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Rechtsstaatliche Prinzipien der Gerechtigkeit und Freiheit unter dem Aspekt der philosophischen Anthropologie und der Sozialen Arbeit

Hausarbeit 2009 14 Seiten

Pädagogik - Wissenschaft, Theorie, Anthropologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Descartes: Ein Wissenschaftler ruft zum Zweifeln auf.

2. Hobbes: Pakt der Wölfe

3. Lo>

4. Rousseau: Die Befreiung des angeketteten Menschen..

5. Umsetzung der philosophischen Denkansätze in der Praxis der sozialen Arbeit

6. Quellenverzeichnis

Einleitung

Gerechtigkeit und freie Entfaltung sind Schlüsselbegriffe im demokratischen Werteverständnis. Jeder Bürger fordert Gerechtigkeit an sich selbst ein und alle Menschen begehren nach freier Entfaltung. Um den Einzelnen in der menschlichen Gemeinschaft vor Missbrauch und Unterdrückung zu schützen wird im deutschen Grundgesetz klar dargestellt, dass die Gleichberechtigung zu den unveräußerlichen Menschenrechten in der Welt zählt und sich jeder Mensch frei entfalten darf. Untermauert werden diese Gedanken dadurch, dass die Freiheit als unantastbar gilt und nur aufgrund von Gesetzen eingeschränkt werden darf gemäß Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art. 1 Abs. 2 und Art. 2 Abs. 1.1

Die deutsche Verfassung basiert bereits teilweise in ihrem Grundkonzept auf dem klassischantiken römischen Recht, jedoch Philosophen wie René Descartes, Thomas Hobbes, John Locke und Jean-Jacques Rousseau sind als Ideenväter und Vordenker des heutigen Demokratieverständnisses und dem Regelwerk des gemeinschaftlichen, gesetzlich überwachten Staatsapparats zu betrachten. Aus ihren Überlegungen heraus prägt sich unser Wertesystem und ihre Thesen prägen auch die Praxis bei der Urteilsfindung in der sozialen Arbeit.

Diese Arbeit soll unter Einbringung der philosophischen Denkansätze der Aufklärungszeit dar- stellen, wie frei der Einzelne in der Neuzeit sein kann. Des Weiteren soll untersucht werden, wie Gerechtigkeit im sozialen Kontext gesellschaftlich umgesetzt werden kann. Dazu wird im ersten Teil Descartes‘ Idee von freiem Denken dargelegt. Anschließend wird im zweiten Abschnitt die- ser Arbeit Hobbes‘ Ansatz der Volksvereinigung per Vertrag betrachtet. Das dritte Kapitel dieser Arbeit stellt Lockes Gewaltenteilungsmodell vor, gefolgt von Rousseaus Thesen zur Abschaffung der Herrschaft von Menschen über Menschen im vierten Abschnitt. Die Arbeit ist analytisch auf- gebaut unter Einbeziehung von Primär- und Sekundärliteratur zur Herleitung der Theorien und hinführend zur Kernfrage: Wie gerecht ist man in der Praxis der sozialen Arbeit und geht soziale Arbeit ohne Beschneidung der freien Handlungsräume und Entmündigung der betreuten Person einher.

