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Philipp II. von Makedonien als Förderer der panhellenischen Idee?

Philipp in den Sendschreiben des Isokrates und den Reden des Demosthenes

Hausarbeit (Hauptseminar) 2011 18 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Altertum

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Panhellenismus - Begriff und Idee

2. Isokrates und Philipp II
2.1. Isokrates vor dem Philippos
2.2. Isokrates‘ Philippos

3. Demosthenes und Philipp II

4. Resümee

Quellen- und Literaturverzeichnis und Internetquellen

Einleitung

Bereits in der Antike wurde Philipp II. von Makedonien von Zeitgenossen als einer der herausragendsten Herrscherpersönlichkeiten jener Zeit bezeichnet, so erklärt beispielsweise Theopomp „gleich am Anfang seiner Geschichte Philipps, der Anlass für ihn, dieses Werk in Angriff zu nehmen, sei gewesen, das Europa noch nie einen solchen Mann hervorgebracht habe wie Philipp, den Sohn des Amyntas.“1 Keinen Zweifel daran lassen vor allem die Entwicklung Makedoniens sowie die Erfolge, welche Philipp während seiner Regierungszeit errang, zu. Seine Stellung als Hegemon und Bundesfeldherr des Korinthischen Bundes war die institutionelle Verankerung seiner militärisch errungenen Hegemonie über ganz Griechenland nach der Schlacht bei Chaironeia im Jahr 338 v. Chr.

Dennoch hatte schon zu Philipps Lebzeiten die Beurteilung seiner Person und seiner Absichten große Auseinandersetzungen unter den Griechen ausgelöst. War er der heilsbringerische Monarch, der Griechenland unter dem panhellenischen Gedanken einigen und schließlich gegen den Erzfeind Persien führen würde, wie es Isokrates ihm beispielsweise zudachte, oder war er der, wie Demosthenes ihn beschrieb, Barbar und Schurke aus dem Norden, der Griechenland die Demokratie und die Freiheit rauben wollte?

Sicher ist, der panhellenische Gedanke existierte schon vor dem Regierungsantritt Philipps II. von Makedonien im Jahr 359 v. Chr. Doch kann Philipp trotzdem als Förderer dieses Gedankens bezeichnet werden? Als Ausgangspunkt und um dieser Frage nachzugehen, definiert die die vorliegende Arbeit zunächst den Begriff Panhellenismus. Danach wird sie sich mit Isokrates und Philipp befassen, wobei sie zunächst einen Blick auf Isokrates panhellenistische Idee vor Philipp betrachtet und anschließend sein Sendschreiben „Philippos“ betrachtet. Im dritten Teil dieser Arbeit wird schließlich Demosthenes als Philipps größter attischer Widersacher und Philipps Einfluss auf dessen Reden unter dem Aspekt des Panhellenismus betrachtet, um abschließend zu versuchen, ein Urteil zur eingangs gestellten Frage zu erhalten.

1. Panhellenismus - Begriff und Idee

Der Begriff des Panhellenismus ist ein neuzeitlicher Ausdruck für eine politische Leitidee in der Antike. Er bezieht sich auf die Gesamtheit allen Hellenischen und dem Bewusstsein, dass sich die hellenische Nation aus einer reich differenzierten Vielfalt einzelner Staaten besteht.2 Bereits recht früh hatten die Griechen ein nationales Identitätsbewusstsein entwickelt. So waren sie überzeugt, Eigenschaften und Fähigkeiten zu besitzen, welche sie den Barbaren - wie sie andere Völker nannten - überlegen machten.3 Gestärkt wurden dieses allgemeingriechische Selbstbewusstsein und die hellenische Identität im 5. Jahrhundert durch die Abwehr der persischen Angriffe, außerdem bildete sich die klassische Antithese Hellenen gegen Barbaren erst zu diesem Zeitpunkt aus.4 Während des frühen 4. Jahrhunderts setzte sich langsam die Erkenntnis durch, dass Kriege zwischen griechischen Staaten Bruderkriege waren und sich Kriegsanlass, Erbitterung und Blutvergießen nicht lohnten, sowie von einer echten Lösung der anstehenden Probleme keine Rede sein konnte.5 Trotzdem wurde aus dem Panhellenismus nie ein richtiges politisches und als solches wirksames Programm.6 Er blieb viel eher eine Idee oder auch eine Bewegung und entwickelte sich im 4. Jahrhundert, wie Engels es schreibt, „primär zu einem politischen Schlagwort und einer publizistischen Formel“7 die teilweise politisch instrumentalisiert wurde. Diese Instrumentalisierung des panhellenischen Gedankens zeigt sich meist dadurch begründet, dass die eigenen Hegemonialansprüche geltend zu machen beziehungsweise auszuüben und daher möglichst viele griechische Poleis zur Durchsetzung der eigenen Interessen zu gewinnen waren. Vor allem Isokrates gilt als größter Verfechter des Panhellenismus, aber auch Demosthenes nutzte panhellenische Schlagworte in seinen Reden gegen Philipp.8

