Lade Inhalt...

Johann Christoph Gottsched - Versuch einer Critischen Dichtkunst - Eine kritische Betrachtung ausgewählter Argumente des Theaterreformers

Hausarbeit 2000 12 Seiten

Theaterwissenschaft, Tanz

Leseprobe

Inhalt:

1. Angaben zum Leben und Werk Gottscheds

2. Gottscheds Bemühung um die deutsche Schaubühne

3. »Critische Dichtkunst«, 3. Kapitel: Vom gesunden Geschmacke eines Poeten

4. »Critische Dichtkunst«, 10. Kapitel: Von Tragödien oder Trauerspielen

5. »Critische Dichtkunst«, 11. Kapitel: Von Komödien oder Lust-Spielen

6. Kritik an der »Critischen Dichtkunst«

7. Bibliographie

1. Angaben zum Leben und Werk Gottscheds

Johann Christoph Gottsched, geboren am 2. Februar 1700 als Sohn eines Pastors in der Nähe von Königsberg, beginnt 1714 das Studium der Theologie und Philosophie an der Universität Königsberg, das er 1723 mit der Magisterprüfung abschließt. 1724 flieht er als potentieller „langer Kerl“ vor den Werbern der preußischen Armee nach Leipzig, wo er am 12. Dezember 1766 stirbt.

Seine Entwicklung in Leipzig ist überraschend erfolgreich: Bereits 1725/26 ist er Herausgeber der „Moralischen Wochenzeitschrift“ »Die vernünftigen Tadlerinnen«, von denen zwei Bände erscheinen. Sie bilden den Anfang eines sein ganzes Leben überdauernden Kampfes für die deutsche Sprache und ihren „regelmäßigen“ Gebrauch; 1727/28 erscheinen zwei Bände der Moralischen Wochenzeitschrift »Der Biedermann«.

1726 (also im Alter von 26 Jahren!) wird Gottsched Senior der „Teutschübenden-poetischen Gesellschaft“ in Leipzig, die im darauffolgenden Jahr in „Deutsche Gesellschaft“ umbenannt wird. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die deutsche Sprache von ihren Dialekten zu befreien, um sie für den überregionalen Gebrauch zu vereinheitlichen. Die Arbeit der D. G. hat entscheidenden Anteil an unseren heute gültigen Rechtschreib- und Grammatikregeln. Mit dem Aufstieg an ihre Spitze gelingt Gottsched also ein wichtiger Schritt bei seinen Bemühungen um die deutsche Sprache.

An der Universität Leipzig ist Gottsched ebenfalls recht erfolgreich, denn nachdem er 1730 eine außerordentliche Professur für Poesie und Beredsamkeit erhalten hat, wird er 1734, dies bis zu seinem Lebensende, ordentlicher Professor für Logik und Metaphysik. Zwischen den Jahren 1738-56 ist er fünf mal Rektor der Universität, jeweils für ein Wintersemester; noch häufiger amtiert er als Dekan der Philosophischen Fakultät, nämlich insgesamt acht mal zwischen 1738 bis 1766[1].

2. Gottscheds Bemühung um die deutsche Schaubühne

Neben seinem Engagement für eine verbesserte deutsche Sprache liegt Gottsched besonders die deutsche Schaubühne nahe, die er von „ihren bisherigen Fehlern“ reinigen und sich für ihre „erforderlichen Tugenden“[2] einsetzen will.

Im Jahre 1727 beginnt Gottscheds Zusammenarbeit mit der Schauspieltruppe der Friederike Caroline Neuber, die er schon drei Jahre zuvor in Leipzig mit Begeisterung spielen gesehen hat. Neben der Schauspielkunst der Neuberin fasziniert Gottsched das Repertoire der Truppe, die zum ersten Mal auf deutschen Bühnen regelmäßige Stücke aus Frankreich spielt[3]. Mit ihr vereinbart er eine Zusammenarbeit, in der er für die Truppe Stücke dieser Art übersetzt, die dann von ihr aufgeführt werden sollen, um allmählich die Sitten des deutschen Theaters und den Geschmack des Publikums zu bessern.

Im Jahre 1730 erscheint Gottscheds Schrift »Versuch einer Critischen Dichtkunst vor die Deutschen«, in dem er erstmals ausführlich seine Ansichten niederschreibt, warum ein Theaterstück eine ganz bestimmte Form haben und nach welchen Regeln es geschrieben sein müsse. Das Werk sorgt mit seiner Radikalität für großes Aufsehen und Kritik bei Gottscheds Zeitgenossen.

3. »Critische Dichtkunst«, 3. Kapitel: Vom guten Geschmacke eines Poeten

Gottsched setzt sich in diesem Kapitel zum Ziel, nach seiner Art die Regeln zu erklären, warum ein Poet einen guten Geschmack haben müsse, und wie dieser gestaltet sei. Dies sei nicht jedem Mensch möglich, da man mit den menschlichen Seelen vertraut sein und Einsicht in die Weltweisheit haben müsse. Er stützt seine Ausführungen nach eigener Aussage auf die Vernunftlehre und die logischen Regeln.

