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Die Rolle von transnationalen NGOs in der internationalen Bildungsarbeit und Bildungspolitik

von Olga Kruglova (Autor)

Masterarbeit 2011 79 Seiten

Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik

Leseprobe

Inhalt

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Einführung und Zielsetzung
1.2. Forschungsstand

2. Nichtregierungsorganisationen in der globalen Gesellschaft
2.1. Begriffsbestimmung und Merkmale der Nichtregierungsorganisationen
2.2. Geschichtliche Entstehung der NGOs und ihre aktuelle Position im sozio-ökonomischen Gefüge
2.3. Formen und Klassifikationen der Nichtregierungsorganisationen
2.4. Strategien der Einflussnahme der Nichtregierungsorganisationen
2.5. Stärken und Schwächen der NGOs
2.6. Interaktion mit staatlichen und zwischenstaatlichen Organisationen
2.7. Die Verflechtung von NGOs des Südens und NGOs des Nordens

3. Transnationale NGOs als problematischer Begriff im Bildungsbereich

3.1. Problematik der Definition „Internationale Nichtregierungs- organisationen“ für grenzenüberschreitend agierende NGOs
3.2. Transnationale NGOs als am besten geeigneter Sammel- begriff im Bildungsbereich
3.3. Die Bedeutung von transnationalen Netzwerken

4. Stellenwert der transnationalen Nichtregierungsorganisationen in der internationalen Bildungsarbeit und in der internationalen Bildungspolitik
4.1. Definition der Bildungspolitik im Kontext des internationalen Handlungsfeldes
4.2. Rolle der transnationalen NGOs im bildungspolitischen Prozess
4.3. Die Weltbildungskonferenz (WCEFA) in Jomtien als erste Beteiligungsmöglichkeit an den Bildungs- angelegenheiten für Nichtregierungsorganisationen
4.4. Die Anerkennung der NGOs als wichtige Akteure im Bildungsbereich im Weltbildungsforum in Dakar
4.5. Definition der internationalen Bildungsarbeit
4.6. Transnationale NGOs in der internationalen Bildungsarbeit
4.7. Kooperation der transnationalen NGOs mit den schulischen Einrichtungen

5. Aktivitäten der transnationalen NGOs im Bildungsbereich am 55 Beispiel der Oxfam International
5.1. Allgemeiner Ausblick auf Oxfam International
5.2. Geschichtlicher Hintergrund der Oxfam International
5.3. Finanzierungsquellen der Oxfam International
5.4. Zusammenarbeit der Oxfam International mit staatlichen und transstaatlichen Organisationen
5.5. Oxfam International als eine wichtige transnationale Nichtregierungs- organisation im Bildungsbereich
5.5.1. Oxfam International als Bewegungskraft im Projekt The Civil Society Coalition for Quality Education in Malawi
5.5.2. Der Beitrag der Oxfam International im Bereich von „Education for All“
5.5.3. Rolle der Oxfam International bei der Umsetzung des Grundrechtes auf Bildung für Mädchen und Frauen

Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

„ Workers in international aid and

development organizations often feel “ they

are damned if they do, and damned if they don’t” [ … ] ” Dana Burde, S. 173

1.1. Einführung und Zielsetzung

Laut zahlreicher Autoren im Bereich der Politik-, Bildungs- und Entwicklungsforschung (K. Mundy, C. Adick, N. Stromquist, L. Ilon u.a.) üben solche Phänomene wie „Nichtregierungsorganisationen“ (NROs) - im englischsprachigen Raum Non-Governmental-Organisations (NGOs) - und ihre globalen Netzwerke in den letzten Jahrzehnten einen wachsenden Einfluss auf die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Handlungsarenen sowie auf der nationalen und internationalen Ebene aus. Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle von Nichtregierungsorganisationen (NGOs) und speziell transnationalen bzw. internationalen Nichtregierungsorganisationen (weiterhin als „transnationale NGOs“ bezeichnet) als einem Typus der Nichtregierungsorganisationen in der internationalen Bildungsarbeit und Bildungspolitik. Im ersten Kapitel wird der Forschungsstand zum Thema der Arbeit offen gelegt und werden die Forschungslücken aufgezeigt.

Im zweiten Kapitel werden einführende Begrifflichkeiten, die geschichtliche Entstehung und grundlegende Aspekte zum Thema Nichtregierungsorganisationen im Allgemeinen erläutert. Darunter sind Merkmale, Formen und Klassifikationen von Nichtregierungsorganisationen zu verstehen. Diese Arbeit stößt zum Teil auf Mängel in der Spezialliteratur zum Thema der transnationalen NROs. Aus diesem Grund wird erst der Oberbegriff „Nichtregierungsorganisation“ behandelt und die entsprechenden Befunde werden auf transnationale Organisationen als Unterbegriff übertragen.

Darüber hinaus wird geklärt, ob NGOs sich zu einem einflussreichen Instrument entwickelt haben, ob sie die Gleichgültigkeit oder gar Abneigung der staatlichen und transstaatlichen Akteure überwinden konnten und ob sie sich gleichzeitig auch zivilgesellschaftliche Akzeptanz verschaffen konnten.

Folglich werden die Mittel der Einflussnahme von Nichtregierungs- organisationen und ihre Schwächen sowie mögliche Stärken einer Analyse unterzogen. Dieser Arbeit stellt heraus, ob und wenn ja, inwiefern diese nicht-staatlichen Organisationen als neue Akteure auf die politische Arena zugelassen werden und welchen Einfluss sie in diesem Bereich ausüben können und in welchen Situationen ihre Teilnahme ausgeschlossen bleibt.

Neben den Anpassungsstrategien von Nichtregierungsorganisationen in der modernen Weltgesellschaft im Rahmen der Globalisierung und Industrialisierung wird ein weiterer Schwerpunkt auf die Verflechtung und Interaktion der sogenannten Südund Nord-NGOs gelegt.

In den letzten Jahrzehnten hat sich die internationale bzw. transnationale Handlungsarena erheblich ausgeweitet und erweist sich nicht mehr als nur staatliche Domäne. Immer mehr solche nicht-staatliche Akteure wie transnationale NGOs vertreten ihre Interessen in internationalen Prozessen und müssen deswegen stets neuen Herausforderungen begegnen. Somit thematisiert das dritte Kapitel der vorliegenden Arbeit detailliert grenzüberschreitend bzw. transnational agierende Nichtregierungsorganisationen.

