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Spezielle Sakramentenlehre - 5. Krankensalbung

Das Sakrament der Heilung und Vergebung

Skript 2008 56 Seiten

Theologie - Systematische Theologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
a. Sakrament der Krankensalbung als Sakrament des Übergangs
b. Der Glaube an das ewige Leben als Voraussetzung der Krankensalbung
i. Katholische Sicht des Glaubens
ii. Glaube als Für-wahr-Halten (assensio) des Objektiven
iii. Glaube als Vorgeschmack des ewigen Lebens
c. Weiterexistenz nach dem Tode als Sinnrahmen der Krankensalbung
i. Beweise und Realität innerhalb des angenommenen Paradigmas
ii. Unsterblichkeitsvorstellungen der Urmenschen
iii. Unsterblichkeitsvorstellungen der nichtchristlichen Religionen
iv. Nahtoderfahrung als eschatische Vorerfahrung

2. Biblische Grundlagen der Krankensalbung

3. Krankensalbung in der Tradition

4. Einsetzung durch Christus

5. Materie und Form des Sakraments
a. Materie der Krankensalbung
b. Form der Krankensalbung

6. Sinn und Wirkung der Krankensalbung
a. Biblische Hinführung
b. Kirchlich-theologische Hinführung
c. Wirkungen der Krankensalbung
i. Wirkungen im Allgemeinen
ii. Wirkungen im Einzelnen
(1) Vergebung der noch nicht getilgten Sünden
(2) Beseitigung der Überbleibsel der Sünden (reliquiae peccati)
(3) Erhebung und Stärkung der Seele
(4) Vereinigung mit dem Leiden Christi
(5) Körperliche Heilung und eventuelle Wiederherstellung der Gesundheit
(6) Vorbereitung auf die letzte Reise

7. Spender und Empfänger des Sakraments
a. Spender der Krankensalbung
b. Empfänger der Krankensalbung

8. Rahmen der Sakramentenspendung

9. Krankensalbung und Ökumene

1. Einführung

a. Sakrament der Krankensalbung als Sakrament des Übergangs

Das Sterben oder eine schwere Krankheit unterbrechen den gewöhnlichen Lauf des Lebens und heben sich somit vom tätigen Leben deutlich ab (vgl. KKK 1500, 1501)[1]. Daher ist es, menschlich gesehen,konsequent und verständlich, dass es auch für diese Grenzsituationen des Lebens ein eigenes Sakrament geben muss, da wir theologischgetrost davon ausgehen können, dass uns die Sakramente der Kirchean den Knotenpunkten unseres Lebens begleiten und diese heiligen.

So folgt auf die natürliche Geburt fürgewöhnlich die Taufe, welche eine Geburt für das übernatürliche Leben darstellt. Der Weg zur körperlichen, psychischen und intellektuellen Reife wird durch die Firmung geebnet, welchesals das Sakrament der christlichen Reife bezeichnet wird. Die einmalige, unwiederholbare und nicht rückgängig zu machende Wahl des Lebenswegs wird durch das Sakrament der Ehe oder der Weihe bestärkt und bestätigt. Eine schwere Krankheit oder das Sterben werden im Sakrament der Krankensalbung gleichsam aufgefangen und geheiligt, da ein Christ davon ausgehen kann, dass „es keinen Ort gibt, an dem sich die Güte Gottes nicht wirksam zeigt“(Clemens Alexandrinus, Str. IV 37,7). Ebenso kann angenommen werden, dass eskeine Lebenssituation gibt, in der Gott nicht an denen wirken kann, die diese Wirkung zulassen.

b. Der Glaube an das ewige Leben als Voraussetzung der Krankensalbung

i. Katholische Sicht des Glaubens

1. Das Sakrament der Krankensalbung, welches als „eine Vorbereitung auf die letzte Reise“ (KKK 1523, vgl. Catechismus Romanus[2] II 6.1) gesehen und „das Sakrament der Sterbenden“(KKK 1523) genannt wird,darf nur denjenigen gespendet werden, welche „so gefährlich krank zu sein scheinen, dass man fürchten muss, es möchte ihr letzter Lebtag bevorstehen“ (Catechismus Romanus II 6.2).Daher setzt sowohl die Spendung als auch der Empfang dieses Sakraments den Glauben an eine Weiterexistenz der Seele nach dem körperlichen Tode voraus.

2. Somit bildet der Glaube an das ewige Leben den eigentlichen theologischen Rahmen der Sakramentenspendung. Dieser Rahmen wirdimneuesten Katechismus folgendermaßen dargestellt:
- Der Christ, der sein Sterben mit dem Sterben Jesu vereint, versteht den Tod als ein Kommen zu Jesus und als Eintritt in das ewige Leben. Wenn die Kirche über den sterbenden Christen zum letzten Mal im Namen Christi die Lossprechungsworte gesprochen, ihn zum letzten Mal mit einer stärkenden Salbung besiegelt und ihm in der Wegzehrung Christus als Nahrung für die Reise gespendet hat, sagt sie zu ihm mit sanfter Bestimmtheit:

»Mache dich auf den Weg, Bruder (Schwester) in Christus, im Namen Gottes, des allmächtigen Vaters, der dich erschaffen hat; im Namen Jesu Christi, des Sohnes des lebendigen Gottes, der für dich gelitten hat; im Namen des Heiligen Geistes, der über dich ausgegossen worden ist. Heute noch sei dir im Frieden deine Stätte bereitet, deine Wohnung bei Gott im heiligen Zion, mit der seligen Jungfrau und Gottesmutter Maria, mit dem heiligen Josef und mit allen Engeln und Heiligen Gottes [...]. Kehre heim zu deinem Schöpfer, der dich aus dem Staub der Erde gebildet hat. Wenn du aus diesem Leben scheidest, eile Maria dir entgegen mit allen Engeln und Heiligen [...]. Deinen Erlöser sollst du sehen von Angesicht zu Angesicht […].„ (Sterbegebet, „Commendatio animæ“)«. (KKK 1020)

3. Der Glaube an das ewige Leben, welcher von der Kirche für den Empfang der Krankensalbung verlangt wird, darf jedoch nicht subjektivistisch, im Sinne einer subjektiven Annahme einer personenimmanenten Wunschwirklichkeit aufgefasst werden, welche nur im Kopfe des jeweiligen Gläubigen existiert, ihm das Leben und Sterben im Sinne eines Placebo-Effekts erleichtert,welche jedoch mit der externen und teilweise überprüfbaren Gesamtwirklichkeit nichts gemein hat.

