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Der Film als intermediales Medienphänomen

Das Internet als Ort filmischen Wissens

Essay 2010 6 Seiten

Medien / Kommunikation - Film und Fernsehen

Leseprobe

Der Film als intermediales Medienphänomen: Das Internet als Ort filmischen Wissens

Die Bedingungen, unter denen sich der Film Anfang des 20. Jahrhunderts in der Medienlandschaft etablieren konnte, unterscheiden sich von den heutigen enorm. Der technologische Fortschritt und der Eintritt neuer Medien in das bestehende Mediensystem hatten Auswirkungen auf bereits vorherrschende Medien. Ein Schlagwort, das vor allem die letzten Jahrzehnte prägte, ist die Medienkonvergenz. Demzufolge beeinflussen die Medien sich nicht nur gegenseitig in ihrer Weiterentwicklung, sondern interagieren miteinander. So ist ein dichtes Netz entstanden, das Intermedialität und Transmedialität fordert und fördert. Medien sind demnach trotz ihrer individuellen Nutzbarkeit nicht autonom. Sie werden innerhalb eines weitläufigen Netzwerkes begriffen und verortet.

Der Film ist ein Medienphänomen, an dem diese Entwicklung deutlich gemacht werden kann. Zunächst war der Film an das Kino gebunden. Es war sein Heimatort. Mit der Einführung und der Entdeckung des Fernsehens als weitere Distributionsmöglichkeit wurden Filme mit einiger Zeitverzögerung auch im Fernsehen ausgestrahlt. Als weiterer revolutionärer Schritt kann die Einführung des Videorekorders betrachtet werden. Diese Technik ermöglichte eine weitere Verbreitung des Films. Mit der Videokassette als Trägermedium konnten Filme gewerblich erworben und nach Belieben rezipiert werden. Nicht nur die Häufigkeit der Rezeption, sondern auch der Zeitpunkt derer kann vom Zuschauer selbst bestimmt werden. Zudem konnten mit dieser Technik Filme archiviert und für spätere Generationen zugänglich gemacht werden[1]. Eine weitere Besonderheit ist jedoch die Anbindung des Konsums von Filmen an den Haushalt[2]. Bis hierhin kann die Entwicklung des Films also als eine beschreiben werden, die an sich nicht auf den Film als audiovisuelles Produkt Einfluss ausübte, sondern als eine, die stets den Ort der Aufführung erweiterte. Man kann also sagen, dass es das audiovisuelle Material ist, was den Film an sich, sein gesamtes Wesen ausmacht. Die ersten weiterführenden Informationen konnten dem Rezipienten über den ans Fernsehen gebundenen Teletext geliefert werden. Wurde ein Film auf einem Sender ausgestrahlt, konnten durch wenige Tastenkombinationen Textseiten ausgerufen werden. Hier standen meist Informationen zum Produktionsjahr und -ort, Regisseur, Darsteller und eine kurze Sinopsis. Mit der Einführung des digitalen Fernsehens wurde der EPG (electronic program guide) entwickelt, der unter anderem mit Hilfe einer Filterfunktion alle Filme auflistet, die zu einer bestimmten Zeit ausgestrahlt werden. Auch hier können weiterführende Informationen zu den Filmen abgerufen werden. Ein besonderer Stellenwert kommt jedoch der DVD zu, die die Videokassette seit ihrer Einführung 1996/97 als Trägermedium ablöste und als weiteres Glied in einer verlängerten Nutzungskette gesehen werden kann. Die DVD (Digital Versatile Disc) kann eine größere Datenmenge speichern als die Videokassette. Neben dem Film fand sich auf der DVD noch Platz für weiteres Material. Es konnten noch weitere Informationen geliefert werden. Interviews mit Regisseuren, Darstellern, Making-Ofs, Cut Outs, Audio-Kommentare von Regisseuren, Kameramännern etc. geben dem Rezipienten - so scheint es - einen Einblick hinter die Kulissen und in die Produktionsgeschichte der Filme und generieren damit ein Hintergrundwissen, das nur für DVD-Inhaber zugänglich ist. Dieses zusätzliche Wissen über den Film stellt nicht nur einen Anreiz für Käufer dar, sondern lässt daraus eine neue Form filmischen Wissens, eine ganz neue Wissenskultur entstehen, die - so muss man festhalten - von den Produzenten kontrolliert wird. DVD-Extras stellen daher einen Aspekt dar, der Filmwissen erweitert. Sie können damit als Ort filmischen Wissens gesehen werden. DVD-Extras bieten produziertes ,lnsider'-wissen, wodurch die DVD-Inhaber zu ,lnsidern' werden und sich ein Expertentum entwickelt, was wiederum die Nähe zum Produkt fördert.