Der Begriff der grenzüberschreitend agierenden NROs ist in der Literatur nicht einheitlich festgelegt, da er von verschiedenen Autoren unterschiedlich definiert wird. Nachdem die Problematik der Begrifflichkeiten erläutert worden ist, wird der am besten geeignete Fachterminus bezüglich dieser Organisationen im Bereich der Bildung definiert und es wird genauer erläutert, welche Prämissen der Definition „transnational“ in Bezug auf grenzenüberschreitend tätige NGOs im Bildungsbereich zugrunde liegen. Zur Diskussion des Begriffs der grenzüberschreitend agierenden NGOs werden die bisherigen Erkenntnisse in der NGO-Forschung einbezogen.

Ein weiteres Kapitel ist ausschließlich der Rolle der transnationalen NGOs in der internationalen Bildungsarbeit und Bildungspolitik gewidmet. Zuerst werden die Fachbegriffe an sich erläutert und folglich die Rolle der NGOs in der internationalen Bildungspolitik und Bildungsarbeit aufgezeigt. An der Stelle stößt die vorliegende Arbeit auf erhebliche Forschungslücken bezüglich der Rolle der transnationalen NGOs im Allgemeinen und in der Bildungsarbeit und Bildungspolitik im Besonderen. Es wird insbesondere darauf eingegangen, ob transnationale NGOs zu einer höheren Transparenz und Demokratisierung in internationalen bzw. transnationalen Beziehungen und speziell im Bereich der Bildung beitragen und ob solche Phänomene wie transnationale Nichtregierungsorganisationen überhaupt zukunftsfähig sind.

Nach einer Einführung in das Thema mit Hilfe von Definitionen folgt die Darstellung der Aktivitäten sowie der Rollen von transnationalen NGOs in der internationalen Bildungspolitik. Anschließend werden konkrete Beispiele der NGOAktivitäten im Bereich der transnationalen Bildungspolitik vorgestellt.

Nicht zu trennen vom Begriff der internationalen Bildungsarbeit und -politik im Kontext der transnationalen NGOs ist der Begriff des transnationalen Bildungsraums, welcher weiterhin definiert wird. Des Weiteren wird auf die Kooperation der transnationalen NGOs mit den schulischen Einrichtungen eingegangen.

Das letzte Kapitel zieht als empirisches Beispiel der transnational agierenden Nichtregierungsorganisation Oxfam International heran, welche sich aufgrund ihres Stellenwertes im politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bereich als geeignet erweist, um die Rolle der transnationalen NGOs im Bildungsbereich detailliert zu analysieren.

Die kritische Würdigung stellt den letzten Teil dieser Arbeit dar und wird die festgestellten Forschungslücken bezüglich der Rolle von transnationalen NGOs im Bildungsbereich und Bildungspolitik aufzeigen. Dieser abschließende Teil der Arbeit fasst die Ergebnisse der Arbeit zusammen und beurteilt resümierend, ob NGOs im Bereich der internationalen Bildungspolitik und Bildungsarbeit Teilnahmerechte erhalten, welche Rollen den transnationalen Nichtregierungsorganisationen aufgrund der allgemeinen Forschungen zum Thema NGOs im Bildungsbereich zugewiesen werden und ob sie diese Rollen in der Realität erfüllen. Es wird die Schlussfolgerung gezogen, ob und gegebenfalls wie die transnationalen NGOs Einfluss auf den Bereich der Bildung in internationalen Verhandlungen ausüben können und welche Mittel sie erfolgreich einsetzen.

1.2. Der Forschungsstand

Die Analyse der Rolle der transnationalen Nichtregierungsorganisationen basiert auf eine Reihe deutscher, englischer und amerikanischer wissenschaftlicher Artikel, Monographien und Publikationen. In den 1990er Jahren haben die Nichtregierungsorganisationen erheblich an Bedeutung gewonnen und sich zu etablierten Akteuren auf der sozialen und politischen Bühne entwickelt. Vor allem üben bisweilen die transnationalen bzw. laut einigen Quellen internationalen Organisationen einen wachsenden Einfluss auf der globalen Handlungsarena aus. Es gibt auch einige Bereiche, wo sie besonders aktiv und erfolgreich sind, wie z.B. Umwelt- oder Menschenrechtspolitik und Entwicklungsarbeit. Vor diesem Hintergrund ist es nachvollziehbar, dass diese Art der Organisationen die Aufmerksamkeit der Forscher auf sich zieht. Demnach ist es möglich, auf zahlreiche wissenschaftliche Forschungen bezüglich der Nichtregierungsorganisationen zurückzugreifen. Gleichwohl liegt auf diesem Forschungsgebiet ein Mangel an Spezialliteratur zum Thema der transnationalen NGOs vor. Aus diesem Grund werden die allgemeinen Grundlagenwerke zu Nichtregierungsorganisationen in die vorliegende Arbeit einbezogen, um die Befunde auf den Unterbegriff der transnationalen Organisationen zu übertragen. Zu diesem Zweck dienen die von T. Brühl, C. Frantz und M. Westerbarkey erstellten Beiträge. Die vorliegende Arbeit stößt auf weitere Schwierigkeiten bei der Definition des Begriffes „transnationale Nichtregierungsorganisationen“, da einige Autoren (C. Frantz, D. Burde) auf den Begriff „internationale“ zurückgreifen. Andere Autoren (C. Adick, T. Faist) ziehen den Begriff „transnationale“ bzw. „transstaatliche“ vor. Die fundierten Untersuchungen dieser Autoren ermöglichen die Schlussfolgerung hinsichtlich der besseren Eignung dieser Begrifflichkeiten für grenzüberschreitend agierende Bildungsorganisationen und ergründen die Prämissen dieser Einschätzung.

Da das Thema so allgemein formuliert eine sehr umfangreiche Untersuchung erfordern würde, wurde der Interessenschwerpunkt dieser Arbeit insbesondere auf die Bereiche Bildung und Bildungspolitik gelegt. Des Weiteren mussten die Maßstäbe dieser Begriffe festgelegt werden. Dies erfolgt mit Hilfe der profunden Analysen von C. Adick und R. Tippelt sowie der Herausgeber der Lexika unterschiedlicher Forschungsrichtungen, wie Böhm, G. Weißeno oder H. May.

