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Der Artusmythos - Ursprung, Entwicklung und Stellenwert in der Literatur

Hausarbeit 2009 23 Seiten

Germanistik - Ältere Deutsche Literatur, Mediävistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

I. Einleitung

II. Ursprünge und Entwicklung des Mythos
1. Die ältesten Zeugnisse von Artus
2. Aufgriff des Mythos von G. of Monmouth und Wace
3. Weiterentwicklung der Sage
4. Darstellung von Artus bei Chrétien de Troyes
5. Vorläufige Endfassung

III. Stellenwert der Artusfigur in der Gesellschaft
1. Früh- bis Spätmittelalter
2. Artus in der Tudor- und Stuartzeit
3. Artus in der Moderne
a) Literatur
b) Film & Sonstiges
4. Aktualität der Artussage

IV. Fazit

V. Bibliographie

I. Einleitung

„ Es wäre umsonst, genau zu fragen, wann König Artus gelebt habe. Aber den Grund, die Geschichte und Wirkungen dieser Sagen und Dichtungen durch alle Nationen und Jahrhunderte, in denen sie geblüht, zu untersuchen und ein Phänomen der Menschheit ins Licht zu stellen, dies wäre nach den schönen Vorarbeiten dazu ein ruhmwürdiges Abenteuer, so angenehm als belehrend. “ 1

Dieses Zitat von Johann Gottfried Herder könnte passender nicht sein. Wohl keine zweite Person aus dem europäischen Mittelalter ist heute noch so allgegenwärtig wie die Figur des König Artus. Die Ritter der Tafelrunde und die Abenteuer des Königs beschäftigen seit über 900 Jahren Erzähler, Sänger, Dichter und Schreiber. Sowohl damals als auch heute finden wir zahlreiche Zeugnisse für die Verwendung der Artussage. Ich denke nicht, dass Hartmann von Aue, der den Artus in jedem seiner Werke auf irgendeine Art einsetzt, gedacht hätte, dass Jerry Bruckheimer viele Jahrhunderte später einen Film über eben diesen König drehen wird.

Abgesehen davon, dass die Ansätze der Kreativen oftmals stark voneinander abweichen, bleibt jedoch eins beständig: König Artus ist eine Vorbildfigur. Er vereint alle ritterlichen Tugenden und Pflichten, sowie die Qualitäten eines wahren Herrschers in sich und gilt als nahezu unfehlbar. Um diese Vorstellung einer königlichen Referenz zu untersuchen und den Grund für die andauernde Verwendung der Figur Artus herauszuarbeiten, versuche ich in dieser Hausarbeit eine möglichst genaue Skizze der Entwicklung der Sage darzustellen, berühmte Aufgriffe der Sage zu analysieren und moderne Adaptionen zu interpretieren. Ferner möchte ich sehen, ob der gesellschaftliche Stellenwert der Figur des Artus sich irgendwann signifikant gewandelt hat, oder ob er über Jahrhunderte die selben Wurzeln behielt.

Mein Ziel in dieser Arbeit ist es, herauszufinden, woher der Mythos Artus kam, warum er über Jahrhunderte in den Köpfen der Menschen blieb, wozu die Verwendung und Verbreitung der Sage in den verschiedenen Epochen gedacht war und was ihn zu dem macht, was er ist - der scheinbar perfekte König.

II. Ursprünge und Entwicklung des Mythos

1. Die ältesten Zeugnisse von Artus

Jedes Handbuch vermerkt bei der Besprechung der britischen Mythologie, dass der Artusstoff keltische Wurzeln hat. Leider gehen detaillierte Ansichten der genauen Herkunft weit auseinander. Diese keltische Herkunft muss also zunächst einmal so hingenommen werden. Wichtig ist jedoch, dass wir hierbei vom wahrscheinlich wichtigsten keltischen Beitrag zur Weltliteratur sprechen. Aber was man weiß, ist, dass die ältesten Zeugnisse zwangsweise vor 1138 erschienen sein müssen. Denn in diesem Jahr veröffentliche Geoffrey of Monmouth seine Historia Regum Brittaniae.

Zuvor gibt es leider nur sehr wenige und oftmals vage Quellen der Entstehung: Im späten 5. Jahrhundert flüchteten viele Briten vor der Sachseninvasion auf das Festland, in die heutige Bretagne, und übten dort kulturellen Einfluss auf die bisherigen Bewohner aus. Um 1066 kamen die Bretonen mit den normannischen Eroberern nach England, wodurch die keltisch-britische Tradition erneut belebt wurde. Diese Traditionen verdichteten sich dann später zu einer einzigen Sagengestalt, die später von G. of Monmouth weiterentwickelt werden sollte.

Während viele Literaturhistoriker davon ausgehen, dass die Entwicklung so gewesen sein muss, gibt es einen wichtigen Punkt um den sich nach wie vor gestritten wird. Es heißt, Geoffrey erwähnte als Quelle für seine Ausführung ein altes Buch in britannischer Sprache, das er von Walter, dem Erzdiakon in Oxford, erhalten habe.

