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Ursachen und Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung

Seminararbeit 2012 19 Seiten

BWL - Unternehmensforschung, Operations Research

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Unternehmensbewertung
2.1. Begriffliche Grundlagen und Historie der Unternehmensbewertung
2.2. Verfahren der Unternehmensbewertung

3. Wirtschaftskrise
3.1. Begriff und Entstehungsgeschichte
3.2. Ursachen und Verlauf der Wirtschaftskrise

4. Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung
4.1. BilMoG
4.2. Änderungen am BilMoG anhand der IKB und der Zweckgesellschaft RFCC
4.3. Kritische Würdigung und Handlungsempfehlung

5. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Funktionen der Unternehmensbewertung der Kölner und IdW Funktionslehre

Abbildung 2: Entwicklung der einzelnen Krisen

Abbildung 3: Die Bewertungsverfahren im Überblick, gekürzte Darstellung

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Es gibt viele verschiedene Anlässe für eine Unternehmensbewertung. Oftmals erfolgten Unternehmensbewertungen im Vorfeld eines Eigentümerwechsels. Darüber hinaus können sie auch aufgrund von Sanierungsmaßnahmen oder im Rahmen von Kreditwürdigkeitsprüfungen durchgeführt werden.[1]

Der Unternehmenswert muss in jedem Fall individuell bestimmt werden und ist wirtschaftlichen Veränderungen unterworfen. Hier stellt sich die Frage, welche Auswirkungen die Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung hat. In diesem Zusammenhang werden auch die Ursachen und der Verlauf der Wirtschaftskrise erörtert.

Die vorliegende Arbeit geht auf diese Gesichtspunkte ein und stellt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung dar.

1.2. Zielsetzung und Gang der Arbeit

Um die Auswirkungen und Ursachen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung nachvollziehen zu können, werden zunächst die wichtigsten Aspekte der Unternehmensbewertung beschrieben und später die verschiedenen Verfahren einer Unternehmensbewertung vorgestellt. Damit wird im ersten Teil ein Überblick der Grundlagen zur Unternehmensbewertung gegeben.

Um die Wirtschaftskrise verstehen zu können, ist es unabdingbar auch die Entstehungsgeschichte der Wirtschaftskrise zu kennen. Daher wird im folgenden Abschnitt der Arbeit auch auf die Ursachen und den Verlauf der Wirtschaftskrise eingegangen.

Im weiteren Verlauf folgt ein praktischer Bezug zu den Auswirkungen der Finanzkrise auf die Unternehmensbewertung. Es kam während der Finanzkrise zu einigen Insolvenzen von Unternehmen. Dies rührte auch daher, dass Zweckgesellschaften gegründet wurden und deren Risiken unterbewertet wurden. Gerade die Einführung des Gesetzes zur Modernisierung des Bilanzrechts änderte die Bewertungsansätze für Zweckgesellschaften. Auf diese Änderung wird in der vorliegenden Arbeit eingegangen. Das Fazit schließt die Arbeit ab.

2. Unternehmensbewertung

2.1. Begriffliche Grundlagen und Historie der Unternehmensbewertung

Das Ziel der Unternehmensbewertung ist es, dass ein potenzieller Preis für ein Unternehmen oder für einen Teil des Unternehmens bestimmt wird. Hierbei sind alle Erfolgsfaktoren des Unternehmens sowie alle auf das Unternehmen einwirkenden Einflüsse zu berücksichtigen.[2]

In der Vergangenheit gab es mehrere, unterschiedliche Ansätze den Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Betrachtet man die deutsche Entwicklung der Theorie der Unternehmensbewertung, lassen sich drei verschiedene Phasen erkennen. Diese sind die objektive Unternehmensbewertung, die subjektive Unternehmensbewertung und die funktionale Unternehmensbewertung. Im Folgenden werden diese kurz skizziert.

