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Visionen Wohngemeinschaftsprojekte

Projektarbeit 2012 48 Seiten

Soziologie - Medizin und Gesundheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. ALLGEMEINES
1.1 Warum ausgerechnet … „Projekt Wohngemeinschaft“?
1.2 Visionen für ein Wohnkonzept
1.3 Drei Ebenen des Wirkens
1.4 Was ist das Ziel (Wunsch)
1.5 Was nicht gewolt ist

2. FORDERUNGEN AN DIE MENSCHEN DER WOHNGEMEINSCHAFT

3. ÜBERSICHT MÖGLICHER PROJEKTTYPEN
3.1. Allgemeine Auswahlkriterien für eine Wohngemeinschaft
3.1.1.Überblick einiger Entscheidungssituationen, die es den zukünftigen Bewohnern erleichtern sollte ihre Wunschvorstellungen zu realisieren

4. PROJEKT „Integrierte WOHNGEMEINSCHAFT“
4.1 Anforderungsprofile
4.1.1 Bewohner
4.1.2 Standortqualität
4.1.3 Qualität der Gebäudestruktur
4.1.4 Gebäudequalität
4.1.5 Grundrissqualität
4.1.6 Energieversorgung
4.2 Primäre Anforderungen an die Wohnanlage
4.2.1 Barrierefreiheiten
4.2.2 Grundrissformen
4.2.3 Einbindung in das Wohnquartier-Umfeld der Wohngemeinschaft
4.2.4 Gemeinschaftsbereiche
4.3 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

5. PROJEKT „Visionen WOHNGEMEINSCHAFT“
5.1 Mögliche Wohnformen Zusammenfassung von schematischen Konzeptansätzen
5.1.1 Quartierkonzept
5.1.2 Pionierprojekt
5.1.3 Wohnen in ländlicher Umgebung
5.1.4 Wohnen in der Stadt
5.2 Projekt einer Hausgemeinschaft und/oder Wohngemeinschaft „in Stadtnähe“ (Wunschbild1)
5.2.1 Bewohner
5.2.2 Standort und Infrastruktur
5.2.3 Gebäude und Konstruktion
5.2.4 Energieversorgung
5.2.5. Baustoffe
5.2.6 Sonstiges
5.3 Projekt einer Hausgemeinschaft und/oder Wohn-Gemeinschaft „im Dorf“ oder „am Stadtrand“ (Wunschbild 2)
5.3.1 Bewohner
5.3.2 Standort und Infrastruktur
5.3.3 Gebäude und Konstruktion
5.3.4 Energieversorgung
5.3.5 Baustoffe
5.3.6 Sonstiges
5.4 Quartierprojekt (Wunschbild 3)
5.4.1 Vernetzung auf kleinem Raum
5.4.2 „Miteinander Wohnen“ in Berlin … ein gelebtes Beispiel …
5.4.2.1 Angebote im Quartier
5.4.2.2 Finanzierung
5.5 Kostenrahmen der einzelnen Projekte
5.5.1 Allgemeine Grundlagen
5.5.2 Kostenrahmen für das Projekt Hausgemeinschaft und/oder Wohngemeinschaft „in Stadtnähe“
5.5.3 Kostenrahmen für das Projekt Hausgemeinschaft und/oder Wohngemeinschaft „im Dorf“ oder „am Stadtrand“

6. Modellprojekt Ausbildung und/oder Umschulung
6.1 Modul Kommunikation
6.2 Modul Hauswirtschaft
6.3 Modul Betreuung
6.4 ModulPsychologie
6.5 Modul Recht

7. Zusammenfassung

LITERATURLISTE
Literatur zur Architektur
Studien
Bilder:

1. ALLGEMEINES

1.1 Warum ausgerechnet … „Projekt Wohngemeinschaft“?

Die von unseren Großeltern und auch noch von unseren Eltern geprägten Gesellschafts-, Lebens- und damit auch unsere Wohnformen haben sich radikal geändert und werden in Zukunft weitere Änderungen erfahren. Die Entwicklung, die momentan unsere Gesellschaft prägt, fordert ganz allgemein eine neue Ausrichtung. Altes, auch wenn es sich in der Ver­gangenheit be­währt hat, erfordert zumindest Anpassungen. Praktisch be­findet sich unsere gesamte „Wertewelt“ im Umbruch.

