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Gewaltfreie Kommunikation nach Dr. Marshall Rosenberg

Ein Überblick

Studienarbeit 2011 30 Seiten

Soziale Arbeit / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Person Dr. Marshall B. Rosenberg
2.1 Auslöser für die Idee der gewaltfreien Kommunikation
2.2 Prämisse der gewaltfreien Kommunikation

3. Definition der Kommunikation
3.1 Psychologische Sicht
3.2 Soziologische Sicht
3.3 Versuch der Synthese

4. Definition der Gewalt
4.1 Formen der Gewalt
4.1.1 Physische Gewalt und die psychischen Folgen
4.1.2 Verbale Gewalt
4.1.3 Paraverbale und Nonverbale Gewalt
4.2 Kommunikative Gewalt

5. Gewaltfreie Kommunikation
5.1 Komponenten
5.2 Absicht des Prozesses

6. Nutzen für die Soziale Arbeit

7. Kritik

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

Die Gewaltfreie Kommunikation nach Rosenberg ist ein wichtiger Bestandteil der Sozialen Arbeit. Die Intention Rosenbergs war aber nicht die Anwendung ausschließlich in der Sozialarbeit oder anderen professionellen Tätigkeitsfeldern, sondern auch die Benutzung dieser Kommunikationsform im Alltag. Sie will und kann die zwischenmenschliche Interaktion auf kommunikativer Ebene verbessern und sie somit fruchtbarer für jedermann machen. Diese Arbeit nun will zuallererst die Person Dr. Marshall Rosenberg betrachten, denn die fundamentale Idee zu dieser gewaltfreien Kommunikation (GFK) liegt im Erfahrungsbereich des Lebens von Rosenberg. Aus diesem Grund ist die frühe Erfahrung Rosenbergs und die daraus resultierende Entstehung der GFK zuerst zu nennen. Dann folgen die wichtigen Definitionen der Kommunikation und der Gewalt. Beide Punkte (3. und 4.) sollen die Betrachtung der GFK im weiteren Verlauf dieser Arbeit erleichtern. Es wird die Kommunikation im Alltag – also die landläufig „normale“ Kommunikation – betrachtet, als auch deren Auswirkungen auf die an der Kommunikation beteiligten Individuen. Gewalt wird im darauf folgenden Punkt sowohl definiert, als auch differenziert. Die Formen der Gewalt werden also kurz aber prägnant nach den gängigen, für die Soziale Arbeit grundlegenden Werken, benannt und jeweils ein Beispiel gegeben, um diese zu verdeutlichen. Gewalt soll also in Verbindung mit Kommunikation betrachtet werden, um sozusagen als Negativdefinition den Bogen zur gewaltfreien Kommunikation schlagen zu können. Es folgt der Prozess und die Stufen der GFK, gefolgt von dem Vorgehen, welches geübt sein will aber auch eine Doktrin strikt von sich weist, da es sich bei der GFK nicht um ein Regelwerk sondern vielmehr um ein Angebot handelt. Abschließend ist es die Absicht des Autors den Nutzen und die Verwendbarkeit dieser gewaltfreien Kommunikation herauszuarbeiten. Es soll sich auch mit der gewaltfreien Kommunikation nach Rosenbergs kritisch auseinandergesetzt werden.

In dieser Arbeit – so ist es dem Autor ein usus geworden – wird zur Beschreibung der Personen, besonders bezogen auf Tätige in der Sozialen Arbeit, ausschließlich die männliche Form verwendet. Dies ist dem Autor nachzusehen und dieser weist ausdrücklich darauf hin, dass sowohl weibliche Mitarbeiter mit eingeschlossen sind. Es ist nur dem Schreibfluss zu schulden, der durch Einfügen der weiblichen und männlichen Formen leidet. Der Autor dankt dem geneigten Leser für das Verständnis.

