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Wie hat sich das Bild von Obamas politischer Kompetenz entwickelt?

Eine qualitative Inhaltsanalyse der Kommentare in deutschen Printmedien zu seinen "State of the Union" Reden 2009 bis 2011

Bachelorarbeit 2012 50 Seiten

Politik - Internationale Politik - Region: USA

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Methodisches Vorgehen
2.1. Kategorien
2.1.1. Popularität
2.1.2. Erfolg
2.1.3. Fähigkeiten
2.1.4. Kritik

3. Auswertung
3.1. Kommentierung 2009
3.2. Kommentierung 2010
3.3. Kommentierung 2011

4. Schlussfolgerungen

5. Ausblick

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

1. Einleitung

Barack Obama[1] ist ein Phänomen – er war der erste Afro-Amerikaner in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika, der reelle Chance auf die Präsidentschaft hatte und diese erfolgreich umgesetzt hat. Am 4. November 2008 wurde er in seine erste Wahlperiode als Präsident gewählt, am 6. November 2012 möchte er wieder gewählt werden. Barack Obama ist, nicht nur für die BürgerInnen der Vereinigten Staaten von Amerika, Hoffnungsträger und Visionär. Er wird oft mit seinem Vorgänger John F. Kennedy verglichen.

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind ein Staat, der seinesgleichen sucht: von der Fläche her der drittgrößte Staat der Welt mit mehr als 300 Million EinwohnerInnen und als Volkswirtschaft global von immensem Einfluss. Letzteres wurde zuletzt durch die Ende 2008 hereinbrechende Finanz- und Weltwirtschaftskrise gezeigt:

„America is exceptional, both in fact and perception, because more than any other state in history it has embodied and advanced an ideological vision of a way of life centered upon freedom, in politics, in economics, and in society.”[2]

In der vorliegenden Bachelorarbeit wird analysiert, wie sich das Bild von Barack Obamas politischer Kompetenz in Deutschland verändert hat. Die Analyse beruht auf den Kommentaren in deutschen überregionalen tagesaktuellen Printmedien zu Obamas „State of the Union“ Reden 2009 bis 2011.

Die kommentierten „State of the Union“-Reden werden jeweils zu Beginn des Jahres vom Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika vor dem Kongress gehalten. Häufig werden sie auch in Fernsehen und Hörfunk übertragen und so einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Reden dauern in der Regel eine Stunde. Der Präsident beschäftigt sich sowohl mit dem vergangenen Jahr, stellt aber auch seine politischen Pläne für das neue Jahr vor. Im Falle eines just vorangegangenen Amtsantrittes, wie bei Barack Obama im Jahr 2009, gilt es natürlich auch am Amtsvorgänger Kritik zu üben. Zeitpunkt, Dauer, inhaltlicher Rahmen und AdressatInnen ändern sich also im Untersuchungszeitraum kaum. Damit bilden die „State of the Union“-Reden einen stringenten Hintergrund für die Analyse.

Zeitungen, Fernsehen und Hörfunk, aber auch Online-Medien sind extrem wichtig und aus demokratischen Gesellschaften nicht wegzudenken. BürgerInnen informieren sich nicht nur über das nationale politische Geschehen, sondern auch über internationale politische Zusammenhänge via Medien. Welches Bild geben Journalisten von Barack Obama in ihrer Berichterstattung weiter? Hierbei kommt den Medien, neben Obama selbst, eine Agenda-Setting-Position zu.[3]

Qua Wahl zum Präsidenten wurde Obama schon ein Grundmaß an politischer Kompetenz zugestanden. Doch er stand danach in einer neuen Form in der Öffentlichkeit und damit unter andauernder Beobachtung. Arbeitshypothese ist also, dass das Bild von Obamas politischer Kompetenz nach anfänglicher Begeisterung 2010 einen Tiefpunkt erreichte. Dann pendelte es sich auf einem versöhnlich-kritischen Level ein.[4] Hauptanliegen dieser Arbeit ist diese Hypothese mit Hilfe einer qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring zu prüfen. Grundlage der Analyse sollen ausschließlich kommentierende Artikel sein, da diese am besten ein Stimmungsbild liefern und öffentliche Wahrnehmung der Reden maßgeblich prägen.[5] Denn wird über ein Thema nicht nur berichtet, sondern wird es auch kommentiert, zeigt dies eine intensive Zuwendung zum Sujet und in diesem Fall ein besonderes außenpolitisches und transatlantisches Interesse.