Eine Plattform, die eine besondere Bedeutung für den Film und die Fankultur eingenommen hat und den Ort filmischen Wissens außerordentlich erweitert, ist das 1991 eingeführte Internet. Mit seinem Vorteil, Kommunikation über Raum und Zeit hinweg zu ermöglichen, stellt es einen Ort dar, in dem sich Menschen allerorts zusammenschließen und austauschen können. Das Internet bietet als neue Artikulationsmöglichkeit zudem eine Vielzahl an Möglichkeiten, filmisches Wissen darzustellen und zu partizipieren. Nicht nur Wissen über Filmgeschichte und Filmtechnik kann im Internet verbreitet werden. Produktionsfirmen haben das Internet für sich entdeckt, um Informationen zu Filmen anzubieten. Dies tun sie mit Hilfe von Homepages, die speziell für die jeweiligen Filme erstellt werden. Von den Produktionsfirmen entworfen, bergen sie weiterführende Informationen und Zusatzmaterialien wie Trailer, Poster, Screensaver und Bilder. Wie auch bei der Wissensvermittlung über DVD-Extras handelt es sich hier um kontrolliertes Wissen. Diese Seiten sind kommerziell und werden zu Zwecken der Werbung und des Merchandising verwendet. Das Internet ermöglicht also eine weitere Form der Vermarktung und PR für einen Film. Video-on-demand[3] Portale können zudem als weitere Aufführungsmöglichkeit und Absatzmöglichkeit genutzt werden. Während die Trägermedien Videokassette und DVD (die neueste Entwicklung, die für eine noch bessere Qualität sorgt, ist die BlueRay Disc) den Besitz ebendieser voraussetzen, ermöglicht dieses Verfahren den Nutzern den spontanen und unmittelbaren Zugriff auf das Filmmaterial. Während DVD und Videokassette auf ein Abspielgerät angewiesen sind, ist das Angebot von Online-Videotheken an das Vorhandensein eines Internetfähigen PCs oder Laptops gebunden, welche in der heutigen Zeit zum Standard-Haushalt der westlichen Gesellschaft gehören.

Herausragend ist jedoch die Bedeutung des Internets für die Fankultur, die im Internet eine besondere Form der Partizipation gefunden hat. Durch seine interaktive und partizipative Technik hat das Internet die filmische Fankultur immens verändert. Sie wurde ausgeweitet und ist dadurch komplexer geworden. Das Internet bietet verschiedene Möglichkeiten der Darstellung und des Auslebens des Fantums. Neben produktionseigenen Homepages sind auch nicht-kommerzielle Fanpages[4] entstanden, die alle Informationen zu bestimmten Filmen sammeln und präsentieren. Eine weitere Form sind Internetforen, die sich speziell mit Filmen oder einem bestimmten Film beschäftigen und in denen diskutiert werden kann.

[...]


[1] Wurde der Videorekorder zunächst vom DVD-Spieler abgelöst, hat sich heute der Festplattenrekorder etabliert, mit dem man Filme, die im Fernsehen ausgestrahlt werden, aufnehmen und als digitales Datenmaterial speichern und nach Belieben auch wieder löschen oder auch auf DVD brennen kann. Festplattenrekorder bieten zudem die Möglichkeit DVDs abzuspielen und über einen USB-Anschluss - auch neuere Fernsehgeräte sind bereits mit einem ausgestattet - Datenmaterial einzulesen und abzuspielen. Digitale Speichermedien wie Festplatten, USB-Sticks und Speicherkarten sind Trägermedien, die sich von VHS, DVD und BlueRay dadurch unterscheiden, dass der Inhalt ständig geändert werden kann.

[2] Die Videokassette ermöglichte aber auch die Aufführung an anderen mit Videorekordern ausgestatteten Orten. Der Film wurde dadurch mobil.

[3] Video-on-demand oder auch VoD heißt übersetzt „Video auf Nachfrage" und steht für das Angebot von Internetportalen (Online-Videotheken) gegen Gebühr digitales Videomaterial anzusehen.

[4] Fanpages sind Webseiten, die von Fans erstellt wurden und gezielte Informationen zu einem speziellen Thema/Hobby veröffentlichen.

Details

Seiten
6
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783656244240
Dateigröße
410 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v198285
Note
Schlagworte
Orte filmischen Wissens Internet Transmedialität

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Titel: Der Film als intermediales Medienphänomen