Zunächst klärt er den Leser anhand des Geschmackes im ursprünglichen Sinne, des Geschmackes der Zunge, darüber auf, dass die Menschen zwar einerseits eine klare Vorstellung von dem haben, was sie empfinden, sich also einig über verschiedene Geschmacksrichtungen sind, aber nicht definieren können, was genau diesen Geschmack ausmacht. Hierüber kommt er zu der Feststellung, dass der Begriff „Geschmack“ im metaphorischen Sinne nicht in Bereichen benutzt wird, die völlig klar und unbestreitbar sind, sondern in sinnlichen Angelegenheiten, „in solchen Wissenschaften aber, wo das Deutliche und Undeutliche, Erwiesene und Unerwiesene noch vermischt ist“[4]. Zum Beispiel gebe es für Astronomen nicht einen „Weltbau nach kopernikanischem Geschmack“, da erwiesen ist, dass dies allein der richtige ist, und somit nicht von Geschmack abhängig, sondern eindeutig. An diesem Beispiel sieht man, wo Gottsched den Ursprung der Regeln sieht, nämlich in der Natur : „Diese Regeln [...] haben ihren Grund in der unveränderlichen Natur der Dinge selbst; in der Übereinstimmung des Mannigfaltigen; in der Ordnung und Harmonie“[5]. Eben diese Eindeutigkeit will Gottsched für die Poesie finden, um guten Geschmack (der den Regeln entspricht) von üblem Geschmack trennen zu können, um sagen zu können, was schön sei und was nicht: „Die Schönheit eines künstlichen Werkes beruht nicht auf einem leeren Dünkel, sondern hat ihren festen und notwendigen Grund in der Natur der Dinge. GOtt hat alles nach Zahl, Maß und Gewicht geschaffen. Die natürlichen Dinge sind schön; und wenn also die Kunst auch was Schönes hervorbringen will, muss sie dem Muster der Natur nachahmen“[6]. An dieser, wie an vielen anderen Stellen in der »Critischen Dichtkunst« ist deutlich Gottscheds frühaufklärerische Prägung zu erkennen, die sich in seinen Forderungen nach Eindeutigkeit, Natürlichkeit und Vernunft ausdrückt.

Es ist möglich, so Gottsched, unsere Gedanken soviel Ordnung und Abmessung zu unterwerfen, wie wir es mit Figuren und Tönen tun können. Es bedürfe nur eines klugen Kopfes, das Regelwerk für solch abstrakte Dinge zu erkennen, und dort, wo sie das erste Mal aufgetaucht sind, zu erforschen. Damit bezieht er sich auf die Ästhetik der alten Griechen, und insbesondere auf Aristoteles‘ »Poetik«. Gottsched greift auf die klassischen griechischen Schriften zurück, weil dort mit Vernunft die Künste zur Vollkommenheit gebracht worden seien, so wie er es sich vorstellt. Und weil die griechische Ästhetik Ursprung des westeuropäischen Kunstverständnisses sei, müsse man sich an die Griechen halten und ihre Gedanken vervollkommnen. Dabei könne man keine Rücksicht auf zeitgenössische Vorlieben nehmen, sondern der Poet müsse „vielmehr suchen, den Geschmack seines Vaterlandes, seines Hofes, seiner Stadt zu läutern“[7]. Gottsched gibt mit Verweis auf Horaz zu, dass nicht jeder Mensch das gleiche für schön empfinde, doch zugleich stellt er fest, dass es wahre und eingebildete Schönheit gebe. Der Pädagoge Gottsched stellt das Gleichnis von Meister und Schüler auf, in dem der Meister, nach Gottsched der Regelkundige, in die wahre Schönheit einsichtige Poet, den Schüler die Schönheit der Kunst-Regeln erkennen lassen müsse; sobald der Schüler, also das ungebildete, „Hanswurstiaden“ liebende Volk, dies begriffen habe, werde es sich für sein früheres ungebildetes Urteil schämen.

[...]


[1] Dieser Sachverhalt ist nicht zwangsläufig Anzeichen von besonderer Qualifikation Gottscheds zu werten, da zu dieser Zeit noch die Regel galt, dass nur Vertreter jener Fakultäten als Magnifizenz eingesetzt werden durften, die bereits bei der Gründung der Universität bestanden. Deshalb sollte man das mehrfache Rektorat Gottscheds eher als ein „an die Reihe kommen“ und „zur Verfügung stehen“ auffassen.

[2] Gottsched, J. Chr.: Vorrede zum Sterbenden Cato. (In: J. Chr. Gottsched. Schriften zur Literatur. Hg. v. Horst Steinmetz. Stuttgart: Reclam 1972. S. 198)

[3] In Braunschweig und Weißenfels hatte die Neuberin bereits die Stücke »Brutus«, »Alexander«, »Regulus« und »Cid« gespielt (Fried. Joh. Freiherr v. Reden-Esbeck: Caroline Neuber und ihre Zeitgenossen. Leipzig, 1881. S. 60)

[4] Gottsched, J. Chr.: Versuch einer Critischen Dichtkunst. (In: J. Chr. Gottsched. Schriften zur Literatur. S. 61)

[5] Ebd. S. 63

[6] Ebd. S. 70

[7] Ebd. S. 73

Details

Seiten
12
Jahr
2000
ISBN (eBook)
9783638238991
Dateigröße
390 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19865
Institution / Hochschule
Universität Leipzig – Institut für Theaterwissenschaft
Note
1,0
Schlagworte
Johann Christoph Gottsched Versuch Critischen Dichtkunst Eine Betrachtung Argumente Theaterreformers Theaterreformen Jahrhundert

Autor

Zurück

Titel: Johann Christoph Gottsched - Versuch einer Critischen Dichtkunst - Eine kritische Betrachtung ausgewählter Argumente des Theaterreformers