Diese Arbeit stößt in ein Forschungsdesiderat, da es kaum empirisch fundierte Studien über die Rolle der transnationalen NGOs im Bereich der Bildungsarbeit und Bildungspolitik vorliegt. Für die Einordnung der grenzüberschreitend operierenden Nichtregierungsorganisationen in diesen Bereichen der Bildung sind hauptsächlich die Forschungen von C. Adick und K. Mundy Grundlage der Ausführungen. C. Adick beschäftigt sich überwiegend mit der Rolle der transnationalen Bildungsorganisationen in der Bildungsarbeit und wird als erste und nahezu einzige Forscherin in diesem Bereich geführt, die eine vollständige Klassifikation der im transnationalen Bildungsraum agierenden Organisationen erstellt und eine umfassende Definition des Begriffes des transnationalen Bildungsraumes entwickelt hat.

Die Studien von K. Mundy und L. Murphy sind für die Analyse der Rolle der transnationalen Bildungsorganisationen in der Bildungspolitik sehr hilfreich. Neben den Arbeiten muss an dieser Stelle darauf hingewiesen werden, dass es Forschungslücken hinsichtlich der Rolle der transnationalen Bildungsorganisationen explizit in der Bildungspolitik gibt. Aus diesem Grund wird zuerst der Bezug zur Bestimmung der Rolle von NGOs in diesem Bereich im Allgemeinen hergestellt und anschließend auf den Untertyp der NGOs, die transnational agieren, übertragen. Die Feststellung der Rolle von NGOs in der Bildungspolitik ermöglichten die Aufsätze von C. Frantz, N. Stromquist, T. Brühl, M. Westerbarkey, S. Klees, I. Silova und L. Ilon. Darüber hinaus lassen sich einige Beiträge, zum Beispiel von L. Ilon, N. Stromquist, M. Edwards und D. Hulme, finden, die auf die Forschungsdefizite in diesem Bereich hinweisen.

Die Rolle der Nichtregierungsorganisationen in der internationalen Bildungspolitik wird durch praktische Beispiele der Weltbildungskonferenz und des Weltbildungsforums veranschaulicht. In diesem Zusammenhang sind die von K. Mundy und C. Adick erfassten Beiträge vom großen Nutzen.

Durch den Stand der internationalen Forschung über die Rolle der transnationalen Organisation Oxfam International im Bereich der Bildungsarbeit und Bildungspolitik wird belegt, dass sich diese Arbeit mit einem nur wenig erforschten Gebiet beschäftigt. Mit Ausnahme einiger Beiträge von C. Adick und K. Mundy existieren bis zum Ende des Jahres 2010 nur wenige Erwähnungen als praktische Beispiele zu diesem Thema.

2. Nichtregierungsorganisationen in der globalen Gesellschaft

Viele Autoren zählen Nichtregierungsorganisationen zu weltpolitisch einflussreichen Akteuren, unter anderem im Bereich der Bildung. (Ecker-Ehrhard S. 585, Mundy S. 4, Ilon, Stromquist, Walk S. 196 u.a.) Dies gilt insbesondere in der internationalen Arena, die angesichts der Globalisierung und Industrialisierung eine zunehmend wichtige Rolle spielt. Gleichwohl liegen dem Begriff Nichtregierungsorganisation theoretische Defizite zugrunde. NGOs werden von L. Ilon als bekanntes, aber wenig untersuchtes Feld mit vielen Lücken und unzureichenden empirischen Daten bezeichnet. (vgl. Ilon, S. 17) Dem schließt sich N. Stromquist an. Sie führt an, dass NGOs selten in den Medien erscheinen und nur begrenzt von Wissenschaftlern untersucht werden. (vgl. Stromquist, S. 42) M. Edwards und D. Hulme zeigen in ihrem Beitrag zum Thema der NGOs auf, dass es im Jahr 1996 noch keine vergleichenden Forschungsanalysen in diesem eigenständigen und wichtigen Bereich gab. (vgl. Edwarsd/Hulme S.8)

Aus seiner Negativdefinition lässt sich schließen, dass diese Organisationen „nicht-staatlich“ sind. Eine exakte Definition sowie die eindeutige Eingrenzung der Merkmale werden oft vermieden. Es gibt auch andere Bezeichnungen für Organisationen dieser Art: Philantropien, transnationale soziale Bewegungen (TSMOs) oder multinationale Bewegungsorganisationen. In Abgrenzung zu Staat und Wirtschaft werden auch die Begriffe Dritter Sektor und Non-Profit-Organisationen (NPO) verwendet, je nachdem, welches Merkmal im Vordergrund steht. In diesem Kapitel werden alle diese Begrifflichkeiten analysiert, um schlussfolgern zu können, ob sie alle mit dem Sammelbegriff „Nichtregierungsorganisationen“ definiert werden können.

2.1. Begriffsbestimmung und Merkmale der Nichtregierungsorganisationen

Der Begriff Nichtregierungsorganisation kommt aus dem Englischen und steht für NonGovernmental Organisation (NGO) und wird in der deutschen Sprache mit der entsprechenden Kurzform NRO verwendet, wobei anzumerken ist, dass der englische Begriff sich im deutschsprachigen Raum weitgehend durchgesetzt hat und einstweilen auch ohne Übersetzung verwendet wird. Somit wird die Abkürzung NGO auch in dieser Arbeit als Bezeichnung für Nichtregierungsorganisation verwendet. Außerdem lehnt sich die Arbeit teils auf englischsprachige Literatur und Quellen an, was die Verwendung des NGO-Begriffes sinnvoll macht.