ii. Glaube als Für-wahr-Halten (assensio)

1. Ohne ausführlich auf die Thematik der katholischen Auffassung vom Glauben eingehen zu wollen,[3] sei an dieser Stelle angefügt, dass in der katholischen Kirche der Glaube vornehmlich als ein Für-wahr-Halten (assensio) einer geoffenbarten göttlichenGesamtrealitätgesehen wird. Diese Gesamtrealität setzt sich sowohl aus Realitäten zusammen, welche natürlich sind und als solche erfahren werden, als auch aus Realitäten, welche übernatürlich sind und auf übernatürliche Art und Weise erfahren werden (vgl. KKK 53, 360, 367). Diese Wahrheit stellt der Katechismus wie folgt dar:

„Wir glauben nicht an Formeln (non in formulas), sondern an die Wirklichkeiten (sed in res), die diese ausdrücken und die der Glaube uns zu ,,berühren“ erlaubt. »Der Akt des Glaubenden hat seinen Zielpunkt nicht bei der Aussage, sondern bei der [ausgesagten] Wirklichkeit«[4]. Doch wir nähern uns diesen Wirklichkeiten mit Hilfe der Glaubensformeln. Diese ermöglichen, den Glauben auszudrücken und weiterzugeben, ihn in Gemeinschaft zu feiern, ihn uns anzueignen und immer mehr aus ihm zu leben.“ (KKK 170)

2. Da der göttliche und übernatürliche Teil dieser Gesamtrealität der rein menschlichen Vernunfterkenntnis unzugänglich ist, ermöglicht Gott die Erkenntnis seiner selbst und der göttlichen Wirklichkeit dadurch, dass er sich selbst und diese Realität offenbart, sowie durch seine Gnade den Glaubensakt initiiert (KKK 142, 154).

3. Diese so geoffenbarten Wirklichkeiten bilden als Glaubenswahrheiten das Depositum fidei, d.h.den Glaubensschatz der Kircheund haben Gott,„der weder selber irren noch andere in Irrtum führen kann“, (Vatikanum I, Dei Filius III 16)zum letzten Garanten ihrer Wahrheit.

4. Dem sich,in den Glaubenswahrheiten der Kirche, offenbarenden Gott ist der Glaubensgehorsamzu leisten, welcher sich alsGehorsam des Verstandes und des Willens äußert(Dei Filius III 16; KKK 144).

5. Der Glaubensakt selbst ist ein Akt der intellektuellen Zustimmung, in welchem der Glaubende die reale, objektive und außerhalb seiner selbst existierende Wahrheit als seine personale Wahrheit annimmt. Die lehramtlichen Texte stellen diesen Sachverhalt wie folgt dar:

„Glauben ist ein Akt des Verstandes, der auf Geheiß des von Gott durch die Gnade bewegten Willens der göttlichen Wahrheit beistimmt (Credere est actus intellectus assentientis veritati divinae ex imperio voluntatis a Deo motae per gratiam)“. (Thomas von Aquin, S. th. IIa-IIaeq. 2, a.9; zitiert durch Vatikanum I: DS 3010 und KKK 155).

Den Glauben als ein Für-wahr-Halten (assensio) der geoffenbarten Wahrheiten legtder Catechismus Romanus folgendermaßen dar:

„Das Wort »glauben« bedeutet somit an dieser Stelle nicht »meinen, dafür halten, wähnen«, sondern hat, wie die Heilige Schrift lehrt, den Sinn einer zweifellosesten Zustimmung (certissimae assensionis vim habet), der zufolge die Erkenntnis dem seine Geheimnisse offenbarenden Gott fest und ohne Schwanken zustimmt. Daher glaubt nur der […], welcher etwas ohne jeden Zweifel für gewiss und ausgemacht annimmt (is credit cui aliquid sine ulla haesitatione certum et persuasum est).“ (Catechismus Romanus I 2.2)

iii. Glaube als Vorgeschmack des ewigen Lebens

1. Im Lichte des Vorhergesagten wird der Glaube an das ewige Leben, welcher beim Empfang des Sakraments der Krankensalbung vorausgesetzt wird (Sacrosanctum concilium Nr. 59 und 61) und welcher,wie bei allen Sakramenten, zur Entfaltung der sakramentalen Wirkung beiträgt,nicht als eine subjektive Wunschvorstellung von etwas Nichtexistentemverstanden, sondern der Glaube wird als ein Für-wahr-Halten einer Realität angesehen die tatsächlich, und zwar unabhängig vom Dafürhalten des Subjekts,eintreten wird.
2. Die Wirklichkeit des ewigen Lebens, welche als eine göttlich-unveränderlich-real- spirituelle Wirklichkeit verstanden wird, kann manchmal auch in diesem Leben von manchen Menschen, die ein fortgeschrittenes sakramental-spirituelles Leben führen nur teilweise „wie durch den Spiegel in Rätselbildern (diV evso,ptrou evn aivni,gmati)“ (1 Kor 13,12) erfahren werden (KKK 163-164), indem sie ihnen als eine Vorahnung des vollkommen Schönen, Wahren und Heiligen gewährt wird.[5]
3. Die Wirklichkeit des ewigen Lebens wird aberin ihrer Fülle erst nach dem Tode erfahrbar. Daher kann sie in diesem Leben, dameistens nicht erfahrbar, auch nicht gewusst werden.Sie muss stattdessen geglaubt werden, indem man zum Garant ihrer Realität Gott selbst und seine Offenbarung, sowie ihre Darlegung in den Glaubenssätzen der Kirche heranzieht.
4. Im Moment der Krankensalbung, in dessen Hintergrund die reale Möglichkeit des Sterbens steht, treffen zwei Wirklichkeiten aufeinander. Zum einen ist es die subjektive Situation des Sakramentsempfängers, in welchem die Angst vor dem Tode, die Ahnung des kommenden Gerichts und Hoffnung auf dessen positiven Ausgang im Widerstreit liegen, zum anderen ist es die objektive Wirklichkeit des Sakraments und der mit ihm verbundenen Zusage (Ez 33,11; 1 Tim 2,4), dass Gott sich aller, die zu ihm flüchten und ihre Sünden bereuen, erbarmt.
5. Bevor wir ausführlich auf die eigentliche Thematik der Kranken Salbung eingehen, wollen wir uns kurz den Argumenten für eine Weiterexistenz nach dem Tode zuwenden.

