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Mediennutzung und Integration der Immigranten

Hausarbeit 2012 11 Seiten

Medien / Kommunikation - Interkulturelle Kommunikation

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Studien
2.1. (Bisherige) Befunde zur Mediennutzung
2.2. Eine qualitative Betrachtung

3. Beantwortung der Forschungsfrage

4. Ausblick

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bei der Frage, ob fremdländische Mediennutzung die Integration fördert oder verhindert ging es ursprünglich um die Besorgnis, die über die Existenz sogenannter „Medienghettos“ geäußert worden war. In der vorliegenden Hausarbeit möchte ich klären, ob eine derartige Vermutung begründet sein könnte. Hierzu möchte ich zwei Studien, die sich in ihrer methodischen Herangehensweise unterscheiden, darstellen. Die erste Studie ist eher quantitativ zu verorten, während die zweite Studie auf Aussagen der betreffenden Personen selbst basierend, eher qualitativ ausgerichtet war und Ansatzpunkte für mögliche Handlungsempfehlungen aufzeigt. Im Anschluss möchte ich kurz skizzieren, ob die Studien zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind und was ihre Hauptunterschiede waren.

2. Studien

2.1. (Bisherige) Befunde zur Mediennutzung

Die Studie „Mediennutzungsmuster türkischstämmiger Jugendlicher und junger Erwachsener in Nordrhein- Westfalen“ von Sünje Paasch- Colberg und Joachim Trebbe (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010) basiert unter anderem auf der Präsentation von Ergebnissen einer telefonischen Befragung 12- 29- jähriger Personen mit Migrationshintergrund in Nordrhein- Westfalen.

Darin werden bisherige Befunde zur sprachgebundenen Mediennutzung aufgezeigt und neben den konventionellen Massen- auch neue Funktionsmedien wie PC und Handy berücksichtigt.

Nach Angaben der beiden Autoren hat sich bei dem Versuch der Fortschreibung bisheriger Ergebnisse zur Mediennutzung gezeigt, „dass die Nutzung dieser Funktionsmedien eher mit der sozialen Situation der Befragten als mit ihrem Integrationsstatus zusammenhängt.“ (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.368).

Umgekehrt hätten „Analysen zur Wirkung sprachgebundener Massenmediennutzung auf die soziale Integration“ keine Auswirkungen von „exklusiv deutschsprachiger Mediennutzung“, aber „deutliche Effekte einer ausgewogen zweisprachigen Mediennutzung“ gezeigt. (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.238).

Zur Darbietung eines Überblicks über den bisherigen Forschungsstand wurden in der oben genannten Studie zunächst die Ergebnisse anderer Studien wiedergegeben:

Im Jahre 2000 sei im Auftrag des Presse- und Informationsamtes der deutschen Bundesregierung eine Befragung zur Beschreibung der Mediennutzungsprofile der türkischen Migranten im Zusammenhang mit ihrem Integrationsstatus durchgeführt worden. In dieser BPA- Studie habe es erstmals die Möglichkeit gegeben, Mediennutzungsdaten mit Faktoren der Lebenswelt und sozialen Integration der Befragten zu verbinden. Und so auch die Zusammenhänge zwischen beiden Bereichen zu erforschen. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.369).

Um mehr über den Zusammenhang zwischen Integrationsstatus und Mediennutzung zu erfahren, seien in der BPA Studie unterschiedliche Typen, die sich im Grad ihrer gesellschaftlichen Integration und Interaktion unterscheiden, gebildet worden. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.370).

Es ließen sich Zusammenhänge zeigen, die komplex waren. So hätten etwa Befragte mit „hohem sozialen Interaktionsgrad“, „großem politischem Interesse für deutsche Themen und einer hohen Aufenthaltsdauer“ auch häufig deutschsprachige Medien genutzt, ohne dabei „ihren türkischen Herkunftskontext aufzugeben und massenmedial zu vernachlässigen.“ (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.370). In der Nutzung türkischsprachiger Medien seien die Unterschiede zwischen hoch Integrierten und gering Integrierten eher niedrig gewesen. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.370).

