Lade Inhalt...

Die Probleme des audiovisuellen Sektors in Europa und die Förderung durch das MEDIA Programm

Bachelorarbeit 2008 38 Seiten

Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. AV-Produktion Kultur- bzw. Wirtschaftsgut: rechtliche Rahmenbedingungen

3. MEDIA Programm
3.1. Die verschiedenen Entwicklungsstufen

4. Der audiovisuelle Markt in Europa

5. Probleme - Vertrieb und Verleih
5.1. MEDIA Projektbeispiele und Ergebnisse Vertrieb- und Verleih

6. Probleme - Entwicklung
6.1. MEDIA Projektbeispiele und Ergebnisse Entwicklung

7. Probleme - Filmfestivals und Promotionsmaßnahmen
7.1. Projektbeispiele und Ergebnisse Promotion und Filmfestivals

8. Die Digitalisierung als Chance
8.1. MEDIA Projektbeispiele und Ergebnisse Pilotprojekte

9. Fazit

10. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der audiovisuelle Markt in der Europäischen Union ist der größte audiovisuelle Markt der Welt, dem in Zukunft ein starkes Wachstum prognostiziert wird. Dennoch spielt der audiovisuelle Sektor auch bei der Erhaltung und Vermittlung von kulturellen Werten eine wichtige Rolle. Um den interkulturellen Dialog, das gegenseitige Verständnis und das Wissen über europäische Kulturen zu stärken, bedarf es der Verbreitung europäischer AV-Werke. Aufgrund struktureller Schwächen des AV-Sektors in der Europäischen Union wurde ein Förderprogramm eingerichtet, das die Wettbewerbsfähigkeit stärken soll und den Marktanteil ausländischer europäischer Werke erhöhen soll.

Die vorliegende Arbeit wird sich hauptsächlich mit den Problemen des audiovisuellen Sektors in Europa und die Förderung durch das MEDIA Programm beschäftigen. „Welche Rolle übernimmt das MEDIA Programm in der europäischen AV-Produktion?“ „Können durch die Förderung des MEDIA Programms die Probleme des europäischen AV-Schaffens abgeschwächt werden?“

Zuerst wird die AV-Produktion und das Förderprogramm MEDIA im Rahmen der EU-Politik eingeordnet. Danach werden die verschiedenen MEDIA Programme und deren wesentliche Schwerpunkte erläutert.

Im dritten Teil dieser Arbeit wird ein Überblick des audiovisuellen Marktes in Europa gegeben. Die Probleme der Film- und Fernsehproduktion, vor allem in der Vor- und Postproduktionsphase, bilden den Hauptteil dieser Arbeit. Anschließend an jedes Problem werden Projektbeispiele und Ergebnisse der Förderung durch das MEDIA Programm präsentiert.

2. AV-Produktion Kultur- bzw. Wirtschaftsgut: rechtliche Rahmenbedingungen

Die Richtlinie „Audiovisuelle Mediendienste ohne Grenzen“ bildet den Eckpfeiler der EU-Politik im audiovisuellen Bereich. Das Gemeinschaftsprogramm MEDIA („Aktionsprogramm zur Förderung der audiovisuellen Produktionsindustrie") ist neben der Richtlinie „Audiovisuelle Mediendienste ohne Grenzen“ das zweite Instrument der Gemeinschaftspolitik im audiovisuellen Bereich.

Die Filmwirtschaft und der audiovisuelle Sektor übernehmen eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung der kulturellen Vielfalt Europas. Diese Sektoren leiden jedoch unter strukturellen Schwächen.

Die vorrangigen Probleme sind die Unterkapitalisierung der Unternehmen, die Zersplitterung der nationalen Märkte und die geringe übernationale Verbreitung europäischer Werke. (vgl. Hieronymi 2007: 2)

Sowohl die gemeinschaftlichen Unterstützungsmechanismen, vor allem das MEDIA Programm, als auch die Inhaltsregulierungen (Richtlinie „Audiovisuelle Mediendienste ohne Grenzen") wirken sich auf den audiovisuellen Sektor aus und versuchen ihn zu stärken.

Der Ansatz der audiovisuellen Politik, ökonomische und kulturelle Ziele zu verfolgen, wird seit der Gründung des MEDIA Programms verfolgt. Betrachtet man jedoch die Rechtsgrundlage, stellt man fest, dass es sich nicht um ein Kulturprogramm handelt. Die Maßnahmen von MEDIA werden auf Art. 150 EGV (berufliche Bildung) und Art. 157 EGV (Industrie) gestützt.