c. Weiterexistenz nach dem Tode als Sinnrahmen der Krankensalbung

Bevor wir die letzten Dinge, die nach dem Tode zu erwartende Wirklichkeit, gemäß der katholischen Eschatologie vorstellen, welche die eigentliche Darstellung des Sakraments der Krankensalbung einleitet, soll hier kurz auf außerchristliche und außerreligiöse Argumente für eine Weiterexistenz nach dem Tod auch „Leben nach dem Tode“ genannt, eingegangen werden.

i. Beweis und Realität innerhalb des angenommenen Paradigmas

1. Die Frage nach dem Beweis für eine Weiterexistenz nach dem Tod darf nicht, wie es leider allzu häufig geschieht, damit abgewiegelt werden, dass man den Begriff „Beweis“ in den Bereich der Wissenschaft, vornehmlich der Naturwissenschaften verweist und jegliches Beweisen der theologischen Inhalte, die ja nur geglaubt werden, für unmöglich hält. Dieser Anschauung zufolgekann angeblich nur innerhalb der Formal- oder Naturwissenschaften tatsächlich gewusst und bewiesen werden, wohingegen im Bereich der eschatologischen Erwartung des Einzelnen, welche seinen persönlichen Glauben ausmachen, weder bewiesen noch gewusst werden kann, da es sich um nicht objektivierbare persönliche Überzeugungen handelt.
2. Ohne an dieser Stelle auf den überaus komplexen Bereich der wissenschaftlichen Erkenntnistheorie und Methodik oder auf die Wissenschaftlichkeit der Theologie näher eingehen zu wollen,[6] sei hier angeführt, dass jeglicher Diskurs samt seiner Methodologie und der ihr eigenen Beweisführung nur innerhalb der Grenzen dessen geführt werden kann, was man als real annimmt. So gelten die mathematischen Argumente und Beweisführungen innerhalb der Mathematik, die physikalischen innerhalb der Physik und die ästhetischen innerhalb der Ästhetik. In all diesen Bereichen ist man nicht nur zur Übereinkunft gekommen, wie man zu verfahren und zu beweisen hat, sondern man hegt auch die tiefe Überzeugung, dass es die Wirklichkeit der Mathematik, der Physik und der Ästhetik tatsächlich gibt und dass es diesen Wirklichkeitsbereich transsubjektiv und objektiv gibt.
3. Die Frage nach der Realität aber ist eine metaphysische Frage, welche auf eine metaphysische, axiomatisch erfolgte Annahme folgt. Dies bedeutet, dass erstens axiomatisch, dogmatisch und a priori angenommen wird, was man als real zu betrachten hat, umzweitens innerhalb dieser abgesteckten Grenzen, die Beweise und Argumente für die angenommene Realität zu erbringen. Obwohl diese Vorgehensweise zirkulär erscheinen mag, so stellt sie doch tatsächlich die gängige Vorgehensweise aller Wissenschaften dar. Da das gängige und unhinterfragte Paradigma der modernen Welt der wissenschaftliche Naturalismus darstellt,[7] welcher nur das als real annimmt, was man mit Mitteln der Naturwissenschaften feststellen und verifizieren kann, so bleiben viele Sachgebiete, die sich dieses Paradigmas nicht bedienen wollen oder können, als unwissenschaftlich und unrealistisch außen vor.
4. Dass die Methodik der Naturwissenschaften zirkulär ist, weil innerhalb des vorgegebenen Paradigmas das Ergebnis des Findens von der Methode des Suchens abhängt, wurde von manchen Naturwissenschaftlern selbst klar erkannt. So verglich der britische Astrophysiker Arthur Stanley Eddington (1882-1944) den Naturwissenschaftler mit einem Fischer, welcher als Fisch nur das definiert, was in seinem Netz, welches aus Maschen von zwei Zentimetern besteht, hängen bleibt. Somit gelten Fische und andere Arten, welche kleiner als zwei Zentimeter sind nicht als Fische, ebenso wenig wird das, was nicht ins Netz kommt, als Fisch betrachtet.[8]
5. Natürlich lässt sich die göttliche Wirklichkeit, welche den Gegenstand unserer Untersuchung bildet, nicht in das Netz, welches vom Paradigma des wissenschaftlichen Naturalismus vorgegeben wird, einfangen. Deswegen wird auch diese Wirklichkeit, welche den Urgrund der übrigen Realität bildet, von den Vertretern dieses Paradigmas nicht als real betrachtet. Um die eigentliche Gesamtwirklichkeit zum Gegenstand der Untersuchungen und Beweisführungen machen zu können, wäre ein neuer, von überzeugender Metaphysik getragener, Paradigmenwechsel notwendig, welcher schon öfters in der Geschichte der Geistes- und Naturwissenschaften stattfand[9] und auch von vielen Naturwissenschaftlern verschiedener Fachgebiete postuliert wird.[10]
6. Im Nachfolgenden soll auf verschiedene Argumente für eine Weiterexistenz nach dem Tode eingegangen werden. Dabei wird von der Prämisse ausgegangen, dass eine Aussage oder eine Handlung tatsächlich eine Erfahrung widerspiegelt, welche im trans-subjektiven Bereich stattgefunden hat, welche daherrealistisch gedeutet wird und somit einen Teil der spirituellen Gesamtwirklichkeit abbildet. Daher werden die verschiedenen kultischen Handlungen und religiösen Überzeugungen der ältesten außerchristlichen Religionen, welche von der Annahme einer Weiterexistenz nach dem Tode zeugen,nicht im Sinne eines geschichtlich-relativierten, kulturell-sozialen Placebo-Effekts gedeutet, sondern sie werden als ein, wenn auch unvollkommener,Ausdruck einer Wahrnehmung dessengesehen Was-Ist und Was-Kommen wird.

