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Die Rolle der Frau in der Sowjetunion und in Russland

Hausarbeit 2012 20 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Russische Revolution und Emanzipation der Frauen

3. Frauen im Stalinismus

4. Die Situation der Frauen im zweiten Weltkrieg und den Nachkriegsjahren..

5. Die Lage der Frauen in der Perestrojka und bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion

6. Die Situation der Frau ab 1991

7. Haushalt, Alltagsleben und Kindererziehung
7.1 Haushalt
7.2 Wohnsituation
7.3 Kinder
7.4 Sexualität
7.5 Weiblichkeit

8. Arbeitswelt und Einkommen

9. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Die Rolle der Frau in der Sowjetunion und in Russland

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„ Die sowjetische Frau ist das Ergebnis einer kulturellen Neurose, die beim Zusammenstoß zwischen erzwungener Modernität und den traditionellen , romantischen Vorstellungen über die Rolle der Frau in Familie und in Gesellschaft entstanden ist.“1

Dieses Zitat von Sonja Margolina, einer russischen in Berlin lebenden Publizis- tin sagt viel über die Entwicklung der Rolle der Frau in der Sowjetunion aus.

Die folgende Hausarbeit analysiert daher die Entwicklungen der Rolle der Frau von 1917 bis zur aktuellen Zeit.

Die Aufgabe ist es zu prüfen inwieweit die These von Sonja Margolina zu bestätigen ist. Des Weiteren soll untersucht werden, inwiefern die Gleichstellung der Frau, die in der sowjetisch-marxistischen Ideologie verankert ist, tatsächlich in der Realität eingelöst wurde. Ein weiterer Aspekt sind die Auswirkungen vom Zusammenbruch der Sowjetunion und der Übergang zur Marktwirtschaft auf die Lebensbedingungen der Frauen.

Zur Beantwortung dieser Fragen habe ich mich auf Forschungsarbeiten und Studien zum Thema Frauen in Russland gestützt, habe aber auch Sammlungen von Interviews mit Frauen in der Sowjetunion wie z.B. das Buch „Moscow women: 13 interviews” von Carola Hansson verwendet, da diese Interviews die Sicht der Frauen direkt und persönlich darstellen und einen tieferen Einblick in die Gefühlswelt der Frauen bieten.

Die ersten Kapitel beschreiben die Situation der Frauen in den jeweiligen Zeit- epochen ab 1917 bis Anfang des 21. Jahrhunderts. Die Epochen sind so einge- teilt worden, wie es zur Darstellung der Veränderungen am sinnvollsten erschien.

Die Kapitel 7 und 8 geben abschließend einen Überblick über die Themenge- biete Haushalt, Wohnsituation, Kindererziehung, Sexualität und Gewalt, sowie Arbeit und Einkommen, da sich viele Lebensumstände über mehrere Epochen hindurch gezogen haben und so besser und übersichtlicher dargestellt werden können.

Das Letzte Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und gibt einen möglichen Ausblick auf die zukünftige Situation der Frauen in Russland.

2. Russische Revolution und Emanzipation der Frauen

Am Internationalen Frauentag 1917 traten in Petrograd Textilarbeiterinnen in den Streik. Binnen weniger Tage hatten sich diese Streiks zu einem Massenstreik entwickelt - dem Beginn der russischen Revolution.2

Nach der Machtübernahme der Bolschewiki schien es möglich, die Vorstellun- gen von einer sozialistischen Zukunft und Lebensweise in Sowjetrussland rea- lisieren zu können. Alle Mitglieder der Gesellschaft sollten durch die Teilnah- me an der Produktionsarbeit die Gleichheit erlangen, häusliche Verrichtungen durch öffentliche Institutionen übernommen und rationalisiert, Kindererzie- hung vergesellschaftet werden. Zahlreiche Gesetzesmaßnahmen seit 1918 wie z. B. die Legalisierung von Ehescheidungen und Abtreibungen (1920 erste offizielle Erlaubnis zur Abtreibung3 ), ein vereinfachtes Ehegesetz, ein staatlicher Mutterschutz ( 16 Wochen bei voller Lohnfortzahlung4 ) , Arbeitsschutzbestimmungen für Frauen wie Verbot der Nachtarbeit, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie gleicher Lohn für gleiche Arbeit sollten rasch zu einer neuen, gleichberechtigten Gesellschaft führen. Bei diesem historischen Experiment bedachten die Bolschewiki anfangs jedoch nicht, wie ein Übergang zu schaffen sei, wie die vorhandenen Alltagsbedingungen mit den theoretischen Zielen in der Praxis vereinbart werden könnten.5

