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Unterrichtsentwurf zur Einführung des Standstoßes beim Kugelstoßen

Unterrichtsentwurf 2010 14 Seiten

Gesundheit - Sport - Sportarten: Theorie und Praxis

Leseprobe

0. Individuelle Kompetenzentwicklung der Lehrenden

- Akzentuierung methodische Organisation

1. Das Thema des Lehr- und Lernprozesses

1.1 Hinführung Kugelstoßen - Standstoß

1.2 Die Einbettung der Stunde in die Unterrichtssequenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2. Allgemeine und spezielle Voraussetzungen der Lerngruppe und schulspezifische Gegebenheiten

Die Bertolt-Brecht-Oberschule ist eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe, an der alle Schulabschlüsse erworben werden können. Die Schule verfügt über zwei übereinanderliegende Sporthallen. Die materielle Ausstattung für den Fachbereich Sport ist exzellent. Der Sportunterricht wird in Doppel- als auch Einzelstunden unterrichtet.

Die von mir unterrichtete Sportklasse der 09. Jahrgangsstufe, bestehend aus Schülern zweier zusammengezogener Kerngruppen (9.11 und 9.12), umfasst eine Gesamtschüleranzahl von insgesamt 32 S.

Die Unterrichtsgruppe weist ein eklatantes und signifikantes Leistungsungleichgewicht bzw. Leistungsgefälle auf. Vergleicht man die motorischen, motorisch-kognitiven, koordinativen, konditionellen und technischen Leistungsvoraussetzungen der einzelnen S untereinander, so lassen sich erhebliche Defizite konstatieren. In Bezug auf das Leistungspotenzial der Klasse kann man daher von einer äußerst heterogen zusammengestellten Sportklasse ausgehen. Leistungsstärkere S sind hinsichtlich ihres koordinativ-sportmotorischen Leistungsstandes gut bis sehr gut entwickelt und zeigen fundierte technisch-versierte Ausprägungen in den von mir beobachteten Übungs- und Spielformen. Die leistungsschwächeren S weisen hingegen eine mangelnde sportmotorische und technische Grundlagenausbildung auf. In den von mir erhobenen Leistungsfeststellungen ließ sich eruieren, dass grundlegende Fertigkeiten nur rudimentär vorhanden sind und somit eine Leistungsdifferenzierung in den einzelnen Aufgabenstellungen unbedingt vonnöten waren. Auf eine leistungsgerechte Differenzierung wurde besonders in dieser heterogenen Sportklasse Wert gelegt.

Auch wenn die Lerngruppe aus zwei verschiedenen Kerngruppen besteht, gehen die S untereinander sehr vertraut und freundschaftlich um. Meiner Beobachtung nach wird kein Schüler ausgegrenzt oder in irgendeiner Weise argwöhnisch betrachtet. Die Sozialstruktur im Klassenverband ist als durchaus behaglich einzuordnen. Wie bereits evoziert, lässt sich im Bereich des Arbeitsklimas und der Lernatmosphäre ein positives Bild zeichnen.

Die Sportklasse unterrichte ich insgesamt drei Stunden pro Woche, wobei ich eine Doppelstunde und eine Einzelstunde zur Verfügung habe ( Mo. 6./7 Std.; Di. 2. Std.). Zur Realisierung des Unterrichtsbetriebs steht mir 1/3 der oberen Turnhalle zur Verfügung.

3. Die Konkretisierung der Standards für die geplanten Lehr- und Lernprozesse

3.1 Der Schwerpunkt der Kompetenzbereiche

- Mit Sprache, Wissen und Können situationsangemessen umgehen, insbesondere sportmotorische Fertigkeiten und Fähigkeiten sowie sportliches Können verbessern, Bewegungserfahrungen weiterentwickeln, sportartspezifische Fachsprache anwenden und mit Sportgeräten und Materialien sachgerecht umgehen.[1]
- Ferner: Selbstständig handeln, insbesondere Informationen von Bewegungsvorbildern, Bildvorlagen, Zeichnungen und Bewegungsbeschreibungen in Bewegungshandeln umsetzen, Bewegungsabläufe beobachten und Fehlerkorrekturen durchführen.[2]

3.2 Abschlussstandards

3.2.1 Themenfeldbezogene Standards „Laufen, Springen, Werfen“

Anforderungen:

Die S kennen funktionale Bewegungsausführungen zum Stoßen und setzen diese angemessen

zur Verbesserung ihrer Stoßleistungen ein, haben Kenntnisse über die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen und wenden diese an, wenden Regeln und Wettkampfvorschriften an und variieren sie.[3]

Inhalte:

Die S …

- werfen und stoßen mit verschiedenen Geräten
- nehmen unterschiedliche Ausgangslagen ein, stoßen ein- und beidhändig
- beim Kugelstoß stoßen die S aus verschiedenen Ausgangsstellungen[4]