1. Descartes: Ein Wissenschaftler ruft zum Zweifeln auf

Der Anspruch sich frei entwickeln zu können beinhaltet gleichsam den Anspruch den Geist frei entfalten zu dürfen und Dinge zu hinterfragen bzw. Sachverhalte in Frage zu stellen. René Descartes (1596-1650) ist einer der bedeutendsten Vertreter der Renaissance und ist einzu- ordnen in die Riege der Rationalisten, welche den Gedanken des Seins und die Deutung der Din- ge bzw. Welt nach Platons Grundidee vornehmen. Descartes‘ Grundgedanke ist die moderne Wissenschaft. Er sagt, die Vernunft sei die einzig sichere Quelle der Erkenntnis, weil Sinne den Menschen täuschen können. Die Grundlage der Erkenntnistheorie sind nicht die Sinne, die zu neuen Denken führen, allerdings das Denken über die Sinne führt zur Erkenntnis.2 Descartes sucht den Ausgangspunkt des Denkens und greift zurück auf die Idee von Gott als „Beweger“. Er geht davon aus, dass es etwas oder jemanden gibt, der oder das das Denken bewo- gen hat und baut somit eine Parallele zu Thomas von Aquins Theorie vom „ersten Beweger“, welcher bereits meinte, dass es jemanden geben muss, der die Welt bewegt, da sich die Welt verändert. Somit ist René Descartes einzuordnen als Vorreiter für das heutige Denken vom Prin- zip der Kausalität und Ideengeber des axiomatisch, deduktiven Denkens.3 Ausgehend von der Frage, ob es einen Gott als „letzten Beweger“ gibt, stellt sich seiner Meinung nach die Frage, ob Gott dann auch etwas Böses veranlassen würde, durch dass vielen Menschen nur Leid zugeführt wird (so wie z.B. Krieg oder Hungersnot). Als naturwissenschaftlicher Denker meint Descartes dazu, dass die Menschen von dem „letzten Beweger“ manchmal etwas Falsches verstehen, von dem was Gott meint.4 Sein Grundgedanke ist, um etwas verstehen zu können, muss der Mensch an seinem Grundverständnis zweifeln, denn nach Descartes kann man sich niemals sicher sein, dass einem die Sinne nicht getrübt sind. Im Werk „Discours“ benennt er dies „bon sens“, was ins Deutsche mit „gesunder Menschenverstand“ übersetzt werden kann.5 Hierzu heißt es bei Holz: „Im ‚bon sense‘ schwingt immer eine kritische Note, eine skeptische Kritikbereitschaft mit.“6 Descartes sagt, nichts ist sicher, außer dem Zweifel, d.h. man kann sich nichts und niemanden sicher sein. Diese Auffassung drückt sich in seinem Ausspruch aus: „Zweifele stets, denn die erste Idee ist nicht immer die grundsätzlich Richtige!“7 Insofern ist das einzig Sichere, woran man nicht zweifeln muss, der Zweifel an sich, weil er das einzig Wahre ist, da man ihn ständig hat.8 Die Basis für den Zweifel ist die Wirkung der Tatsache, dass wir denken können. Folglich handelt es sich um eine abgeleitete Tatsache. Die Erkenntnis, dass Zweifel Neuerungen bewirken, hat dazu geführt, dass das gesellschaftliche Leben neu überdacht wurde. Gott stand nicht mehr alleine im Mittelpunkt und der Glaube diktierte nicht mehr das Leben der Menschen, sondern sie wollten jetzt selbst an der Gestaltung ihres Lebens teilnehmen. Der Brite Thomas Hobbes, welcher nun besprochen wird, stellt hierzu Thesen auf, wie eine Gesellschaft organisiert werden kann und stellt damit erste Ideen einer Demokratieform vor.