2. Isokrates und Philipp II.

2.1. Isokrates vor dem Philippos

Isokrates lebte in den Jahren 436−338 v. Chr. in Athen. In seinen frühen Jahren war er unter anderem ein Schüler des Gorgias, der als Erster „öffentlich die Zwietracht zwischen den Griechen [verurteilte] und […] als Ausweg den Zusammenschluss aller Griechen zum Kampf gegen die Perser [forderte]“9 und gründete im Jahr 390 v. Chr. in Athen eine berühmte Rednerschule. Seine Kunst sah er als Weg zu Anstand und Redlichkeit, in der vollendeten Rede ein wertvolles Mittel zur Erziehung. Schließlich erlangte er hohes Ansehen als Lehrer von Staatsmännern und Rednern - zu denen auch Demosthenes gehörte - sowie als Berater von Fürsten.10

Im Jahr 380 v. Chr. veröffentlichte Isokrates sein erstes Werk, in dem er sich der panhellenischen Idee widmete, den ‚Panegyrikos‘. Dieser entstand auf dem Höhepunkt der spartanischen Vorherrschaft in Griechenland. Isokrates ruft hier zu einer engen Zusammenarbeit zwischen Sparta und Athen auf, gekoppelt an das Ziel eines panhellenischen Krieges gegen Persien um das ersehnte Ziel der Einigung Griechenlands zu vollbringen. Bei der Begründung der Notwendigkeit des greift Isokrates auf Schablonen der Barbarenpolitik zurück. Die Vorstellung eines panhellenischen Friedensprogrammes, verbunden mit einer aggressiven Persienpolitik, stand bereit lange vor der Abfassung des „Philippos“ im Zentrum seines politischen Aufrufes.11

In den Jahren bis zur Abfassung des „Philippos“ vertrat Isokrates beständig dieselben Gedanken mit kaum abgewandelten Formulierungen und suchte nach, den aktuellen politischen Gegebenheiten folgend nach geeigneten Führern, nachdem die Idee einer spartanisch-attischen Führerschaft, aufgrund des Niedergangs Spartas, nicht mehr realisierbar war. Dabei wandte er sich an verschiedene Machthaber und feilte an seinen Argumentationen sowie an gewissen Details, machte jedoch nie Vorschläge zu aktuellen politischen Fragen, sondern versuchte die Griechen von der Notwendigkeit ihrer Einigung und der Durchführung des gemeinsamen Krieges gegen die Barbaren zu überzeugen. So sind beispielsweise Prologe seiner Schreiben an Dionysios, den Tyrannen von Syrakus und den Spartanerkönig Archidamos III..12 Überdies hatte er sich auch den Iason, den Tyrannen von Pherai und dessen Sohn Alexandros gewandt, bis er sich schließlich 346 v. Chr. Philipp II. zuwendete.13 Hier zeigt sich, dass nachdem die alten Staaten - die großen Poleis - in Isokrates‘ Augen versagt hatten Hellas zu einigen, er nun in den neu erstarkten Mächten, welche eine monarchische Spitze hatten, neue Hoffnung für die Erfüllung seiner panhellenischen Propaganda sah, da sie anscheinend das ethische und machtpolitische Potenzial, welches die Städte anscheinend nicht besaßen, hatten.14

2.2. Isokrates‘ Philippos

Im Jahr 346 v. Chr. publizierte Isokrates den „Philippos“ als offene Rede an Philipp II., welche er ursprünglich für ein Schreiben an Philipp und Athen mit begonnen hatte, um beide im Krieg um Amphipolis zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Der ausgehandelte Frieden des Philokrates jedoch holte Isokrates bei der Abfassung seiner Schrift ein, wie er selbst herausstellt.15

Nach Dobesch lässt sich der „Philippos“ in zwei Hauptpunkte aufgliedern, die zwischen einem eher langen Prooimion (1-29) und einem Schlussteil (149-155) eingebettet sind.16 Isokrates erstes Hauptthema im „Philippos“ beschäftigt sich mit der Verbrüderung der griechischen Staaten untereinander (30-82) während sich das zweite Thema (83-148), gemäß seiner panhellenischen Idee, dem Perserkrieg der unter Philipps Hegemonie verbündeten Griechen widmet.17

Hatte Isokrates in früheren Sendschriften, wie dem Panegyrikos, noch Athen und Sparta oder anderen Mächten die Führungsrolle bei der Einigung Griechenlands zugesprochen, so zeigt sich deutlich, das nach gegebenen Umständen für Isokrates nun nur noch Philipp in der Lage zu sein scheint die griechische Einheit herbeizuführen: „… Ich konnte nun beobachten, dass alle anderen angesehenen Männer in Abhängigkeit von ihrer Poleis und Gesetzen leben und dass es ihnen nicht möglich ist, etwas anderes als vorgeschrieben zu tun - ja zu machtlos sind, um meine Vorschläge in die Tat umzusetzen.

