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Die Charakterisierung des Jeschua in Luise Rinsers „Mirjam "

Im Vergleich mit dem Matthäus-Evangelium

Hausarbeit (Hauptseminar) 2012 19 Seiten

Theologie - Biblische Theologie

Leseprobe

Inhalt

I Einleitung

II Die Charakterisierung des Jeschua in Luise Rinsers „Mirjam“ im Vergleich mit dem Matthäus-Evangelium
1 Biografie Luise Rinser
2 Handlung “Mirjam”
3 Der Charakter des Jeschua im Roman von Luise Rinser
3.1 Jeschua, der Nazarener
3.2 Jeschua, der Menschenfischer
3.3 Jeschua, der Rabbi
3.4 Jeschua, der Wunderrabbi
3.5 Jeschua, der Liebende
3.6 Jeschua, der Mensch
3.7 Jeschua, der Messias
3.8 Jeschua, die Überforderung
4 Der Charakter des Jesus im Matthäus-Evangelium
4.1 Jesus, der Nazarener
4.2 Jesus, der Menschenfischer
4.3 Jesus, der Rabbi
4.4 Jesus, der Wunderrabbi
4.5 Jesus, der Liebende
4.6 Jesus, der Mensch
4.7 Jesus, der Messias
4.8 Jesus, die Überforderung

III Schluss

Literatur

I Einleitung

„Wer soll er denn sein. Er ist er. Lieben muss man ihn, dann weiß man, wer er ist.“[1]

So beschreibt Schimon seinen Rabbi Jeschua in Luise Rinsers Roman „Mirjam“. Schimon weicht also davor zurück, eine genauere Charakterisierung von Jeschua vorzunehmen. Und er hatnicht Unrecht, wenn er hier bei einer schlichten Beschreibung bleibt. Wie später zu lesen sein wird, ist er vor allem für die Hauptperson Mirjam im Roman oft eine „Überforderung“. Dennoch zeigt das Buch einige interessante Merkmale auf, die Jeschua als Menschen, als Messias, als Rabbi usw. darstellen.

Diese Merkmale zu finden, sie zu katalogisieren und zu einer Personenbeschreibung zusammenzufügen, war die Hauptaufgabe, die ich mir für die vorliegende Seminararbeit vornahm. Dabei entstand im Laufe der Arbeitsphase eine große Anzahl Notizen, welche wahrscheinlich den Umfang und Rahmen der Arbeit sprengen würden, würden sie alle ausgeführt. Aufgrund zahlreicher Facetten, die der Charakter des Jeschua aufzeigt und einiger Überschneidungen innerhalb der von mir gesetzten „Kategorien“, wurde Jeschua auch für mich fast zur „Überforderung“.
Dennoch ist es gelungen, eine ausführliche Charakterisierung darzustellen, die möglichst viele (alle wäre wahrscheinlich unmöglich) dieser Facetten aufzeigen soll.

Die Gegenüberstellung des Romancharakters mit dem Jesus-Bild des Matthäus-Evangeliums war ein nächster Schritt.

Die Haupterkenntnis sei jetzt schon vorweggenommen: Lieben muss man ihn. Die Aussage von Schimon trifft sowohl auf den Jeschua im Roman, als auch auf den Jesus bei Matthäus zu.

II Die Charakterisierung des Jeschua in Luise Rinsers „Mirjam“ imVergleich mit dem Matthäus-Evangelium

1 Biografie Luise Rinser

Luise Rinser, die von 1911 bis 2002 lebte, war eine deutsche Autorin, die sich in ihren Werken unter anderem mit den großen Themen des Buddhismus und des Christentums, aber auch mit menschlichen Schicksalen und politischen Ereignissen auseinandersetzte.

Zu ihren bekanntesten Romanen gehören beispielsweise (1941), „Der Sündenbock“ (1955), Abaelards Liebe (1992) und nicht zuletzt „Mirjam“ (1983). Auch zahlreiche Erzählungen (z.B. „Die gläsernen Ringe“ (1941) oder „Die rote Katze“ (1981)) sowie Autobiographisches (z.B. „Den Wolf umarmen“ (1981) oder „Saturn auf der Sonne“ (1994)) und einige Essays zählen zu ihrem Werk.

Rinser wurde mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, darunter der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste der DDR (1987) und der Internationale Literaturpreis Ignazio Silone (1991).[2]

2 Handlung “Mirjam”

Rinsers Roman „Mirjam“ erzählt die Erfahrungen der Hauptfigur Mirjam mit Jesus Christus (im Buch: Jeschua). Oft wird das Buch auch als „5. Evangelium“ oder „weibliches Evangelium“ bezeichnet.[3]
Mirjam, eine Frau aus Magdala, schließt sich dem Gefolge des Rabbi an und erzählt im Folgenden die Geschehnisse um den „Wunderheiler“ und Messias. Sie ist eine Rebellin und unter dem männlichen Kreis um Jeschua herum eine Frau, die sich behaupten muss. Als treue und liebende Gefährtin ist sie Jeschua aber sehr vertraut und bringt dem Leser sowohl ihr Staunen und ihre Begeisterung, als auch ihre Zweifel und Verzweiflung über ihn nahe.