Eines der brennensten Probleme betrifft die zukünftige Altersstruktur unserer Bevölkerung, den daraus resultierenden Folgen und vor allem der damit ver­bundenen problematischen Finanzierbarkeit des gesamten Sozialsystems, das zunehmend schon existentielle Dimensionen erreicht.

Das Problem des Alterns in unserer Gesellschaft verschärft sich dadurch, weil es vor allem eine doppelte Ursache hat. Es werden nicht nur mehr Menschen älter, sondern die Jungen immer weniger. Eine Ent­wicklung die unserer Wirt­schaft und damit auch unserem Sozialsystem zuwiderläuft.

Die Wirtschaft und auch wir alle leben einerseits von scheinbar un­begrenzten Wachstumsraten in einer Umwelt, die in Summe nur unseren wertvollen Planeten Erde ausmacht. Vieles weist schon heute auf not­wendige Korrekturen hin.

In Zukunft werden voraussichtlich sehr viele Menschen allein dastehen, ohne von jüngeren Familienmitgliedern, wie das heute noch vielfach ge­schieht, be­treut zu werden.

Durch die heutige medizinische Versorgung werden die Menschen aber nicht nur älter, sie bleiben auch länger aktiv. Ältere Menschen wollen auch mög­lichst lange ein selbstbestimmtes und selbständiges Leben führen.

Die Phase des Ruhestandes, des „Altseins“, wird immer länger. Aus der Spanne zwischen dem Ausscheiden aus der Erwerbstätigkeit und dem Lebensende entsteht ein neuer, der vierte Lebensabschnitt. Im zunehmenden Maß werden die Betroffenen vor die Notwendigkeit gestellt, diesen Lebens­abschnitt entsprechend neu zu gestalten.

Erschwert wird diese Situation durch die Tatsache ständig steigender Kosten im Gesundheits- und Sozialwesen, bei gleichzeitig stagnierenden oder gar sinkenden Pensionen in einer über­alternden Gesellschaft.

Sofern die finanziellen Mittel eine individuelle Gestaltung der eigenen Wünsche und persönlichen Bedürfnisse zulassen, besteht auch kein Be­darf nach der Suche von neuen Lebens- und Wohnformen. Diesen Komfort kann sich allerdings nur ein sehr kleiner Teil unserer Gesellschaft leisten.

Völlig anders sieht es jedoch aus, wenn die Altersversorgung nicht in einem ausreichenden Maß gesichert ist. Die überwiegende Anzahl dieser Menschen sind auf die Leistungen aus unserem sog. „Generationen­vertrag“ angewiesen, dessen Bestand unter den noch geltenden Spiel­regeln zunehmend in Frage ge­stellt wird.

An dieser Stelle beginnt eine besondere Problematik. Auf der einen Seite noch zu fit, um ins Altersheim abgeschoben zu werden, aber noch in der Lage für die Gesell­schaft etwas zu tun, auf der anderen Seite, doch schon in einem ge­wissen Maße etwas hilfebedürftig.

Für diese Generation und unsere Gesellschaft gewinnt daher die Ent­wicklung nach humanen, finanzierbaren und vor allem leistbaren Wohn­formen immer mehr an Be­deutung. Dabei ist es aber wichtig das Gefühl der Betroffenen „noch gebraucht zu werden“ , nicht nur zu erhalten, sondern noch zusätzlich zu fördern.

In der Zwischenzeit haben sich eine Vielzahl von Möglichkeiten wie z. B. - integrative Wohnkonzepte, betreutes Wohnen in Häusern und Wohnungen, Senioren- und Pflegeheime, Seniorenresidenzen etc., etc. – entwickelt, die helfen sollen in sog. „Gemeinschaftsanlagen“ dem letzten Lebensabschnitt ein relativ menschliches Antlitz zu verschaffen. Dieses Vorhaben gelingt auch zu einem Teil, hängt aber von der persönlichen Bereitschaft der betroffenen Menschen und dem Engagement und der Qualität des Personals ab.

Es gibt aber auch genügend erschütternde negative Erscheinungen, die zu einer Art von “innerem Rückzug“ führen („abgeschoben, keine Auf­gabe, nichts mehr wert“), mit den Folgen einer Situation wie der folgenden

…„Wartezimmer auf den Tod“ und „Vereinsamung“

…Reduktion

…Abschalten

…essen

…schlafen

…aufrechterhalten körper­licher Grundfunktionen

…warten

…warten …

bis zum dahin vegetieren.

