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"Die Sache mit den Genen" und "Genetik in Cartoons" - zwei Genetik-Comics im Vergleich

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Literaturwissenschaft - Moderne Literatur

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Mark Schultz, Die Sache mit den Genen

Larry Gonick, Genetik in Cartoons

Die Darstellung der DNA-Doppelhelixstruktur im Comic und in der Fachliteratur

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Verbindung von Bildern und Texten wird, gerade bei komplexen Themen und Zusammenhängen, immer wichtiger zur besseren Vermittlung von Wissen. Dass Bilder bei der Aufnahme von Wissen eine wichtige Rolle spielen, ist bereits seit längerem bekannt.[1] Aus diesem Grund bedienen sich Fachbücher oftmals der grafischen Unterstützung von Zeichnungen, Bildern oder Diagrammen, um sie den erklärenden Texten zur Seite zu stellen.

Insbesondere die Naturwissenschaften sind darauf angewiesen, Dinge zu visualisieren, die normalerweise gar nicht für das menschliche Auge sichtbar sind. So werden intrazelluläre Vorgänge stets in einem, zumeist farbigen, Schaubild dargestellt, da eine reine Beschreibung mittels Text die Sachverhalte nur unzureichend vermitteln könnte. Vielmehr bedarf es der Hilfe von Bildern, um das wissenschaftliche Wissen selbst erst entstehen zu lassen.[2] Um überhaupt eine Vorstellung vom eigenen Forschungs-gegenstand zu entwickeln, sind Naturwissenschaftler darauf angewiesen, sich der Materie über Bilder oder Abbilder zu nähern. Während die Geisteswissenschaften die Aussagekraft von Bildern nur schwerlich anerkennen, sind die Naturwissenschaften für ihren Erkenntnisprozess auf Visualisierung angewiesen. Bilder formen, ordnen und erzeugen Wissen und kommunizieren es zugleich.[3]

Verbindungen von Text und Bild begegnen uns nahezu tagtäglich. So sind nicht nur die meisten Gebrauchsanweisungen mit entsprechende Abbildungen versehen, die uns die Benutzung von Gegenständen erleichtern sollen, sondern auch zahlreiche Schilder, Informationsbroschüren, Werbetafeln und sogar Fahrpläne. Eine Sonderrolle dieser hybriden Medien aus Wort und Bild nehmen die Comics ein, da ihre Inhalte vorrangig der Unterhaltung und nicht der Information dienen. In Verbindung mit ihrer Herkunft als Comicstrip, welcher oftmals lediglich als „Lückenfüller“ in Tageszeitungen diente, führt dies dazu, dass den Comics stets der Ruf anhängt, nicht informativ, teilweise sogar „unseriös“ zu sein.

Im Folgenden soll nun untersucht werden, auf welche Weise der Einsatz des Mediums „Comic“ zum besseren Verständnis eines so komplexen Themenbereiches wie der Genetik beitragen kann. Im Mittelpunkt der Untersuchung sollen hierbei zum Einen die comictypischen Darstellungsweisen und Narrationskonzepte stehen, sowie ein Vergleich zwischen den Mechanismen, die zur Wissensvermittlung sowohl im Comic, als auch in Fachbüchern zur Anwendung kommen. Hierzu soll zunächst anhand zweier Comics, die sich mit der Genetik befassen, aufgezeigt werden, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der grafischen Gestaltung, der Methodik der Wissensvermittlung und dem Bezug zu wissenschaftlicher Fachliteratur bestehen. Schließlich wird noch am Beispiel der DNA-Doppelhelix-Struktur zu untersuchen sein, inwieweit traditionelle Darstellungskonzepte in der Naturwissenschaft rezipiert werden und wie diese in das Medium Comic übertragen werden.

Mark Schultz, Die Sache mit den Genen

„Die Sache mit den Genen. Der Comic über das Geheimnis des Lebens“ ist erstmals in deutscher Übersetzung im Jahre 2010 erschienen. Der Autor, Mark Schultz, ist, wie wir der biographischen Notiz im inneren des Comics entnehmen können, bereits seit den frühen 1980er Jahren als Comiczeichner tätig und wurde für seine Werke mehrfach mit renommierten Comicpreisen ausgezeichnet. Im vorliegenden Band fungiert er jedoch ausschließlich als Texter, bzw. ist für die Story des Comics verantwortlich.

