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Humes Darstellung der Induktion

Seminararbeit 2011 11 Seiten

Philosophie - Theoretische (Erkenntnis, Wissenschaft, Logik, Sprache)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2.1 Darstellung des Problems nach Hume
2.2 Kommentar zum Problem

3.1 Kritik und Reflexionen
3.2 Eigene Reflexionen und Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Alltag würde man nie auf die Idee kommen, ernsthaft daran zu zweifeln, dass am nächsten Tag die Sonne aufgeht. Aber genau das ist die Grundlage für das Induktionsproblem. Selbstverständlich geht es dabei nicht explizit um den Sonnenaufgang, sondern im übertragenen Sine darum, was wir wissen können und was die Quellen unseres Wissens sind. Das Induktionsproblem ist also ein Problem der Erkenntnistheorie.

David Hume hat selber nie von einem ‚Induktionsproblem’ gesprochen und auch den Begriff der ‚Induktion’ nur selten benutzt. In der „Untersuchung über den menschlichen Verstand“[1] taucht der Begriff ‚Induktion’ ebenfalls nicht auf. Dennoch ist Humes Abhandlung in der „Untersuchung“ die Basis für die Diskussion um das Induktionsproblem.

In der Philosophie bedeutet Induktion das Schließen von beobachteten Ereignissen auf nicht – beobachtete Sachverhalte. Ein Beispiel dafür ist, da bisher immer die Sonne aufgegangen ist, darauf zu schließen, dass sie auch morgen aufgehen wird. Bei einem Induktionsschluss folgt die Konklusion also mit einer hohen Wahrscheinlichkeit aus den Prämissen, jedoch nicht zwangsläufig und darin liegt das Problem. Man schließt von etwas Allgemeinem auf etwas Besonderes. Induktive Argumente erweitern den Gehalt der Prämissen und sie besitzen keinen Notwendigkeitscharakter. Man kann sich genauso gut vorstellen, dass morgen nicht die Sonne aufgeht; das einzige, was uns davon abhält das zu glauben ist, dass dieser Fall bisher noch nie eingetroffen ist. Bei deduktiven Argumenten liegt die Wahrheit bereits in den Sätzen. Ein Beispiel ist die Mathematik. ‚1+1 ist immer gleich 2’. Wenn ich ‚1+1’ sage, steckt bereits die Antwort ‚2’ im Satz. Dies ist also ein deduktiver Satz, ebenso wie die Behauptung: ‚Junggesellen sind unverheiratete Männer.’ Die Eigenschaft unverheiratet zu sein, ist bereits im Begriff ‚Junggeselle’ enthalten. Die Probleme tauchen also bei der Induktion auf. Das Risiko besteht nun darin, keine vollständige Klarheit über die kausalen Zusammenhänge und Hintergründe zu besitzen. Selbstverständlich scheint es zunächst absurd zu sein, ernsthaft anzuzweifeln, dass am nächsten Tag die Sonne aufgeht. Allerdings ist das auch nicht das Ziel der Skepsis an induktiven Schlüssen. Es soll lediglich hinterfragt werden, ob wir wirklich die gesamten Prozesse überschauen können.

Ziel der Arbeit ist es, einen Überblick über die Diskussion auf der Basis David Humes „Untersuchung“ zu verschaffen und schließlich eine alternative Betrachtung des Problems darzulegen.

