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Der Weg der Reformation bis 1530 bei Luther und Zwingli

Ein Vergleich

Hausarbeit 2010 23 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhalt

1. Reformation gleich Revolution? – Vorbetrachtungen

2. Martin Luther

3. Huldrych Zwingli

4. Die reformatorische Bewegung

5. Der Bauernkrieg

6. Der Reichstag zu Augsburg 1530

7. Literaturnachweis

Die Reformation führte in Europa zu gewaltigen Umwälzung. Anfangs als innerkirchliche Auseinandersetzung begonnen, führte sie zu tiefgreifenden sozialen und politischen Veränderungen. Ein Ergebnis ist noch heute die Vielzahl evangelisch-protestantischer bzw. reformierter Kirchen. In dieser Arbeit möchte ich einen Überblick über die Reformation bis 1530 am Vergleich der Vertreter Martin Luther und Huldrych Zwingli geben. Dazu werde ich auch auf den Lebensweg der genannten Vertreter eingehen. Auch der Verlauf der Reformation und die Auswirkungen sollen beleuchtet werden. Es besteht in dieser Arbeit kein Anspruch auf Vollständigkeit; zu vielfältig sind die Quellen und Veröffentlichungen. Viele Akteure der Reformation können nur am Rande erwähnt werden.

1. Reformation gleich Revolution? – Vorbetrachtungen

„Revolution: (lat.) R. bezeichnet eine schnelle, radikale (i.d.R. gewaltsame) Veränderung der gegebenen (ökonomischen, politischen, sozialen) Bedingungen. Politische R. zielen i.d.R. auf die Beseitigung der bisherigen politischen Führer und die Schaffung grundsätzlich neuer Institutionen, verbunden mit einem Führungs- und Machtwechsel. Ziel der bewusst herbeigeführten, tiefgreifenden Veränderungen ist es, mit einem politischen Neuanfang die bisherigen Probleme und Machtstrukturen zu beseitigen und radikal Neues an ihre Stelle zu setzen (z.B. neue Machtstrukturen, neue Eliten, neue Eigentumsverhältnisse, eine neue [Verfassungs-]Ordnung etc.).“[1]

Nach dieser Definition ist es durchaus angemessen, im Zusammenhang mit der Reformation von einer Revolution zu sprechen. Denn, wo die Reformation politisch durchgesetzt wurde, wurde die Enteignung des kirchlichen Vermögens und dessen Übertragung an die Fürsten bzw. die Stadt vollzogen und damit unter neue Eigentums- und Rechtsformen gestellt. Die politische Sonderstellung des Klerus wurde beseitigt, die Fürsten bzw. die Stadträte traten an ihre Stelle. Die Kirche musste sich personell restrukturieren. Vor allem anderen war es die Theologie Martin Luthers, die den gesellschaftlichen Prozess der Reformation in Gang setzte. Luther widerlegte die Lehre und Praxis der bestehenden Kirche in ihren Grundsätzen. Die grundlegenden Glaubenssätze Luthers wurden von allen verschiedenen reformatorischen Strömungen und Theologien übernommen: sola gratia, sola fide, sola scriptura. Auch das daraus gefolgerte ekklesiologische Prinzip des allgemeinen Priestertums aller Gläubigen. Allerdings waren die Auslegungen und Folgerungen aus diesen reformatorischen Prinzipien sehr unterschiedlich. Das führte soweit, dass sich einige reformatorische Bewegungen von Luther abwandten und andere Konsequenzen zogen.