Das MEDIA Programm ist also europarechtlich vor allem eine Maßnahme zur Wirtschaftsförderung. (vgl. Marti 2004: 115) und eine industriepolitische Förderungsmaßnahme zur Stärkung der europäischen Programmindustrie. (vgl. Farda 2000: 3)

Der Art.151 EGV (Kultur) wurde nie als Erwägungsgrund gewählt.

3. MEDIA Programm

Greifbare Überlegungen zu einer europäischen Medienpolitik gab es bereits in den 60er und 70er Jahren. Im selben Zeitraum, als sich die EG-Kommission um die Festlegung von einheitlichen Rechtsvorschriften für die Verbreitung von Fernsehprogrammen im Binnenmarkt bemühte, diskutierte man, ob die Beschränkung gegen Auslandsimporte als Allheilmittel zur Förderung gesehen werden kann. Vielerseits viel das Ergebnis negativ aus. Man forderte, das Hauptaugenmerk auf eine tatsächliche praktische Förderung der europäischen audiovisuellen Industrie zu legen. Gleichzeitig zu den Verhandlungen über die Fernsehrichtlinie, konzentrierte sich die EG-Kommission also um die Einrichtung spezieller Fördermaßnahmen für einzelne Bereiche der Produktionsindustrie. (vgl. Meckel 1994: 128)

Ein geplanter Fonds für europäische Koproduktionen scheiterte an Vorbehalten von Dänemark, Deutschland und Großbritannien, die eine Unterstützung von Filmproduktionen als problematischen Eingriff in den Markt ablehnten. (vgl. Frenzel 1999: 50)

Damit konnte MEDIA (Mesures pour Encourager le Développement de l´Industrie Audiovisuelle) entstehen. Es ergab sich aus dem Scheitern des Koproduktionsfonds, durfte sich nicht an nationalen Förderungen orientieren und keine Produktionsförderung gewähren. MEDIA setzt Maßnahmen zur Unterstützung der Entwicklung der audiovisuellen Industrie.

Durch finanzielle Anreize in Form von Darlehen und Zuschüssen soll die Zusammenarbeit der nationalen Filmindustrien der Mitgliedsländer gefördert werden. Ziel ist es kooperative und netzwerkartige Strukturen zu schaffen um die instabile Position des europäischen Films zu stärken. (vgl. Groth 2003: 69)

MEDIA fördert nicht die direkte Produktion, da dies von den nationalen Filmförderungen als zu weitreichender Eingriff in die nationale Kulturförderung verstanden würde. (vgl Marti 2004: 111) Die Maßnahmen beziehen sich auf das Vorfeld der audiovisuellen Produktion, die Postproduktionsphase und auf die Unterstützung von Pilotprojekten.

Im Vorfeld der audiovisuellen Produktion werden sowohl der Erwerb und die Vertiefung von Fachkompetenzen als auch die Entwicklung von Produktionsvorhaben gefördert. In der Postproduktionsphase werden einerseits der Vertrieb und die Verbreitung andererseits Promotionsmaßnahmen von europäischen AV-Werken gefördert.

Das MEDIA Programm richtet sich an

- unabhängige europäische Vertriebs- und Verleihunternehmen
- unabhängige europäische Film-, Fernseh- und Multimediaproduktionsunternehmen
- Trainingsinitiativen
- Festivals
- und Unternehmen, die Promotionsmaßnahmen für den europäischen Film durchführen oder die neue Technologien für den Vertrieb europäischer Inhalte entwickeln oder bereitstellen.

3.1. Die verschiedenen Entwicklungsstufen

Nach einer dreijährigen Erprobungsphase (1988-1990) fasste am 21. Dezember 1990 der Rat der Europäischen Gemeinschaften den Beschluss zur "Durchführung eines Aktionsprogramms zur Förderung der Entwicklung der europäischen audiovisuellen Industrie (MEDIA) (1991-1995)". Das Programm wurde mit einem Gesamtbudget von 200 Mio. ECU für 5 Jahre ausgestattet. (vgl. Beschluss 90/685/EWG)

MEDIA förderte in 4 verschiedenen Bereichen. Ein Bereich war die Pre- und Postprodukion unterteilt in die Projekte European SCRIPT FUND, Documentary, CARTOON, MAP-TV, LUMIÈRE, Club d’Investissement und EMG.

