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Zur Bedeutung der Paratexte am Beispiel von Alfred Döblins ‚Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf‘

Hausarbeit 2010 16 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Theoretisches nach Genette
2.1 Der Paratext und seine Bestandteile
2.2 Zwei ausgewählte Paratexte

3. Zwei Paratexte in Anwendung: Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘

4. Schluss

Abbildungen

Quellen-/Literaturverzeichnis

Ehrenwörtliche Erklärung

1. Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit wird die Bedeutung der Paratexte am Beispiel von Döblins[1] Werk ‚Berlin Alexanderplatz – Die Geschichte vom Franz Biberkopf‘[2] thematisiert. Dieser wohl bekannteste deutsche Großstadtroman trägt sowohl Züge der Epoche des Expressionismus[3] als auch des Epochen-Stils der Neuen Sachlichkeit[4] – die Grenzen sind fließend bzw. nicht eindeutig. Eine Inhaltsangabe des Romans, Biographisches zum Autor sowie detaillierte Ausführungen über die jeweiligen Epochen werden nicht erfolgen.

Zu Beginn wird ein kurzer theoretischer Einblick, bei dem ich mich hauptsächlich auf Gérard Genette stützen werde, darüber gegeben, was unter einem Paratext überhaupt zu verstehen ist und welche wesentlichen Bestandteile eines literarischen Werkes im Allgemeinen zum Paratext gezählt werden; anschließend werde ich lediglich zwei spezielle Paratexte auswählen und diese ausführlicher erklären – nämlich genau jene zwei, die ich dann explizit und praktisch auf Döblins ‚Berlin Alexanderplatz‘ anwenden möchte. Anhand passender Textstellen des Haupttextes des Romans in Verbindung mit den ausgesuchten Paratexten möchte ich zu belegen versuchen, dass bzw. in welchem Maße Paratexte schon inhaltliche Aussagen treffen, auf Inhalte vorbereiten und sie beeinflussen sowie gar Prognosen abgeben – ferner werden demzufolge gleichzeitig auch einige wichtige Aspekte der Aufgaben und Funktionen von Paratexten an Textbeispielen aufgezeigt.

Methodisch wird es also generell um die Fragen ‚Was ist dargestellt?‘, ‚Wie ist etwas dargestellt?‘ und ‚Warum ist etwas so dargestellt, wie es eben zu sehen ist?‘ gehen.

2. Theoretisches nach Genette

2.1 Der Paratext und seine Bestandteile

Der Kern eines literarischen Werkes ist primär der Text, aber eben jener Text tritt selten allein auf.[5] „Der Paratext ist (…) jenes Beiwerk, durch das ein Text zum Buch wird und als solches vor die Leser und, allgemeiner, vor die Öffentlichkeit tritt.“[6] Diese Definition ist aber keinesfalls ausreichend – vielmehr wird der Begriff ‚Paratext‘ in seiner Bedeutung meiner Meinung nach erst dadurch klar, wenn man sofort anknüpft, was Genette alles zu ihm dazuzählt; dann ist auch die obige Erklärung (besonders das Wort ‚Beiwerk‘) nicht mehr abstrakt.

Zu den wichtigsten Bestandteilen des Paratextes gehören Titel, Untertitel, Zwischentitel; Vorworte, Nachworte, Hinweise an den Leser, Einleitungen; Fußnoten, Anmerkungen; Motti; Illustrationen; Umschlag und noch mehr. Der Paratext bildet also einen Rahmen zum Haupttext, mit dem ein Werk dann zum Ganzen wird.[7] Paratexte stellen also die Umgebung, Ränder und Grenzen des eigentlichen Textes dar.[8]

2.2 Zwei ausgewählte Paratexte

Nun werde ich die Spannung herausnehmen und ergo jene zwei Paratexte, denen ich mich genauer widmen möchte, endlich beim Namen nennen. Ich habe mir den Titel und die Einführung ausgesucht. Beide genannten Bestandteile werden im Folgenden in ihrer Bedeutung allgemein erklärt.

