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Die Finanzkrise in Deutschland: Entstehung und Einschätzung der getroffenen Gegenmaßnahmen

Diplomarbeit 2011 70 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

I. Einleitung
1.1 Thema der Arbeit
1.2 Vorgehensweise

II. Ursachen der Finanzkrise
2.1 Entstehung der US-Immobilienkrise
2.1.1 Immobilienblase
2.1.2 Immobilienkrise
2.2 US-Immobilienkrise wird zur globalen Finanzkrise
2.2.1 Asset-Backed Securities
2.2.2 Collateralized Debt Obligations
2.2.3 Fehlverhalten der Ratingagenturen
2.2.4 Hedge Fonds
2.2.5 Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac
2.2.6 Die Insolvenz von Lehman Brothers

III. Die Krise erreicht Deutschland
3.1 Konjunktureller Abschwung
3.2 Arbeitsmarkt
3.3 Beispiel Opel
3.4 Selbstregulierung oder staatlicher Eingriff?

IV. Stabilisierung der Finanzmärkte
4.1 Zentralbankpolitische Maßnahmen
4.1.1 Federal Reserve
4.1.2 Europäische Zentralbank
4.2 Staatliche Maßnahmen
4.2.1 Finanzmarktstabilisierungsgesetz
4.2.2 Ergänzungsgesetz zur Finanzmarktstabilisierung
4.2.3 Gesetz zur Fortentwicklung der Finanzmarktstabilisierung
4.2.4 Garantien für private Spareinlagen
4.2.5 Vorbild Schweden

VI. Konjunkturprogramme
6.1 Konjunkturpaket I
6.2 Konjunkturpaket II
6.3 Umweltprämie

VII. Verbesserungsvorschläge um neue Krisen zu vermeiden
7.1 Managementverantwortung
7.2 Institutionsverantwortung
7.2.1 Änderungen im Bankensystem
7.2.2 Ratingagenturen

IX. Schlusswort

X. Literaturverzeichnis

XI. Internetquellenverzeichnis

XII. Ehrenwörtliche Erklärung

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Leitzins EZB & FED

Abbildung 2: Wachstumsrate des realen BIP in den USA

Abbildung 3: Immobilienpreisentwicklung in den USA

Abbildung 4: Zusammensetzung und Funktionsweise der CDO’s

Abbildung 5: Auflistung & Bedeutung der Ratings

Abbildung 6: DAX-Entwicklung 2008

Abbildung 7: Bruttoinlandsprodukt in Deutschland (preisbereinigt)

Abbildung 8: Beispiel für Kurzarbeit bei 50% Arbeitsausfall

Abbildung 9: Anzahl der Kurzarbeiter in Deutschland

Abbildung 10: Anstieg der Arbeitslosenquote in den USA 2008-2011

Abbildung 11: Inflationsrate in den USA 2000-2011

Abbildung 12: Übernachteinlagen bei der EZB in Milliarden Euro

Abbildung 13: Verlauf der industriellen Auftragslage in der Eurozone

Abbildung 14: Arbeitslosenquote in Deutschland

Abbildung 15: Neuzulassungen von PKW in Tausend (2009-2011)

I. Einleitung

1.1 Thema der Arbeit

Die jüngste Finanzkrise war nach Meinung vieler Experten die schwerste Wirtschaftskrise seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts.

Obwohl ihr Ursprung auf den amerikanischen Immobilienmarkt zurückzuführen ist, wuchs sie rasch zu einer globalen Finanzkrise an. Denn durch die engen wirtschaftlichen Vernetzungen auf internationaler Ebene, gelangten so genannte „toxische Wertpapiere“ in das Portfolio unzähliger Banken auf der ganzen Welt. Diese Papiere setzten sich hauptsächlich aus Kreditforderungen zusammen, die im Zuge des amerikanischen Immobilienbooms vergeben wurden. Der Weiterverkauf dieser Forderungen schien ein rentables Geschäft zu sein, da diese nach Abtretung nicht nur aus der eigenen Bilanz verschwanden, sondern zusätzlich liquide Mittel generiert werden konnten. Teilweise wurden sogar mehrere Forderungen vor ihrer Veräußerung zu einem Paket gebündelt, sodass die Zusammensetzung und der eigentliche Wert kaum nachvollziehbar waren. Die Tatsache, dass die Mehrheit der Schuldner nie in der Lage sein würden die Kredite jemals zu begleichen, sei es aus Gründen der schlechten Bonität oder den teilweise aberwitzigen Rückzahlungsraten, interessierte zu diesem Zeitpunkt niemanden.

Doch als ein Großteil der Zahlungseingänge tatsächlich ausblieb, nahm das Unheil seinen Lauf. Neben der nun fehlenden Liquidität, waren die Banken gezwungen Abschreibungen in Millionen- oder gar Milliardenhöhe vorzunehmen. Ein kollektives Zusammenbrechen von Banken war die Folge, darunter auch Lehmann Brothers, das ehemals viertgrößte Kreditinstitut in den USA. Aufgrund des darauffolgenden Vertrauensverlusts sowie fehlender Sicherheiten, wurden Unternehmen und Privatpersonen immer weniger finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, wodurch sich Investitionen und Konsum stark verringerten. Auf diesem Weg griff die Finanzkrise auf die Realwirtschaft über und ein konjunktureller Abschwung ließ sich nicht mehr verhindern.

