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Die Langobarden in Italien

Herkunft, Landnahme und Herrschaft aus historischer und archäologischer Sicht

Seminararbeit 2008 28 Seiten

Theologie - Historische Theologie, Kirchengeschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

0 Einleitung

1 Langobardische Geschichte vor der Landnahme Italiens
1.1 Zur Frühgeschichte der Langobarden
1.2 Die langobardische Herrschaft über Rugiland – die Langobarden in Österreich

2 Die Landnahme der Langobarden in Italien…
2.1 … aus historischer Sicht
Exkurs: Die Sprache der Langobarden
2.2 … aus archäologischer Sicht

3 Die Herrschaft der Langobarden in Italien bis 774
3.1 Vom Interregnum bis zur Konsolidierung des Königreiches unter Agilulf und Rothari
Exkurs: Langobardisches Recht
3.2 Die Bayerische Dynastie und ihre Ablösung
3.3 Der Höhepunkt der langobardischen Königsmacht unter Liutprand
3.4 Liutprands Nachfolger
3.5 Das Ende des Langobardenreiches
3.6 Tafel der langobardischen Könige

4 Bildnachweis

5 Verwendete Literatur

0 Einleitung

Diese Arbeit soll einen kurzen Überblick über die historische Entwicklung der Langobardischen Herrschaft über Gebiete des heutigen Italiens geben. Ich werde versuchen die langobardische Frühgeschichte, insbesondere ihre Herkunft darzustellen und danach den Prozess der Wanderung nach Italien erläutern. Die Landnahme Italiens und die Herrschaft im Langobardischen Königreich werde ich sowohl aus historischer, als auch aus archäologischer Sicht darlegen. Meiner Auffassung nach sind sowohl die Ergebnisse der HistorikerInnen und GermanistInnen, wie auch verschiedenste Ergebnisse aus Grabungen und Deutungen von Funden für die richtige Rekonstruktion dieser Wanderbewegung und Herrschaft von Bedeutung.

Im ersten Kapitel meiner Seminararbeit wende ich mich der Langobardischen Geschichte vor 568, also vor der italischen Landnahme zu. Dabei werde ich in einem ersten Schritt die Frühgeschichte der Langobarden und die ersten Wanderungsbewegungen genauer betrachten, um mich danach der langobardischen Herrschaft über „Rugiland“ (unter anderem Teile des heutigen Niederösterreichs) zuzuwenden.

Das nächste Kapitel behandelt die Landnahme Italiens einmal aus historischer und einmal aus archäologischer Sicht, wobei anzumerken ist, dass man diese beiden Disziplinen und damit auch deren Ergebnisse nicht immer völlig getrennt betrachten kann. Ich werde im zweiten Kapitel ebenfalls kurz auf die Sprache der Langobarden eingehen.

Im letzten Kapitel versuche ich einen kurzen Überblick über die politische Geschichte des langobardischen Königreiches bis 774 zu bieten. In insgesamt fünf Unterkapiteln werde ich auf verschiedene innenpolitische und außenpolitische Entwicklungen eingehen und so unter anderem die Höhe- und auch die Tiefpunkte der langobardischen Königsmacht darstellen. In einem kurzen Exkurs möchte ich einige Gedanken zu den langobardischen Gesetzen und Rechtsvorstellungen zusammenfassen. Die Arbeit schließe ich dann mit einer Auflistung der langobardischen Könige.