2.1 Darstellung des Problems nach Hume

Hume legt in seiner „Untersuchung über den menschlichen Verstand“ den Ausgangspunkt für die Diskussion fest. Er untersucht skeptisch Methoden zur Rechtfertigung von Erkenntnis – und Wissensquellen. Im dritten Abschnitt behandelt er das „Prinzip der Verknüpfung verschiedener Gedanken oder Vorstellungen des Geistes“.[2] Gemeint sind geistige Zusammenhänge, die anscheinend zwangsläufig im Kopf entstehen, wenn man an bestimmte Sachverhalte und Ereignisse denkt, oder sie erlebt. Diese Zusammenhänge zeigen sich zum Beispiel während eines Gespräches, wenn ein bestimmter Gedankenfluss entsteht, der anhand von Vorstellungen und Ähnlichem immer weiter geführt werden kann. Die Fähigkeit, einen solchen Gedankenfluss fortzuführen, besitzen wir laut Hume deshalb, weil Vorstellungen miteinander verknüpft sind und die Art dieser Verknüpfung unterteilt er in drei Faktoren: Die Ähnlichkeit, die raum-zeitliche Berührung und das Prinzip der Ursache und Wirkung.[3] Das Prinzip der ‚Ähnlichkeit’ taucht dann auf, wenn beispielsweise ein Porträt betrachtet wird. Man erkennt, dass es ein Original gibt, da eine auffällige Ähnlichkeit besteht. Die raum-zeitliche Berührung wird erkennbar, wenn beispielsweise bei einem Gespräch über Grimmelshausen der Gedankenfluss zum dreißigjährigen Krieg geleitet wird, da eine Verknüpfung durch die Epoche besteht. Zur Ursache und Wirkung ist zu sagen, dass Hume in seiner „Untersuchung“ auf dieses Prinzip noch einmal gesondert eingeht, jedoch nimmt es im dritten Abschnitt eine untergeordnete Rolle ein und dient der Kennzeichnung der Vorstellungsverknüpfungen. In diesem Zusammenhang wird eine Vorstellungsverknüpfung durch das Prinzip der Ursache und Wirkung beeinflusst, wenn beim Betrachten eines beeindruckenden Bauwerks automatisch der Gedanke an die damit verbundene Arbeit und Mühe beim Bau mitschwingt. Vorstellungsverknüpfungen sind nun insofern relevant für das Induktionsproblem, da sie bereits Kennzeichen induktiven Denkens sind. Alle drei von Hume aufgeführten Prinzipien funktionieren nur, da wir einen bestehenden Sachverhalt sehen oder denken und von diesem ausgehend versuchen, unsere Erkenntnis zu erweitern, indem wir ohne eine absolute Kenntnis der Zusammenhänge etwas erschließen.

Hume geht weiterhin auf den Unterschied zwischen Vorstellungsbeziehungen und Tatsachen[4] ein, wobei hier das Induktionsproblem deutlich wird. Der Unterschied zwischen den beiden Bergriffen liegt in der Erkenntnisgewinnung. Vorstellungsbeziehungen verbindet Hume mit rein logischen Disziplinen, wie der Mathematik. Sie bezieht die Erkenntnis aus der Denktätigkeit und ist rein abstrakt. Selbst wenn es keine Pendants und keine praktische Anwendung für mathematische Formeln, Gleichungen und Herleitungen in der Natur gäbe, würden daraus dennoch keine Konsequenzen für diese Wissenschaft resultieren. Auch wenn Hume in seiner „Untersuchung“ weder den Begriff der Deduktivität, noch der Induktivität verwendet hat, lässt sich trotzdem das Prinzip der Vorstellungsverknüpfung mit der Deduktivität verbinden. Ebenso ist Humes Erklärung der Tatsachen kennzeichnend für ein induktives Verfahren. Entscheidend ist hierbei, dass es unmöglich ist anzunehmen, 2+2 könnte ungleich 4 sein, jedoch kann man widerspruchslos behaupten, dass die Sonne morgen nicht aufgeht. Die Wahrheit stellt sich erst am nächsten Tag heraus und auch dann kann ich wieder behaupten, dass am darauf folgenden Tag die Sonne nicht aufgeht. Das Gegenteil einer Tatsache ist möglich, nur bisher noch nicht eingetroffen oder beobachtet worden.