2. Die Person Dr. Marshall B. Rosenberg

Marshall Rosenberg hat seine Hauptaufmerksamkeit der gewaltfreien Kommunikation gewidmet. Diese Art der Kommunikation wird von ihm auch „… einfühlsame Kommunikation…“ genannt (Rosenberg, 2010, S. 22). Er beschäftigt sich seit 1943 mit der Fähigkeit des Menschen den Zugang zu seinem empathischen Kern nicht zu verlieren, der zur ursprünglichen Form der menschlichen Kommunikation – als Archetyp – gehört, in unserem Kulturkreis ins Vergessen gekommen ist (ebd., 2010, S. 22ff). Es ist nun eine Besonderheit, dass Rosenberg die Idee zur GFK schon sehr früh entwickelte bzw. die Grundidee in seiner Kindheit aufgrund eines traumatischen Erlebnisses entstand. (ebd., 2010, S. 22). Es soll und wird nicht die Aufgabe dieser Studienarbeit sein, auf den Lebenslauf Marshall Rosenbergs en detail einzugehen, doch scheint das besagte Ereignis seiner Kindheit, das zu den Grundsteinen der GFK führte, sehr relevant und soll im folgenden Kapitel (2.1) erläutert werden. da Rosenberg dies für wichtig genug hielt in seinem Buch „Gewaltfreie Kommunikation – eine Sprache des Lebens“ (2010) zu erwähnen.

2.1 Auslöser für die Idee der gewaltfreien Kommunikation

Im Jahr 1943 zog die Familie Rosenbergs um nach Detroit in Michigan. Nur zwei Wochen nach diesem besagten Umzug ereignete sich in Detroit, aufgrund eines Zwischenfalls mit Todesfolge, eine schwere Unruhesituation. Rosenberg nennt dies „… Rassenkrieg …“ (Rosenberg, 2010, S. 21), da bei diesen kriegsähnlichen Zuständen zwischen Afroamerikanern und sog. ‚Weißen‘ mehr als 40 Menschen getötet wurden. Ausdrücklich wertet der Autor dieses Geschehen nicht, weist aber auch den Begriff „Rasse“ von sich, da dieser unzutreffend und hinfällig erscheint. Um zum damaligen Geschehen auf möglichst wertfreie Weise zu nähern ist Rosenberg weiter zu entnehmen, dass sich die gesamte Familie „… drei Tage lang …“ (ebd., S. 21) zu Hause verbarrikadierte. Dies scheint ausreichend darzustellen, wie traumatisierend dieses Ereignis gewesen sein muss (vgl. ebd., S. 21). Rosenberg berichtet weiter, dass dieses ohnehin schon gräuliche Ereignis, sich insofern fortsetzte, als das in der Schule zwei Jungen den damals kleinen Rosenberg nach der Schule abpassten: „Sie warfen mich zu Boden, traten und verprügelten mich.“ (ebd., S. 21). Dies nur aufgrund der Nennung seines Nachnamens, der bei den Jungen die Assoziation „Jude“ hervorrief und Grund genug erschien ihm physische Gewalt anzutun (vgl. ebd., S.21).

Rosenberg beschreibt dieses Ereignis nicht nur als traumatisch und unschön, sondern auch als maßgeblich für seine lebensumspannende Beschäftigung mit dem Thema gewaltfreie Kommunikation. Zuerst natürlich nicht explizit mit der gewaltfreien Kommunikation, wohl, aber mit der Frage warum Menschen trotz aller widrigen Umstände ihren Zugang zu dem ihnen eigenen „…einfühlsamen Natur …“ (ebd., S. 21) aufrecht erhalten zu können. Er bemüht im weiteren Kontext auch Etty Hillesum – eine jüdische Deutsche – die trotz der Qualen und Demütigungen in einem Konzentrationslager, über ihr Tagebuch Mitleid für die Peiniger verlauten lässt (vgl. ebd., S. 21f). Der Autor will nicht zu analytisch klingen, doch ist letzteres Beispiel das Rosenberg in seinem Buch anführt auf ihn selbst anzuwenden, denn da Empathie einer der Grundpfeiler der gewaltfreien Kommunikation ist, möchte man auch Rosenberg selbst diesen Erhalt des Einfühlungsvermögens wohlwollend unterstellen .

