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Erkennungsmuster und Erzählstrukturen bei Quentin Tarantino

Hausarbeit 2009 18 Seiten

Kunst - Fotografie und Film

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Quentin Tarantino - Kurzbiografie

3 Tarantinos Handschrift
3.1 Filmanalytische Stilmittel - Schauspieler, Musik & Pre-Credit-Sequences
3.2 “McGuffins“, filmübergreifende Verknüpfungen & Requisiten . . .
3.3 Linsen á la Citizen Kane & Trunk Shot

4 Erzählstrukturen
4.1 Ein klassisches Theaterstück in drei Akten: Reservoir Dogs
4.2 Three Stories About One Story: Pulp Fiction

5 Having A Good Time, With A Bunch Of Nasty Characters

6 Literaturverzeichnis

7 Filmverzeichnis

1 Einleitung

“ Having A Good Time With A Bunch Of Nasty Characters. “ 1

Es klingt, als habe sich der amerikanische Regisseur Quentin Tarantino diesen Satz zum Motto für all seine Filme gemacht. Ein Großteil der Filme ist Kult geworden und nicht mehr vom Filmmarkt wegzudenken.

Alleine Pulp Fiction katapultierte ihn zu einem der bestverdienenden Regisseu- ren seiner Zeit. Doch wie es dazu kam, dass ein kleiner Junge aus Los Angeles mit großem Interesse an Filmen, zu einer solchen Ikone der Filmemacher werden konnte, möchte ich mit dieser Arbeit klären. Warum Tarantino anders ist als seine Kollegen und was sein “Rezept“ für einen erfolgreichen Film ist. Ich möchte mich der Fragestellung zuwenden, welche Art Handschrift seine Filme tragen und warum sie ihn zu einem Kultregisseur des 21. Jahrhunderts machen. Zur Unterstützung neben der Literatur, habe ich drei Filme von ihm ausgewählt, die die Ausarbeitung visualisieren sollen: Reservoir Dogs, Pulp Fiction und From Dusk Till Dawn 2.

Zu Beginn werde ich kurz auf Quentin Tarantinos Biografie eingehen, da sie für seinen Werdegang als Filmemacher nicht außer Acht zu lassen ist. Daran anknüpfend werde ich mit der Analyse beginnen und mir einige Merkma- le von Tarantinos Arbeitsweise heraussuchen und bearbeiten. Ich werde bewusst nicht alle Merkmale bearbeiten, da dies in den Umfang dieser Arbeit nicht passen würde und konzentriere mich daher auf die Auffälligsten. Der Erzählstruktur wer- de ich eine gesonderte Sektion schenken, da sie in meinen Augen die markanteste Eigenschaft von Tarantinos Filmen ist.

Mit einem abschließenden Fazit möchte ich meine Arbeit beenden.

2 Quentin Tarantino - Kurzbiografie

Quentin Tarantino wurde am 27.März 1963 in Knoxville, Tennesse geboren. Seine Eltern sind selbst gerade erst 16 und 21 Jahre alt und noch während der Schwangerschaft trennen sie sich. Seine Mutter Conny finanziert sich ihren Le- bensunterhalt durch verschiedene Gelegenheitsjobs und zieht den kleinen Quentin zunächst allein auf, bis sie kurz darauf ihren heutigen Ehemann kennenlernt und sie zusammen nach Los Angeles ziehen. Schon in jungen Jahren nahm Conny ihren Sohn mit ins Kino, wo er seine ersten Erfahrungen mit der Filmbranche machen konnte. Als Jugendlicher jobbte er im Kino als Kartenknipser bis er schließlich anfing in einer Videothek zu arbeiten. Dort konnte er den ganzen Tag Filme se- hen, lernte dort seinen Freund und späteren Co-Autor Roger Avery kennen und konnte mit ihm den ganzen Tag über Filme diskutieren. Nun beginnt Tarantino selbst - inzwischen 23 - Drehbücher zu schreiben. Sein erstes Drehbuch 1986 My Best Friend ’ s Birthday wird aber nie fertiggestellt. Ein Jahr später schreibt er das Drehbuch zu True Romance, das er schließlich 1990 für 50,000$ verkauft. An- fang der 1990er Jahre trifft Tarantino dann auf Lawrence Bender, der mit ihm zusammen Reservoir Dogs abdreht, welcher 1992 beim Sundance Filmfestival Premiere feiert und ihm den Durchbruch bringt. Direkt danach schreibt Taranti- no zusammen mit seinem Freund Roger Avery an dem inzwischen zum Kultfilm aufgestiegenen Pulp Fiction, durch den er spätestens in dessen Erscheinungsjahr 1994 zu einem der gefragtesten Regisseure unserer Zeit geworden ist. Neben ei- nem Oscar für das beste Drehbuch und einer Goldenen Palme in Cannes für den besten Film, erhielt er noch diverse andere Nominierungen. Nach Pulp Fiction folgten weitere Filme wie Four Room, From Dusk Till Dawn, Jackie Brown, Kill Bill I & II, sowie ganz aktuell Inglourious Basterds.