Zum Titel generell:

Laut Genette ist die Definition des Titels mit größeren Problemen verbunden als die anderen Komponenten des Paratextes – folglich ist auch die Untersuchung des Titels nicht einfach. Er ist nicht bloß ein Teil, sondern eine komplexe Einheit. Die Funktionen im Konkreten: Der Titel dient (1) der Identifizierung des Werkes, (2) der Bezeichnung des Inhaltes und außerdem dazu, (3) für einen viel versprechenden, lohnenden Inhalt zu ‚werben‘. Die eben drei genannten Funktionen sind auf Charles Grivel zurückzuführen – Genette ergänzt aber, dass alle drei nicht immer parallel existent sein müssen; nur die erste ist laut ihm definitiv. Genette bemerkt auch, dass die Bezeichnungsfunktion (die zweite) nicht zwingend glücken muss, weil sich der Titel in vielfältiger Weise auf den Inhalt beziehen kann, z. B. von einer faktischen Bezeichnung (z. B. Madame Bovary) bis hin zu einer beispielsweise symbolischen Beziehung (z. B. Le Rouge et le Noir) – und eben jene Relation zwischen Titel und Inhalt des Werkes ist abhängig vom Verständnis und Assoziationsvermögen der jeweiligen Leser. Auch die Anregungsfunktion (die dritte) des Titels auf den Inhalt kann man nicht erzwingen – hier muss ebenfalls der Rezipient nach eigenem Ermessen entscheiden. Der Titel macht also eine Mitteilung, er kommuniziert etwas – es gibt also einen Adressanten (Sender) und einen Adressaten (Empfänger). Der jeweilige Titel muss nicht immer unbedingt vom Autor stammen, sondern dafür kann auch der Verleger verantwortlich sein, aber auch das soziale Umfeld des Autors können den Titelnamen beeinflusst haben. Mit dem Adressaten des Titels ist eben nicht nur, wie man denken könnte, der Leser des ganzen Werkes gemeint, sondern zum Kreis der Adressaten zählen nach Genette auch Personen, die aktiv am Vertrieb und somit auch an der Rezeption des Lesers beteiligt sind, z. B. der Verleger, der Buchhändler; d. h. diese Personen sollen potenzielle Kunden zum Lesen anregen, müssen aber den Text des Buches nicht zwingend selbst gelesen haben. Auch gibt es Kunden, die ein Buch kaufen, es dann aber nicht oder nur teilweise lesen – den Titel rezipiert man aber in jedem Fall. Der Adressat des Textes ist natürlich die Leserschaft, die Adressaten des Titels dagegen sind eben nicht nur die Leser. Abschließend zum Titel allgemein sei noch kurz zu erwähnen, dass die Identifizierung/Bezeichnung, also der Name des Werkes bzw. die Benennung dessen, die wichtigste Funktion (die erste) des Titels darstellt.

[...]


[1] 1878 – 1957, deutscher Schriftsteller und Arzt.

[2] Erschienen im Jahr 1929.

[3] „Der Begriff bezeichnet Texte, die etwa in den Jahren 1910 – 25 erscheinen und durch Gemeinsamkeiten sowohl in ihrer ästhetischen Form und ideologischen Fokussierung als auch in ihrer spezifischen Einbindung in das Sozialsystem Literatur gekennzeichnet sind. Typisch ist die radikal kultur- und gegenwartskritische Ausrichtung des E., die Infragestellung des Modernisierungsprozesses und seiner diversen Phänomene, u. a. der Industrialisierung, Verstädterung, Bürokratisierung und Technisierung. (…)“

Aus: Metzler Lexikon Literatur. Stuttgart 2007, Begriff Expressionismus .

[4] „Kulturelle Strömung sowie Richtung der Ästhetik, die – ausgehend von Literatur und Malerei – zum prägenden Epochen-Stil der 1920er und frühen 1930er Jahre wurde. Zwar lassen sich auch spezifische Sujets und Typen (z. B. Technikkult und –ideologie […]) sowie Verhaltensformen (…) reklamieren, doch in der Literatur wird die Kategorie ‚Sachlichkeit‘ vornehmlich auf ein formalästhetisches Schreibprinzip bezogen. (…) Sie folgt einem Realismuskonzept, das mit Hilfe von Schreibstrategien wie Bericht- und Reportagestil, Montagetechnik und Dokumentarismus erreicht werden soll; (…). Die Kategorie ‚Sachlichkeit‘ wird durch Kriterien wie Neutralität und Objektivität des Autors, Klarheit, Einfachheit, Nüchternheit und Präzision des Ausdrucks sowie die Forderung nach der Beobachtung der äußeren Wirklichkeit konkretisiert. (…)“

Aus: Ebd., Begriff Neue Sachlichkeit .

[5] Vgl. Genette, Gérard: Paratexte. Das Buch vom Beiwerk des Buches. Frankfurt a. M. 1989, S. 9.

[6] Ebd., S. 10.

[7] Vgl. Genette, Gérard: Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe. Frankfurt a. M. 1993, S. 11.

[8] Vgl. Metzler Lexikon Literatur. Stuttgart 2007, Begriff Paratext .

Details

Seiten
16
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656247845
ISBN (Buch)
9783656251415
Dateigröße
505 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198462
Institution / Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,3
Schlagworte
bedeutung paratexte beispiel alfred döblins alexanderplatz geschichte franz biberkopf‘

Autor

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