Die in Deutschland ergriffenen Maßnahmen sahen in erster Linie eine Unterstützung des Finanzmarkts vor, um einen Zusammenbruch des Finanzsystems zu verhindern. Mit Hilfe des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes sicherte die Bundesregierung die finanzielle Situation der Banken, wodurch nicht nur das verloren gegangene Vertrauen wiederhergestellt werden konnte, sondern auch das Interbankengeschäft zu neuer Aktivität angetrieben wurde. Daneben verabschiedete man zwei historische Rettungspakete, die neben wertvollen Investitionen, einer drohenden Massenarbeitslosigkeit vorbeugen sollten. Unter anderem beinhalteten die Konjunkturpakete die Kurzarbeit, mit welcher der Arbeitsmarkt stabilisiert werden sollte, oder die Umweltprämie, mit der Absicht, die Nachfrage in der stark gebeutelten Automobilindustrie zu steigern. In der Tat war dadurch die Arbeitslosenrate in Deutschland, als einziges Land in Europa, beständig und sogar leicht rückläufig. Außerdem erreichte der Wert der Neuzulassungen von PKW im Jahr 2009 einen Höchststand.

Zwar konnte die Krise größtenteils bewältigt werden, allerdings nur auf Kosten hoher Neuverschuldung seitens der betroffenen Staaten. Viele Länder leiden immer noch unter den Konsequenzen der expansiven Geldpolitik, manche stehen sogar kurz vor dem Staatsbankrott. Es herrscht Einigkeit darüber, dass neue Regelungen und Gesetze dringend notwendig sind, um künftige Krisen zu vermeiden oder zumindest ihr Ausmaß einzuschränken. Dabei beruft man sich auf die gemachten Fehler der jüngsten Finanzkrise, wobei vor allem die Intransparenz der Bankengeschäfte, die zweifelhaften Bewertungen der Ratingagenturen sowie das Fehlverhalten einiger Manager in der Kritik stehen.

1.2 Vorgehensweise

Der Schwerpunkt dieser Arbeit richtet sich sowohl auf die finanz- als auch die fiskalpolitischen Maßnahmen, die in Deutschland zur Bekämpfung der Krise ergriffen wurden. Um ein besseres Verständnis für die gewählten staatlichen Aktionen zu erhalten, werden zunächst die Ursachen der Finanzkrise analysiert. Diese beinhalten sowohl die Entstehung der Immobilienblase in den USA auf Grund der niedrigen Zinspolitik sowie der lässigen Kreditvergabepraktiken, als auch die Erklärung wie sich die nationale Krise zu einer globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ausbreiten konnte. In diesem Zusammenhang wird das Fehlverhalten einiger Marktakteure aufgedeckt, wodurch die Ausweitung der Krise zusätzlich verstärkt wurde.

Im nächsten Kapitel wird explizit auf die Auswirkungen der Krise in Deutschland eingegangen, die sowohl die Finanz- als auch die Realwirtschaft negativ beeinflussten. Die massiven finanziellen Probleme einiger Kreditinstitute führten zu einem Chaos auf dem Kapitalmarkt. Der hierdurch entstandene Vertrauensverlust führte wiederum zu fehlender Liquidität bei Unternehmen und Privathaushalten.

Nachdem in einem gesonderten Punkt beleuchtet wird, in wie fern der Staat in den Markt eingreifen soll bzw. darf, werden die einzelnen Maßnahmen erläutert, die zur Stabilisierung des Finanzmarkts einerseits und zum Entgegenwirken des wirtschaftlichen Abschwungs andererseits, unternommen wurden. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die Politik der Federal Reserve und der Europäischen Zentralbank, sowie auf die Handlungen der Bundesregierung, die durchgeführt wurden, um einen drohenden Rückgang des Wirtschaftswachstums zu verhindern, und der akuten Gefahr einer Massenarbeitslosigkeit vorzubeugen.

Die Wirtschaft hat sich zwar mittlerweile wieder erholt, das ändert allerdings nichts an der Tatsache, dass die gebräuchlichen wirtschaftlichen Modelle versagt haben und die Schwachstellen schleunigst beseitigt werden müssen. Deshalb werden im abschließenden Kapitel Überlegungen dokumentiert, die künftige Krisen bereits in ihrer Entstehung unterbinden sollen. Dies muss durch gesetzliche Regelungen geschehen, die auf eine höhere Transparenz und Kontrolle des Wirtschaftssystems sowie auf das Verhalten einzelner Marktteilnehmer abzielen. Hierbei stehen mehrere nützliche Änderungen im Fokus, die in diesem Abschnitt vorgestellt werden.

Den Ausklang der Diplomarbeit bildet das Schlusswort, das sich mit einer kritischen Zusammenfassung der Krise auseinandersetzt.