3 Tarantinos Handschrift

Im nun folgenden Abschnitt möchte ich näher auf die unterschiedlichen Aspekte eingehen, die Quentin Tarantino von vielen seiner Regisseurkollegen unterschei- det. Da die drei von mir gewählten Filme Reservoir Dogs, Pulp Fiction und From Dusk Till Dawn häufig vorkommen werden, werde ich diese wie folgt abkürzen: RD, PF, FDTD.

3.1 Filmanalytische Stilmittel - Schauspieler, Musik & Pre-Credit-Sequences

Ein sehr auffälliges, aber dennoch unter Regisseuren weit verbreitetes, Mar- kenzeichen in Quentin Tarantinos Filmen sind die Schauspieler. In jedem seiner Filme finden sich Darsteller aus bereits vergangenen Tarantino-Filmen wieder. Samuel L. Jackson ist der am Häufigsten vertretene Hollywoodstar. Ihn finden wir in PF als Auftragskiller Jules Winnifield, in Jackie Brown als Drogenhändler Ordell Robbie, in Kill Bill II in einer kleinen Nebenrolle als Klavierspieler und ganz aktuell in Inglourious Basterds in der Rolle des Erzählers. Uma Thurman ist ebenfalls öfters in Filmen zu sehen und gilt als Tarantinos “Muse“3. Ihren internationalen Durchbruch erlangte sie als Gangsterbraut Mia Wallace in PF und erhielt 2003 und 2004 die Hauptrolle der Beatrix Kiddo in Kill Bill - Volume 1 und Kill Bill - Volume 2. Ebenso zur festen “Tarantino - Crew“ zählen Harvey Keitel (RD, PF, FDTD), Michael Madsen (RD, Kill Bill - Volume 1 & 2), Tim Roth (RD, PF, Four Rooms) und Juliette Lewis (Natural Born Killers, FDTD). Tarantino selbst übernimmt hin und wieder eine kleine Rolle in seinen Filmen, wie er unter anderem in RD als Gangmitglied Mr. Brown oder PF als Jimmie be- wies. Sein bester Auftritt allerdings gelang ihm als Richard Gecko in FDTD. Für seine bisher eher unbekannte schauspielerische Leistung als unterkühlter gestörter Killer mit einer trügerischen Harmlosigkeit4, raubte er dem Zuschauer den Atem und erntete dafür viel Lob und Anerkennung.