Die objektive Unternehmensbewertung war bis 1960 dominierend. Diese Betrachtung ging davon aus, dass ein „objektiver Wert für ein Unternehmen besteht, der für jeden Interessenten gleich ist und der auch zu einem bestimmten Zeitpunkt genau bestimmt werden kann.“[3] Diese Theorie wollte neutral, also losgelöst von subjektiven Interessen und Möglichkeiten, einen fairen Preis für ein Unternehmen bestimmen. Die Problematik bei dieser Theorie zur Bestimmung eines Unternehmenswertes war, dass eine große Anzahl von entgegengesetzten Meinungen zur Lösung von Einzelproblemen bestand. Außerdem war dieser Ansatz von einer starken Gegenwarts- und Vergangenheitsorientierung geprägt.[4]

Aufgrund der Kritik an der objektiven Unternehmensbewertung folgte ab Mitte der sechziger Jahre der Ansatz der subjektiven Unternehmensbewertung. Bei dieser Form der Unternehmensbewertung wurde die individuelle Situation, also alle persönlichen Ziele und Umstände sowohl der bewertenden Partei als auch des Zieles der Bewertung berücksichtigt.[5] Folglich wurde eine zukunftsorientierte Bewertung eingeführt. Die zeitpunktbezogene Betrachtung, die nur auf vergangene Werte beruhte, wurde aufgegeben.[6] Ab Mitte der siebziger Jahre wurde als Ergänzung zur subjektiven Werttheorie die funktionale Unternehmensbewertung entwickelt.[7] Die funktionale Unternehmensbewertung wird auch als Kölner Funktionslehre bezeichnet.[8]

Die zentrale Aussage der funktionalen Unternehmensbewertung ist, dass jede Bewertung einen Zweck verfolgt. Daher ist erst der Zweck der Bewertung zu bestimmen und daraufhin das Bewertungsverfahren. Es wurde erkannt, dass das Bewertungsverfahren das Bewertungsergebnis entscheidend beeinflusst. Die Zweckabhängigkeit bei der Ermittlung des Unternehmenswertes ist angebracht, da die Gründe für eine Unternehmensbewertung vielfältig sein können.[9],[10]

Ein zweites Konzept der funktionalen Unternehmensbewertung stellt die vom IdW entwickelte Funktionslehre dar, die der Kölner Funktionslehre sehr ähnlich ist.[11]

Einen Überblick über die Funktionen gibt Abbildung 1. Hier lässt sich auch erkennen, wo sich die Funktionen differenzieren und wo sie äquivalent sind. Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Funktionen der Unternehmensbewertung der Kölner und IdW Funktionslehre[12]

Ein grundlegender Unterschied zwischen der Kölner und der IdW Funktionslehre ist, dass die IdW Funktionslehre sich vor allem an Wirtschaftsprüfer richtet. Aus diesem Grund werden nicht alle möglichen Funktionen berücksichtigt, sondern nur die, die auch für diesen Berufsstand relevant sind.

Die Kölner Funktionslehre unterteilt in Haupt- und Nebenfunktionen der Unternehmensbewertung. Hauptfunktionen betreffen Bewertungen, die eine Änderung der Eigentumsverhältnisse betreffen. Diese Bewertungen erfolgen im Rahmen der Argumentations-, Beratungs- und Vermittlungsfunktion. Die unter Informations-, Steuerbemessungs- und Vertragsgestaltung zusammengefassten Bewertungen beziehen sich nicht auf eine Veränderung der Eigentumsverhältnisse und werden als Nebenfunktionen der Unternehmensbewertung bezeichnet.[13] Aufgrund der Beschränkung des Umfangs bei der vorliegenden Arbeit, werden die Nebenfunktionen nicht weiter thematisiert.

2.2. Verfahren der Unternehmensbewertung

Die Verfahren der Unternehmensbewertung lassen sich in drei Verfahrensgruppen unterteilen: Das Einzelbewertungsverfahren, das Gesamtbewertungsverfahren und das Mischverfahren.[14] Teilweise wird eine erneute Unterteilung vorgenommen und ein viertes Verfahren, das Vergleichsverfahren, erwähnt.[15],[16]

Aufgrund der quantitativen Begrenzung der vorliegenden Arbeit wird nur ein kurzer Überblick über die verschiedenen Verfahrensgruppen gegeben. Im Anhang dieser Arbeit ist eine Übersicht über die verschiedenen Bewertungsverfahren erstellt worden.[17]