1 Langobardische Geschichte vor der Landnahme Italiens

1.1 Zur Frühgeschichte der Langobarden

Nur wenige germanische Völkerschaften haben uns über ihre Ursprünge und Wanderungen so ausführliche Berichte hinterlassen, wie die Langobarden. Zu diesen Berichten zählen die Origo gentis Langobardorum, welche in die Zeit der Verkündigung des Edikts König Rotharis (643) zurückreicht und die durch Paulus Diaconus überlieferte Langobardengeschichte. Viele ForscherInnen haben lange Zeit behauptet, dass auch die Historia Langobardorum der Gothaer Bilderhandschrift eine weitere gleichrangige Quelle darstellt. Dieses Werk eines unbekannten Verfassers versucht jedoch gerade zwanghaft die Geschichte der Langobarden unter der Perspektive der Bekehrung zum Christentum zu sehen und verarbeitet auch Elemente der Abhandlung Isidors von Sevilla über die Wanderung der Wandalen und bezieht diese dann auf die Langobarden. Jedoch können in einzelnen Fragen auch diese Ausführungen von Bedeutung sein.

Unter den HistorikerInnen, ArchäologInnen und GermanistInnen besteht eine große Uneinigkeit darin inwieweit die uns so überlieferte Sage der realen Frühgeschichte der Langobarden entspricht. Allerdings kann gesagt werden, dass sich bis auf wenige Ausnahmen das Bild einer skandinavischen Herkunft der Langobarden in der Wissenschaft verfestigt hat. Ein starker Kritiker der Skandinavien-These ist Rolf Hachmann, welcher versucht hat zu zeigen, dass die Langobarden die Ursprungsgeschichte der Goten übernommen hatten. Allerdings ist dies wie oben schon angedeutet wenig wahrscheinlich (Wieso sollte die Langobarden auf dem Höhepunkt ihrer Macht die Ursprungsgeschichte der geschlagenen Ostgoten annehmen?). Es existieren noch weitere Thesen, etwa die Möglichkeit der Herkunft der Langobarden aus dem östlichen Mittelrheingebiet, auf welche ich hier allerdings nicht näher eingegangen kann.

Die allgemein anerkannte Grunderkenntnis heute ist, dass die frühmittelalterlichen gentes Verbände waren, welche ihre Zusammensetzung stetig änderten und so keine abgeschlossenen Gruppen darstellten. Das Gemeinschaftsbewusstsein dieser Verbände wurde vor allem durch den Glauben an eine gemeinsame Herkunft und Abkunft begründet. Die kollektive Erinnerung der Langobarden, besonders die einzelner sozial hochstehenden Untergruppen reicht bis zu deren Ursprüngen nach Skandanan zurück.[1] Zahlreiche Forschungen haben gezeigt, dass unter diesem Begriff wohl die südschwedische Landschaft Schonen zu verstehen ist.[2] Von dieser Region setzte sich eine Gruppe in Bewegung, welche sich selbst wohl als Winniler (Kämpfer) bezeichnete. Die Mythologie, das Rechtssystem und die Namen der Langobarden bilden weitere wichtige Indizien für die skandinavische Herkunft. Paulus Diaconus nennt als erste Wanderstationen nach dem Auszug Scoringa, Mauringa und Golaida. Die Origo kennt die ersten beiden Stationen nicht und nennt gleich Golaida als nächste patria nach dem Auszug. Paulus und die Origo stimmen aber in der Nennung der weiteren Ziele Anthaib, Bainaib, und Burgundaib überein.

Zu Scoringa ist zu sagen, dass das althochdeutsche Wort „scorro“ mit dieser Landschaft in Verbindung gebracht werden kann und soviel wie Felsvorsprung – also Felsenland –bezeichnet. Weiters ist Mauringa als Moorland und Golaida als Heideland zu übersetzen. Die Zusammenstellung lässt deutlich werden, dass die Länder nach der Beschaffenheit ihrer Oberfläche benannt worden sind. Die Langobarden zogen als von Schonen fort durch ein Felsen- und danach durch ein Moorland um schließlich ein Heideland zu erreichen. Um diesen Wanderweg näher zu bestimmen muss man die Mitteilungen antiker Geographen zu den Langobarden berücksichtigen. Velleius Paterculus bezeugt für das Jahr 5 n. Chr. erstmals langobardische Wohnsitze an der westlichen Niederelbe. Dort dürften auch nach dem Abzug eines Teiles des Volkes nach Süden langobardische Siedlungen bestehen geblieben sein. Diese Region wurde seit dem 8. Jahrhundert als Bardengau bezeichnet und umfasst in wesentlichen Teilen das heutige Gebiet der Lüneburger Heide. Es ist also naheliegend Golaida mit dieser Region zu identifizieren. Nun kann man auch das Moorland leichter bestimmen, denn das einzige Moorland zwischen Schonen und dem niederelbischen Raum ist Mecklenburg, welches noch bis weit in die Neuzeit hinein ein ausgeprägtes Sumpfland gewesen ist. Nun fällt es leicht Scoringa zu bestimmen, da das einzige Gebiet, welches den Namen Land der Felsvorsprünge verdient die Insel Rügen mit ihren auffälligen Steilküsten ist.

