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Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung in Deutschland

Soziale Bewegungen

Hausarbeit 2012 12 Seiten

Soziologie - Politische Soziologie, Majoritäten, Minoritäten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einführung
1.1 Soziale Bewegungen - der Versuch einer Definition
1.2 Zur Geschichte sozialer Bewegungen in Deutschland

2. Drei Hauptsäulen der Arbeiterbewegung.
2.1 Politische Organisationen
2.1.1 Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands
2.1.2 Christlich soziale Bewegungen und Parteien
2.1.3 Die liberale soziale Bewegung
2.2 Die Gewerkschaften
2.2.1 Sozialistische Gewerkschaften
2.2.2 Christliche Gewerkschaften
2.3 Die Genossenschaften
2.3.1 Die Konsumgenossenschaft

3. Fazit

4. Bibliographie

1. Einführung

Die vorliegende Hausarbeit setzt sich mit dem Thema Soziale Bewegungen auseinander . Soziale Bewegungen bilden einen Teil der Triebkräfte, welche die soziale und sozialpolitische Entwicklung im 19. Jahrhundert anregte. Zentraler Gegenstand dieser Arbeit ist die Arbeiterbewegung in ihren drei Hauptsäulen als ausschlaggebende und nicht verzichtbare Triebkraft (vgl. Lampert/Althammer 2004, 51). Die Einführung beleuchtet die Historie sozialer Bewegungen und ermöglicht eine Definition sozialer Bewegungen. Im Hauptteil werden die drei Hauptsäulen der Arbeiterbewegung genannt - politische Organisationen, Gewerkschaften, Genossenschaften - und näher erläutert. Auch hierbei erfolgt ein historischer Rückblick, vor allem aber auch die Entwicklung der einzelnen Parteien und Gewerkschaften, sowie Ziele der einzelnen Akteure werden beleuchtet.

1.1 Soziale Bewegungen - der Versuch einer Definition

Was versteht man unter dem Begriff Soziale Bewegungen eigentlich? Bevor es nun an die Entstehung und Entwicklung sozialer Bewegungen zu erklären geht, sollte diese Frage beantwortet werden. Eine einheitliche Antwort zu finden ist nicht leicht, da es teils sehr unterschiedliche Definitionen gibt, was auch nicht verwunderlich ist, da Soziale Bewegungen sehr facettenreich sind (vgl. Kolb 2002, 9).

„ Eine soziale Bewegung ist ein Netzwerk bestehend aus Organisationen und Individuen, das auf der Basis einer kollektiven Identität vonüberwiegend nicht- institutionalisierten Taktiken versucht, sozialen, politischen, ökonomischen oder kulturellen Wandel herbeizuführen, sich ihm zu widersetzen oder ihn rückgängig zu machen. “ Diese Definition von Kolb (2002, 9) bietet einen sehr umfangreichen Überblick und hebt die prägnanten Aspekte hervor.

Raschke (1988, 11) postuliert Soziale Bewegungen als Produkt und Produzent der Moderne und konstatiert, dass „ [...]>>moderne<< Bewegungen eine Erscheinung [sind], die seit der Franz ösischen Revolution durch veränderte gesellschaftliche Bedingungen hervorgebracht wird und Einflu ß [sic!] auf den Gang der Geschichte hat. Sie sind ein Produkt moderner Gesellschaft, deren zunehmende Mobilisierung und Rationalisierung sich auch auf der Ebene politischen Handelns niederschlagen. “

Soziale Bewegungen [Hervorgehoben v.Verf.] sind Indikatoren des Wandels. “ Raschke (1988, 12) weist auf die Widerspruchs- und Konfliktpotentiale einer Gesellschaft und die Relevanzstrukturen erfahrener Widersprüche hin, die dadurch aufgezeigt werden. Ferner bezeichnet er dies als Ursache des Wandels. Ebenso sieht er Soziale Bewegungen als Wirkung, da sie auf Wandlungstendenzen oder Wandlungsmöglichkeiten einer Gesellschaft verweisen (vgl. Raschke 1988, 12).

