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Albrecht Altdorfer - Donaulandschaft bei Regensburg

Landschaftsmalerei bei Altdorfer

Hausarbeit 2011 24 Seiten

Kunst - Malerei

Leseprobe

Inhaltverzeichnis

1. Einführung in die Thematik

2. Künstlerbiographie und „Donauschule“
2.1. Biographische Übersicht über Albrecht Altdorfer
2.2. Die „Donauschule“

3. Werkbetrachtung
3.1. Werkbeschreibung und -analyse
3.2. Landschaftsdarstellung in der „Donaulandschaft“
3.3. Unerforschtes Detail im Bild

4. Das Landschaftsmotiv bei Albrecht Altdorfer
4.1. Allgemeine Merkmale
4.2. Anhand zweier Werkbeispiele
a) Drachenkampf des heiligen Georg
b) Die Alexanderschlacht

5. Schlußbetrachtung

Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einführung in die Thematik

Das zur Sammlung der Bayerischen Staatsgemäldesammlung der Alten Pinakothek in München gehörende Werk „Donaulandschaft bei Regensburg“ wurde etwa 1520-25 von Albrecht Altdorfer bei dem Schloß Wörth, in der Nähe von Regensburg, in Bayern gefertigt.

Es handelt sich bei dem Gemälde um eines der ersten selbstständigen Landschaftsbilder in der europäischen Kunst,[1] weshalb dem Werk eine hervorgehobene Stellung in der Kunstgeschichte zukommt. Das Motiv der Landschaft rückt erstmals in den Mittelpunkt der Darstellung und dient nicht mehr nur als Hintergrund für einen eigenständigen Handlungsgegenstand. Abgebildet ist in diesem Bild die bayerische Landschaft um das Schloß Wörth bei Regensburg.

Für das vorliegende Gemälde gibt es keinen exakt überlieferten Titel. In der Literatur taucht das Werk unter verschiedenen Bezeichnungen auf, unter anderem „Donaulandschaft bei Regensburg“, „Donaulandschaft bei Regensburg mit Schloß Wörth“ oder „Donaulandschaft“. In der vorliegenden Arbeit soll der Einfachheit halber der Titel „Donaulandschaft“ verwendet werden.

Das Hauptaugenmerk in der folgenden Ausführung wird auf der Bedeutung der Landschaft und der Darstellung der Natur in der „Donaulandschaft“ liegen, wobei eine genaue Betrachtung und Analyse des Werkes vorangestellt wird.

Diskutiert werden sollen außerdem Besonderheiten und Eigenheiten der Landschaftsdarstellung bei Albrecht Altdorfer im Allgemeinen. Dazu werden zwei weitere Werke des Künstlers angeführt, mit Hilfe derer sich eine Entwicklung der Naturdarstellung Altdorfers nachvollziehen lässt.

Der Vollständigkeit halber wird im Folgenden auch auf die Biographie des Künstlers, sowie die sogenannte „Donauschule“ eingegangen, ein Malstil, als dessen Hauptmeister Albrecht Altdorfer gilt.

2. Künstlerbiographie und „Donauschule“

Bevor eine Analyse des Werkes „Donaulandschaft“ erfolgt, soll zunächst die Person Albrecht Altdorfers, sein Werdegang und sein künstlerisches Schaffen genauer beleuchtet werden. Ebenso wird im Folgenden ein Überblick über den von ihm mitbegründeten Stil der sogenannten „Donauschule“, welchem auch die „Donaulandschaft“ zuzurechnen ist, gegeben.

2.1. Biografische Übersicht über Albrecht Altdorfer

Albrecht Altdorfer ist ein deutscher Maler, Grafiker und Baumeister, der um 1480 vermutlich in Regensburg als Sohn des Malers Ulrich und Bruder von Erhard Altdorfer geboren wurden. Verstorben ist er am 12. Februar 1538 in Regensburg.[2] Sein genaues Geburtsdatum und seine künstlerischen Anfänge sind nicht übermittelt.

Altdorfer gilt als Vorreiter der europäischen Landschaftsmalerei, als „Entdecker der deutschen Landschaft[3] und als einer der Hauptmeister der sogenannten „Donauschule“. Seine Schaffenszeit fällt in die deutsche Spätgotik an der Schwelle zur Renaissance.

Seiner Heimatstadt Regensburg, in der er 1505 das Bürgerrecht erwarb, war er zeitlebens stark verbunden. So engagierte er sich ab 1519 als Mitglied des Äußeren Rats der Stadt und ab 1526 als Mitglied des Inneren Rats auch stadtpolitisch.[4] Die ihm 1528 angebotene ehrenvolle Aufgabe als Bürgermeister der Stadt lehnte er jedoch ab, da er einen großen Auftrag für den bayerischen Herzog Wilhelm IV., vermutlich die „Alexanderschlacht“, übernommen hatte. Daneben betätigte er sich jedoch als Stadtbaumeister in Regensburg, errichtete dabei allerdings nur schlichte Profanbauten wie das 1527 erbaute Schlachthaus oder verstärkte angesichts der Türkenkriege 1529 die Stadtbefestigung.[5]

Bruchstücke eines Wandbildes aus dem ehemaligen Bischofshof in Regensburg zeugen außerdem von Altdorfers Arbeit im Bereich der Wandmalerei.

