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Das risikogesteuerte Bankcontrolling

Seminararbeit 2011 22 Seiten

BWL - Controlling

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Problemdarstellung und Ziel der Arbeit

2. Definition und Aufgaben des Bankcontrollings

3. Risikosteuerung als besondere Herausforderung für das Controlling
3.1. Hintergrund und Entstehung
3.2. Bankbetriebliche Risiken
3.2.1. Kreditrisiko
3.2.2. Marktrisiko
3.2.3. Liquiditätsrisiko
3.2.4. Operationelle Risiken
3.2.5. Reputationsrisiko
3.3. Risikosteuerungsinstrumente und Kennzahlen
3.3.1. Rating
3.3.2. Value-at-Risk
3.3.3. Risikoadjustierte Performancemaße
3.3.4. Stresstesting

4. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungs verzeichnis:

Abbildung 1: Überblick über die bankbetrieblichen Risiken

1. Problemdarstellung und Ziel der Arbeit

Vor dem Hintergrund einer zunehmenden Internationalisierung des Bankgeschäfts in Verbindung mit einem daraus resultierenden verschärften Wettbewerbsdruck sowie einer wachsenden Dynamik und Komplexität der Märkte ergeben sich permanent ansteigende Anforderungen an das Bankmanagement. Um unter diesen Beding-ungen wettbewerbsfähig zu bleiben, gilt es ein modernes Controlling in den Bankbetrieb zu integrieren[1]. Betrachtet man die vergangenen Bankenkrisen und die damit verbundenen regulatorischen Anforderungen, so wird offensichtlich, dass es eine Vielzahl von Risiken gibt, die ein funktionierendes Risikomanagement unabdingbar machen. Das Controlling erhält somit die Aufgabe, das Management bei der Steu-erung des Kreditinstituts innerhalb des risikobehafteten Umfelds zu unterstützen, indem steuerungsrelevante Informationen erfasst, aufbereitet, aggregiert und an alle Entscheidungsverantwortlichen weitergeleitet werden. Zur Erfüllung dieser Aufgaben bedient sich das Controlling diverser Instrumente, wobei in dieser Semesterarbeit auf eine Auswahl von Risikosteuerungsinstrumenten eingegangen wird und generell auf die Instrumente der Ertragssteuerung verzichtet wird.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über die bankbetrieblichen Risikoarten und Ansätze von Steuerungsmöglichkeiten zu geben. Im zweiten Kapitel werden das Bankcontrolling und die Aufgaben erläutert. Im dritten Kapitel werden das Risikocontrolling allgemein und dessen Notwendigkeit für Banken auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen dargestellt. Außerdem soll ein Grundverständnis und eine besondere Sensibilität für die bankbetrieblichen Risiken hergestellt werden, um später dann die Aufgabe des Controllings mithilfe von spezifisch-ausgewählten Instrumenten zu internalisieren. Im abschließenden vierten Kapitel werden die wesentlichen Erkenntnisse dieser Arbeit zusammengefasst.

2. Definition und Aufgaben des Bankcontrollings

Der Begriff Controlling stammt von dem angloamerikanischen Wort „to control“ ab, dessen Anwendung bis ins frühe Mittelalter zurückverfolgt werden kann. Im Vordergrund stand damals die Aufzeichnung von Geld- und Gütertransaktionen[2]. Dies gibt den ersten Hinweis dafür, dass zwischen dem Fachbereich „Controlling“ und dem Anwendungsbereich „Bank“ eine enge Beziehung besteht. Heutzutage steht hinter dem Terminus „to control“ ein Steuerungssystem[3], welches die Steuerung, Lenkung und Überwachung von Prozessen vorsieht[4]. Transferiert man diese auf Banken ergeben sich die Aufgaben des Controllings, die sich in „eine inhaltliche und eine formale Komponente“[5] unterteilen.

Zu der inhaltlichen Komponente des Controllings gehört ein ganzheitliches Managementkonzept, nach dem die Gesamtbank ertragsorientiert gesteuert werden soll. Nach Schierenbeck müssen alle geschäftspolitischen Entscheidungen des Managements so getroffen werden, dass eine Mindestrentabilität erreicht und eine ertragsorientierte Wachstumspolitik mit dem Ziel der Rentabilitätsmehrung und -sicherung realisiert werden können. Dabei nimmt die Risikopolitik eine zentrale Bedeutung in der Gesamtbanksteuerung ein. Denn eine nachhaltige Steigerung des Unternehmenswertes ist nur möglich, wenn die verbundenen Risiken bei einer Entscheidung identifiziert, bewertet, gesteuert und kontrolliert werden können.

