von Liebe, Glück, Freundschaft und Harmonie überaus wichtig und sie haben alle eine positive Einstellung zum Dasein und zur Geselligkeit.

Goethes Werk „Dem aufgehenden Vollmonde“ wurde am 25. August 1828 in Dornburg verfasst und besteht aus 3 Strophen zu je 4 Zeilen. Bereits der Titel präsentiert den Inbegriff des Romantischen: dem gerade aufgehenden Vollmond ist dieses Gedicht gewidmet, er stellt somit das „adressierte Publikum“ dar. Bereits in der 1. Strophe wird der Mond direkt angesprochen. „Willst du mich sogleich verlassen?“ Das lyrische Ich (d.h. die Perspektive, aus der das Gedicht präsentiert wird), ist dabei der Autor selbst, was aber nicht sein muss. Er befindet sich draußen in der freien Natur und beobachtet dieses Ereignis, welches viele Empfindungen und Gedanken bei ihm auslöst. Der Mond erscheint ihm in einem Augenblick ganz nah, doch nach einiger Zeit wird er von dunklen Wolkenmassen umgeben und schließlich verdeckt, bis er gar nicht mehr zu sehen ist.

In der 2. Strophe werden die Gefühle des lyrischen Ichs zum Ausdruck gebracht. Es spricht davon, wie „betrübt“ es ist. Erstmals wird auch der Grund dafür genannt: „Zeugest mir, dass ich geliebt bin, sei das Liebchen noch so fern“. Durch diese Worte lässt sich ein typisches Kennzeichen der Klassik bzw. Romantik erkennen, nämlich die Sehnsucht, vor allem nach Liebe. Seine Geliebte befindet sich in weiter Ferne, wahrscheinlich hat sie ihn verlassen. Folglich spendet der Mond dem ihn Ansprechenden Trost, indem er ihm Nähe und ein Gefühl des Geliebtwerdens vermittelt.

In der letzten Strophe erkämpft sich der Mond schließlich seinen Weg durch die Wolken, er kommt wieder hervor und es wird „hell und heller, reiner Bahn, in voller Pracht!“ Nochmals drückt der Sprecher seinen (Trennungs-)Schmerz aus, sein Herz begann immer schneller zu schlagen, „überselig ist die Nacht“.

Die Grundstimmung, die sich durch das gesamte Gedicht zieht, ist ein ruhiger, träumerischer Zustand. Der Anblick des aufgehenden Mondes löst beim lyrischen Ich stürmische Gefühle aus, und es denkt an seine Liebste, die nicht bei ihm ist. Seine Geliebte wird mit dem Mond verglichen, der sich, so wie sie, für gewisse Zeit versteckt und en Dichter verlässt.

Die Sprache, in der das Gedicht ist, wirkt, obwohl sie leicht verständlich ist, dennoch gehoben.

Das Gedicht „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff, dem wohl bedeutendsten Vertreter der Spätromantik, gliedert sich ebenso wie Goethes Werk in 3 Strophen zu je 4 Zeilen. Wie in allen Gedichten Eichendorffs spiegeln sich auch hier typische Merkmale der Romantik wider. Das volksliedhafte Gedicht überzeugt durch eindringliche Stimmung. Es setzt mit einem überirdischen Vergleich, dem „Himmelskuss“, ein, um die übermenschliche Stimmung zu beschreiben. Mutter Erde wird vom Himmel durch einen Kuss zur Braut gewählt. Beide antiken Weltbestandteile „Himmel“ und „Erde“ erhalten in der 2. Strophe ihre Ergänzung in der „Luft“; die durch die Felder geht, und dem Feuer der Sterne. Das in der 3. Zeile vorkommende zusammengesetzte Hauptwort „Blütenschimmer“ bezeichnet entweder Blüten von Blumen oder auf den Bäumen, die, da die Nacht „sternenklar“ ist, unter dem Licht leicht schimmern. Zusammen mit den „Ähren“ lässt sich annehmen, dass die beschriebene Nacht in der Jahreszeit Mai oder Juni spielt.

Während die 1. und 2. Strophe also hauptsächlich eine Beschreibung der wundervollen Natur darstellt, tritt in der 3. und letzten Strophe die – inhaltlich betrachtet – die wichtigste ist, endlich das lyrische Ich auf. Zu Himmel und Erde gesellt sich nun der menschliche Geist. Sie, die Seele, „flog durch die stillen Lande“, und sie hat den Eindruck, als „flöge sie nach Haus“. „Haus“ erinnert hier an das letzte Wort der 1. Zeile, nämlich Himmel, und somit, inmitten atemberaubender Stimmung einer Mondnacht, plötzlich an den Tod, aber nicht düster, sondern gleich einer Rückkehr der Seele „nach Haus“. Während in der 1. Strophe die „Bewegung“ von oben nach unten, von Himmel zur Erde, erfolgt, ist es in der letzten Strophe genau umgekehrt. Man erhält den Eindruck, als ob sich der Geist von der dunklen Welt nach oben erhebt. All dies ist nur deshalb möglich, weil eine sonderbare, außergewöhnliche Stimmung vorherrscht, die vor allem zu Beginn durch die Worte „es war, als HÄTT der Himmel die Erde still geküsst“ hervorgehoben und dem Leser bildhaft vor Augen geführt wird. Die Seele hat Flügel, sie kann sich durch die Natur ungehemmt bewegen. Erst beim Anblick der leuchtenden Sterne spannt sie „weit ihre Flügel aus“.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich mit „Dem aufgehenden Vollmonde“ von Goethe und „Mondnacht“ von Joseph von Eichendorff zwei großartige Gedichte gegenüberstehen, die sich in extrem vielen Breichen ähnlich sind und die beide erfüllt sind von der Schönheit der Natur und der Sehnsucht nach Liebe und Freiheit. Beide Dichter nutzen die Möglichkeit der Sprache, um ihr innerstes Empfinden auf überaus „romantische“ Art und Weise auszudrücken.

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Details

Seiten
3
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783656296515
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200198
Note
1,0
Schlagworte
Goethe Eichendorff Mondnacht Vollmonde Gedicht Gedichtinterpretation Klassik Sturm und Drang Romantik Aufsatz

Autor

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