Ein wichtiges Medium in Tarantinos Filmen ist die Musik. Selten finden sich in seinen Filmen Instrumentalstücke, die die dargestellte Situation im Hintergrund untermalen, sondern meistens klassische Rock’n’Roll-, Texasblues- und Tex-Mex- Songs, geprägt von klaren Gitarrenklängen. Zudem entspricht die Titelauswahl meistens dem eigenen Musikgeschmack Quentin Tarantinos. Es handelt sich da- bei um Songs, die Tarantino aus seiner Kindheit und Jugend kennt und dies mit dem Zuschauer teilen möchte, um ihm zu zeigen, wie viel Spaß er selbst beim Schreiben und Drehen hatte5. Quentin Tarantino bringt seine Filmmusik häufig in Verbindung mit einer Musikquelle in den Film ein - die sogenannte “Source Music“6. Das heißt, die Folterszene in RD 7 beispielsweise ist untermalt mit dem Titel “Stuck in the Middle“ von Stealers Wheel. Anstatt aber das Lied einfach im Hintergrund laufen zu lassen, lässt Tarantino Michael Madsen zum Radio gehen, um es dann anzuschalten und explizit nach dem kurz vorher erwähnten Radiosen- der “K-Billy’s Super Sound of the Seventies“ zu suchen. Neben des Radios in der Lagerhalle, läuft auch im Autoradio von Eddie dieser Sender, um eine plausible Begründung zu schaffen, dass ein Lied an zwei Orten gleichzeitig laufen kann8. In PF hingegen macht Quentin Tarantino nicht mehr so oft den “Umweg“9 über das Radio, sondern lässt die Musik durch Mia Wallace verkörpert selbst abspielen, in dem er sie zwei Songs abspielen lässt: Dusty Springfields “Son Of A Preacher Man“ und Neil Diamonds “Girl, You’ll Be A Woman Soon“ in der Coverversion von Urge Overkill. Ein letzter wichtiger Punkt bei Tarantinos Verwendung von Filmmusik ist die “Kontrapunktierung“10, die wieder am Beispiel von der Fol- terszene aus RD sehr deutlich wird. Diese Szene ist so kaltblütig und entsetzlich, dass man kaum hingucken kann. Die Musik aber vermittelt ein völlig entgegen- gesetztes Bild. Konzentriert man sich nur auf die Musik, möchte man fast mit Mr. Blonde mit tanzen, doch betrachtet man dazu die Szene, macht es sie gar unerträglich.

Das letzte filmanalytische Stilmittel, auf das ich eingehen möchte, ist die so genannte “Pre-Credit-Sequence“11. Außer in den Filmen Jackie Brown und In- glourious Basterds befindet sich vor dem Intro eine längere Szene, die einen Vor- geschmack auf den Film gibt. So sieht man in RD vorab die Gangsterbande in einem Diner sitzen und über den Sinn des Textes zu Madonnas “Like A Virgin“ oder den Grund von Trinkgeld philosophieren, in PF das Gangsterpaar Honey Bunny und Pumpkin, die, ebenfalls in einem Diner sitzend, über ihren bevorste- henden Raubüberall reden oder in FDTD die Gecko-Brüder, die gerade auf ihrer Fluchtfahrt in einer abgelegenen Tankstelle auf dem Highway gestoppt haben und diesen in Schutt und Asche versetzen.

[...]


1 Fischer Robert / Körte, Peter / Seeßlen, Georg (Hg.) (2000): Quentin Tarantino. Berlin: Dieter Bertz Verlag. S. 155

2 Anmerkung: Die dazu gehörigen Inhaltsangaben befinden sich im Anhang, da ich es nicht für notwendig halte, jeden einzelnen Film in der Arbeit zu erörtern, da sich mein Fokus auf Quentin Tarantino selbst und nicht explizit auf die Filme bezieht.

3 http://www.imdb.com/name/nm0000235/bio (31.8.2009)

4 Georg Seeßlen etc, S. 187

5 Ebd. S. 152

6 David Bordwell: Film Industry: An Introduction, S. 504

7 Reservoir Dogs 0:53:00

8 Robert Fischer, S. 152

9 Ebd.

10 James Monaco: Film und neue Medien: Lexikon der Fachbegriffe, S. 93

11 Robert Fischer, S. 222

Details

Seiten
18
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656262022
ISBN (Buch)
9783656262589
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199642
Institution / Hochschule
Hochschule für Bildende Künste Braunschweig – Institut für Kunstwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Quentin Tarantino Interpretation Film

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Titel: Erkennungsmuster und Erzählstrukturen bei Quentin Tarantino