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Übertragung des barocken "Vanitas-Motiv"

Von Gryphius` „Es ist alles eitel“ ins Jetzt."

Hausarbeit 2011 18 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

0. Einführung in die Thematik

1. 17tes Jahrhundert: Zeitalter Barock
1.1. Barocklyrik
1.1.1. Das Sonett

2. Exemplarische Erarbeitung des Vanitasgedanken anhand des Sonetts „Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius)
2.1. „Es ist alles eitel“ (Gryphius, 1962: 41)
2.2. Interpretationsansatz

3. Entwicklung

4.Vanitas von der Moderne bis Jetzt
4.1. Exemplarische Beispiele

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Anhang

0. Einführung in die Thematik

Die literaturhistorische Epoche des Barocks ist in der Lyrik geprägt von einer normativen Poetik. Besonders die strenge Form des Sonetts, eine hohe Emblematik und Antithetik bestimmen die Gedichte. Der Vanitasgedanke ist dabei ein immer wiederkehrendes Motiv.

Als einer der bekanntesten Barockdichter gilt Andreas Gryphius, dessen Sonette „Abend“ und „Es ist alles eitel“ heute als Musterbeispiel für die Stilistik des Barocks gelten.

Die vorliegende Arbeit befasst sich exemplarisch für den Vanitasgedanken mit dem Sonett „Es ist alles eitel“ und klärt hier in einer Interpretation formale und inhaltliche Besonderheiten.

Die Kernaussage des Vanitasgedanken soll dann aus dieser vergangenen Epoche gelöst und auf die heutige Zeit übertragen werden. Dabei wird hinterfragt, was ein modernes Vanitas-Motiv besitzen und was es ablegen muss, um in unserer Epoche als ein solches angesehen zu werden. An Beispielen der Künstler Man Ray und Salvador Dali werden dann solche modernen Vanitas-Motive thematisiert.

Abschließend soll im Fazit ein Bogen zwischen Barock und Moderne geschlagen und diskutiert werden, um zu beurteilen inwieweit der Vanitasgedanke heutzutage aktuell ist.

1. 17tes Jahrhundert: Zeitalter Barock

Das 17te Jahrhundert wird als Zeitalter des Barocks bezeichnet und umfasst die Spanne zwischen Renaissance und Aufklärung. Der einheitliche Epochenbegriff „Barock“ trügt allerdings, denn die Barockzeit ist vielmehr eine Epoche der Umwälzung. (vgl. Sorg, 1984: 23)

Es war die Zeit des dreißigjährigen Krieges, welcher größtenteils auf deutschem Boden stattfand und viele Deutsche das Leben kostete. Der Krieg riss die Menschen förmlich aus ihrer Ordnung heraus, zerstörte ganze Städte und Existenzen. Gleichzeitig war er ein Krieg der Religionen, ein Kampf der Konfessionen zwischen katholisch und protestantisch und er ließ den Glauben der Menschen erschüttern. Er machte bewusst, wie bedroht und gebrechlich die menschliche Existenz ist/war. (vgl. Obermüller, 1974: 44) Die Zeit war geprägt von einer Zerrissenheit zwischen Lebenshoffnung und Todesangst.

Ebenfalls dieser Epoche zuzuordnen ist das neue heliozentrische Weltbild des Kopernikus. Es führte zu noch mehr Ungewissheit und Zweifeln. Die „Aufgabe des [alten] ptolemäischen, geozentrischen Systems“ (Obermüller, 1974: 45) bedeutete für die Menschen der Zeit einen großen Verlust, denn ihr Weltbild, die Weltordnung, existierte nicht mehr. Man sah sich plötzlich herausgerissen aus einem beständig geglaubten System.

So war der barocke Mensch also mit einem Wandel in seiner politischen, sozialen und religiösen Welt konfrontiert. Das Zeitalter des Barocks kann an dieser Stelle als Epoche der Unordnung oder Umordnung bezeichnet werden, denn alles, was dem damals lebenden Menschen wichtig und Halt gebend erschien, geriet ins Wanken. Die Ordnungen der alten Zeit lösten sich auf und hinterließen neue und befremdliche Verhältnisse.

