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"Lass mich in Ruhe!"- eine fächerübergreifende Unterrichtseinheit zum sexuellen Missbrauch an Kindern (3. Schuljahr)

Examensarbeit 2010 57 Seiten

Didaktik - Sachunterricht, Heimatkunde

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I Einleitung

II Theoretische Grundlagen
1 Didaktischer Schwerpunkt der Arbeit
1.1 Informationen zum sexuellen Missbrauch an Kindern
1.1.1 Begriffsbestimmung
1.1.2 Symptome sexuellenMissbrauchs
1.2 Prävention
1.2.1 'Zum Präventionsbegriff
1.2.1.1 Primäre Prävention
1.2.1.2 Sekundäre Prävention
1.2.1.3 Tertiäre Prävention
1.2.2 Primärprävention in der Schule
1.2.3 Begründungfür dieAuswahl des Themas
1.2.3.1 Bedeutsamkeitfür die Schüler
1.2.3.2 Kompetenzen
1.2.4 Rahmenbedingungen
1.2.4.1 Inhaltsspezifische Lernvoraussetzungen bei den Schülern
1.2.4.2 Die Rolle des Lehrers
1.2.4.3 Elternarbeit
1.2.5 Grenzen
2 Methodischer Schwerpunkt der Arbeit
2.1 Fächerübergreifender Unterricht
2.1.1 Begriffsbestimmung.
2.1.2 Ziele fächerübergreifenden Unterrichts
2.1.3 Formenfächerübergreifenden Unterrichts
2.1.3.1 Fächerüberschreitendes Lernen
2.1.3.2 Fächerverknüpfendes Lernen
2.1.3.3 Fächerkoordinierendes Lernen
2.1.3.4 Fächerergänzendes Lernen
2.1.3.5 Fächeraussetzendes Lernen
2.1.4 Begründungfür dieAuswahl derMethode
2.1.4.1Legitimation durch die Teilrahmenpläne undLeitlinien
2.1.4.2 Konsequenzenfür den Unterricht

III UnterrichtspraktischeRealisierung
1 Überblick über die gesamte Unterrichtseinheit
2 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
3 Voraussetzungen für den Unterricht
3.1 Lemvoraussetzungen der Schüler
3.2 Äußere Voraussetzungen
4 Darstellung der einzelnen Unterrichtsstunden
4.1 Ausführliche Darstellung der ersten Unterrichtssequenz
4.1.1 Didaktische Entscheidungen und Begründungen
4.1.1.1 Sachanalyse: „Gefühle“
4.1.1.2 Bedeutsamkeitdes Unterrichtsinhaltes
4.1.1.3 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
4.1.1.4 Voraussetzungenfürden Unterricht
4.1.2 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.1.3 Methodische Entscheidungen und Begründungen
4.1.3.1 Artikulation und Sozial- / Aktionsformen
4.1.3.2 Medien
4.1.3.3 Unterrichtsgrundsätze
4.1.4 Tafelbild
4.1.5 Geplanter Unterrichtsverlauf.
4.1.6 Reflexion
4.2 Kurzdarstellung der zweiten Unterrichtsstunde
4.2.1 Wissens- undKompetenzentwicklung
4.2.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.2.3 Reflexion
4.3 Kurzdarstellung der dritten Unterrichtssequenz
4.3.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.3.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.3.3 Reflexion
4.4 Kurzdarstellung der vierten Unterrichtsstunde
4.4.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.4.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.4.3 Reflexion
4.5 Kurzdarstellung der fünften Unterrichtssequenz
4.5.1 Wissens- undKompetenzentwicklung
4.5.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.5.3 Reflexion
4.6 Kurzdarstellung der sechsten Unterrichtsstunde
4.6.1 Wissens- undKompetenzentwicklung
4.6.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.6.3 Reflexion
4.7 Kurzdarstellung der siebten Unterrichtssequenz
4.7.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.7.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.7.3 Reflexion
4.8 Ausführliche Darstellung der achten Unterrichtssequenz
4.8.1 Didaktische Entscheidungen und Begründungen
4.8.1.1 Sachanalyse
4.8.1.2 Bedeutsamkeit des Unterrichtsinhaltes
4.8.1.3 Beziehungen zu(m) Rahmenplan/Teilrahmenplan/Leitlinien
4.8.1.4 Voraussetzungenfürden Unterricht
4.8.2 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.8.3Methodische Entscheidungen und Begründungen
4.8.3.1 Artikulation und Sozial- / Aktionsformen
4.8.3.2Medien
4.8.3.3 Unterrichtsgrundsätze
4.8.4 Geplanter Unterrichtsverlauf.
4.8.5 Reflexion
4.9 Kurzdarstellung der neunten Unterrichtssequenz
4.9.1 Wissens- und Kompetenzentwicklung
4.9.2 Geplanter Unterrichtsverlauf
4.9.3 Tafelbilder
4.9.4 Reflexion

IV Gesamtreflexion

V Literaturverzeichnis

I Einleitung

Sexueller Kindesmissbrauch ist ein Thema, welches durch das Bekanntwerden zahlreicher Vorfälle an kirchlichen Internaten und nicht kirchlichen Bildungseinrichtungen, wie der reformpädagogischen Odenwaldschule in Heppenheim, in den vergangenen Monaten immer mehr in die Öffentlichkeit gerückt ist. Dies ist vor allem auf eine umfassende Thematisierung in den Medien zurückzuführen.