Nachdem ich hier nun zunächst die individuelle Bedeutung Luthers und seiner Theologie für die Reformation herausgestellt habe, ist im Gegenzug aber die soziologische Sichtweise zu betonen: Luthers Theologie kam nur zur Geltung, weil sich soziale, politische und selbst wirtschaftliche Interessen mit der neuen evangelischen Lehre, mit deren Ablehnung des Papsttums, der weltlichen Herrschaft der Kirche, der Sonderstellung der Geistlichkeit usw. verbinden konnten. In der Reformation brachen die zuvor latenten sozialen Spannungen und Interessensgegensätze aufgrund der neuen Sichtweisen und Orientierungen, die die evangelische Lehre vermittelte, in massiver Weise auf. Nicht nur Kirchenkritik, sondern auch Sozial- und Herrschaftskritik allgemein wurden aus der neuen evangelischen Lehre gefolgert und durch sie entscheidend angestoßen. Ohne diese Befähigung auch zur sozialen und politischen Kritik wäre Luthers Theologie bedeutungslos oder von geringer Bedeutung geblieben.[2]

2. Martin Luther

Martin Luther wurde 1483 in Eisleben in Thüringen geboren. Er entstammte, wie andere Reformatoren, einer Familie im sozialen Aufstieg.[3] Luthers Vater war Bauernsohn, der im Bergbau, der seit 1470 einen neuen wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr, Arbeit fand. Zunächst in Eisleben als Hauer unter Tag tätig, ging Luthers Vater dann in die Bergbaustadt Mansfeld (im östlichen Harz), wo er in die Kupferverhüttung investierte und als Montanunternehmer zu wirtschaftlichem Erfolg und sozialem Ansehen gelangte. Hans Luder, der Vater, wurde ins Gremium der Mansfelder „Vierherrn“ gewählt, das die Rechte der Bürgerschaft gegenüber dem Stadtrat vertrat.[4] Margaretha Lindemann, die Mutter, kam aus einer Bürgerfamilie. Nach dem Besuch von Lateinschulen in Eisenach, Mansfeld und Magdeburg ging Martin Luther 1501 an die Universität Erfurt, wo er das Studium der artes

liberales, der damals untersten Fakultät, das die Voraussetzung zum Studium an allen anderen Fakultäten bildete, 1505 mit dem Magistertitel abschloss.

Gemäß dem Wunsch seines Vaters begann Luther 1505 das Studium der Jurisprudenz, das er aber, aufgrund eines Gelübdes, nach wenigen Wochen abbrach, um im Juli 1505 in den Bettelorden der Augustinereremiten in Erfurt einzutreten. 1507 folgten die Priesterweihe und die Aufnahme des Studiums der Theologie in Erfurt, das er 1512 an der Universität Wittenberg mit dem Doktorgrad abschloss. Im selben Jahr übernahm Luther an der Universität Wittenberg den Lehrstuhl für Bibelexegese, und zwar in der Nachfolge Johann von Staupitz’, des Generalvikars der Augustinereremiten. Außerdem wurde Luther mit Predigt und Seelsorge an der Stadtkirche in Wittenberg beauftragt. Seinen Lehrstuhl behielt Luther bis zu seinem Tod im Jahr 1546 inne.

Den Ausgangspunkt der reformatorischen Theologie Luthers bildete die Rechtfertigungslehre. Ihre Erkenntnis gewann Luther in den Jahren 1514 bis 1518, als er in Wittenberg Vorlesungen insbesondere über die Briefe des Apostel Paulus hielt. In später Autobiographie hatte Luther seinen Durchbruch zu dieser Erkenntnis als sein „Turmerlebnis“ bezeichnet. Nach der Rechtfertigungslehre Luthers wird der Mensch vor Gott nicht durch fromme Werke errettet, sondern allein durch den Glauben, der ihm allein die Gnade Gottes schenkt: sola gratia, sola fide. Nur durch den Glauben (aus Gnade) an Gott, d.h. an Christus, der allein im Evangelium (sola scriptura) wahrgenommen werden kann, wird der Mensch vor Gott aus dessen Barmherzigkeit gerecht gemacht, d.h. gerechtfertigt. Gott allein ist Akteur des religiösen Heils des Menschen. Aus der Rechtfertigungslehre entwickelte Luther in der Folge und schrittweise weitreichende, kritische Konsequenzen für Theologie und Kirche. „Die innere Rechtfertigung des Menschen war zu einem Ereignis geworden, das sich allein zwischen Gott und dem einzelnen Christen abspielte; äußere Werke – und eine diese in ihrem Gnadenschatz verwaltende Kirche als Vermittlerin zwischen Gott und Mensch – hatten für dieses Geschehen existentieller Religiosität keinerlei Bedeutung mehr.“[5]