In diesem Gebiet wollten die Wandalen, welche in Schlesien und Westpolen siedelten, die Winniler zu Tributzahlungen zwingen.[3] „Nach der langobardischen Überlieferung besiegte das Volk durch Wodans Entscheidung seine Feinde und nannte sich nach seinen langen Bärten, so wie es der Gott bezeichnet hatte, nämlich Langobarden.“[4]

Dieser Vorgang ist als eine „Umvolkung“ zu werten, bei der mit vielen alten Vorstellungen und so eben auch mit dem Namen gebrochen wird. Ein derartiger Prozess ist allerdings Ausdruck germanischer Denkformen und weniger historische Faktum. Man muss zu bedenken geben, dass dieser Transformationsprozess, welcher aus den Winnilern die veränderten und ihrer neuen Umgebung angepassten Langobarden machte einige Zeit beanspruchte und man so den Aufenthalt in Scoringa nicht zu kurz denken dürfe.[5]

Paulus Diaconus berichtet weiter, dass auf ihrem Weg von Scoringa nach Mauringa die Assipitti den Langobarden den Durchmarsch durch ihr Land versperrten. Die Assipitti konnten bisher nicht eindeutig identifiziert werden, allerdings spricht einiges dafür sie mit den erstmals bei Cäsar genannten Usipii/Usipetes gleichzusetzten, welche von den Sueben 58 v. Chr. aus ihrem Land vertrieben worden sind und sich dann unter Umständen in Mecklenburg angesiedelt haben.[6]

Alle drei Berichte stimmen in dem Faktum überein, dass die Langobarden seit ihrem Abzug aus Skandinavien unter der Führung von principes standen, nicht aber unter der Herrschaft von Königen, bis Agelmund zum König erhoben worden ist. Höchstwahrscheinlich entschloss sich in Golaida ein beträchtlicher Teil der Langobarden neue Wohnsitze zu suchen und erhoben zum Zwecke des Auszugs Agelmund zu ihrem König. Unter dessen Führung wurden die Gebiete Anthaib, Bainaib und Burgundaib erobert, wobei das Suffix „-aib“ eine altertümliche Raumbezeichnung ist. Diese Länder müssen auf dem Weg von der Niederelbe nach Niederösterreich liegen, wo die Langobarden nach der Vernichtung des Rugierreiches durch Odoaker 487/488 lebten. Es wird sich noch zeigen, dass die Abfolge der Gebiete Anthaib, Bainaib und Burgundaib nicht historischen und geografischen Tatsachen entspricht, sondern diese Bezeichnungen aus einem langobardischen Lied entnommen sind und somit wegen den Erfordernissen der Alliteration vertauscht wurden. Die geografisch sinnvolle Abfolge würde lauten: Burgundaib, Bainaib und Anthaib, denn unter Burgundaib kann man das Land der Burgunder in Schlesien und unter Bainaib das Siedlungsgebiet der Bainen in Böhmen verstehen. Beide Völker wurden unterworfen und auf die Stufe von Halbfreien hinab gedrückt. Wenn man nun dem Prinzip Völkerbezeichnung plus „-aib“ folgt ergibt sich als Anthaib das Land der Anten. Es ist durchaus nicht unwahrscheinlich, dass der Hunnensturm 370/375 Teile der Anten aus ihrer Heimat vertrieb und sich diese nun im Westen neue Wohnsitze suchten. Als Gebiet ergibt sich auch in Übereinstimmung mit der Gothaer Handschrift das Gebiet zwischen Donau und Theiß. Als Zeitraum der Eroberung Anthaibs, Bainaibs und Burgundaibs lassen sich die letzten Jahrzehnte des 4. Jahrhunderts nennen. Diese Datierung wird durch die bei Paulus beschriebenen schweren Kämpfe der Langobarden gegen die Hunnen bestätigt, welche nach der Überschreitung eines großen Flusses (angenommen: Donau) stattfanden. Somit würde sich auch erklären, warum die antische Reichsbildung sonst nicht bezeugt ist: Das antische Reich im heutigen Ungarn hatte nur sehr kurz Bestand ehe es von den Langobarden zerstört wurde. Letztere wurden allerdings ihrerseits auch nach sehr kurzer Zeit von den Hunnen aus diesem Land vertrieben. Im Laufe dieser Kämpfe starb auch der erste Langobardenkönig Agelmund.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1[7] : Wanderung der Langobarden von der Niederelbe nach Italien

