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Der Manichäismus - ein Überblick

Hausarbeit 2010 14 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Frühgeschichte, Antike

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Quellen über den Manichäismus

2. Die Gnosis
2.1. Der Begriff
2.2. Eine Definition

3. Der Religionsstifter Mani

4. Die Lehre Manis
4.1. Der Schöpfungsmythos
4.2. Die manichäische Kirche
4.3. Lebenspraxis und Kult
4.4. Die manichäischen Schriften

5. Verbreitung und Untergang
5.1. Mission

6. Schluss

Bibliographie

1. Einleitung

„Die Religion, die ich erwählt habe, ist in zehn Dingen viel besser als die anderen, früheren Religionen. Erstens: [...] meine Religion ist in jedem Lande und in allen Sprachen bekannt und wird in den fernsten Ländern gelehrt.“1

Mani hat also bewusst versucht eine Religion zu begründen, die sich von den bestehenden Religionen dadurch unterscheidet, dass sie in verschiedenen Sprachen und Regionen gelehrt werden konnte. Seine Idee war, aus verschiedenen Elementen der zu der Zeit verbreiteten Religionen eine neue, bessere Religion zu kreieren, die alle Anhänger der anderen Religionen anspricht und diese als neue Weltreligion ersetzen kann. Dieser synkretistische Ansatz hat auch über eine gewisse Zeitspanne funktioniert, was man an der grossen Verbreitung ablesen kann, allerdings nicht überdauert. Schlussendlich wurde die Stärke der Religion zur Schwäche und trug zum Untergang bei.

Bei der Untersuchung einer ausgestorbenen Weltreligion stellen sich viele interessante Fragen. Was braucht eine Religion, um eine so grosse geographische Verbreitung, von Westeuropa über Nordafrika und Arabien bis nach China, zu erfahren, und was fehlt einer Religion, so dass sie schlussendlich wieder verschwindet? Und zwar so sehr, dass sich heute kaum jemand unter dem Begriff Manichäismus etwas vorstellen kann. Natürlich trägt unsere christlich geprägte Kultur und Geschichtsschreibung dazu bei, dass die von dem Christentum „besiegten“ Religionen nicht im Zentrum des Interesses stehen. Dass diese Religion an so vielen Orten bekämpft und verboten wurde, zeigt die Bedeutung, die sie einmal hatte und vor allem die Gefahr, die sie für andere Religionen darstellte. Deshalb ist sie es auch auf jeden Fall wert, sich mit ihr zu befassen.

Diese Arbeit versucht im folgenden einen Überblick über die Religion und deren Verbreitung und Untergang zu geben. Ausserdem wird sie in den grösseren Zusammenhang der Gnosis gestellt.

1.1. Quellen über den Manichäismus

Durch die weite Ausbreitung des Manichäismus gibt es Quellen in den verschiedensten Sprachen. Bis ins 20. Jh. hatte man keine manichäischen Originalschriften zur Verfügung. Man war auf Schriften der christlichen Bekämpfer und islamische Sammlungen angewiesen. Diese christlichen Kampfschriften sind ab dem 3. Jh. vorhanden, sie sind meist in Griechisch oder Latein verfasst.

Dabei sind speziell die Schriften des Augustin zu erwähnen, der zuerst selbst Anhänger des Manichäismus war und danach zum Christentum konvertierte und Kampfschriften gegen die Manichäer verfasste. Im Gegensatz zu anderen Antimanichäern unterscheidet er sich durch eine genaue Kenntnis der manichäischen Lehre und deren Quellen. Dazu kommen einige syrische Quellen sowie syrische Abschriften von griechischen Texten. Auch der Zoroastrismus hat sich mit Manis Lehren befasst.