Die Einbeziehung der Frauen in den Produktionsprozess und eine schnelle Umsetzung des Gleichheitsanspruchs schien während des Bürgerkrieges durch eine hohe Erwerbsquote der Frauen sehr nahe. Nach dem Kriegsende kehrten jedoch die Männer zurück und verdrängten die Frauen von ihren Arbeitsplätzen. Hinzu kam ein wirtschaftlicher Abstieg, der die Schließung zahlreicher Betriebe forderte und Frauen als erste entlassen wurden.6

3. Frauen im Stalinismus

Unter Stalin wird eine offene Diskussion zur Frauenproblematik nicht mehr zugelassen und die Funktion der Frau als Mutter wieder aufgewertet. Die Be- rufstätigkeit wurde einfach nur zu der traditionellen Rolle als Mutter und Haus- frau hinzugefügt, wodurch eine Doppelbelastung der Frauen resultierte.7 Die Kindererziehung war außerdem alleinige Aufgabe der Frau. In der Verfassung von 1936 wird die liberale Scheidungs- und Abtreibungspraxis abgeschafft und die rechtliche Gleichheit von Frauen mit den Männern als Errungenschaft ge- feiert, die sich in einer hohen Anzahl von erwerbstätigen Frauen ausdrückte.8 Eine Aufwertung der Familie fand gleichzeitig mit einer Zunahme der Frauen in die Industrie statt. 1928 gab es ca. 2,5 Mio. erwerbstätige Frauen, 1931 be- reits 3,6 Mio.9 Der Mangel an Männern übte zusätzlichen Druck auf die Frauen aus in die Berufstätigkeit einzutreten.10

Das Abtreibungsverbot war für viele Frauen eine harte Zeit, viele starben an den Folgen der illegalen Abtreibungen oder wurden durch sie unfruchtbar.11

Um eine weiter sinkende Geburtenrate zu verhindern, wurden unter Stalin Me- daillen und Auszeichnungen für Mütter mit vielen Kindern vergeben. Eine Mutter mit 10 Kindern galt als Heldenmutter, eine Mutter mit 7-9 Kindern be- kam eine Ehrenmedaille und eine Mutter mit 5-6 Kindern eine Mutterschafts- medaille aus Bronze und Silber. Kinderlose Frauen wurden durch höhere Steuern bestraft.12 Die meisten Frauen dachten jedoch, dass Teilzeitarbeit, bes- sere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und mehr finanzielle Unterstützung bes- ser zur Steigerung der Geburtenrate geeignet gewesen wären.13 Viele Frauen konnten sich aufgrund der finanziellen Situation nur 1 Kind leisten.

[...]


1 Margolina, Sonja: Rußland: Die nichtzivile Gesellschaft, Hamburg, 1994, S.79

2 Vgl. Scheide, Carmen, Stegmann, Natali: Frauen- und Geschlechtergeschichte. Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, 2003, S.9

3 Vgl. Stein-Redent, Rita: Zum Wandel der Familie in Russland : Eine Bestandsaufnahme ihrer Veränderungen seit 1917, Hamburg,2008, S.129

4 Vgl. Stein-Redent, Rita: Zum Wandel der Familie in Russland : Eine Bestandsaufnahme ihrer Veränderungen seit 1917, Hamburg,2008, S.102

5 Vgl. Scheide, Carmen, Stegmann, Natali: Frauen- und Geschlechtergeschichte. Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, 2003, S.9

6 Vgl. Scheide, Carmen, Stegmann, Natali: Frauen- und Geschlechtergeschichte. Digitales Handbuch zur Geschichte und Kultur Russlands und Osteuropas, 2003, S.9

7 Vgl. Hansson, Carola: Moscow women: 13 interviews, London, 1984, S.8

8 Vgl. Chaterterjee, Choi: Celebrating Women: Gender, Festival Culture, and Bolshevic Ideology, Pittsburgh, 2002

9 Vgl. Stein-Redent, Rita: Zum Wandel der Familie in Russland : Eine Bestandsaufnahme ihrer Veränderungen seit 1917, Hamburg,2008, S.103

10 Vgl. Hansson, Carola: Moscow women: 13 interviews, London, 1984, S.8

11 Vgl. Hansson, Carola: Moscow women: 13 interviews, London, 1984, S.129

12 Conze, Susanne: Sowjetische Industriearbeiterinnen in den vierziger Jahren : die Auswirkungen des Zweiten Weltkrieges auf die Erwerbstätigkeit von Frauen in der UdSSR 1941 - 1950, Stuttgart, 2001, S.81

13 Vgl. Hansson, Carola: Moscow women: 13 interviews, London, 1984, S.125

Details

Seiten
20
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656257226
ISBN (Buch)
9783656258865
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199434
Institution / Hochschule
Universität zu Köln – Slavisches Institut
Note
Schlagworte
Frau Sowjetunion Russland Osteuropa

Autor

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Titel: Die Rolle der Frau in der Sowjetunion und in Russland