Die formale Komponente des Controllings beinhaltet neben der Koordinations- und Informationsfunktion alle Planungs- und Kontrollaktivitäten, die notwendig sind, um die ertragsorientierte Unternehmensphilosophie zu ermöglichen und in Zukunft auch weiter zu verfolgen. Dies verlangt auch, dass die Unternehmensziele nicht nur auf Gesamtbankebene formuliert und abgestimmt werden, sondern auch alle Einzelaktivitäten der Geschäftsbereiche fokussieren[6].

3. Risikosteuerung als besondere Herausforderung für das Controlling

Banken gelten als besonders vertrauensbedürftiger Wirtschaftssektor, da Privatpersonen und Unternehmen den Banken Vermögen überlassen, sodass ein hohes Maß an Transparenz gefordert ist. Da das Eingehen von Risiken zum Geschäft der Banken gehört, stehen diese unter staatlicher Aufsicht (Bankenaufsicht), um das notwendige Vertrauen in den Bankensektor zu stärken.

Der Risikobegriff wird in der Literatur ausführlich diskutiert. Die unterschiedlichen Definitionsansätze sollen im Folgenden nicht dargelegt werden, sondern es wird auf die übliche bankwirtschaftliche Begriffserklärung zurückgegriffen. Demnach wird unter Risiko allgemein die Gefahr eines Schadens verstanden, der im Rahmen des wirtschaftlichen Handelns aus finanzieller Sicht zu einem Vermögensverlust führen kann oder eine mögliche Vermögensmehrung verhindert[7]. Dabei ist ein besonderes Augenmerk auf Entscheidungen zu richten, die unter Unsicherheit und auf Basis von unvollkommenen Informationen getroffen werden. Unsicherheit entsteht, wenn nicht alle Umweltfaktoren bzw. -einflüsse bekannt sind, die eine Auswirkung auf die Entwicklung bzw. Eintrittswahrscheinlichkeit des Schadens haben. So gehören z.B. Zinsänderungen, politische Entscheidungen oder aber auch personelle Veränderungen in Kreditinstituten zu möglichen unvorhersehbaren Umwelteinflüssen[8]. Jedoch steht jedem Risiko auch eine mögliche Chance gegenüber, dass die zukünftigen Entwicklungen positiv verlaufen. Gäbe es keine möglichen Ertragsperspektiven, würden die Banken kein Risiko eingehen[9].

Somit erhält das Risikocontrolling eine zentrale Aufgabe in der Gesamtbanksteu-erung. Das Risikomanagement kann in drei Phasen unterteilt werden und beinhaltet phasenspezifisch unterschiedliche Instrumente. Die erste Phase ist die Risikoanalyse und umfasst die Identifikation und Bewertung von Risiken, die einen wesentlichen Einfluss auf die Ertrags-, Finanz- und Vermögenslage haben können. Zur Früherkennung und monetären Bewertung werden verschiedene Instrumente eingesetzt, die es ermöglichen, die einzelnen Risiken und deren Ausmaße (Schadenshöhe) sowie die zu erwarteten Eintrittswahrscheinlichkeiten zu bestimmen. In der zweiten Phase geht es um die Risikoplanung und -steuerung, wobei die Formulierung der Risikostrategie durch das Management im Vordergrund steht. Zur Risikosteuerung muss klassifiziert werden, welche Risiken vermindert, begrenzt, versichert oder selbst getragen werden sollen. Die dritte Phase umfasst die Risikoüberwachung sowie -dokumentation in Form eines regelmäßigen und empfängerorientierten Berichtswesens. Zudem gehört das permanente Anpassen des Risikomanagements an neue Erkenntnisse und Anforderungen zu der dritten Phase[10].

3.1. Hintergrund und Entstehung

Bankenkrisen besitzen nicht erst seit der Verstaatlichung der Hypo Real Estate Holding im Jahre 2009 oder der Insolvenz der Lehman Brothers Bankhaus AG und der Weserbank AG hohe Brisanz, jedoch geben die jüngsten Krisen besonderen Anlass zur Regulierung und Überwachung.