Die Zeichenarbeit übernehmen zwei ebenfalls etablierte Comiczeichner, die seit den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts regelmäßig Arbeiten in diesem Bereich veröffentlichen. Auffällig ist, dass sich dem Themenkomplex Genetik hier vermeintliche „Laien“ annehmen, die keinen entsprechenden naturwissenschaftlich-akademischen Hintergrund haben, wie man es vielleicht erwarten würde. Der Autor entwickelt seine Geschichte, bzw. seine Art der Wissensvermittlung, also nicht aus dem Pool eines akademischen Know-Hows heraus. Vielmehr basieren seine Kenntnisse der Materie vermutlich auf fachwissenschaftlichen Publikationen, die er im Zuge seiner Recherche für das Thema durchgearbeitet und sich autodidaktisch angeeignet hat, sowie der wissenschaftlichen Beratung, von der wir im Impressum des Buches erfahren. Auf diese Weise ist es ihm vielleicht sogar besser möglich, die Problematik des Wissenstransfers von dem Einen Medium in das Andere zu bewältigen, als einem Autoren mit wissenschaftlichem Background.

Als eindeutig von Vorteil dürfte sich erweisen, dass Schultz sich in einem Medium bewegt, dass er, im wahrsten Sinne des Wortes, ausgezeichnet kennt und beherrscht. Somit kann er viel expliziter die comiceigenen Vorteile der visuellen Aufbereitung von Wissen ausnutzen und um den Bereich der Narration erweitern, was ein gewöhnliches Fachbuch nicht leisten kann.

Interessant ist auch die Kategorisierung, die sich der Comic selbst gibt. In der deutschen Version ist hierbei eindeutig von einem „Comic“ die Rede, wie es uns der Untertitel auch mitteilt. Im 2009 erschienenen amerikanischen Original heißt das Werk: „The Stuff of Life. A Graphic Guide to Genetics and DNA“. Doch wie unterscheidet sich ein „Comic“ von einem „Graphic Guide“? Im Prinzip ist ein Comic, nach allgemein anerkannter Auffassung, eine „sequenzielle Kunst“, die in irgendeiner Art und Weise eine zusammenhängende Geschichte erzählt.[4] Ein „Graphic Guide“ ist von der reinen Wortwahl her eher eine Art „illustrierte Anleitung“, also ein Leitfaden für die Handhabung der Genetik und der DNA. Die Erwähnung der DNA im Titel ist bei der deutschen Version völlig unterschlagen worden, jedoch nicht ganz unwichtig. Schließlich zeigt sich hierin bereits eindeutig der visuelle Schwerpunkt des Werkes. Wie wir später noch sehen werden, ist insbesondere die grafische Darstellung der DNA eine der Kernelemente der modernen Genetik. Nicht zuletzt diese Tatsache macht deutlich, wie eng eigentlich das Medium Comic mit den Publikationen im naturwissenschaftlichen Bereich miteinander verbunden ist. Die Symbiose aus Zeichnung und Text ist seit jeher ein Charakteristikum der Naturwissenschaften und insbesondere der Molekularbiologie. Schließlich wäre Sprache alleine nur äußerst unzureichend, die komplizierten und eigentlich nicht sichtbaren Vorgänge in einer Zelle darzustellen. Deshalb ist es umso wichtiger das „Unsichtbare“ durch entsprechende Abbildungen erst sichtbar zu machen, um es dann anhand dieser „Abbilder“ mittels Sprache zu erklären, bzw. sie überhaupt erst „wirklich“ machen zu können. Ohne die unterstützenden grafischen Elemente wäre ein hinreichender Erklärungsansatz für die Geschehnisse im mikroskopischen Bereich fast unmöglich.[5]

Doch der Comic (bleiben wir einmal bei dieser Bezeichnung aus der deutschen Übersetzung) verrät uns nicht nur etwas über „das Geheimnis des Lebens“. Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis, was für einen herkömmlichen Comic schon eher ungewöhnlich ist, gibt uns Aufschluss darüber, was uns in den fünf Kapiteln nebst Einleitung erwartet. Neben einem Überblick über den Aufbau einzelner Zellen und ihrer Inhalte sowie deren Funktionsweisen in jeglichen Lebewesen, erfahren wir auch, wie die Vererbungsregeln funktionieren und welche Anwendungsmöglichkeiten uns durch die Erforschung unserer DNA offenstehen, bzw. welche Rückschlüsse wir durch ihre Untersuchung auf die Herkunft des Lebens ziehen können. Abschließend gibt uns der Autor noch einige Leseempfehlungen mit auf den Weg, um das Interesse an der Genetik durch entsprechende Fachliteratur zu vertiefen und liefert uns einen, ebenfalls durch Zeichnungen ergänztes, Glossar mit den wichtigsten Fachbegriffen zum schnellen nachschlagen. Sowohl Literaturempfehlung als auch Glossar weisen bereits darauf hin, dass es sich bei dem vorliegenden Werk nicht um einen Comic im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um eine durchaus als Fachlektüre ernst zu nehmende, wenn auch immer noch im Medium des Comic angesiedelte, Publikation, mit dem Anspruch nicht nur zu unterhalten, sondern auch gleichzeitig einen Bildungsbeitrag zu leisten.

