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Mobbing am Arbeitsplatz

Hausarbeit 2003 22 Seiten

Soziologie - Arbeit, Beruf, Ausbildung, Organisation

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1. Einführung in die Thematik
1.2. Ziel der Arbeit

2 Überblick über den Stand der Mobbingforschung
2.1. Begriffsdefinition
2.2. Forschungsansätze zum Thema Mobbing
2.2.1 Das Mobbingkonzept von Heinz Leymann
2.2.2 Die Mobbinghandlungen
2.3. Darstellung des derzeitigen Ergebnisstandes
2.3.1 Bedeutung des Mobbings - Häufigkeit von Mobbinghandlungen
2.3.2 Geschlechtsspezifische Unterschiede bei Mobbinghandlungen
2.3.3 Einfluss der hierarchischen Position auf Mobbinghandlungen
2.3.4 Ursachen innerhalb der Betriebsstruktur
2.3.5 Ursachen im Mobbing-Opfer

3 Präventions- und Interventionsmöglichkeiten bei Mobbing
3.1. Rechte und Pflichten des Arbeitgebers im Hinblick auf Mobbing
3.2. Strukturell-organisatorische Präventionsmaßnahmen
3.3. Mögliche Interventionsmaßnahmen des Arbeitgebers
3.4. Dienstvereinbarung für den Umgang mit Mobbing am Arbeitsplatz

4 Zusammenfassung

5 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1. Einführung in die Thematik

Will man das Thema Mobbing am Arbeitsplatz literarisch aufarbeiten, stellt man sehr schnell fest, dass es zumindest in Deutschland erst in den letzten Jahren nennenswert die Wissenschaft beschäftigt. Arbeitssoziologische Untersuchungen beschränkten sich anfänglich auf das physisch bedeutsame Arbeitsumfeld bzw. auf psychische Auswirkungen, die nicht unmittelbar mit zwischenmenschlichen Konflikten zusammenhängen. Nichts desto Trotz ist dieses Phänomen seit langem bekannt. So wird Mobbing in der Schule schon seit mehr als 20 Jahren wissenschaftlich bearbeitet. Die Vielzahl wissenschaftlicher und praktischer Arbeiten lassen auf eine intensive Diskussion dieser Problematik schließen (NIEDL, 1995).

Erste empirische Untersuchungen führte der schwedische Arbeitspsychologe Heinz LEYMANN(1993) durch. Die Ergebnisse, die hinsichtlich der Verbreitung von Mobbing am Arbeitsplatz ermittelt wurden, waren erschreckend: Es wurde festgestellt, dass 3,5% - hochgerechnet ca. 150 000 Menschen – der arbeitenden Bevölkerung in Schweden von Mobbing betroffen sind. Würde man diesen Wert auf die Verhältnisse in Deutschland übertragen, würde dies bedeuten, dass über eine Million Menschen in der BRD Opfer von systematischen Feindseligkeiten am Arbeitsplatz sind (Schild und Heeren, 2002). Neuere Untersuchungen und Umfragen deuten darauf hin, dass die Zahlen noch weit höher liegen. So ergab eine Repräsentativ-Umfrage der Apotheken Umschau im Jahre 2001 bei 2.500 Bundesbürgern ab 14 Jahren, dass jeder fünfte Berufstätige sich gemobbt fühlt oder bereits Opfer einer solchen Attacke wurde (GESUNDHEIT, 2001; Befragung durch die GfK Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrage der Apotheken Umschau).

Eine weitere Erhebung bei 21.500 Arbeitnehmern in der EU durch die Dublin-Stiftung im Jahre 1996 offenbarte, dass 8 % der Arbeitnehmer – dies entspricht 12 Millionen Personen – erklärten, in den letzten zwölf Monaten an ihrem Arbeitsplatz Mobbing ausgesetzt gewesen zu sein. Hierbei sei aber von einer wesentlich höheren Dunkelziffer auszugehen. Die Stiftung wies allerdings darauf hin, dass dies von Mitgliedstaat zu Mitgliedstaat sehr unterschiedlich sei, was nach Auffassung der Stiftung auf mangelnder Berichterstattung in einigen Ländern und auf abweichenden Rechtssystemen und kulturellen Unterschieden in anderen Ländern beruht (aus: Sitzungsdokument des Ausschusses für Beschäftigung und soziale Angelegenheiten im EUROPÄISCHEN PARLAMENT vom 16.07.2001).

Die Vielzahl von populärwissenschaftlichen Veröffentlichungen und Mobbing-Seiten im Internet, sowie die hohen Betroffenenzahlen bei den Umfragen weisen eindeutig darauf hin, dass es ein Thema ist, welches viele Menschen in ganz Europa beschäftigt und dass es einen zunehmenden Informationsbedarf auf diesem Gebiet gibt (Warming, 2002).