Die schockierenden Medienberichte und die Enttabuisierung sexueller Übergriffe an Schulen bestärkten meinen Wunsch, zum Schutz der mir anvertrauten Kinder beizutragen und präventiv zu arbeiten. Doch bevor ich mein Vorhaben in die Praxis umsetzen konnte, d.h. vor der Durchführung einer entsprechenden Unterrichts­einheit, stellten sich mir zahlreiche Fragen:

Ist das Thema des sexuellen Missbrauchs in einem dritten Schuljahr überhaupt fächerübergreifend umsetzbar?

Mache ich den Schülerinnen und Schülern1 mit den Informationen zu sexuellem Missbrauch eventuell Angst oder verunsichere ich sie unnötig?

Wie werden die Eltern der Kinder auf mein Vorhaben reagieren?

Was kann ich tun, wenn ein sexuell missbrauchtes Mädchen, ein sexuell missbrauchter Junge in der Klasse ist und sich mir anvertraut?

Diese vier Fragen sollen im Verlauf der Unterrichtseinheit geklärt werden. Darüber hinaus möchte ich Aufschlüsse für zukünftiges präventives Arbeiten in der Grundschule erhalten.

Die vorliegende Arbeit lässt sich in drei große Kapitel, „Theoretische Grundlagen“, „Unterrichtspraktische Realisierung“ und „Gesamtreflexion“ untergliedern. Im ersten Bereich des theoretischen Teils wird der didaktische Themenschwerpunkt meiner Arbeit - sexueller Missbrauch - beschrieben und begründet.

Die Methode des fächerübergreifenden Unterrichts, seine Ziele und Formen findet man im zweiten Bereich. Des Weiteren begründe ich meine Entscheidung für die Wahl dieser Methode.

Die unterrichtspraktische Realisierung gibt einen Überblick über die Planung der Einheit. Anschließend erläutere ich die Lemvoraussetzungen der Schüler und nehme Bezug zu den Teilrahmenplänen und Leitlinien. Weiterhin werden neun Unterrichtssequenzen beschrieben und anschließend reflektiert, worunter zwei ausführlich dargestellt werden.

In der Gesamtreflexion wird die Durchführung der Einheit vor dem Hintergrund der theoretischen und praktischen Grundlagen reflektiert. Des Weiteren wird Stellung zu den oben aufgeführten Leitfragen genommen.

II Theoretische Grundlagen

Ich werde in diesem Teil der Examensarbeit die theoretische Grundlagen erläutern, welche ich als relevant für den praktischen Teil meiner Arbeit erachte.

1 Didaktischer Schwerpunkt der Arbeit

1.1 Informationen zum sexuellen Missbrauch an Kindern

1.1.1 Begriffsbestimmung

In der wissenschaftlichen Literatur findet sich bis heute keine allgemein anerkannte Definition des sexuellen Missbrauchs an Kindern. Die Gründe hierfür liegen auf verschiedenen Ebenen. Zum einen unterliegt das Verständnis sexueller Ausbeutung einem historischen Wandel, zum anderen sind kulturelle Unterschiede festzustellen.2 Eine weitere Schwierigkeit, zu einer einheitlichen Definition zu gelangen, ist durch die unterschiedlichen Forschungs- und Erklärungsansätze bedingt. Dadurch ergibt sich, dass die einzelnen Definitionen „immer von den verschiedenen theoretischen, wissenschaftlichen, ethnischen und weltanschaulichen Orientierungen der jeweiligen Autoren geprägt sein werden.“3

Generell lassen sich enge und weite Definitionen voneinander unterscheiden. Enge Definitionen versuchen durch genaue Formulierungen eine Handlung des sexuellen Missbrauchs gegenüber anderen Handlungen eindeutig abzugrenzen. Weiter gefasste Definitionen haben den Vorteil, auch diejenigen Missbrauchsfälle zu erfassen, welche von einer engen Definition nicht erfasst würden, weil beispielsweise nicht nachgewiesen werden kann, dass die Handlung gegen den Willen des Kindes geschehen ist oder weil sie ohne körperlichen Kontakt stattfand.4 Ich werde meiner Arbeit die Definition von Engfer zugrunde legen, welche meiner Meinung nach aussagekräftig und differenziert ist und die wichtigsten Definitionskriterien enthält:

„Unter dem sexuellen Missbrauch versteht man die Beteiligung noch nicht ausgereifter Kinder und Jugendlicher an sexuellen Aktivitäten, denen sie nicht verantwortlich zustimmen können, weil sie deren Tragweite noch nicht erfassen. Dabei benutzen bekannte oder verwandte (zumeist männliche) Erwachsene Kinder zur eigenen sexuellen Stimulation und missbrauchen das vorhandene Macht- und Kompetenzgefälle. Sexueller Missbrauch umfasst alle möglichen vaginalen, oralen und analen Praktiken, anzügliche Bemerkungen, Berührungen, Exhibitionismus, Missbrauch von Kindern zur Herstellung pornographischen Materials, auch die Anleitung zur Prostitution,“5