3.2.2 Abschlussstandards der Unterrichtssequenz

- siehe 3.2.1

3.3.3 Abschlussstandards der Stunde (niedriges, mittleres, hohes Niveau - nN, mN, hN)

Die Schüler

- Motorisch:
- nN: … zeigen einige Merkmale der Technikausführung des Standstoßes
- mN: … zeigen großteils viele Merkmale der Technikausführung des Standstoßes in einer noch „nicht flüssigen“ Bewegung
- hN: …zeigen den Standstoß in einer flüssigen Gesamtbewegung und demonstrieren dabei bis auf wenige Ausnahmen alle Merkmale der Technikausführung
- Kognitiv:
- nN: … kennen die wesentlichsten Merkmale der Technikausführung des Standstoßes.
- mN: …kennen die wesentlichsten Merkmale der Technikausführung des Standstoßes und können sie nennen und einer Bildreihe zuordnen.
- hN: …analysieren die technische Ausführung eines Schülers und geben ihm eine Bewegungsrückmeldung.
- Sozial-affektiv:
- ­nN/mN: …verhalten sich unterstützend untereinander
- hN: … verhalten sich untereinander unterstützend und helfen leistungsschwächere Schüler während des Übungsprozesses

4. Der fachlich-inhaltliche Schwerpunkt

4.1 Sachanalyse

Das Kugelstoßen ist eine klassische und zugleich umstrittene Disziplin der Schulleichtathletik. Probleme ergeben sich durch eine Überforderung mit Technikmerkmalen, durch die Benachteiligung vor allem körperlich schwächerer und kleinerer S, durch mangelnden Bewegungsreichtum und durch zwingende Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen. Durch Modifizierung bzw. Vereinfachung von Technikanforderungen soll diese typische leichtathletische Bewegung auch für S, die keine guten Voraussetzungen für das Kugelstoßen haben, erlebbar gemacht werden.[5]

Beim Kugelstoßen lassen sich verschiedene Techniken unterscheiden, wobei die Drehstoßtechnik infolge der hohen koordinativen Anforderung als nicht schülergerecht gilt und der Rückenstoßtechnik (O’Brien-Technik) die Technik des Standstoßes bzw. Stoßen aus der Schrittstellung voranstehen sollte. Es gilt weiterhin anzumerken, dass bei Stößen aus dem Stand wesentliche Technikmerkmale fasslicher vermittelt werden können.

Folgende Technikmerkmale der Stoßauslage sollten beachtet werden (diese wie nachfolgende Beschreibung bezieht sich auf einen Rechtsstoßer):

- Die linke Körperseite zeigt mit leichter Grätschstellung in Stoßrichtung.

- Eine Verwringung zwischen Schulter- und Beckenachse sollte erreicht werden.
- Die Schulterachse weicht etwas von der Stoßrichtung ab. Eine erkennbare Verwringung muss vorhanden sein, nur so wird ein einigermaßen günstiger Krafteinsatz möglich.
- Der linke Arm unterstützt die Verwringung. Er ist angehoben, gebeugt und der Unterarm zeigt gegen die Stoßrichtung.
- Der Oberkörper ist nur wenig abgebeugt. Oberkörper und Gewicht befinden sich über dem rechten, leicht gebeugten Bein.
- Der Ellenbogen des Stoßarmes ist etwas angehoben, um einen Wurf (d.h. Ausholbewegung) zu verhindern.
- die Fingerspitzen des zu stoßenden Geräts zeigen zum Hals
- das zu stoßende Gerät befindet sich nah am Körper (Hals)[6]

Folgende Technikmerkmale der Stoßauslage und des Abstoßes sollten beachtet werden:

- Die Stoßauslage wird wie oben beschrieben eingenommen.
- Über eine Dreh-Streck-Bewegung erfolgt das Aufrichten und Drehen des Rumpfes in die Stoßrichtung
- Soll der Bewegungsablauf dynamischer gestaltet werden, muss sowohl die Einnahme der Stoßauslage als auch die Einleitung der Stoßbewegung fließend und ohne sichtbare Pause erfolgen.
- Aus der Grundstellung, die linke Körperseite zeigt in Stoßrichtung, erfolgt ein Schritt rechts seitwärts entgegen der Stoßrichtung in die bereits beschriebene Stoßauslage .
- Für die kurzzeitige Stoßbewegung ist jeweils nur ein Hinweis sinnvoll. Im Abstoß "groß werden" oder "Drehen und Strecken". Hiermit verbunden ist allerdings der Nachteil, dass der Ellenbogen des Stoßarmes tief gehalten wird. Ein deutliches Abbeugen des Oberkörpers im Abstoß kann teilweise vermieden werden, wenn in der Endphase des Abstoßes der linke Arm in die Hochhalte geführt wird. Die Kontrolle dieser Armhaltung ist auch dem Schüler zugänglich.[7]
- Bei allen Ausführungen ist die Streckreihenfolge Beine – Hüfte – Rumpf – Arm unbedingt zu beachten und einzuhalten.[8]

[Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten][9]

