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Was versteht Platon unter einer gerechten Seele?

Erläutern Sie Platons Theorie der Seele und ihre Bedeutung für das Verständnis der vier Kardinaltugenden.

von Emilia Galotta (Autor)

Essay 2011 3 Seiten

Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)

Leseprobe

Was versteht Platon unter einer gerechten Seele?

Erläutern Sie Platons Theorie der Seele und ihre Bedeutung für das Verständnis der vier Kardinaltugenden.

In diesem Essay beschäftige ich mich mit der Frage, was Platon unter einer gerechten Seele versteht und betrachte dabei seine Seelentheorie und welche Bedeutung diese für das Verständnis der vier Kardinaltugenden hat. Die Personen Platon und Sokrates betrachte ich dabei als synonym.

Der zentrale Gedanke Platons liegt darin, dass die drei Stände des Staates, also die Arbeiter, Wächter und Herrscher, den drei Teilen der Seele entsprechen, nämlich der Begierde, dem Zorn und der Vernunft. Platon baut also den Menschen, oder eher seine Seele, analog zum Staat auf. Die einzelnen Seelenteile wiederum sind jeweils den Kardinaltugenden zugeordnet, auf die ich im weiteren Verlauf noch zu sprechen kommen werde. Die Aufgabe der Vernunft sei es zu herrschen, der Zorn sollte die Vernunft unterstützen und die Begierde sich von der Vernunft zügeln lassen, wie in Abbildung 1 (im Anhang) anhand des „Seelenwagens“ dargestellt. Ich würde sagen, dass Sokrates die Seelenteile hierarchisch geordnet hat und somit zwar ihre Harmonie untereinander angestrebt wird, jedoch die Vernunft die Vorherrschaft hat. Somit ist die Vernunft sozusagen der Wagenlenker. Der Mut oder auch Zorn bringt Meinungen hervor und fällt Urteile über andere oder auch die eigene Person. Da sich die Begierde zügeln lassen muss, zum Beispiel die Begierde nach zu viel Fleisch, erscheint diese als negativ besetzt. Sie ist auf die Sinneswahrnehmungen ausgerichtet und befriedigt körperlich Lüste oder sucht Mittel dazu. Die zwei, vor den Wagen gespannten Pferde, stellen die Begierde und den Zorn dar.

Platon meint, dass ein Mensch, der derart beschaffen ist, als gerecht zu bezeichnen ist und somit auch eine gerechte Seele besitzt. Also geht er auch davon aus, dass ein ungerechter Mensch durch fehlerhaftes Zusammenspiel der Seelenteile „entsteht“.

Meiner Meinung nach lassen sich die Stände der Herrscher und Wächter besonders plausibel mit den entsprechenden Seelenteilen „Vernunft“ und „Zorn“ vergleichen. Doch schwierig finde ich die Parallele zwischen den Arbeitern und der Begierde zu ziehen. Womöglich aber lässt es sich mit Sokrates Aufbau des Staates erklären, denn hier bestand er im ersten Schritt nur aus Arbeitern ohne Regierung und die Gründung des Staates entstand aufgrund der Begierden der Menschen.

Die Seele ist nur glücklich, wenn alle Teile im Gleichgewicht sind. Genauso kann auch der Staat nur gut funktionieren, wenn alle drei Stände harmonieren und alle Stände ihre spezifischen Aufgaben, also erwerben, verteidigen und regieren, erfüllen und zwar gemäß den Tugenden Besonnenheit, Tapferkeit und Weisheit. Dabei mischen sie sich nicht in die Geschäfte eines jeweils anderen Standes ein, denn solches wird nicht geduldet, da es die Harmonie und auch den Staat zerstören würde. Die Gerechtigkeit ist nach Platon dafür verantwortlich, dass die Seelenteile gut zusammenwirken. Sie soll für die richtige Balance der Seelenteile und damit für eine gute Ordnung in der Seele sorgen. Deshalb ist sie auch die höchste und wichtigste aller Tugenden.