1.2 Zur Geschichte sozialer Bewegung in Deutschland

Durch die demokratische Bewegung der Französischen Revolution entsteht die erste soziale Bewegung in einem modernen Sinne - so werden Soziale Bewegungen im Verlauf der Revolutionsjahre zu einem eigenständigen Handlungssektor (vgl. Raschke 1988, 22). Das Phänomen der sozialen Bewegung hat demnach nicht in Deutschland, sondern anhand der gesellschaftlichen Veränderungen in Frankreich seinen Ursprung. Aufgrund der Rahmenbedingungen in Deutschland, vor allem der Repression wegen, erlangten Soziale Bewegungen als machtpolitische Faktoren erst ab 1848 ihre Wirksamkeit. Das Verbot politischer Vereine und Versammlungen sowie die Einschränkung politischer Meinungsfreiheit, verhinderten eine frühere Entfaltung solcher Bewegungen. Die Rahmenbedingungen waren durch ökonomische und soziale Modernisierung bei staatlicher Verhinderung politischer Modernisierung gekennzeichnet. Trotz Unterdrückung der frühbürgerlichen Bewegungen, erreichten sie 1848 sehr schnell das Interesse der Gesellschaft und traten als ein zentraler politischer Handlungsfaktor in Erscheinung. In dieser Phase stand die Arbeiterbewegung weit hinter der frühbürgerlichen Bewegung, was sich jedoch im Laufe der Zeit änderte (vgl. Raschke 1988, 25).

2. Die drei Hauptsäulen der Arbeiterbewegung

Die Arbeiterbewegung formierte sich um 1848 in Deutschland. Durch die Industrialisierung entstand eine Klassengesellschaft, die vom Gegensatz zwischen Kapital und Arbeit beherrscht wurde. In der vorkapitalistischen Zeit gab es zwei Grundformen der Arbeitsverfassung - der arbeitende Mensch war Eigentümer der Produktionsmittel und somit frei oder er war nicht Eigentümer und produzierte für einen fremden Ertrag und somit unfrei (vgl. Lampert/Althammer 2004, 19). Ferner konstatiert Lampert (2004, 19), dass erst durch den Kapitalismus die Freiheit der Person mit dem Nichteigentum an Produktionsmitteln und der Nichtbeteiligung am Ertrag der Produktion verknüpft wurde. Ein wesentliches Merkmal des Proletariats war seine Eigentumslosigkeit; um die Existenz der Familie zu sichern, sahen die Arbeiter sich gezwungen ihre Arbeitskraft stets zu veräußern (vgl. Lampert/Althammer 2004, 20). Die Eigentumslosigkeit trug dazu bei, dass bei Arbeitsplatzverlust oder Ausfall der Arbeitsfähigkeit Arbeiter samt ihrer Familien bedroht waren, da soziale Sicherungseinheiten fehlten, was wiederum einen Zwang zur konstanten Reproduktion des Arbeitsverhältnisses nach sich zog (vgl. Lampert/Althammer 2004,20). Die Unruhen innerhalb des Proletariats nahmen stetig zu und eskalierten 1848 in einer Revolution, ausgelöst durch die Pariser Revolution. Gefordert wurde ein Nationalstaat, das Bürgertum rebellierte gegen die Ausbeutung, den überflüssig gewordenen Adel und dessen Herrschaftsanspruch. Die Märzrevolution stand zum größten Teil unter der Führung von bürgerlichen Gruppen, denen es zu dem Zeitpunkt in der Geschichte allerdings an Kräften und Entwicklung mangelte, folglich scheiterte sie daran als auch an der Rückständigkeit der industriellen Entwicklung (vgl. Rohlfes 2003). Wie bereits in Kapitel 1.2 erwähnt, bestand in den deutschen Bundesstaaten bis 1848 ein Verbot der Bildung politischer Vereine und der Koalitionsbildung, ergo konnten sich keine politischen Arbeiterbewegungen entwickeln. Zwischen 1848 und 1849 - einer kurzen Zeit vereinzelter politischer Freiheiten - entstand unter der Leitung des Schriftsetzers Stephan Born ein erster Arbeiterverein, die Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung. Erstmals schlossen sich Fabrikarbeiter, Handwerksgesellen und Heimarbeiter zusammen - ebenso ließen sich erste Anzeichen einer modernen industriellen Arbeiterbewegung erkennen (vgl. Rohlfes 2003).