ii. Unsterblichkeitsvorstellung der Urmenschen

1. Die Annahme einer Weiterexistenz nach dem Todestelltdie älteste aller religiösen Grundüberzeugungendar. Diese Überzeugung kann schon bei den Urmenschen vermutet werden, da nachweislich schon Neandertaler vor ca. 40.000 Jahren Begräbnisriten kannten.[11] Es ist durchaus möglich, dass schon vor 80.000 Jahren kultische Begräbniszeremonienstattfanden. Denn auseben dieser Zeit stammt ein Neandertalergrab, in welchem der Verstorbene höchstwahrscheinlich mit Blumen bestreut wurde.[12] Obzwar Skeptiker behaupten, dass die Blumen, welche zweifelsfrei aus der Zeit des Begräbnisses herrühren,[13] durch Tiere oder durch den Wind in das Grab hineingelangt sein konnten und somit keinen Beweis für ein tatsächliches Begräbnisin so früher Zeit darstellen können,[14] so werden nicht einmal von ihnen die späteren Begräbnisrituale der Neandertaler angezweifelt.[15]
2. Das Vorhandensein von Begräbnisriten in einer so frühen Zeit kann als die erste nachweisbare Transzendenzerfahrung des Menschen gedeutet werden. Ferner lässt die Zelebration eines Begräbnisrituals, welches bei Tieren nicht vorkommt, darauf schließen, dass der Tod als etwas Positives und Feierwürdiges gesehen wurde und zwar für den Verstorbenen und nicht für die Verbliebenen, da eben auf seinen toten Körper die Blumen gestreut wurden. Da aber der Tod eines Familienangehörigen von den Verbliebenen meistens als negativ empfunden wird, so wären Begräbnisriten, welche, wie das Bestreuen des Grabes mit Blumen, dem Verstorbenen und nicht seinen Angehörigen zugutekommen, ohne eine Überzeugung seiner Weiterexistenz nach dem Tode widersprüchlich und nicht erklärbar. Das spätere Hineinlegen von Waffen und anderer Gegenstände des täglichen Gebrauchs in die Gräber der Urmenschen scheint darauf hinzudeuten, dass man davon ausging, dass der Verstorbene seine bisherigen Tätigkeiten im Jenseits fortführen wird.

iii. Unsterblichkeitsvorstellungen dernichtchristlichen Religionen

1. Mit der Entwicklung der Menschheit sind neben den archäologischen auch literarische Quellen für die verschiedenen Unsterblichkeitsvorstellungen zu finden.[16] Obwohl die Inhalte der jeweiligen Vorstellungen variieren, so richten sie sich alle nach dem Muster: (1) Tod als Trennung der Seele vom Körper, (2) persönliches Gericht, (3) Bestrafung des Bösen, (4) Belohnung des Guten.
2. Will man diese gleichbleibenden Jenseitserwartungen im Sinne einer der menschlichen Natur eingepflanzten, ethischen Erwartung interpretieren, welche zu hoffen vorgibt, dass das, was in diesem Leben ungeregelt und ungesühnt erscheint, die endgültige Wiedergutmachung nach dem Tode erhält.So muss sich doch eine über so viele Jahrtausende und Kulturen andauernder Erwartung auf etwas Reales beziehen, da auch alle anderen, gleichbleibenden,menschlichen Erwartungen (Glück, Liebe, Familie, Freundschaft, Selbstverwirklichung etc.) und Ängste (Krankheit, Unglück, Tod) sich auf etwas Reales beziehen.
3. Es liegt auch nahe, die Angst vor dem Tod, welche ein gleichbleibendes Phänomen der menschlichen Existenz darstellt, als Angst vor der Bestrafung nach dem Tode zu deuten. Denn würde man den Augenblick des Todes mit dem „Fallen ins Nichts“ gleichsetzen und dieses Nichts als etwas nicht existent Neutrales deuten, so hätte man nichts zu befürchten, da das Nichts nichts zu tun vermag. Da die Angst aber im gewöhnlichen Leben mit der Erwartung von etwas Negativen, welches uns unmittelbar bedroht, gleichzusetzen ist, so muss die Angst vor dem Tode ebenfalls als die Befürchtung von etwas unmittelbar Negativen gedeutet werden.
4. Wie mehrere empirische Untersuchungen zeigen, zeichnet eine geringere Angst vor dem Tod diejenigen Menschen aus, welche sich durch eine wahre Frömmigkeit auszeichnen, diejenigen also, welche tatsächlich in Übereinstimmung mit ihren religiösen Grundsätzen leben.[17] Denn diese haben, psychologisch gewendet, nach dem persönlichen Gericht wenig bzw. nichts Negatives zu befürchten.

iv. Nahtoderfahrung als eschatischeVorerfahrung

1. Neben den gleichbleibenden eschatischen, d.h. Jenseitserwartungen, und der Angst vor dem Tod, stellt auch die Nahtoderfahrungein starkes Argument für eine Weiterexistenz nach dem Tode dar.[18] Diese Erfahrung, auf die im Nachfolgenden näher eingegangen werden wird, ist mehr als vereinzelt anzutreffen. Aufgrund des medizinischen Fortschritts, welcher auch in einem fortgeschritten-kritischen Zustand eine Wiederbelebung erlaubt,wird sie manchen Schätzungen zufolge ca.4 – 5 % der westlichen Gesamtbevölkerung zuteil.[19]

a. Unter einer Nahtoderfahrung, im Nachfolgenden NTE genannt,[20] versteht man eine Reihe von Erlebnissen, welche einigen Personen zuteilwurden, die sich im Zustand eines feststellbaren klinischen Todes befanden und erfolgreich wiederbelebt wurden. Zu diesen Erlebnissen gehören nach Moody[21]:

(1) Das Unaussprechliche dieser Erfahrung.
(2) Ein Gefühl des Friedens und der Ruhe, sowie der Schmerzlosigkeit.
(3) Die Erkenntnis tot zu sein.
(4) Ein Verlassen des eigenen Körpers und eine Außerkörpererfahrung (AKE),[22] bei welcher manchmal die eigene Reanimation oder Operation von einer Position außer- und oberhalb des eigenen Körpers gesehen wird.

(5) a) Aufenthalt in einem dunklen Raum, über welchen manche Personen nicht hinauskommen. Von 15% der Betroffenen wird dieser Aufenthalt als beängstigend empfunden, von 1 bis 2 % gar als ein Höllenerlebnis erlebt.
b) Für die meisten Personen aber entsteht in diesem Raum ein Lichtfleck, welcher die Betroffenen zu sich zieht.
c)Tunnelerlebnis, bei welchemman mit hoher Geschwindigkeit zum Licht gezogen wird.

(6) Wahrnehmung einer außergewöhnlich schönen Umgebung.

(7) Begegnung und Kommunikation mit Verstorbenen.

(8) Lebensrückblick, welcher in einer Einheitsschau jenseits von Zeit und Raum stattfindet.