II. Ursachen der Finanzkrise

2.1 Entstehung der US-Immobilienkrise

2.1.1 Immobilienblase

Die Finanzkrise hatte ihren Ursprung auf dem US-amerikanischen Kreditmarkt. Ursprünglich basierte die Kreditvergabepolitik in den USA auf Kriterien wie Zahlungskraft, Kreditwürdigkeit und Sicherheiten, nach denen die Kunden ausgewählt wurden. Kredite wurden nur unter der Voraussetzung gewährt, wenn diese maximal 80% des Wertes der Sicherheit erreichten (vgl. Grundmann, S./Hofmann, C./Möslein, F. (Hrsg.), (2009), S. 3). Allerdings änderte sich diese Kreditvergabepraxis, was auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist. Zum einen trat 1968 ein neues Gesetz in Kraft, welches nunmehr auch neuen Bevölkerungsschichten, mit zum Teil schlechter Bonität, die Aufnahme eines Kredits ermöglichte (vgl. Fair Housing Act, 42 U.S.C. §§ 3601-3619). Ziel dieses Gesetzes war die Abschaffung diskriminierender Vergabepraktiken aufgrund der Herkunft, Religion, Hautfarbe, Geschlecht, Familienstand oder Behinderungen der Schuldner. Die hierdurch aufkommenden, größeren Risiken wurden mit höheren Zinsen sowie mit schlechteren Vertragsbedingungen behaftet.

Zum anderen beeinflusste die Niedrigzinspolitik der amerikanischen Zentralbank Federal Reserve (FED) die Entwicklung der Kreditvergabebedingungen. Die Konjunktur befand sich in einem Abschwung, was durch den Terroranschlag am 11. September 2001 zusätzlich verschärft wurde. Aus Angst vor neuen Anschlägen verkauften Investoren ihre Aktien, was zu einem erheblichen Wertverlust innerhalb weniger Tage führte, außerdem drosselten die Privathaushalte ihren Konsum deutlich. Daraufhin senkte die FED den Leitzins, um die Nachfrage nach Krediten und die Geldmenge am Markt zu erhöhen (vgl. Abb. 1). Damit sollte die Wirtschaft wieder angekurbelt und einer drohenden Rezession entgegengewirkt werden. Nebenbei lässt sich aus diesem Schaubild gut erkennen, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinspolitik der FED, tendenziell ein wenig zeitverzögert, adaptiert.

Abbildung 1: Leitzins EZB & FED

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.boersennotizbuch.de/marktdaten/leitzinsen-langfristige-entwicklung-fed-ezb

Die US-Bank hielt an ihrer Niedrigzinspolitik fest, obwohl die Wirtschaft Ende 2001 tatsächlich wieder an Aufschwung gewann und sowohl die Investitionen als auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stark anwuchsen (vgl. Abb. 2). In den Jahren 2003/2004 sank der Leitzins sogar auf 1,0 % und war damit auf dem niedrigsten Stand seit über 40 Jahren (vgl. Fischer, M. (2001), S. 26). Aufgrund der Tatsache, dass Kredite jetzt günstig waren wie nie zuvor, war es vorteilhafter, sich Geld zu leihen als es zu sparen. Die meisten US-Bürger reagierten auf den Anreiz des Staates und fingen an zu investieren. Eine natürliche Folge war der Anstieg von Vermögenspreisen, was vor allem im Immobilienmarkt zu erkennen war. Viele Menschen waren nun in der Lage, sich ein Haus zu leisten. Aber nicht nur der Wunsch nach einem Eigenheim bewegte die Menschen zum Kauf einer Immobilie, vielmehr wurde auch auf einen weiteren Anstieg der Preise spekuliert. So legte sich ein Teil der Bevölkerung eine zusätzliche oder eine noch größere Immobilie zu, mit der Absicht, sie später gewinnbringend veräußern zu können.

Aufgrund der anhaltend steigenden Grundstücks- bzw. Immobilienpreise bewilligten die Kreditinstitute fast jedem Bewerber einen Kredit, teilweise sogar in Höhe von bis zu 100 % des Immobilienwertes, da sie die Hypotheken auf die Häuser als Sicherheit akzeptierten (vgl. Haghani, S./Eilenberger, G. (2008), S. 75). Des Weiteren verkauften sie die Kreditforderungen an neu gegründete Zweckgesellschaften, womit die Geschäfte nun nicht mehr in der eigenen Bilanz erschienen. Diese Abtretung der Risiken, und somit der Verantwortung, führte zum so genannten „Moral Hazard Problem“, denn dadurch hatten die Banken keine Motivation mehr, Kunden auf ihre Bonität bzw. die Wahrscheinlichkeit einer Rückzahlung zu prüfen. Folglich wurden zahlreiche, regelrecht verantwortungslose Kredite an nahezu mittellose Personen vergeben (vgl. Widmann, G. (2008), S. 4).

Nachdem die Wirtschaft ab 2004 einen erneuten wirtschaftlichen Abschwung erlitt (vgl. Abb. 2), und es durch die stagnierenden Niedrigzinsen keine attraktiven Anlagevermögen gab, drängten viele Spekulanten auf den lukrativen Immobilienmarkt, um dort Gewinne zu erzielen.