In der Abbildung 2 (im Anhang) habe ich noch einmal versucht das Zusammenspiel der Kardinaltugenden darzustellen. Über allem steht die Gerechtigkeit, die somit die übergeordnete Tugend des ausgewogenen Miteinanders aller Seelenteile und ihrer Tugenden ist. Die gerechte Seele eines Einzelnen entsteht dadurch, dass jeder Seelenteil nur das tut, wofür er geschaffen wurde. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf das Ergon-Argument zurückgreifen, welches Sokrates im Dialog mit Thrasymachos aufgezeigt hatte: Demnach hat jeder Gegenstand seine Aufgabe, also das Augen das Sehen und so weiter. Ähnlich also den Ständen und den Seelenteilen. Die Aufgabe der Seele sei es, ein gerechtes Leben anzustreben. Also muss, um die Tugend der Seele zu erfüllen, ein gerechtes Leben geführt werden. Die Weisheit ist für die Erkenntnis des Guten zuständig und erkennt zum Beispiel auch das für die Seele zuträgliche. Die Tapferkeit bewahrt den Menschen davor sich von Lust oder Schmerzen leiten zu lassen. Weisheit und Tapferkeit arbeiten zusammen, um die Kontrolle über die Begierde zu erlangen und somit zur Besonnenheit oder auch zur Mäßigung zu gelangen. Die Mäßigung ist dadurch der Weisheit gehorsam. Die Besonnenheit ist die Einsicht und Zustimmung zum Beherrschtwerden durch die Regierenden. Jedoch muss man beachten, dass, auch wenn sie den Arbeiten zugeschrieben ist, das Fundament der gesamten Polis bildet, da diese Tugend bei allen Ständen vorhanden sein muss.

Das Erlangen einer gerechten Seele ist allerdings auch „erlernbar“, bzw. man kann mit der richtigen Erziehung dazu beitragen, die Seele zu „formen“. Zum Beispiel beschreibt Sokrates genau, wie Musik, die ihm sehr wichtig bei der Erziehung ist, zu sein hat. Seiner Meinung nach, dringen Rhythmen und Töne am tiefsten in die Seele ein. Klare Rhythmen würden den Hörer zu einem tüchtigen Menschen machen. Die musische Erziehung beinhaltet auch Mythen, Texte, Gesungenes und Gesprochenes. Die Seelen der Kinder sind besonders aufnahmebereit, weshalb zum Beispiel die ihnen erzählten Mythen, sorgfältig ausgesucht werden müssen, um ihre Seelen nicht nachhaltig zu schädigen.

Der einzelne Mensch muss seine Pflichten im Staat erfüllen. Auch wenn manch einer sich vielleicht zunächst nicht für glücklich hält, würde er durch die Erledigung seiner Pflichten merken, dass er für die Allgemeinheit tätig ist, und diese ist wiederum eben dadurch glücklich, sodass dieses Glück schlussendlich auf den einzelnen Menschen zurückstrahlt.

Platon betrachtet also den einzelnen Bürger als Teil des Ganzen, Individualismus ist nicht zulässig.

Die Gerechtigkeit innerhalb eines Staates soll durch die Methode des Ausschlussverfahrens gefunden werden: Der richtig gegründete Staat muss vollkommen sein, muss also alle Kardinaltugenden vollständig verwirklichen. Gelingt es in ihm Weisheit, Tapferkeit und Besonnenheit aufzufinden, muss Gerechtigkeit als Rest verbleiben.

Also ist die Stadt:

- weise durch die Regierenden, die nach Innen und Außen "Wohlberatenheit" zeigen
- tapfer durch die Wächter, die den inneren und äußeren Bestand der Polis sichern
- und besonnen dadurch, dass alle ihre Begierden beherrschen und jeder an Selbstbeherrschung über sich hinauswächst.

Daraus ergibt sich, dass die Stadt sich dadurch als Gerecht erweist, dass jeder das Seine tut.

Man könnte also auch auf das Kürzeste reduziert sagen, Platons Definition von Gerechtigkeit lautet schlichtweg: „Jedem das Seine.“

Dieser Satz wäre zum einen in Bezug auf den Staat gültig, in dem Gerechtigkeit herrscht, wenn jeder Stand das tut, was seine Aufgaben sind und sich nur auf das konzentriert, was er am besten kann. Genauso soll aber auch jeder das Seine bekommen und niemanden soll das Seine genommen werden. Aber auch auf die Seele des Einzelnen lässt sich der Satz übertragen: Die Seelenteile einer gerechten Seele haben alle ihre Aufgaben, nur dass sie trotzdem „zusammenarbeiten“ müssen: Die Vernunft beherrscht mit Hilfe des Zorn die Begierde.

[...]

Details

Seiten
3
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656291480
Dateigröße
388 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199853
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen
Note
2,0
Schlagworte
Platon Seele gerecht Kardinaltugenden Seelenwagen Vernunft Zorn Tapferkeit Gerechtigkeit Mäßigung Werte und Normen Philosophie

Autor

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    Emilia Galotta (Autor)

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