Der Ursprung des Begriffes NGO lässt sich, so Christiane Frantz, auf den Artikel 71 der Charta der United Nations Organisation (UNO) zurückführen:

„Der Wirtschafts- und Sozialrat kann geeignete Abmachungen zwecks Konsultation mit nichtstaatlichen Organisationen treffen, die sich mit Angelegenheiten seiner Zuständigkeit befassen. Solche Abmachungen können mit internationalen Organisationen und, soweit angebracht, nach Konsultation des betreffenden Mitglieds der Vereinten Nationen auch mit nationalen Organisationen getroffen werden.“1

In dieser Charta wurden die grundsätzlichen Prinzipien der Konsultation von NGOs mit der UNO fixiert. Seitdem hat sich der Begriff NGOs durchgesetzt, obwohl einige Studien (White 1968; Meynaud 1961) auch mit anderen Begrifflichkeiten wie pressure groups oder interest groups operierten. (vgl. Frantz, S. 21f) Der Definition ist zu entnehmen, dass dieser Begriff nur das Verhältnis zwischen NGOs und UNO regelt und nicht auf die besonderen Merkmale der NGOs eingeht, was sich im Zeitalter der Globalisierung als unzureichend erweist. Es werden weitere genauere Attribute benötigt, um subjektive Interpretationen zu vermeiden und um ein klares Definitionskonzept für dieses Phänomen zu entwickeln, damit der Begriff Nichtregierungsorganisation nicht als unspezifische Auffassung für sämtliche nichtstaatliche Organisationen, wie zum Beispiel Arbeitsverbände, Gewerkschaften, Stiftungen etc., dient und nur als Opposition zu den staatlichen Organisationen dargestellt wird.

Für Nichtregierungsorganisationen liegt eine Vielzahl von Merkmalen und darauf basierten Definitionen vor. Christiane Frantz führt folgende Aufklärung der NGOs an:

NGOs sind formale (professionalisierte), unabhängige gesellschaftliche Akteure, deren Ziel es ist, progressiven Wandel und soziale Anliegen auf der nationalen und internationalen Ebene zu fördern.“ (Frantz, S. 49)

Die Negativdefinition der NGOs bezieht sich auf die Art der Durchsetzung der Ziele der Non-Governmental-Organisations, die als Akteure der privaten Sphäre auftreten und laut gesetzlichen Vorschriften nicht gewalttätig handeln. Sie dürfen keine illegalen Mittel zur Erreichung ihrer Ziele verwenden. Es ist nicht deren Ziel, staatliche Macht zu erwerben. C. Frantz weist darauf hin, dass sie nur Einfluss auf die staatliche Politik ausüben können und ggf. zur Schlichtung der politischen Konflikte und Kontroversen dienen sollten. (vgl. Frantz, S. 29) Somit sind NGOs im Idealfall politisch neutral und wollen keine Regierungsmacht erlangen. Vor allem bei den humanitären Missionen, Krisenpräventionsmaßnahmen und Katastrophenhilfen müssen Nichtregierungsorganisationen Parteinahmen jeglicher Art vermeiden und sich neutral verhalten, um die Situation nicht zu beeinträchtigen.

Das weitere idealtypische Merkmal der Nichtregierungsorganisationen, dass aus dem Negativbegriff abgeleitet wird, ist ihre Non-Profit-Orientierung. Sie erlangen zwar staatlichen Stiftungsstatus, erwerben ihre Gewinne allerdings auf dem Spendenmarkt oder durch eigenständige Handlungsaktivitäten. Die so gewonnenen monetären Mittel sollten jedoch ausschließlich den Zielen der Organisationen zugutekommen. C. Frantz unterscheidet NGOs von den anderen Non-Profit Organisationen, indem sie keine direkte Klientelpolitik betreiben, sondern Anliegen der anderen Menschen bzw. des Gemeinwohls vertreten. (vgl. Frantz, S. 24) Ihre Arbeit wird durch Spenden, staatliche Teilfinanzierung und ehrenamtliches Engagement unterstützt.

Gleichwohl ist es zu betonen, dass die NGOs in der heutigen Zeit professionalisierte Strukturen aufweisen, was nicht nur ehrenamtliche Mitarbeiter erfordert, sondern auch einen festen Kern von bezahlten Angestellten einschließt. Hier werden Professionalität und gemeinnützige Orientierung nicht als Gegensätze betrachtet. Die Professionalität dient in dem Falle ausschließlich der Steigerung der Effektivität der NGOs.

Des Weiteren versteht sich der Begriff „Non-Governmental“ als vom Staat unabhängig. In erster Linie handelt es sich um die Finanzierung, die überwiegend durch zivilgesellschaftliche und nicht staatliche Initiative gesichert wird.

Darüber hinaus bestehen diese Organisationen aus einzelnen Personen oder Gruppen, die theoretisch von der Regierung in ihren Handlungen unabhängig sind. (vgl. Frantz, S. 27) Wie die Lage in der Wirklichkeit ist, wird in dem folgenden Kapitel aufgezeigt.

Der zweite Bestandteil des Begriffes ist Organisation, was bedeutet, dass die Non-Governmental-Organisations eine zumindest minimale Organisationsstruktur mit einem festen Stab von Mitarbeitern und mit einer offiziellen Satzung aufweisen. Damit ist nach C. Frantz das dritte Kernmerkmal der NGOs, n eine gewisse Dauerhaftigkeit, gesichert. (vgl. Frantz, S. 29) Dadurch wird hervorgehoben, dass es sich bei Nichtregierungsorganisationen nicht um einen spontanen Zusammenschluss für ein einmaliges Projekt handelt. Die Arbeit wird so strukturiert, dass ein dauerhaftes Konzept zu erkennen ist. Manche Autoren erkennen eine dauerhafte Organisation, wenn NGOs einen anerkannten juristischen Status (zumindest) in einem Land besitzen. (Keck/Sikkink, S. 218; Uvin/Weiss, S. 231)

Zusammengefasst gelten für alle NGO-Untertypen die folgenden allgemeingültigen Merkmale:

- die Mitglieder sind Einzelpersonen oder Personengruppen ohne staatliche Akteure;
- ihr Ziel ist, den progressiven Wandel voranzubringen;
- sie sind unabhängig vom Staat;
- sie sind loyal und wollen keine politische Macht erlangen;
- sie sind nicht gewalttätig;
- ihre Finanzierung erfolgt durch Spenden und Mitgliederbeiträge;
- sie verfügen über eine formale Struktur.