1.1.2 Symptome sexuellen Missbrauchs

Noch vor etwa 15 Jahren wurde der sexuelle Missbrauch von Kindern in der Bundesrepublik Deutschland stark tabuisiert. Nachdem das Thema nun durch zahlreiche Vorfälle in die Öffentlichkeit gerückt ist und immer mehr Opfer über ihre

Erlebnisse sprechen, gilt es möglichst frühzeitig die sexuelle Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen zu erkennen und zu beenden. Dazu ist es notwendig die Folgen und die Symptome sexuellen Missbrauchs kennen zu lernen. Es wird vielfach davon gesprochen, dass alle betroffenen Kinder Signale aussenden, d.h. dass sich die Auswirkungen des Missbrauchs in einer Vielzahl von möglichen Störungen des Erlebens und Verhaltens äußern.6

Da eine umfassende Auseinandersetzung mit allen möglichen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten der Kinder durch sexuellen Missbrauch den Rahmen meiner Examensarbeit sprengen würde, beschränke ich mich mit Hilfe der folgenden Auflistung auf eine Benennung der unterschiedlichen Aspekte.7

Emotionale Reaktionen

Ängste, Phobien, Flucht in eine Phantasiewelt, niedriges Selbstwertgefühl, Depressionen, Schuld-und Schamgefühle, Feindseligkeit, sozialerRückzug

Auffälligkeiten im Sozialverhalten

Weglaufen von zu Hause, aggressives/gewaltförmiges Verhalten, delinquentes Verhalten, Verschlossenheit, Furcht und Feindseligkeit gegenüber bestimmten Männer- oder Frauentypen

Unangemessenes Sexualverhalten

Sexualisiertes Verhalten (mit Worten, Gesten), ungehemmte Selbstbefriedigung, übersteigerte Neugier im sexuellen Bereich

Psychosomatische Krankheiten

Kopf- und Bauchschmerzen, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit, Ess- und Schlafstörungen

Verletzungen und Krankheiten

Striemen und blaue Flecken an der Innenseite der Oberschenkel, blutige Unterwäsche, Bisswunden oder Blutergüsse am Unterleib oder anderen erogenen Zonen, Verletzungen an den Geschlechtsorganen

Im Hinblick auf diese Auflistung muss nun allerdings vor der leichtfertigen Bewertung solcher möglichen Symptome bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch gewarnt werden. Die wahrgenommenen Verhaltensänderungen bei einem Kind müssen genau analysiert werden. Denn die beobachteten Symptome können Anzeichen für sexuellen Missbrauch sein, müssen es aber nicht. Um Fehldeutungen einerseits und ein „Übersehen“ andererseits zu vermeiden, sollten die beobachteten Veränderungen immer in sensibler Art und Weise im Gespräch mit dem Kind näher untersucht werden. Zudem ist es sinnvoll die Beobachtungen mit anderen Personen, welche das Kind kennen, zu besprechen.8

1.2 Prävention

1.2.1 Zum Präventionsbegriff

Der Begriff Prävention stammt aus dem lateinischen und bedeutet soviel wie: „vorbeugend, verhütend, schützend eingreifend“.9 Es werden bezogen auf den sexuellen Missbrauch in der Literatur drei Arten der Prävention unterschieden: primäre, sekundäre und tertiäre Prävention.

1.2.1.1 PrimärePrävention

Hierunter sind im Sinne einer Vorbeugung alle Versuche und Maßnahmen zu verstehen, die bereits im Voraus die Entstehung sexueller Übergriffe verhindern sollen. Des Weiteren gehören zur vorbeugenden Prävention auch

Tätertherapieprogramme, insofern sie die Verhinderung neuer Missbrauchsfälle anstreben.10 Hauptsächlich zielt die Primärprävention darauf ab, „die Kinder durch Information und Aufklärung in die Lage zu versetzen, sich selbst vor sexuellen Übergriffen zu schützen.“11

1.2.1.2 Sekundäre Prävention

Sekundärprävention hat das Ziel konkrete Fälle sexueller Gewalt möglichst frühzeitig aufzudecken und zu beenden. Somit ist diese Art der Prävention der Intervention gleichzusetzen.

1.2.1.3 TertiärePrävention

Unter tertiärer Prävention versteht man einen therapeutischen Umgang mit betroffenen Kindern, um entstandene Traumen mit dem Ziel der Reintegration zu heilen bzw. Folgeschäden zu mindern.12

In der Praxis sind diese drei genannten Formen jedoch nur schwer voneinander zu trennen. Im eigentlichen Sinne des Wortes „Prävention“ ist nur die Primärprävention eine vorbeugende Maßnahme. Demnach ist auch die von mir geplante Unterrichtseinheit der primären Prävention zuzuordnen. Jedoch könnte es im Laufe der Einheit zur Aufdeckung eines Missbrauchs kommen, sodass auch der Aspekt der Sekundärprävention berücksichtigt werden muss.

Auf die tertiäre Prävention gehe ich nicht näher ein, da diese nicht in den schulischen Zuständigkeitsbereich fällt.