Was dem Leser im nun folgenden ersten Kapitel präsentiert wird, ist zunächst eine frühgeschichtliche Darstellung im Zeitraffer, vom Urknall, bis hin zum Erscheinen der ersten Menschen. Eine Stimme aus dem Off navigiert den Leser hierbei durch die prähistorische Welt und erklärt das Entstehen von Leben aus einfachen, einzelligen Organismen, bis hin zum modernen Menschen.[6]

Einige Seiten später erfahren wir auch, dass diese Stimme Bloort 183 gehört, welcher uns Leser von nun an als „Guide“ durch den Comic begleiten wird. Bloort erinnert von seinem Äußeren her am ehesten noch einer Seegurke mit einem sternförmigen Kopf, in dessen Mitte ein einzelnes Auge prangt.[7] Er stammt vom Planeten Glargal, der von den Squinch bewohnt und von seiner königlichen Hoheit Floorsh 727 regiert wird. Floorsh besitzt einen gedrungenen Körper ohne erkennbare Gliedmaßen und einen tentakelbewährten Kopf, dessen Haupt eine Krone ziert. Genau wie bei Bloort sitzt auch sein einziges Auge in der Mitte des Kopfes. Auch die übrigen Mitglieder seines Hofstaates verfügen nur über ein Auge und ähneln vom Körperbau her sehr stark Bloort, unterscheiden sich allerdings in ihrer Kopfform.[8]

Der Leser erfährt, dass Bloort als wissenschaftlicher Beobachter auf die Erde gesandt wurde, um zu ergründen, wie sich das Leben auf der Erde auf so vielfältige Weise entwickeln und erhalten konnte. Hintergrund dieser Mission ist, dass sich eine Erbkrankheit in Floorshs Königreich ausbreitet. Um diese nun zu bekämpfen, suchen die, sich ausschließlich durch ein Klonverfahren fortpflanzenden, Bewohner von Glargal nun einen Weg, ihr Erbgut so miteinander zu vermischen, dass sie den genetischen Defekt durch Selektion ausschalten können. Eine Lösung des Problems erhofft man sich durch die Beobachtung der dominanten Spezies des Planeten Erde: des Menschen.[9]

[...]


[1] Siehe hierzu Niegemann, Helmut M., Bilder, in: ders., Kompendium multimediales Lernen, Berlin, Heidelberg 2008, S. 207-238, hier: S. 207.

[2] Vgl. Hessler, Martina; Mersch, Dieter, Bildlogik oder Was heißt visuelles Denken?, in: dies., Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft, Bielefeld 2009, S. 8-62, hier: S. 10-11.

[3] Siehe ebd., S. 11.

[4] Eine erschöpfende Abhandlung über die Definition des Begriffes „Comic“, siehe: McCloud, Scott, Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst, Hamburg 2001, S. 10-31.

[5] Vgl. Bippus, Elke, Skizzen und Gekritzel. Relationen zwischen Denken und Handeln in Kunst und Wissenschaft, in: Hessler, Martina (Hrsg.); Mersch, Dieter (Hrsg.), Logik des Bildlichen. Zur Kritik der ikonischen Vernunft, Bielefeld 2009, S. 76-93, hier: S. 84.

[6] Siehe Cannon, Kevin; Cannon, Zander; Schultz, Mark, Die Sache mit den Genen. Der Comic über das Geheimnis des Lebens, München, 2010, S. 10-14.

[7] Ebd., S. 17.

[8] Ebd., S. 16.

[9] Vgl. Cannon, Kevin; Cannon, Zander; Schultz, Mark, Die Sache mit den Genen, München 2010, S. 15-30.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656260752
ISBN (Buch)
9783656261834
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199618
Institution / Hochschule
Universität Hamburg – Institut für Medien und Kommunikation
Note
Schlagworte
Comic Comicguide Genetik

Autor

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