1.2. Ziel der Arbeit

Das Erkenntnisinteresse der Soziologie – als die Wissenschaft von der Gesamtheit der sozialen Beziehungen innerhalb der menschlichen Gesellschaft – richtet sich auf den Bereich der zwischenmenschlichen Beziehungen, die Interaktion zwischen sozialen Gruppen, Organisationen und Institutionen und ihre gesamtgesellschaftliche Bedeutung (Jacke, 2003; zitiert nach Microsoft® Encarta® Enzyklopädie Professional 2003 © 1993-2002 Microsoft Corporation). Die betriebliche Soziologie beschäftigt sich als Teilbereich der Soziologie mit den zwischenmenschlichen Beziehungen innerhalb von Wirtschafts- bzw. Verwaltungsstrukturen. Dazu gehören natürlich auch Untersuchungen über Ursachen und Lösungsansätze für Konfliktsituationen am Arbeitsplatz.

Diese Arbeit im Rahmen der Lehrveranstaltung betrieblicher Soziologie soll einen Einblick in diesen Teilbereich der Soziologie geben. Es wird im Speziellen dargestellt, was derzeit im wissenschaftlichem Sinne unter Mobbing am Arbeitsplatz zu verstehen ist und welche Präventiv- und Interventionsmaßnahmen vorrangig seitens der Betriebsleitung bzw. des Personalrates möglich sind. Dazu wird beispielhaft in Auszügen der Forschungsansatz von LEYMANN vorgestellt und sein Ergebnisstand sowie neuere Umfrageergebnisse dargestellt. Weitere Aspekte stellen das Führungsverhalten eines Vorgesetzten und betriebliche Regelungen auf die Konfliktlösung haben können, soll im Anschluss daran am Beispiel einer Dienstvereinbarung zwischen der Landeshauptstadt München und ihrem Gesamtpersonalrat diskutiert werden.

2 Überblick über den Stand der Mobbingforschung

2.1. Begriffsdefinition

In den letzten Jahren hat der Mobbing-Begriff eine starke Verbreitung in unserer Alltagssprache erfahren. Er ist zu einem Modewort, zu einem regelrechten Schlagwort in der Arbeitswelt geworden. „Ich werde gemobbt“, wer hat diesen Satz nicht schon gehört oder vielleicht schon selbst gebraucht? Viele sprechen über Mobbing und doch herrscht zumeist wenig Klarheit darüber, was es ist und was die Folgen für die Betroffenen sind.

Der Begriff Mobbing leitet sich aus dem englischen Sprachschatz ab, wo „mob“ als Substantiv so viel bedeutet wie zusammengerotteter Pöbel oder Haufen bzw. von als Verb „to mob“ begriffsbestimmend ist für lärmend über jemanden herfallen, anpöbeln, angreifen, attackieren (vgl. RESCH, 1994, S.88). Er wird vor allem dazu verwendet, um ein Phänomen zu beschreiben, das durch den schwedischen Psychologen Heinz Leymann in den letzten Jahren ins öffentliche Interesse gerückt wurde. Im wissenschaftlichen Zusammenhang wurde der Ausdruck Mobbing zum ersten Mal schon im Jahre 1958 vom österreichischen Ethologen Konrad LORENZ verwendet. Er benutzte diese Formulierung, um im Rahmen seiner vergleichenden Verhaltensforschung unter Tieren einen Vorgang zu benennen, bei dem eine Gruppe von Tieren zu ihrem Schutz ein einzelnes Tier angreift, um es zu verscheuchen (z.B. Angriffsverhalten einer Gruppe Enten gegen einen Fuchs) (vgl. NIEDL, 1995 S.12).

Weitere Synonyme für Mobbing sind im Englischen der Begriff „Bullying“ und im Deutschen das Wort „Bossing“ (abgeleitet von „boss“, der Chef), welches allerdings die mobbende Tätigkeit eines Vorgesetzten charakterisiert.

Nach Analyse der von Leymann durchgeführten Befragungen entwickelte der schwedische Arbeitspsychologe zunächst folgende, hinsichtlich des Phänomens Mobbing allgemeine Definition (Schild und Heeren 2002, zitiert nach Leymann, 1993, S.21):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In Zusammenarbeit mit der Gesellschaft gegen psychosozialen Stress und Mobbing e.V. (GpSM) wurde die folgende, speziell auf den Psychoterror am Arbeitsplatz ausgerichtete Definition erarbeitet (LEYMANN,1995 ,S.18):