1.2.2 Primärprävention in der Schule

Viele Autoren fordern die verbindliche Einführung von Präventionsarbeit gegen sexuellen Missbrauch an allen Schulen. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) spricht sich unter anderem für mehr Aufklärung über das Thema im Unterricht und eine Kooperation mit außerschulischen Partnern aus. In den Handlungsempfehlungen der KMK zur Vorbeugung und Aufarbeitung von sexuellen Missbrauchsfällen und Gewalthandlungen in Schulen und schulnahen Einrichtungen heißt es:

„So wie Fragen der Sexualerziehung alters- und entwicklungsabhängig mehrfach aufgegriffen werden, sind auch Fragen des Missbrauchs und der Misshandlung mehrfach im Laufe des Bildungs- und Erziehungsprozesses zu behandeln. Der Themenkomplex kann in verschiedenen unterrichtlichen Zusammenhängen aufgegriffen und diskutiert werden. Soweit die schulischen Curricula nicht genügend konkrete Anknüpfungspunkte anbieten, werden die Länder entsprechende Initiativen ergreifen. Vorhandene Erfahrungen und unterstützende Materialien müssen verbreitet und zugänglich gemacht werden,“13

Themenbereiche der Primärprävention

Basierend auf ausländischen Präventionsprogrammen, besonders auf dem amerikanischen Programm Child Assault Prevention Project (САРР), wurden auch in Deutschland Maßnahmen zur schulischen Prävention von sexuellem Missbrauch unternommen. Die Kernaussagen der amerikanischen Programme wurden an schulische und kulturelle Rahmenbedingungen in Deutschland angepasst und hierauf basierend sechs Themenschwerpunkte für die Prävention herausgearbeitet, welche sich in nahezu allen deutschsprachigen Präventionsprogrammen wieder finden:

- Körperliche Selbstbestimmung

Den Kindern soll vermittelt werden, dass ihr Körper ihnen gehört und dass sie das Recht haben, über ihn zu bestimmen.

- Gefühle 'wahrnehmen

Ziel dieses Präventionsschwerpunktes ist die Stärkung der verschiedenen Gefühlswahrnehmungen des Kindes.

- Unterscheidung zwischen guten und schlechten Berührungen

Die Kinder sollen lernen zwischen guten, schlechten und komischen Berührungen zu unterscheiden.

- „Nein“sagen

Den Kindern soll vermittelt werden, dass sie in bestimmten Situationen „Nein“ sagen dürfen.

- Unterscheidung zwischen guten und schlechten Geheimnissen

Viele Täter bezeichnen den sexuellen Missbrauch als Geheimnis, welches das Kind unter keinen Umständen weiter erzählen darf. Den Kindern soll vermittelt werden, dass es Geheimnisse gibt, die man nicht für sich behalten soll (Bauchwehgeheimnisse).

- Hilfe holen

Die Kinder werden über Institutionen und Personen informiert, bei denen sie Unterstützung bekommen können, falls sie Hilfe benötigen.14

Diese sechs Präventionsthemen werden in den einzelnen Programmen oft durch weitere Schwerpunktthemen ergänzt. Uneinigkeit besteht jedoch in der Frage, ob sexueller Missbrauch explizit angesprochen werden soll. Ich finde es allerdings schwierig das Thema des sexuellen Missbrauchs anzudeuten, ohne gleichzeitig offen darüber zu sprechen. Deshalb habe ich für die Durchführung meiner Unterrichtseinheit die sechs dargestellten Präventionsthemen übernommen und um den Schwerpunkt „Sexueller Missbrauch“ erweitert. Die Kinder sollen Definitionen von Handlungen erfahren, die als sexueller Missbrauch verstanden werden und sollen Informationen über potenzielle Täter erhalten.

Des Weiteren empfinde ich es als sinnvoll die Themen „Körperliche Selbstbestimmung“ und „Nein sagen“ zusammenzufassen. Denn wenn die Kinder gelernt haben über ihren Körper selbst bestimmen zu dürfen, sollen sie auch gleich die Erfahrung machen „Nein“ zu sagen, wenn etwas mit ihnen geschehen sollte, was sie nicht möchten.

1.2.3 Begründungfür dieAuswahl des Themas

Wie bereits erwähnt, haben mich die zahlreichen und erschreckenden Medien­berichte über sexuelle Gewalt an Kindern mehr über diese Thematik und über Präventionsmöglichkeiten nachdenken lassen. Nach einigen Recherchen entschloss ich mich, den brisanten und heiklen Sachverhalt in meinem Unterricht aufzugreifen. Mit meiner Arbeit möchte ich auch anderen Mut machen, diese Thematik anzugehen und sich zum Teil auch der Unterstützung professioneller Institutionen zu bedienen.

1.2.3.1 Bedeutsamkeitfür die Schüler

Die heutige Lebenswelt der Kinder ist von einem extremen Medienkonsum geprägt. Somit kommen sie des Öfteren in Kontakt mit dem Thema des sexuellen Missbrauchs und möchten meistens von ihren Eltern über dessen Bedeutung aufgeklärt werden.