(9) Vorausschau auf denjenigen Teil des eigenen Lebens, welcherzum Zeitpunkt der NTE noch in der Zukunft liegt.

(10) Wahrnehmung einer Grenze, bei Überschreitung welcher es keine Möglichkeit einer Rückkehr zum eigenen Körper mehr gibt.

(11) Bewusste Rückkehr zum eigenen Körper, welche als schmerzhaft und enttäuschend erlebt wird.[23]

b. Obwohl nicht alle oben genannten NTE-Elemente von allen Betroffenen erfahren werden,[24] so sind diejeweils erlebtenElemente bei allen Menschen auffallend gleich und zwar unabhängig vom ihrem kulturellen und religiösen Kontext, Alter und Geschlecht, sowie anderen Differenzierungsmerkmalen,[25] obgleich die NTE-Erlebnisse in Worten, welche dem Alter, der Bildung, der Kultur, der Religion der Betroffenen entsprechen, wiedergegeben werden.[26]

c. Angesichts der Tatsache, dass NTE bei Kleinkindern vorkommen,[27] welche noch zu jung waren, um von solchen Erlebnissen gehört zu haben, wie auch Blindgeborene von NTE berichten und das bei der Außerkörpererfahrung Gesehene exakt wiedergeben[28], so muss eine Weiterexistenz des persönlichen Bewusstseins nach dem Tode angenommen werden, um diese Phänomene überzeugend erklären zu können.

6. Obwohl die subjektiveNTE mittlerweile von niemanden ernsthaft angezweifelt wird, sodassübereinstimmend angenommen wird, dass diejenigen Personen, welche über eine NTE berichten, tatsächlich eine NTE erlebt haben, so wird ihr Realitätsgehalt verschieden von den Objektivisten und Subjektivisten interpretiert.[29] Während die Objektivisten die NTE als ein Erlebnis einer objektiv-außersinnlichen und transsubjektiven Realität interpretieren, welche tatsächlich nach dem Tode für jedermann eintritt, sehen die Subjektivisten die NTE als ein subjektives, im Subjekt behaftetesErlebnis an,welches durch die Physiologie des Sterbens, d.h. die dabei freigesetzten Hormone und Botenstoffe,herbeigeführt wird und aufgrund des hormonellen Ausnahmezustandesdes Körpers einige Ähnlichkeiten mit Drogenerfahrungen,[30] epileptischen Anfällen[31] und anderen Ausnahmezuständen, wie Todesangst-Erfahrung,[32] AKE oder elektrische Stimulation von Schläfenlappen aufweist.[33]

7. Da im Nachfolgenden eine objektivistische Interpretation der NTE vertreten wird, verdient die Entkräftung der subjektivistischen Argumente einige Beachtung.

a. Die Subjektivisten gehen von der Annahme aus, dass es sich bei den NTE um keine Erlebnisse des tatsächlichen Todes handelt, da dieser nicht rückgängig zu machen ist.[34] Diese Aussage erinnert stark an Epikurs Diktum, wonach „der Tod uns nichts angeht; denn solange wir sind, ist der Tod nicht da; wenn aber der Tod da ist, dann sind wir nicht mehr.“[35] Demnach hat man den Tod deswegen nicht zu fürchten, weil entweder wir da sind und der Tod abwesend ist oder der Tod eintritt und wir nicht existieren.
b. Zu diesem subjektivistisch-epikureischen Argument muss man sagen, dass er von einer Definition des Todes ausgeht, welche axiomatisch und dogmatisch ist und von einer stricte materialistisch-reduktionistischen Weltanschauung ausgeht. Dieser Anschauung zufolge wird der Mensch auf die materiellen, naturwissenschaftlich wahrnehmbaren Körperfunktionen reduziert und mit diesen gleichgesetzt.[36] Das Bewusstsein, welches den Kern des Menschseins ausmacht, wird auf die Gehirnfunktionen reduziert, mit diesen identifiziert und als von diesen ableitbar erklärt. Dieser Anschauung zufolge kann es nach dem Ausfall aller messbaren Gehirnfunktionen und anderer Lebensparameter kein Bewusstsein mehr geben. Dieser Ausfall ist mit dem Tod identisch, mit welchem alles endet, weil nach diesem so definierten Tod, keine körperlichen Erfahrungen mehr möglich sind.
c. Dieser Ansatz samt seiner Definition des Todes kann dadurch leicht entkräftet werden, indem man die materialistische Grundprämisse „Körper = Bewusstsein“ in Frage stellt und eine neue Prämisse „Bewusstsein ≠ Körper“ aufstellt. So wird, um mit van Lommel zu sprechen, das „menschliche, nicht-lokale Bewusstsein“ als etwas gesehen, was sich zwar zu Lebzeiten des Körpers bedient,welches aber an und für sich, auch zu Lebzeiten, „im Raum des nicht-lokalen, unendlichen Bewusstseins“ existiert und nach dem Tode, welcher als ein Übergang vom körperlich-beschränktem Bewusstsein zum unendlich-unbeschränkten Bewusstsein definiert wird, sich mit dem unendlichen Bewusstsein vereinigt.[37]

[...]


[1] KKK = Katechismus der Katholischen Kirche, Neuübersetzung aufgrund der Editio typica Latina, München 2005. Die angegeben Zahlen führen nicht Seitenzahlen, sondern interne Nummerierung der Lehrsätze des Katechismus an.

[2] Catechismus Romanus auf Deutsch wird zitiert nach der Ausgabe Der römische Katechismus : nach dem Beschlusse des Konzils von Trient für die Pfarrer auf Befehl der Päpste Pius V. u. Klemens XIII. hrsg. übers. nach d. zu Rom 1855 veröff. Ausg. mit Sachreg, Kirchen/Sieg: Petrus-Verl. 19932. II 6.1 – bedeutet Zweiter Teil, Sechstes Hauptstück, Nummer 1.

[3] Mehr zu diesem Thema findet sich u.a. bei Beinert, Wolfgang, Lexikon der katholischen Dogmatik, Freiburg 1987, S. 193-197; KKK 144-184.

[4] Thomas von Aquin, Summa theological (= S. th.) , Paris IIa-IIaeq. 1, a.2 ad 2: Actus autem [fidei] credentis non terminatur ad enuntiabile, sed adrem [enuntiatam].