Ich bin der Ansicht, dass die derzeit gängigen Systeme zuwenig ent­wicklungs­fähige Rahmenbedingungen und Alternativen für die ent­scheidenden letzten Lebensabschnitte der Menschen bereitstellen. Es fehlt der rote Faden oder das Geländer an dem sich der Mensch entlang hangelnd der Richtung folgend auch in dieser letzten Phase weiterentwickeln und „ver­vollständigen“ kann.

Sicher ein Prozess, der nicht von jedem angenommen werden kann und wird. Positive Beispiele zeigen im Gegensatz zur Variante des “inneren Rückzugs“ bemerkenswerte Erfolge, die sich in nicht für möglich ge­haltener Lebens­freude, Lebensbejahung ausdrücken.

Zur Weiterentwicklung bedarf es einer ständigen Reflexion mit seiner Umwelt und den Mitmenschen. Es muss versucht werden einen Weg zu finden, der neue Wohn­formen in attraktiver, anregender und Halt gebender Architektur mit bewusster, gemeinsamer, kreativer und Sinn gebender Lebensgestaltung mit­einander verbindet.

Die Möglichkeit, Verantwortung nicht nur für sich, sondern auch für andere übernehmen zu können, ist nicht nur ein wesentlicher Bestandteil zur Verbesserung der Lebensqualität der Betroffenen, sondern auch Aufgabe unseres Gesellschaftssystems.

Der Verfasserat es sich zur Aufgabe gemacht, ein Modell zu entwickeln, in dem ein solidarisches und gedeihliches Zusammenleben von Generationen möglich ist, Eine Wohnform zu schaffen, in der die Menschen unterschied­lichen Alters und Familienstandes sich be­gegnen können und ent­sprechend ihrer besonderen Fähigkeiten eine er­füllbare Aufgabe haben.

Die wesentlichste Grundvoraussetzung dazu …

„Der Mensch steht im Mittelpunkt“.

Unsere heutige Gesellschaft scheint von ihrem Quantitätsdenken geprägt, alle nicht-vollerwerbsfähigen Mitglieder der Gesellschaft wie Kinder, Jugendliche, "Teilleistungsfähige", Kranke, Pensionisten, etc. lediglich als störende, nur Kosten verursachende Faktoren zu sehen.

Ich vertrete die Auffassung, dass eine „Rückbesinnung“ unbedingt not­wendig ist, denn Qualitativ gesehen liegen gerade in diesen Gruppen un­schätzbare Ressourcen verborgen. Keine Gesellschaft kann es sich langfristig gesehen leisten auf diese Lebenserfahrungen zu verzichten, sondern vielmehr aktiv darauf zählen und diese einsetzen, als Mittel zum Zweck einer außer­ordentlich gelebten Zukunft.

Es handelt sich dabei um mehr als die „Wertschätzung“, sondern die "Wert­schöpfung“ vor­handener Potenziale.

Beispielhaft ist festzustellen:

Pensionisten haben in der Regel Zeit und Muße, für Andere da zu sein. Menschen reiferen Alters tragen Erfahrungsschätze in sich, welche nicht brachliegen dürfen, sondern weiter gegeben werden sollten, das gesunde Selbstwertgefühl – „noch gebraucht zu werden“ - ist für jeden Menschen auf­bauend und das Immunsystem stärkend.

Unmittelbarer Gewinner bei der Nutzung dieser brachliegenden Ressourcen ist unsere Gesellschaft und damit auch unser Sozialsystem.

1.2 Visionen für ein Wohnkonzept

- Menschen unterschiedlichen Alters realisieren ein Wohnumfeld, das ein aktiv gestaltetes, selbst bestimmtes Leben mit Gleich­gesinnten ermöglicht bzw. herausfordert.
- Besonders den Menschen nach der Lebensmitte soll damit sowohl die Bleibe im gewohnten Umfeld, aber auch die aktive Beteiligung an dessen Funktionieren, trotz eventueller Einschränkungen bis zum Lebensende möglich sein.
- Die Devise lautet:

Im Innenverhältnis so lange wie möglich durch gegen­seitige Hilfestellung unabhängig und im Außenverhältnis für Jüngere und andere in Form von Patenschaften helfend da zu sein.

Ich stelle mir ein Projekt vor, dass „alle Bewohner“ und „Anrainer“ nicht nur zu unverholener Neugierde, Interesse und Lebensfreude veranlasst, sondern welches auch gelebt wird.

