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Das Motiv der Mahrtenehe am Beispiel Friedrich de la Motte Fouqués "Undine"

Hausarbeit 2012 17 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Autor und Entstehung

3. Elementargeister- Definition nach Paracelsus

4. Begriff der Mahrtenehe

5. Die Begegnung Undines und Huldbrands

6. Die Mahrtenehe- eine Verbindung zwischen Elementargeist und Mensch
6.1. Undines Wandel- ein Vergleich vor und während der Ehe
6.2. Huldbrands Liebe zu Undine schwindet und Ängste entstehen
6.3. Dreiecksbeziehung und das Aufeinandertreffen von Natur und Kultur
6.4. Das Brechen des Verbots und Undines Verschwinden
6.5. Huldbrands Treuebruch und seine Konsequenzen

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Motiv der Mahrtenehe anhand Friedrich de la Motte Fouqués Undine. Die Beziehung von Huldbrand und Undine, also zwischen Mensch und Elementargeist, spielt eine zentrale Rolle in diesem Kunstmärchen. Zur Analyse dieser ungewöhnlichen Verbindung werde ich die allgemeine Definition der Mahrtenehe und Paracelsus Schriften neben weiterer Sekundärliteratur vergleichend zu Rate ziehen. Diesbezüglich treten einige Fragen auf: Wie wirkt sich Undines Ursprung und die damit verbundene Macht auf die Beziehung aus? Wie reagiert Huldbrand im Laufe ihrer Ehe auf Undines Kontakt zur Elementargeisterwelt? Was passiert, wenn Natur und Kultur aufeinander- treffen? Wird die Liebe siegen? Diese Fragen werde ich im Laufe meiner Arbeit versuchen zu beantworten. Abschließend werde ich ein zusammenfassendes Bild der Ehe Undines und Huldbrands anfertigen.

2. Autor und Entstehung

Friedrich de la Motte Fouqué wurde am 12. Februar 1777 in Brandenburg an der Havel geboren,

starb am 23. Januar 1843 in Berlin und gilt als einer der ersten deutschen Dichter der Romantik. Er verfasste unter anderem Werke wie Der Zauberring und Alwin, das bekannteste allerdings ist das Kunstmärchen Undine, welches 1811 in Berlin veröffentlicht wurde.[1] Darin greift Fouqué den Stoff aus Paracelsus´ Schrift Liber de Nymphis, Sylphis, Pygmaeis et Salamandris, et de caeteris spiritibus auf. Undine beinhaltet außerdem märchenhafte Elemente und besitzt teilweise Ähnlichkeiten zur Staufenberger Sage[2], die vom edlen Ritter Petermann Temringer von Staufenberg handelt, der einem überirdisch schönen, weiblichen Geschöpf verspricht nie zu heiraten und im Gegenzug Reichtum und Ruhm erhält. Dieses Versprechen bricht er und sie bringt ihm stattdessen den Tod.[3]

3. Elementargeister- Definition nach Paracelsus

Als Grundlage für Undine verwendet Fouqué die Darstellungen über Elementargeister aus Paracelsus´ Schrift Liber de Nymphis, Sylphis, Pygmaeis et Salamandris, et de caeteris spiritibus. Elementargeister beherrschen und verkörpern eines der vier Elemente: Wasser, Erde, Luft und Feuer. Wassergeister repräsentieren, wie der Name schon sagt, das Element Wasser und sind ein Ebenbild des Menschen. Der einzige Unterschied besteht im Besitz der Seele: alle Elementargeister sind seelenlos.[4] Indem Wasserfrauen einen Menschen heiraten, können sie jedoch eine erhalten und erlangen die Ewigkeit nach dem Tod.[5] Der Ehemann muss sich an ein wichtiges Gesetz halten, niemals darf er seine Frau in der Nähe eines Gewässers beleidigen. Wenn dies dennoch geschieht, versinkt die Wasserfrau in den Fluten und wird wieder Teil ihres Elements. Trotz ihres Verschwindens bleibt die Ehe weiterhin bestehen und eine erneute Heirat des Mannes würde einen Treuebruch darstellen. Wenn er eine zweite Ehe eingeht, wird von der Wasserfrau verlangt, dass sie ihn eigenhändig umbringt.[6]