Abbildung 2: Wachstumsrate des realen BIP in den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.economywatch.com/world_economy/usa/case-shiller-index.html

Mittlerweile waren annähernd zweidrittel der US-Bevölkerung an dem Markt beteiligt (vgl. Hannich, G. (10. März 2011), http://www.guenter-hannich.com). Die dadurch wachsende Nachfrage übertraf innerhalb kürzester Zeit das Angebot und die Immobilienpreise schossen in die Höhe. So verdoppelten sich die Preise für Immobilien zwischen den Jahren 2000 und Mitte 2006 von ca. 100 % auf über 200 % des Ausgangswertes. Die Entwicklung der Immobilienpreise kann anhand des Case-Shiller Home Price Index aus Abbildung 3 abgelesen werden. Dieser Handlungsablauf führte schließlich zur Bildung der Immobilienblase, die den ersten Schritt auf dem Weg zur Finanzkrise darstellte.

Abbildung 3: Immobilienpreisentwicklung in den USA

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.alphaprofit.com/NoLoadMutualFunds/Housing-Investments- Home-Builders-Home-Improvement-1.html

2.1.2 Immobilienkrise

Angebot und Nachfrage bestimmen bekanntlich den Preis und sind ein natürlicher Bestandteil der Wirtschaft. Doch die Intensität der Nachfrage, die diesen Immobilienboom auslöste, sowie die Art und Weise, wie es zu diesem Phänomen gekommen ist, war alles andere als gewöhnlich. Die stets steigenden Preise auf dem Immobilienmarkt lockten unzählige Spekulanten an, und auch der Bedarf an finanziellen Mitteln stieg kontinuierlich. Immer mehr Finanzdienstleister eilten auf den Markt, um sich einen Anteil am profitablen Geschäft zu sichern. Hierdurch wurde ein harter Konkurrenzkampf angekurbelt.

Um trotz der vielen Mitstreiter Gewinne erzielen zu können, verliehen nun einige Institute zusätzlich so genannte „Subprime Mortgages“, d.h. Darlehen an Personen mit geringer Bonität und mit wenigen bis keinen Sicherheiten. Durch die lockere Kreditvergabepolitik stand diesen Maßnahmen im Grunde genommen auch nichts im Weg, und ehe man sich versah, war die Mehrheit der Bevölkerung in der Lage, eine Immobilie zu finanzieren. Allerdings musste die Seriosität dieser Praktiken der Gier weichen. Es gab sogar einzelne Firmen, die vollends auf Eigenkapital oder auf ein nachgewiesenes Einkommen der Antragsteller verzichteten, um mit dieser Strategie zu schnellem Wachstum zu gelangen.

Die Inhalte der Darlehensverträge waren ebenfalls eher Köder für ein weiteres rentables Geschäft als eine sinnvolle Unterstützung für die Kreditnehmer. So gab es mehrere Varianten mit zum größten Teil niedrigen Zinssätzen am Anfang, jedoch erhöhten Raten am Ende der Laufzeit (vgl. Fischer, M. (2009), S. 12). Es war gewissermaßen schon im Voraus zu erkennen, dass etliche Schuldner nie in der Lage sein würden, die nötigen Mittel aufzubringen, um ihren Kredit jemals vollständig tilgen zu können. Ein Grund sich dennoch auf diese Verträge einzulassen, war die grenzenlose Euphorie, die anlässlich der beständigen Hochkonjunktur auf dem Grundstücksmarkt zu diesem Zeitpunkt herrschte. Viele waren wohl naiv genug zu glauben, dass diese Phase niemals enden würde, andere waren in ihrer Gier womöglich zu blind, die potentiellen Gefahren mit anschließenden Konsequenzen zu erkennen. Diese ließen allerdings nicht lange auf sich warten, als die FED 2004 wieder den Zinssatz anhob (vgl. Abb. 1).

Infolge dessen stiegen naturgemäß auch die Zinskosten der Darlehen und erste Ratenausfälle waren zu verzeichnen. Gleichzeitig minderte sich die Nachfrage nach Immobilien angesichts der jetzt wieder kostspieligen Kredite. Eine erhebliche Wertminderung und sinkende Preise waren die Folge. Dementsprechend wurde es besonders für Einkommensschwache Darlehensnehmer unmöglich die steigenden Raten zu bezahlen. Innerhalb von gut einem Jahr verdoppelte sich die Zahl der Zahlungsausfälle, und immer mehr Zwangsversteigerungen waren oftmals die letzte Option, um die bestehenden Kredite bei den Banken halbwegs entrichten zu können (vgl. Fischer, M. (2009), S. 13). Folglich erhielten nun viele Kreditinstitute die Quittung für ihre zuvor legere Kreditvergabepolitik, deutlich gemacht durch die Rückzahlungen der Schuldner, die entweder gar nicht oder zum Teil nur schleppend bezahlt werden konnten. Dieser Negativtrend setzte sich fort, und weitere Kreditausfälle, speziell im Bereich der Subprime Mortgages, führten rasch zu immer mehr Engpässen bei der Liquiditätszufuhr der Banken (vgl. Zimmermann, K./Schäfer, D. (2010), S. 15). Die Immobilienblase war geplatzt, aber die nächste, noch größere Blase war bereits zu erkennen: die Finanzblase.