Mithilfe des Einzelbewertungsverfahrens wird der Unternehmenswert als Substanzwert berechnet. Der Substanzwert lässt sich aus der Differenz des Wertes der einzelnen Vermögensgegenstände und dem Wert der Schulden berechnen. Hier kann eine Differenzierung zwischen den Liquidations- und Reproduktionswerten vorgenommen werden. Beim Gesamtbewertungsverfahren hingegen wird das zu bewertende Unternehmen ganzheitlich im Hinblick auf Ertragsmöglichkeiten betrachtet und bewertet. Das Mischverfahren ist eine Kombination aus dem Gesamt- und Einzelbewertungsverfahren. In Deutschland findet das Übergewinnverfahren häufig Anwendung. Bei diesem Verfahren wird der Wert des Unternehmens als Summe von Substanzwert und Godwill[18] berechnet. Beim Vergleichsverfahren wird der Unternehmenswert aus Unternehmenswerten vergleichbarer Unternehmen abgeleitet.[19]

3. Wirtschaftskrise

3.1. Begriff und Entstehungsgeschichte

In der Vergangenheit wurde die Wirtschaft schon oft durch die verschiedensten Krisen erschüttert. Nicht alle Krisen führen zwangsläufig in eine Weltwirtschaftskrise. Verantwortlich für die aktuelle Wirtschaftskrise sind „mehrere einzelne [Krisen], aber auch zusammenhängende und sich gemeinsam bedingende Krisen“.[20]

Die Wirtschaftskrise nahm ihren Anfang auf dem US-amerikanischen Kreditmarkt. Doch die Ursprünge liegen noch weiter in der Vergangenheit. Das Platzen der Spekulationsblase am Aktienmarkt zu Beginn des Jahres 2001 als Folge des Internetbooms[21] und die Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001, veranlasste die US-Notenbank Federal Reserve (Fed)[22] dazu, den Leitzins auf ein Prozent zu senken. Die Fed wollte damit die Unsicherheiten der US-Wirtschaft auffangen und den Markt mit ausreichend Liquidität versorgen. Daraufhin folgte eine Ausweitung der Geldmenge von 20 Prozent in den nächsten zwei Jahren.[23]

Diese expansive Geldpolitik wurde von einer nachlässigen Kreditvergabepraxis in den USA bestärkt. Aufgrund des niedrigen Zinsniveaus war es auch für untere Einkommensschichten möglich sich ein Eigenheim zu kaufen. Angetrieben durch die Politik vergaben amerikanische Banken Darlehen mit variablen Zinssätzen an Schuldner mit mäßiger Bonität. Dank des niedrigen Zinsniveaus waren die Raten anfangs niedrig. Das Risiko, dass der Zinssatz steigen könnte, lag bei den Schuldnern. Dieses Risiko war den meisten Schuldnern nicht bekannt. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Immobilien stiegen auch die Preise für die Immobilien. Damit wurde auch die Sicherheit erhöht, denn der Wert der Immobilie stieg zwangsläufig. Aus diesem Grund konnten auch Kredite an Kunden mit schlechter Bonität vergeben werden. Die Banken nutzten diese Entwicklung, um den Schuldnern zusätzliche Finanzierungen zu gewähren. Da man davon ausging, dass die Preise für Immobilien weiter steigen würden, waren sowohl Bank als auch Schuldner abgesichert. Sollte es zu einer Zahlungsunfähigkeit kommen, sollte die Immobilie zu einem höheren Marktwert verkauft werden. Somit könnten die Schuldner, sollte es zu finanziellen Problemen kommen, ihr Haus mit Gewinn weiterverkaufen.[24]

Problematisch war ebenfalls die Berechtigung amerikanischer Banken, Hypothekenkredite zu verbriefen und weltweit zu verkaufen.