1517 sandte Luther Briefe an seinen Bischof und an den Erzbischof von Mainz (den Hohenzollern Albrecht von Brandenburg), in denen er Beschwerde gegen die Handhabung des Ablasswesens führte. Gemäß akademischer Tradition legte Luther den Briefen lateinisch abgefasste Disputationsthesen zur Begründung seiner Beschwerde bei, die „ 95 Thesen“

über Ablass und Buße. Mit seinen Thesen stellte Martin Luther nicht nur die Missstände der

Ablasspraxis, sondern die theologischen Grundlagen des Ablasswesens in Frage. Nur noch die wahre, innerliche Buße schien als angemessen. In kürzester Zeit entfalteten Luthers Thesen eine außerordentliche Wirkung. In vielen größeren Städten wurden sie lateinisch oder deutsch übersetzt nachgedruckt. Verbunden mit der Forderung nach Kirchenreform verteidigte Luther 1518 in weiteren öffentlichen Schriften seine Auffassungen, in den lateinischen „Resolutiones“ und dem deutsch verfassten „Sermon von Ablass und Gnade“, der eine noch größere Verbreitung als die Ablassthesen fand.

Der Erzbischof von Mainz hatte noch im Dezember 1517 eine erste Anzeige gegen Luther in Rom wegen Ketzerei veranlasst. An den Mainzer Erzbischof, Albrecht von Brandenburg, hatte sich Luther gewandt, da dieser damals bevollmächtigt war, die päpstlichen Ablässe in Deutschland zu organisieren. Albrecht von Brandenburg war ein Bruder des Kurfürsten von Brandenburg aus der Dynastie der Hohenzollern und hatte, bevor er Erzbischof von Mainz

wurde, bereits das Amt des Erzbischofs von Magdeburg und des kirchlichen Administrators von Halberstadt inne. Neben dem hohen Antrittsgeld für das Erzbistum Mainz hatte Albrecht von Brandenburg daher auch ein erhebliches Dispensgeld für seine Ämterkumulation an den Papst zu entrichten. Auch die Dominikaner erhoben Anklage gegen Luther wegen Ketzerei. Im Juni 1518 wurde sodann in Rom förmlich der Ketzerprozess gegen Luther eröffnet. Luthers Prozessvorladung nach Rom wurde indes aus politischer Rücksicht auf den sächsischen Kurfürsten wieder fallengelassen. Stattdessen wurde Luther im Oktober 1518 in Augsburg kurz nach dem dortigen Reichstag vom päpstlichen Legaten, Kardinal Cajetan, einem kirchlichen Verhör unterzogen. Luther sollte zum Widerruf gebracht werden, das Verhör blieb jedoch ergebnislos. Luther stellte kurz danach aber erstmals öffentlich die Lehrautorität des Papstes in Zweifel. Seine Verketzerung durch die katholische Kirche radikalisierte Luthers Positionen und steigerte andererseits das allgemeine Interesse, die Sympathien und Erwartungen, die sich immer weiter und mehr in Deutschland an seine Person und seine Kirchenkritik banden.

[...]


[1] Schubert, Klaus/Martina Klein: Das Politiklexikon. 4., aktual. Aufl. Bonn: Dietz 2006.

[2] Vgl. Schorn-Schütte, Luise: Die Reformation, 30

[3] Möller, Bernd: Deutschland im Zeitalter der Reformation, 53

[4] Schilling, Heinz: Aufbruch und Krise. 91

[5] Schilling, Heinz, 96

Details

Seiten
23
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656268413
ISBN (Buch)
9783656269595
Dateigröße
510 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v200089
Note
2,5
Schlagworte
reformation luther zwingli vergleich

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