Paracelsus enthüllt in seinem Werk zudem einen möglichen Verlauf der Handlung. Er deutet an, dass ein Ehemann seine Wasserfrau schon bald als Teufelin ansieht und zu einer zweiten Heirat tendiert. Dies wird mit dem Tode bestraft.[7]

4. Begriff der Mahrtenehe

Das Motiv der Mahrtenehe bezeichnet eine Beziehung zwischen einem Mann und einem übersinnlichen, anziehenden weiblichen Geschöpf, welches Albträume auslösen kann. Das Wort Mahrte oder Mar ist ein alter Ausdruck für eine übernatürliche Kreatur, die dem Menschen sehr ähnelt. Eine Romanze oder sogar eine Ehe mit diesen Wesen bringen fast immer Probleme mit sich.[8] Die gestörte Mahrtenehe verfügt prinzipiell über zwei Bestandteile. Einerseits unterschiedliche Partner, ein Mensch und ein übernatürliches Geschöpf, wie schon vorher erwähnt, und andererseits ein Gesetz oder Verbot, welches nicht gebrochen werden darf. Passiert dies dennoch, wird die Ehe gestört. [9] Die Mahrtenehe verkörpert immer eine utopische Welt und somit auch eine utopische Partnerschaft, die an der Realität scheitert.[10]

5. Die Begegnung Undines und Huldbrands

Fouqué beginnt seine Geschichte mit dem Erscheinen des jungen Ritters Huldbrand von Ringstetten auf einer Landzunge, die von drei Seiten vom Wasser umschlossen wird. Der einzige Weg führt durch einen dichten und dunklen Wald, der von den meisten aus Angst gemieden wird. Auf der Landzunge lebt umgeben von der Natur ein altes Fischerehepaar und ihre Pflegetochter Undine, ein lebhaftes, freches und wunderschönes Mädchen. Vor fünfzehn Jahren verschwand ihre eigene Tochter am Wasser und galt von nun an als ertrunken, jedoch tauchte kurze Zeit später ein kleines Kind auf- Undine- und sie zogen sie groß wie ihr eigenes. Noch ahnt der Ritter nicht, dass sie eine Wasserfrau ist, die als kleines Kind von ihrem Vater an Land geschickt wurde, um durch die Heirat mit einem Mann eine Seele zu erlangen. Durch diese ist sie im Stande Fähigkeiten wie Nächstenliebe, Gewissenhaftigkeit, Mitleid, Verantwortungs-gefühl und Gottesfürchtigkeit zu erhalten.[11] Ebenso weiß Huldbrand nicht, dass er von Undines Onkel Kühleborn hierher geführt worden ist, der stets um das Glück seiner Nichte besorgt ist. Schon bei ihrer ersten Begegnung in der alten Fischershütte verlieben sich der Ritter und Undine ineinander und Huldbrand findet Gefallen an ihrer Natürlichkeit und ihrem Anderssein, gleichwohl es die Gründe sind, weshalb er sich später während der Ehe von ihr distanziert.[12] Das Mädchen ist ganz erpicht darauf auf eine Schilderung seiner Erlebnisse im düsteren Wald, doch ihre Pflegeeltern schimpfen sie aus, und Undine verlässt zornig das Haus. Als sie nach einiger Zeit nach lautem Rufen immer noch nicht wieder aufgetaucht ist, beschleichen Huldbrand Zeifel über ihre Existenz und er erinnert sich an die unheimlichen Ereignisse im Wald:”Der Gedanke, Undine sei nur eine bloße Walderscheinung gewesen, bekam aufs neue Macht über ihn.”[13] Dies ist ein erster Hinweis auf sein zwiespältiges Empfinden Undine gegenüber und die Zweifel an ihrer Person als Mensch bzw. Frau.[14]