2.2. Forschungsansätze zum Thema Mobbing

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Mobbing unter Schülern wird ausgehend von den skandinavischen Ländern schon länger wissenschaftlich thematisiert. Mehrere wissenschaftliche und praktische Arbeiten in europäischen Ländern lassen auf eine intensive Diskussion auf diesem Gebiet schließen (vgl. Niedl 1995, S. 13). Dauernde Feindseligkeiten und Schikanen auf allen hierarchischen Ebenen am Arbeitsplatz, die darauf ausgerichtet sind einen Mitarbeiter zu diffamieren, wurden erstmals durch den schwedischen Arbeitspsychologen Heinz LEYMANN (1993) unter dem Begriff „Mobbing“ zusammengefasst und näher definiert (vgl. 2.1 Begriffsdefinition). Er stützt sich dabei auf eigene empirische Untersuchungen die unter seiner Führung in schwedischen Betrieben durchgeführt wurden und entwickelte sein sogenanntes Mobbingkonzept. Dieses Konzept bildete die Grundlage weiterer wissenschaftlicher aber auch vieler populärwissenschaftlicher Untersuchungen und Veröffentlichungen im deutschsprachigen Raum. Diese Studien beschränkten sich im Wesentlichen auf der Rezeption und Interpretation der Ergebnisse der schwedischen Erhebungen. Eigene empirische Forschungsergebnisse wurden oftmals nicht durchgeführt. Das rege öffentliche Interesse und die zunehmende Gründung von Selbsthilfegruppen führten dazu, dass sich auch politische Amtsträger mit diesem Thema beschäftigten in Folge dessen verschiedene Studien in Auftrag gegeben wurden (vgl. EUROPÄISCHES PARLAMENT, 2001).

2.2.1 Das Mobbingkonzept von Heinz Leymann

Nach Schild und Heeren erfolgte LEYMANN´s Studie in zwei Schritten. Der erste Schritt umfasste ca. 300 Interviews von je etwa einer bis drei Stunden Dauer. Neben Mobbingopfern wurden in die Befragung auch Personen einbezogen, die aufgrund ihrer beruflichen Position in Kontakt zu den vom Mobbing Betroffenen standen. Das Ziel der ersten Interviewreihe war, differenziertere Aufschlüsse über die Übergriffe zu erhalten, um bestimmte Mobbinghandlungen herauskristallisieren zu können. Abgebrochen wurden die Untersuchungen, nachdem LEYMANN den Eindruck gewann, alle relevanten Mobbinghandlungen seien von ihm erfasst worden.

In einem nächsten Schritt wurde aufbauend auf den Resultaten dieser Studie ein Fragebogen erstellt, der die Grundlage für quantitativ-empirische Studien bildete. An Hand dieses Fragebogens wurden insgesamt 5211 Befragungen in Form von Vier-Augen-Gesprächen oder postalisch durchgeführt.

Für LEYMANNs Untersuchungen war es natürlich erforderlich, die allgemein lautende Mobbingdefinition zu normieren, um eine Vergleichbarkeit der Probanden zu garantieren. Er entschied sich für folgende Kriterien: Mobbing soll dann vorliegen, wenn eine Person von mindestens einer der exakt beschriebenen 45 Mobbinghandlungen mindestens einmal pro Woche und länger als ein halbes Jahr betroffen ist (vgl. Schild und Heeren nach LEYMANN). Dieser Kriterienauswahl lagen die Erfahrungswerte aus der Analyse der Tiefeninterviews zugrunde. Ferner wurde als Bezugszeitraum die vergangenen zwölf Monate festgelegt (ebd.).

2.2.2 Die Mobbinghandlungen

LEYMANN unterteilt die Mobbinghandlungen, die sich im ersten Schritt der Untersuchung herauskristallisierten, in fünf Kategorien und ordnet diesen die verschiedenen Handlungen zu:

Angriffe auf die Möglichkeiten, sich mitzuteilen. Dazu gehören z.B.:

- Der Vorgesetzte schränkt die Möglichkeit ein, sich zu äußern
- Ständige Kritik an der Arbeit
- Ständige Kritik am Privatleben
- Mündliche oder schriftliche Drohungen
- Kontaktverweigerung durch abwertende Blicke oder Gesten

Angriffe auf die sozialen Beziehungen mit Ziel die Betroffene Person systematisch zu isolieren:

- Man spricht nicht mehr mit dem/der Betroffenen
- Man lässt sich nicht ansprechen
- Versetzung in einen Raum weitab von Kollegen
- Man wird `wie Luft` behandelt
- Angriffe auf das soziale Ansehen:

Hinter dem Rücken des Betroffenen wird schlecht über ihn gesprochen

- Man verbreitet Gerüchte
- Man macht jemanden lächerlich
- Man beurteilt den Arbeitseinsatz in falscher und kränkender Weise
- Man stellt die Entscheidungen der/des Betroffenen in Frage
- Sexuelle Annäherungen oder verbale sexuelle Angebote

[...]

Details

Seiten
22
Jahr
2003
ISBN (eBook)
9783638238724
Dateigröße
593 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v19833
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Forstliche Arbeitswissenschaften und Verfahrenstechnologie
Note
2
Schlagworte
Mobbing Arbeitsplatz

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Titel: Mobbing am Arbeitsplatz