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Späte erste Mütter – Gesellschaftliches Phänomen oder etablierte Generation?

Hausarbeit 2012 18 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die späte erste Mutterschaft damals und heute

3. Medizinische Chancen und Risiken

4. Beweggründe zur späten ersten Mutterschaft
4.1 Beruflicher Hintergrund
4.2 Der Bildungsaspekt
4.3 Späte Erste Mütter in der Gesellschaft
4.4 Exkurs zu 4.3: Kindertagesstätten

5. Homosexuelle als späte erste Eltern
5.1 Regenbogenfamilien
5.2 Co-Elternschaft

6. Kindeswohl vs. Kindeswunsch

7. Fazit

8. Literatur

1. Einleitung

„Kinder bekommen Kinder“ – Schlagzeilen dieser Art haben die meisten wohl in den letzten Jahren den Medien immer öfter entnehmen können. Die Pubertät und die damit verbundene Geschlechtsreife hat sich deutlich vorverlagert, sodass man bereits mehrfach von Müttern lesen konnte, welche mit noch nicht einmal 10 Jahren schwanger wurden[1] ˈ[2]. Die Gründe wie Vernachlässigung oder auch eine nicht ausreichende Aufklärung - welche schlichtweg einigen Eltern als irrelevant in diesem Alter erscheint - ebenso wie psychische, physische und psychosoziale Folgen sind immens.

Doch während es in den heutigen Gesellschaften das eine Extrem gibt, soll im Zuge dieser Arbeit das Andere thematisiert und analysiert werden: die späten ersten Mütter.

Man spricht hierbei von Frauen, welche zum ersten Mal ein Kind ab 35 Jahren, also dem vierten bis fünften Lebensjahrzehnt gebären[3] ; ein Begriff aus der medizinischen Forschung[4]. Doch nun stellt sich die Frage, in wieweit dies, abseits der gesellschaftlichen Norm, einen Einfluss auf die Demografie eines Landes hat. Der offensichtlichste Faktor ist, und dies lässt sich auch bereits in Deutschland vermerken, ein deutlicher Geburtenrückgang, welcher zum Altern der Gesellschaft führt. Versucht eine Frau ab Mitte 30 zum ersten Mal schwanger zu werden, so ist es biologisch bereits prozentual unwahrscheinlicher, dass dies funktioniert als beispielsweise mit Mitte 20. Doch in einem weiterführenden Gedanken wird es immer unwahrscheinlicher, dass sie selbst noch ein weiteres Kind ohne Zuhilfenahme medizinischer Unterstützung bekommen kann. Ergo tragen unter anderem diese Frauen, unabhängig davon, welche Beweggründe sie nun zu dieser Entscheidung geführt haben, dazu bei, dass sich die Geburtenkohorten reduzieren und die Gesellschaft in Zuge dessen altert.

Abgesehen von medizinischen Rahmenbedingungen und gesellschaftlichen Folgen, sollen auch die persönlichen Beweggründe ebenso wie die individuellen beruflichen und privaten Gründe für diese Frauen näher untersucht werden. Werden diese späten Mütter kritischer beäugt und sind sogar im Berufsleben eher unerwünscht, oder ist eine Mutter für den Arbeitgeber gleich effizient, unabhängig ihres Alters? Und wie wird die Tatsache einer späten Mutterschaft generell in Deutschland betrachtet? Stehen sie unter gewissen Zwängen bei der Erziehung ihrer Kinder aufgrund einer angenommenen Lebenserfahrung oder werden ihnen dieselben Chancen – und auch Pflichten – eingeräumt wie den Jüngeren? Auf diese Fragen wird im Folgenden versucht eine Antwort zu geben und somit auch heraus zu finden, ob die späte erste Mutterschaft zum Regelfall werden oder doch wohl eher die Ausnahme bleiben wird.