Die Studie, die im Jahre 2006 auf Initiative des WDR gestartet worden war, sei in einer Umfrage unter 14- bis 49 jährigen Personen zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen: „vergleichsweise (sic!) hohe türkischsprachige Mediennutzung, auch bei Jüngeren ohne Migrationserfahrung, aber eben in den meisten Fällen mit einer ebenfalls intensiven deutschsprachigen Mediennutzung“ kombiniert. (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.370).

Zur Betrachtung der Befunde sei auch in der WDR-Studie zum Verständnis von Integration auf eine Systematik von Berry (2007) zurückgegriffen worden. Der Grad der Integration sei per Bestimmung des Verhältnisses zur Aufnahme- und zur Herkunftsgesellschaft klassifiziert worden. Unterschieden worden seien die Strategien Integration (positiv zur Ankunfts- und zur Herkunftsgesellschaft), Marginalisierung (negativ zur Ankunfts- und zur Herkunftsgesellschaft), Assimilation (positiv zur Ankunftsgesellschaft) und Separation (positiv zur Herkunftsgesellschaft). (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S.371).

Diese vier Akkulturationsstrategien hätten sich in der WDR-Studie anhand von „Fragen zur ethnischen Identität, sozialen Interaktion und politischen Partizipation als unabhängige Variablen modellieren und hinsichtlich ihrer Effekte auf die Mediennutzung überprüfen lassen.“ (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 371).

Dabei habe sich gezeigt, dass Personen mit integrativer bzw. assimilativer Akkulturationsstrategie parallele Mediennutzungsstrategien mit überdurchschnittlich deutschsprachiger Mediennutzung verfolgten. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 371).

Während in der BPA Studie nur Personen, die mindestens 14 Jahre alt waren, befragt worden seien, bestünde die Möglichkeit, ihre und die Befunde der WDR- Studie mittels der Studie der Landesanstalt für Medien Nordrhein Westfalen (LfM NRW) mit Befragten im Alter von 12- 29 Jahren zu überprüfen. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 372). Befragt worden sei darin zu den Themen Freizeit, Medienausstattung, Integration, ethnische Identität und Demographie. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 373).

Für Ergebnisse zu den Zusammenhängen zwischen der Nutzung sogenannter „Funktions- und Individualmedien und dem alltäglichen Sprachgebrauch bzw. der Soziodemographie der Befragten“ sei der „alltägliche Sprachgebrauch“ als „Indikator für die soziale Interaktion mit und in der Mehrheitsgesellschaft“ betrachtet worden. „Im Fall der Funktionsmedien“ wie Internet, Mobiltelefon, Computer und Konsolenspielen habe man keine „sprachgebundene Nutzung“ bestätigt. (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 381).

Um zu zeigen, dass die Variable Sprachgebrauch keine Zusammenhänge zu der Nutzungsfrequenz von Individualmedien aufweist, seien in der Studie der LfM NRW die entsprechenden Felder in der Korrelationsmatrix nicht ausgefüllt worden. Aber, je höher die formale Bildung war, desto häufiger seien Handy, PC und Internet genutzt worden. Die Nutzungsfrequenz von PC- und Konsolenspielen habe lediglich einen negativen Zusammenhang mit dem Alter gezeigt. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 381).

Bei der Regression der Akkulturationsstrategien auf die jeweilige soziodemographische Variable hätten sich positive Zusammenhänge der Integration mit dem Alter, der Bildung und der Aufenthaltsdauer gezeigt. Assimilation sei positiv von der Bildung abhängig, während negative Zusammenhänge zwischen Separation und Aufenthaltsdauer und negative Zusammenhänge zwischen Aufenthaltsdauer und Marginalisierung hätten nachgewiesen werden konnten. (Vgl. Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 383- 384).

Außerdem habe sich gezeigt, dass Befragte, die Medien in zwei Sprachen nutzten, eher als integriert betrachtet werden konnten. Allerdings zeigte sich auch, dass Zweisprachigkeit negativ mit Assimilation zusammenhängt. (Paasch- Colberg und Trebbe, 2010, S. 384).

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Details

Seiten
11
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656266440
ISBN (Buch)
9783656266778
Dateigröße
440 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199565
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz – Institut für Publizistik
Note
Schlagworte
Integration Türkische Migranten

Autor

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Titel: Mediennutzung und Integration der Immigranten