Darüber hinaus sollte es sich nach P. Wahl bei Nichtregierungsorganisationen. um freiwillige Zusammenschlüsse handeln, die nicht exklusiv (ethnisch, religiös etc.) sind und einen inhaltlichen Bezug zu sozialen Problemen haben. (vgl. Wahl, S. 13)

Ein weiterer Begriff, der für Nichtregierungsorganisationen in der Literatur benutzt wird, ist „Non-Profit-Organisation (NPO)“. M. Westerbarkey führt an, dass im anglo-amerikanischen Raum der Begriff der „Nonprofit-Organisationen (NPO)“ in Abgrenzung zu privatwirtschaftlichen Unternehmen oder der Begriff „Non- governmental Organizations“ vs. staatliche Institutionen verwendet wird. (vgl. Westerbarkey, S. 17) Im Fall der „Non-Profit-Organisationen“ wird der Akzent darauf gelegt, dass sie nicht auf Gewinn ausgerichtet sind, jedoch dürfen sie auch Gewinne machen. Überdies zeichnen sie sich durch ein Mindestmaß an formaler Organisation aus und weisen eine gewisse Dauerhaftigkeit aus, um die Nachhaltigkeit der Organisationsziele sicherzustellen.

NPOs weisen nach Westerbarkey folgende Merkmale auf: Sie sind private, nicht staatliche Organisationen, deren Personal aus fest angestellten und ehrenamtlichen Kräften besteht, die auf Basis der Freiwilligkeit arbeiten. Ein Minimum an Selbstverwaltung bedeutet bei diesen Organisationen, dass die meisten Entscheidungen innerhalb der Organisation getroffen werden. (vgl. Westerbarkey, S. 36f)

Nach der Analyse der oben genannten Merkmale wird klar, dass M. Westerbarkey nur einen anderen Fachterminus für das oben beschriebenen Phänomen der Nichtregierungsorganisationen benutzt.

G. Steiner-Khamsi unterscheidet zwischen not-for-profit organizations, zum Beispiel Save the Children, World Vision oder Academy of Educational Development und Philanthropien (“philanthropies”), die üblicherweise von privaten Personen und Unternehmen gegründet werden. (vgl. Steiner-Khamsi, S. 11)

In den letzten zwei Dekaden sind laut G. Steiner-Khamsi viele „neue Philanthropien“ erschienen, die durch ein Hauptmerkmal charakterisiert werden können, und zwar ihre Lebensdauer. Die Organisationen werden oft nur für ein Projekt gegründet und weisen somit eine von vorneherein voraussehbar kurze Lebensdauer auf, was einem der Hauptmerkmale einer Nichtregierungsorganisation widerspricht. Diese Organisationsstruktur beeinflusst den täglichen Ablauf und die Handlungsstrategien der Philanthropien sowie ihre Finanzierung, die von Stiftungen, Privatpersonen, wie zum Beispiel von öffentlichen Figuren und politischen Repräsentanten, sowie vom Staat kommen kann. Dies mindert jedoch nicht die Bedeutsamkeit der Projekte, an denen sich solche Organisationen beteiligen.

Ein anderes Merkmal solcher philanthropischen Organisationen ist laut G. Steiner-Khamsi, dass sie keinem rechenschaftspflichtig sind, außer ihren eigenen Behörden. Sie müssen keine Berichte bei der Regierung abgeben und müssen sich an keine internationalen Abmachungen, wie zum Beispiel Education for All, halten (vgl. Steiner-Khamsi, S. 12.), was auch dafür spricht, dass sie nicht als NGOs bezeichnet werden können.

E. Fuchs schließt sich dem Konzept von C. Frantz und A. Zimmer an und zählt Nichtregierungsorganisationen neben sozialen Bewegungen und Netzwerken zum Dritten Sektor. (vgl. Fuchs, S. 149)

S. Kamat präsentiert das Tandem von Nichtregierungsorganisationen und Zivilgesellschaft als “the ‘third sector’, separate from the market and the state […] this theoretical disengagement can prove illusory in a rapidly expanding capitalist economy“. (Kamat, S. 158)

Diesen Konzepten schließt sich D. Janett an, indem sie grenzüberschreitend tätige Nichtregierungsorganisationen als Organisationen des „Dritten Sektors“ zwischen den Sphären der staatlichen und wirtschaftlichen Macht definiert. (vgl. Janett, S. 13) Eine andere Begrifflichkeit für eine Nichtregierungsorganisation ist eine transnationale soziale Bewegungsorganisation (TSMOs) oder Multinationale Bewegungsorganisation. Transnationale soziale Bewegungsorganisationen sollten nur durch Privatpersonen geprägt sein und keine staatliche Unterstützung genießen. C. Frantz definiert transnationale soziale Bewegungsorganisationen (TSMOs) wie folgt:

„[Das sind die Organisationen,] die sich international engagieren, um progressiven Wandel in den Gesellschaften herbeizuführen. Sie streben danach, den Status quo zu verändern und nicht in erster Linie danach, die Interessen ihrer Mitglieder zu vertreten. [Sie sind] daher für private Personen zugänglich. Die Mitglieder teilen gleiche oder ähnliche Ansichten bezüglich Normen, Arten der Interaktion und Einflussnahme sowie vergleichbare thematische Ziele. Sie besitzen eine formale Struktur und koordinieren ihre vorgehen durch internationale Büros.“ (Frantz, S. 41)

Den TSMOs werden internationale Interessensorganisationen gegenübergestellt. Dabei handelt es sich um Organisationen, die die Interessen ihrer Mitglieder im internationalen Bereich vertreten (vgl. ebd, S. 41), wie zum Beispiel Gewerkschaften, jedoch besitzen sie nicht alle Merkmale der internationalen bzw. im Bildungsbereich transnationalen NGOs (zum Beispiel Verfolgung und Vertretung der Interessen ausschließlich eigener Mitglieder, Ansässigkeit in nur einem Land) und werden somit in dieser Arbeit nicht detailliert behandelt.

Nach der oben ausgeführten Analyse wird die Schlussfolgerung gezogen, dass alle Organisationstypen die Hauptmerkmale der Nichtregierungsorganisationen zum Teil oder komplett aufweisen und es somit sinnvoll ist, sie unter dem Sammelbegriff der Nichtregierungsorganisation aufzuführen.