5. Die Begründung der Lehr- und Lernstruktur: Didaktische und methodische Überlegungen

Der Schwerpunkt der Lehrstunde liegt auf der Hinführung und der Erlernung des Standstoßes mit Kugeln unterschiedlichen Gewichts; zu stoßen in einem möglichst optimalen Abstoßwinkel. Bei der Vermittlung von neuen Bewegungsinhalten erachte ich es als sinnvoll, möglichst viele „Eingangskanäle“ (Bildreihen, Schülererklärungen, Wortkarten) zu nutzen. So lernen die Schüler verschiedene Herangehensweisen kennen, welche sie anschließend selbst ausprobieren und somit Bewegungserfahrungen sammeln können. Die Vorgehensweise dieser Stunde ist kenntlich gemacht von der lernpsychologischen Erkenntnis, dass „Erfahren“ und „Begreifen“ immer vor der Kognition der Inhalte steht, die Kognition ganzheitlich erst ermöglicht. Die S werden auf Grund dessen nach dem orientierenden Stundeneinstieg ein stundenspezifisches Erwärmen absolvieren. Hierbei soll die in den nachfolgenden Übungen beteiligte Muskulatur erwärmt, gedehnt und perspektivisch gekräftigt werden.

Die nachfolgende erste Übung mit den Medizinbällen soll dem S vermitteln, dass es geeigneter ist, den Medizinball (demnach auch das Stoßen von schwereren Geräten) zu stoßen und nicht zu werfen. Um den Medizinball zu ihrem jeweiligen Partner zu befördern, müssen die S eine Ganzkörperbewegung initiieren, um möglichst effektiv stoßen zu können. Vorab jeder Einzelübung mit den Medizinbällen wird die Übung erklärt, demonstriert und auf wichtige Details hingewiesen.

In der sich anschließenden Präsentation des Technikleitbildes anhand eines Plakates, respektive einer Bildreihe, soll den S die einzelnen Phasen des Standstoßes erläutert und auf die wichtigsten Bewegungsausführungen verwiesen werden. Eine Demonstration der Bewegungsausführung durch mich, soll, wie eingangs betont, den S die Möglichkeit geben, möglichst viele Lernkanäle geboten zu bekommen. Nach der Beschreibung der relevanten Technikmerkmale schließen sich die obligatorischen Sicherheitshinweise an, auf die ich akzentuiert eingehen möchte. Nun erfolgt die Übungsphase mit den Kugeln an den insg. vier Stationen. An jeder Station wird eine 5-Kg-Wettkampfkugel den S zur Erprobung zur Verfügung stehen. Aufgrund des beschränkten Materials stehen des Weiteren drei der vier Stationen eine 4-Kg Kugel sowie der letzten Station eine 3-Kg Kugel bereit. Da es noch eine weitere 3-Kg Kugel gibt, werde ich einer Station sogar eine dreifache Auswahl an Kugeln bereitstellen. Jede Gruppe stößt zweimal hintereinander (auf Pfiff jeweils zwei S pro Durchgang). Erst nach einem Doppelpfiff nach dem zweiten Stoß ist es den S erlaubt, die gestoßenen Kugeln einzusammeln und ihren Gruppenpartner zu übergeben. Nach Vollendung dieser ersten Einübungsphase lasse ich die S in einem Theaterhalbkreis sammeln und reflektiere mit ihnen gemeinsam über ihre gemachten Bewegungserfahrungen. Nach der Reflexionsphase lasse ich das Zauberband von evtl. verletzten S spannen und erkläre die sich anschließende Übung. Hierbei sollen die S erfahren, dass das Stoßen von großen Weiten beim Kugelstoßen auf die Technikausführung, nebst des optimalen Abstoßwinkels basiert. Die gespannte Zauberschnur soll den S als Orientierung dienen, den optimalen Abstoßwinkel zu finden. Das ausgelegte Tau soll den S im Übrigen zur räumlichen Orientierung dienen und als „Ringmarkierung“ fungieren. Nach einer intensiven Übungsphase erfolgt das gemeinsame Abbauen, eine finale Reflexion sowie der Ausblick für die kommende Unterrichtsstunden.

[...]


[1] RLP Sport, SEK 1, S. 12.

[2] RLP Sport, SEK 1, S. 11.

[3] RLP Sport, SEK 1, S. 18.

[4] Ebda., S. 19.

[5] Vgl. Zeuner, Arne (Hrsg.): Sportiv. Leichtathletik, Leipzig 2008, S. 97.

[6] Vgl. Zeuner, Arne (Hrsg.): Sportiv. Leichtathletik, Leipzig 2008, S. 100.

[7] Vgl. Zeuner, Arne (Hrsg.): Sportiv. Leichtathletik, Leipzig 2008, S. 100 / 101.

[8] Reuter, Manfred: Fertig ausgearbeitete Unterrichtsbausteine für das Fach Sport, Band II, Kissing 1995, Teil 5/3.3.4.1, Seite 6.

Reuter, Manfred: Fertig ausgearbeitete Unterrichtsbausteine für das Fach Sport, Band I, Kissing 1995.

Details

Seiten
14
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656342793
ISBN (Buch)
9783656342946
Dateigröße
640 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198506
Institution / Hochschule
Schulpraktische Seminare Berlin
Note
1,7
Schlagworte
unterrichtsentwurf einführung standstoßes kugelstoßen

Autor

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