Trotzdem ist die Epoche noch weitestgehend geprägt von „eine[m] einheitliche[n], christliche[n] Weltbild“. (Tenkhoff, 1997: 40) Im barocken Weltbild ist Gott der alleinige Schöpfer. Er ist es, welcher Ordnung gibt, wo sie gerade zerstört wird. Die Fokussierung auf „das göttliche All, das Seiende als Ganzes“ (Trunz, 1992: 8) bringt dem Menschen die Harmonie wieder, welche er so dringend sucht. Es entsteht eine „Zeit des großen Systemdenkens“ (ebd.). Gottes Schöpfung stellt die Ordnung her, in welche sich der Mensch einzufügen hat. „Der Mikrokosmos muss Spiegel des Makrokosmos sein, dann verhält er sich richtig.“ (ebd.: 12)

Im Bereich der Sprache und Dichtung wird die Bibel deshalb zum Vorbild für die Barockdichter. Die Dichtungen aus Barockzeit sind die winzigen Bruchstücke des 17ten Jahrhunderts, welche heute noch lebendig sind. Barocke Dramen werden überhaupt nicht mehr aufgeführt und erzählende Werke sind ebenfalls nicht zu finden. (vgl. Trunz, 1992: 7)

Es verwundert daher nicht, dass das Zeitalter des Barocks auch ein Zeitalter normativer Poetiken darstellt. Die bekannteste deutsche Poetik ist hier das „Buch von der deutschen Poeterey“ (Opitz, 2002) von Martin Opitz. Die Barocklyrik stellt damit eine besondere Gattung ihrer Zeit dar, da sie eine Ausnahme in ihrer Relevanz für die heutige Zeit ist.

1.2. Barocklyrik

Inhaltlich beschäftigt sich die Barocklyrik mit dem zuvor beschriebenen Lebensgefühl des Jahrhunderts. Geprägt von den Erschütterungen durch Krieg und Pest thematisiert sie oft wiederkehrende Motive.

Zum einen findet sich wiederholt das Motiv „Carpe Diem“ (lat.: Nutze den Tag). Es ermuntert die Menschen dazu, den Tag und das Leben zu genießen, gerade in Anbetracht der schweren Lebensumstände und ist somit ein positives Motiv in der Barocklyrik. Demgegenüber stehen zwei negativ behaftete Motive. Das „Memento mori“ (lat.: Bedenke deines Todes) überschattet im Barock breite Bereiche der Kunst und Literatur. Es erinnert stets an das baldige Sterben des Menschen und steht dem „Carpe Diem“ somit antithetisch gegenüber. Als drittes Motiv der Epoche ist der „Vanitasgedanke“ (lat.: Nichtigkeit, Vergänglichkeit) zu nennen. Es verweist auf die Vergänglichkeit alles Irdischen und ist somit eng mit dem „Memento mori“ verknüpft. Es nimmt jedoch nicht den Tod in den Fokus, sondern konzentriert sich auf die Nichtigkeit des Lebens oder Seins. Auffällig ist also die hohe Antithetik, welche sich oft in der Lyrik des Barocks wiederfindet. Die Gegenüberstellungen beziehen sich dabei auf Gegensätze wie Leben und Tod oder Freude und Leid. Nicht nur die Thematiken sind jedoch klar einzugrenzen, auch die hohe Metaphorik, Emblematik, viele Allegorien und Enjambements sind typisch für die Barocklyrik. (vgl. Trunz, 1992: 34-35)

Auf sprachlicher Ebene befindet sich die Barocklyrik, wie schon erwähnt, im Zeitalter der normativen Poetik. Mit der Dichtung demonstrierte man also die „schöpferischen Möglichkeiten […] der deutschen Sprache“ (Bell-Schickler, 1995: 21) Fremdwörter wurden weitestgehend eliminiert, denn die deutsche Sprache emanzipierte sich. Eine ästhetische Gestaltung war also Zeichen des literarischen Ranges, weshalb man fast schon „Sprachartistik“ (ebd.) bei den Barocklyrikern findet, welche wir heute als überladen und schwulstig empfinden.