Dazu sind, neben einer anspruchsvollen, animierenden Architektur für den Einzelnen und für die Gemeinschaft, auch ein entsprechend integrierbares Umfeld und vor allem ganz wesentlich, die den Alltag lebenden Bewohner ge­fordert.

Das kann aber nicht nur durch eine ausgezeichnete Elite, sondern nur eine Mischung von „allem Möglichen“ und vor allem „Unterschiedliches“ sein.

Der wesentlichste Ansatz für ein erfolgreiches Miteinander kann nur ent­sprechend dem kosmischen Gesetz der „Wertfreiheit“ lauten …

„Achte den Anderen wie dich selbst“

„Alle sind gleich viel wert“!

1.3 Drei Ebenen des Wirkens

„LEBENSKUNST“ zielt auf ein nachbarschaftliches Miteinander aller Be­teiligten mit dem Ziel körperliche, seelische und geistige Lebendigkeit individuell und im Umfeld zu erhalten und zu fördern.

„WOHNGEMEINSCHAFT“ schafft die räumliche Basis, das Leben im ge­wohnten Umfeld bis zum Ende möglichst selbstbestimmt gestalten zu können. Sie kann ein ganzes Wohnviertel umfassen, aber auch in einem Haus, einer Wohnanlage realisiert werden.

„KULTUR“ umfasst die Pflege des geistigen Hintergrunds, vor/auf dem alle Aktivitäten gedeihen und richtet sich sowohl nach innen wie nach außen.

- Bildung (Gesundheit, Ernährung, Alterskultur, …)
- Künstlerisches und handwerkliches Tun
- Verwirklichen christlich orientierten/motivierten aber religions­unabhängigen Lebensweise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bild 1: Wechselwirkung der oben beschriebenen 3 Ebenen (Quelle: Eigene Darstellung)

1.4 Was ist das Ziel (Wunsch)

- Das Konzept wendet sich an Menschen, die herausgefunden haben, dass eine gemeinschaft­liche Wohnform zu ihrem Lebensstil passt. Es unterstützt besonders diejenigen, deren Aktivi­täten durch die Impulse anderer noch gefördert werden.
- Es eignet sich nicht für Menschen, die der eigenen Einsamkeit ent­fliehen wollen, indem sie versuchen, Mitbewohner für ihre Zwecke einzuspannen.
- Grundsätzlich ist bei diesem Projekt soziale Ausgewogenheit not­wendig. Der Wunsch nach persönlicher Unterstützung sollte ebenso berücksichtigt werden wie die Überlegung, was man selbst zur Ge­meinschaft beitragen möchte.

In welcher Art das Projekt schlussendlich realisiert werden kann, ist noch völlig offen. Der Schwerpunkte konzentriert sich auf Wohn­projekte mit integrierenden Ansätzen mittlerer Größe und/oder auch auf Quartierkonzepte angelehnte Lösungen.

Diese Projekte können kaum unterschiedlicher sein, aber beide zeigen zu­kunftsweisend in die richtige Richtung und haben beide das mit Ab­stand größte Entwicklungspotential für unsere Gesellschaft.

Für Wohnanlagen gilt die maßgebliche Herausforderung, weder in Ghettos isoliert zu verkommen noch im streitenden und zankenden Chaos zu ver­sinken, sondern vielmehr sich zu offenen, gegenseitig aus­tauschenden und unterstützenden Systemen, nach innen und außen zu entwickeln.

Das Quartierprojekt dagegen lebt von den zu gewinnenden Anrainern inner­halb eines Quartiers oder Stadtbereichs, die sich im Austausch solidarisch einer gemeinsamen Idee anschließen.

Die Menschen bleiben bei diesem Projekt in ihren Wohnungen und Häusern, in ihrer gewohnten und vertrauten Umwelt, die nur bei Bedarf den geänderten Verhältnissen angepasst werden muss, z. B. teilweise Her­stellung von Barrierefreiheit, etc.. Zusätzlich organisieren sich die Mit­glieder zu einem Verein, mit dessen Hilfe die notwendigen Hilfestellungen bzw. Unter­stützungen koordiniert und kostenmäßig optimiert werden können.

Darin liegt ganz allgemein der entscheidende Vorteil dieses Projekts. Minimale Baukosten geringe Anpassungen, vertrautes Umfeld und soziales Netz, mit dem alles optimal verbunden werden kann.