2. Die späte erste Mutterschaft damals und heute

Das Phänomen der späten Mutterschaft lässt sich erst seit circa 30, 40 Jahren registrieren, was nicht nur den Entwicklungen der Reproduktionsmedizin zu verdanken ist, sondern auch durch das immer höher werdende Alter der Menschen, welches allein von 1980 bis heute um mehr als 6 Jahre auf 82 bei Frauen und um beachtliche 8 Jahre auf 77 bei Männern in Deutschland angestiegen ist[5]. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung in Deutschland unter dem Aspekt der späten ersten Mutterschaft verändert dies die Situation zwar eher nur gering, wird dadurch aber keinesfalls irrelevant. Die Möglichkeit ist gegeben, die Frauen ziehen sie in Betracht und können sie nutzen. Doch wie bereits erwähnt, hat eine Erstmutter ab 35 Jahren weniger Chancen und Möglichkeiten, noch weitere Nachkommen zu zeugen. Ab einem gewissen Zeitpunkt kann keine Medizin, so hoch sie auch entwickelt sein mag, einer Frau mehr zur Mutterschaft verhelfen – der Zeitraum einer erneuten Schwangerschaft ist also deutlich beschränkter wie bei Müttern zwischen 18-30 Jahren.

Untersucht man nun das Durchschnittsalter der Frauen, die innerhalb einer Ehe zum ersten Mal eine Lebendgeburt hatten, so lässt sich ein genereller Anstieg feststellen. Während dieses europaweit in den 70er Jahren noch bei ungefähr 23/24 lag, geht man heute von 28-31 Jahren aus[6]. Auch in Deutschland ist dies der generelle Wert, allerdings gilt hierbei die Historizität zu beachten, denn aufgrund der Trennung bzw. Wiedervereinigung sind die Zahlen in diesen Jahren etwas verwischt. Auf das heutige Durchschnittsalter der ehelichen ersten Lebendgeburten hat dies jedoch kaum einen Einfluss mehr (Ost: Ø=27,4, West: Ø=29,2)[7].

Legt man nun sein Augenmerk auf die späten ersten Mütter, so lässt sich ebenfalls ein prozentualer Anstieg seit 1985 vermerken. 2008 haben Frauen, die mit 32-40 Jahren zum ersten Mal ein Kind gebaren, einen Wert von 18% erzielt, also einen Zuwachs von 6%, diejenigen über 40 haben, wenn auch relational betrachtet deutlich niedriger, ihren Anteil von 0,6% mehr als verdoppelt, hin zu 1,6% - eine bemerkenswerte Entwicklung.

Um diese Angaben jedoch richtig deuten zu können, muss bedacht werden, dass es sich bei den Werten ausschließlich um Mütter handelt, deren Kinder zum Einen lebendig zur Welt gekommen sind, und zum Anderen diese in einer Ehe geboren wurden. Aufgrund diverser Aspekte, wie zum Beispiel dass die Zahlen eher der Verarbeitung demographischer und familiärer Strukturen dienen als der reinen Analyse der Gründe einer späten Mutterschaft oder auch einer eventuell erschwerten Analyse von Patchwork Familien, werden Todgeburten sowie unehelich entstandene Kinder aus den sich mir erschließenden Untersuchungen nicht erfasst. Allerdings scheint es, dass wohl, laut Expertenmeinungen, die „Dunkelziffer“ sich kaum von den realen Gegebenheiten unterscheidet, es also kaum Unterschiede in Bezug auf eine späte erste Mutterschaft zwischen Ehepaaren und Lebensgemeinschaften gibt.[8]