2. Hobbes: Pakt der Wölfe

Thomas Hobbes (1588-1679) gilt als einer der bedeutendsten Vertreter der damals vorherr- schenden Auseinandersetzung mit der aristotelischen Scholastik und folgt somit dem Zeitgeist der Renaissance, aber auch dem Denkmodell von René Descartes.9 Als Gegner des königlichen Denkens musste Hobbes aufgrund von politischer Vertreibung 1640 England verlassen und schrieb 1651 im Exil in Paris sein staatstheoretisches Hauptwerk „Der Leviathan“. Darin stellt er dar, was passiert, wenn die zentrale politische Macht aufgelöst werden würde. Hobbes sagt, dass, wenn alle Menschen gesellschaftslos leben würden, sich aus psychologischer Sicht eine Situation ergeben würde, durch die sich alle aufgrund des Selbsterhaltungstriebes bekriegen würden. Um sich vor gegenseitigen Übergriffen zu schützen, ist die Existenz einer Zentralmacht empfehlens- wert, die als Souverän auftritt und aufgrund seiner Macht und zur Wahrnehmung seiner Funktion Gesetze erlässt, richtet, straft, die Verteidigungsgewalt inne hat und Zensur vornimmt. Somit ist der Leviathan ein durch das Volk bestimmtes Machtorgan zur „Kontrolle“ der Demokratie, wobei er im absoluten Staat verherrlicht ist. 1666 kehrte Hobbes nach England zurück, hegte allerdings den Anspruch, dass Lehre und politische Exaktheit auf die Wissenschaft zu übertragen sind und wendet, wie Descartes, das axiomatische Denkverhalten an. Hobbes‘ Axiom ist eine anthropolo- gische Theorie des Menschen. Er formulierte die These, dass der Mensch von Natur aus ein Ego- ist ist und die Haupteigenschaft des Menschen in seinem Selbsterhaltungstrieb liegt.10 Daher ist der Mensch laut Hobbes im Naturzustand des Krieges gegen Alles als ein besonderes Tier anzu- sehen mit der Gemeinsamkeit der Begierde zur Existenzsicherung und des Überlebens. Unter- mauert wird diese Aussage in Hobbes Worten: „… dass der natürliche Zustand der Menschen, bevor sie zum Staat zusammentraten, der Krieg gewesen ist, und zwar … der Krieg aller gegen alle (bellum omnium contra omnes)“.11 Der Grundunterschied von Hobbes Überlegung im Ver- gleich zu Aristoteles liegt darin begründet, dass der Mensch sich vom Tier nur dadurch unter- scheidet, indem er mittels der Vernunft über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft über seine Begierde regiert und diese planen kann. Aufgrund dieser Tatsache ist der Mensch nach Hobbes das räuberischste und mächtigste Tier. Der Mensch bemächtigt sich also zur Befriedigung Allem und durch den egoistischen Antrieb wird jeder Mensch zum Feind eines jeden anderen Men- schen. Diese theoretische Aussage fasst Hobbes zusammen in der Widmung seines Werkes „De Cive“, die Hobbes an William Cavendish richtet, in dem Satz: „Der Mensch ist ein Wolf für den Menschen …“12 Nach Hobbes kann nur durch die Triebdämpfung bzw. Unterdrückung ver- sucht werden dem Lebenswillen eines jeden Menschen gerecht zu werden. Bedingungen sind Frieden zum absoluten Zweck menschlichen Zusammenlebens und ein vertraglich geregeltes Zusammenschließen aller Menschen zu einem Volk. Somit ist Hobbes richtungsweisend für die heutige Staatsform, Verfassung und der Gewaltmonopolstellung eines Staates, wobei Gewalt nur noch als Friedenssicherung legitim ist. Geplant als Vertrag zwischen Menschen zur Verhinderung des gegenseitigen Abschlachtens aus „selbst-richterlichem“ Ermessen (Selbstjustiz) und zum gemeinschaftlich geregelten Zusammenleben wurde der Leviathan allerdings zum „sterblichen Gott“ stilisiert und gelangte qua Vertrag zur alleinigen Macht über Politik und Justiz.13 Hobbes‘ gute Grundidee wurde dadurch missbräuchlich interpretiert zur diktatorischen Gewaltherrschaft mittels eines Herrschers über viele Einzelne und somit stand Freiheit individueller Willkür ge- genüber, weil Hobbes den Schutz des einzelnen Menschen vor der absoluten Staatsgewalt des Leviathan durch die Übertragung aller Rechtslegtimationen übersah. Das Risiko einer Diktatur ausgehend von Hobbes‘ Leviathan wurde von John Locke erkannt, welcher nunmehr vorgestellt wird. Locke entwickelte eine staatspolitische Idee von mehr Mitbestimmungsrecht des Einzelnen und ebnete somit den Weg zu einer Demokratieform, die als richtungsweisend angesehen werden kann.

3. Lo>

John Locke (1632-1704) ist ein Hauptvertreter des britischen Empirismus. Zentral in seiner Er- kenntnistheorie ist der Begriff „Idee“ oder Vorstellung.

[...]


1 vgl. Grundgesetz 2007, S. 15

2 vgl. Holz 1994, S. 58

3 vgl. Kunzmann/Burkard/Wiedmann 2007, S. 105

4 vgl. Holz 1994, S. 60

5 vgl. ebd., S. 59

6 ebd., S. 59

7 Descartes, zit. nach Heller 2000, S. 107

8 vgl. Holz 1994, S. 67

9 vgl. Hügli/Lübcke 1991, S. 283

10 vgl. ebd., S. 285

11 Hobbes, zit. nach Kunzmann/Burkard/Wiedmann 2007, S. 117

12 Hobbes 1918, S. 63

13 vgl. Kunzmann/Burkard/Wiedmann 2007, S. 117

Details

Seiten
14
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656265566
ISBN (Buch)
9783656265863
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200130
Institution / Hochschule
Hochschule Neubrandenburg
Note
1,0
Schlagworte
rechtsstaatliche prinzipien gerechtigkeit freiheit aspekt anthropologie sozialen arbeit

Autor

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Titel: Rechtsstaatliche Prinzipien der Gerechtigkeit und Freiheit unter dem Aspekt der philosophischen Anthropologie und der Sozialen Arbeit