Stefan Zimmer von der Universität Bonn merkt folgendes an:

„ Ist es denkbar, dass Galfrid (Geoffrey o. M.), der fast sein ganzes Leben in Oxford zugebracht hat, dem Erzdiakon Walter eine Fiktion unterschieben kann? [...] Beide Männer waren bei Erscheinen des Buches am Leben und dürften seinen Erfolg genossen haben. Neider hätten gewiss nicht versäumt, sofort darauf hinzuweisen, dass es ein solches Buch nie gegeben habe “ 2

Als Quellen kommen demnach uralte Inschriften, Personen- und Ortsnamen, Mitteilungen antiker Historiker und mündliche Erzählungen in Betracht. Möglicherweise handelt es sich auch um die keltische Bildung des Wortes „Bär“, dass keltisch „ artos “ bedeutet und den damit verbundenen alten Geschichten.

Das größte Problem bei der genauen Rekonstruktion der Sage ist und bleibt die Abneigung der Kelten gegen das geschriebene Wort.3 So scheinen die ersten Erwähnungen des Artus rein mündlicher Natur zu sein, und eine Nachverfolgung der keltischen Vorgeschichte dadurch unmöglich. Die älteste vollständig erhaltene keltische Artussage, so Zimmer, liegt in der frühmittelkymrischen Erzählung von Culhwch & Olwen vor, die um 1100 entstanden sein dürfte. Es gibt allerdings auch erste Erwähnungen des Namens aus Zeugnissen vor der ersten Jahrtausendwende, jedoch nie in einem zusammenhängenden - heute noch bekannten - Kontext.

2. Aufgriff des Mythos von Geoffrey of Monmouth und Wace

Geoffrey of Monmouth, Literaturhistorikern besser bekannt als Galfridus Monemutensis, verfasste 1138 die Historia Regum Brittaniae. Dieses Werk ist die erste Form einer verdichteten Zusammenfassung und Erschaffung eines Artusmythos, wie wir ihn heute kennen. Der anglonormannische Dichter Wace schrieb einige Jahre später eine Reimchronik („ Roman de Brut “) über das Werk Geoffreys und manifestierte somit den Mythos endgültig. Wace erweiterte den Mythos um einige Motive und erschuf somit die international bekannte Fassung:

Arthur war der Sohn von Uther und Igraine und wurde mit 15 König von England und Wales. Seine Ritter versammelte er an einem runden Tisch, um Rangstreitigkeiten zu vermeiden. Er galt als exzellenter Stratege und führte aufgrund dessen zahlreiche erfolgreiche Schlachten, sowohl in der Defensive, als auch in der Offensive. In Gallien besiegte er den römischen Tribun Frollo und hielt in Paris Hof. Er heiratete Guinevere, eine Tochter aus einer edlen römischen Familie. In der „Stadt der Legionen“ (Carlion) hielt er einen Hoftag für ganz Europa ab.

Wegen seiner Angriffe auf das römische Imperium wurde er von Rom herausgefordert und erschlug auf dem Weg dorthin den Riesen vom Mont St. Michel. Die entscheidende Schlacht gegen die Römer gewann er bei Saussy. Bei seinem Siegeszug nach Rom erhielt er die Nachricht, das sein Neffe Mordred in seiner Heimat den Thron übernommen hat. Arthur kehrte zurück und gewann zwei Schlachten gegen Mordred, bei der dritten fiel Mordred, und Arthur wurde lebensgefährlich verwundet. Er wurde, statt zu sterben, kurz vor seinem Tod zur Genesung auf die Insel Avalon gebracht. Was den endgültigen Tod Arthurs betrifft, hielt sich Wace an die Mythologie von Merlin, dem Zauberer: Er glaubt fest an eine Rückkehr des legendären Königs.

3. Weiterentwicklung der Sage

Bedingt durch die hohe Popularität der Sage beschäftigten sich viele Schriftsteller und Dichter mit der Artussage und der steten Erweiterung derer. Wilfried Westphal skizziert in seinem Werk „Einst wird kommen ein König“ die Entstehung der Artuslegende wie folgt: Aus der keltischen Tradition um 460 n. Chr. wurden irische Sagen und walisische Überlieferungen. An dieser Stelle können wir das erste Mal von einem existenten historischen Artus sprechen.

Nachdem 1138 Geoffrey of Monmouth den bretonischen Sagenkreis in seinem Werk veröffentlichte und Wace diesen zur Weiterentwicklung aufgriff, erlebte die Artussage ihren Klimax der Popularität. 1170 entstand die französische Minnelyrik um Chrétien de Troyes in seinen Werken wie z.B. dem „ Perceval “. Fast gleichzeitig erweiterte Robert de Boron den Mythos ebenfalls.

Boron ist der Dichter der „ Estoire dou Graal “ (Geschichte des Grals), eines Gralsromans in 3500 Versen, den er etwa zeitgleich mit Chr é tiens de Troyes Gralsroman Perceval am Ende des 12. Jahrhunderts schrieb. Roberts und Chrétiens Dichtungen gestalten die Legende vom Heiligen Gral erstmals in literarischer Form, jedoch inhaltlich und stoffgeschichtlich so verschieden, dass ungeklärt ist, welcher der beiden Romane der Vorgänger des Anderen gewesen ist.