2.2 US-Immobilienkrise wird zur globalen Finanzkrise

2.2.1 Asset-Backed Securities

Zunächst blieb die entstandene Finanzmarktkrise der USA ein landesinternes Problem, wobei erste Banken wie Fannie Mae und Freddie Mac ernsthaften liquiden Knappheiten gegenüberstanden (vgl. Fischer, M. (2009), S. 14). Jedoch nahm diese Angelegenheit aufgrund der internationalen Vernetzungen der Banken sehr schnell globale Dimensionen an. Insbesondere moderne Finanzierungskonstruktionen, bei denen Verbriefungen von Zins- und Tilgungsansprüchen weiterveräußert wurden, so genannte Asset-Backed Securities (ABS), trugen dazu bei, dass sich die Krise über die Landesgrenze hinaus verbreitete. Bei den ABS handelte es sich um eine Art Risikomanagement, bei der man verschiedene Kredite und Forderungen bündelte und anschließend als Paket zum Kauf anbot. Mit diesem Verfahren konnte man illiquide Forderungen vorzeitig in liquide Mittel umwandeln und zugleich weitere Erträge verwirklichen. Die ABS waren eine neue Form von Wertpapieren, die neben den Krediten für Immobilien auch Kreditkartenforderungen, Autofinanzierungen und Leasingforderungen beinhalteten (vgl. Rudolph, B./Hofmann, B./Schäfer, K./Schaber, A. (2007), S. 39). Es wurden für diese Transaktionen sogar spezielle Zweckgesellschaften gegründet, so genannte Special Purpose Entities (SPE) bzw. Special Purpose Vehicles (SPV) (vgl. Struffert, R. (2006), S. 1). Diese Gesellschaften verloren bei Verkauf der Kreditforderungen und Hypotheken zwar nicht den Status als Gläubiger, jedoch wurde das wirtschaftliche Risiko weitergereicht (vgl. Grundmann, S./Hofmann, C./Möslein, F. (2009), S. 10). Die abgetretenen Forderungen mussten auf diesem Weg auch nicht mehr in der Bilanz eingetragen werden. Des Weiteren mussten keine Eigenkapitalsicherungen vorgewiesen werden, da die Gesellschaften die Forderungen lediglich ankauften und sie somit nicht als Kreditgeber auftraten. Dadurch konnte man die Bestimmungen von Basel I auf legale Weise umgehen, die eigentlich einen Nachweis von Eigenkapital voraussetzen (vgl. Huelmann, F. (2004), S. 2). In dieser Manier konnten theoretisch unzählige Kredite vergeben werden (vgl. Grundmann, S./Hofmann, C./Möslein, F. (2009), S. 9). Kaum jemand konnte dieser neuen Finanzierungsmöglichkeit widerstehen, und so gerieten innerhalb kürzester Zeit einige dieser Wertpapiere auch in das Portfolio von Banken aus aller Welt.

2.2.2 Collateralized Debt Obligations

Abbildung 4: Zusammensetzung und Funktionsweise der CDO’s

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.thedeal.com/newsweekly/images/100608_NWleverageFloChrt.gif

Der Anreiz für internationale Investoren, sich an den ABS zu beteiligen, war sehr groß. Die mit verschieden hohen Risiken belasteten Forderungspools versprachen auf Grund des Leverage-Effekts einen beträchtlichen Gewinn. Demgegenüber standen natürlich auch hohe Ausfallrisiken, allerdings verließ man sich dabei auf die Risikoeinstufungen der Ratingagenturen, die schlichtweg falsch waren (siehe dazu 2.2.3).

Doch damit war der Kreativität noch kein Ende gesetzt, denn neben der Beteiligung an den Pools durften die Anleger zusätzlich das Ausmaß des Ausfallrisikos mitentscheiden. Es wurde hierbei in 3 verschiedene Tranchen unterschieden, wobei die Equity-Tranche die ersten Verluste zu tragen hatte (vgl. Martin, M./Reitz, S./Wehn, C. (2006), S. 46). Die Senior-Tranche trug die letzten Verluste, während die Mezzanin-Tranche dazwischen auftrat. Diese Art der Schuldverschreibungen hießen Collateralized Debt Obligations (CDO’s) (vgl. Grundmann, S./Hofmann, C./Möslein, F. (2009), S. 11). Jedoch wurden sogar die bereits in Pakete geschnürten Forderungen nochmals als Vermögensgegenstände in weitere Stufen verpackt. So entstanden in der darauffolgenden Ebene die CDO squared (CDO²), und in der nächsten die CDO cubed (CDO³). Die Entstehung und die Zusammensetzung der CDO’s kann aus Abbildung 4 entnommen werden. Durch die komplexe Verschachtelung der Forderungen war inzwischen kaum noch ersichtlich, was genau man eigentlich in Händen hielt bzw. was der wahre Wert davon war. Einer Studie der Forschungsgruppe Celent LLC zufolge, betrug die Summe des CDO Markts 2 Billionen US-Dollar im Jahre 2006 (vgl. The Deal Magazine (12. April 2011), http://www.thedeal.com.).