Untersucht wird beispielsweise, wie Obamas Erfolge wahrgenommen wurden und wie sich die Wahrnehmung seines Charismas und seiner Selbstdarstellung entwickelten. Als Datengrundlage dienten die Kommentare der Leitmedien[6] Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, Frankfurter Rundschau und die Welt. Um ein breiteres politisches Spektrum einzunehmen, wurden des Weiteren die kommentierende Berichterstattung der taz die Tageszeitung und der Financial Times Deutschland mit in die Analyse einbezogen.[7] Die taz die Tageszeitung ist die einzige überregionale Tageszeitung, die sich eindeutig politisch links positioniert. Auch linke Meinung mit in die Analyse mit einzubeziehen ist insofern wichtig, als dass Barack Obama besonders von politisch Bürgerlich-Linken in Deutschland sehr gelobt wurde. Reaktionen entsprechend der Hypothese sind hier von besonderem Interesse. Das Handelsblatt und die Financial Times Deutschland sind die tagesaktuellen Zeitungen der Wirtschaftselite mit politischem Anspruch und erweiterten das Spektrum der Analyse.

Der Spiegel, Focus, die Zeit und die Bild Zeitung berichteten in keinem der Jahre kommentierend über die „State of the Union“-Reden von Obama. Dies ist als geringes außenpolitisches und transatlantisches Interesse zu werten. Der Spiegel fällt insofern aus der Systematik heraus, weil die Artikel im typischen Spiegel -Stil eher kommentierend geschrieben sind. Gleichwohl finden sich im Spiegel auch dezidierte Kommentare. Da es zu diesem Thema keine Kommentare im Spiegel gab, wird er nicht in die Analyse einbezogen.

Eine Analyse von Printmedien ist sinnvoller als eine von Hörfunk oder Fernsehen, denn die Berichterstattung

„[…] kann sehr viel umfassender sein als im Rundfunk oder im Fernsehen; zum einen, weil seit dem Ereignis etwas mehr Zeit verstrichen ist und mehr Fakten vorliegen als bei erstmaliger Meldung im elektronischen Medium, zum anderen, weil in der Tageszeitung je nach Bedeutung des Ereignisses viel mehr Platz für die Information eingeräumt werden kann, als in einer zeitlich begrenzten Nachrichtensendung von Rundfunk oder Fernsehen […].“[8]

Hinzu kommt, dass Printmedien die Informationen vorrangig im geschriebenen Text darstellen. Dieser ist eindeutiger zu analysieren als Hörfunk und Fernsehen, in deren Sendungen vielfach mit atmosphärischen Tönen und Visualisierungen gearbeitet wird, die oft vieldeutige Interpretationen ermöglichen.

Obwohl Obama, seine Außenpolitik und auch die transatlantischen Beziehungen in der Politikwissenschaft häufig im Fokus der Forschung stehen, wurden Analysen der Berichterstattungen bisher vernachlässigt. Daher hat diese Arbeit den Anspruch, hier einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn zu liefern.

Gegliedert ist die Arbeit wie folgt: Nachdem die Forschungsmethode vorgestellt wurde, werden im Folgenden zunächst die Kategorien erläutert. Nach deren Vorstellung wird die Analyse der Kommentare[9] Jahr für Jahr ausgewertet und jeweils in einem Balkendiagramm dargestellt. Dies veranschaulicht die Ergebnisse. Im Anschluss daran werden die Schlussfolgerungen vorgestellt, die aus den Jahresauswertungen gezogen werden können. Die Analyseergebnisse werden zusätzlich in Balkendiagrammen gezeigt. Ziel des Kapitel ist es, nachzuvollziehen, wie sich die Wahrnehmung von Obamas politischer Kompetenz in den Kommentaren entwickelt hat. Im abschließenden Fazit werden die Erkenntnisse und gegebenenfalls Nicht-Erkenntnisse aus der Analyse, sowie ein Ausblick auf weitere Forschungsfelder gegeben.

Gegebenenfalls werden politökonomische Umstände oder besondere Ereignisse vorgestellt, wenn sie dem besseren Verständnis oder der genaueren Auswertung der Analyseergebnisse dienen. Dies stellt jedoch keine Bewertung dar. Diese Arbeit soll keine Einordnung oder Bewertung von Obamas politischer Kompetenz geben.