Keine noch so sortierte oder ausgewählte Gemeinschaft entspricht dem Aufgabengebiet „Integrationsprojekt “ besser als eine zufällig Zu­sammen­gewürfelten „Gemeinschaft“ in einem bestehenden Wohn­quartier.

Das vorhandene Wohnklima oder Miteinander bleibt wahrscheinlich relativ unverändert, ob harmonisch oder disharmonisch. Der ent­scheidende Punkt liegt aber bei dieser Variante darin, den Nachbar, den ich eventuell für meine Unterstützung benötige, oder dem ich Hilfe­stellungen anbieten möchte und den ich unter Umständen nicht mag, als einen mir gleichwertigen Menschen anzunehmen.

Kooperativ miteinander umzugehen ist beim Quartierprojekt ein ganz wesent­licher Faktor. Die Bewohner sind bei dieser Variante sozialen Mit­einanders aufgefordert aufeinander zuzugehen und zu handeln.

Um die gemeinsamen Interessen und notwendigen Unterstützungen zu ko­ordinieren, ist die Einrichtung eines sog. Infozentrums erforderlich. Von diesem Zentrum aus werden sämtliche Hilfsdienste, wie externe Pflegedienste, Arztbesuche, etc. und sonstige Maßnahmen koordiniert und durchgeführt, auch entspr. Beratungsdienste zur Verfügung gestellt.

Austausch und gegenseitige Unterstützung sollen das tägliche Leben prägen.

Der Begriff „Solidarität“ soll wieder Rückgrat zeigen und sich zu einer be­sonderen Lebensqualität entwickeln und nicht nur politisch miss­braucht werden.

Studien (siehe Literaturverzeichnis) haben gezeigt, dass diese menschliche Tugend der Solidarität noch keineswegs verschwunden ist wie es uns so oft pessimistische Zeitgenossen glauben machen wollen.

Diese erfolgversprechenden Rahmenbedingungen lassen sich nicht ver­ordnen. Sie müssen sich aus der Gemeinschaft heraus entwickeln. Alle Bewohner sind dazu aufgefordert dieses Ideal zumindest anzustreben. Für das Entwicklungs­potential des Einzelnen wie der Gemeinschaft gibt es großartige Entfaltungs­chancen in Richtung „Neuer Mensch“ … nur miteinander gelangt man zu neuen Ufern. …

Die zu erwartenden Konfliktpotentiale können außerordentlich sein, dies braucht an dieser Stelle nicht ausdrücklich betont werden. Ich möchte damit nur darauf hinweisen, dass nicht blind und euphorisch einem „Wunsch­traum“ nachgejagt werden soll, denn das Ganze muss im Endeffekt auch finanzierbar bleiben

1.5 Was nicht gewolt ist

Pflegeheime und/oder Altenheime errichten oder betreiben, das soll den Profis vorbehalten sein. Bei Bedarf muss mit den vorhandenen Institutionen aber ent­sprechend kooperiert werden.

Der Bewohner/Interessent soll im Rahmen seiner ganzheit­lichen Entwicklung auch sein Ende innerhalb der Gemeinschaft ver­bringen dürfen, soweit das nur irgendwie möglich sein kann.

Derzeit schieben wir alle Alten und Behinderten in Sonderquartiere, nach dem Motto - „aus den Augen aus dem Sinn“. Dieser Verdrängungsmechanis­mus zeigt sich für Behinderte in teuflischer Weise nicht nur in der fehlenden bzw. funktionsgerechten Infra­struktur, sondern fatalerweise auch im nicht Wahrnehmen.

Das Bild ändert sich aber schlagartig, wenn wir die sog. Behinderten als „Menschen mit besonderen Eigenschaften“ wahrzunehmen versuchen. Ihn als vollwertigen Teil dieser, unserer Gesellschaft zu akzeptieren, von dem man unwahrscheinlich viel lernen kann, mit der einmaligen Chance, seinen eigenen sog. "Schattenanteil" etwas aufzuhellen und bewusst anzunehmen.

Ziel dieser Idee ist auch nicht der Versuch das zigste Projekt mit Hilfe eines „Pflege­heimes“ teilweise zu finanzieren und die weitere Ent­wicklung ab­zuwarten, ob sich ein weiterer Ausbau noch rechnet oder nicht.