Im Rahmen der Bankenregulierung werden zum Schutz vor Fehlentwicklungen und Bankenkrisen Gesetze, Verordnungen und Richtlinien erlassen, die die Kreditinstitute in ihrem wirtschaftlichen Handeln einschränken. In Deutschland regeln hauptsächlich das Kreditwesengesetz (KWG) sowie die Solvabilitätsverordnung (SolvV) die Höhe des Mindesteigenkapitals. Die Mindestanforderungen an das Risikoma-nagement (MaRisk) liefern Bestimmungen, wie ein Risikomanagement zu gestalten ist. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Deutsche Bundesbank teilen sich die Bankenaufsicht und sorgen für die Einhaltung der bankspezifischen Gesetze[11]. Auch das Gesetz zur Kontrolle und Transparenz im Unternehmensbereich (KonTraG) hat u.a. die Funktion Transparenz zu schaffen, die Zusammenarbeit zwischen Aufsichtsrat und Abschlussprüfer zu verbessern und die Hauptversammlung besser zu kontrollieren (in Anlehnung an die Corporate Governance Regeln). Das Controlling sorgt für das adäquate Reporting und nutzt unterschiedliche Instrumente, um die entscheidenden Informationen bereit zu stellen[12].

Das Hauptaugenmerk der Bankenaufsicht, und damit die Herausforderung für das Bankcontrolling, liegt darin, dass Institute genügend Eigenkapital und Liquidität vorhalten und angemessene Mechanismen zur Risikofrüherkennung bzw. -abwehr entwickeln[13]. Es wird nicht vorgeschrieben, wie das Risikomanagementsystem gestaltet werden muss, jedoch muss es ermöglichen, Fehlentwicklungen (resultierend aus risikobehafteten Geschäften) rechtzeitig zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten[14]. Während § 10 KWG regelt, welche Eigenmittel aufsichtsrechtlich akzeptiert werden (z.B. eingezahlte Geschäftskapital und Rücklagen), wird in der SolvV geregelt, in welcher Höhe ein Kreditinstitut Eigenmittel hinterlegen muss. Nach der SolvV sind Kreditrisiken, Marktrisiken sowie erstmals auch die operationellen Risiken mit Eigenmitteln zu unterlegen. Dabei können die Institute auf Standardverfahren oder auf eigene Risikomodelle zurückgreifen. Die Verwendung von institutseigenen Risikomodellen ist auf Antrag möglich, bedarf aber der Zustimmung der BaFin[15]. So liegt z.B. die Mindestkapitalanforderung (für das Kredit-, Markt- und operationelle Risiko) lt. § 2 SolvV bei mindestens 8%. Errechnet wird dies als Verhältnis zwischen den anrechenbaren Eigenmitteln (§ 10 KWG) dividiert durch die mit 12,5 multiplizierte Summe aus dem Anrechnungsbetrag für Kredit-, Markt-, und operationellen Risiken.

[...]


[1] Vgl. auch Schierenbeck, H. (1999), S. 1.

[2] Vgl. Ziegenbein, K. (2007), S. 23-25.

[3] Vgl. Ziegenbein, K. (2007), S. 23-25.

[4] Vgl. http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/bankcontrolling.html, Stand 25.04.2011; Ziegenbein, K. (2007), S. 25.

[5] Vgl. Schierenbeck, H. (1999), S. 1.

[6] Vgl. Schierenbeck, H. (1999), S. 1-21.

[7] Vgl. Ziegenbein, K. (2007), S. 53.

[8] Vgl. Hanker, P. (1998), S. 17.

[9] Vgl. Heinzel, D., et. al. (2002), S. 17.

[10] Vgl. Horváth, P. (2009), S. 717-722.

[11] Vgl. § 7 KWG.

[12] Vgl. http://www.bafin.de/cln_161/nn_1946088/DE/Unternehmen/BankenFinanzdienstleister /bankenfinanzdienstleister__node.html?__nnn=true, Stand 24.05.11.

[13] Vgl. § 91 AktG.

[14] Vgl. http://www.bafin.de/cln_161/nn_1946088/DE/Unternehmen/BankenFinanzdienstleister /bankenfinanzdienstleister__node.html?__nnn=true, Stand 24.05.11.

[15] Vgl. http://www.bafin.de/cln_171/nn_724050/DE/Unternehmen/BankenFinanzdienstleister/ Eigenmittelanforderungen/eigenmittelanforderungen__node.html?__nnn=true, Stand 24.05.11.

Details

Seiten
22
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656254515
ISBN (Buch)
9783656255215
Dateigröße
2.3 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198892
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Neuss früher Fachhochschule
Note
1,0
Schlagworte
Bank Controlling Risiko Kreditrisiko Marktrisiko Liquiditätsrisiko Operationelle Risiken Reputationsrisiko Risikosteuerungsinstrumente Kennzahlen Rating Value-at-Risk Risikoadjustierte Performancemaße Stresstesting Exposure at Default Expected Loss Internal-Ratings-Based Loss given Default Probability of Default Risk Adjusted Performance Measurement Risk Adjusted Return on Capital Return on Risk Adjusted Capital Adressenausfallrisiko Gefahrenwert Konfidenzniveau

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