1.2.1. Das Sonett

Das lyrische Sprachideal gipfelte in der strengen Form des Sonetts. Ursprünglich aus dem 13ten Jahrhundert aus Italien ist es die Gedichtform mit den wohl strengsten Formalien. Das normativ vorgegebene Versmaß ist dabei der Alexandriner, ein 6-hebiger Jambus mit Mittelzäsur. Das Sonett besteht stets aus 14 Zeilen, welche in zwei Quartette und zwei Terzette aufgeteilt sind. Ähnlich dem Minnesang steht dem Aufgesang in den Quartetten der Abgesang in den Terzetten antithetisch gegenüber. Der Handlungsverlauf spitzt sich aber trotz dieser Gegenüberstellung, ähnlich dem Epigramm, im Verlauf immer weiter zu. Das Reimschema folgt meist einem klassischen Muster mit umarmendem Reim (abba) in den Quartetten und einem Schweifreim (cdd cee) oder Form von „cdc dcd“ in den Terzetten. (vgl. Bell Schickler, 1995: 42-45)

2. Exemplarische Erarbeitung des Vanitasgedanken anhand des Sonetts „Es ist alles eitel“ (Andreas Gryphius)

Gryphius gilt als einer der bekanntesten Barocklyriker überhaupt. 1637 trat er mit dem, in deutscher Sprache verfassten, Gedichtband „Lissaer Sonettbuch“ erstmals in Erscheinung. Im Zuge der Emanzipierung der deutschen Sprache trafen die 31 Sonette das Gefühl der Zeit, was Gryphius schnell bekannt machte. Noch heute zählen einige Sonette dieses Gedichtbandes zu den „bedeutendsten Schöpfungen deutscher Lyrik“. (Mannack, 1968: 28)

Schon in diesen frühen Werken wird der Vanitasgedanke von Gryphius thematisiert. So lautet der Titel des VI Sonetts „Vanitas, vanitatum, et omnia vanitas“. Er zieht sich durch das gesamte Werk Gryphius` und kann fast als Motto des Dichters bezeichnet werden. Außerdem sind seine Gedichte eng an den christlichen Glauben angelehnt und besitzen eine ausgefeilte Rhetorik. Dabei verwendet Gryphius verschiedenartigste Stilmittel und Klangfiguren und erlangt so eine hohe Anschaulichkeit und Dynamik der Sprache.

Formal orientiert sich Gryphius an der normativen Poetik der Zeit. Die gewählte Versform in den Sonetten ist deshalb der Alexandriner, welcher mit seiner „Zweischenkeligkeit“ (Mannack, 1968: 29) durch die Mittelzäsur, die beliebten antithetischen Formulierungen bei Gryphius unterstützt. Fast alle seine Werke arbeitete Gryphius mehrmals um, um sie auf den neuesten Stand der vorgeschriebenen Form zu bringen. Deshalb existieren von fast allen Sonetten verschiedene Fassungen. (vgl. Mannack, 1968: 28-30 und 70-72)

Als Funktion seiner Dichtungen kann der exemplarische Charakter benannt werden. „Der […] dargestellte Sachverhalt ist nur insofern von Interesse, als er Verweisungscharakter besitzt.“ (Mannack, 1968: 71) Aus Gryphius` Sonetten soll der Mensch erschließen, was ein richtiges oder falsches Verhalten ist, weshalb oft das „Du“ direkt angesprochen wird. (ebd.)

Exemplarisch für ein typisches Gryphius Gedicht steht an dieser Stelle „Es ist alles eitel“ aus dem „Lissaer Sonettbuch“.

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Details

Seiten
18
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656257875
ISBN (Buch)
9783656258834
Dateigröße
714 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198976
Institution / Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg – Germanistik
Note
1,7
Schlagworte
Barock Gryphius Lyrik Vanitasgedanke

Autor

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