2.2.3 Fehlverhalten der Ratingagenturen

Wie bereits erwähnt, verließen sich viele Finanzinstitute auf die Bewertungen von Ratingagenturen, die sich von AAA für die beste-, bis hin zu CCC, für die niedrigste Bonität erstreckten (vgl. Abb. 5). Die Agenturen beurteilten in erster Linie die Bonität von Firmen und Finanzprodukten, aber auch ganze Staaten wurden bewertet (vgl. Spiegel online (12. April 2011), http://www.spiegel.de.). Sie dienten als fachkundige, unabhängige Einrichtungen, die regelmäßig die Bonität von Schuldnern im Interesse von Investoren untersuchten. Dabei galt es herauszufinden, wie hoch die Wahrscheinlichkeit war, die Forderungen mit Zinsen zum vereinbarten Fälligkeitsdatum von den Kreditnehmern zurückzubekommen (vgl. Perridon, L./Steiner, M. (2007), S. 174).

Abbildung 5: Auflistung & Bedeutung der Ratings

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://landkartenindex.blogspot.com/2010/06/europaweites-ranking-von-staatsanleihen.html

Die drei mächtigsten Ratingagenturen, die insgesamt 95 % des Marktes unter sich aufteilen, sind Standard & Poor’s, Moody’s, sowie Fitch (vgl. Handelsblatt (14. April 2011), http://www.handelsblatt.com). Aufgrund der immer geringer werdenden Transparenz und der Vielfalt neuer, undurchsichtiger Finanzierungsmethoden im Zuge der Finanzkrise, nahmen mehr und mehr Investoren die Einschätzungen der Ratingagenturen in Anspruch und vertrauten auf ihre Kompetenz. Allerdings kam es dabei mitunter zu erheblichen Fehleinschätzungen, die bedeutende Auswirkungen zur Folge hatten und zur Entwicklung der Finanzkrise beitrugen (vgl. Balzli, B./Schiessl, M./Schulz, T. (2009), S. 72). Denn als die Forderungen nicht mehr beglichen werden konnten, war jeder, der an diesen Investitionen beteiligt war, Leidtragender. Sicherlich ist es letztendlich die Aufgabe der Investoren selbst, sich mit einer Investition auseinanderzusetzen, doch erst durch die Gutachten der Agenturen verschwanden auch letzte Zweifel seitens der Anleger, die sich anschließend in sicher geglaubte Investitionen stürzten (vgl. Widmann, G. (2008), S. 4).

Dass es zu Fehleinschätzungen kam, lag unter anderem daran, dass eine kontinuierliche Überwachung der Bonität der Kreditnehmer vernachlässigt wurde. Durch die Übertragung der Kreditforderungen auf eine Zweckgesellschaft, erschienen diese Kredite nicht mehr in der eigenen Bilanz, woraufhin jegliches Interesse eines gründlichen Monitorings verloren ging. Die Ratingagenturen schienen, aufgrund der weitreichenden Dimension des Kreditmarktes einschließlich seiner entstandenen Komplexität, mit adäquaten Risikoeinschätzungen überlastet zu sein. Dazu waren die ihnen zur Verfügung gestellten Informationen nicht ausreichend genug.

Ein weiterer Aspekt, wie es zu den falschen Bewertungen gekommen ist, ist ebenso interessant wie schockierend. So sollen Ratingagenturen aus Eigeninteresse, Bewertungen vorsätzlich gefälscht haben, um davon reichlich profitieren zu können (vgl. Balzli, B./Schiessl, M./Schulz, T. (2009), S. 72). Des Weiteren wurden für Finanzprodukte Ratings abgegeben, die eigentlich nicht bewertbar waren, da es weder verlässliche Erfahrungswerte, noch anerkannte Berechnungsmethoden gab. Diese Vorwürfe wurden von Eric Kolchinsky, einem ehemaligen Mitarbeiter der Ratingagentur Moody’s, bestätigt (vgl. Balzli, B./Schiessl, M./Schulz, T. (2009), S. 73 f.). Es war von „illegalen Aktionen“ und von „Regelverstößen“ die Rede, die durchaus Grund zur Sorge gaben, bedenkt man den Einfluss, den diese Agenturen auf die Finanzwirtschaft hatten. Durch ihre Vergabe von Bestnoten auf fragwürdige Kredite, verloren einige Investoren Geldbeträge in Milliardenhöhe, woraufhin das gesamte Finanzsystem zu kippen drohte (vgl. Balzli, B./Schiessl, M./Schulz, T. (2009), S. 72).