3. Medizinische Chancen und Risiken

Wie bereits zuvor erwähnt, ist es neben dem steigenden Durchschnittsalter der Bevölkerung vor allem der Medizin zu verdanken, dass eine späte Mutterschaft, vor allem ab 40, überhaupt möglich ist. Dennoch ist nicht nur die Tatsache, dass es Frauen mit Beginn der Menopause (in Deutschland bei circa 51 Jahren)[9] ab einem gewissen Alter einfach nicht mehr möglich ist, Kinder zu bekommen, Grund für eine nicht erfolgreiche Mutterschaft. Auch das Altern und der damit zusammenhängende Zuwachs an äußeren Einwirkungen, wie beispielsweise Umweltgifte beeinflussen die Fertilität der Frau. Nichts desto trotz kann die Medizin von heute vielen Frauen bis Ende 30/Anfang 40 doch noch den Wunsch eines Kindes erfüllen. Die bereits angesprochene Reproduktionsmedizin hat sich hierhin gehend in den letzten Jahrzehnten revolutioniert. So ist es heute schon Standard, bereits im Mutterleib Untersuchungen vorzunehmen, ob sich etwaige Risiken während der Schwangerschaft für Mutter oder Kind auftuen könnten, oder auch, ob sich bei dem Embryo eine Behinderung einstellen könnte.[10]

So spricht man heutzutage erst von einer möglichen Risikoschwangerschaft bei Frauen über 40. Hierbei handelt es sich aufgrund physiologischer Bedingungen des Alters um eine Risikoschwangerschaft, welche sich trotz entsprechender pränataler Behandlungen nicht nur schädlich oder gar tödlich auf das Kind, aber auch auf die Mutter auswirken kann. Letztendlich kann man allerdings nicht von einem generalisierenden medizinischen Standpunkt ausgehen; so hat die „Laune der Natur“ bereits öfter gezeigt, dass auch Frauen jenseits der 40 gesunde Kinder ohne In-vitro-Fertilisation (künstliche Eizellenbefruchtung im Reagenzglas) oder andere künstliche gynäkologische Eingriffe zur Welt brachten[11].

4. Beweggründe zur späten ersten Mutterschaft

Nun stellt sich natürlich die Frage, was genau Frauen dazu veranlasst, sich für eine späte erste Mutterschaft zu entscheiden. Da die reine medizinische Möglichkeit kaum der alleinige Entscheidungsfaktor sein kann, müssen nun die möglichen individuellen Entscheidungsprozesse genauer unter die Lupe genommen werden, welche sowohl im Arbeitsmarkt, dem gesellschaftlichen Umfeld, aber auch von persönlichen Einstellungen begründet sein können.

4.1 Beruflicher Hintergrund

Seit Beginn der Emanzipation vor mehr als 50 Jahren hat sich die Familienstruktur, und somit vor allem die Rolle der Frau in der Gesellschaft und im Familienleben, deutlich verändert. Vom damaligen Bild der Frau, die den Beruf der Hausfrau und Mutter innehat und dem Vater, der die meiste Zeit im Berufsleben verweilt um seine Familie finanziell zu unterstützen und somit ernähren zu können, hat sich bis heute sehr differenziert. Ging eine Mutter in den 60er Jahren beispielsweise arbeiten, so geschah dies lediglich im Falle einer finanziellen Not, sodass die Familie keinen Hunger leiden musste.[12]

Betrachtet man nun die Rollenverteilung heute, so gibt es allenfalls noch eine kleine Tendenz, dass die Frau als Mutter sich in den ersten Monaten oder Jahren vom Berufsleben distanziert, um den Säugling zu nähren. Versucht man heutzutage in Deutschland ein typisches Familienmuster zu skizzieren, wird man schnell feststellen, dass es eine Vielzahl an Konstellationen gibt. Weder die Frau, noch der Mann sind mehr gebunden, zuhause zu bleiben. Man nimmt Kitas und Kindergärten zu Hilfe, oder auch Familienangehörige, Tagesmütter und Babysitter um sich schnellstmöglich wieder in das Berufsleben integrieren zu können und somit eventuellen Rückständen im sich so schnell weiter entwickelnden Wirtschaftsmarkt zu umgehen.