[5] Hiermit sind mystische Erlebnisse gemeint, welche gemeinhin als „Visionen des Himmels“ bezeichnet werden und in der gesamten christlichen Literatur, und nicht nur dort, anzutreffen sind. Der Begriff „Vision“ soll aber nicht nur als ein visuelles Erlebnis verstanden werden, sondern als ein ganzheitliches Erfassen einer übergeordneten Wirklichkeit. Von einer Schau des Göttlichen wird in der Bibel berichtet: z. B. Jes 6, 1-13 (Vision des Jesaja), 2 Kor 12,2-3 (Himmelsvision Paulus). Sie ist in vielen Heiligenlebensläufen anzutreffen: z.B. beim hl. Augustinus (Vision von Ostia, Bekenntnisse, Buch IX, Kap. 10, 23), beim hl. Ignatius von Loyola (Vision von Manressa im Jahre 1522, Ignatius von Loyola, Gott in allen Dingen lieben, Zürich/Düsseldorf: Benzinger 1999, S. 10, 235 [Brief vom Dienstag, 19. Februar 1544]), bei der hl. Faustyna Kowalska (Vision des Himmels, Tagebuch, Nr. 777, 778). Aber auch anderen, nichtkanonisierten Menschen wurden solche Erlebnisse zuteil: Nikolaus von Kues (Erleuchtung während der Überfahrt aus Konstantinopel, Ep. auct.; h I, p. 163), Nacht des Pascals (Mystisches Erlebnis in der Nacht vom 23 zum 24 November 1654, vgl. R. Schneider, Pascal [ausgewählte Schriften], S.122) u.a.

[6] Siehe dazu z. B.: Greco, John (Hg.), The Blackwell guide to epistemology, Malden, Mass.: Blackwell 2001; Pollock, John, Contemporary theories of knowledge, Lanham: Rowman & Littlefield1999; Lauth, Bernhard, Wissenschaftliche Erkenntnis eine ideengeschichtliche Einführung in die Wissenschaftstheori e, Paderborn: Mentis-Verl. 2005.

[7] Mehr dazu in Klibengajtis, Thomas, Human a praying animal. Spirituality as consequence of brain evolution, München: Grin 2012, S. 2-4.

[8] Mason, Stephen F., Geschichte der Naturwissenschaft, Stuttgart: Verlag für Geschichte der Naturwissenschaften und der Technik 1991, S. 678

[9] Mehr dazu in Klibengajtis, Human a praying animal, S. 3-4; vgl. Kuhn, Thomas, Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt a. Main: Suhrkamp 1993; Hacking, Ian, Representing and intervening. Introductory topics in the philosophy of natural science, Cambridge: Cambridge University Press 1983, bes. S. 10-11.

[10] Forderung eines Paradigmenwechsels sind u.a. zu finden bei: Lommel van Pim, „Near-death experience, consciousness, and the brain. A new concept about the continuity of our consciousness based on recent scientific research on near-death experience in survivors of cardiac arrest”, World Future 62(2006)134-151, hier S. 148 (Medizin); Berkovich, S. Y., “On the information processing capabilities of the brain: Shifting the paradigm”, Nanobiology 2(1993)99-107 (Hirnforschung); Schäfer, Lothar, “Nonempirical reality: Transcending the Physical and Spiritual in the order of the One”, Zygon 43:2(2008)329-352, hier S. 335 (Physik).

[11] Klein, Richard, “Archeology and the Evolution of Human Behaviour”, Evolutionary Anthropology 9(2000)17-36, hier:S. 26, 32. Mehr zu diesem Thema u.a. bei: Valladas H., “Thermoluminescence dates for the Neanderthal burial site at Kebara in Israel”, Nature Vol. 330, No. 6144(1987)159-160; Gargett Robert H. et al., „Grave Shortcomings: The Evidence for Neanderthal Burial [and Comments and Reply]”,Current Anthropology30:2(1989)157-190. http://www.pasthorizonspr.com/index.php/archives/05/2011/burial-practices-in-neanderthalshttp://news.discovery.com/history/neanderthal-burial-ground-afterlife-110420.html

[12] Klibengajtis, Human a praying animal, S. 16

[13] Über dieses Thema wurde viel geforscht, sogar die Bodenproben dieser Blumen wurden untersucht: Leroi-Gourhan, Arlette „The Flowers Found with Shanidar IV, a Neanderthal Burial in Iraq“,Science.New Series, Vol. 190, No. 4214 (Nov. 7, 1975) 562-564.

[14] Solecki, Ralph S., “Shanidar IV, a Neanderthal Flower Burial in Northern Iraq”, Science Vol. 190, No. 4217 (1975)880-881.

[15] Sommer, Jeffrey D., “The Shanidar IV ‘Flower Burial’: a Re-evaluation of Neanderthal Burial Ritual” Cambridge Archaeological Journal 9(1999)127-129.

[16] Eine kurze Literaturübersicht zum Thema Unsterblichkeitsvorstellungen in den außerchristlichen Religionen soll an dieser Stelle genügen. Weltreligionen: Segal, Alan F., Life after death : a history of the afterlife in the religions of the West, New York: Doubleday 2004; Badham, Paul, Death and immortality in the religions of the world, New York: Paragon House1987; Ägypten: Assmann, Jan, Ma'at: Gerechtigkeit und Unsterblichkeit im alten Ägypten,München: Beck 1990; Alter Israel: Spronk, Klaas, Beatificafterlife in ancient Israel and in the ancient Near East, Kevelaer: Butzon & Bercker 1986; Griechisch-Römische Antike: Pfannmüller, Gustav, Tod, Jenseits und Unsterblichkeit in der Religion, Literatur und Philosophie der Griechen und Römer, München: Reinhardt 1953; Armstrong A. H., Expectations of immortality in lateantiquity, Milwaukee: Marquette University Press 1987; Außereuropäische Religionen: Glasenapp, Helmuth von, Immortality and salvation in Indian religions, Calcutta: Susil Gupta1963; Formanek, Susanne, Practicing the afterlife : perspectives from Japan, Wien: Verl. der Österr. Akad. der Wiss. 2004; David-Neel, Alexandra, Unsterblichkeit und Wiedergeburt: Leben und Bräuche in China, Tibet und Indien, München: Droemer Knaur 2002; Bode, Dastru Framroze Ardeshir, Man, soul, immortality in Zoroastrianism, Bombay: J. C. Tarapore for the K. R. Cama Oriental Institute 1960; Mwandayi, Canisius, Death and after-life rituals in the eyes of the Shona dialogue with Shona customs in the quest for authentic inculturation, Bamberg: Univ. of Bamberg Press 2011.