Als eines seiner bedeutendsten und umfangreichsten Werke gilt der von 1509-1518 entstandene Sebastiansaltar von St. Florian bei Linz mit seinen zahlreichen dramatischen Szenebildern.[6] Auch seine 1529 für den bayerischen Herzog Wilhelm IV. angefertigte und zuvor erwähnte „Alexanderschlacht“ ist nicht nur eines seiner persönlichen Hauptwerke, sondern auch ein herausragendes Beispiel für Historienmalerei.[7]

Bis heute erhalten sind daneben 55 Gemälde von Albrecht Altdorfer, etwa 120 Zeichnungen und über 200 Kupferstiche, Radierungen und Holzschnitte.[8]

Thematisch widmet Albrecht Altdorfer sich in seiner frühen Schaffenszeit vor allem christlichen und mythologischen Motiven. Als Beispiele können hierfür der „Drachenkampf des heiligen Georg“ (entstanden 1510) und die „Satyrfamilie“ (1507) angeführt werden. Bereits in diesen Werken wird deutlich, dass er der Landschaft, die dabei noch als Staffage der eigentlichen Handlung dient, viel Platz im Bild einräumt.

Erst spät, um 1520, fand Altdorfer zur eigenständigen Landschaftsmalerei. Dabei ist er der Gestaltung der Landschaft nachgegangen wie in seiner Zeit nur noch Albrecht Dürer oder Leonardo Da Vinci, welche er als künstlerische Vorbilder sah. Er fertigte eine Reihe reiner Landschaftszeichnungen und –radierungen an und maß dabei ebenso wie Dürer und Da Vinci der Naturstudie große Bedeutung bei.[9] Für Albrecht Altdorfer standen die Erforschung der Natur, und deren exakte Wiedergabe im Mittelpunkt.

Seine „Donaulandschaft“ ist dabei das erste reine Landschaftsgemälde, das aus der Zeit des ausgehenden Mittelalters überliefert ist.

2.2. Die „Donauschule“

Die sogenannte „Donauschule“, als deren Hauptmeister und Begründer Albrecht Altdorfer gilt, ist im eigentlichen Sinn keine Schule, sondern ein Begriff für gemeinsame Stilmerkmale in der Kunst des frühen 16. Jahrhunderts im bayerisch- österreichischen

Donauraum. Treffender wäre aus diesem Grund „Donaustil“, in der Literatur hat sich jedoch, mit einigen Ausnahmen, die Bezeichnung „Donauschule“ durchgesetzt, weshalb in dieser Arbeit auch weiterhin von „Donauschule“ gesprochen werden soll.

Eingeführt wurde dieser Stilbegriff in die Kunstgeschichte erst Ende des 19. Jahrhunderts durch Theodor von Frimmel, der ihn im April 1892 in seiner Rezension der Dissertation des Berliner Kunsthistorikers Max J. Friedländer über Albrecht Altdorfer verwendete.[10] Friedländer würdigte Altdorfer in seiner Abhandlung als den Entdecker von Natur und von autonomer Landschaftsmalerei.[11] Damit war die „Donauschule“ eng mit Altdorfers persönlichem Stil verknüpft. Daneben gelten jedoch auch Lucas Cranach der Ältere aus Kronach, der in Passau arbeitende Maler Wolfgang Huber, der Bildhauer Hans Leinberger aus Landshut, sowie Benedikt Ried, der als Baumeister in Prag tätig war, als Hauptvertreter.[12] Auch der deutsche Maler und Grafiker Albrecht Dürer setzte wichtige Impulse, ist jedoch nicht den Hauptvertretern der „Donauschule“ zuzurechnen.

Die „Donauschule“ zeichnet sich vor allem durch ein neues Naturbewusstsein der Künstler in der Frühen Neuzeit aus, welche die Landschaft als eigenständiges Motiv in die Kunst einführten.[13] Die topographische Wiedergabe der Landschaft, sowie ein ausdrucksstarker Realismus, also die detailreiche Abbildung der Natur und der Ausbau von Farbe und Licht als Gestaltungskomponenten, sind weitere Charakteristika der

„Donauschule“. Ebenfalls kennzeichnend für diese Malweise ist die Erzeugung einer märchenhaft romantischen Stimmung im Bild.[14]