Ein anderer Bereich war der Vertrieb, das Marketing und die Werbung. Wiederum unterteilt in die Projekte EFDO, MEDIA-Salles, EVE, EURO-AIM und GRECO.

Die Förderung der Aus- und Weiterbildung war der 3. Bereich, unterteilt in die Projekte EFA, SOURCES, EAVE und Media Business School.

Die Förderung von Ländern mit geringer audiovisueller Kapazität war der 4. Bereich mit den Projekten BABEL und SCALE. Die Organisation der Programme war dezentral in verschiedenen europäischen Städten angesiedelt. (vgl. Holtz-Bacha 2006: 266f)

Die Effektivität der Projekte wurde geprüft und mit einem positiven Ergebnis bewertet. Dennoch wurden die teilweise Überschneidung der Projekte und die Vielzahl an Programmen und deren Dezentralität kritisiert.

Das 1994 erschienene Grünbuch "Strategische Optionen für die Stärkung der Programmindustrie im Rahmen der audiovisuellen Politik der Europäischen Union" empfahl für das Nachfolgeprogramm von MEDIA die Konzentration der Mittel auf die Förderbereiche Projektentwicklung, Vertrieb, Finanzierung und Ausbildung. (vgl. KOM(94) 96 endg.)

Alle 19 Projekte von MEDIA wurden aufgelöst und unter die drei Förderbereiche Projektentwicklung, Vertrieb und Fortbildung im Nachfolgeprogramm MEDIA II zusammengefasst.

MEDIA II basiert auf 2 verschiedenen Beschlüssen des Rates der Europäischen Union. Am 10. Juli 1995 fasste der Rat der Europäischen Union einerseits den Beschluss „über ein Programm zur Förderung der Projektentwicklung und des Vertriebs europäischer audiovisueller Werke (MEDIA II – Projektentwicklung und Vertrieb) (1996-2000).“ Darauf folgend fasste er Rat der Europäischen Union am 22.12.1995 den Beschluss „zur Durchführung eines Fortbildungsprogramms für die Fachkreise der europäischen audiovisuellen Industrie (MEDIA ll – Fortbildung).“

Die Laufzeit von MEDIA II betrug 5 Jahre (1996-2000) und das Gesamtbudget wurde auf 310 Millionen ECU erhöht. (vgl. Beschluss 95/563/EG: 25, Beschluss 95/564/EG: 33)

Im Rahmen von MEDIA II wurde die automatische Verleihförderung für europäische Verleihunternehmen eingeführt. Der Verleiher erhält für die Aufnahme und den Verleih eines nicht-nationalen europäischen Films einen Zuschuss (wird nach bezahlten Kinotickets berechnet), den er wiederum in den Vertrieb eines neuen nicht-nationalen Films reinvestieren muss. Aufgrund von Empfehlungen der Halbzeitbewertung des Programms wurde die Förderung der Entwicklung von Projektpakten (Slate Funding) 1999 eingerichtet.

Laut Bericht der Kommission hatte sich die Zahl der jährlich geförderten Projekte von 1997 bis 2000 um den Faktor 15 vervielfacht. Dies zeigte den Erfolg in den Fachkreisen und die gute Abstimmung auf deren Bedürfnisse.

Nach der Laufzeit von MEDIA II gab es jedoch immer noch ein sehr instabiles Netzwerk europäischer Verleiher. Ziel war es sowohl den Ausbau der Media Desks und Antennen in den Mitgliedsstaaten voranzutreiben als auch den Informationsfluss für die Produktionsbranche zu verbessern. (vgl. KOM(2003) 0802 endg.: 7)

Am 20. Dezember 2000 gab es einen neuerlichen Beschluss des Rates „zur Durchführung eines Programms zur Förderung von Entwicklung, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit hinsichtlich europäischer audiovisueller Werke (MEDIA Plus – Entwicklung, Vertrieb und Öffentlichkeitsarbeit) (2001-2005)“. (Beschluss 2000/821/EG) Die Finanzmittel für das Programm wurden von 350 auf 453,60 Millionen Euro für den Zeitraum 2001-2006 aufgestockt, um der Erweiterung Rechnung zu tragen. Denn 2004 traten 10 weitere Staaten der Europäischen Union bei. Es war die sogenannte Osterweiterung mit den Staaten Estland, Lettland, Litauen, Polen, Tschechien, Slowenien, Slowakei, Ungarn, Malta und Zypern.