Viele Kinder sind bereits mit Prävention aufgewachsen, nämlich mit der Warnung vor fremden Männern, die Kindern Süßigkeiten anbieten oder diese im Auto mitnehmen möchten. Wir alle haben gehört: „Geh' nicht im Dunkeln weg! - Geh' mit keinem Fremden mit! - Steig nicht in fremde Autos!“ etc. Diese Prävention gibt keine Sicherheit, sondern falsche Informationen.15

Heutige Präventionsprogramme haben nicht das Ziel durch pure Abschreckung sexuellen Missbrauch zu verhindern. Vielmehr müssen als Basis vorbeugender Arbeit Kinder gestärkt werden. Diese Stärkung muss sich sowohl auf das Selbstbewusstsein als auch auf die Rechte der Kinder beziehen und schließlich dahin gehen, ihre Autonomie und ihr sexuelles Selbstbestimmungsrecht zu steigern. Des Weiteren muss präventive Arbeit Kinder ermutigen, ihrem Gefühl zu vertrauen und Hilfspersonen von Übergriffen zu erzählen. Sie sollen so selbstbewusst werden, dass sie in der Lage sind, gefährliche Situationen und Übergriffe zu erkennen. Außerdem sollte ihnen das Gefühl vermittelt werden, dass sie sich wehren dürfen.

Um diese Ziele zu erreichen, müssen den Kindern Informationen über den Sachverhalt des sexuellen Missbrauchs gegeben und in kindgerechter Form erklärt werden.16 „Denn nur wer aufgeklärt ist über seine Rechte und Klarheit hat über mögliche Gefahren, kann mutig sein und sich Hilfe holen.“17

1.2.3.2 Kompetenzen

Die in Punkt 1.2.3.1 erwähnten Ziele der Präventionsarbeit möchte ich im folgenden Abschnitt auf die vier Aspekte der Lernkompetenz übertragen.

Durch die Stärkung des Selbstbewusstseins, des Selbstvertrauens und die Erweiterung der Wahrnehmungsfähigkeit erfolgt die Schulung der Selbstkompetenz. Auch sollen die Schüler lernen ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse wichtig zu nehmen und sich nicht manipulieren zu lassen.

Das soziale Lernen fördert die Schulung der Sozialkompetenz. Aufgrund der vereinzelt eingesetzten Teamarbeit und Spiele werden gegenseitige Rücksichtsnahme und Kommunikation geschult. Des Weiteren lernen die Schüler sich gegenseitig zu Helfen, auf das Verhalten anderer einzuwirken und Gefühle anderer besser wahrzunehmen.

Im Laufe der Unterrichtseinheit wenden die Kinder unterschiedliche Methoden an. Unter anderem fertigen sie eine Gefühlscollage an und erstellen ein Gefühlscluster. Des Weiteren werden verschiedene Spiele gespielt, Plakate präsentiert, argumentiert und kommuniziert, usw. Somit wird die Methodenkompetenz der Schüler geschult. Die Kinder erwerben Kenntnisse über Gefühle, Körpersprache, Berührungen, Geheimnisse, Selbstverteidigung, das Recht Nein zu sagen, Hilfe holen und vieles mehr. Dadurch ist die Schulung der Sachkompetenz gewährleistet.

1.2.4 Rahmenbedingungen
1.2.4.1 Inhaltsspezifische Lernvoraussetzungen bei den Schülern

Seit August 2009 unterrichte ich in der dritten Klasse der Grundschule R. in Z. Die Sitzordnung gestaltet sich seit Beginn des Schuljahres nach Geschlechtern getrennt. Nach den Pausen beschwerten sich öfters die Mädchen empört darüber, dass die Jungen sie immer ärgern. Im Laufe der Zeit ist mir auch aufgefallen, dass mehrere Mädchen begonnen hatten mehr Wert auf ihr Äußeres zu legen. Es kursierten die ersten Liebesbriefe, deren Inhalte zunächst heftigst dementiert wurden. Die Jungs hörte ich manchmal über das Wort „Sex“ kichern und ich wurde auch mehrmals von ihnen gefragt, ob wir in diesem Schuljahr noch etwas über das Thema Sexualerziehung lernen würden.

Da die Thematik des sexuellen Missbrauchs stark mit der Sexualerziehung zusammenhängt und die Kinder noch keine unterrichtlichen Vorerfahrungen dazu besitzen, habe ich mich in Absprache mit der Klassenlehrerin dazu entschieden, die Einheit zur Sexualerziehung parallel zu meiner Unterrichtseinheit „Ich sage Nein!“ durchführen zu lassen. Denn das Vorhandensein einer angemessenen Sprache über Körperteile und Sexualität stellt eine wichtige Voraussetzung dar, um über sexuellen Missbrauch zu sprechen.18 Trotzdem wollte ich das Thema des sexuellen Missbrauchs nicht als Teil der Sexualerziehung vermitteln, da sonst bei den Kindern fälschlicherweise der Eindruck entstehen könnte, es handle sich hierbei um eine falsche, unangemessene Form der Sexualität, anstatt um eine Form der Gewalt- und Machtausübung.

1.2.4.2 Die Rolle des Lehrers

Lehrern kommt bei der Prävention von sexuellem Missbrauch eine wichtige Aufgabe zu. Sie haben in ihrer Funktion einen entscheidenden Einfluss auf die Erziehung und Sozialisation der Kinder. Die Entwicklung der Schüler unterliegt unter anderem ihrer Verantwortung. Der tägliche Kontakt zu den Schülern ermöglicht es ihnen Prävention situations- und anlassbezogen in den Unterricht zu integrieren. Zudem können sie, im Gegensatz zu externen Helfern, Verhaltensänderungen und - auffälligkeiten der Kinder besser wahmehmen und sensible Nachforschungen hinsichtlich ihrer Ursache betreiben.