Nachdem sich das Gemüt des Mädchens beruhigt hat, berichtet Huldbrand ihr den Grund für seinen Waldritt. In der freien Reichsstatt lernte er die schöne Pflegetochter eines mächtigen Herzogs, Bertalda, kennen, schnell waren sie einander zugetan und tanzten. Als Undine dies hört, beisst sie ihm kräftig in die Hand und Eifersucht flammt in ihr auf. Von da an stellt Huldbrand Bertalda in einem schlechten Licht dar:” Es ist eine hochmütige, wunderliche Maid, diese Bertalda. Sie gefiel mir auch am zweiten Tage schon lange nicht mehr, wie am ersten, und am dritten noch minder”(Fouqué: Undine, S. 24). Allerdings ist der Wahrheitsgehalt seiner Aussage aufgrund des Bisses zweifelhaft, zudem ritt er als Beweis seiner Zuneigung in den Wald.[15] Undine ist sich dessen durchaus bewusst:”Wenn ich Euch nicht gebissen hätte, wer weiß, was noch alles von der Bertalda in Eurer Geschichte vorgekommen wär!”(Fouqué: Undine, S. 29).

Da ein reißender Strom, Kühleborns Werk, den Weg zurück in den Wald abschneidet, bleibt Huldbrand bereitwillig bei Undine auf der Erdzunge. Ebenso veranlasst ihr Onkel, dass ein Priester den einsamen Ort entdeckt und um Unterkunft bittet. Wie von Kühleborn erhofft, bittet der Ritter, ihn und Undine zu vermählen:”Ihr seht hier ein Brautpaar vor Euch, ehrwürdiger Herr, und wenn dies Mädchen und die guten alten Fischersleute nichts dawider haben, sollt Ihr uns heute Abend noch zusammengeben”(Fouqué: Undine, S.38). Der Priester ist einverstanden und vollzieht die Trauung. Undine und Huldbrand gehen somit die Mahrtenehe ein, eine Verbindung zwischen Elementargeist und Mensch.

[...]


[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_de_la_Motte_Fouqu%C3%A9 (31.7.2012)

[2] Pfeiffer, Wilhelm, Über Fouqués Undine, Heidelberg, 1903, S. 5 f.

[3] Pfeiffer, Wilhelm, Über Fouqués Undine, Heidelberg, 1903, S. 6 ff.

[4] Fassbinder- Eigenheer, Ruth, Undine oder die nasse Grenze zwischen mir und mir, Diss., Stuttgart, 1994, S. 17

[5] Paracelsus, Liber de Nymphis, Sylphis, Pygmaeis et Salamandris, et de caeteris spiritibus, Basel, 1590, S. 61

[6] Paracelsus, Liber de Nymphis, Sylphis, Pygmaeis et Salamandris, et de caeteris spiritibus, Basel, 1590, S. 64 ff.

[7] Pfeiffer, Wilhelm, Über Fouqués Undine, Heidelberg, 1903, S. 5

[8] http://de.wikipedia.org/wiki/Mahrtenehe (1.8.2012)

[9] http://www.library-mistress.net/Seminararbeit/petervonstaufenberg.pdf (1.8.2012)

[10] Fassbinder- Eigenheer, Ruth, Undine oder die nasse Grenze zwischen mir und mir, Diss.,Stuttgart, 1994, S.99

[11] Trüpel-Rüdel, Helga, Undine- eine motivgeschichtliche Untersuchung, Diss., Bremen, 1987, S. 67

[12] Trüpel-Rüdel, Helga, Undine- eine motivgeschichtliche Untersuchung, Diss., Bremen, 1987, S. 68

[13] De la Motte Fouqué, Friedrich, Undine, eine Erzählung, Stuttgart, 2001, S. 19

[14] Trüpel-Rüdel, Helga, Undine- eine motivgeschichtliche Untersuchung, Diss., Bremen, 1987, S. 69

[15] Trüpel-Rüdel, Helga, Undine- eine motivgeschichtliche Untersuchung, Diss., Bremen, 1987, S. 71

Details

Seiten
17
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656257455
ISBN (Buch)
9783656257776
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v199167
Institution / Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf – Germanistisches Institut
Note
Schlagworte
motiv mahrtenehe beispiel friedrich motte fouqués undine

Autor

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