Doch die Anzahl der Paare, die beide kurz nach der Geburt wieder in einer Vollzeitbeschäftigung in ihr Berufsleben einsteigen, ist dennoch eher gering. So gibt es die Tendenz, dass vor allem späte erste Mütter sich zunächst eher in eine Teilzeitstelle begeben um einerseits dem eigenen Kind sowohl in der Gegenwart[13], als auch in der Zukunft eine finanzielle Absicherung gewährleisten zu können und andererseits den besagten beruflichen Anschluss nicht zu verpassen. Diese Balance zwischen Berufs- und Familienleben ist meist nicht einfach, zumal die Mutter von heute einen natürlichen Selbstverwirklichungswunsch hat; doch genau an dieser Stelle schließt sich in diesem Punkt der Kreis der späten ersten Mutterschaft: die reifere Frau weiß, worauf sie sich einlässt und hat meist Ende 30/Anfang 40 ihren Karrierewunsch weitestgehend erfüllt, im Gegensatz zu Frauen Mitte 20.[14] In diesem Altersunterschied, bzw. der individuellen Entscheidung, ein Kind zu bekommen, liegt auch ein weiterer Faktor begründet, nämlich der spezifische Bildungsabschluss. Doch mehr zu diesem Thema im nächsten Punkt.

Dass es sich bei Kindern um ein kostspieliges Unterfangen handelt, ist nicht nur Eltern bewusst – somit begeben sich die meisten „frisch gebackenen“ Eltern, wie bereits erwähnt, nach kurzer Zeit wieder in ein dauerhaftes Arbeitsverhältnis. Problematisch hierbei kann es allerdings werden, wenn trotz einem geregelten Einkommen sich eine externe Betreuung nicht geleistet werden kann. In diesem Falle wird es umso schwieriger für ein Kind zu sorgen, wenn keine Hilfe durch Familie oder Freunde – aus welchen Gründen auch immer – angenommen werden kann. Dem entgegenwirkend, wurden 2001 das Erziehungsgeld und die Elternzeit (früher Erziehungsurlaub) eingeführt. Diese kann sowohl von Vater, als auch der Mutter gleichzeitig in Anspruch genommen werden, insofern sie nicht als selbständig registriert sind:

„§1 Berechtigte

(1) Anspruch auf Elterngeld hat, wer

1.einen Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen Aufenthalt in Deutschland hat,
2.mit seinem Kind in einem Haushalt lebt,
3.dieses Kind selbst betreut und erzieht und
4.keine oder keine volle Erwerbstätigkeit ausübt.[...]“

(§ 20 BEEG)

[...]


[1] Vgl http://www.bild.de/news/2010/news/hat-elena-niemand-aufgeklaert-14560410.bild.html

[2] Vgl. http://www.focus.de/panorama/welt/brasilien_aid_111605.html

[3] [3]Vgl.: Engstler/Lüscher (1991): S.433

[4] Vgl.: Burkhart (2008): S.222

[5] http://www.gbe-bund.de/gbe10/abrechnung.prc_abr_test_logon?p_uid=gastg&p_aid=&p_knoten=FID&p_sprache=D&p_suchstring=9120#T6

[6] Vgl. Ochel (2006): S.7

[7] http://www.zeit.de/gesellschaft/familie/2012-04/ostdeutschland-familie-skandinavien

[8] Vgl.: Herlyn/Krüger: S.15ff

[9] http://www.medizinfo.de/annasusanna/wechseljahre/verhuetung.shtml

[10] Vgl.: Engstler/lüscher: S.438ff

[11] http://www.spiegel.de/panorama/leute/0,1518,453099,00.html

[12] Vgl.: Peuckert (2008): S.229

[13] Vgl.: Allmendinger: S.57

[14] Vgl.: Etzemüller (2009): S.67

Details

Seiten
18
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656259732
ISBN (Buch)
9783656260028
Dateigröße
561 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199636
Institution / Hochschule
Universität Trier
Note
2.3
Schlagworte
späte mütter gesellschaftliches phänomen generation

Autor

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