[17] Die Forscher sprechen hier von der “firmness and consistency of religious beliefs and practices”: Wink, Paul und Scott, Julia, “Does Religiousness Buffer Against the Fear of Death and Dying in Late Adulthood? Findings From a Longitudinal Study”, Journal of Gerontology: Psychological Sciences 60B:4(2005)207-214, hier 207; Hoelter Jon W. und Epley Rita J., “Religious Correlates of Fear of Death”, Journal for the Scientific Study of Religion 18:4(1979)404-411; McMordie, William R., “Religiosity and Fear of Death: Strength of Belief System”, Psychological Reports 49(1981)921-922.

[18] Die Nahtoderfahrung wird spätestens seit Raymonds Moody’s Buch (Life After Life, Covington, GA: Mockingbird Books 1975) hauptsächlich von Medizinern und Neurobiologen untersucht.Literaturauswahl: Lommel van Pim, Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung, Patmos: Düsseldorf 20115, Lommel van P., Wees Van R., V. Meyers und I. Elfferich, “Near-death experience in survivors of cardiac arrest: A prospective study in the Netherlands”, Lancet 358(2001)2039–2045; Lommel van Pim, “Near-Death Experience, Consciousness, and the Brain. A new concept about the continuity of our consciousness based on recent scientific research on near-death experience in survivors of cardiac arrest.” World Futures 62(2006)134-151; Ring K., Life at Death: A Scientific Investigation of the Near-Death Experience, New York: Quill 1980; Newberg, A. B. und E.G. D’Aquili, "The Near Death Experience as Archetype: A Model for ‘Prepared’ Neurocognitive Processes,” Anthropology of Consciousness 5(1994)1-15; Saver J. L. und J. Rabin, “The Neural Substrates”, Journal of Neuropsychiatry and Clinical Neurosciences 9(1997)498-510 [Literatur: S. 504-505; Britton, Willoughby B. und Richard R. Bootzin, Near-Death Experiences and the Temporal Lobe”, Psychological Science 15:4(2004)254-258; Lopez, Ursula und Alain Forster, Jean-Marie Annoni, Walid Habre, Irène A. Iselin-Chaven, “Near-death experience in a boy undergoing uneventful elective surgery under general anesthesia”, Pediatric Anesthesia 16:1(2006)85-88; Probst, Charles, „Gehirn und Seele: was sagen Neurochirurgie und Hirnforschung?Mit Fragen aus den Grenzbereichen von Wissen und Glauben“, Theologisches 36:1/2(2006)27-42. Bedauerlicherweise wird dieses Thema theologisch kaum ausgewertet. Während der aussagekräftige Index theologicus (http://www.ixtheo.de/) der Universität von Tübingen, welcher seit Ende der 1970-ger theologische Aufsätze in den Konferenzsprachen auflistet seit dem Jahre 1977 zum Schlagwort „Tod“ 1590 Aufsätze anführt, gibt es aus demselben Zeitraum zum Schlagwort „Nahtoderfahrung“ nur 17 Treffer.

[19] Dies behauptet Pim van Lommel, ders., “Near-Death Experience, Consciousness, and the Brain. A new concept about the continuity of our consciousness based on recent scientific research on near-death experience in survivors of cardiac arrest.” World Futures 62(2006)134-151, hier S. 135. Er stützt sich dabei auf die folgenden Untersuchungen: Gallup, G. Jr., Adventures in immortality, NewYork: McGraw-Hill 1982; Schmied, I., Knoblaub, H.und B. Schnettler,„Todesnäheerfahrungen in Ost- und Westdeutschland. Eine empirische Untersuchung“,in:Knoblaub H. and H. G. Soeffner (Hgs.), Todesnähe: Interdisziplinäre Zugänge zu einem außergewöhnlichen Phänomen, Konstanz: Universitätsverlag Konstanz1999,S. 65–99.

[20] Im Englischen Near-Death Experience (NDE).

[21] Moody R.A., Leben nach dem Tod, Reinbek: Rowohlt 20079. Über alternative Einteilungen von NTE zu Moody siehe, Lommel, Endloses Bewusstsein, S. 38-44.

[22] Im Englischen Out of Body Experience (OBE).

[23] Angabe nach Lommel, Endloses Bewusstsein, S. 36-38, vgl. Lommel, “NDE, Consciousness”, S. 134-135; Britton, “NDE and the Temporal Lobe”, S. 254; Lopez,NDE in a boy”, S. 85.

[24] Forscher entwickelten verschiedene Skalen, nach welchen sie die Tiefe einer NTE einschätzen können. Kenneth Ring [ Life at Death: A Scientific Investigation of the Near-Death-Experience, New York: Coward, McCann & Geoghegan 1980] geht von einer Skala mit 29 maximal erreichbaren Punkten aus. Wird auf dieser Skala ein Wert unter 6 erreicht, so spricht man noch von keiner NTE. Beim Wert zwischen 6 und 9 spricht man von einer mittleren NTE, bei einer Erfahrung von 10 bis 29 Punkten geht man von einer tiefen oder sehr tiefen NTE aus. Bruce Greyson [„The near-death experience scale: construction, reliability and validity“, Journal of Nervous and Mental Disease 171(1983)369-375] hingegen stellte eine Skala von 0 bis 32 Punkten auf, welche als übersichtlicher und einfacher anzuwenden bewertet wird, da sie eher eine Abgrenzung von NTE gegenüber denjenigen Erfahrungen erlaubt, welche auf Hirnschäden, unspezifische Stressreaktionen in lebensgefährlichen Situationen oder Bewusstseinsveränderung nach Drogenkonsum zurückzuführen sind. [Alle Angaben nach Lommel, Endloses Bewusstsein, S. 41-42].

[25] Lommel, Endloses, S. 351.

[26] Lommel, Endloses, S. 117.

[27] Lommel, Endloses, S. 101-110. Vgl. Morse, M., Perry, P., Zum Licht. Was wir von Kindern lernen können, die dem Tode nahe waren. München: Droemer Knaur 1994; Atwater, P.M.H., The New Children and Near-Death Experience, Rochester: Bear & Company 2003.