Die Landschaft gewinnt um ihrer selbst Willen an Bedeutung in der Kunst und wird durch die „Donauschule“ zum bestimmenden Hauptmotiv. Sie ist nicht mehr nur als Rahmen christlicher und mythologischer Bildthemen legitimiert, wie dies im vorangehenden Mittelalter der Fall war. Auch spielte die Loslösung von der

mittelalterlichen Werkstatttradition eine Rolle, da die Kunstwerke nicht mehr nur in der Werkstatt entstanden, sondern hinsichtlich der naturalistischen Wiedergabe der Landschaft an realen Orten orientiert waren und zumindest Vorzeichnungen in der Natur angefertigt wurden.[15]

3. Werkbetrachtung

Im Kontext der näheren Betrachtung der „Donaulandschaft“ von Albrecht Altdorfer soll zunächst eine Beschreibung des Werkes nach formalen Kriterien erfolgen, wobei an dieser Stelle bereits Interpretationsansätze mit einfließen. Das Hauptaugenmerk der Werkanalyse wird anschließend in der Auseinandersetzung mit den Neuerungen und Besonderheiten der Landschaftsdarstellung liegen. Diskutiert und gedeutet werden soll abschließend außerdem ein bisher noch unerforschtes Detail im Bild.

3.1. Werkbeschreibung und –analyse

Albrecht Altdorfers „Donaulandschaft“ gilt als eines der ersten eigenständigen Landschaftsbilder der europäischen Kunst, welches ohne Staffagefiguren auskommt und als detaillierte, malerische Naturstudie eingeordnet werden kann.[16]

Entstanden ist das 30,5 x 22,2 cm kleine Bild um 1520-25, wobei das genaue Entstehungsdatum nicht bekannt ist. Gemalt wurde es mit Ölfarben auf Pergament, welches nachträglich auf Buchenholz befestigt wurde.[17] Die Art des Bildträgers (Pergament), und die Bildgröße sind als Besonderheiten hervorzuheben, da sie stark an die Miniatur- bzw. Buchmalerei vorangehender Epochen erinnern. Es ist nicht ausgeschlossen, dass Altdorfer sich bei der „Donaulandschaft“ an niederländischen und französischen Miniaturmalern orientierte, die Ende des 14. Jahrhunderts in der Buchmalerei einen neuen Stil, die realistische Darstellung von Landschaft und Raum,

[...]


[1] Wood, S. Christopher: Albrecht Altdorfer and the Origins of Landscape. London 1993. S. 9.

[2] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hrsg. F.A. Brockhaus. 3.Auflage. Leipzig und Mannheim 2006. S. 32.

[3] Buchner, Ernst: Albrecht Altdorfer und sein Kreis. Gedächtnisausstellung zum 400.Todestag Altdorfers. München 1938, 2.Auflage. S. 1.

[4] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hrsg. F.A. Brockhaus. 3.Auflage. Leipzig und Mannheim 2006. S. 32.

[5] Ebd. S. 33.

[6] Ruhmer, Eberhard: Albrecht Altdorfer. Alte Kunst in neuer Sicht. München 1965. S. 58.

[7] Schneider, Norbert: Geschichte der Landschaftsmalerei. Vom Spätmittelalter bis zur Romantik. Darmstadt 1999. S. 75.

[8] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hrsg. F.A. Brockhaus. 3.Auflage. Leipzig und Mannheim 2006. S. 33.

[9] Wood, S. Christopher: Albrecht Altdorfer and the Origins of Landscape. London 1993. S. 13.

[10] Frimmel, Theodor von: Rezension zu Max J. Friedländer. Albrecht Altdorfer, der Maler von Regensburg. Phil. Diss. Leipzig 1891. In: Repertorium für Kunstwissenschaft 15. 1892, S. 417ff.

[11] Friedländer, Max J.: Albrecht Altorfer: Der Maler von Regensburg. Leipzig 1891. Kapitel 3.

[12] Albrecht Altdorfer und sein Kreis. Gedächtnisausstellung zum 400. Todestag Altdorfers. München 1938, 2. Auflage. S. 11.

[13] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hrsg. F.A. Brockhaus. 3.Auflage. Leipzig und Mannheim 2006. S. 198.

[14] Jahn, Johannes/ Lieb, Stefanie: Wörterbuch der Kunst. Stuttgart 2008. „Donauschule“.

[15] Der Brockhaus Kunst. Künstler, Epochen, Sachbegriffe. Hrsg. F.A. Brockhaus. 3.Auflage. Leipzig und Mannheim 2006. S. 198.

[16] Schneider, Norbert: Geschichte der Landschaftsmalerei. Vom Spätmittelalter bis zur Romantik. Darmstadt 1999. S. 75.

[17] Schneider, Norbert: Geschichte der Landschaftsmalerei. Vom Spätmittelalter bis zur Romantik. Darmstadt 1999. S. 75.

Details

Seiten
24
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656254461
ISBN (Buch)
9783656255062
Dateigröße
11.8 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198827
Institution / Hochschule
Philipps-Universität Marburg
Note
0,7
Schlagworte
albrecht altdorfer donaulandschaft regensburg landschaftsmalerei

Autor

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