2.1 Politische Organisationen

Die Entstehungen von Parteien sind Folge, Ausdruck oder Teil von sozialen Bewegungen. Die in England gegründete „ Labour-Party “ ist ein passendes Beispiel für die Gründung einer Partei aus einer sozialen Bewegung heraus (vgl. Elb 1996, 22).

Die politisch - konstitutionelle Arbeiterbewegung, ein sozialreformerischer Zweig mit teils sozialistischen Zielrichtungen, aus dem sich später die deutsche Sozialdemokratie entwickelte, beanspruchte als primäres Ziel die Erringung politischer Rechte und Mitwirkungsmöglichkeiten (vgl. Lampert/Althammer 2004, 51). Hervorzuheben sei an dieser Stelle, dass die Organisationen der sozialistischen Bewegung und die freien Gewerkschaften reine Arbeiterparteien waren. Die christlich soziale Bewegung errang dagegen zusätzlichen Rückhalt bei weiteren sozialen Gruppen - in der Beamtenschaft, gläubigen industriellen Arbeitgebern und den Kirchen.

Geebnet wurde der Weg zur Gründung von Arbeiterparteien erst als 1861 in Sachsen und 1869 durch die Gewerbeordnung des Norddeutschen Bundes das Koalitionsverbot aufgehoben wurde (vgl. Lampert/Althammer 2004, 52).

2.1.1 Die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands

Der von Ferdinand Lasalle 1863 gegründete Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV) sowie die 1869 gegründete Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SdAP) von August Bebel und Willhelm Liebknecht, schlossen sich 1875 in Gotha zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands zusammen und „war von diesem Zeitpunkt an im 19. Jh. die einzige deutsche Arbeiterpartei.“ (Lampert/Althammer 2004, 52).

Die Forderungen der Partei waren radikal-demokratisch. Sie wollten den freien Staat und die sozialistische Gesellschaft herbeiführen, die Ausbeutung aufheben und jede soziale und politische Ungleichheit beseitigen. An den Reichstagswahlen 1877 erzielte die Partei nahezu 500.000 Stimmen und zwölf Mandate. Ihr schneller Wachstum veranlasste Bismarck im Mai 1878 einen Entwurf des Sozialistengesetzes im Reichstag vorzulegen. Das Gesetz sah vor, jede sozialdemokratische Vereinsbildung zu unterbinden, ferner unterband es die Versammlungstätigkeit und die Verbreitung von Druckschriften (vgl. Fenske 1994, 144). Der Entwurf wurde zunächst abgelehnt. Aufgrund des zweiten Attentats auf Kaiser Wilhelm I. billigte der Reichstag im Herbst 1878 die erneute die Vorlage des Gesetzes. Verstöße gegen das Gesetz wurden mit Gefängnis- und Zuchtstrafen sanktioniert, was dazu führte, dass viele Sozialisten unter dem repressiven Druck des Gesetzes emigrierten (vgl. Lampert/Althammer 2004, 53).

Zwar fiel 1881 die Zahl der Parlamentsstimmen auf 312.000, die Entwicklung der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands ließ sich auf diese Weise jedoch nicht behindern. Aus der letzten Wahl unter dem Sozialistengesetz (1890) gingen sie als stimmstärkste Partei hervor (vgl. Fenske 1994, 145). Nach dem Auslaufen des Sozialistengesetzes am 30. September 1890 trat die Partei wieder öffentlich auf und nannte sich nun „ Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) “ (vgl. Fenske 1994, 145). Selbst Bismarck bestätigte im Nachhinein die politische Bedeutung der Arbeiterpartei, so gäbe es keine Fortschritte in der Sozialreform ohne die Sozialdemokratie (vgl. Lampert/Althammer 2004, 53).

Die Wachstumsrate der Mandate der sozialdemokratischen Arbeiterpartei bewirkte Veränderungen der sozialen Struktur und hatte weitreichende Konsequenzen für die sozialpolitische Gesetzgebung (vgl. Lampert/Althammer 2004, 54).

[...]

Details

Seiten
12
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783656248125
ISBN (Buch)
9783656249863
Dateigröße
466 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198360
Institution / Hochschule
Katholische Fachhochschule Mainz
Note
Schlagworte
Bismarck Arbeiterbewegung Industrialisierung

Autor

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Titel: Triebkräfte der sozialpolitischen Entwicklung in Deutschland