In Roberts Dichtung kommt der Gralssucher Perceval nicht vor. Es wird anstelle dessen eine äußerst christlich geprägte Vorgeschichte des Gralskönigstums erzählt, die an die Sage von Joseph von Arimathäa anknüpft. Der Gral ist bei Robert de Boron der Kelch, den Christus beim Letzten Abendmahl benutzt hat. In diesem Kelch fängt Joseph von Arimathäa bei der Kreuzigung das Blut Christi auf. Später wird der Kelch Mittelpunkt eines Kultes zur Erinnerung an das Abendmahl. Nachdem Joseph stirbt, behütet sein Schwager Bron, der „der Reiche Fischer“ (Le Riche Pescheeur)4 genannt wird, den Gral. Gott verkündet, dass Brons Enkel, der Sohn seines Sohnes Alain, der dritte Gralhüter werden soll. Daraufhin verlassen Bron und Alain mit ihrem Gefolge Palästina. Sie bringen den Gral in den Westen und wollen in den „Tälern von Avaron“ (es vaus d'Avaron) die Ankunft von Brons Enkel erwarten.

Etwas später, um 1210, griff der deutsche Dichter Wolfram von Eschenbach den Parzival von de Troyes auf und verfasst seinen deutschen Parzival. Interessant ist hierbei, dass dies das erste deutsche Werk ist, dessen Motiv der heilige Gral ist. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass Wolfram bei der Abfassung des „ Parzival “ das Werk „ Perceval “ von Chrétien de Troyes benutzt hat. Chrétiens Werk ist in dem Werk von Eschenbach jedoch nur noch als Fragment geblieben - es bricht in der Gawan-Handlung ab.

Für das Ende von Wolframs Werk und auch für den Beginn (die Geschichte der Eltern Parzivals) ist keine Quelle nachweisbar, so dass allgemein Wolfram als direkter Urheber dieser Teile angesehen wird. Wolfram schreibt im „ Parzival “, dass er Chrétiens Darstellung - die er offenbar kannte - für falsch halte und behauptet, dass er eine andere Quelle benutzt habe, einen provinzialischen Dichter namens Kyot. Über Kyot ist allerdings sonst nichts bekannt. 1210 wurde erstmals der Ritter Galahad im sog. Vulgata-Zyklus erwähnt. Seine besondere Stellung wird in manchen Versionen der Sage (z.B. Thomas Malory) dadurch ausgedrückt, dass er auf einem Stuhl Platz nehmen darf, der für alle anderen Ritter verboten ist.

Er ist der Sohn von Lancelot und Elaine, der Tochter von König Pelles. Ritter Galahad wird auch der "Reine Ritter" oder der "Makellose Ritter" genannt. Diese Eigenschaft ermöglicht es ihm, im Gegensatz zu seinem Vater, den heiligen Gral zu finden.

1470 verfasst Thomas Malory im Gefängnis sein Werk „ Le Mort d`Arthur “. Dies ist eine Art Zusammenfassung der bisherigen französischen und englischen Sagenversionen und Motiven, die über die Jahrhunderte zahlreich hinzugefügt wurden. Da Malory es aufgrund seiner Haftstrafe nie schaffte, das Werk selbst zu veröffentlichen, erschienen posthum gleich zwei Abschriften seines Werkes. Es handelt sich hierbei um die WinchesterHandschrift und den Caxton-Druck.

Als letzte großer Aufgriff der Sage gilt, nach Westphal, Richard Wagners Bühnenspiel „Parsifal“, in dem Wagner zahlreiche Motive der Artuslegende aufgreift, jedoch nicht signifikant abändert.5 Ein sehr interessanter historischer Aspekt ist die mittlerweile entstandene Glaubwürdigkeit der Sage.

So wollte zum Beispiel Adolf Hitler nach einem Besuch der Wagner-Oper den heiligen Gral in Süd-Frankreich suchen lassen.

[...]


1 Vgl. Westphal, Wilfried: Einst wird kommen ein Koenig - Braunschweig: Westermann, 1989, S. 1

2 Vgl. Zimmer, Stefan: König Artus lebt - Heidelberg: Winter, 2005, S. 11

3 Druiden und Barden, also keltische Historiker, lernten vermutlich in ihrer Ausbildung nicht das Schreiben selbst, sondern vielmehr die Inhalte der Sagen zur mündlichen Überlieferung.

4 Vgl. Robert, de Boron: Le Roman du Saint-Graal, übers. und eingeleitet von Monica Schöler -München: Beinhauer, 1981, V. 3345.

5 Vgl. Westphal, Wilfried: Einst wird kommen ein Koenig - Braunschweig: Westermann, 1989, S. 336

Details

Seiten
23
Jahr
2009
ISBN (eBook)
9783656256694
ISBN (Buch)
9783656256984
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199260
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Philosophische Fakultät
Note
1,3
Schlagworte
artusmythos ursprung entwicklung stellenwert literatur

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