[28] Lommel, Endloses, S. 51-54; vgl. Ring, K.; Cooper, S., Mindsigth:Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind, Palo Alto: William James Center: Institute of Transpersonal Psychology 1999; diess. “Near-Death and Out-of-Body Experiences in the Blind: A Study of Apparent Eyeless Vision”, Journal of Near-Death Study 16:2(1997)101-147.

[29] Potts, Michael, „Sensory experiences in near death experiences and the Thomistic view of soul”, International Journal for Philosophy of Religion 48(2001)85-100; hier 85-86; vgl. ders., “The Evidential Value of Near-Death Experiences for Belief in Life After Death”, Journal of Near-Death Studies 20:4(2002)233-258.

[30] Dabei geht es vornehmlich um die Droge Ketamin: Jansen, W., „The ketamine model ofthe near-death experience: A central role for the N-methyl-D-aspartate receptor”, Journal of Near-Death Studies 16(1997)5-26.

[31] Britton und Bootzin, NDE and the Temporal Lobe”, S. 254: “Near-death experiencers and temporal lobe epileptics share the tendency to be transformed by their experiences and take on new spiritually oriented interests and values (Groth-Marnat, G.und Summers, R.“ Altered beliefs, attitudes, and behaviors following near-death experiences”, Journal of Humanistic Psychology 38(1998)110–125; Waxman, S.G. und Geschwind, N. “The interictal behavior syndromes of temporal lobe epilepsy”, Archives of General Psychiatry 32(1975)1580–1586).” Britton und Bootzin kommen zu der Schlussfolgerung, dass Personen, die eine NTE hinter sich haben einige Auffälligkeiten im Bereich des Schläfenlappen des Großhirns, im Vergleich zu der Kontrollgruppe, aufweisen. Wäre diese Auffälligkeit, wie die Autoren suggerieren (S. 258), angeboren, nicht posttraumatisch und nicht durch die NTE herbeigeführt, so würde es, unserer Meinung nach, die Frage beantworten, warum nicht alle Personen, die sich im Zustand des klinischen Todes befanden über eine NTE berichten. Die Antwort würde in diesem Falle lauten, dass, obwohl alle Menschen nach dem Tode die durch die NTE beschriebenen Zuständen erleben, so sind nur manche Menschen mit einem Gehirn ausgestattet, welcher es ihnen gestatten, sich an eine NTE zu erinnern und diese wiederzugeben.

[32] Es geht um Erfahrungen (wie z.B. Ertrinken, Autounfall, Runterfallen vom Berg etc.), welche mit einer Todesangst einhergehen und häufig mit einem Lebensrückblick verbunden sind, aber zu keinem klinischen Tod oder einer NTE führen. Siehe: Owens, J. E., Cook, E. W., und Stevenson, I.,“Features of “near-death experience”in relation to whether or not patients were near death”, Lancet 336(1990)1175–1177; Noyes, R.,“The experience of dying”, Psychiatry 35(1972)174–184; Noyes, R., und Kletti, R.,“Depersonalization in the face of life-threatening danger:A description”, Psychiatry 39(1976)19–27; Blackmore, S., Dying to live: Near-death experiences, Buffalo, NY: Prometheus Books 1993 (Literaturangaben nach Potts, “Evidential”, S. 238).

[33] Ausführliche Zusammenstellung der physiologischen und psychologischen Theorien zur Ursachen der NTE samt Literatur Lommel, Endloses, S. 120-145.

[34] Becker, C. B., Paranormal experience and survival of death, Albany, NY: Prometheus Books 1993, S. 93.

[35] Hossefelder, Malte, Die Philosophie der Antike 3. Stoa, Epikureismus und Skepsis. In: Röd, Wolfgang (Hg.), Geschichte der Philosophie, Bd. III: München: C.H. Beck 19952, S. 115.

[36] Dieser materialistisch-reduktionistischer Ansatz, welcher diskussionslos an (fast) allen medizinischen Fakultäten der westlichen Welt vorausgesetzt wird, wird eingehend von van Lommel dargestellt und beklagt: Lommel, Endloses, S. 256-261.

[37] Mehr dazu in Lommel, Endloses, S. 221-329 (Literatur). Der Autor geht, der Quantenphysik gemäß, davon aus, dass wir in einem nicht-lokalen Universum leben, in welchem alles mit allem verbunden ist und eine Einheit bildet, ohne miteinander „lokal“, d.h. mechanisch, elektrisch, magnetisch etc. verbunden zu sein (S. 221-255). Diese Art der nicht-lokalen Verbindung besteht auch zwischen dem menschlichen Bewusstsein und dem Gehirn (S. 265-280), welches nicht über genügend „Speicherkapazität“ verfügt, um das Langzeitgedächtnis zu erklären oder den Lebensrückblick bewerkstelligen zu können. Das Gehirn verfügt über ca. 1014 Synapsen, tagsüber finden aber darin etwa 1024 Aktionen pro Sekunde statt. (S. 210-211, vgl. Romijn, H., „About the origin of consciousness. A new, multidisciplinary perspective on the relationship between brain and mind”, Proceedings of the Koninklijke Nederlandse Akademie van Wetenschappen 100:1-2(1997)181-267). So muss man davon ausgehen, dass der Großteil unseres Bewusstseins sich außerhalb unseres Gehirns befindet. Das Verhältnis Gehirn-Bewusstsein wäre in etwa mit einem Computer vergleichbar, welcher nur über einen internen Arbeitsspeicher verfügt, seine Daten jedoch, welche die Festplatte ausmachen, außerhalb als Auslagerungsdateien auf einem externen Server lagert, zu welchem er ständig Zugang hat. Diese Theorie würde auch solche Phänomene des nicht-lokalen Informationsaustauschs erklären wie: erhöhte intuitive Sensibilität, Fernwahrnehmung, Genialität, Psychokinese, Telekinese und Teleportation (S. 322-328).

Details

Seiten
56
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656264101
ISBN (Buch)
9783656264132
Dateigröße
676 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199610
Institution / Hochschule
Technische Universität Dresden – Institut für Katholische Theologie
Schlagworte
Sakramentenlehre Katholische Kirche Krankensalbung Tod Jenseitsvorstellungen Realistische Definition des Glaubens Nahtoderfahrung Sterbeprozess Sterbebegleitung Alter Ritus Eschatologie Paradigma der Naturwissenschaften Krankensalbung durch Laien

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Titel: Spezielle Sakramentenlehre - 5. Krankensalbung