Ich sah jedoch, dass dir allein vom Schicksal die Möglichkeit gegeben ist, Gesandte nach Belieben in andere Poleis zu schicken und nach deinem Gutdünken zu empfangen und zu sagen, was du für nützlich hältst, und ich sah, dass du wie kein anderer unter den Griechenüber Reichtum und Macht verfügst, was allein von allen Gütern dieser Welt dazu geschaffen ist, Menschen zuüberreden oder Zwang auf sie auszuüben. Auch meine Vorschläge werden, glaube ich, diese beiden Voraussetzungen brauchen.18

Auch begründet Isokrates den Wechsel der Führungsmacht, weg von den Poleis hin zu Philipp, damit, dass sich diese stets gegenseitig hinderten: „ … damals, als unsere Polis unter den griechischen die führende Macht war und dann wiederum die der Lakedaimonier, keiner meiner Vorschläge in die Tat hätte umgesetzt werden können, denn beide Poleis hätten solche Unternehmungen leicht verhindern können. Doch nun vertrete ich nicht mehr die gleiche Meinungüber die beiden, denn ich wei ß , dass alle genannten Poleis infolge ihres Unglücks jetzt auf gleicher Stufe stehen. Deshalb werden sie meiner Ansicht nach auch die Vorteile einer Politik der Eintracht den Vorteilen ihrer damaligen Politik weit vorziehen.“19

Um Philipp von seinem panhellenischen Programm zu überzeugen und ihm die Pflicht, sich den Griechen gegenüber als Wohltäter, Freund und Einiger zu verhalten, aufzuzeigen, greift Isokrates auch auf den Heraklesmythos, auf den das makedonische Herrschergeschlecht seinen Anspruch begründet, zurück:20 „… wenn du dir das Verhalten dieser Poleis deinen Vorfahren gegenüber ins Gedächtnis zurückrufst, denn bei jeder wirst du feststellen, dass sie euch sehr freundlich gesinnt ist und euch gro ß e Wohltaten erwiesen hat.“21

Ferner zeichnet Isokrates Philipp ein Bild voller Ruhm und Anerkennung aus, wenn er sich der friedlichen, nicht der erobernden Einigung der griechischen Poleis annehmen würde: „ Bedenke auch, welchen Wert es für dich hat, gerade solche Unternehmungen in Angriff zu nehmen, durch die du dir nach erfolgreicher Ausführung einen Ruhm erwerben wirst, der dem Ruhm der berühmtesten Männer der Geschichte gleichkommt. Andererseits wirst du, selbst wenn deine Erwartungen sich nicht erfüllen, dennoch das Wohlwollen der Griechen gewinnen.

[...]


1 Engels, Johannes: Philipp II. und Alexander der Große. Darmstadt 2006, S. 41.

2 Vgl. Dobesch, Gerhard: Der panhellenische Gedanke im 4.Jh v. Chr. und der „Philippos“ des Isokrates. Untersuchungen zum Korinthischen Bund, Wien 1968, S. 3.

3 Vgl. Sakellariou, M.B.: Von der panhellenischen Idee zur panhellenischen Einheit. In: Hatzopoulos, M.B./Loukopoulos, L.D. (Hrsg.): Ein Königreich für Alexander. Philipp von Makedonien, Bergisch Gladbach 1982, S. 128.

4 Engels, S. 40.

5 Vgl. Sakellariou, S. 129.

6 Wirbelauer, Eckhard: Antike. München 2010, S. 368.

7 Engels, S. 40.

8 Vgl. Dobesch, S. 20, vgl. auch Wirbelauer, S. 368.

9 Sakellariou, S. 129.

10 Vgl. http://viamus.uni-goettingen.de/fr/e/schule/g/a_03/08, Stand: 20.09.2011.

11 Vgl. Barceló, Pedro: Basileia, Monarchia, Tyrannis. Untersuchungen zu Entwicklung und Beurteilung von Alleinherrschaft im vorhellenistischen Griechenland, Stuttgart 1993, S. 253.

12 Vgl. Sakellariou, S. 129f.

13 Ebd. S. 131, vgl. auch: Barceló, S. 256

14 Vgl. Dobesch, S. 42f.

15 Vgl. ebd., S. 61.

16 Vgl. ebd., S. 71.

17 Ebd.

18 Isokr. phil.(5), 14f..

19 Isokr. phil.(5), 40.

20 Vgl. Dobesch, S. 102.

21 Isokr. phil.(5), 32.

Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656262220
ISBN (Buch)
9783656263258
Dateigröße
406 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199896
Institution / Hochschule
Universität Rostock – Heinrich-Schliemann-Institut für Altertumswissenschaften
Note
2,0
Schlagworte
Philipp II Makedonien Isokrates Demosthenes Athen Panhellenismus Philippos Makedonen Griechenland Hegemon Förderer

Autor

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