2.2. Geschichtliche Entstehung der NGOs und ihre aktuelle Position im sozioökonomischen Gefüge

Seit den 1990er Jahren haben NGOs immer mehr an der Bedeutung gewonnen, als die Regierung anfing, für die Lösung der sozialen Probleme auch nicht-staatliche Akteure zu involvieren. Auf der nationalen Ebene existieren Nichtregierungsorganisationen jedoch schon seit dem 18. Jahrhundert. Dazu werden sämtliche kirchliche Organisationen und religiös motivierte Verbände gezählt. C. Frantz sieht den Hintergrund der Entstehung von solchen Organisationen in Zusammenschlüssen von Menschen mit ähnlichen Motiven, die durch Kooperation und gegenseitige Unterstützung ihre Ziele effektiver erreichen konnten. Dies geschah oft durch das Engagement einzelner Aktivisten, insbesondere vor dem Hintergrund der historischen Veränderungen der sozialen, politischen und ökonomischen Strukturen (vgl. Frantz, S. 51), wie zum Beispiel solcher, die bedingt durch demokratische und industrielle Revolutionen des 18. Jahrhunderts auf der nationalen Ebene erfolgten. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelten sich die ersten internationalen NGOs, wobei zuerst die föderativen NGOs als Dachverbände entstanden, die das Thema dieser Arbeit bilden. Sie bestanden aus einzelnen nationalen NGOs und koordinierten diese. Häufig wurden diese Organisationen, wie zum Beispiel das Rote Kreuz, beim Schutz von Kriegsverletzten zunehmend politisch aktiv. (vgl. ebd., S. 51f) Die Entstehung der ersten nichtstaatlichen Organisationen im Bildungsbereich wird auf das 19. Jahrhundert zurückgeführt und wird durch die kirchlichen Träger repräsentiert, die am Ende des 19. Jahrhunderts bzw. zum Anfang des 20. Jahrhunderts die westlichen Modelle des Schulpflichtsystems für alle Kinder ins Leben gerufen haben.

Parallel entwickelten sich nicht-kirchliche Bildungsorganisationen und Verbände, die sich mit solchen Themen wie Kinder- und Lehrerrechte, kinderzentrierte Pädagogik, Friedensbildung etc. beschäftigten. Diese Organisationen dienten laut K. Mundy und L. Murphy als Vorläufer für moderne nicht-staatliche Organisationen. (vgl. Mundy, S. 9ff)

Der Zweite Weltkrieg brachte zahlreiche Hilfs- und Entwicklungsorganisationen mit sich, die im humanitären Bereich arbeiteten und sich mit Katastrophenhilfe, Krankenversorgung, Hungerhilfe und Wiederaufbau der im Krieg zerstörten Bauten beschäftigten. Eine der größten transnationalen NGOs, deren Ursprung im Zweiten Weltkrieg liegt, ist Oxfam International, die im letzten Kapitel dieser Arbeit als wichtige grenzüberschreitend agierende NGO im Bildungsbereich analysiert wird.

Auch im Bildungsbereich fanden einige Veränderungen statt. Als größter Fortschritt kann die Gründung des International Institute for Intellectual Cooperation bezeichnet werden, die unter Druck von Nichtregierungsorganisationen und gegen den Willen der staatlichen Akteure erfolgte. Als zweite Errungenschaft gibt K. Mundy die Bildung des International Bureau of Education an. Diesen Organisationen ist es gelungen, das Zögern und die Unsicherheit der staatlichen Institutionen in Bildungsfragen zu überwinden und ihre eigenen Konzeptionen durchzusetzen, wie zum Beispiel im Jahr 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte das Recht zur freien Grundbildung einbezogen wurde. (vgl. ebd.)

Zur Nachkriegszeit blieben nicht-staatliche Akteure höchst fragmentiert und voneinander isoliert. Ihnen fehlte die Bereitschaft, miteinander und mit zwischenstaatlichen sowie staatlichen Organisationen zu kooperieren. Die Ursprünge dieser Isolation lagen zum Teil darin, dass die Interessen der damaligen NGOs im Bildungsbereich sehr weit zerstreut waren, weil einige sich auf die Sphäre der Hochschulbildung konzentrierten und andere wiederum ihren Schwerpunkt auf Grundschul- oder Mittelschulbildung legten oder auf spezielle Bildungsthemen wie Lehrerbildung oder Friedensbildung. Dies erklärt den Standpunkt der zwischenstaatlichen und staatlichen Organisationen, die Nichtregierungsorganisationen nicht als gleichberechtigte Partner im Bildungsbereich sehen konnten und sie folglich nicht daran teilhaben lassen wollten.

Zum anderen, so K. Mundy, gab es eine Vielzahl von kirchlichen NGOs, die überwiegend auf der nationalen Ebene agierten und sich auf Erwachsenen- oder Lesebildung fokussierten. Diese zwei Gruppen von nicht-staatlichen Organisationen fanden nur selten zueinander, um globale Bildungsprobleme auszudiskutieren. Sie entwickelten sich relativ isoliert voneinander. (vgl. ebd., S. 11)

Im Zeitraum von 1945 bis 1980 wurde die Kommunikation und Interaktion zwischen zwischenstaatlichen und nicht-staatlichen Bildungsorganisationen noch angespannter und fand kaum statt. Nicht-staatliche Akteure wurden mit harter Kritik seitens staatlicher und zwischenstaatlicher Organisationen konfrontiert und aus vielen Bildungskonzepten ausgeschlossen. Der kalte Krieg, so K. Mundy, verschärfte diese Situation und führte zur Minderung der Kontakte zu NGOs. Zwischenstaatliche Organisationen setzten auf staatliche Institutionen als essentielle Kooperationspartner. (vgl. ebd.) Dadurch wurde das Verhältnis zu nicht-staatlichen Akteuren formaler und oberflächlicher.

Die Nichtregierungsorganisationen waren gezwungen, die wenigen verbliebenen Lücken im Bildungsbereich zu suchen, unter anderem Lese- und Erwachsenenbildung. Die Aktivität in den Bildungssphären veranlasste zur Gründung des International Council of Adult Education (vgl. ebd., S. 11), um die entstandene Situation zu verändern und sich den Zugang auf die nationale und transnationale Bildungsarena zu sichern.