2. FORDERUNGEN AN DIE MENSCHEN DER WOHN­GEMEINSCHAFT

Aufbauend auf den „tragenden“ drei Säulen (Bild 4) er­geben sich für die Menschen in der praktischen Umsetzung folgende Konsequenzen:

- Ganz allgemein aufeinander zugehen;
- sich öffnen;
- bereit sein, sich im “Außen“ zu spiegeln und zu reflektieren und
- sich bewusst anzunehmen;
- den Anderen, so wie er ist anzuerkennen und als gleichwertig zu be­trachten;
- die Eigenständigkeit jedes Einzelnen zu respektieren und anzu­erkennen;
- die Selbständigkeit jedes Einzelnen zu fördern und nur wenn er­forder­lich durch Hilfestellungen zu unterstützen;
- Hilfeleistungen und/oder Hilfestellungen anbieten und bei Bedarf tun;
- Gemeinsames „miteinander“ was auch immer „tun“;
- Gemeinsames erleben.

Daraus ergeben sich für den Einzelnen, vor allem für ältere und/oder be­hinderte Menschen und Zugezogenen, auch aus anderen Kulturkreisen, wesentliche und vor allem lebenswerte Aspekte wie:

- Dem Leben wieder zu seinem ursprünglichen Sinn verhelfen;
- Das Gefühl zu vermitteln wieder gebraucht zu werden;
- Wieder einen Wert innerhalb unserer Gesellschaft zu besitzen.

Zur Umsetzung dieser lebensbejahenden Formel bedarf es aber einer grund­sätzlichen Entscheidung, die jeder nur für sich selbst treffen kann und muss, nämlich den Entscheidenden

„MUT zum SCHRITT es FÜR SICH auch ZU TUN“

und damit auch bewusst „Eigenverantwortung“ für sich zu übernehmen und schlussendlich auch zu leben.

Eigenverantwortung, ein Thema mit dem nur wenige etwas anfangen können, das aber in Zukunft wieder eine größere dominierende Bedeutung für unser Leben haben wird.und auch muss.

Der ständig wiederkehrenden Frage: „Wann ist für mich der richtige Zeitpunkt für diesen entscheidenden Schritt gekommen?“

Dazu gibt es eigentlich nur eine einzige richtige Antwort:

„JETZT“!

Nach dem Motto: Wenn ich mich verändern will, dann kann ich nicht früh genug damit anfangen, oder es lieber jetzt zu tun als nie!

Mit diesem bewussten Schritt zur Veränderung wandelt sich nicht nur auto­matisch der „Standpunkt“ des betreffenden Menschen, sondern auch seine gesamte Wahrnehmung und Menschsein.

Die Folgen – ein anderer Standpunkt kann dabei zum Teil zu phantastischen Reaktionen führen – in dem Sinne … „Alles hat mindestens zwei Seiten“ … und alle sind gleichwertig – führt durch Akzeptanz und Annahme dieser „Wahrheit“ auch zur Wahrnehmung einer noch nicht bekannten Seite.

Der Effekt der Lebensbejahung und dem Gefühl „etwas wert zu sein“, ein ge­brauchter und anerkannter Teil dieser Gesellschaft zu sein, wird wie auch schon vielfach dokumentiert die gesundheitlichen Aspekte wesent­lich ver­bessern. Zufriedenheit und Freude einstellen.

Damit wird auch ein möglicher Pflegebedarf minimiert werden können und im Wesentlichen nur Hilfestellungen und Anpassungen bezüglich barrierearmen Wohnumfeldes erforderlich werden.

Die Reduzierung der Gesamtkosten, nicht nur im Sozialbereich, ist aus heutiger Sicht ein Gebot der Stunde und kann auch nur mit Hilfe einer solidarischen Haltung aller erreicht werden. Für die Zukunft ein wichtiger Aspekt, um wenigstens überleben zu können.

Die sog. kostensparende Variante „Sterbehilfe“ stellt für mich aus gesamt­heit­licher Sicht Geist – Körper – Seele keine wie immer geartete Alter­native dar.

[...]

Details

Seiten
48
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656263920
ISBN (Buch)
9783656265047
Dateigröße
1.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199361
Note
Schlagworte
Wohngemeinschaft alternative Wohnformen demografischer Wandel Seniorenheim Pflegeheim Betreutes Wohnen
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Titel: Visionen Wohngemeinschaftsprojekte