Des Weiteren muss vor Beginn der Präventionsarbeit eine umfassende Selbstreflexion des Lehrers, welche die Auseinandersetzung mit dem Thema und der damit verbundenen eigenen Gefühlswelt beinhaltet, gegeben sein.19 Auf Grund dessen habe ich mich vor der Durchführung der Einheit ausführlich über das Thema des sexuellen Missbrauchs informiert und meine Gefühle diesbezüglich geordnet. Ich habe versucht die Unterrichtssequenzen kindgerecht, informativ und methodisch abwechslungsreich zu gestalten.

1.2.4.3 Elternarbeit

Voraussetzung der primärpräventiven Arbeit ist die Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus. Für viele Eltern ist das Thema sexueller Kindesmissbrauch wie ein rotes Tuch. Verständlicherweise versetzt der Gedanke daran, dass dem eigenen Kind so etwas zustoßen könnte, viele Eltern in große Angst. Um ihnen ein wenig dieser Angst zu nehmen und gleichzeitig Tipps zur Prävention zu geben, sollten pädagogische Einrichtungen den Eltern Informationen über sexuellen Missbrauch vermitteln und Anregungen und Hilfestellungen geben, wie auch sie in ihrer Erziehung vorbeugend tätig werden können.20

Ich habe die Eltern frühzeitig in Form eines Eltembriefes (siehe Anhang, S.38 f.) über die geplante Unterrichtseinheit „Ich sage Nein!“ informiert und sie zu einem Eltemnachmittag eingeladen. In der Einladung habe ich die Thematik des sexuellen Missbrauchs ausdrücklich erwähnt.

Zum Elternnachmittag erschienen neun Mütter. Nach einer kurzen Begrüßung und einer Übersicht über den Nachmittag gab ich den Eltern eine Information über die Themenschwerpunke der geplanten Unterrichtseinheit. Danach folgte ein kurzer Vortrag meinerseits über das Thema des sexuellen Missbrauchs. Dazu hatte ich auch eine Informationsbroschüre für die Eltern (siehe Anhang, S.41 ff.) vorbereitet, die sie mitnehmen konnten. Im Anschluss hatten die Mütter die Möglichkeit Fragen zu stellen und die Materialien, wie Arbeitsblätter, Bilderbücher etc., welche ich für die Unterrichtseinheit vorbereitet hatte, einzusehen.

Am meisten interessierten sich die Eltern für das Bilderbuch „Das kummervolle Kuscheltier“, das den sexuellen Missbrauch thematisiert und bildlich darstellt. Alle Mütter waren der Meinung dieses Bilderbuch sei eine geeignete und kindgerechte Methode, um dieses Thema den Kindern nahe zu bringen. Auch erhielt ich von den Eltern hohe Zustimmung diese heikle Thematik im Unterricht aufzugreifen. Eine Mutter berichtete mir über ihren Sohn, welcher gerne Zeitung liest. Da sexueller Missbrauch vor allem in den letzten Monaten fast täglich in den Zeitungen vertreten ist, stieß dieser Junge auf einen solchen Artikel und bat die Mutter um mehr Informationen zu diesem Thema. Sie war im ersten Moment überfordert und wusste gar nicht, wie sie ihrem Kind Informationen geben könnte, ohne es zu verunsichern oder ihm Angst zu machen. Deshalb empfand sie es auch als sinnvoll dieses Thema im Unterricht zu behandeln.

Ich war sehr froh über die einvemehmliche Zustimmung der Eltern und hoffte ihnen im Rahmen dieses Nachmittags und auch mit der Elternbroschüre genügend Informationen gegeben zu haben, um auch zu Hause mit ihren Kindern über diese Thematik sprechen zu können. Des Weiteren bot ich den Eltern an, michjederzeit bei Fragen zu kontaktieren oder bei mir Literatur zu diesem Thema auszuleihen.

Mit dem Verlauf des Nachmittags bin ich sehr zufrieden und erleichtert über die Reaktionen der Eltern.

1.2.5 Grenzen

Die präventive Arbeit zum sexuellen Missbrauch bringt nicht nur Vorteile, sondern auch einige Gefahren mit sich.

Durch das Präventionsprogramm könnte bei den Kindern der Eindruck entstehen, dass sie injedem Falle einen sexuellen Missbrauch verhindern könnten, da siejajetzt aufgeklärt sind und auch wissen, dass man sich wehren muss. Die Kinder könnten zu der Schlussfolgerung gelangen, dass sie sich falsch verhalten haben und selbst dazu beigetragen haben, wenn es zu einem sexuellen Missbrauch gekommen ist. Gerade im Rahmen der Selbstverteidigungsübungen könnten die Schüler denken, sie wären gleichstark oder sogar stärker als die Täter, weil sieja nun einige Tricks kennen. Damit die Kinder gar nicht erst auf solche Gedanken kommen, werde ich im Laufe meiner Einheit immer wieder betonen, dass Erwachsene immer stärker als Kinder sind. Die Selbstverteidigungshandgriffe sind auch nicht dazu da, den Täter zu „besiegen“, sondern um ihn zu überraschen und diesen Überraschungsmoment der Gegenwehr zu nutzen, um eventuell wegzulaufen oder um Hilfe zu schreien. Denn jeder Täter geht davon aus, dem Kind überlegen zu sein und rechnet nicht mit Gegenwehr. Genau dies sollen die Kinder zu ihrem Vorteil nutzen. Auch der Leiter des Selbstverteidigungskurses wird noch mal betonen, dass Erwachsene immer stärker sind als Kinder und wird ihnen dies auch an einem praktischen Beispiel demonstrieren. Weiterhin wird er verdeutlichen, dass diese Handgriffe nicht dazu da sind den Erwachsenen zu überwinden und dass es auch passieren kann, dass trotz heftiger Gegenwehr ein sexueller Missbrauch stattfindet. Außerdem werde ich mit den Schülern erarbeiten, warum Erwachsene den Kindern so etwas antun und dass dies nie die Schuld der Kinder ist.