Im sozialen Kontext entwickelten sich die NGOs auch im Bereich der Bildung durch die Zusammenarbeit mit sozialen Bewegungen, wo sie Koordinationsfunktionen und Mobilisierungsleistungen übernahmen. Zum Beispiel spielten solche UmweltNGOs, wie Green Peace und Aktion Sühnezeichen, eine besondere Rolle bei der AntiAKW-Bewegung und bei der Ostermarschbewegung, wo sie infrastrukturelle Funktionen übernahmen. (vgl. Frantz, S. 51)

Der Zeitpunkt der 1990er Jahren wird oft als ein Zeitraum des verstärkten Auftretens von NGOs auf der internationalen politischen Bühne benannt. Hier spielte die Globalisierung und Industrialisierung eine wichtige Rolle sowie die stets forcierte technische Entwicklung. Solche kommunikationstechnischen Entwicklungen wie das Internet seit den 90er Jahren stärkten das Wachsturm und das Engagement von NGOs. Dazu trug auch die Vergünstigung des internationalen Reiseverkehrs bei.

Im sozialen Kontext der weiter wachsenden Bedeutung der NGOs in der globalen Gesellschaft führt L. Ilon weitere Gründe zur Erklärung dieses Phänomens an. Als Hauptgrund bezeichnet sie die zunehmende Rolle der Spendenorganisationen auf der politischen Weltbühne und ihr Vertrauen zu NGOs als zuverlässige und erfahrene Spendenverteiler. (vgl. Ilon, S. 18) Spendenorganisationen zeigen ein erhöhtes Interesse und Vertrauen zu den Aktivitäten der NGOs und sind bereit, sie finanziell als auch sozial zu unterstützen.

NGOs treten auf der Weltbühne als Akteure der Global Governance auf, was in der deutschen Literatur oft mit Weltgesellschaft übersetzt wird. Die Frankfurt- Darmstädter „Forschungsgruppe Weltgesellschaft“ sieht das Kennzeichen der Weltgesellschaft in der „Ausdifferenzierung von Akteuren und Handlungsebenen. Territorial und funktional differenzierte Räume durchdringen sich, zwischenstaatliche (internationale) und transstaatliche Interaktionsmuster vermischen sich“. (Brock/Albert, S. 276)2 Nach J. Schade bedeutet Zivilgesellschaft ein Verhältnis zwischen Staat und Gesellschaft einschließlich der Kennzeichnung dieser beiden Pole. (vgl. Schade, S. 8) Global Governance wird als eine Reaktion auf die sich immer wandelnde und stets komplexer werdende Weltpolitik verstanden. Auf der globalen Ebene erscheinen immer mehr Akteure mit unterschiedlichen Zielen und Vorstellungen zum Erreichen der Ziele. Diese agieren in ganz unterschiedlichen Bereichen und vertreten verschiedene Interessen auf mehreren Ebenen, von lokalen bis transnationalen. Mit diesem Phänomen ist ein enormer Zuwachs der internationalen Verhandlungen in verschiedenen politischen Bereichen verbunden, die wiederum die Anzahl der Probleme erhöhen, die nicht mehr von einzelnen Staaten bewältigt werden können und folglich durch internationale Vereinbarungen ausgehandelt werden müssen.

In diesem Zusammenhang finden Nichtregierungsorganisationen immer weiter Verbreitung. Ihr Erscheinen ist dabei mit hohen Erwartungen verbunden. Sie treten als die Kraft auf, die unterschiedliche Zielsetzungen und Vorstellungen durch ihren wachsenden Einfluss auf die nationale und internationale Politik auf einen gemeinsamen Nenner bringen kann und für Kompromisslösungen sorgen kann. Die Verbreitung von Nichtregierungsorganisationen ist offensichtlich ein Zeichen für ihren wachsenden Stellenwert und ihren Nutzen in der modernen Gesellschaft. Dem schließt sich C. Frantz an, indem sie die NGOs in der modernen Welt als „unverzichtbarer Teil der global governance, […die] meist effizienter und effektiver als herkömmliche Akteure agieren“ (Frantz, S. 121), beschreibt. Ihre Handlungspositionen haben sich seit den 1990er um ein Vielfaches verbessert, insbesondere die internationalen bzw. transnationalen NGOs, die eng mit der UNO und mit der EU zusammenarbeiten.

Als ein weiterer Grund für die Expansion der NGOs in den 1990erJahren nennt S. Klees die Privatisierung und Einschränkung der Macht des Staates. Er sieht die Nichtregierungsorganisationen als Akteure, die über die Ressourcen und Mittel verfügen, die eine Gegenwirkung zur staatlichen Gewalt ausüben können. (vgl. Klees 2008, S.22ff)

Aus diesem Grund expandierten die Anzahl und das Einflussvermögen von Nichtregierungsorganisationen im Bildungsbereich schlagartig. Die neu entstandene Zivilgesellschaft setzt die für alle ihre Mitglieder frei zugängliche Bildung voraus. Dies wird vor allem für viele Länder des Südens relevant, die die 1980er Jahre als eine verlorene Dekade bezeichnen können. Jedoch werden ab Mitte der 1980er immer mehr Diskussionen bezüglich Privatisierung, politische Ökonomie, Dezentralisierung, Kostendeckung und Effizienz geführt, die auch für Entwicklungsländer eine Chance auf eine qualitativ hochwertige Grundbildung eröffnen. In diesen Jahren wurde Bildung langsam als interessantes und vielversprechendes Feld angesehen, was viel Potenzial für internationale Akteure, wie unter anderen transnationale NGOs, enthält.

In den letzten Jahrzehnten wird de folgender Zuwachs von NGOs beobachtet: 1909 zählte die Union of International Associations (UIA) 176 NGOs, die international tätig waren, bis zum Ende der 1930er stieg die Anzahl auf 581 an und zum Anfang der 1990er waren es bereits 4646 und 2004 sogar 7261 NGOs. (vgl. Frantz, S. 83) Es gibt einige Bereiche, wo NGOs sich besonders etablieren konnten. Dazu gehören die Sphären der Menschensrechts- und Umweltpolitik. Der Bildungsbereich wurde erst in den letzten Jahren intensiv aufgegriffen und als vielversprechend für NGOs angesehen.

Angesichts ihrer geschichtlichen Entstehung können Nichtregierungs- organisationen als eine zweifellos progressive Entwicklungskraft bezeichnet werden, worauf im nächsten Unterkapitel genauer eingegangen wird. Sie bewegen einzelne Personen, Personengruppen und die gesamte Menschheit, sich Menschenrechtsverletzungen entgegenzustellen, entgegenzuwirken, sich dagegen zu wehren und die Situation zum Positiven zu verändern.