Amerikanische Banken bündelten und verbrieften diese Kredite zu weltweit gehandelten Investmentderivaten und lagerten diese Konstrukte in Zweckgesellschaften aus. Langfristige US-Hypotheken wurden auf diese Art in sehr kurzfristige Titel gewandelt.[25]

Ab Mitte 2004 wurde von der Fed der Leitzins nach und nach erhöht. Dies führte dazu, dass viele Kreditnehmer zahlungsunfähig wurden und somit viele Zwangsverkäufe von Häusern folgten. Dies bedingte den Preisverfall am US-Immobilienmarkt.[26]

2007 platzte die Spekulationsblase schließlich. Die britische Bank Northern Rock geriet in Schwierigkeiten und benötigte Kapital. Aufgrund der Krise am US-Hypothekenmarkt kam es jetzt auch am Interbankenmarkt zu Problemen, weil andere Banken der Northern Rock kein Geld mehr leihen wollten. Die zuvor fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns hatte aufgrund der eigenen Hedgefonds[27], die stark in amerikanischen Hypotheken mit schlechter Bonität investiert hatten, ebenfalls große finanzielle Probleme. Im September 2008 wurde die Lage erneut verschärft. Die beiden weltweit größten Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac mussten verstaatlicht werden, um eine Zahlungsunfähigkeit abzuwenden. Höhepunkt war dann, dass die bis dahin viertgrößte Investmentbank der USA, die Lehman Brothers Holding Inc., einen Insolvenzantrag stellte.[28]

[...]


[1] Vgl. Drukarczyk, J., Schüler, A. (2009), S. 82.

[2] Vgl. Peemöller, V. (2012), S. 3.

[3] Obermeier, T., Gasper, R. (2008), S. 149.

[4] Vgl. Matschke, M., Brösel, G. (2007), S. 14.

[5] Vgl. Schultze, W. (2003), S. 7.

[6] Vgl. Obermeier, T., Gasper, R. (2008), S. 150.

[7] Vgl. Krag, J., Kasperzak, R. (2000), S. 3.

[8] Vgl. Fabian, M., (2009), S. 48.

[9] Vgl. Obermeier, T., Gasper, R. (2008), S. 150.

[10] Vgl. Abschnitt 1.1., S. 1.

[11] Vgl. Peemöller, V. (2012), S. 7 f.

[12] In Anlehnung an: Schmeisser, W. (2010), S. 55.

[13] Vgl. Nölle, J.-U. (2009), S. 16 ff.

[14] Vgl. Schumann, J. (2008), S. 13 f.

[15] Vgl. Peemöller, V. (2012), S. 53.

[16] In Schumann, J. (2008), S. 13 f. wird das Vergleichsverfahren als ein Verfahren erläutert, das dem Gesamtbewertungsverfahren zuzuordnen ist. Peemöller, V. (2012), S. 53 beschreibt das Vergleichsverfahren als ein eigenständiges Bewertungsverfahren.

[17] In Anlehnung an: Vgl. Abbildung 2 im Anhang, S. 12.

[18] Der Godwill wird auch als Barwert der Übergewinne beschrieben. Vgl. Ernst, D., Schneider, S., Thielen, B. (2011), S. 6.

[19] Vgl. Peemöller, V. (2012), S. 53 f.

[20] Vgl. Schneider, A. (2010), S. 2.

[21] Auch als Dotcom-Blase bekannt. Vgl. Glebe, D. (2008), S.104 f.

[22] Die Federal Reserve ist die Zentralbank-System der Vereinigten Staaten.

[23] Vgl. Pech, M. (2008), S. 4.

[24] Vgl. Glebe, D. (2008), S. 114.

[25] Vgl. Sachverständigenrat (2007), S. 3 f.

[26] Vgl. Pech, M. (2008), S. 5 f.

[27] Hedgefonds sind eine spezielle Art von Investmentsfonds, die keiner Anlagerestriktion unterliegen. Hedgefonds kennzeichnen sich vor allem durch eine spekulative Anlagestrategie. Sie bieten Chance auf sehr hohe Renditen, bergen aber auch hohe Risiken.

[28] Vgl. Sinn, H.-W. (2011), S. 83 ff.

Details

Seiten
19
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656252214
ISBN (Buch)
9783656252429
Dateigröße
426 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198776
Institution / Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management Essen, Standort Duisburg
Note
1,3
Schlagworte
Finanzkrise Unternernehmensbewertung Wirtschaftskrise

Autor

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Titel: Ursachen und Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf die Unternehmensbewertung