2. Methodisches Vorgehen

Methodisch wird eine qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring durchgeführt. Sandra Steigleder, die sich kritisch mit seiner Methode auseinandergesetzt hat, definiert diese in Anlehnung an Mayring folgendermaßen:

„Mayring versteht die Inhaltsanalyse als sozialwissenschaftliche Methode mit eigenen Spezifika, die sie von anderen Verfahren abgrenzt. Hierzu gehören die Analyse von schriftlich fixierter Kommunikation sowie ein systematisches, regel- und theoriegeleitetes Vorgehen mit dem Ziel, Rückschlüsse auf bestimmte Aspekte der Kommunikation zu ziehen.“[10]

In der vorliegenden Arbeit wurde die printmediale kommentierende Berichterstattung nach bestimmten Kriterien analysiert, um so beispielsweise Rückschlüsse auf Obamas Popularität oder auf das Bild seiner politischen Erfolge und Misserfolge ziehen zu können. Um die Entwicklungen anhand der Kategorien besser zeigen zu können, wurden die qualitativen Kategorien zusätzlich quantifiziert. Es wird eine Intensitätsanalyse durchgeführt, bei der die Kategorien anhand von vorher festgelegten Skalenpunkten gemessen wurden. In diesem Fall sind die Skalenpunkte „stark“, „mittel“, „schwach“ und „gar nicht“ und drückten aus, wie stark die Ausprägungen der einzelnen Kategorien anhand der Textauszüge sind.[11] Es gilt für alle Kategorien, dass allgemeine Äußerungen immer mehr wiegen als spezifische Äußerungen. Beispielsweise wird bei der allgemeinen Beschreibung von Fähigkeiten Obamas diesem mehr zugetraut, als wenn es um einen spezifischen Fall geht. Da Überschriften als richtungsweisend für den Trend des Kommentars einzuschätzen sind, wiegen sie im Falle des Falles mehr.

Analyseeinheiten werden jeweils durch Sinneinheiten gebildet, egal, ob diese von einem Satz, einem Absatz oder einem ganzen Artikel gebildet werden. Eine Sinneinheit umfasst jenen zusammenhängenden Textteil, der sich mit ein und demselben Kategorienthema auseinandersetzt. Außerdem werden nur solche Textpassagen in die Analyse aufgenommen, die klar über den Präsidenten berichten. Wurde verallgemeinernd zum Beispiel über „die Regierung“, „das Weiße Haus“ oder „die Demokraten“ geschrieben, fielen diese Textteile nicht in die Analyse, da sie nicht eindeutig zuzuordnen sind.

In Zahlen ausgedrückt sind die Skalenpunkte drei (stark), zwei (mittel) und eins (schwach). Der Skalenpunkt „gar nicht“ wird nicht durch eine Zahl ausgedrückt. Am Beispiel der Kategorie „Herausforderung“ hieße das nämlich, dass die Ausprägung „gar nicht“ zwar ausdrücken würde, dass keine Kommentare zum Thema vorhanden sind, die Zahl null würde allerdings ausdrücken, dass die Herausforderungen im entsprechenden Jahr extrem niedrig gelegen hätten. Wenn eine Kategorie in einem Artikel mehrfach auftaucht, gewinnt sie in der Analyse besondere Kraft. Wenn sie nicht auftaucht, kann es dieses „gar nicht“ nur einmal geben. Hinzu kommt, dass bei einer Durchschnittserrechnung rein mathematisch nicht null das Ergebnis sein kann.

2.1. Kategorien

Anhand der Kommentare, die als Analysegrundlage dienen, sowie anhand weiterer Artikel über Obamas „State of the Union“-Reden werden Kategorien gebildet, die im Zusammenspiel das Bild von Obamas politischer Kompetenz umfassen sollen. Beschränkt wird sich dabei nicht nur auf Faktoren wie Erfolg, auch weichere Faktoren wie Popularität werden berücksichtigt. Infolgedessen sind die Kategorien Popularität, Erfolge, Kritik und Fähigkeiten. Eine präzise Definition folgt. Ankerbeispiele werden nicht gegeben, da dies den Rahmen der Arbeit sprengen würde, sind aber der Analysetabelle im Anhang zu entnehmen.