Der Verlauf der Geschichte hält sich weitestgehend an die Vorlage der Evangelien der Bibel.Beginnend mit einer kurzen Vorstellung der Protagonistin, die in der Ich-Perspektive erzählt, wird auch schon bald die erste Begegnung mit Jeschua, der zu diesem Zeitpunkt noch ein Jugendlicher ist, beschrieben. Mirjam ist beeindruckt und schließt sich ihm später, nach einer erneuten Begegnung, an. Es folgen lange Wanderungen durch das Land Israel, zahlreiche Gespräche mit Jeschua und den anderen Gefährten und verschiedenste Begegnungen, beispielsweise mit seinen Anhängern und späteren Jüngern des Rabbi: Ja’akov (Jakob), Jehuda (Judas), Jochanan (Johannes), Schimon (Simon Petrus) und weitere. Mirjam wird Zeugin von den Heilungen, Reden und Predigten über das zu erwartende Friedensreich, die Jeschua hält. Sie erlebt die Freude und Dankbarkeit, die er unter den Menschen verteilt, aber auch das aufkeimende Misstrauen und den Hass, sowie die Enttäuschung gegenüber dem vermeintlichen „Retter“, als dieser die Prophezeiung nicht zu erfüllen scheint. Somit ist die Konsequenz der folgenden Prozess- und Kreuzigungsgeschichte in Jerusalem nachvollziehbar und unumgänglich. Mirjam steht bis zu seinem letzten Atemzug unter Jeschuas Kreuz und ist mit zwei anderen Frauen die erste, die das leere Grab sieht und somit Zeugin der Auferstehung wird. Im Abschluss wird von der nachösterlichen Zeit erzählt, in der die Jünger die Lehre Jeschuas vom Friedensreich verbreiten.[4]

3 Der Charakter des Jeschua im Roman von Luise Rinser

Im Folgenden soll eine Charakterisierung der Person Jeschua vorgenommen werden. Anhand der Aspekte „Der Nazarener“, „Der Menschenfischer“, „Der Rabbi“, „Der Wunderrabbi“, „Der Liebende“, „Der Mensch“, „Der Messias“ und „Die Überforderung“ wird dargestellt, auf welch verschiedene Arten Jeschua dargestellt wird. All diese Aspekte sind selbst eingeteilte Kategorien. Aufgrund des Umfangs des Buches ist es unmöglich, in diesem Rahmen das Vorhaben komplett auszuarbeiten. Deswegen soll dies ein Versuch sein, möglichst umfassend die Breite des Charakters darzustellen, wobei ein tieferes, bzw. detaillierteres Eingehen auf die einzelnen Punkte leider nur angedeutet werden kann oder ganz ausbleiben muss.

3.1 Jeschua, der Nazarener

Gleich zu Beginn des Buches erfährt Mirjam einiges über Jeschuas Herkunft: Er komme aus Nazareth und sei der Sohn eines Zimmermannes namens Joseph.[5] Außerdem sei äußerst ungewöhnlich, dass er „jenem Geburtsjahrgang angehörte, den der König Herodes der Große ausgerottet hatte“.[6]

Bei ihrem ersten Treffen ist Jeschua etwa zwölf oder dreizehn Jahre alt.[7] Schon zu diesem Zeitpunkt wird erzählt, dass er seine Eltern „wie Fremde“ anschaue und „kein Kind mehr gewesen und nur mehr wie ein Gast in der Familie, ein Fremdling“[8], sei.
Sehr früh verließ Jeschua seine Eltern, um – so heißt es – in die Wüste zu einem Orden zu gehen. Seine Mutter lebt also „ ohne seine Hilfe “.[9].

Später erfährt man mehr über Jeschuas Beziehung zu seinen Eltern, vor allem zu seiner Mutter. Er lehnt Familienbande ab[10], denn seine eigentliche Familie sind seine Jünger: „Wer ist mir Mutter, Bruder, Schwester? Der, welcher mir nicht dem Blut, sondern dem Geiste nach verwandt ist.“[11]

Das Verhältnis zu seiner Mutter ist kompliziert. Er nennt sie nicht „Mutter“, sondern „Frau“[12] und geht auf eine kühle Art und Weise mit ihr um, die nicht, wie man meinen möchte, einer normalen Mutter-Sohn-Beziehung entspricht. Beispielsweise verabschiedet er sich bei einer Feier nicht von ihr[13] oder behandelt sie zurückhaltend: „Mir tat es weh, dass er nicht freundlicher zu ihr war; freilich: unfreundlich war er nicht, nur fremd, unsäglich fremd.“[14] Nur gelegentlich bekommt Mirjam angedeutete Zuneigung zwischen Jeschua und Maria mit: „…und er legte seinen Arm um ihre Schultern. Ein flüchtige Geste, sparsam, sehr selten, auch später.“[15]

Später, als Jeschua sich seinem Tod nähert, ist es, als wisse Maria um das Schicksal und die Rolle ihres Sohnes Bescheid und steht ihm bei („ Mirjam, sag du es Jeschua, dass ich bereit bin.“[16] ).