2.3. Formen und Klassifikationen der Nichtregierungsorganisationen

Die ganze Bandbreite der NGOs wird unterschiedlich dargestellt, charakterisiert und systematisiert aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen der Autoren auf ihre Funktionen und Aktivitäten. Es fehlt jedoch eine einheitliche Klassifikation, die die Vielfalt der NGOs kontinuierlich kategorisieren kann. Dies ist damit verbunden, dass NGOs mehrere Aufgaben und Funktionen gleichzeitig übernehmen und sich im Laufe der Globalisierung ständig weiterentwickeln.

Es wird eine Klassifikation auf der Ebene der Zusammenarbeit angeboten, die lokale (LNGO), nationale (NNGO) und internationale (INGO) bzw. transnationale Nichtregierungsorganisationen einschließt. Das grundlegende Prinzip ist die Handlungsebene der jeweiligen Nichtregierungsorganisation. Der Begriff der internationalen NGOs ist nicht eindeutig in der Literatur definiert, worauf im zweiten Kapitel genauer eingegangen wird.

Weiterhin werden einige Versuche unternommen, die NGOs nach der Art ihrer Finanzierung zu klassifizieren. Definitionsgemäß sind Nichtregierungsorganisationen vom Staat finanziell unabhängig. Jedoch lassen sich NGOs finden, die vom Staat finanziert werden und somit von einigen Autoren (Frantz S. 43, Hirsch, S. 2) NGO- Abweichler genannt werden. Diese werden in zwei Typen unterteilt. QUANGOs (quasi- NGOs) sind die Organisationen, die neben Privatpersonen oder Gruppen auch staatliche Mitglieder zulassen und größtenteils aus öffentlichen Mitteln finanziert werden. Diese gewähren die Möglichkeit des staatlichen Einflusses auf die Handlung solcher NGOs und geben Anlass, diese Organisationen von der puren NGO-Definition auszuschließen. (vgl. Frantz, S. 44)

Eine andere Art der Nichtregierungsorganisationen GONGOs (Goverment Organised NGOs) ist sogar aufgrund staatlicher Initiative entstanden und wird zum größten Teil vom Staat finanziert. (vgl. ebd.) Die NGO-Abweichler werden aus dem Thema dieser Arbeit ausgeschlossen, weil sie im Interesse des Staates agieren, der staatlichen Autorität unterstellt sind und somit generell nicht als NGOs betrachtet werden.

S. Klees bietet eine andere Klassifikation der Nichtregierungsorganisationen nach dem Typ der Finanzierung an. (vgl. Klees 2008, S. 23) Er unterscheidet solche Typen von NGOs wie DONGOs (donor-organized NGOs), die mit Spenden aus unterschiedlichen Spendeninstitutionen unterstützt werden, BINGOs (business and industry associated NGOs), ANGOs (advocacy NGOs), die sich hauptsächlich mit sozialen Angelegenheiten der Benachteiligten beschäftigen, und PINGOs (public interest NGO), die sich mit dem Gesundheitswesen und mit dem Umweltschutz auseinandersetzen.3

In dem Aufsatz „NGOs: Progressive Force or Neo-Liberal Tool?” bildet S. Klees noch weitere Typen der NGOs heraus, wie zum Beispiel NGOs des Südens und des Nordens, kommunalverwaltende Organisationen und religiöse Organisationen, Basisorganisationen und Volksorganisationen und sogar progressive vs. neoliberalistische. (vgl. Klees 2002, S. 49)

N. Stromquist führt eine Klassifikation der NGOs nach drei Haupttypen ein:

„recreational organisations“ (the American Fuchsia Society) bzw.

Freizeitorganisationen, „relief organisations“ (CARE, World Vision) bzw. humanitären Organisationen und „transformational NGOs“. (vgl. Stromquist, S. 41) Die letzten stellen die Nichtregierungsorganisationen dar, die für die Herstellung der demokratischen Gesellschaft, soziale Gerechtigkeit und für eine bessere Welt im Allgemeinen kämpfen. Diese Klassifizierung ermöglicht eine präzisere Beschreibung der NGO-Typen anhand ihres Tätigkeitsfeldes, in dem sie überwiegend agieren.

Eine weitere Klassifikation der Nichtregierungsorganisationen wird nach der Art der Koordination innerhalb der jeweiligen NGO unternommen. Somit werden alle NGOs als zentralistisch oder föderativ bezeichnet.

Föderative Organisationen erfüllen die Funktion der Koordination von unterschiedlichen nationalen Organisationen auf der internationalen Ebene. Nach C. Frantz haben diese nationalen Organisationen in der Regel ähnliche Ziele und können mit Hilfe von föderativen NGOs ihre Anliegen besser vertreten und sich in verschiedenen Zweigen austauschen. (vgl. Frantz, S. 46f) Das Kernmerkmal solcher Organisationen ist ihre dezentralisierte Struktur, die mit der Vielfalt der nationalen Mitglieder verbunden ist. Relevante Entscheidungen werden überwiegend auf der nationalen Ebene getroffen und des Weiteren unter Berücksichtigung der internationalen Formalitäten weitergeleitet. Das Hauptanliegen der föderativen NGOs ist die Koordination einzelner Mitgliedsorganisationen, die dem Erreichen der gemeinsamen Ziele dient.

[...]


1 In: http://www.flegel-g.de/UN-Charta.html#a71 Stand 30.04.2011

2 In: http://www.zib.nomos.de/fileadmin/zib/doc/ZIB_2_1995.pdf. Stand 30.04.2011

3 In:http://ecowastecoalition.blogspot.com/2010/02/public-interest-ngo-representative.html Stand 19.05.2011

Details

Seiten
79
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656249399
ISBN (Buch)
9783656253068
Dateigröße
2 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198613
Institution / Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
2.3
Schlagworte
NGO NRO transnational international nichtregierungsorganisation Bildungsarbeit Bildungspolitik Oxfam

Autor

  • Olga Kruglova (Autor)

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Titel: Die Rolle von transnationalen NGOs in der internationalen Bildungsarbeit und Bildungspolitik