Beunruhigend war auch die Tatsache, dass die Ratingagenturen Privatunternehmen waren, die zu diesem Zeitpunkt noch ohne jegliche Aufsicht agierten. Sie hatten also freien Handlungsspielraum und konnten damit ihre Bewertungen zu ihren Gunsten auslegen. Folglich standen die Ratingagenturen stark in der Kritik und ihre Seriosität und Glaubwürdigkeit wurden angezweifelt. Die Aktualisierung der Ratings beispielsweise erfolgte viel zu selten, damit waren diese weder zeitnah noch realitätsgetreu. So hatte Griechenland etwa, die nahezu zahlungsunfähig sind, Mitte 2010 noch ein besseres Ranking als die Türkei, einem vermeintlichen Boomland. Trotzdem konnte man die Firmen im Nachhinein nicht zur Rechenschaft ziehen, da sie sich durch Argumente wie „freie Meinungsäußerung“ und „Veröffentlichung von Ansichten“ der Verantwortung entzogen. Fakt ist jedenfalls, dass der Finanzkrise durch ihr Handeln nicht entgegengewirkt wurde, sondern im Gegenteil, sie wurde dadurch mit angekurbelt.

2.2.4 Hedge Fonds

Wenn man von der Finanzkrise spricht, dann ist das Wort „Gier“ nicht weit entfernt. Jeder wollte in der Phase des Immobilienbooms profitieren. So natürlich auch einige Manager, die sich mit ihren Gehältern aus den Geschäften mit „normalen“ Investmentfonds nicht mehr zufrieden geben wollten. Die Beschränkungen waren hier einfach zu groß, um einen rentablen Mehrertrag generieren zu können. Denn man konnte neben dem Grundgehalt nur dann erwähnenswerte Zusatzbeträge erhalten, wenn man besser als eine vorgegebene Benchmark, z.B. ein bestimmter Aktienindex, abschnitt. In der Praxis erreichten aber Statistiken zufolge nur die wenigsten Manager dieses angestrebte Ziel (vgl. Sommer, R. (2009), S. 64).

Anders sah es bei den Hedge Fondsgesellschaften aus. Diese unterschieden sich in ihrer Funktionsweise zwar kaum von den Investment Fondsgesellschaften, allerdings waren diese von nahezu fehlenden Regulierungen geprägt und auf absolute Erträge ausgerichtet (vgl. Hornberg, K. (2006), S. 7). Somit waren riskante Spekulationen mit der Chance auf hohe Renditen möglich. Die Manager hatten keine Anlagebeschränkungen, konsequenterweise erfolgten die Anlagestrategien auf einer sehr spekulativen Basis (vgl. Schäfer, D. (2004), S. 463 ff.). Unter anderem wurden Kredite in unbegrenzter Höhe aufgenommen, Leerverkäufe getätigt, oder auf fallende Kurse spekuliert (vgl. Sommer, R. (2009), S. 64). Die Vergütung der Manager war überwiegend erfolgsabhängig, was bei dem ein oder anderen zu immens hohen Boni führte. Dazu kommt, dass man bereit war hohe Risiken in Kauf zu nehmen, denn der Profit im Falle eines Erfolges war vergleichsweise viel höher als der Verlust bei einem Misserfolg (vgl. Sommer, R. (2009), S. 65). Der Haken an der Sache war jedoch, dass durch den Handel der begehrten ABS, auch die meisten Fonds aus verbrieften Forderungen, zudem von Kunden mit geringer Bonität, bestanden. Der Markt bewegte sich deshalb auf dünnem Eis, denn bei Zahlungsausfällen drohte dieser in sich zusammenzubrechen (vgl. Münchau, W. (2008), S.178). Ein solches Szenario wäre verheerend, denn der Hedge-Fonds-Markt umfasste im Jahr 2007 insgesamt eine Vermögenssumme von annähernd 1,5 Billionen US-Dollar (Vgl. Marquardt, R. (2007), S. 211 f.).

Jedoch ist genau das im Krisenjahr 2008 passiert. Die Hedge Fondsgesellschaften arbeiteten mit Banken zusammen, die ihnen bei wichtigen Transaktionen als Primebroker zur Seite standen. Durch die Insolvenz einiger Kreditinstitute verloren die Hedge Fondsgesellschaften einen Großteil ihrer Sicherheiten, die dort in Form von Wertpapieren hinterlegt waren. Aufgrund des Handels mit ABS bzw. CDO’s wurden diese Wertpapiere wiederum an andere Geschäftspartner der Bank weiterverpfändet. Hedge Fondsgesellschaften, die eine insolvente Bank als Primebroker zum Geschäftspartner hatten, waren nun gezwungen Abschreibungen vorzunehmen. Um dem zu entgehen, wechselten viele ihren Primebroker. Allerdings verschlechterte sich die Lage dadurch noch mehr, da zum einen mit jedem Wechsel Transaktionskosten verbunden waren, zum anderen standen im Laufe des Jahres auch diese Banken meist selbst vor der Insolvenz (vgl. Berg, B. (2009), S. 241). Es ist also eine weitere Blase geplatzt, die zur Entstehung bzw. dem Ausmaß der Finanzkrise, einen wesentlichen Teil beigetragen hat. Dazu genügten der Leichtsinn und die unersättliche Gier nach dem schnellen Geld einiger Manager, die ohne Rücksicht auf Verluste und ohne einen Gedanken an mögliche Konsequenzen zu verlieren, handelten.