3.2 Jeschua, der Menschenfischer

Als „Menschenfischer“ wird Jeschua zwar nie wörtlich bezeichnet, diese Eigenschaft hat er jedoch definitiv inne. Mirjam selbst beschreibt ihre erste Begegnung als eine Ausschlaggebende, die sie für immer mit Jeschua verbindet. Erstaunlicherweise benutzt sie hier sogar eine Wortwahl, die Jeschua als Menschenfischer umschreibt: „…der gebogene Zeigefinger war der Angelhaken, den er nach mir auswarf. Der Fisch nahm den Köder an. Nie mehr kam er davon los. Bis heute nicht. Und auch der Fischer: nie ließ er die Angel los; der Fisch gehörte ihm.“[17] Diese anziehende Wirkung spürt nicht nur Mirjam, auch viele andere Menschen lockt Jeschua an. Einige verschreiben sich ihm ganz (seine Jünger), andere kommen in Scharen, um ihm zuzuhören: „Er geht herum und ist da, und das Volk läuft auf ihn zu.“[18] Dabei benutzt er vor allem die Macht, „dass er einen ansah, und schon verließ man Arbeitsplatz und Familie, […] um ihm zu folgen, blindlings.“[19]

Jeschua zieht dabei nicht den Vergleich des Fischers, sondern des Hirten: „Ich bin gekommen, um verirrte Schafe zu suchen, und ich finde sie.“[20] Die Wirkung ist dieselbe: Er wirkt „ unwiderstehlich[21] auf die Menschen.

3.3 Jeschua, der Rabbi

Am Häufigsten wird Jeschua als Rabbi bezeichnet („Wenn du Jeschua meinst, der ist ein Rabbi, kein Fischer“ [22] ). Er fordert von seinen Anhängern bedingungslose Treue („Wer das Neue will, aber den Rückweg offenlässt, wird diesen Rückweg gehen. Die Brücke muss abgebrochen, die Schnur zerschnitten werden.“[23] ).

Mit einer Art „stummer Autorität“ leitet er die Menschen, die ihm folgen. Mehrere Male bringt er eine Menschenmasse mit einem Blick zum Schweigen[24], weißt die Leute „ mit einer strengen Geste zurück“[25] und ist entscheidungsstark[26]. Nur sehr selten erlebt Mirjam ihn wütend, am schlimmsten ist es, als er die Menschen im Tempel antrifft, und ihnen vorwerfen muss, dass der heilige Ort nicht mehr als solcher geehrt wird.[27]

Auffallend ist auch, dass Jeschua sich immer wieder aus verschiedenen Situationen, in denen ihm von seinen Widersachern eine Falle gestellt wird, durch weises Denken retten kann. Beispielsweise gelingt es ihm geschickt, die Frage zurückzuwerfen, ob eine Ehebrecherin gesteinigt werden darf (Jeschua ist gegen die Steinigung, die Ehebrecherin verstößt gegen das Gesetz), indem er sagt: „Derjenige unter euch, ihr Männer, der ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein.“[28]

[...]


[1] Rinser, L. 2009, S.81

[2] Vgl. Rinser, L. 2009, Klappentext bzw. Rinser, C. 2005

[3] De Murillo 2011, S.358

[4] Vgl. http://www.fischerverlage.de/buch/mirjam/9783596251803

[5] Rinser 2009, S. 18

[6] Ebd., S.18f

[7] Ebd., S.18

[8] Ebd., S. 19

[9] Ebd., S.24

[10] Ebd., S. 97/ S.100

[11] Ebd., S. 99

[12] Ebd., S.78

[13] Ebd., S.99

[14] Ebd., S.141

[15] Ebd., S.143

[16] Ebd., S.242

[17] Ebd., S.17

[18] Ebd., S.233

[19] Ebd., S.62

[20] Ebd., S.173

[21] Ebd., S.55

[22] Ebd., S.47

[23] Ebd., S.183

[24] Ebd., z.B. S.120

[25] Ebd., S.124

[26] Ebd., z.B. S.115, 118, 182f

[27] Ebd., S.107f

[28] Ebd., S.102f

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656256298
ISBN (Buch)
9783656256854
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199419
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
Schlagworte
Luise Rinser Rinser Mirjam Matthäus Evangelium Vergleich Jesus Jeschua

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