2.1.1. Popularität

Popularität umfasst all jene Kommentarteile, die Obama jegliche Form von Popularität zugestehen. Das bedeutet, dass sowohl Charisma und eine optimistische, hoffnungsgebende Ausstrahlung sowie negative Äußerungen beziehungsweise das Zuschreiben von Unpopularität in diese Kategorie fallen. Unpopularität umfasst hier die negative Bewertung von Auftreten und Ausstrahlung, sowie negatives Ansehen der BürgerInnen als Folge von von ihm getroffenen politischen Entscheidungen und auch schlechte Wahl- und Umfragenergebnisse.

Zwar möchte man davon ausgehen, dass die persönliche Ausstrahlung nur bedingt Einfluss auf die politische Kompetenz einer Führungsperson hat. Hier geht es allerdings nicht um Kompetenz, sondern um die Wahrnehmung von Kompetenz – eine in Demokratien eminent politische Dimension. Anhand von Wahlergebnissen, Sympathiewerten und Umfrageergebnissen lässt sich immer wieder feststellen, dass die Ausstrahlung einer Person Einfluss auf die Wahrnehmung ihrer Kompetenz hat. Emanuel Richter erklärt dies mit einem sehr kritischen Ansatz wie folgt:

„Die öffentliche Vorstellungen von politischer Kompetenz umfassen in erheblichem Maß eine besondere ‚Ausstrahlung‘ der Person. Der charismatische Politiker erfährt ein Ausmaß an Zustimmung, Anerkennung und Folgebereitschaft, das unversehens dazu führt, seine sachliche Leistung zu überstrahlen. Infolgedessen gilt als sachlich kompetent, wer als Persönlichkeit überzeugt.“[12]

Die Ausprägung „stark“ umfasst solche Textpassagen, die durch qualifizierende Adjektive oder Steigerungsformen Obamas Popularität positiv hervorheben. Sind die Textteile nicht mit eben solchen Adjektiven und Steigerungen versehen oder sogar mit abschwächenden, lindernden Adjektiven, fallen die Aussagen unter die Ausprägung „mittel“. Textpassagen hingegen, die auf die Unpopularität Obamas hinweisen, vor allem, wenn dies durch qualifizierende Adjektive verstärkt wird, fallen unter die Ausprägung „schwach“. Die Ausprägung „gar nicht“ beinhaltet jene Artikel, in denen Obamas Popularität gar nicht zu Wort kommt.

2.1.2. Erfolg

Politisches Handeln, politische Strategien, aber auch beispielsweise gute Zusammenarbeit mit oder Zugeständnisse von der Opposition, die Obama in Textpassagen als positiv angerechnet werden, werden unter der Kategorie Erfolg zusammengefasst. Solche, die Obama allgemein Erfolg attestieren oder Erfolg mittels qualifizierender Adjektive benennen, werden der Ausprägung „stark“ zugeordnet. Präzise Fälle von Erfolg und vage Formulierungen über seinen Erfolg werden der Ausprägung „mittel“ zugeordnet. Stark abgemilderte Erfolge oder gar die Aufführung von Misserfolgen gehören zur Ausprägung „schwach“. Zeigt ein Kommentar keinerlei Erfolge Obamas auf, wird er der Ausprägung „gar nicht“ zugeordnet.

2.1.3. Fähigkeiten

Diese Kategorie sammelt jene Textteile, die Obama politische Fähigkeiten attestieren. Darunter fallen zum Beispiel Erwartungen, die Autoren an Obama stellen. Oder Autoren trauen ihm die Erfüllung dieser Erwartungen zu. Des Weiteren fällt die Aufführung besonderer Begabungen oder Talente von Obama in diese Kategorie, ebenso wie die Textteile, in denen Journalisten das Gelingen von Obamas politischen Vorhaben in Aussicht stellen. Handelt es sich um die allgemeine oder durch qualifizierende Adjektive gesteigerte Zuschreibung von politischen Fähigkeiten fallen all diese Textpassagen unter die Ausprägung „stark“. Werden präzise Fälle aufgezeigt, in denen Obama spezifisch fähig ist, Lösungen zu finden oder Zeile zu erreichen, fallen die Kommentarteile unter die Ausprägung „mittel“. Werden dem Präsidenten grundsätzlich, aber ohne besondere Hervorhebung politische Fähigkeiten zugeschrieben, fallen diese Textteile ebenfalls unter die Ausprägung „mittel“.