2.2 Prämisse der gewaltfreien Kommunikation

In dem Hinblick auf die Intention und die Prämisse der GFK ist es wichtig zu wissen, wie Rosenberg selbst die Verwendung und die Entstehung der gewaltfreien Kommunikation sieht. Für Rosenberg selbst ist diese Form der Kommunikation „… nichts Neues …“ (Rosenberg, 2010, S. 22), sondern vielmehr ein Wiederaufleben lassen und ein Bewusstwerden einer „… schon seit Jahrhunderten …“ (ebd., S. 22) bekannten Kommunikationsform. Darum geht es Rosenberg: bei dieser im Grunde altbekannten, von ihm neu formulierten Art und Weise „… sprachliche und kommunikative Fähigkeiten …“ (ebd., S. 22) zu verwenden, um menschlicher mit allen sozial interagierenden Individuen umzugehen, die im Leben eines Jeden auftauchen (vgl. ebd., S. 22). Die vorderste Maßgabe ist, die gewaltfreie Kommunikation als Möglichkeit zu nutzen, auch in Situationen, die schwierig zu handhaben sind – in Bezug auf die Interaktion bzw. Kommunikation zwischen Menschen – seine Menschlichkeit zu bewahren; das bereits erwähnte Beispiel Mitleid eines Opfers des Nationalsozialismus gegenüber seinen Peinigern, scheint dem Autor dieser Arbeit als erinnerungswürdig und prägnant für das Konzept Rosenbergs. Gewaltfreie Kommunikation ist ein Angebot, um die Neubewertung der gewohnten Kommunikationswege – dazu zählt Rosenberg in diesem Zusammenhang Zuhören und Antworten – zu ermöglichen, bewusster zu kommunizieren und um klarer feststellen zu können „… was wir fühlen, wahrnehmen und brauchen.“ (ebd., S. 22). Es wird somit im gegenseitigen Umgang eine Klarheit und Authentizität wirksam, die Respekt und Einfühlsamkeit voraussetzt. Dadurch werden die eigenen Bedürfnisse und die des jeweiligen Gegenübers deutlich und es werden im Endeffekt Störungen und Diskrepanzen reduziert, die im gewohnheitsmäßigen Kommunizieren häufig auftreten und diese behindern oder erschweren können. Die gewaltfreie Kommunikation setzt nicht nur eine genaue Beobachtung des Gegenübers, sondern auch der Situation voraus (vgl. ebd., S. 22). Die Zusammenfassung dieser wichtigen Punkte könnte nicht besser komprimiert werden als von Rosenberg selbst und soll aus diesem Grund hier zitiert werden: „Die GFK trainiert uns, sorgfältig zu beobachten und die Verhaltensweisen und Umstände, die uns stören, genau zu bestimmen. Wir lernen, in einer bestimmten Situation zu erkennen, was wir konkret brauchen, und es klar anzusprechen. Die Form ist einfach und hat doch große Transformationskraft.“ (ebd., S. 22). Weiter beschreibt Rosenberg Kommunikation, wie sie oftmals praktiziert wird, als „… Verteidigung, Rückzug oder Angriff…“ (ebd., S. 23) und meint, dass die gewaltfreie Kommunikation dieses ‚Spiel‘ umlenken kann in Einfühlungsvermögen und einem damit ermöglicht Kritik oder Urteilen besser entgegentreten zu können, ohne ähnliche Waffen zu verwenden. Um es auf einen Punkt zu bringen: entscheidend für die gewaltfreie Kommunikation sind die folgenden – man könnte sie Parameter nennen – Dinge. Authentische Emotion, genaueste Beobachtung und ehrliche Bedürfnisformulierung, ohne zu „… diagnostizieren oder zu beurteilen.“ (ebd., S. 23). Basierend auf einem aufmerksamen Zuhören sich selbst und anderen gegenüber, entsteht „… Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Einfühlung…“ ebd., S. 23). Diese Empathie, wirkt sich bilateral aus und ermutigt auch das Gegenüber diese Parameter in sein eigenes Verhalten zu integrieren. Daraus folgt eine wesentlich produktivere Kommunikation. Rosenberg spricht hierbei von einem Prozess der durch diese „Sprache der Einfühlsamkeit“ (ebd., S. 23) initiiert wird. Dieser Prozess dient nicht nur dem Gegenüber, sondern auch demjenigen, der dieses Prinzip anwendet. Rosenberg betont, dass nicht beide an der Kommunikation beteiligten, Kenntnis von seiner Theorie haben müssen, da sie ihre Wirkung auch so entfalten kann. Für Rosenberg ist diese uns abhanden gekommene Art und Weise der Kommunikation, ein Problem unserer Kultur. Wenigen wird anerzogen bzw. vorgelebt, freiwillig zu geben, nur um des Gebens Willen. Er ist überzeugt, dass durch diese Form der Kommunikation, wie von ihm vorgeschlagen, das Selbstwertgefühl Menschen und der Umgang aller Menschen untereinander angehoben werden kann.

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Details

Seiten
30
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656263937
ISBN (Buch)
9783656264217
Dateigröße
1.6 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199189
Institution / Hochschule
SRH Fachhochschule Heidelberg
Note
2,0
Schlagworte
Rosenberg Marshall gewaltfreie Kommunikation Methoden Soziale Arbeit Gewaltfreiheit kommunizieren gewaltfrei Bedürfnisse gewaltfrei Meyers

Autor

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Titel: Gewaltfreie Kommunikation nach Dr. Marshall Rosenberg