Hume geht auf das Prinzip von Ursache und Wirkung im Besonderen ein.[5] Dieses Prinzip ist nach Hume die Basis für Tatsachen. Dabei liegt eine Verknüpfung zwischen Beobachtetem und daraus Erschlossenem vor. Offensichtlich beginnen wir, wenn wir etwas beobachten, über den Hergang nachzudenken und dabei stoßen wir unausweichlich auf das Prinzip der Ursache und Wirkung. „Zergliedern wir alle anderen Gedankengänge dieser Art, werden wir sehen dass sie sich auf die Beziehung von Ursache und Wirkung gründen und dass diese Beziehung eine nahe oder entfernte, direkte, oder indirekte ist.“[6] Hume schrieb diesem Prinzip eine besondere Bedeutung zu. Tatsächlich ist das Ursache-Wirkung Prinzip in allen Gedanken und Aussagen, die sich mit Erkenntnis beschäftigen, präsent. Es erscheint unmöglich, eine neue Erkenntnis zu gewinnen, ohne dabei von dem Ursache-Wirkung Prinzip gebrauch zu machen. Wenn ein bestimmter Sachverhalt festgestellt wird und auf einen anderen geschlossen werden soll, der in diesem Moment nicht beobachtbar ist, dann kann dies nur mithilfe dieses Prinzips geschehen. Beispielsweise sehe ich, dass das Fernsehgerät ausgeschaltet ist und dass eine Fernbedienung davor liegt. Wenn ich erreichen will, dass das Gerät eingeschaltet ist, muss ich von der Wirkung, dass ich die Fernbedienung benutze, darauf schließen, dass das Gerät eingeschaltet wird. Dabei ist es für Hume wichtig anzumerken, dass dieses Handeln auf der Grundlage von Ursache-Wirkung Prinzipien nur möglich ist, wenn wir uns auf die Erfahrung stützen. Die Erkenntnis, in diesem Fall die Erkenntnis, dass das Fernsehgerät eingeschaltet wird, wird somit nicht a priori[7] gewonnen. Sie ist nicht bereits im Beobachteten enthalten. Dass das Fernsehgerät auf die Fernbedienung reagiert, lerne ich also nicht daraus, dass etwa das ‚eingeschaltete Gerät’ bereits in der Fernbedienung enthalten ist, sondern daraus, dass ich es ausprobiere und anhand der sich wiederholenden Erfahrung daraus schließe, dass ein kausaler Zusammenhang zwischen Fernbedienung und Fernsehgerät besteht. Hume stellt damit eine für das Induktionsproblem entscheidende Behauptung auf. Er behauptet, „dass Ursachen und Wirkungen nicht durch Vernunft, sondern durch Erfahrung zu entdecken sind…“[8] Die Verwendung des Prinzips von Ursache und Wirkung ist also keine rationale und vernünftige, sondern eine instinktive. So vergleicht Hume schließlich das Überblicken von Ursache und Wirkung beim Mensche mit dem Tier. „Es steht fest, dass die unwissendsten und dümmsten Bauern – ja selbst Kinder und sogar unvernünftige Tiere – sich durch Erfahrung vervollkommnen und die Eigenschaften der Dinge der Natur kennen lernen…“[9] Im übertragenen Sinne bedeutet das, dass induktives Schließen, beziehungsweise die Verwendung des Ursache-Wirkung Prinzips, ein natürlicher Prozess ist und kein Prozess des reinen Verstandes. Hume vergleicht es auch mit „natürlichen Instinkten.“[10] Das Induktionsproblem knüpft nun an diese anscheinende Schwäche des menschlichen Verstandes an. „Das vollkommenste Wissen um die Natur schiebt unsere Unwissenheit nur etwas hinaus; wie vielleicht die vollkommenste Philosophie des Geistes nur dazu gut ist, weitere Bereiche unserer Unwissenheit aufzudecken.“[11] Selbst ein vollständiger Überblick über die Naturgesetzte könnte nicht garantieren, dass wir den letzten Grund und die letzte Ursache durchschauen. Das Induktionsproblem liegt also darin, dass wir uns nie wirklich sicher sein können, einen Kausalzusammenhang durchschaut und den ersten Auslöser erkannt zu haben. Es ist immer nur eine Herleitung bis zu einem bestimmten Punkt möglich, aber es ist nicht möglich festzulegen, wie weit die Ursache zurückverfolgt werden kann und nicht sogar kausale Schritte dazwischen übersehen wurden.

Hume verknüpft seinen Begriff der Erfahrung mit dem Begriff der Gewohnheit.[12] Demnach veranlasst uns die Wiederholung bestimmter Ereignisse dazu, auf Ursache und Wirkung zu schließen. Dadurch, dass sich bestimmte Erfahrungen wiederholen, glauben wir eine Regelmäßigkeit zu erkennen und schließen so auf die Zukunft. Die Gewohnheit lässt den Geist glauben, dass es Zusammenhänge gibt, zwischen Ursache und Wirkung. Im gleichen Zusammenhang kann der Begriff der Wahrscheinlichkeit betrachtet werden. Aus der Gewohnheit, also der Häufigkeit bestimmter Ereignisse, leiten wir eine gewisse Wahrscheinlichkeit ab, die jedoch ebenfalls der Unsicherheit unterliegt.[13] Hume verdeutlicht, dass beim schließen von Beobachtetem durch Gewohnheit und Wahrscheinlichkeit in der Gegenwart auf mögliche Ereignisse in der Zukunft eine stete Unsicherheit besteht.

[...]


[1] David Hume: Eine Untersuchung über den menschlichen Verstand. Stuttgart: Reclam (= Reclams Universal-Bibliothek 5489). Im Folgenden zitiert als Hume.

[2] Hume S.38

[3] Vgl. Hume S.39.

[4] Vgl. Hume S.41

[5] Vgl. Hume S.42ff.

[6] Hume S.43.

[7] Vgl. Hume S.43.

[8] Hume S.44.

[9] Hume S.58.

[10] Hume S.67.

[11] Hume S. 48.

[12] Vgl. Hume S.62ff.

[13] Vgl. Hume S.81.

Details

Seiten
11
Jahr
2011
ISBN (eBook)
9783656248767
ISBN (Buch)
9783656252863
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198575
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
Note
1,7
Schlagworte
Hume Induktion Erkenntnistheorie

Autor

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Titel: Humes Darstellung der Induktion