2.2.5 Die Verstaatlichung von Fannie Mae und Freddie Mac

Fannie Mae und Freddie Mac waren die zwei größten Hypothekenbanken der USA. Ihr wesentliches Geschäft lag in der amerikanischen Haus- und Wohnungsfinanzierung mit dem Ziel, auch Personen mit einem geringen oder mittelmäßigen Einkommen die Realisierung eines Eigenheims zu ermöglichen. Fannie Mae wurde im Jahr 1938 gegründet, um Darlehen zu kaufen und zu verkaufen, später wurde der Aufgabenbereich um den Ankauf von Hypothekenkrediten erweitert (vgl. Albrecht, M. (2004), S. 15 f.). Um eine Monopolstellung zu vermeiden, wurde 1970 Freddy Mac gegründet. Beide Unternehmen definierten sich über den United States Code (U.S.C.) und waren daher von ihrer Struktur her gleich (vgl. Kunkel, L. (2009), S. 40).

Beide agierten auf dem Sekundärmarkt und waren für die Liquiditätszufuhr des Primärmarktes zuständig. Sie trugen dadurch zu einer Erhöhung der Leistungsstärke des Primärmarktes bei. Aufgrund der Immobilienkrise waren diese beiden Banken stark in finanzielle Nöte geraten, da unzählige offene Hypotheken zu Buche standen. In Zahlen ausgedrückt, handelte es sich bei Fannie Mae um mehr als 220 Mrd. US-Dollar, bei Freddie Mac um ca. 23 Mrd. US-Dollar. Da bis zu diesem Zeitpunkt bereits einige Banken Insolvenz beantragen mussten, nahm die US-Regierung die Lage durchaus ernst. Ein entscheidender Grund zu handeln, war natürlich auch die wichtige Position, die beide Banken in der Wirtschaft einnahmen: sie waren nahezu für die komplette Liquiditätszufuhr des Primärmarktes zuständig. Man wusste, dass im Falle einer Insolvenz nicht nur Fanny Mae und Freddie Mac betroffen sein würden, sondern auch zahlreiche Geschäftspartner wie Banken, Sparkassen, oder andere Unternehmen, die in wechselseitigen Beziehungen zueinander standen.

Um dies zu verhindern, wurden beide Banken im September 2008 verstaatlicht. Mit dieser Maßnahme sollte vermieden werden, dass der Konkurs der zwei Banken eine negative Auswirkung auf einen großen Teil des Finanzsystems hat. Ohne einen Eingriff des Staates wäre der Primärmarkt für Hypotheken wohl völlig zum Erliegen gekommen. Außerdem wären neben einem Milliarden hohen Verlust auch viele Menschen arbeitslos geworden. Man konnte es sich nicht erlauben, Fanny Mae und Freddie Mac einfach untergehen zu lassen. Dafür waren sie für den finanziellen Wirtschaftssektor viel zu wichtig, denn bei einer Pleite bestand die Gefahr eines Domino-Effekts, wobei auch andere Banken, Kunden, Lieferanten als auch Mitarbeiter negativ betroffen gewesen wären. In den Medien ertönte der Begriff „too big to fail“, -„zu groß, um zu scheitern“, der erstmals 1984 bei der Unterstützung der Continental Illinois National Bank gebraucht wurde. Durch die Verstaatlichung wurden die Liquiditätsengpässe von Fanny Mae und Freddie Mac kurzfristig überbrückt, allerdings sollte diese Situation nur als Übergangslösung dienen, bis sich die wirtschaftliche Lage wieder beruhigt hat.

2.2.6 Die Insolvenz von Lehman Brothers

Einen entscheidenden Höhepunkt erreichte die Finanzkrise in den USA am 15.09.2008, als die stark angeschlagene Investmentbank Lehman Brothers nach amerikanischem Insolvenzrecht Gläubigerschutz beantragte. Aufgrund der Abwertung der Subprime Papiere entstanden notgedrungen Abschreibungen in Milliardenhöhe, die die ehemals viertgrößte Investmentbank in große Liquiditätsnot geraten ließen. Sie bekam die Finanzkrise am eigenen Leib zu spüren, da sie selbst mit einigen Immobilien und mit verbrieften Hypothekendarlehen handelte (vgl. Kuls, N. (2009), S. 12). Zunächst wurden viele Übernahmeangebote abgelehnt, weil man auf eine Stabilisierung auf dem US-Immobilienmarkt spekulierte und sich so aus eigener Kraft aus der Schuldenfalle befreien wollte. Allerdings war nicht genug Zeit, um längerfristig abwarten zu können. Man benötigte dringend frisches Kapital, jedoch war auch eine geplante Kapitalerhöhung über die Börse nicht durchführbar, da die Aktien sich auf einem schwachen Niveau bewegten.

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Details

Seiten
70
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656296553
ISBN (Buch)
9783656298120
Dateigröße
6.4 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198979
Institution / Hochschule
Fachhochschule Worms
Note
2,0
Schlagworte
Finanzkrise Deutschland Maßnahmen Konjunkturpaket Ratingagenturen banken Krise

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Titel: Die Finanzkrise in Deutschland: Entstehung und Einschätzung der getroffenen Gegenmaßnahmen