In der islamischen Literatur wurde zahlreich über Mani berichtet. Diese Quellen zeichnet aus, dass sie von Historikern und nicht von Polemikern geschrieben wurden, was die Qualität bedeutend erhöht. Im 20. Jh. wurden auch Texte in Zentralasien und bis nach China gefunden. Ein erstaunlicher Fund wurde Ende der sechziger Jahre in der Kölner Papyrussammlung gemacht. Es wurde ein auf Griechisch verfasster ziemlich gut erhaltener manichäischer Kodex gefunden.2

2. Die Gnosis

2.1. Der Begriff

Der Begriff Gnosis wurde in der Antike und wird auch in der heutigen Forschung von verschiedenen Personen unterschiedlich gebraucht und definiert. Gnosis bedeutet im Griechischen Erkenntnis. Dabei wird der Begriff fast ausschliesslich in philosophisch-religiösen Kontexten gebraucht. Der Begriff hat eine grosse Bedeutung für die griechischen Philosophen, allen voran Plato mit seiner Erkenntnistheorie.

In der hellenistischen Zeit spielt die Gnosis vermehrt in religiösen Kontexten eine Rolle. Wobei sich Religion und Philosophie zum Teil stark vermischen. In der jüdischen Tradition hat die Gnosis einen hohen Stellenwert. Sie bedeutet dort die Gotteserkenntnis. In allen Bereichen gemeinsam war das elitäre Antlitz der Gnosis. Die Erkenntnis war einer Elite vorbehalten. Dies waren bei Plato die Philosophen, die seiner Lehre folgten, im Judentum bilden die Schriftgelehrten diese Elite. Mit dem Aufkommen des Christentums wird die Definition des Begriffs immer schwieriger. Gewisse Christen sahen sich selbst als Gnostiker, verbreiteter war die Bezeichnung für abweichende Strömungen, die meist das christliche Gedankengut mit anderen Religionen vermischten oder ergänzten. Selten war dies jedoch eine Selbstbezeichnung dieser Gruppen.

Seit dem 18. Jh. hat sich der Begriff zunehmend von seinen Ursprüngen entfernt. Er wurde mehr für zeitgenössische religiöse und philosophische Strömungen verwendet. Rudolf Steiner sprach von der Anthroposophie als „gnostische Kirche“. Der Begriff Gnosis wird heutzutage auch im Zusammenhang mit moderner Esoterik und New Age-Bewegungen gebraucht.3

2.2. Eine Definition

Wie oben beschrieben ist die Gnosis nicht einfach zu definieren. Christoph Markschies hat anhand von acht Kriterien ein mögliches Modell zur Definition entworfen:4

1. Die Erfahrung eines vollkommen jenseitigen, fernen obersten Gottes.
2. Die Einführung weiterer oder die Aufspaltung vorhandener göttlicher Figuren in solche, die den Menschen näher sind als der ferne Gott.
3. Die Welt und alle Materie wird als böse Schöpfung angeschaut, wodurch die Menschen sich fremd fühlen auf der Welt.
4. Die Welt wurde von einem eigenen Schöpfergott geschaffen, dieser wird Demiurg genannt und ist entweder böse oder einfach nur unwissend.
5. Das Entstehen der Welt und der Menschen wird mit einem mythologischen Drama erklärt, bei dem ein göttliches Element auf die böse Welt fällt und als göttlicher Funke in den Menschen schlummert und befreit werden kann.
6. Man kann über diesen Zustand Erkenntnis (Gnosis) erlangen durch eine jenseitige Erlösergestalt.
7. Der Mensch kann Erlösung erfahren durch die Erkenntnis des göttlichen Funken.
8. Es gibt eine unterschiedlich ausgeprägte Tendenz zum Dualismus, der sich in verschiedenen Bereichen zeigen kann.

Wenn man von antiker Gnosis spricht, meint man meist eine Glaubensrichtung, die alle oder viele dieser Punkte beinhaltet. Dieser Gnosisbegriff entspricht dem von vielen antiken christlichen und nicht christlichen Denkern.

Der Manichäismus erfüllt alle diese Punkte und ist somit nach dieser Definition klar eine gnostische Religion.

[...]


1 Böhlig, S. 80.

2 Vgl. Böhlig S. 6ff.

3 Vgl. Markschies S. 9ff.

4 Vgl. ders. S. 25f.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656256557
ISBN (Buch)
9783656257837
Dateigröße
479 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199425
Institution / Hochschule
Universität Basel
Note
gut
Schlagworte
Manichäismus Gnosis Mani Antike Religionen

Autor

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