Ein weiteres Problem könnte die Inkongruenz zwischen den Programmzielen und den Erziehungszielen der Eltern sein. „Wenn Eltern nicht wissen, wie eine präventive Erziehung aussieht und warum bestimmte Verhaltensweisen mit ihren Kindern geübt werden, werten sie das neue selbstbewusstere Verhalten ihrer Kinder vielleicht nicht positiv, sondern betrachten es als aufmüpfiges und ungehorsames Verhalten, das untersagt werden muss.“21

Beim Eltemnachmittag habe ich die anwesenden Mütter darüber informiert, was ich im Laufe der Unterrichtseinheit mit den Kindern vorhabe und dass die Einheit auch das Neinsagen beinhaltet. Ich habe ihnen auch erklärt, wieso dies wichtig ist. Von Bedeutung ist ebenso, auch mal ein Nein ihrer Kinder zu akzeptieren, wenn ein Kind beispielsweise ein Küsschen von der Mutter ablehnt oder sagt, dass es nicht mag, wenn der Vater ihm dauernd übers Haar streichelt. Alle Anwesenden haben mit Verständnis reagiert und mir zugesichert zu Hause stärker auf ihr eigenes Verhalten zu achten.

Die nicht anwesenden Eltern versuchte ich in einem Gespräch, wenn sie beispielsweise ihr Kind nach der Schule abholten, über diese Thematik und meine Vorgehensweise aufzuklären. Um die Selbstsicherheit und das Selbstbewusstsein ihrer Kinder zu fördern, legte ich den Eltern nahe, gerade jetzt empfänglich für Fragen zu sein.

2 Methodischer Schwerpunkt der Arbeit

2.1 Fächerübergreifender Unterricht

2.1.1 Begriffsbestimmung

Stübig verwendet den Begriff des fächerübergreifenden Lernens „als Oberbegriff für ein schulisches Lehr- und Lemarrangement, in dem die Gegenstände und Methoden von wenigstens zwei Schulfächern gleichzeitig zur Bearbeitung einer unterrichtlichen Fragestellung bzw. eines Themas herangezogen werden.“22 Charakteristisch für den fächerübergreifenden Unterricht ist weiterhin, dass ein Thema ohne Rücksicht auf die Abgrenzung wissenschaftlicher Fachgebiete allseitig beleuchtet und ganzheitlich behandelt wird. Dabei soll nicht auf fachliche Inhalte verzichtet werden, diese sollen aber in Lebenszusammenhänge integriert werden und komplexere gesellschaftliche, soziale, ethische, ökonomische, technologische und ökologische Inhalte sollen zugelassen werden, sodass ihre Zusammenhänge erkennbar werden.23

Bei fächerübergreifendem Unterricht gibt es jeweils ein vom Lehrer ausgesuchtes Leitfach, das in der Regel das Thema vorgibt.24 So hat es sich bei meiner Unterrichtseinheit angeboten, den Sachunterricht zum Leitfach zu bestimmen, welcher im Vergleich zu den anderen Fächern, wie Deutsch, Musik, Sport und Kunst von der Anzahl der Stunden überwiegt.

2.1.2 Zielefächerübergreifenden Unterrichts

Fächerübergreifender Unterricht ist notwendig, um zu einer umfassenden Allgemeinbildung beizutragen und die Begrenztheit der Fächer zu überwinden. Seine Ziele sind zunächst bei den Defiziten des Fachunterrichts zu finden. Anstatt die Schüler „mit Scheuklappen versehen an die Wirklichkeit heranzuführen“, sollen Überblick, Orientierung und Einsicht in strukturelle Zusammenhänge angestrebt werden.25

Folgende Zielsetzungen zeichnen sich bei den meisten Autoren ab:

Ganzheitlichkeit

Fächerübergreifender Unterricht ermöglicht in einer Schule, die sich als Lebens- und Erfahrungsraum versteht, sinnvolles Lernen in Zusammenhängen und eine verstärkte Orientierung an der Lebenswirklichkeit der Kinder. „Durch eine Vernetzung der verschiedenen Unterrichtsfächer sollten die Schüler in die Lage versetzt werden, Zusammenhänge zwischen den Fächern zu erkennen und die Methoden der verschiedenen Fächer bei der Bearbeitung von Problemstellungen produktiv miteinander zu verbinden.“26 Beim fächerübergreifenden Arbeiten wird zudem kognitives, emotionales und praktisches Lernen miteinander verbunden und somit ein Lernen mit allen Sinnen ermöglicht.