Zusammenfassend kann man feststellen, dass die langobardische Wandersage in hohem Maße der historischen Wirklichkeit entspricht. Die Etappen und die relative Chronologie der Ereignisse sind wohl als historische Tatsachen anzusehen, allerdings ist es schwer daraus eine absolute Chronologie abzuleiten.[8] Bewusst wurde in diesem einleitenden Kapitel auf die Unterstützung archäologischer Argumente verzichtet, da bereits Wenskus, Hachmann und von Uslar[9] gezeigt haben, dass Bodenfunde nicht sicher ethnischen Gruppen zuzuordnen sind.

Natürlich muss man auch anmerken, dass die historische Interpretation von schriftlichen Quellen zum größten Teil Hypothesen liefert, welche noch weiteren Untersuchungen, Verifikationen und Falsifikationen bedarf.[10]

[...]


[1] Vgl. Jarnut, Jörg: Zur Frühgeschichte der Langobarden, in: Becher, Matthias (Hrsg.): Herrschaft und Ethnogenese im Frühmittelalter. Gesammelte Aufsätze von Jörg Jarnut Festgabe zum 60. Geburtstag, Münster: Scriptorium 2002, 275-279.

[2] Vgl. Svennung, Josef: Skandinavien bei Plinius und Ptolemaios. Kritisch-exegetische Forschungen zu den ältesten nordischen Sprachdenkmälern, Uppsala: Almquist & Wiksells 1974.

[3] Vgl. Jarnut, Ethnogenese im Frühmittelalter, 279-284.

[4] Ebd., 284.

[5] Vgl. ebd., 284.

[6] Vgl. ebd., 283.

[7] Menghin, Wilfried: Die Langobarden. Archäologie und Geschichte, Stuttgart: Theiss 1985, 48 zitiert nach: http://www.langobarden-zethlingen.de/images/img032.jpg (26.5.08).

[8] Vgl. Jarnut, Ethnogenese im Frühmittelalter, 284-289.

[9] Vgl. Uslar, Raphael von: Archäologische Fundgruppen und germanische Stammesgebiete aus der Zeit um Christi Geburt, in: HJb 71 (1952) 13-36.

[10] Vgl. Jarnut, Ethnogenese im Frühmittelalter, 289-290.

Details

Seiten
28
Jahr
2008
ISBN (eBook)
9783656248064
ISBN (Buch)
9783656250555
Dateigröße
1.7 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198371
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz – Institut für Kirchengeschichte
Note
Sehr Gut
Schlagworte
Liutprant Langobarden; Italien; Paulus Diaconus

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