Eine Neuerung von MEDIA Plus war die Förderung von Pilotprojekten. Diese haben das Ziel, den Zugang zu europäischen audiovisuellen Inhalten zu verbessern. Dabei geht es vor allem um die Aufwertung der Archivbestände, die Digitalisierung, die Einrichtung von Spartenkanälen und den Einsatz moderner Online-Dienste.

Eine weitere Neuerung war die Förderung „i2i“. Dabei geht es vor allem darum kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu Finanzierungen zu erleichtern.

Am 19. Januar 2001 fasste das Europäische Parlament und der Rat den Beschluss „zur Durchführung eines Fortbildungsprogramms für die Fachkreise der europäischen audiovisuellen Programmindustrie (MEDIA-Fortbildung) (2001-2005).“ (Beschluss 163/2001/EG) Das Programm wurde bis 2006 verlängert . Das Programmbudget wurde von 50 Mio. auf 59,4 Mio. erhöht, um auch hier den Auswirkungen der EU-Erweiterung Rechnung zu tragen.

Am 15. November 2006 fasste das Europäische Parlament und der Rat den aktuellen Beschluss „zur Umsetzung eines Förderprogramms für den europäischen audiovisuellen Sektor (MEDIA 2007) (2007-2013).“ (Beschluss 1718/2006/EG) Das Gesamtbudget wurde gegenüber dem Vorgängerprogramm um 242 Millionen erhöht und beträgt 755 Millionen EUR für 7 Jahre. Die Schwerpunkte des derzeitigen Programms liegen nach wie vor auf Entwicklung, Vertrieb, Training, Promotion und Pilotprojekten. Der Bereich Vertrieb erhält mindestens 55% und der Bereich Entwicklung mindestens 20% des Gesamtbudgets. Die Gesamtfördersumme von MEDIA im Jahr 2007 beträgt 75 Millionen EUR und wird danach jährlich erhöht. 2013 beträgt sie 107 Millionen EUR.

Es wurden einige neue Elemente im Ratsbeschluss festgelegt. Diese betreffen:

- die Digitalisierung (z.B. durch die Erstellung mehrsprachiger digitaler Masters, Aufbau von On-Line Vertriebsdiensten oder Förderung der Umstellung der Kinos)
- den Zugang zu Darlehensfinanzierungen für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) (Produzenten und Verleiher)
- die verstärkte Einbindung von Filmschulen durch Förderung der Mobilität der Studierenden
- die Aufwertung der Europäischen Audiovisuellen Informationsstelle
- die Einbindung der westlichen Balkanländer
- die Förderung der Synchronisierung und Untertitelung auch seitens von TV-Sendern
- die Förderung von TV Sales Agents

Im Jahr 2007 sind es 32 Länder die Mitglied des Programms sind. Diese sind: Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Italien, Lettland, Liechtenstein, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Norwegen, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Schweiz, Slowakei, Slowenien, Spanien, Schweiz, Tschechische Republik, Ungarn und Zypern.

Folgende Länder können am Programm teilnehmen, sofern sie die erforderlichen Voraussetzungen erfüllen und zusätzliche Finanzmittel bereitstellen:

- EFTA-Staaten, die Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums (EWR) sind
- die Kandidatenländer, die Nutznießer der Heranführungsstrategie an die EU sind
- die westlichen Balkanländer (gemäß den Modalitäten, die in der Rahmenvereinbarung über ihre Teilnahme an den Gemeinschaftsprogrammen vereinbart werden)
- die Länder, die das Europäische Übereinkommen über das grenzüberschreitende Fernsehen unterzeichnet haben
- andere Drittstaaten, die mit der EU Assoziations- oder Kooperationsabkommen mit Klauseln zum AV-Bereich abgeschlossen haben

Die verschiedenen MEDIA-Programme

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Details

Seiten
38
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656275671
ISBN (Buch)
9783656275329
Dateigröße
712 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200196
Institution / Hochschule
Universität Salzburg
Note
3,0
Schlagworte
media programm probleme audiovision europa förderung

Autor

Zurück

Titel: Die Probleme des audiovisuellen Sektors in Europa und die Förderung durch das MEDIA Programm