Problemorientierung

Statt an der Fachsystematik soll sich das Lernen im fächerübergreifenden Unterricht an gesellschaftlich relevanten, praktischen Problemen orientieren. Selbstbestimmungs-, Mitbestimmungs-, Solidaritäts- und Handlungsfähigkeit sollen bei der Auseinandersetzung mit Schlüsselproblemen gefördert werden.

Vertiefung und Ergänzung des fachlichen Lernens

Die schulische Fächerauswahl wird durch die Behandlung übergreifender bzw. spezieller Themen und Probleme ergänzt. Erworbenes Wissen wird zur Lösung von Problemen angewendet und damit wird die Bedeutsamkeit des Fachwissens für künftige Verwendungssituationen erhöht.

Perspektivenw echsel

Nach Krause-Isermann geht es im fächerübergreifenden Unterricht mit der Zielvorstellung des Perspektivenwechsels um „die Reflexion von Fächern, um die Einsicht in die Perspektivität der Erkenntnis und um die Fähigkeit gewohnte Perspektiven zugunsten anderer zu wechseln.“27 Weiterhin werden auch die Akzeptanz fremder Perspektiven sowie die Weiterentwicklung der eigenen Perspektive als Ziele genannt.

Erwerb 'von Schlüsselqualifikationen

Fächerübergreifender Unterricht zielt vor allem auf logisches, selbständiges, anwendungsbezogenes Handeln und Denken. Er ist besonders geeignet zum Erlernen und Anwenden kooperativer, über das einzelne Fach hinausgehender Arbeitsformen. Damit wird die Methodenkompetenz geschult. Des Weiteren leistet er einen Beitrag zur Persönlichkeitsbildung der Schüler. Er macht sich die Kritik- und Urteilsfähigkeit, Verantwortungsbereitschaft, Kommunikations- und

Kooperationsfähigkeit und Planungskompetenz zum Ziel. Außerdem fördert er das Zutrauen in die eigene Selbstwirksamkeit. Damit wird Sozial- und Personalkompetenz erworben.28

2.1.3 Formen fächerübergreifenden Unterrichts

Es gibt verschiedene Versuche, fächerübergreifendes Lehren und Lernen in Modelle einzuteilen und zu benennen. Im Folgenden beziehe ich mich auf die Einteilung von Huber29, der fünf Grobformen unterscheidet:

- Fächerüberschreitendes Lernen,
- Fächerverknüpfendes Lernen,
- Fächerkoordinierendes Lernen,
- Fächeraussetzendes Lernen,
- Fächerergänzendes Lernen.

Diese orientieren sich am Kriterium der Art der Unterrichtsorganisation.

[...]


1 Anm. : Ich werde im Verlauf meiner Arbeit, aus Gründen der flüssigeren Lesbarkeit, immer den männlichen Terminus verwenden. Dieser steht stellvertretend für beide Geschlechter.

2 vgl. May, 1997, S.220

3 Amann/Wipplinger (Hrsg.) 1997, S.31

4 vgl. Koch/Kruck, 2000, S.5

5 Engfer in: Markefka/Nauck, 1993, S.622

6 vgl. Deegener, 2009, S.89

7 Die Einteilung wurde in Anlehnung an Deegener, 2009, S.109 f. vorgenommen.

8 vgl. Koch/Kruck, 2000, S.28

9 vgl. Hane, 1996, S.89

10 vgl. Koch/Kruck, 2000, S.33

11 Koch/Kruck, 2000, S.33

12 vgl. May, 1997, S.26

13 http://www.kmk.org/fileadmin/pdf/PresseUndAktuelles/2010/Handreichung-zu-sexuellen- Missbrauchsfaellen-Gewalthandlungen.pdf

14 vgl. Koch/Kruck, 2000, S.41f.

15 vgl. Braun, 1992, S.16

16 vgl. Koch/Kruck, 2000, S.41

17 Koch/Kruck, 2000, S.41

18 vgl. May, 1997, S.19

19 vgl. Bange/Kömer, 2002, S.438

20 vgl. Schult, 2001, S.33

21 Koch/Kruck, 2000, S.51

22 Stübig in: Blömeke, 2009, S.313

23 vgl. Duncker/Popp, 1998, S.9 f.

24 vgl. Peterßen, 2000, S.80

25 vgl. Dethlefs-Forsbach, 2005, S.174

26 Bastian in: Dethlefs-Forsbach, 2005, S.174

27 Krause-Isermann in: Dethlefs-Forsbach, 2005, S.175

28 vgl. Dethlefs-Forsbach, 2005, S.174ff.

29 Huberin: Moegling, 1998, S.57f.

Details

Seiten
57
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656275169
ISBN (Buch)
9783656307136
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200180
Institution / Hochschule
Staatliches Studienseminar für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen in Kusel
Note
1,7
Schlagworte
sexueller Missbrauch fächerübergreifend sachunterricht 3.Schuljahr

Autor

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Titel: "Lass mich in Ruhe!"- eine fächerübergreifende Unterrichtseinheit zum sexuellen Missbrauch an Kindern (3. Schuljahr)