Auch wenn Zweifel an der Erreichbarkeit von Zielen beschrieben werden, fallen diese Textteile unter die Kategorie „Fähigkeiten“. Wird die Wahrscheinlichkeit des Erreichens von politischen Zielen als nicht groß, aber auch nicht unmöglich, eingeordnet, fallen diesen Textteile unter die Ausprägung „mittel“. Wird das Erreichen aber ganz klar angezweifelt und als unmöglich dargestellt oder werden gescheiterte Versuche Obamas aufgeführt, um fehlende Fähigkeiten auf seiner Seite zu protokollieren, fallen diese Passagen unter die Ausprägung „schwach“.

Diese Kategorie unterscheidet sich insofern von der Vorrangegangenen, „Erfolge“, als dass sich diese mit den Erwartungen und Herausforderungen in der Gegenwart und Zukunft beschäftigt, wohingegen die Kategorie „Erfolge“ jene Textteile umfasst, die sich mit von Obama erfolgreich abgeschlossenen politischen Vorgängen beschäftigt.

Werden gar keine Äußerungen zur Kategorie Fähigkeiten gemacht, wird der Kommentar der Ausprägung „gar nicht“ zugeordnet.

2.1.4. Kritik

Enthält ein Kommentar Textteile, die Kritik an Obamas politischen Vorgehen, seinen politischen Plänen oder Äußerungen ausdrücken, werden diese der Kategorie Kritik zugeschrieben. Essentiell hierbei ist, dass die Kritik klar an Obama adressiert ist. Textteile, in denen „die Regierung“, „das Weiße Haus“ oder „die Demokraten“ kritisiert werden, fallen nicht in diese Kategorie.

Wird allgemeine Kritik an Obama geäußert oder wird sie durch qualifizierende Adjektive hervorgehoben und gesteigert, fällt sie unter die Ausprägung „stark“. Bezieht sich die geäußerte Kritik auf einen präzisen Fall, ist sie der Ausprägung „mittel“ zuzuordnen. Wird die Kritik abgemildert oder vage zum Ausdruck gebracht, werden die entsprechenden Kommentarteile der Ausprägung „schwach“ zugeordnet. Enthält ein Kommentar gar keine zu der Kategorie passenden Textteile, wird er der Ausprägung „gar nicht“ zugeteilt.

3. Auswertung

Die „State of the Union“-Reden hielt Obama am 24. Februar 2009, am 27. Januar 2010 und am 25. Januar 2011 vor dem amerikanischen Kongress in Washington D.C.. Für die Analyse wurden die Printausgaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Süddeutsche Zeitung, Handelsblatt, Welt, Frankfurter Rundschau, Financial Times Deutschland und taz die Tageszeitung jeweils drei Tage vor der Rede, am Tag der Rede und drei Tage nach der Rede nach Kommentaren zu eben dieser durchsucht. Dies wurde anhand von auf Mikrofilmen archivierten Originalausgaben durchgeführt.

Für das Jahr 2009 fanden sich jeweils ein Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, Frankfurter Rundschau, der Welt und im Handelsblatt und zwei Kommentare in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Im Folgejahr veröffentlichten die Süddeutsche Zeitung und die Financial Times Deutschland einen Kommentar, die Frankfurter Allgemeine Zeitung sowie das Handelsblatt publizierten jeweils zwei Kommentare zur „State of the Union“-Rede. 2011 erschien in der Süddeutschen Zeitung, sowie in der taz die Tageszeitung, der Welt, der Frankfurter Rundschau, der Financial Times Deutschland und im Handelsblatt jeweils ein Kommentar, die Frankfurter Allgemeine Zeitung veröffentlichte zwei Kommentare. So kommt man für die Jahre 2009 und 2010 auf je sechs Kommentare und für das Jahr 2011 auf insgesamt acht Kommentare. Die Länge sowie die Platzierung auf den Seiten variiert.

Im Umgang mit den Folgen der Weltwirtschaftskrise gab sich Obama sowohl reformerisch als auch als Krisenmanager. Seine Stimulusmaßnahmen und die Reform der Finanzmarktaufsicht können als die beiden größten Erfolge gewertet werden. Auch das Vorgehen des Präsidenten in der Nah-Ost-Politik unterscheidet sich von dem seines Vorgängers. Auf die arabische Welt bewegte sich Obama deutlich zu. Mäßig erfolgreich war allerdings das Vorgehen im palästinensisch-israelischen Konflikt. Eine herbe Enttäuschung für seine AnhängerInnen war Obamas Übernahme des Zeitplans für den Truppenabzug aus dem Irak von Vorgänger Bush. Unterstützung bekam er dafür wiederum von den Republikanern. In der Umwelt- und Klimapolitik distanziert sich der Präsident klar von seinem Vorgänger und konnte auch einige Erfolge verbuchen. Allerdings hatte er Probleme, sowohl Republikaner als auch einige Demokraten von der Wichtigkeit seiner Pläne zu überzeugen.[13]

[...]


[1] Auf Grund des Umfangs dieser Arbeit kann nicht genauer auf das Leben Barack Obamas eingegangen werden. Für einen ersten Überblick empfiehlt sich: Waldschmidt-Nelson, Britta: „Barack Obama, 2009 - , Der erste afroamerikanische Präsident: A Dream Come True?“ in: „Die amerikanischen Präsidenten, 44 historische Portraits von George Washington bis Barack Obama“, Mauch, Christof (Hrsg.), München 2009, Seite 439 - 455

[2] Deudney, Daniel; Meiser, Jeffrey: „American Exceptionalism“, in: Cox, Micheal; Stokes, Doug (Hrsg.): “US Foreign Policy”, Oxford 2008, S. 24 – 42, hier Seite 25

[3] Zur Wirkung der Massenmedien: Noelle-Neumann, Elisabeth; Schulz, Winfried; Wilke, Jürgen (Hrsg.): „Fischer Lexikon Publizistik Massenkommunikation“, Frankfurt am Main 2009, Seite 651 – 702. Es gibt einen guten Überblick über ältere und modernere Ansätze und Studien der Medienwirkungsforschung.

[4] Vgl. Böller, Florian; Wilzewski, Jürgen: „Weltmacht im Wandel: Eine Zwischenbilanz der Ära Obama“, in: Böller, Florian; Wilzewski, Jürgen (Hrsg.): „Weltmacht im Wandel. Die USA in der Ära Obama“, Trier 2012, Seite 1 – 22, hier: Seite 14f.

[5] „Der Kommentar interpretiert und bewertet aktuelle Ereignisse und Meinungsäußerungen. […] Überzeugend haben Nowag und Schalkowski herausgearbeitet, dass der Kommentar damit auf die Defizite der Nachricht reagiert [1998, 41; 48]. […] Allerdings sollte er stets nach Antworten suchen […].“ Noelle-Neumann, Schulz, Wilke, Jürgen (Hrsg.), 2009, Seite 158

[6] Adam, Hermann: „Bausteine der Politik“, Wiesbaden 2007, Seite 159

[7] „In der FAZ, der Welt und im Handelsblatt findet man fast durchweg liberale ökonomische Positionen, und selbst in der eher linksliberal ausgerichteten Süddeutschen Zeitung ist der Wirtschaftsteil eher von liberalen Standpunkten geprägt.“ Adam 2007, Seite 164

[8] Adam 2007, Seite 158

[9] Im Anhang finden sich sowohl die untersuchten Kommentare sowie die detaillierte Analyse in Form einer Tabelle und die Balkendiagramme.

[10] Steigleder, Sandra: „Die strukturierende qualitative Inhaltsanalyse im Praxistest. Eine konstruktiv kritische Studie zur Auswertungsmethodik von Philipp Mayring“, Marburg 2008, Seite 22

[11] Vgl. Mayring, Philipp: „Qualitative Inhaltsanalyse, Grundlagen und Techniken“, Weinheim/ Basel 2010, Seite 15

[12] Richter, Emanuel: “Was ist politische Kompetenz? Politiker und engagierte Bürger in der Demokratie“, Frankfurt am Main 2010, Seite 93

[13] Vgl.: Böller, Wilzewsi, 2012, S.1 ff.

Details

Seiten
50
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656264811
ISBN (Buch)
9783656264972
Dateigröße
556 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199647
Institution / Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,2
Schlagworte
Obama Zeitung Qualitative Inhaltsanalyse Philipp Mayring Barack Demokratische Partei Republikanische Partei Wahlkampf USA Medien Artikel Kommentar
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